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Rezensionen von La Calavera Catrina:

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Misstrauen, Verrat und Lügen

Das Signal von Ursula Poznanski

Die 36-jährige Viola verliert bei einem Kellereinsturz ein Bein. Sie hat keine klaren Erinnerungen, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Ihr berühmter Ehemann Adam kümmert sich augenscheinlich liebevoll um sie, doch von der wortkargen Pflegerin fühlt sich Viola überwacht und Adam benimmt sich verdächtig.

Viola zeigt sich kämpferisch und wird aktiv: nutzt zur Verfolgung heimlich angebrachte Minitracks. Dabei deckt sie schmerzhafte Vertrauensbrüche auf, während sie das Machtspiel ihres Mannes mitspielt und klar wird, auch sie hat ein Geheimnis, dass Adam offenbar um jeden Preis lüften will.

«Adam und ich, wir sind Geschichte. Allerdings wird er das erst in dem Moment erfahren, in dem ich seine Existenz zerstöre.»

Die Handlung spielt hauptsächlich im häuslichen Untergeschoss des alten Hauses und konzentriert sich auf Viola, die aus ausschließlich aus ihrem Blickwinkel erzählt, und den psychologischen Konflikt mit ihrem Mann, der oft verreist und sie darüber anlügt, was er wirklich tut. Warum? So behält Viola den Wolf, der Emoji, den sie Adam zugeordnet hat, Schildkröte, Spinne usw. im Blick und hat gegenüber den anderen Personen einen Informationsvorsprung, denn niemand weiß von den gut versteckten Minitracks. Ein technologischer Vorteile, der Spannung erzeugt.

Bei all dem Misstrauen, Geheimnissen und Lügen ist der Nachbarjunge Benno ein echter Lichtblick an liebenswürdiger Ehrlichkeit. Er erzählt Viola von dem grünen Mann, der um das Haus schleicht und baut ihr einen Schneemann, damit sie sich freut, wenn sie aus dem Fenster sieht. Alles wirkt intensiv und emotional, düster und konzentriert sich auf die sozialen Beziehungen in Violas Leben. Die Spannung entsteht durch den beschränkten Wissensstand der Ich-Perspektive, die sich ganz allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn befindet, und der Ungewissheit, ob Viola der dunklen Seite durch ihr Handicap nicht doch hilflos ausgeliefert ist. Ein spannender Technologie-Thriller im Domestic Noir Stil, der mich fesseln konnte und einen hohen Unterhaltungswert besitzt.

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Misstrauen, Verrat und Lügen
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Wunderschön magisch, tiefgreifend und einzigartig

Flora Magica (Band 3) - Die Macht der Weltenweide von Vanessa Walder

«Die Macht der Weltenweide» ist wirklich eine besondere Geschichte, die in ihrer Tragweite ein würdiges Finale der «Flora Magica»-Reihe darstellt, das mich noch länger begleiten wird und der Autorin Vanessa Walder besonders am Herzen liegt.

Im dritten Band «Flora Magica - Die Macht der Weltenweide» erwarten euch traumhaft nächtliche Momente, eine Reise nach London, ein riskantes Vorhaben zum Mitfiebern und eine schwere Entscheidung, die alle an ihre Grenzen bringt.

Die 12-jährigen Cunabula-Zwillinge Avia, Zacharias, Sol und Tierra genießen die Sommertage in den alten Ländereien, aber neben Marmeladenduft, Badespaß und der Magie dieses einzigartigen Ortes, sind die Nächte unruhig. Seltsame Träume suchen die Urenkel von Flora heim, die sich im Nebel des Vergessens auflösen, während Sukkulente und Gedankenfresser Nox besorgniserregende Aussetzer hat. Großes Highlight ist der Besuch von Gabriela, Mutter der Zwillinge Sol und Tierra, die aus Mexiko angereist ist. Gabriela hat eine unheilbare Erkrankung und ihre Kinder sehen eine Möglichkeit, sie mit einem magischen Samen zu heilen, an dem jedoch auch Interesse haben.

Ich fand es schön, dass wir Oma Herba noch ein bisschen besser kennenlernen, nach London reisen und einem weiteren Teil des Netzwerks der Nachtschatten begegnen, die sich der Erforschung und dem Erhalt magischer Pflanzen gewidmet haben. Die Zwillingspaare haben sich würdig gezeigt und müssen sich nun verantwortungsbewusst mit ihrer Bestimmung auseinandersetzten. Ihre vielschichtigen, klugen und ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten ergänzen sich, aber zeigen auch auf, wie schwierig es sein kann, sich einig zu werden. Ich liebe die naturverbundene und magische Atmosphäre diese Reihe. Man weiß nie so genau, was einen erwartet – mit dem Ende hätte ich jedenfalls nicht gerechnet und die Illustration dazu, hat mich tief berührt. Ein außergewöhnliches Detail ist die Nachaktivität der magischen Pflanzen, die sich vom Mondlicht ernähren. Im Kapitel «Im Mondlicht» gibt es eine wunderschöne Illustration auf der Avia und die Japanische Fächerohren-Orchidee zu sehen sind, die mir lebendig in Erinnerung geblieben ist. Das sind nur ein paar bleibende Eindrücke, dieser ganz besonderen Buchreise.

Es sind auch wieder all die gestalterischen Feinheiten dabei, die diese Reihe so liebenswert machen: traumhaft seitenfüllende Schwarz-Weiß-Illustrationen und zahlreiche Pflanzen-Verzierungen der Künstlerin Marie Beschorner, die es großartig versteht, Emotionen zu wecken. Außerdem wieder ein Inhaltsverzeichnis, Kapitelüberschriften mit einem anregendem Zitat, hervorgehobene schwarze Seiten, ein Vor- und Nachsatz, auf dem die wichtigsten Figuren zu finden sind, und am Ende der Kapitel ein Auszug aus dem Buch „Magische Pflanzen und ihre Geheimnisse“, die ganz unterschiedlich, aber immer aufschlussreich und nützlich – mitunter auch berührend und aufrüttelnd sind. Vanessa Walder schreibt klar, lebendig und einfühlsam, wobei sie es schafft, wichtigen Themen ausgewogen Raum zu geben, ohne dass es belanglos oder klischeehaft wird.

Das macht «Die Macht der Weltenweide» zu einer atmosphärisch dichten Fantasyfinale, das neugierig macht und mit vielfältigen Figuren, deren wunderbaren Fähigkeiten und der magischen Kraft der Pflanzen begeistert. Es gibt wichtige Themen, die ganz tief gehen und wertvolle Erkenntnisse des Lebens. Meinetwegen hätte es eine ganze Serie dazu geben dürfen, denn eigentlich fangen die Abenteuer der Cunabula-Zwillinge jetzt erst richtig an.

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Wunderschön magisch, tiefgreifend und einzigartig
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Großartige Leseüberraschung

Alle glücklich von Kira Mohn

Kira Mohn schreibt in «Alle glücklich» über eine vierköpfige Familie, in der sich mit den Jahren irgendwas verändert hat. Das Gefühl, zusammenzugehören, ist vorbei. Für die 43-jährige Nina ist es schwierig geworden, stillschweigend ihre Rollen als arbeitende Mutter, Haushälterin und Ehefrau auszufüllen.

Immer wieder kommt es zum Streit mit ihrem Mann, der weder ihre unsichtbaren Handlungen wertschätzt, noch sie selbst. «Alles, was sie wollte, war Ruhe, Frieden und ein bisschen Aufmerksamkeit von Seiten ihres Mannes.» Ihr Mann Alexander sieht sich als Lebensgrundlagenversorger der Familie und fühlt sich dabei in seinen Bedürfnissen als Mann zurückgewiesen. Die 16-jährige Emilia ist zum ersten Mal mit einen Jungen zusammen und ihr 20-jähriger Bruder Ben bewegt sich kaum aus seinem Zimmer heraus. Für alle vier Familienmitglieder verändert sich etwas und es spitzt sich immer weiter zu: Nina freundet sich mit einer Kollegin an und kümmert sich mehr um sich selbst. Alex wird eifersüchtig und wütend. Nach einer Party ändert sich für Emilia alles und sie gibt sich selbst die Schuld. Ben möchte selbstbewusster werden und endlich herausfinden, was er will. Dabei stößt er auf Videos von Adrian, der ihn mit Selbstdisziplin vom Loser zum Löwen machen will. Wird er sich jetzt endlich trauen, seinen heimlichen Schwarm an der Uni anzusprechen?

Es ist spannend, mitzuverfolgen, was den Vier widerfährt, und wie sie damit umgehen. Statt Mitgefühl, Verständnis und Zusammenhalt kommt es zum Machtmissbrauch, zu falschen Annahmen, Einsamkeit und Verzweiflung. Die Figurenentwicklung ist dabei ganz unterschiedlich. Während der Frauen daran zu wachsen scheinen, sind die Männer in ihrer Opferrolle gefangen und kommen dabei nicht gut weg. «Mussten sie sich eigentlich von jedem Mann in ihrer Umgebung ständig abkanzeln lassen?» Ob das abgespeckte Alpha-Gerede von Adrian, Julians Verhalten, Anastasias Ex oder Ninas Erfahrungen als Verkäuferin. Lediglich Ben hat Respekt vor Frauen und versucht für seine Schwester da zu sein. Die Szene, in der sie gemeinsam einen Film gucken, den ich auch noch selbst gern mag, war einfach schön. Ein kleines bisschen Harmonie in der Familie. Beim Lesen wollte ich beide in den Arm nehmen, bei all dem, was ihnen passiert. Die Eltern sind mit sich selbst beschäftigt und nicht für sie da. Mich hat der Roman auch nach dem Ende nicht ganz losgelassen und es gibt ein paar Punkte, über die man in den Austausch kommen kann – die zum Selbstausfüllen einladen. Kira Mohn deutet nur an und lässt der eigenen Vorstellungskraft Raum. Dazu kommt ein flüssiger und leicht zugänglicher Schreibstil, eine unterschwellige Spannung und eine stille Atmosphäre, obwohl es um tiefgreifende und aufreibende Themen geht. Eine unerwartete und großartige Leseüberraschung für mich, die ich nur empfehlen kann!

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Großartige Leseüberraschung
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Selbstfindung in der ostdeutschen Provinz

Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel

Aus einem Impuls heraus kauft Sophie ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Das Do-it-Yourself-Projekt stellt sie vor Herausforderungen, gibt ihr aber auch Zeit, herauszufinden, was ihr wirklich wichtig ist - allein und ohne Fremdeinfluss.

Mit der Botschaft, dass man nicht alles auf einmal entscheiden muss und sich oft auch erstmal ausprobieren kann, erzählt die Autorin Anna Katharina Scheidemantel eine Coming-of-Age-Story einer jungen Frau, die auf der Suche nach Klarheit, Heilung und Sinnhaftigkeit ist.

Sophie macht als Selbstversorgerin alles selbst, ob Garten, Nutztiere oder Renovierung, und lernt viel über die Natur, das Landleben und sich selbst. Anna Katharina Scheidemantel erzählt vom wachsendem Selbstbewusstsein, aber auch von Misserfolgen, Pech und Selbstzweifeln. Sophies Freunde und Bekannte bieten immer wieder einen Ausbruch aus diesem Prozess und zeigen ihr andere Blickwinkel auf. Man kann sich gut in Sophie hineinversetzten und vieles, mit dem sie sich auseinander setzt, war mir vertraut. Das Gefühl der Freiheit, das weit mehr ist als nur eine Auszeit, und die Frage, wie es weitergehen soll. Ihre Gedanken, Gefühle und Erkenntnisse, gepaart mit einem ironischen Ton und einem locker-flockige Schreibstil, haben mir gut gefallen.
Mit dem Ende war ich sehr zufrieden und blicke auf ein tiefgreifendes Leseerlebnis zurück, was mich runtergeholt und Sophie näher gebracht hat. Es werden interessante Fragen aufgeworfen, die zur Selbstreflexion einladen, wenn man möchte. Es ist aber auch ein einfühlsam geschriebenes Buch, das sich in seiner Gesamtheit sehr stimmig, klar positioniert und sorgfältig ausgearbeitet anfühlt. Deshalb und aufgrund der relevanten gesellschaftlichen Themen würde ich es uneingeschränkt weiterempfehlen.

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Selbstfindung in der ostdeutschen Provinz
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Hilfreiche Quelle für (Selbst-)Verständnis und die Stärkung der Selbstwirksamkeit

Was dein Leben leichter macht von Sina Haghiri

Warum sind wir, wie wir sind und wie können wir damit besser umgehen? «Was dein Leben leichter macht - Die 20 wichtigsten Erkenntnisse der Psychologie, um dich und andere besser zu verstehen» ist lesemotivierend, bereichernd und eine Ressource zur Selbstwirksamkeit, die es sich lohnt, zu lesen.

Ich habe dieses Buch aus mehreren Gründen sehr gern gelesen: Zum einen mag ich es, querbeet erstmal das zu lesen, was mich am meisten interessiert und die Kapitel haben eine angenehme Länge für Zwischendurch.

Deshalb finde ich den Aufbau des Buches so gut, welches auch Illustrationen enthält, wenn es der Anschaulichkeit dient. Zum anderen sind es grundlegende Themen in den Bereichen Psyche, Gesellschaft, Gesundheit und Alltag, die stets relevant sind und thematisch viele Menschen abholen.

Sina Haghiri hat einen konstant angenehmen Schreibfluss, der mir immer wieder Anreiz bot, doch noch ein Kapitel zu lesen. Mir hat besonders gefallen, wie er sich den Themen annähert, während er den roten Faden nie aus den Augen verliert und interessante Fakten mit klaren Erkenntnissen verbindet. Wohldosiert ist es ein Vergnügen, die 20 voneinander losgelösten Kapitel zu lesen und darüber nachzudenken. Das Kapitel ‹Werbung› gibt beispielsweise einen interessanten Einblick in die Psychologie der Konsumierung und zeigt, was das mit Politik zutun hat. Es gibt keine Tipps für ein gesünderes Konsumverhalten, sondern man erhält ein Verständnis dafür, wie die Beeinflussung funktioniert. Das Kapitel ‹Der Psycho-TÜV› hingegen enthält wertvolle Ratschläge zur Rückfallprophylaxe, die man sofort umsetzen kann. Es sind auch Kapitel dabei, die etwas bewegen und verändern – im Kleinen und Großen. Bei denen es hörbar "Klick" macht, wie in ‹Vom Überleben zum Leben›, wo es tief tief in die Materie geht. Sina Haghiri gelingt es, alles so leicht verständlich zu erklären, dass man die gewonnenen Erkenntnisse auf sich übertragen kann – und so die Möglichkeit erhält, handlungsfähig zu werden. Am meisten schätze ich daher, die erlangte Klarheit und das entwickelte Verständnis für mich und andere. Im Bereich Gesellschaft sehe ich das meiste Potenzial und hoffe, dass diese Erkenntnisse viele Hirne und Herzen erreichen.

Für mich ist dieses Buch eine bereichernde Entdeckung: interessant, bedeutungsvoll, auf Augenhöhe nachvollziehbar und gut lesbar verpackt. Ein nützlicher Ratgeber zum Weiterbilden, Weiterdenken, Weitersagen. Ideal dosiert – sowohl als Einschlaflektüre als auch als Pausenfüller.

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Hilfreiche Quelle für (Selbst-)Verständnis und die Stärkung der Selbstwirksamkeit
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Gemütlicher Auftakt mit Wohlfühl-Atmosphäre

The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota

Der 28-jährige Finlay ist eine Haushexe und tritt seine Stelle als königlicher Koch an. Mit dem Element der Erde, womit er seine Magie nur dort wirken lassen kann, wo er sich zu Hause fühlt und schon mal war, wie der Hofküche und den königlichen Gärten, hat er zwar nur begrenzte Fähigkeiten, sorgt ab jetzt aber für eine heimelige Atmosphäre, Schutz und köstliches Essen im Königreich Daxaria.

Die auktoriale Erzählweise erlaubt viele Freiheiten: Der Erzähler kann zwischen verschiedenen Schauplätzen und Figuren wechseln und springt auch in die Vergangenheit, um zu zeigen, wie Fin zu seiner Magie kam. Dadurch erhält man vielschichtige Einblicke in das wuselige Hofensemble und lernt nach und nach die Figuren kennen, sogar im nachbarschaftlichen Königreich Troivack, das Daxaria mit Krieg droht. Verschiedene Perspektiven und Geschichten werden miteinander verwebt - was die Spannung ausmacht. Am liebsten war mir Fin, der eigensinnig und mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit im Umgang mit anderen agiert, und seine Zauberkraft zu verheimlichen versucht, aber auch der König und die schwangere Königin sind interessante Figuren, die ich mochte, weil sie ihr Handeln hinterfragen und sich offen und klug zeigen. Dass sogar Fins magischer Gefährte Kraken beim Perspektivenwechsel berücksichtigt wurde, war eine schöne Überraschung. Die drohende Gefahr eines Krieges zwischen den Königreichen und höfische Intrigen, wie der Zwist mit dem königlichen Magier, sorgen für Konflikte oder Unruhe zwischen den Figuren, während wohlige Mahlzeiten und die Annäherung zwischen Fin und der adligen Annika, deren Wortgefechte erheitern, gute Gefühle einbringen. Dazu zählt auch der kleine Prinz Eric, der Fin gern einen Besuch abstattet oder die entstehende Vertrautheit mit dem König. Es ist nicht nur herum schwebendes Geschirr, von selbst arbeitende Messer oder köstliche Mahlzeiten, was hier verzaubert.

Dieser historische Auftakt einer Fantasyreihe verbindet Freundschaft, Liebe, Magie, Kochen, Feminismus, Queer-Positivität und wachsenden Zusammenhalt. Das Gesamtpaket aus Wohlfühl-Atmosphäre, Humor, Tiefe und Entfaltungspotenzial ist gelungen und bietet ein gemütliche und ausgedehnte Leseauszeit, ohne zu viel Drama. Diese Reihe ist eher nichts für diejenigen, die eine spannende und überschaubare Lektüre bevorzugen.

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Gemütlicher Auftakt mit Wohlfühl-Atmosphäre
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Ein außergewöhnliches Buch über Freundschaft

Einfach Sunny von Maren Graf

«Das macht die Suche natürlich nicht einfacher,
aber spannender auf jeden Fall.»

Ein aus dem Leben gegriffenes Suche-Abenteuer zweier Kinder, die sich anfangs nicht kannten und eine Geschichte über Freundschaft und den Abbau von Vorurteilen bei körperliche Einschränkungen. Denn wer Sunny kennenlernt, begreift, das man sie nicht bemitleiden oder unterschätzen sollte.

Sie bemerkt Dinge mit ihrem Extra-Sinn, die andere gar nicht mitkriegen, ist pfiffig, selbstbewusst und voller Sachersucher-Energie.

Die Ausgangssituation ist spannend: zwei Fremde, die im Laufe der Geschichte zusammenwachsen und unterschiedliche Beweggründe haben. Ich fand es einmalig, wie erlebbar Maren Graf schreibt und man sich in Sunny und Ben hineinversetzten kann. Sunnys Blickwinkel zeigt, wie gut sie sich auf ihre Wahrnehmung verlassen kann und obwohl die optische Beschreibung fehlt, kann man sich alles gut vorstellen. Sunny, die unbedingt den vermissten Gegenstand für Ben finden möchte und die auch ein Geheimnis hat, wie der wortkarge Ben. Der ist irritiert von Sunny. Warum will sie ihm helfen? Sie kennt ihn doch gar nicht. Sie darf sein Geheimnis nicht erfahren! Schweigsam lässt Ben sich mitreißen und taut erst langsam auf. Diese Entwicklung ist nachvollziehbar geschrieben und greift auch die Unsicherheiten der Kinder auf. Nebenbei lernt man einiges darüber, wie es ist, nichts sehen zu können. Wie gefährlich hohe Gegenstände werden können, wie Blinde die Welt wahrnehmen und natürlich die ganzen Vorurteile. Es ist toll, wie Sunny damit umgeht, wenn Ben gedankenlos in das ein oder andere Fettnäpfchen tritt.

Weil Ben so wenig preisgibt, bleibt es geheimnisvoll und spannend. Auch das Ungesagte bekommt seinen Raum: Dinge bleiben unerwähnt, Eindrücke stehen im Vordergrund, eine ungewöhnlich Erzählweise, die überzeugt. Merkwürdig ist so einiges und die Suche gleicht einer Jagd, bei der es immer spannender wird. Am Ende kommt einiges zusammen und löste große Genugtuung und Freude aus. Die farbigen Illustrationen von Olivia Vieweg sind immer eine kleine Überraschung. Mir hat es sehr gefallen und ich würde mir ein weiteren Band von Sunny und Ben wünschen.

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Umfassend, klar und aufbauend

Deinen Selbstwert bestimmst nur du von Yoon Hong Gyun

«Selbstwert ist unsere wertvollste Resource.»

Ich habe diesen Ratgeber aus Neugier angefangen und war überrascht, wie alles mit dem Selbstwert zusammenhängt. Der koreanische Autor Yoon Hong Gyun möchte nicht nur dabei helfen, Selbstwert zu entwickeln, sondern auch Werkzeug an die Hand geben, welches in stürmischen Zeiten hilft, den Selbstwert zu schützen, da er Schwankungen unterliegt und jeder über Angewohnheiten verfügt, die den Selbstwert schwächen.

Das dürfte auch für jene interessant sein, die ihren Selbstwert hoch einschätzen.

Ich würdige die Ausführungen des Autors Yoon Hong Gyun vor allem wegen seiner sachlichen Klarheit, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Er profitiert von seiner Erfahrungen als Psychiater, aber erzählt auch als Mensch, der selbst lernen musste, sich einen Selbstwert aufzubauen und diesen stets zu stärken. Ich fand es sympathisch, wie er bereits früh seine eigenen Denkfehler thematisiert und begründet, warum er sein Wissen erst nicht teilen wollte. Deshalb hat mir das erste Drittel noch am besten gefallen, während zum Ende die Distanz wächst. Streckenweise wurde es mir zu oberflächlich, wobei es umfassend und interessant bleibt.

Die Theorie hilft bei der Einordnung und gibt Zuständen einen Namen, die vorher vielleicht diffus waren. Das macht bewusster, woran man arbeiten kann und hilft, Probleme besser zu verstehen. Erst im letzten Teil gibt es fünf Methoden zur Stärkung des Selbstwerts, während es vorher viel um Hinternisse und schwächende Angewohnheiten geht. Jedes Kapitel hat abschließend eine Übung und jeder Teil wird einmal kurz zusammengefasst – sehr praktisch.

Es wird an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass es nicht reicht, dieses Buch nur zu lesen, sondern schon währenddessen zu überlegen, was man verändern möchte und dies auch umzusetzen, was definitiv hilfreich ist. Übungen sind überschaubar, aber es lässt sich auch aus dem Text ablesen, wie man diese Veränderungen gestalten kann. «Der Schlüssel zur Veränderung ist immer der Wille (…) Entscheidend ist, dass man sich selbst besser kennt als alle anderen.» Dass Figuren aus Serien als Beispiele dienen, fand ich eine ansprechende Idee. Insgesamt hätte ich mir mehr praktische Anwendung gewünscht, jedoch konnte ich einige Erkenntnisse mitnehmen, die einen Unterschied machen und mir mehr geholfen haben, als die geläufigen Selbstliebe-Übungen.

Ich würde es allen empfehlen, die sich Veränderung und Klarheit wünschen – fernab von fröhlich-bunten Selbstliebe-Ratgebern.

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Umfassend, klar und aufbauend
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Emotional packender historischer Krimi

Die weiße Nacht von Anne Stern

Anne Stern versetzt einen in die unmittelbare Nachkriegszeit, in das nach Besatzungszonen aufgeteilte und von Versorgungskrisen betroffene Berlin. In diesem kalten Dezember fehlt es an Essen und Wärme, der Ruf der Polizei ist dahin und die Nerven der Leute am Ende. Ausgerecht jetzt geschieht ein Mord und die Kripo Berlin ermittelt.

Unterschiedliche Figuren oder Schauplätze werden beleuchtet. Die Fotografin Lou findet die Frauenleiche in einer Ruine und fotografiert sie. Alfred König ermittelt. Ein einprägsamer Mann mit eingeschränkter Mobilität und Augenklappe, den man erst später einzuordnen weiß. Beide arbeiten schließlich zusammen, um den Fall aufzuklären. Weitere Erzählstränge handeln von den Kindern Justus und Gerti, die sich auf der Straße durchschlagen, und dem deportierten Gregor. Natürlich kreuzen sich manche Wege im Laufe des Buches, aber es wird nicht alles offen gelegt, was auf eine Fortsetzung deutet.
Anna Stern schreibt so eindringlich und auf den Punkt recherchiert, dass man sich mühelos in die Geschichte hineinversetzten kann. Sie vermittelt eine Vorstellung davon, wie es gewesen ist, wie den Menschen damals zu Mute gewesen sein könnte und greift schockierende Themen auf, die sich in diesen spannenden Kriminalfall perfekt einfügen. Es herrscht eine bedrückende von Schwermut getragene Stimmung, düster und zuweilen auch traurig und nachdenklich. Wenn man sich auf die Stimmung und das Setting einlassen kann, bietet dieser Krimi sehr viel mehr als einen spannenden Fall. Wirkt lange nach und wirft wichtige Fragen auf.

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Emotional packender historischer Krimi
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Macht bedeutet alles…

The Woman in Suite 11 von Ruth Ware

Die traumatischen Erlebnisse auf dem Kreuzfahrtschiff liegen über zehn Jahre zurück. Lo Blacklock hat sich lange aus aus ihrem Berufsleben als Reisejournalistin zurückgezogen. Jetzt sehnt sie sich nach Selbstwirksamkeit und nimmt eine Einladung zur Neueröffnung eines Luxushotels in der Schweiz an.

Dort trifft sie die Geliebte des Hotelbesitzers, die aus der Missbrauchsbeziehung fliehen will. »Lieber würde er mich tot sehen. Wenn ich ihn verließe, würde man mich töten.« Wie soll ausgerecht Lo ihr helfen?
Die Verstrickungen sind gekonnt und machen am meisten Spaß, wenn man keine Ahnung hat – deswegen werde ich nicht mehr verraten. Nur so viel: es baucht ein bisschen, bis es zu dem Mord im Hotel kommt, um den es geht. Bis dahin entwickelt sich die Handlung zu einem Abenteuer mit beunruhigter Anspannung und einer Dynamik zwischen den Figuren, die unterhaltsam ist. «An irgendeinem Punkt waren wir ein Team geworden. Widerwillig. Unerwartet. Genervt. Aber trotzdem ein Team.» Die Twists sind super, aber sie konnten mich nicht wirklich überraschend – was bei Thriller-Einsteigern ganz anders sein könnte. Dafür hat mir die Erzählweise, die Prämisse und auch das Setting zu sehr gefallen, um mich daran zu stören.

Es ist hilfreich den Vorgänger «The Woman in Cabine 10» zu kennen – ob das Buch oder die Verfilmung, weil die Überraschung dann größer ist und man Lo´s Entscheidungen besser nachvollziehen kann.

Julia Nachtmann ist eine so tolle Sprecherin, dass ich das Hörbuch dazu empfehlen kann.

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Macht bedeutet alles…