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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Ryria:

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Unter der Oberfläche verborgen

Weavingshaw von Heba Al-Wasity

Weavingshaw verbirgt so einiges: Illustrationen unter dem Cover (die Sonderedition von Thalia ist besonders schön!), unzählige Geheimnisse, Geister und die Seele der Autorin.
Genau wie Leena im Buch ist auch Heba Al-Wasity das Kind von Flüchtlingen und so wirken die Beschreibungen der verschiedenen Kulturen und der dazugehörigen Gefühle oft sehr persönlich.

Generell mochte ich diesen Aspekt der Buchwelt echt gerne, nur eine Karte hätte alles noch schön ergänzt, diese war leider nicht vorhanden.
Aber von Anfang: Leena hat die seltsame Gabe, Geister sehen zu können. Als ihr Bruder schwer erkrankt, geht sie einen Deal mit dem mysteriösen und bedrohlichen Saint Silas ein und arbeitet fortan für ihn. Ehrlich gesagt habe ich diesen Einstieg (Geschwister erkranken schwer) in letzter Zeit zu oft gelesen, aber zum Glück wurde nicht allzu viel Zeit darauf verwendet.
Das restliche Konzept hat mir dafür gut gefallen, beim Saint können die Menschen ihre Geheimnisse eintauschen, Leenas Fähigkeit ist hierbei natürlich besonders nützlich.
Nach und nach lernt man so mehr von der Welt kennen, enthüllt lange Verborgenes und blickt hinter die Fassade der Charaktere.

Die Atmosphäre wurde wundervoll eingefangen, sehr gothic wie versprochen, zwischendurch recht düster, der Geister-Aspekt toll eingewebt.
Die Handlung ist zwischendurch dafür recht langsam, statt auf schnelle Fortschritte wird auf stetigen Aufbau gesetzt. Besonders am Anfang konnte mich dies noch nicht so ganz packen, auch wenn ich durchaus neugierig war.
Zu der Entwicklung der Beziehung zwischen Leena und Silas hat dies aber gut gepasst, generell mochte ich beide Charaktere echt gerne, auch wenn es bei Silas natürlich etwas länger gedauert hat.
Auch Themen wie Rebellionen, die Kluft zwischen arm und reich und natürlich auch einige Fantasy-Elemente wurden spannend eingebaut.
Ein gelungener Auftaktband, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

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Unter der Oberfläche verborgen
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Leerstellen füllen

Über vier Leben von Pauline Hatscher

In der Gegenwart stellt sich Mirabell im Rahmen ihrer Therapie die Frage, über die wir vermutlich viel zu selten nachdenken: Wer waren unsere Vorfahren als Menschen, abseits ihrer Rolle als Mutter, Großmutter etc.? Welche Gedanken bestimmten ihr Handeln, welche Probleme hielten sie nachts wach - und welche Auswirkungen hat all dies auf die nachfolgenden Generationen?
Die gleichen Fragen beschäftigten auch die Autorin dieses Buches und so ist dies eine interessante Mischung aus Ahnenforschung und quasi doppelter Fiktion: Die Autorin denkt sich diese Geschichten aus, genau wie Mirabell im Buch die Leerstellen in der Geschichte ihrer Vorfahrinnen selbst ausfüllt.

Im Ergebnis haben wir so vier Zeitebenen und Perspektiven, 1930, 1968, 1994 und 2023, vier Generationen von Frauen.

Während ich diese Struktur grundsätzlich sehr mochte, liegt hierin allerdings auch mein größter Kritikpunkt. Immer wieder springen wir zurück in die Gegenwart und lesen, wie sich Mirabell all das gerade Gelesene nur ausgedacht bzw. anhand grober Fakten erschlossen hat. Dies ist zwar irgendwie auch das Grundthema des Buches, mich hat es aber leider etwas auf Distanz gehalten und ich konnte weniger mit den Charakteren mitfühlen, da sie ja teilweise so nur eine Schöpfung von Mirabell waren. Es ist ein wenig paradox dies über einen Roman zu sagen und im Grunde mochte ich die Idee auch, jedoch wünschte ich, man wäre seltener "herausgerissen" worden.
Dabei ist dies vermutlich eigentlich gar nicht so schlecht, denn die behandelten Themen waren fast durchgängig recht düster und traurig.
Vererbte Traumata, toxische Beziehungen, Depressionen, sexuelle Gewalt, die damalige Rolle der Frau - dies ist wahrlich kein Buch für schlechte Tage oder um es mal eben am Stück wegzulesen.
Abseits davon öffnet es einem aber auch die Augen dafür, selbst mal über die eigenen Familienmitglieder als Menschen nachzudenken und vielleicht eigene Nachforschungen vorzunehmen.

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Leerstellen füllen
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Geschwisterbande

Ein Riesenspaß für die ganze Familie von Jennifer E. Smith

Vier Geschwister, Ende 30 bis Anfang 40, darunter ein Profisportler, ein Schriftsteller und eine Oscar-nominierte Schauspielerin - und trotz ihrer engen Beziehung in der Kindheit besteht aktuell fast kein Kontakt mehr. Ein gemeinsamer Wochenendtrip soll dies ändern, doch jeder bringt seine ganz eigenen Probleme mit auf die Reise und eine von ihnen hütet dazu noch drei Geheimnisse, die nun aufgedeckt werden sollen.

Zunächst mochte ich es sehr, dass man auch wirklich alle vier Perspektiven verfolgen kann, so steht keiner der Geschwister komplett im Fokus, sondern man lernt alle gut kennen. Ich hatte tatsächlich auch keinen Favoriten, alle Perspektiven hatten ihren ganz eigenen Charme und ich habe alle gleich gerne gelesen.
Immer wieder werden durch diese Perspektivwechsel auch Brücken zwischen den Geschwistern gespannt und man kann Gemeinsamkeiten und Verbindungen besser erkennen, was ich ganz schön geschrieben fand.
Generell hat mir der Schreibstil gut gefallen, es gab zwar keine sprachlichen Highlights, dafür bin ich durch die Seiten geflogen und konnte es entspannt lesen. Im Mittelteil gab es kleinere Längen, insgesamt war das Tempo aber durchaus angenehm.
Die Handlung selbst ist nicht großartig spannend, auch die Überraschungen und Geheimnisse konnte man eigentlich recht gut vorhersehen. Von daher sollte man es nicht lesen, wenn man auf so etwas Wert legt - stattdessen sollte man Gefallen an Familienbeziehungen und Geschwisterinteraktionen haben, denn diese stehen eindeutig im Fokus.
Es gibt emotionale Momente, viele witzige Stellen und Rückblicke in die Kindheit, während derer mir die Charaktere auch ans Herz gewachsen sind und auch wenn man sich das Ende denken konnte, fand ich den Weg dorthin doch sehr unterhaltsam.
Als Einzelkind war das Buch ein schöner Ausflug in die Welt einer größeren Familie und ich hätte gerne noch mehr Zeit mit dieser Familie verbracht.

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Ein dunkler Sog

Mein zärtlicher Schatten von Johanna van Veen

1953 muss Roos für ihre Ziehmutter das Medium bei Seancen spielen, den Gästen werden Besuche von den Geistern ihrer verstorbenen Liebsten vorgegaukelt. Dabei ist nur Ruth wirklich dort, der Beschützergeist von Roos.
Die Begegnung mit Gast Agnes verspricht Befreiung und ein neues Leben, doch auch auf dem alten Familienanwesen von Agnes lauern Schrecken und Geheimnisse.

..
An diesem Buch ist wohl alles düster, von der Gestaltung über die Atmosphäre bis hin zu den behandelten Themen. Diese haben es auch durchaus in sich und gehen teilweise richtig unter die Haut, dabei entwickelt sich das Grauen jedoch schleichend.
Man hat zu Beginn Mitleid mit Roos, dann kommen nach und nach immer mehr Details ans Licht und werden zusätzlich noch unterstützt durch Zwischenkapitel, in denen ein Doktor versucht herauszufinden, ob Roos wahnsinnig ist.
Diese Mischung aus Gesprächen in der Gegenwart und Erzählungen über die Vergangenheit schaffen es, durchgängig die Neugier aufrecht zu erhalten.
Zwischendurch gab es allerdings doch auch Abschnitte, die sich ein wenig gezogen haben, vor allem, da manchmal nicht groß was passiert.
Trotzdem gönnt einem die Atmosphäre keine Pausen, wie in einem Sog liest man weiter, irgendwie von der Dunkelheit fasziniert.
Roos als Charakter ist echt interessant, auf ihre ganz eigene Art, Agnes hingegen ist mir im Großteil der Geschichte eher noch ferngeblieben und ich konnte Roos Zuneigung nicht immer ganz nachvollziehen.
Insgesamt ein düsteres Buch, das eigene Interpretationen zulässt und mit einer starken Atmosphäre überzeugen kann.

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Ein dunkler Sog
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Eine schicksalshafte Reise

Threadcut von Isabelle North

Yuna kann die Lebensfäden der Menschen sehen, eine Gabe, die ihr wie ein Fluch erscheint, schließlich erkennt sie so, wie viel Lebenszeit der Person noch bleibt.
Die Begegnung mit Halbgott Zenon führt sie schließlich auf eine Reise in die Unterwelt, auf der Suche nach Antworten und nach Heilung für ihre todkranke Mutter.

Die Einführung in die Geschichte hat sich für mich ein klein wenig gezogen, dafür nimmt das Tempo gut zu, als die Reise dann endlich losgeht. Hierbei lernen wir gefährliche Gegner, neue Verbündete und die verschiedenen Gebiete der Unterwelt kennen, immer schön angelehnt an die griechische Mythologie, so begegnen uns beispielsweise Charaktere wie Hades.
Da ich solche Neuinterpretationen mag, hätte ich auch ruhig noch mehr davon lesen wollen, aber bei einem Einzelband ist dies vermutlich eher schwierig. Dafür kann man die Geschichte tatsächlich bis zum Ende hin verfolgen, erfrischend in einer Welt des Fortsetzungstrends.

Der Schreibstil war angenehm und flüssig zu lesen, lediglich an der Sprache habe ich mich manchmal ein wenig gestört, da teils viele Kraftausdrücke kurz hintereinander verwendet wurden und es hierbei wenig Variation gab.
Die Beschreibungen empfand ich hingegen als gelungen, die verschiedenen Orte in der Unterwelt wirkten fantasievoll und wurden zusätzlich noch von einer Karte begleitet.
Ansonsten steht natürlich die Liebesgeschichte im Fokus, diese konnte mich aber erst gegen Ende wirklich packen. Zuvor ist die Beziehung zwischen Yuna und Zenon doch sehr geprägt von körperlicher Anziehung und lässt ein wenig Tiefe vermissen.
Dafür gab es noch eine sekundäre Romanze, die man nebenbei verfolgt und die mich tatsächlich doch sehr berührt hat.
Insgesamt ist zwar noch Luft nach oben, aber trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, konnte mitfiebern und mitfühlen und mochte den fantasievollen Ausflug in die Unterwelt.

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Von Liebe, Kunst und Freiheit

Weißer Sommer von Eva Pramschüfer

Kann es den richtigen Menschen zur falschen Zeit geben und wenn ja, wie geht man damit um?
Der Großteil des Buches spielt in der Vergangenheit: Während sich Alma und Théo in der Gegenwart fragen, ob es eine gemeinsame Zukunft für sie gibt, blicken wir zurück auf die Geschichte ihrer Beziehung, vom ersten Treffen über die gemeinsame Wohnung bis hin zur langsamen Entfremdung.

In diesem Sinne mag der Klappentext etwas irreführend sein, da nur wenig in der Gegenwart passiert, allerdings hat mich dies nicht sonderlich gestört, da das Gesamtbild doch sehr stimmig war.
Die Geschichte hat einen merkwürdigen Sog, es kommt keine klassische Spannung auf, trotzdem habe ich eine Seite nach der anderen verschlungen.
Hierzu trägt der Schreibstil nicht unwesentlich bei: Die Sprache ist wunderschön poetisch, immer wieder werden künstlerische Bilder geschaffen, die mich sehr berührt haben.
Regelmäßig wird Kunst in verschiedenen Formen beschrieben und passend dazu wirkt auch dieser Text wie ein kleines Kunstwerk.
Trotz dessen erscheint es nicht unnatürlich oder zu sehr gewollt, eher natürlich und die Lesbarkeit wird nicht beeinträchtigt.

Ebenfalls hervorheben muss ich die Darstellung dieser Beziehung. Behandelt werden Themen wie Klassenunterschiede, der Konflikt zwischen Freiheitsliebe und dem Wunsch nach Geborgenheit, Zukunftswünsche und generelle kleine Herausforderungen des Alltags.
Eva Pramschüfer schafft es hierbei, beide Perspektiven authentisch darzustellen. Man kann beide Seiten verstehen und auch mit beiden Protagonisten mitfühlen und mitleiden. Immer wieder haben mich Textpassagen an Momente in meiner eigenen Beziehung erinnert, manchmal sogar einen neuen Blick darauf ermöglicht.
Dementsprechend hat mich das Buch emotional auch sehr mitnehmen können, mich aber auch regelmäßig reflektieren lassen.
Insgesamt ein berührender Roman über eine besondere Liebe, ruhig, poetisch und teils ungeschönt realistisch.

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Schwieriger Schreibstil

Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher

Ich muss gestehen, die Gestaltung des Buches hat mich so begeistert, dass ich lediglich den Klappentext vor dem Kauf gelesen habe, was sich im Nachhinein wohl als Fehler herausstellte.
Zunächst muss ich die Aufmachung jedoch nochmal loben, von Farbschnitt bis zum Hardcover und Page-Overlay passt hier alles schön zusammen.

Auch die Idee der Geschichte hat mir gefallen: Damals quasi unzertrennliche Kindheitsfreunde treffen sich nach 20 Jahren in ihrer Heimatstadt wieder, wo zurückgeblickt wird auf ihre Jugendzeit und damalige Geheimnisse und erste romantische Gefühle. Dazu kommt dann noch ein bunter Themenmix aus Corona, Familienbeziehungen, Erkrankungen, Affären, alternden Eltern...
Teilweise wurde mir das Drumherum schon fast zu viel, dafür tritt die Haupthandlung ewig auf der Stelle - es passiert nicht wirklich was, auch Spannung baut sich keine auf.
Die Atmosphäre ist dafür wiederum besser gelungen, auch wenn sich hier das für mich größte Problem teilweise doch einmischt: Der Schreibstil.
Dieser konnte mich so gar nicht begeistern und wirkte eher ein wenig altmodisch auf mich, obwohl ich altersmäßig jetzt nicht so weit von den Protagonisten weg bin. Zunächst werden oft Wörter benutzt, die unnatürlich wirken. Auch die Dialoge leiden unter diesem Mangel, es wirkt vermehrt nicht wie ein normales Gespräch, sondern eher wie Schauspieler, die eine Szene im Theater vortragen.
Die Beschreibungen sind teils schön, teils aber auch zu übertrieben, sowohl von der Menge her, als auch von der Flut von Vergleichen und Metaphern.
Trotz angenehmer kurzer Kapitel sorgte dies dafür, dass mein Lesefluss immer wieder gestört wurde.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass eine etwas ältere Zielgruppe diesen Stil sehr lieben wird, so waren diese Kalendersprüche vor den Kapiteln schon so gar nicht mein Geschmack.
Drei Perspektiven zu verwenden war wiederum eine schöne Idee, allerdings waren diese doch auch recht ähnlich geschrieben. Die Charakterisierung der Figuren hätte durchaus noch mehr in die Tiefe gehen können.
Insgesamt konnte mich der Inhalt leider nicht so begeistern wie das Äußere, trotzdem kann ich mir auch gut vorstellen, dass andere Leser*innen große Freude an diesem Buch finden werden.

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Die Kraft der Elemente

The Sea Spinner (Wind Weaver 2) von Julie Johnson

Endlich geht es weiter und der zweite Band fügt sich sowohl inhaltlich als auch optisch wunderbar an den Vorgänger an. Die Gestaltung passt perfekt zusammen und auch hier gibt es wieder schöne Illustrationen und eine Karte von Anwyvn, die auch diesmal wieder nützlich war um die Handlung zu verfolgen.

Die Handlung startet mit den Folgen des Krieges, Caeldera besteht aus Ruinen, Penn ist emotional verschlossen und Rhya zwischen all dem verloren. Da kommt König Soren eigentlich ganz recht und an seiner Seite kann sowohl Rhya als auch der Leser die Welt des Wasserhofes und der Wassermagie kennenlernen.
Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen, nicht nur die Geschichte geht weiter, sondern man lernt auch immer mehr von der Welt kennen, erkundet neue Orte und neue Magien. Nach und nach füllt sich so die Karte mit Erlebnissen und wird lebendiger, auch die Beschreibungen hierzu sind rundum gelungen.

Ein weiteres Highlight ist Rhyas Entwicklung, die sogar noch mehr im Fokus steht als die eigentliche Handlung und mir den Charakter sehr sympathisch gemacht hat. Dies geht allerdings auch mit eher langsameren Abschnitten einher, in denen nicht so viel passiert und wenig Spannung aufgebaut wird.
Statt viel Action wird den Charakteren und ihren Beziehungen mehr Raum gegeben, was ich allerdings überwiegend als positiv empfunden habe, besonders da mir der neue Fokus auf Soren gut gefallen hat.
Insgesamt eine gelungene Fortsetzung, die mich schon jetzt auf den nächsten Band hinfiebern lässt.

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Einstieg in das Strafrecht

Feine Risse von Elisa Hoven

Wird in den Medien über eine Straftat oder die anschließende Gerichtsverhandlung berichtet, hat jeder schnell seine eigene Meinung dazu: Die eine Person erscheint eher unschuldig, bei der anderen ist die Strafe viel zu gering, was macht der Richter da überhaupt und wie kann der Strafverteidiger so einen Fall übernehmen?
Als Professorin für Strafrecht übernimmt Elisa Hoven hier die schwierige Aufgabe, der breiten Masse die Antworten auf solche Fragen in unterhaltsamer Form ein wenig näher zu bringen.

Eine fiktionale Strafverteidigerin übernimmt verschiedenste Fälle, die in kurzen Kapiteln angenehm erzählt werden. Ebenso gibt es aber auch eine Art Rahmenhandlung, die in jedem Fall ein wenig fortgeführt wird und so das Ganze mehr zu einem Roman umwandelt.
Wer sich ein wenig mit Strafrecht oder True Crime auskennt, wird hier auch viele Klassiker und bekannte Kriminalfälle wiedererkennen, die allerdings nicht nacherzählt werden, sondern umgewandelt wurden bzw. als Inspiration dienen.
Aus diesem Grund fand ich viele "Auflösungen" daher wenig überraschend, hatte aber trotzdem noch viel Spaß daran, den Weg dorthin zu lesen.

Was mir besonders gut gefallen hat: Es ist nicht nur schön juristisch korrekt, sondern auch kleine Details des Strafrechts finden ihren Weg in die Geschichten. Wer sich dafür interessiert kann so noch etwas dazulernen, gleichzeitig stört es aber auch nicht den Lesefluss von Leser*innen, die nur am "Drumherum" interessiert sind.
Dazu wird man immer wieder eingeladen, aktiv mitzudenken und moralische Fragen im Kopf zu erörtern. Wo stößt das Recht an seine Grenzen, wo erscheint es vielleicht nicht mehr gerecht? Wie würde man selbst in manchen Situationen handeln? Und kann man die andere Perspektive nicht vielleicht doch verstehen?
Auch wenn mir nicht jeder Fall gleich gut gefallen hat, kann ich das Buch in seiner Gesamtheit doch nur wegen genau dieser Überlegungen sehr weiterempfehlen.

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Ein Gemälde in Buchform

The Artist von Lucy Steeds

Im Jahre 1920 macht sich Joseph auf den langen Weg von England in die Provence. Sein Ziel: Ein Interview mit dem berühmten Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata. Das Problem an der ganzen Sache ist nur, dass dieser so gar keine Lust auf all die Fragen in seiner stillen Zurückgezogenheit hat und stattdessen Joseph kurzerhand zum Modell für sein neues Bild auserwählt.

Und dann ist da auch noch Tatas Nichte Ettie, die sich um den Haushalt kümmert und noch so einiges mehr verbirgt...
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir ein wenig schwer, hauptsächlich da sehr viel Wert auf die Atmosphäre gelegt wird und die Handlung dagegen eher langsam und ruhig voranschreitet.
Dafür ist diese Atmosphäre aber außerordentlich gut gelungen und passt auch perfekt zu den aktuell heißen Sommertagen: Man fühlt sich selbst wie in der Provence, erkundet die verschiedenen Räume des Bauernhauses, sitzt mit im Atelier.
Man ist dabei, während ein Gemälde entsteht und immer neue Ideen gefunden werden, was ich als schönen und interessanten Einblick in die Welt eines Malers empfand.
Generell hat der Schreibstil auch schön zum Thema gepasst, ein wenig poetisch passend zur künstlerischen Stimmung.
Unter diesem Gesichtspunkt ist auch das langsame Tempo eigentlich eine gute Wahl, für mich hat es sich aber dann teilweise doch ein wenig gezogen.
Die Handlung auf drei Hauptcharaktere zu beschränken und die Perspektiven von Ettie und Joseph zu verfolgen hat mir wiederum gut gefallen, besonders Ettie ist mir immer mehr ans Herz gewachsen.
Die in diesem Zusammenhang behandelten Themen wie die Rolle der Frau und der Kampf um Anerkennung und Selbstbestimmung sind auch hundert Jahre später oft noch aktuell und wurden hier dezent, aber eindrücklich eingebaut.
Insgesamt kein Buch für schnelle, spannende Lesestunden, aber dafür ein stimmungsvolles Erlebnis für die Sommertage.

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