Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
„Sie leben! Seien Sie dankbar.“
Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer
«25 letzte Sommer» von Stephan Schäfer hat mir gut gefallen. Sein neues Werk «Jetzt gerade ist alles gut» ist ähnlich aufgebaut: eine Aneinanderreihung kurzer Anekdoten eines Familienvaters und leidenschaftlichen Spaziergängers, dessen Leben sich nach einer Nahtoderfahrung im Kleinen, aber Wesentlichen verändert.
Stephan Schäfer leistet damit einen wichtigen Beitrag und lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Sepsis, die von vielen unterschätzt wird.
Ohne Prolog und Epilog sind es 21 Kapitel, die sich unterschiedlichen Themen des Alltags widmen und die nur langsam voranschreitende Genesung zeigen.
„Die schönen Momente festzuhalten. Einfach das Hier und Jetzt beschreiben. Und nicht mehr so viel erwarten.“
Ich ertappte mich oft dabei, wie ich abschweifte, inspiriert von dem Gelesenen und bereits eigenen Ideen dazu gedanklich nachging. Das zeigt bereits, dass die Handlung wie ein Ratgeber in Form einer Erzählung funktioniert. Ob die Liebe zum Film, dem, was wir in Alltag übersehen, alltägliche Kommunikation oder das alltägliche Miteinander schätzen, Gespräche, die nachhallen, die im Dunkeln besser sind oder „im Allgemeinen, dass es sich nirgendwo so gut sprach wie beim Spaziergang“. Es gibt viele Anregungen. Besonders berührt hat mich das Kapitel „Der Geburtstag“, weil ich dem Protagonisten einen anderen Ausgang gewünscht hätte.
Zurück bleibt für mich vor allem Dankbarkeit für das Geschenk der Normalität und die eigene Gesundheit.
Achterbahnfahrt
Woman Down von Colleen Hoover
Colleen Hoover ist die erfolgreichste Autorin der Welt und ihr neues Werk basiert auf einer Kurzgeschichte von ihr, die vor einigen Jahren erschienen ist und die sie weiter ausgebaut hat, nachdem Fans begeistert waren. Ich war neugierig und dies war mein erstes Buch der Autorin.
Inhalt:
In dem Romantic Thriller (laut Cover ein Roman!?) geht es um die von Selbstzweifeln geplagte Bestsellerautorin Petra Rose und ihrer Schreibblockade wegen eines Shitstorms.
Für ihren neuen Roman nimmt sie sich eine Auszeit in einem überraschend luxuriösen Airbnb und erlebt einen kreativen Schaffungsprozess am Limit, „um den rohen, echten Gefühlen näherzukommen.“
Meine Meinung:
Colleen Hoover verspricht eine „schwindelerregende Achterbahnfahrt voller Leidenschaft, Spannung, Sinnlichkeit mit einem Hauch von Gänsehaut.“ Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, finde ich den Vergleich überwiegend zutreffend. Nachdem ich aus der wilden Schreiblust-Achterbahn gestiegen bin, dachte ich, die Loopings waren gar nicht so krass, generell war die Fahrt flach und schnell vorbei und irgendwie waren die letzten Meter nicht überraschend, sondern enttäuschend. Und dann gibt es da ein Beweisfoto, bei dem ich sichtlich Spaß habe, während ich mehrere Loopings hintereinander absolviere und mir die Gesichtszüge entgleisen. Und so ist es! Vielleicht gefällt mir das Ende nicht und der Rückblick ist ernüchternd, mit dem Wissen, was ich jetzt habe. Vielleicht habe ich auch zu viel erwartet, aber Petras Erfahrungen haben durchweg einen stimmungsvollen Nervenkitzel gehabt, wenn ich versucht habe, zu begreifen, „was hier gerade passiert.“ Ich konnte nicht ganz genau sagen, worauf das hinauslaufen wird und ab der Mitte hatte ich eine böse Vorahnung. Kurz: es ist unterhaltsam, sinnlich und stets unterschwellig spannend, mit steilen Loopings. Besonders stilvoll finde ich, dass Colleen Hoover es versteht, andeutungsvollen Spice einzubauen, der meiner Fantasie überlassen ist und sich nicht in Details verliert. Ein großer Pluspunkt, bei einem ansonsten flüssigen Schreibstil, der Petras Sichtweise authentisch darstellt.
Kein Kunstflug mit anspruchsvollen Manövern, aber durchaus einige gute Gründe «Woman Down» zu lesen und die Erwartungen runterzuschrauben, denn hier genießt man einfach die Fahrt.
Der Fall des rätselhaften Bücherschranks
Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens von Rebecca Stead; Wendy Mass
Evan kommt in die 6. Klasse und wechselt mit seinem besten und furchtlosen Freund Rafi an die Middleschool. Eine große Sache, aber Evan ist abgelenkt damit, Detektiv zu werden. Eigentlich beginnt alles mit dem Ratgeber „Wie man einen Krimi schreibt“, den Evan in der Freiluftbibliothek findet, bewacht von Kater Mortimer.
Von da an entdeckt Evan sein detektivisches Gespür und tauscht sein unsichtbares Cape gegen eine unsichtbare Deerstalker, das ikonische Erkennungszeichen für Detektive.
Gleich zu Beginn bilden sich einige Fragezeichen: Welches Geheimnis hat Mortimer und warum ist er der Hüter der Bibliothek? Warum reagiert Evans Vater so seltsam, als er das Buch aus der Freiluftbibliothek sieht, das sein Sohn mit ihm in Verbindung bringt? Wer ist Bea?
Sogar ein Schädlingsbekämpfer, der Mäuse rettet statt zu bekämpfen, bildet ein Mäuse-Mysterium, dass es zu lösen gilt.
Es gibt mehrere Plottwists, die ihre Wirkung nicht verfehlen und mir super gefallen haben, zumal der wechselnde Erzählstil von Katers Mortimer, dem neugierigen Evan und der geheimnisvollen Bea dazu beiträgt. Als dann alle Fäden zusammen laufen, war ich begeistert und zufrieden mit dem Ende. Bea wirkt wie die Erzählerin, weil sie die imaginäre Barriere durchbricht und ihre Leser und Leserinnen direkt anspricht, und sie gibt nur nach und nach etwas Preis, was die Spannung erhöht.
Die Autorinnen Rebecca Stead & Wendy Mass haben eine ungewöhnliche Umsetzung ihrer wunderbaren Buchidee gewählt, die eine Alternative zum Gewohnten in der Kinderliteratur bietet. Es baut sich nur langsam Spannung auf, wobei es interessant bleibt und man durchgehend weiterlesen möchte. Mortimer ist kein tierischer Sidekick, wie man vielleicht vermuten könnte und die Handlung ist zwar überwiegend geradlinig, aber die Vergangenheit spielt eine wichtige Rolle. Typisch dagegen ist die einfache und klare Sprache, sowie kurze Kapitel und eine große Schrift, die das Lesen erleichtert. Positive Werte und Botschaften werden vermittelt, wobei Freundschaft und die Magie des Lesen eine zentrale Rolle spielen, während kleine Weisheiten und ein toller Humor erheitern: „Jede lange Nacht sollte mit einem guten Frühstück enden.“
Ich fand die beiden genannten Regel des Steins der Wahrheit einprägsam und kindgerecht integriert. Schön ist auch, dass Gedichte eine kleine Funktion einnehmen und Evan sich zu einem echten Detektiv entwickelt, der mit seinen Freunden schließlich seinen Fall und das Rätsel, um die vor zwanzig Jahren verbrannte Bibliothek löst.
„Das ganze Leben ist voll von rätselhaften Begebenheiten. Und das macht uns am Ende alle zu Detektiven.“
«Mortimers Geheimnis» hatte mich schon mit dem ersten Kapitel und der sanften Mäuseumleitung von Mortimer überzeugt. Auch die liebevollen Details haben mir gefallen. Kinder und Erwachsene werden sich gut unterhalten fühlen und die Plotttwists in Erinnerung behalten.
Empfehlen würde ich das Buch Kindern ab 9 Jahren, die gern und viel lesen, denn es braucht ein bisschen, bis man sich eingelesen hat. Dafür wird man mit einer besonderen Geschichte belohnt. Wer temporeiche Spannung braucht, um dranzubleiben, wird wohlmöglich schneller die Lust verlieren.
Willkommen auf Idlewood!
Eisnebel von Kate Alice Marshall
Es war nicht nur die schneebedeckte Berglandschaft und das luxuriöse und vor allem abgelegene Winterdomizil, was mir atmosphärisch gut gefallen hat. Theodora hat mich als starke Figur überrascht, nachdem ich sie anders eingeschätzt hätte. Ihr Verlobter Connor ist für sie unerlässlich wie Sauerstoff, sagt sie.
„Erschreckend, wie rasch wir uns ineinander verflochten.“ Liebe, die nach wenigen Monaten mit einer Verlobung gefeiert wird, was bei der reichen Familie für Skepsis sorgt. Das Zusammentreffen bleibt nicht ohne Hürden, aber was sich dann auftut ist düster und gefährlich. Doch Theodora wurde gewarnt. Irgendjemand aus der Familie will sie nicht dort haben und bald ist sie überzeugt, dass sie wohlmöglich gezielt an diesen Ort geführt wurde. Es ist eine einfache Erzählweise, denn fast ausschließlich Theodoras Sichtweise wird erzählt. Dass macht es teilweise besonders spannend, aber an der ein oder anderen Stelle hätte ich eine neue Perspektive gebraucht.
Es geht um dunkle Geheimnisse und eine Wahrheit, die nur mithilfe der Vergangenheit aufgedeckt werden kann. Familiäre Verstrickungen, Reichtum und Gehorsam. Wendungsreich, sprunghafte Verdächtigungen und ein Kern, der berühren kann. So ganz ohne Konstruktionen und verschenktes Potenzial geht es aber leider nicht. Insgesamt zwar spannend, aber nicht so packend, wie gehofft. In jedem Fall war es ein Thriller, der unter den Nägel brennt und sich gut zusammen (Buddyread, Lesezirkel etc.) lesen lässt.
Große Hörbuch-Empfehlung!
Joshua Jackelby,1 Audio-CD, 1 MP3 von Benedict Mirow
Es gibt mehrere faszinierende Aspekte an dieser Geschichte: Die Handlung, die in London (1851) spielt und der Zusammenhalt der «Waterloo Boys», die ein gemeinsames Schicksal eint und Freundschaft und Zusammenhalt gegen die «Kings» verbindet. Außerdem ist es ein mitreißendes Abenteuer in die Vergangenheit mit mutigen Helden, ausgewogen temporeicher Spannung und emotionalen Momenten.
Ich habe von Anfang an mitgefiebert, als der Zeitungsjunge Joshua an einem Dienstag im März, in einer todesmutigen Rettungsaktion, Hazel das Leben rettete. Autor Benedict Mirow beweist schon in diesem ersten Kapitel, dass er es versteht, packende Spannung und Emotionen zu verbinden. Dabei erzeugt er stimmungsvolle Bilder und lebendige Figuren, sodass das Hörerlebnis auf mehreren Ebenen funktioniert, während mir die kreativen Ideen und die Vielseitigkeit besonders gefallen hat. Kindgerecht wird auch die Härte der Zeit abgebildet und ein Eindruck davon vermittelt, wie die Menschen damals gelebt haben, denn für Joshua und seine Freunde ist das Geld stets knapp und das Überleben hängt von ihrer Arbeit ab. Dadurch ist das Angebot, den Fall des gestohlenen Himmelseglers aufzuklären, aufgrund der hohen Belohnung, sehr verlockend. Gemeinsam mit dem diebischen Leroy und der cleveren Charly sowie weiteren sympathischen Figuren begibt man sich gern in dieses Abenteuer und fiebert mit den Figuren mit, die brenzlige Momente durchzustehen haben.
Ich fand die Hörbuch- bzw. Hörspiel-Inszenierung spektakulär. Untermalt mit einem stimmungsvollen Soundtrack werden gefühlvolle Momente intensiver und da die zahlreichen Figuren ihre eigene Stimme bekamen, war es noch lebendiger und ein unterscheiden der Charaktere keine Schwierigkeit. Dazu gab es Geräusche, die einen direkt ins 19. Jahrhundert befördern und der Schrei des Prinzen Ilavarasan verursacht eine angenehme Gänsehaut. Ich fand es grandios. Absolute Empfehlung, ganz besonders für das gelungen (ungekürzte) Hörspiel.
Heute nehmen wir Reißaus!
Ins hohe Gras von Trevor Noah
Wer möchte nicht die lästigen Pflichten für einen Tag hinter sich lassen, um stattdessen die Freiheiten eines Samstags zu genießen, der mit großen Abenteuern lockt? Nicht nur aus Kindersicht macht das absolut Sinn.
Ein Junge hat ganz eigene Pläne für diesen Tag, während sein Teddy namens Walter ihm ins Gewissen redet.
Doch der Junge will „dahin, wo wir noch nie waren“ und nimmt Reißaus. „Mit aller Macht wollte er den Haushaltspflichten entkommen, die seinen perfekten Tag zu verderben drohten.“
„Mach dich darauf gefasst, seltsame Dinge zu erleben.“ Ingesamt drei fantasievolle Begegnung im hohen Gras hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei den zwei Gefährten und lehren sie eine neue Sicht auf die Welt, in der wir versuchen, einander zu verstehen und aufeinander zuzugehen.
Eine unterhaltsame Geschichte, farbig illustriert und
nicht zu überladen, regt mit Fantasie zum Nachdenken über unser Miteinander an. Gleichzeitig wird die Abenteuerlust geweckt, aus der Perspektive eines Kindes, das nicht versteht, warum es all die Regel immer befolgen muss.
Das offene Ende gefällt mir gut, weil ich mir selber ausmalen kann, wie der Junge mit Walter nach Hause zurückkehrt und was ihn dort erwartet. Angesichts des Themas finde ich auch nachvollziehbar, warum die Suche nach Antworten ebenso viel Seitenumfang hat, wie die Idee zum Aufbruch. Dieser Teil gehört bereits zum Abenteuer dazu.
Die hochwertigen Materialien und gestalterischen Details des Buches, machen es zu einem edlen Geschenk. Die besondere Buchgestaltung unterstreich den Zauber und die Tiefe der Geschichte um einen Jungen und seinen Teddybären. Es ist eine Einladung an Kinder und Erwachsene diese bebilderte Geschichte zu entdecken, wirken zu lassen und sich darüber zu unterhalten. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie ein Buch durch seine Aufmachung und Gestaltung zu einem besonderen Erlebnis wird.
Eine positive Haltung zum Winter entwickeln
Wintern von Kari Leibowitz
Der Winter bringt Kälte, Dunkelheit, Müdigkeit und vermindert das Interesse an sozialen Kontakten. Was soll daran gut sein? Was macht man, wenn man sich permanent nach der Sonne sehnt und nur will, dass der Winter schnell vorüber geht? Winterdepression vorprogrammiert.
Autorin Kari Leibowitz lenkt die Aufmerksam weg von den unangenehmen Seiten des Winters, die nun mal unabänderlich sind, und etabliert eine positivere Einstellung zur Winterzeit.
Das tut sie ausführlich und wechselt, wenig stimmungsvoll, zwischen ihren Reisen, Erfahrungen und durchgeführten Studien und deren Erkenntnisse.
Die „Aufwärtsspirale von Akzeptanz und Anpassung“ und der Winter als ruhige Pausentaste, als Gelegenheit, sich mehr auszuruhen. Beim Lesen kommen direkt Ideen und ich wurde angeregt, meine innere Einstellung zu hinterfragen. Viele Sätze werden in anderer Form wiederholt, um sich allmählich im Kopf festzusetzen, immer mit der Botschaft: den Winter annehmen. Letztlich nichts Neues, aber ein zusammengefasst wertvoller Reminder und Impulsgeber.
„Und indem wir die Einstellung einnehmen, dass Ruhe von Natur aus wertvoll ist, dass sie ein Teil des Menschseins ist, bekommt die Ruhe eine andere Bedeutung.“
Wer schnelle Impulse sucht, findet in den zahlreichen „Praxistipps für den Winter“ die wichtigsten Umsetzungstipps. Es lässt sich nicht für jeden alles umsetzten, besonders, wenn die Lebensrealität eine andere als die der privilegierten Autorin ist, aber letztlich kann jeder etwas für sich mitnehmen und positive Aspekte am Winter finden.
Kari Leibowitz geht auf positiv ausgerichtete Strategien ein, sowie achtsame Entschleunigung, etablierte Rituale der Gemütlichkeit und Bewegung in der Natur. Dabei geht es im gesamten auch darum, wie sich schwierige Lebensphasen besser überstehen lassen und wie sich ein anderer Blickwinkel auf das eigenen Wohlbefinden auswirkt.
Ich empfand es als Liebeserklärung an den Winter und einige Aspekte haben meine Sichtweise verändert und meine Bewältigungsstrategien bereichert. Viele Maßnahmen zusammengenommen, helfen mir bereits.
Daher ist das Buch aus meiner Sicht gut geeignet für alle, die Schwierigkeiten haben, sich auf den Winter einzulassen, unter Winterdepressionen oder starker Wintermüdigkeit leiden, und deren Lichtlampe ungenutzt in der Ecke steht. Wer «Überwintern. Wenn das Leben innehält» von Katherine May mochte, dem wird dieses Buch auch gefallen. Besonders sinnvoll, wenn man im Einklang mit den Jahreszeiten leben möchte, aber bisher gescheitert ist.
Prägnant und wirkungsvoll erzählt
Der Fluss der Zeit von Pascal Mercier
Wie ist das, wenn man in die Vergangenheit eintaucht und noch einmal ganz lebendig in Erinnerungen schwelgen will? Wenn man die Vergangenheit nicht loslassen kann und der Abschied einen Neuanfang überschattet? Wenn Dankbarkeit zur Last wird oder der Fluss der Zeit sich in einem angstvollem Moment des Wartens ewig hinzieht? Diese fünf Kurzgeschichten vereinen sprachliche Präzision und erzählen mit philosophischer Tiefe von eindrücklichen Momenten.
Dabei endet jede Geschichte mit einem gefühlten Paukenschlag, manchmal laut und manchmal leise. Wobei «Tödlicher Lärm» mich in seiner Drastik am meisten überrascht hat und das Konzept umzukehren scheint.
Unverkennbar betrachtet Pascal Mercier nicht nur die direkte Erfahrung seiner männlichen Figuren, sonder zeigt auch außenstehende Personen und ihre Eindrücke, wie in «Die Übergabe», in der der Vorbesitzer den Käufern sein Haus übergibt, wobei seine Gefühlswelt sich nur durch seine skurrilen Handlungen erahnen lässt: „…kaum auszuhalten…Wir gehen auf dünnem Eis.“ Oder Jan Winter, der sich mit seinem Sohn unterhält und unerwarteten Halt bei seiner Familie findet. Im Fluss der Zeit stehen wir nie allein und begeben uns in Momente der Nostalgie, Angst, Vorfreude, Dankbarkeit und ihren Schattenseiten.
„Wir hatten es nicht in der Hand, wie wir empfanden, und das Empfinden war mächtiger als unser Wunsch, es möge ein anderes Empfinden sein.“
Wenn man kurze Geschichten, besondere Momentaufnahmen, eine fokussierte und doch tiefgründige Handlung mit wenigen Charakteren mag und Lust hat, auf unterschiedliche Ausgänge, die zum Nachdenken anregen und sprachlich überzeugen, dann ist «Der Fluss der Zeit» wunderbar für Zwischendurch und alle Kurgeschichten-Fans geeignet.
Eine Ritual voller Vorfreude in der Adventszeit
Dein Advent - 24 Glücksmomente nur für dich von Tanja Köhler
Ein Adventskalender, um in Weihnachtsstimmung zu kommen und die Adventszeit schöner zu machen - für sich selbst und für andere.
Die harmonische Gestaltung und die gleichbleibende Strukturierung gefiel mir besonders gut und weckte meine Vorfreude, auf das „Öffnen“ der 24 Glücksmomente. Jedes der Türchen beginnt mit einer Illustration und einer seitenlangen Geschichte, in der man eine Frau durch die Adventszeit begleitet.
Danach folgen ein paar Fragen und drei Empfehlungen für Glücksmomente, die hier „Happy Moments“ genannt werden. Am Ende folgen Tipps und ein Abschlussgedanken, die nachhaltiger sind. Wie kann ich das Gefühl der Verbundenheit entwickeln? Wie kann ich mir Freiräume schaffen? Wie kann ich mich öfter selbst verwöhnen?
Dabei bewegt sich alles im Rahmen eines Themas für das jeweilige Türchen. Es dauert maximal zehn Minuten, sich den Text zu jedem Türchen durchzulesen.
Die Vielzahl an Anregungen und Möglichkeiten pro Türchen hat mich überwiegend inspiriert. Es war oft etwas dabei, was sich auch ins knappe Zeit- und Geldbudget integrieren lässt. Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, der im 11. Türchen beschrieben wird, erfordert natürlich einen anderen Aufwand, als die Gedankenspiele in dem Format „Fragen für dich“, die zu interessanten Gesprächen geführt haben, die aber nicht unbedingt etwas mit Weihnachten zutun hatten.
Ansonsten wird das Weihnachtsthema durch Nächstenliebe, ehrenamtliche Unterstützung, Genussmomente und Traditionen aber immer wieder aufgegriffen und durch positive und wertschätzende Formulierungen unterstrichen. Am meisten mag ich allerdings die modern gehaltene Geschichte der namenlosen Frau. Für mich immer wieder eine wohlige Auszeit, weil diese so bildhaft und stimmungsvoll geschrieben ist.
In erster Linie ist es schön, jeden Tag etwas Neues zu entdecken und sich wohlwollend und achtsam inspirieren zu lassen.
Die Illustrationen waren mir persönlich zu einfach. Sie zeigen traditionelle Elemente der Weihnachtszeit, auch im humorvollen Kontext aber ich hätte mir mehr Details gewünscht, die zum Verweilen einladen.
Fazit:
Weckt Weihnachtsstimmung und kann den Stress der Vorweihnachtszeit mildern. Denn es entsteht ein schönes Ritual bei dem man sich von jedem Kapitel überraschen lässt. Der Inhalt geht noch über die 24 Türchen hinaus (weitere Tipps und kurze Informationen zu den darauffolgenden Rauhnächten).
Ein schönes Geschenk für sich selbst oder andere, wenn man einen stimmungsvollen Adventskalender mit achtsamen Impulsen sucht.
Rendezvous mit sich selbst
Rauhnächte - 12 Tage nur für dich von Tanja Köhler
«Rauhnächte – 12 Tage nur für dich: Klarheit schaffen, loslassen und Neues wagen» ist ein kompakter Begleiter für die Rauhnächte und besonders geeignet, wenn man sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt oder sich Orientierungshilfe wünscht. Ein ideales Ritual für Selbstreflexion und den Blick auf das Vergangene und Kommende.
Die kreative Zahlen-Illustration, die den jeweiligen Tag einleitet und die gleichbleibende und übersichtliche Strukturierung, gefiel mir besonders gut. Es fühlt sich an wie die Fortführung des Adventskalender-Rituals, wenn man am 25. Dezember das erste Kapitel liest. Zwölf Themen (Ruhe, Klarheit, Geduld usw.) für jeden Monat des kommenden Jahres. Zu den Tagesritualen gibt es zusätzliche Anregungen, Gedanken, Reflektionsfragen und Tipps für die Umsetzung. Genug Impulse, um sich mit den Themen auseinanderzusetzten, aber so kompakt, dass ich nur zehn Minuten gebaucht habe, um den Text zu lesen.
Vorweg gibt es Hintergrundwissen über die Rauhnächte und ein paar Rituale. Das steigert die Vorfreude und versetzt einen in die richtige Stimmung. Der Schreibstil von Tanja Köhler ist zudem liebevoll, wertschätzend und vertieft das wärmende Gefühl beim Lesen.
Was ich aber ganz besonders toll fand, ist die Rückschau auf die Monate und die jeweiligen Rauhnächte und ihre Themen. Dadurch begleitet einen das Buch auch die nächsten zwölf Monate und der Mehrwert ist höher.
Fazit:
Eine wunderschöne Gestaltung, eine übersichtliche Struktur, kompakte Impulse und eine liebenswerte Schreibweise machen dieses Buch zu einem schönen Begleiter für die Rauhnächte. Gut geeignet für Anfänger und jeden, der sich gern mit psychologischem Coaching und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt oder ein besonders ansprechendes Werk dazu sucht. Wer sich eine intensive Beschäftigung mit den Mythen und Ritualen der Rauhnächte wünscht, wird mit diesem Buch nicht glücklich.











