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Rezensionen von La Calavera Catrina:

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Kreatives und ideenreiches Bilderbuch

Stock & Stein von Anne-Kathrin Behl

«Stock & Stein» ist ein einfallsreiches Bilderbuch über zwei lebendig gewordene Naturschätze, die in der gemütlichen Jackentasche eines Kindes wohnen. Als die Jacke gewaschen wird, werden die Freunde vor die Tür gesetzt. Was könnten Stock und Stein jetzt alles tun? Eine abenteuerliche Gedankenreise beginnt.

Die Illustrationen mit ihren kräftigen Farben sind einfach gehalten und zugleich ausdrucksstark, wodurch Kinder die Szenen und Gefühle von Stock und Stein leicht erfassen können. Deshalb gibt es nicht viel Text. Und wenn, dann setzt dieser cartoonhaft witzige Pointen und lebendige Dialoge, visuell unterstützt durch Sprechblasen oder Illustrationen.

Kinder lernen, wie wichtig es ist, Möglichkeiten zu erkennen statt Probleme zu sehen, mit der Zuversicht, dass alles wieder gut werden kann. Stock und Stein sind zwei liebevolle Helden, deren ideenreiche Träume und Vorstellungen für Kinder erlebbar werden. Die Geschichte endet mit einer Überraschung, die positive Gefühle, Sicherheit und Vertrauen stärkt und einen kindgerechten Abschluss bietet. Hier werden vor allem Kinder abgeholt, aber auch Erwachsene werden mit den Wortspielen ihre Freude haben. Es ist ein liebevoller Anstoß, aufmerksam durch die Natur zu gehen, und zu entdecken, was andere übersehen. Zum Schluss gibts eine kreative Idee, für alle, die gern basteln.

Fazit: Ein kreatives und ideenreiches Bilderbuch, das Kinder spielerisch mit Naturmaterialien vertraut macht – alles, was in Jackentaschen passt, verpackt in eine warmherzige, aufbauende und lustige Geschichte.

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Kreatives und ideenreiches Bilderbuch
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Grundzüge der Demokratie für Kinder ab 10 Jahren

Alexander von Ferdinand von Schirach

Das erste Kinderbuch von Ferdinand von Schirach ist eine philosophische Reise in die Vergangenheit: Alexander soll in der Hauptstadt gerechte Gesetze für die antike Stadt Kaliste finden, in der Hoffnung, dass es in einer gut und gerecht geführten Stadt keinen Tyrannen geben kann. Nur ein unvoreingenommener und kluger Kopf kann dies bewerkstelligen, und so wird Alexander ausgewählt, diese bedeutende Aufgabe zu übernehmen.

Das Schicksal der Stadt liegt damit in den Händen eines Jungen, der in sieben Tagen herausfinden muss, wie man friedlich miteinander leben kann. Wem wird er begegnen? Was wird er lernen? Auf seiner Reise begegnet Alexander ganz unterschiedlichen Menschen und fragt sie, was ihnen wichtig ist. Diese Gespräche sind bedeutend, weil sie dem Jungen Wissen, Orientierung oder wichtige Einsichten geben, die für die Entwicklung der Handlung entscheidend sind. Es sind unterhaltsame und amüsante Gespräche, aus denen sich grundlegende Rechte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und Schutz der Menschenwürde ergeben – kindgerecht und in einfacher Sprache erklärt, eingebunden in eine interessante Geschichte, bei der man hofft, dass Alexander am Ende das Schlimmste verhindern kann.

Die ruhige und distanziert nüchterne Erzählweise passt zu Alexanders Besonnenheit und der enormen Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet. Mit großer Klarheit und verständlichen Worten bleibt Ferdinand von Schirach beim Wesentlichen und veranschaulicht das Thema in gut verträglichen Abschnitten. Dadurch hebt sich die Geschichte mit einer ausgewogenen Mischung aus Unterhaltung und Wissensvermittlung hervor und bietet für Klein und Groß Anregungen zum Austausch und Nachdenken – gemeinsames Lesen wird empfohlen.

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Grundzüge der Demokratie für Kinder ab 10 Jahren
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Magische Fortsetzung für Kinder ab 10 Jahren

Cassandra Morgan, Band 2 - Die magische Flöte von Skye McKenna

Mitreißende Spannung, düstere Geheimnisse, magische Abenteuer, Freundschaft, Hexenpower, cozy Vibes und eine Prise Humor. Dazu eine außergewöhnlich schöne Buchgestaltung inkl. Blickfang-Cover mit passendem Farbschnitt und Verzierungen auf jeder Buchseite. «Cassandra Morgan - Die magische Flöte» hat alles, was gute Fantasy für Kinder braucht: ein magischer Ort mit mächtigen Hexen und eine mutige Heldin, die Familie und Freunde gefunden hat und ihre neue Heimat Hagley von einem Fluch befreien will.

Dazu kommen die stimmigen Details, weshalb man nicht nur spannend und magisch unterhalten wird, sondern sich beim Lesen auch wohlfühlt.

Im Gegensatz zum Auftakt ist Cassie mittlerweile im Dorf Hagley angekommen und fühlt sich bei ihrer Tante Miranda im Haus wohl. Die Beziehung zu ihrem magischen Begleiter Montague und ihren Freunden wird gefestigt, und es werden auch neue Charaktere eingeführt, die frischen Wind reinbringen und das Erzähluniversum erweitern. Cassie blüht weiter auf und entwickelt sich zu einer jungen Hexe, die ehrgeizig ihre Ziele verfolgt, die sich immer besser integriert und besonnener handelt als früher. Ungelöste Geheimnisse um ihre Mutter bleiben als roter Faden erhalten und lassen auf eine spannende Fortsetzung hoffen.

Die Autorin Skye McKenna sorgt für viel Abwechslung und Spannung. Es wird nie langweilig. Ihre Kreativität ist großartig, weil sie eine Sogkraft und Detailliebe entwickelt, die viel Spaß macht. Ihr Schreibstil ist bildhaft und flüssig und erzeugt eine Atmosphäre, die zum Träumen nach Hagley einlädt, aber schon merklich düsterer ist als noch im ersten Band. Ich freue mich auf den dritten Band, der bereits im November 2026 erscheint.

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Magische Fortsetzung für Kinder ab 10 Jahren
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Großartig! Unbedingt lesen!

Starfish von Lisa Fipps

Die elfjährige Texanerin wird wegen ihres Gewichts beleidigt und ausgegrenzt. Es tut weh, zu erleben, was sie durchmachen muss und aus nächster Nähe die Konsequenzen zu spüren. Ihr Gewicht ist allgegenwärtig und die selbstverfassten Dicke-Mädchen-Regel in ihrem Tagebuch bestimmen ihren Alltag. Ellie wird nicht nur in der Schule gemobbt, sondern auch in der eigenen Familie gedemütigt — ein Ort, der eigentlich ein Schutzraum aus Liebe und gegenseitiger Unterstützung sein sollte.

Das Kapitel um den Salzcracker hat mich sprachlos zurückgelassen, so einnehmend ist es geschrieben.

»Klischees sind bescheuert.
Sie geben den Leuten einen Vorwand,
Menschen zu hassen,
die anders sind als sie,
anstatt sich die Zeit zu nehmen,
diese Menschen kennenzulernen.«

Aber es ist keine deprimierende Geschichte, denn es gibt Lichtblicke: Ellies Vater und ihre Therapeutin. Sie gibt Ellie wertvolle Ratschläge, dazu, wie sie mit dem Mobbing und ihren Gefühlen umgehen kann. Diese Kapitel sind humorvoll und man spürt, wie Ellie auftaut und traut, sich zu zeigen. Sie lernt, sich selbst zu akzeptieren, obwohl andere das nicht können. Es steckt viel Liebe und Hoffnung in dieser Geschichte, bei der man dranbleibt, obwohl es keine Rätsel zu lösen gibt oder Drachen darin vorkommen. Die kurzen Kapitel lassen sich leicht lesen und erinnern vom Aufbau an ein Gedicht, denn Ellie ist Dichterin und eine hervorragend Erzählerin. Es liest sich wie ein Tagebuch, aber immer treffend statt ausschweifend und mit Sätzen, die man nicht so schnell vergisst.

Allerdings ist es viel einfacher,
die Gedanken anderer Leute über dich
in den Müll zu werfen,
als deine eigenen.

Die Welt aus Ellies Blick zu betrachten, war herzzerreißend, erschütternd und lehrreich. So eine wertvolle Geschichte, von der ich – wie die Autorin Lisa Tipps – hoffe, dass sie dazu beiträgt, dass sich die Einstellung der Leute ändert und viele Kinder dieses Buch lesen oder das Hörbuch hören. Betroffene Kinder, die wegen ihres Gewichts oder aus einem anderen Grund gemobbt werden, werden sich verstanden fühlen und eine Ahnung davon bekommen, wie es besser werden könnte. Erhellend, aufklärend und das ideale Buch, um ins Gespräch zu kommen. Sollte Pflichtlektüre an Schulen werden.

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Großartig! Unbedingt lesen!
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Ungewöhnlich fordernde Oktopussuche

Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell

«Alles war so rätselhaft, dass er Kopfschmerzen bekam, wenn er versuchte, die Puzzleteile zusammenzufügen.»

Das Leben von Eve Shaw, deren Kindheit früh durch ein tragisches Familienunglück seine Unschuld verlor, und sie zu einer distanzierten, einsamen und freudlosen Frau werden ließ, verändert sich, als ein älterer Herr sie als Kunstgutachterin aufsucht und sie auf das White Octopus Hotel aufmerksam macht.

Als Eve recherchiert, erfährt sie, dass das Hotel nur noch ein «vermooster Palast für Geister» ist. Sie lernt Menschen kennen, die das Grandhotel besucht haben und erfährt von Schlüsseln, deren Zimmer nicht auffindbar sind und einem magischen Briefpapier, mit dem man die Vergangenheit ändern kann.

Spannend und melancholisch baut die Autorin Alexandrea Bell eine mystische Atmosphäre auf, und beschreibt die auffälligen und versteckten Elemente so, dass ich tief in die eigene Vorstellungskraft eintauchen konnte, und den Besuch im historisch-stilvollem White Octopus Hotel mit dem festlich, eleganten Ambiente genoss. Der Roman ist voller Feinheiten und Puzzlestücke, die sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Unterschiedliche Zeitdistanzen und undurchschaubare Strukturen schaffen Konflikte und Herausforderungen, durch die Eve und Max wachsen, voneinander lernen und neue Seiten an sich entdecken. Die differenzierte Darstellung ist bewegend, emotional und einnehmend. Für mich waren Eve und Max tiefgründige Figuren, die in einem komplexen Gefüge agieren. Die traumatischen Schilderungen vom ersten Weltkrieg waren schwer auszuhalten und sicherlich einer der sichtbarsten Kontraste, die ich nicht erwartet hätte. Obwohl es auflockernde Elemente gibt, geht es doch vermehrt um herausfordernde Emotionen und belastende Ereignisse in der Vergangenheit. Möglicherweise belastend, wenn man sich magische Leichtigkeit erhofft hat. Umso schöner fand ich die magischen Details, wie das Oktopustattoo, welches lebendig ist und mehr verkörpert, als Eves Faszination für die Meereskreatur. Mehr Magie hätte der Geschichte nicht geschadet, aber darüber hinaus beschreibt die Autorin auch die Magie, die für uns alle zugänglich ist, wenn uns Erinnerungen, Musik oder Kunst tief bewegt.

Wenn am Ende die Zusammenhänge sichtbar werden, zeigt sich die meisterhafte Erzählkunst der Zeit als formbares Element, verwebt mit Geheimnissen, dem Setting eines Grandhotel in den Schweizer Alpen und einen Hauch Magie. Es ist eine Liebesgeschichte, die Spannung durch Zeitreise-Paradoxie bietet und zum Nachdenken über Vergänglichkeit, Geschichte und Schicksal anregt. Unerwartet neuartig und fordernder als angenommen.

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Ungewöhnlich fordernde Oktopussuche
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Gerissen und skrupellos beim Hauskauf

Tödliches Angebot von Marisa Kashino

Es ist kurz nach der Corona-Pandemie, die umkämpfte Immobilien-Marktlage ist schwierig. Die 37-jährige Margo und ihr Mann Ian wohnen im Westen der USA und suchen seit 18 Monaten ein Haus, in einem bevorzugtem Baustil, in einer bevorzugten Wohngegend. Als Margo ihr Traumhaus findet, will sie es haben, egal, was sie dafür tun muss.

Es beginnt harmlos, aber es wird schnell deutlich, dass Margo besessen von ihrer Vorstellung vom Familienglück im Traumhaus ist. Lügen gehen ihr leicht über die Lippen, und ihre Ehe ist von Kontrolle, Manipulation sowie dem Verlangen nach einem gehobenen Lebensstil belastet. »Dass ich mich manchmal so fühle, als könne mein Zorn sich jeden Moment durch meine Haut brennen und alles in ein Inferno verwandeln.« Der ist mit steigendem Druck alles zuzutrauen, dachte ich, und war trotzdem schockiert, wie sich alles hochschaukelt, wobei der Buchtitel schon erahnen lässt, dass Eskalation droht. Die Intensität nimmt ab einem bestimmten Punkt zu, an dem alles (noch mehr) kippt. Absolut verrückt und so gut geschrieben, dass es sich trotzdem nachvollziehen lässt, wo Margo falsch abgebogen ist, was sie antreibt und warum sie ist, wie sie ist, und ich richtig mitfiebern konnte. »Kein Haus, kein Baby. Kein Haus, keine Familie. Kein Haus, kein Leben. Ich bin hier, um meinen Traum wahrzumachen. Nichts ist wichtiger als das.« Ein bisschen Sympathie, für die moralisch sehr fragwürdige Margo, hatte ich trotzdem irgendwie, denn sie ist aufmerksam, liebt den Hund Fritter, was sie nahbar wirken lässt, und dann ist da die ehrliche Verzweiflung, trotz Kinderwunsches nicht schwanger zu werden und sich mit der Care-Arbeit im Stich gelassen zu fühlen. Auch ihr Wunsch nach einem schönen Zuhause ist nachvollziehbar, während ihr für all das die Zeit wegläuft. Trotzdem habe ich gehofft, dass diese Verrückte mit allem scheitert, aber die Hilfe bekommt, die sie braucht. Im Mittelteil gabs zugegebenermaßen ein paar Längen, die Spannung rausnehmen, aber plausibel sind.

Für mich ein packender Psychothriller, der trotzdem glaubhaft ist, und den ich wunderbar wegsacken konnte. Diese Frau ist gefährlich, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Intensiv spannend, eskalierend und hochaktuell.

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Enttäuschend wenig Spannung und viel Spice

To Cage a Wild Bird von Brooke Fast

«To Cage a Wild Bird – Verlier dein Leben. Oder dein Herz.» ist das Dystopie-Romance-Debüt und Reihenauftakt der Booktokerin und Autorin Brooke Fast.
Es ist eine dystopische Welt, in der die Oberschicht im Wohlstand lebt, während im Unteren Sektor Armut und Hungersnot herrscht. Die 23-jährigen Kopfgeldjägerin Raven tut alles, um ihren kleiner Bruder zu beschützen, seit ihre Eltern gestorben sind.

Als er in die Haftanstalt Endlock gesperrt wird, plant Raven einen Fluchtplan, um sein Leben zu retten – denn Gefängnisinsassen werden zum Vergnügen der Oberschicht und für Credits gejagt und getötet. Raven ist unglaublich tapfer und entschlossen, wenn es um ihren kleinen Bruder geht. Sie stellt auch unter Beweis, dass sie keine herzlose Kopfgeldjägerin ist, sondern heldenhaft und selbstlos agiert, wenn es darauf ankommt. Die Zeit in Endlock ist für Raven eine prägende Grenzerfahrung in Vertrauen, Freundschaft und Überlebenskampf, die ihr Leben auf den Kopf stellt.
Unter den harten Bedienungen und der Angst, jederzeit gejagt, entlarvt und getötet zu werden, wollte Brooke Fast wahrscheinlich intensive Spice-Szenen erzeugen, die in der zweiten Hälfte übermäßig zunehmen und explizit beschrieben werden. Leider wurde es dadurch nur noch anstrengend. Es kommt kaum noch Spannung auf, obwohl der Beginn noch vielversprechend war. Wachmann Vale verfolgt auch eigene Ziele, aber so überraschend und geheimnisvoll es für Raven ist, so enttäuschend und vorhersehbar für mich. Hier stimmte die Mischung und die Dynamik einfach gar nicht. Die Muster ähneln sich und es fühlt sich wie ein nicht gelungener Abklatsch an. Nicht vergleichbar mit «Die Tribute von Panem», wo man bei den Hungerspielen wirklich mitfiebern konnte.
Der Schreibstil jedoch ist flüssig, die Prämisse erstmal spannend, aber was daraus gemacht wurde, konnte mich nicht packen. Für mich war es leider eine oberflächliche Enttäuschung, abgesehen vielleicht vom Found Family-Trope, die den Fokus auf Spice legt.

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Das Flussmädchen und das Traumbild der Liebe

Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton

Hauptfigur ist die 12-jährige Bo, die mit ihrem Bruder und ihrer Mutter im Jahr 1918 im historischen London lebt. Die Familie hat nicht viel Geld, aber Bo kann die Schule besuchen und muss keinen Hunger leiden. Trotzdem denkt Bo nicht daran die wertvolle Münze zu verkaufen, die sie im Schlamm der Themse gefunden hat.

Der Fluss sprach zu ihr und sie hatte eine Vision. Bo weiß, da steckt mehr dahinter. Gemeinsam mit ihrem neuen Freund Billy, der von einer zweiten Münze weiß, beginnt das Abenteuer um das Rätsel der magischen Münzen.

„Billy lachte sein wundervolles Lachen, das Bo von innen wärmte, und dazu der Geschmack der köstlichen Karamellbonbons. Hier unten am Fluss war das Leben schön.“ 119

Eine kindgerechte und langsam aufgebaute Geschichte, mit einer geradlinigen Handlung und vielen Rätseln, die nach und nach gelüftet werden. Erwachsene werden diese schneller durchschauen, aber für Kinder ist es eine berührende und mitreißende Story, die zum Wegträumen in eine andere Zeit einlädt, und sie überraschen wird. Durch die überschaubare Anzahl an Figuren und der einfachen Erzählweise, kann man der Handlung gut folgen. Besonders in Bo kann man sich gut einfühlen, ohne das es jedoch zu tiefgreifend wird. Die Kapitel haben eine angenehme Länge für geübte Lesende und ich würde das Buch ab 10 Jahren empfehlen.

Für alle, die eine poetische Geschichte suchen, die im alten London spielt, aber nicht bedrückend, sondern magisch, atmosphärisch und rätselhaft erzählt wird. Die tiefere Botschaft und das Ende hinterlassen als besonderes Abenteuer einen nachhaltigen Eindruck.

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Das Flussmädchen und das Traumbild der Liebe
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Lügen und große Gefühle - Hörbuch

Firewatch von Colin Hadler

„Ich muss demjenigen schmeicheln, den ich auf der ganzen Welt am meisten verabscheue. Nur so gelange ich an die Wahrheit.“

Die rückblickenden Kapitel mit Aaron, der später vermisst wird, haben mir besonders gut gefallen, weil ich die Vorstellung von einem Ferienjob als Fire-Observer in einem kalifornischen Nationalpark aufregend finde.

Man erfährt auch einiges über den Ablauf und seine Arbeit. Für den extrovertierten Aaron ist der Job aber vor allem eintönig und einsam. Deshalb muss er ständig an den attraktiven Kian denken, der dreißig Meilen entfernt auf seinem Turm ist, und mit dem er in Funkkontakt steht, aber ihn noch nie gesehen hat.

Zehn Monate später weiß Robin immer noch nicht, was mit seinem Freund Aaron passiert ist, aber er hat einen schwerwiegenden Verdacht und will Gerechtigkeit. Robin ist eigentlich schüchtern, einfühlsam und aufrichtig. Doch er ist so entschlossen, Kians Vertrauen zu gewinnen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist, dass er lügt, manipuliert und sich dabei zu verlieren droht. „Als die Tränen aufhören, fühle ich mich armselig. Es ist einfach über mich gekommen. So wird sich Kian nie in mich verlieben, und ich werde ihn nie ausliefern können. Aaron war anders. Stark. Nicht so verletzlich. Kian sucht jemanden wie ihn, nicht wie mich.“ Dazu kommt die Tatsache, dass er Kian mag und gleichzeitig hasst. „Dieser Zerrissenheit und seiner Erkenntnis ‚Das bin nicht ich‘ zu folgen, macht es psychologisch nervenaufreibend und spannend.“ Ich konnte mit ihm mitfiebern und sein Handeln nachvollziehen, obwohl es einen Moment gab, wo ich fassungslos war, wie er das tun konnte. Es ist eine Gratwanderung, sich mit einem Mann einzulassen, den man verdächtigt, einen Mord begangen zu haben. Die Atmosphäre ist dementsprechend bedrohlich und aufgeladen. Bei allen Charakteren wird klar, sie verbergen etwas. Ein falsches Spiel, das Autor Colin Hadler souverän beherrscht und eine ungewöhnliche Kombination aus Spicy Romance und Psychothriller, unvorhersehbar und einnehmend. Es gibt zwei spicy Szenen, die explizit beschrieben werden. Ich mag es lieber, wenn es bei Andeutungen bleibt, aber da sind die Geschmäcker ja verschieden.

Meine Wahl für das Hörbuch habe ich nicht bereut. Sprecher Nicolás Artajo passt großartig. Ich konnte mir sowohl Aaron als auch Robin sehr gut mit der Stimme vorstellen, die kraftvoll und ein bisschen rau ist, in ihren Nuancen variiert, Emotionen klar rüberbringt und der ich stundenlang zuhören konnte. Einzig die Augenblicke, (leider auch zwei Kapitel) wo er flüstert, lagen mir gar nicht. Die lassen sich aber überspringen, ohne das man Wichtiges verpasst.
Manchmal zieht sich alles ein bisschen, aber die Auflösung ist heftig und erschütternd. Da wird so einiges losgetreten, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Also ein spannendes und ungewöhnliches Hörerlebnis mit teilweise waldigem Setting, großen Gefühlen der ersten Liebe und zahlreichen Geheimnissen. Für alle, die Lust auf queere Liebe und Nervenkitzel haben.

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Kein Entkommen!

Happy Head von Josh Silver

«Happy Heat» ist ein packender Near-Future-Fiction-Thriller und Auftakt einer Reihe, in dem Autor Josh Silver die psychische Gesundheit junger Menschen in einer zunehmend zerstörerischen Welt mit einer queeren Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines experimentellen Mental-Health-Programms kombiniert.

Der siebzehnjährige Seb ist Hauptfigur und nimmt nur widerwillig am HappyHeat-Program teil. Keiner seiner Freunde und Mitschüler wurde ausgewählt, seine Mutter gibt ihm deshalb zu verstehen, wie einzigartig diese Chance ist, sein Leben wieder auf die Spur zu bringen. Obwohl man seine Familie nur auf der Hinfahrt kennenlernt, legen Sebs Erinnerung die Vermutungen nahe, dass seine gläubigen Eltern nicht glücklich über sein bisheriges Verhalten sind und er sie stolz machen möchte, um sich geliebt zu fühlen. Dort setzt das Programm an und ich hab mich gefragt sich, ob Seb sich treu bleiben oder die an ihn gerichteten Ansprüche erfüllen wird.

Mir hat besonders gefallen, dass sehr nah aus der Perspektive von Seb erzählt wird, der über ein bisschen Humor und viel Sympathie verfügt. Dazu gehört auch, dass man durch seine Bewusstlosigkeit blind wird und auf seinem Kenntnisstand bleibt. Das gibt einem das Gefühl, selbst am Programm teilzunehmen. Ich war durchweg gespannt, welche Aufgabe das Giftgrüne Team von Seb oder nur ihn allein als Nächstes erwartet. Davon gibt es einige und sie sind alle abwechslungsreich und spannend – auch was die Textgestaltung angeht. Die Mitarbeiter sind unheimlich gut gelaunt, die Regeln sind streng und für Gehorsamkeit und Erfolge winken Belohnungen. Der rätselhafte Finn, zu dem Seb sich hingezogen fühlt, und Seb verhalten sich ganz unterschiedlich. Finn rebelliert, während Seb Vertrauen aufbaut und die Anerkennung genießt. Jedoch bringt die Zuneigung zu Finn ihn dazu, sein Verhalten zu hinterfragen. Der Traum vom Ende des Unglücklichseins, der in London tragisch seinen Anfang nahm, regt zum Nachdenken an. Autor Josh Silver bringt seine beruflichen Erfahrungen ein und trifft den richtigen Ton, der vermittelt, aber den Spaß nicht vermissen lässt. „Einem Ort, an dem sie dazu ermutigt würden, auch mal ein Blick über den Tellerrand zu werfen und sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Dazu, zu verstehen, was Gemeinschaft wirklich bedeutet. Dazu, sich einmal zu fragen, was Erfolg eigentlich ist und welchen Wert er für diese Gesellschaft – und für sie ganz persönlich – hat.“

Von jemandem der Teilnehmer fällt früh der Vergleich mit ‹Squid Game›, einer südkoreanische Netflix-Serie, bei der es um tödliche Überlebensspiele geht, der auch vom Verlag aufgegriffen wird. In meinen Augen weckt der Vergleich falsche Erwartungen oder schreckt wohlmöglich ab, denn «Happy Head» ist unproblematischer. Obwohl einige sensible Themen vorkommen (die ausführlich aufgelistet sind), wird auf unnötige oder reißerische Darstellungen verzichtet, und ich hatte den Eindruck, dass diese sprachlich verantwortungsvoll und altersgerecht behandelt wird. Man bleibt größtenteils im Unklaren, wofür die Aufgaben sind und welche Schlüsse daraus für die Teilnehmenden gezogen werden, was es spannender macht. Ich hätte am liebsten jede freie Minute weitergelesen. Es ist nicht wild konstruiert, was mir gut gefallen hat, allerdings auch weniger wendungsreich, als ich gedacht hätte.
Obwohl die queere Liebesgeschichte zwischen Seb und Finn nicht im Mittelpunkt steht, gibt es herzerwärmende Augenblicke, die Seb Kraft geben. Wenn ich an den unterhaltsamen Badezimmerpakt denke, ist Sebs Entwicklung greif- und nachvollziehbar, und nimmt ebenso zu, wie der Spannungsbogen, der auf den letzten Seiten zu explodieren scheint, während man in einem Cliffhanger zurückgelassen wird. Auf die Fortsetzung muss ich mich bis zum Herbst 2026 gedulden, aber ich kann es kaum erwarten, wieder in Sebs Rolle einzutauchen und zu erfahren, wie es weitergeht.

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