Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Knisterndes Chaos
Willow-Falls-Reihe, Band 2 - Stay With Me in Willow Falls von Greta Milán
Zu Paige Freundeskreis in in dem kleinen idyllischen Städtchen Willow Falls gehören auch Ahornfabrikinhaber Jared und Blumenladenbesitzerin Cassie - das Paar, um das es im ersten Band «Take Me Home to Willow Falls» ging. Nicht nur deshalb stellt sich beim Lesen schnell ein heimeliges Gefühl ein.
Die verschworene Clique und der Zusammenhalt sind mit das schönste an der Reihe. Auch die erste Szene enthielt bereits so viele berührende Willow Falls Vibes. Allerdings kann der zweite Band auch unabhängig vom ersten gelesen werden. Paige ist ähnlich liebreizend wie Cassie. In ihrer eigenen Holzwerkstatt namens Woody´s kann sie sich kreativ ausleben und auch sonst hat sie einen klugen, ehrlichen und sanftmütigen Charakter. Ihr Love interest ist Miles Chamberlain, der sich nur vorübergehend wieder in Willow Falls aufhält und damit alte Wunden aufreißt. Denn Paige, ihr Bruder Reese und sein ehemals bester Freund Miles haben eine schmerzhafte Erinnerung gemeinsam. Deshalb geht es in der Story auch um die Bruder-Schwester-Beziehung der beiden. Miles wird daraufhin in Willow Falls nicht freudig empfangen, denn diese eingeschworenen Gemeinschaft ist ziemlich nachtragend. Die Kapitel aus Miles Sicht lassen aber schnell darauf schließen, dass er diesen Groll nicht verdient hat und Paige verzweifelte Suche nach einer geeignet Partner bald vorbei sein wird. „Warum zur Hölle fand ich keinen netten, sympathischen Mann, der sich auch in mich verlieben konnte?“ Es ist eine romantische Geschichte über Schuldgefühle, Versöhnung, Vergebung, Freundschaft und die große Liebe. Ich hätte mir etwas mehr Humor gewünscht und ingesamt hat mir «Take Me Home to Willow Falls» besser gefallen - dort kam auch mehr Herbstatmosphäre auf. Am Ende wurde es mir zu langatmig und der dramatische Teil war mir zu gewollt und vorhersehbar, aber ich wurde über weite Strecken gut unterhalten und vergebe 3,5 Sterne. Was auch immer da zwischen Owen und Reese nach den vielen Andeutungen ist - es ist ziemlich offensichtlich, dass sich ein dritter Teil um die beiden anbahnt.
Ich habe es geliebt
Die Briefeschreiberin von Virginia Evans
Die 73-jährige Sybil van Antwerp gibt eine ganz hervorragende Hauptfigur ab, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen. Sie hat einen nicht ganz umgänglichen Charakter, ist streitlustig und eigenbrötlerisch, vor allem aber klug, nachdenklich und sie schreibt so galant formuliert, dass ich selbst gern Briefe von ihr erhalten würde.
Deshalb habe ich den Briefroman sehr genossen, zumal ich eine Faible für diese Literaturform habe.
„Schreiben fiel mir leichter als Sprechen. Das ist bis heute so geblieben.“
Wie ein Puzzle setzt die Autorin Virginia Evans das Bild von Sybil und ihrem Leben zusammen. Dabei weckt sie nicht ganz unabsichtlich die eigene Lust zum Briefeschreiben, da Sybil schwärmerisch das geschriebene Wort huldigt und viele gute Gründe aufzählt, die ich selbst an der „ursprünglichsten Formen des gesitteten Austauschs“ schätze.
Ich bin vom Hörbuch (ganz großartig gesprochen von Beate Himmelstoß) auf das Buch umgestiegen, da ich besser damit zurecht kam, die Briefe vorzublättern, um zu sehen, wer sie verfasst hat, wenn sie nicht von Sybil stammten. Über drei Jahre Korrespondenz - und es ist erstaunlich, wie viel man den Briefen und Mails entnehmen kann und wie gut diese Erzählweise funktioniert, die ganz ohne Szenen, Dialoge oder Begegnungen auskommt. An einigen Stellen hat mich Virginia Evans auch neugierig gemacht und eine angenehme Spannung erzeugt. Wer ist der anonyme Schreiber mit dem Kürzel DM, der Sybil zunehmend ängstigt? Dann ist da noch die drohende Blindheit und der damit verbundene Verlust ihrer bevorzugten Kontaktpflege. Dieser Satz lässt ahnen, wie sie damit umgeht: „Ich werde wohl eingehen wie ein Fisch, den man aus dem Teich gezogen und auf dem Steg in der prallen Sonne vergessen hat.“ Dann hat mich noch neugierig gemacht, wem Sybil die besonders tiefgründigen und ehrlichen Zeilen schreibt, die sie dann nicht abschickt. Es erweckt den Eindruck eines Tagebuchs und es gibt es auch Geheimnisse in ihrem Leben. Ganz besonders mochte ich allerdings die vertrauensvollen Briefe an ihren Adoptivbruder, den sie sehr schätzt und dessen Antworten von Humor gezeichnet sind. Auch ihre Vorliebe, Autoren zu schreiben, fand ich vorzüglich, weil es ihre Leseleidenschaft aufnimmt und ihre klugen Leseeindrücke eine Freude sind. Die Korrespondenzen sind vielfältig und zeigen viele Facetten. Mir wurde jedenfalls nicht langweilig. Die Avancen des Nachbarn haben mich schmunzeln lassen und all das zeigt vermutlich schon, wie sehr ich «Die Briefeschreiberin» geliebt habe. Ein Jahreshighlight für mich, dem ich eine große Leserschaft wünsche, die ganz besondere Bücher mit Herz und Humor entdecken möchte.
24-tägige Selbsterfahrungsreise
Rauhnächte - Reguliere dein Nervensystem und schaffe die Basis für persönliches Wachstum von Tanja Suppiger
„Denn nicht die Rauhnächte sind magisch, sondern unser Bewusstsein, mit dem wir sie durchschreiten […]: Sie bringt uns zurück in den Moment.“
Es liest sich wie eine verlockende Einladung, die meine Sehsucht nach einer wohlverdienten Pause und Rückverbindung noch verstärkt hat. Deswegen empfand ich das erste Drittel mit allen Grundlagen ansprechend und als gute Vorbereitung für die Umsetzung ab dem 8.
Dezember. Mehr über die Bedeutung der Wintersonnenwende zu erfahren oder die Speernächte, die als Rückblick und Vorbereitung für die Neuorientierung in den Rauhnächten genutzt werden können, war einen neue Ergänzung für mich, mit der ich mich noch nicht beschäftigt hatte.
Autorin Tanja Suppinger gelingt es gut, die Neugier auf diese 24-tägige Selbsterfahrungsreise zu wecken. Sie macht Lust auf Veränderung, ohne den Fokus auf Ziele zu setzten, sondern auf die bewusste Erfahrung. Diesen sanften Weg ohne Überforderung zu gehen, macht diesen Ratgeber so ideal für Hochsensible und Feinfühlige. Tanja Suppiger ist selbst hochsensibel und hilft in ihren Coachings anderen feinfühligen Menschen ihr volles Potenzial zu leben. Der Ratgeber ist leicht verständlich geschrieben, sehr informativ, wobei Wiederholungen genutzt werden, um die Basis zu vertiefen. Mit Körperprozessen, Ritualen, Reflexionsfragen und Impulsen hilft Tanja Suppiger dabei, dem Körper zuzuhören, zu erfassen, was einen blockiert und sich mit Präsenz und Mitgefühl zu begegnen, neugierig auf das, was sich zeigt.
Ich sehe das durchaus als Herausforderung, in der überreizten Vorweihnachtszeit meinem Nervensystem die Erholung zu schenken, die es dringend benötigt. Deswegen gefällt mir besonders, dass die Übungen einfach und alltagstauglich sind. Alles was ich benötige ist in diesem Buch, das zudem schön aufgemacht ist und viele stimmungsvolle Bilder enthält. Es ist sogar möglich, ein kostenloses Onlineangebot zu nutzen.
Meiner Meinung nach ist der Ratgeber für alle, die wieder ins Fühlen kommen wollen, egal ob hochsensibel oder nicht. Gerade für Einsteiger eignet es sich besonders gut als wiederkehrender Begleiter durch die Sperr- und Rauhnächte.
Spannender Fantasy-Agententhriller
Das Buch der verlorenen Stunden von Hayley Gelfuso
Die folgenschwere Reichsprogromnacht lenkt das zukünftige Schicksal der noch 11-jährigen Lisavet aus Nürnberg in einen mystischen Zeitraum und ermöglicht eine elf Jahre spätere Begegnung mit dem CIA-Agenten und Zeithüter Ernest. Ein hochaktueller Roman, indem Erinnerungen Macht bedeuten und ihre Kontrolle die Wahrheit beeinflusst.
Es ist die Magie einer riesengroßen Bibliothek, die als Bewahrer menschlicher Erinnerung dient, mit der mich Hayley Gelfuso am meisten begeistern konnte. Lisavets Flucht und Bestehen in diesem mystischen Zeitraum hat eine ganz besondere Faszination und Beklemmung gehabt, die mich selbst Zeit und Raum vergessen ließ, während ich eintauchte. Diese eindrucksvolle Einstieg fesselte und berührte mich. Dazu ein poetischer Schreibstil, der mit sanfter Niedergeschlagenheit eine philosophische Tiefe bewirkt.
Die Entwicklung von Lisavet wird mit einer emotionalen Distanz geschrieben, die ich authentisch fand. Ein Kind, das so aufwächst und erst später die Welt sieht, die sie verlassen hat, ist von dieser Entfremdung geprägt. Hayley Gelfuso mischt die Genre und erschafft zunehmend etwas, was den anfänglichen Zauber vermissen lässt. Bezüglich Lisavet hat mich die Geschichte schließlich verloren, als ihre Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar waren und diese Unstimmigkeit in ihrer Charakterdarstellung zu Widersprüchen führte. Das fand ich schade, aber das ist ein der wenigen Dinge, die mir nicht gefallen haben.
Die Erzählweise ist komplex gestaltet und erstreckt sich über verschiedenen Zeitebenen und Handlungsstränge. Das macht es zu einem anspruchsvollen Leseerlebnis, bei dem sich besonders das Ende lohnt.
Es ist ein Fantasyroman und historischer Agententhriller, der durchaus verstrickt und melancholisch ist, indem sich allerdings auch eine Liebesgeschichte entfaltet und politische Akzente gesetzt werden. Eine faszinierende Mischung mit aktuellen Bezügen, die mahnend nachwirken. Lesenswert, aber nichts für zwischendurch.
Für alle, die Bücher lieben
Ich bin der beste Freund des Menschen von Christian Schnalke
„Ein Notfall! Ist zufällig ein Lyrikband anwesend?!“
Ich glaube, jeder der Bücher liest, versteht die humoristischen Cartoons, die Christian Schalke in diesem Buch vereint. Hundert Witzbildchen erzählen ganze Geschichten über Bücher die Zufluchtsorte bieten, in denen Welten auf einen warten und Bücher, die zum Leben erwachen und sich in der Komik des Genrealltags wiederfinden.
Der Humor und Einfallsreichtum ist klasse, weil es als kurzweilige Unterhaltung mit popkulturellen Referenzen funktioniert und man sich dabei in den Buchclub begibt, wo es warm und behaglich zugeht, oder auch weil die Cartoons sagen: „Denk mal drüber nach!“. Bei manchen fühlte ich mich ertappt, beispielsweise musste ich beim „Kritiker" oder „Casanova“ sehr lachen, und manche hätte ich mir am liebsten als „Dreamteam“ an die Wand gehängt. Viele sind zum Schmunzeln, manche ganz besonders schön, weil sie den Zauber von Büchern einfangen und auf mehreren Ebenen zünden.
Die farbigen Cartoons sind dabei auf das Nötigste reduziert, ja beinahe einfach scheinen sie und sind deswegen so treffsicher und genial. Könnten sie doch auch zu spannenden Interpretations-Gesprächen einladen oder stilvoll die Buchläden schmücken.
Das handliche Format als Hardcover wirkt sehr hochwertig und mit dem roten Lesebändchen hat es etwas Liebreizendes an sich, weshalb ich es jemandem schenken würde, für den ein Leben ohne Bücher auch sinnlos wäre. Mich konnte dieses humorvolle Buchgeschenk sehr erfreuen.
Ich würde es allen empfehlen, die Bücher lieben und gerne über die Eigenheiten schmunzeln, die diese Leidenschaft mit sich bringt.
Magischer Hexenauftakt für Kinder ab 10 Jahren
Cassandra Morgan, Band 1 - Der goldene Schlüssel von Skye McKenna
Es geht um die 12- jährige Cassandra Morgan, genannt Cassie, für die Bücher ein Zufluchtsort sind. Vor sieben Jahren versprach ihre Mutter, wiederzukommen und sie aus Fowell House abzuholen. Seit dem wartet Cassie an diesem für sie einsamen Ort, ahnungslos, dass sie eine Tante und einen Onkel hat, die Magie beherrschen.
Bisher hat sie davon nur in ihren Büchern gelesen. Das letzte Andenken an ihre Mutter ist ein goldener Schlüssel, der Cassie hilft, ihrer Bestimmung als Hexe zu folgen und der Mission, ihre Mutter zu finden.
«Cassandra Morgan - Der goldene Schlüssel» hat alles, was ein guter Fantasy-Auftakt für Kinder braucht: eine einsame und mutige Heldin, die ohne Vorwissen in eine magische Welt eintaucht und dort Familie und Freunde findet. Erst durch das Bestehen von Prüfungen kann sie zu einer Hexe werden, die einen magischen Begleiter erhält. Allerdings bedrohen finstere Mächte den Frieden. Das verspricht Spannung, Geheimnisse, magische Abenteuer, Freundschaft und Hexenpower. Auch wenn die Charakterverteilung und die Fantasyelemente ganz klassisch sind, war es einfach wunderbar, in diese Geschichte einzutauchen. Und es wird besonders für Kinder toll sein, die diese Muster noch nicht gewöhnt sind.
Ich wollte wissen, was mit den verschwundenen Kindern passiert und warum Rose Morgan ihre Tochter nicht aus Fowell House abgeholt hat und niemand in der Familie von Cassie wusste. Dann verschwinden in ganz London Kinder und das Rätsel betrifft schließlich auch Cassie. Außerdem umgibt den geheimen Schlüssel von Cassies Mutter ein Mysterium, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Was ich aber besonders mochte, waren die stimmigen Details, weshalb man sich beim Lesen wohlfühlt. Mrs Briggs ist die Haushälterin von Cassies Tante Miranda. Tüchtig und liebenswert ist sie stets um das leibliche Wohl ihrer Gäste besorgt. Ihre liebenswerte Art birgt cozy Momente, genau wie Rue Whitby, die zu Cassies besten Freundin wird. Ihre Dynamik mochte ich sehr, weil sie sich gegenseitig helfen und Cassie richtig darin aufblüht, sich zugehörig zu fühlen. Der Kater Montague ist die Stimme der Vernunft und hat immer ein waches Auge auf Cassie. Auch wenn Tante Miranda als Haghexe drei wichtige Regeln für Cassis aufgellt hat, liebe ich es, dass sie sich nicht daran hält und in den Hag geht, denn der übt eine gefährliche Faszination aus und ich mochte diese Abenteuer ganz besonders. Die Hag-Begegnung zwischen Cassie und Ambrose war mein Highlight.
Die Autorin Skye McKenna lässt sich immer etwas Neues einfallen. Es wird nie langweilig. Ihre Kreativität ist großartig, weil sie eine Sogkraft und Detailliebe entwickelt, die viel Spaß macht. Ihr Schreibstil ist bildhaft und erzeugt eine Atmosphäre, die zum Träumen nach Hagley einlädt. Dadurch hat es mich auch nicht gestört, dass Cassies Gedanken- und Gefühlswelt nur oberflächlich bleibt. Das letzte Kapitel war für mich der perfekte Abschluss und ich freue mich auf den zweiten Band, der im März 2026 erscheint.
Fazit: Fantasyauftakt für Kinder ab 10 Jahren über Hexen, fantastische Wesen und einen magischen Ort namens Hagley. Dazu eine außergewöhnlich schöne Buchgestaltung inkl. Blickfang-Cover mit passendem Farbschnitt und Verzierungen auf jeder Buchseite. Ein besonderes Lesehighlight für alle, die Lust haben in eine fantastische Hexenreihe zu starten.
Magic-Locked-Room-Mystery
The Blackgate Invitation von Sarah Henning
Die Schwestern Ruby und Wren sind nicht die, die sie behaupten zu sein, als sie in Hegemony Manor an einem Dinner teilnehmen. Für die beiden Hochstaplerinnen wird es jedoch brenzlig, als ihre Auftraggeberin die Abmachung bricht und ein Mord geschieht, in dessen Konsequenz das Anwesen durch Magie abgeriegelt wird.
Ihnen wird klar, worin sie verstrickt sind und sie mithelfen müssen, den Mord aufzuklären, um nicht für immer auf dem Gelände gefangen zu bleiben.
„Wir stecken fest in einer verdammten Gruselvilla voller Hexen, einer Leiche und wahrscheinlich mehreren namentlich bekannten Geistern.“
Düsternis und eine unheimliche Atmosphäre umgeben das Anwesen und mit Hexen, Zauberern und Geistern ist es das perfekte Grusel-Setting. Das hat mein Interesse geweckt. Gelungen fand ich den stetigen Wechsel der Ich-Erzähler. So konnte man die Handlung durch Ruby oder Auden verfolgen, was ein stimmiges Bild ergab und eine authentische Slow-Burn-Romance, die wenig Raum einnimmt und ohne Spice auskommt. Ansonsten bin ich leider etwas enttäuscht und hätte mir bei der Umsetzung mehr Originalität und Unvorhersehbarkeit gewünscht.
Die magischen Blutlinien, Familienverstrickungen und die Suche nach den Relikten war langatmig und statt zunehmender Spannung beherrschten vor allem Dialoge, Streitigkeiten und die inne Welt der Hauptfiguren die Story. Es gab Momente, das konnte ich nicht nachvollziehen, weshalb die Schwestern nicht aufgeflogen sind. Man sieht, was man sehen will? Das hat mich nicht überzeugt. Auden bemerkt zwar, dass etwas anders ist, erklärt sich das aber spekulativ mit einem Vergessenszauber. Auch das hat sich einfach zu sehr gezogen. Die Auflösung war vorhersehbar und bot wenig Spannung oder Überraschungen. Das Ende hat mich mit Grusel-Twists etwas versöhnt, aber so richtig glücklich war ich mit den fehlenden Konsequenzen und dem Ausgang nicht. Auch, wenn ich es stellenweise gern gelesen habe, finde ich es schade, da der Funke bei mir nicht übergesprungen ist.
Unheilvolle Riesenvilla
Death at Morning House von Maureen Johnson
Es geht um eine Riesenvilla, die den Tod anzuziehen scheint und diese zwei mörderischen Geschichten von Morning House werden hier erzählt.
Das Ehepaar Ralston verbrachte mit ihren sieben Kindern jeden Sommer auf der Insel im Morning House. Morgens strahlt die Villa, aber abends wirkt sie beunruhigend unheilvoll.
Bis 1932 zwei Todesfälle diesem Glück ein Ende setzten. Viele Jahre später ist Morning House ein Ort, der frei zugänglich ist. Marlowe verbringt den Sommer damit, Touristen durch die Villa zu führen und erfährt, dass sie den Platz eines toten Jungen eingenommen hat.
Erzählt wird die Geschichte von Marlowe, die sich in Akilah verliebt. Das erste Date endet im Chaos und ist der Grund, warum Marlowe den Ferienjob annimmt. Als zynische Ich-Erzählerin richtet sich Marlowe direkt an die Lesenden und erzählt, wie zwei Gegenstände ihr Schicksal besiegelten: eine Duftkerze und ein Lippenstift. Das tut sie humorvoll und authentisch, sodass es sich sehr gut lesen lässt. Durch die Rückblenden erfährt man, was sich 1932 in Morning House zugetragen hat. Davon hätte ich gern mehr gelesen, denn die Geschehnisse um Marlowe sind nicht so interessant, während der Vater mit seiner Visionen der Welt und der zwanghaften Tagesstruktur der Kinder mehr Potenzial aufweist. Auch wenn ich mit Marlowe nicht so richtig warm geworden bin, mochte ich die kleine Liebesgeschichte und die, vom Pech verfolgte, Hauptfigur. Die Auflösung, um die Todesfälle sind spannend inzidiert, haben mich überrascht und trösten etwas über den „langen Anlauf“ hinweg.
Hatte eine herbstliche Rom-Com erwartet und nicht das
Spookily Yours von Jennifer Chipman
Bei der Bezeichnung Pumpkin-Lovestory und diesem unschuldigen Cover stelle ich mir eine verhexte romantische Komödie mit Herbststimmung rund um das Halloweenfest vor. Gerade am Anfang fühlte ich mich an »Sabrina - Total verhext« erinnert.
Willow arbeitet mit ihrer Schwester Luna im Hexenbräu, der Café-Bäckerei des Dorfes Pleasant Grove.
Willow ist total Kürbisverrückt und liebt Halloween. Ein Wohlfühleinstieg, der sogar Spannung aufkommen lässt, als Willow den Kater Damien adoptiert und versucht, ihn von dem Fluch zu befreien. Danach ist leider jegliches Fünkchen von Potential verpufft. Eigentlich will der besitzergreifende Damien sich nicht auf eine Hexe einlassen, verliert aber schnell jeden Anschein von Selbstkontrolle und erhebt Anspruch auf seine kleine Hexe, wie es sie nennt. Während es immer wieder zu erotischen Tête-à-têtes kommt, bei dem nichts mehr der Fantasie überlassen wird und der Eindruck erweckt wird, ein Teenager hätte technische Anweisungen verfasst, gerät Damiens Mission oder das feierlichen Kürbis- und Halloweenfest in den Hintergrund. Alles wird schnell abgehandelt. Damit dürfte klar sein, worum es in dem Buch wirklich geht, wenn auf Atmosphäre und Spannung weniger Wert mehr gelegt wird und sogar Willow vermutet, Damien hätte sie in eine Sex-Dämonin verwandelt. Dazu passt auch die vulgäre Sprache und der flache Schreibstil, der zudem inhaltliche Fehler aufweist. „Schei***, ich liebte es, sie zu küssen. Ich glaube nicht, je müde zu werden, ihren Mund in meinen zu nehmen.“ What?
Wirkliche gute Unterhaltung, echte Gefühle, nur ein bisschen Charaktertiefe oder gar Einfallsreichtum, sucht man hier vergebens - Quantität vor Qualität. Vielleicht sollte man das auch so bewerben, denn ich fühle mich getäuscht.
Jennifer Chipman hat versucht ein idyllisches Dörfchen wie bei Gilmore Girl zu erschaffen. „Für Fans von »Gilmore Girls« und »Vampire Diaries«“ heißt es, aber das, was die Serien ausmacht, findet sich in dieser Story nicht ansatzweise wieder. Das ist irreführend, weil es völlig falsche Erwartungen schürt. Ich war maßlos enttäuscht und kann, aufgrund der genannten Punkte, keine Empfehlung aussprechen. Es sei denn, mann möchte genau das: cringe spice Inhalte, besitzergreifende Männerfantasien und unstimmige Klischees, gepaart mit einem Hauch von Hexe, Dämon und obsessiver Herbstsaison. Scheint ja manchen zu gefallen, aber definitiv kein „verdienter“ Bestseller, sondern nur irreführendes Marketing.
Tolles Konzept mit Mehrwert und schöner Aufmachung
In der Komfortzone wächst nichts. Die schönsten Gärten blühen außerhalb. von Gitta Jacob
Therapeutin und Autorin Gitta Jacob hat 52 wirkungsvolle Sätze aus der Praxis zusammengestellt, die nicht spurlos an mir vorbeigezogen sind. In kompakten Texten gibt sie psychologisches Wissen und Erfahrungswerte weiter, die nicht nur farblich zum Buch passen und sich von den Übungen abheben, sondern auch einfühlsam geschrieben und leicht verständlich sind.
Die Übungen, durch die orange Schriftfarbe leicht zu erkennen, sind aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) oder Achtsamkeitsübungen. Die schriftliche Ausarbeitung ist zwar im Buch möglich, aber der Platz dafür ist begrenzt.
Die hochwertige Gestaltung finde ich zudem gelungen. Die übersichtliche Struktur ist praktisch und durch das gleichbleibend farbliche Konzept, bleiben die Gedanken fokussiert. Wenn man Zuversicht und Inspiration sucht, lohnt es sich, das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen. Mir gefällt die Idee, die kommenden 52 Wochen des neuen Kalenderjahres, jeder Woche einen Satz auszuwählen. Dadurch habe ich genügend Zeit für die Übungen, sofern es welche für den jeweiligen Satz gibt und kann den Impuls für die Woche nutzen.
Das Konzept spricht mich sehr an, denn manche Sätze bleiben hängen, werden zu Glaubenssätzen, können das eigenen Denken in eine positive Richtung lenken und auch anderen im richtigen Moment helfen.
Was mir besonders gefallen hat, ist die sanfte Art von Gitta Jacob verständnisvoll zur Selbstreflexion anzuregen. Sie ermuntert zwanglos, sich mit Achtsamkeit und Verständnis zu begegnen und die tiefere Bedeutung hinter den Sätzen zu verstehen und zu verinnerlichen. Außerdem vermittelt sie neue Perspektiven: Gefühle allein sind kein guter Ratgeber, Therapie ist kein Allheilmittel, Sexualität verdient mehr Beachtung und Abgrenzung aus Selbstführsorge kann auch eine egoistische Fehleinschätzung sein.
Beim Lesen ist es wirklich spannend zu beobachten, was die Sätze mit einem machen. Manche Sätze, und die dahinter stehenden Prinzipien, sind bekannt oder hat man schon mal gehört. Die Sätze wirken unvermittelt und zeigen, was man schon verinnerlicht hat und wo man noch ansetzten könnte. Was bewegt mich? Was fordert mich heraus? Wo besteht noch Handlungsbedarf?
Es ist also eine psychologisch spannende Lektüre mit verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten, kompetentem Wissen und brauchbaren Ansätzen, die sich lohnt. Aufgrund der schönen Aufmachung und dem mehrmaligen Nutzen gebe ich eine Kaufempfehlung und hoffe, auf eine Fortsetzung. Ein Kalender wäre auch ein tolles Geschenk.











