Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Komplex und anders
Aus dem Schatten des Vergessens von Martin Michaud
Ich lese gerne und viel Krimis und Thriller, Kanada als Handlungsort war für mich jedoch Premiere.
Ich hatte durchaus Einstiegsschwierigkeiten, dies ist nicht der erste Band und es hat etwas gedauert, bis ich mich eingelesen hatte.
Das hauptsächlich französischsprachige Montreal in der Provinz Quebeck mit den französischen Straßennahmen usw.
macht es für Menschen, die nicht der französischen Sprache mächtig sind etwas anstrengend zu lesen.
So wie ich es verstanden habe, ist das Buch Band 3 der Reihe um das Ermittlerteam, aber erst Band 1, der ins Deutsche übersetzt wurde. Deshalb steigt man hier quasi quer ein und kennt die Vorgeschichte der Ermittler nicht. Hier würde ein Lesen in der richtigen Reihenfolge vermutlich den Einstieg erleichtern, auch wenn man für das Buch natürlich keine direkten Vorkenntnisse braucht.
Die Handlung nimmt mit einigen Rückblenden auch Bezug zum politischen Geschehen der Vergangenheit - und mit Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Provinzen Kanadas kannte ich mich bislang gar nicht aus, da musste ich erst mal etwas Recherche betreiben.
Klingt alles ziemlich ungemütlich und so gar nicht nach Lesevergnügen? Anfangs fand ich es auch ziemlich anstrengend, aber im Laufe der Handlung hat mich diese immer mehr fasziniert. Dann fand ich es gerade spannend, mal über meinen gewohnten Thriller-Tellerrand zu blicken.
Und nicht nur das - auch ansonsten war der Spannungsbogen für mich sehr passend, anfangs so lala, hat er sich Seite um Seite mehr aufgebaut, ab etwa der Hälfte des Buches wollte ich es dann nicht mehr aus der Hand legen.
Was ich etwas überzeichnet fand, war das Ermittlerteam: trockener Alkoholiker und lesbische und sehr direkte, auf dem ersten Blick wenig feinfühlige Kollegin, naja, kann man machen, muss man aber nicht unbedingt.
Davon abgesehen aber feine Unterhaltung, sehr spannend und durchaus anspruchsvoll.
Spannende und unterhaltsame Frauenpower
Miss Bensons Reise von Rachel Joyce
Das Buch ist mir wegen dem unglaublich schönen und farbenfrohen Cover aufgefallen, der Klappentext hat mich dann allerdings weniger begeistert. Eine Expedition, um am anderen Ende der Welt einen Käfer (!!!) zu finden? Hm. Bio und Naturkunde war nie so meines. Abenteuer, Freundschaft und Freiheit aber natürlich schon, also habe ich das Buch doch gelesen und was soll ich sagen? Es hat es definitiv in meine Buch-Top Ten des Jahres geschafft! Käfer-Forschungsreisen sind super!
Aber von Anfang an: Miss Benson hat ihren Kindheitstraum ganz hinten in eine Ecke verbannt und lebt im England der 50er Jahre ein langweiliges Leben als Hauswirtschaftslehrerin.
Vorher erfahren wir aber, wie es dazu kam und warum sich ihr Leben nun so urplötzlich verändert hat.
Das Trauma des Kriegs in seinen verschiedenen Facetten, vor allem aber eine anrührende und spannende Geschichte über eine besondere Frauenfreundschaft - und die gefährliche und aufregende Reise auf und über eine mir bis dahin völlig unbekannte Inselgruppe im Südpazifik, nämlich Neukaledonien (die heute immer noch zu Frankreich gehört).
Ich konnte mich in beide weiblichen Haupt-Figuren sehr gut hineinversetzen, obwohl sie doch so grundverschieden waren und habe das Buch mit einem großen Bedauern nach dem Lesen zugeschlagen.
Männer kommen übrigens im Buch nicht gut weg - die wahren Heldinnen sind die Frauen.
Und die Botschaft des Buches muss man sich viel öfter vor Augen halten: "Es passiert so leicht, dass man sein Leben mit Dingen verbringt, für die man kein bisschen brennt. Aber jetzt waren sie endlich unterwegs!"
Traurig und weniger verschroben als ich dachte
Bären füttern verboten von Rachel Elliott
Das Buch hat viele schöne Sätze, so wie zum Beispiel ""Womöglich verpasst man das Wesentliche im Leben, während man dasitzt und ruhig ist. Etwas ganz Wunderbares könnte vorbeifliegen wie ein Wirbelwind, von dem man sich nur mitreißen lassen müsste, wenn man nicht so mit dem Ausmalbuch für Erwachsene beschäftigt wäre, das der Gatte einem zum Geburtstag geschenkt hätte.
"
Den Satz finde ich sehr gelungen - er steht aber auch für das Buch. Die Figuren sind so in ihre Ausmalbücher (auch im übertragenen Sinn) beschäftigt, nur um sich den eigentlichen Problemen nicht zu stellen und lassen ihr Leben an sich vorbeiziehen. Das ist traurig und tragisch.
Nach dem Klappentext habe ich mir eine skurrile, witziges und schräge Handlung erhofft, so ist das Buch aber eben gar nicht.
Mich konnte es nicht abholen, viele Charaktere, viele Wechsel, auch Rückblicke und über weite Strecken eine trostlose, hoffnungslose Grundstimmung.
Wichtige Kinderthemen, aber für mich nicht rund
Liane und das Land der Geschichten Ein Buch über die Magie des Lesens. Gebunden. von Shafak Elif
Hier habe ich mich sofort in das wunderschöne Cover verliebt und der Klappentext hat mich genauso angesprochen, eine poetische Geschichte über die Macht der Fantasie, auf ja!
Begonnen hat die Geschichte dann aber erst mal niederschmetternd. Liane verabscheut ihren Namen, denn damit wird sie in der Schule ständig gehänselt.
Sie ist eine einsame Außenseiterin. Bis sie dann eines Tages einen alten Globus findet und damit in eine Abenteuer starten kann...
Über große Teile des Buchs wird Lianes Einsamkeit beschrieben, das ist zwar sehr überzeugend geschrieben, so dass man sehr mit Liane mitfühlt. Allerdings auch sehr niederschmetternd, arme Liane! Bis dann das eigentliche Abenteuer startet, dauert es sehr lange und dann ist es auch schwuppdiwupp schon wieder vorbei. Der seitenmäßige Schwerpunkt liegt damit weniger auf der Reise in das Land der Geschichten.
Was mich dann auch noch gestört hat - vorsichtig, Spoiler bezüglich dem Ende: es wird der Eindruck vermittelt, dass man nur an sich glauben muss und schon wird alles wieder gut; Liane wird urplötzlich zu einem sehr beliebten Mädchen in der Klasse.
Ein von Hänseleien betroffenes Kind wird sich da aber gar nicht abgeholt fühlen, so einfach ist es nun auch wieder nicht.
Die Autorin kann Gefühlslagen und Stimmungen sehr gut in Buchform umsetzten, hier habe ich mir aber eine ganz andere Geschichte erwartet.
Typische Lovestory, gute Unterhaltung, viele Erotikszenen
Liane und das Land der Geschichten Ein Buch über die Magie des Lesens. Gebunden. von Shafak Elif
Ich habe mir das Buch anders vorgestellt.
Nach dem Klappentext eine süße Lovestory mit einem ernsten Background, die Hauptperson leidet nämlich an einer chronischen Krankheit und muss mit ständigen Schmerzen leben.
Wenn ich die Kurzbeschreibung der Autorin gleich mit einbezogen hätte, wäre klarer geworden, was mich erwartet, Talia Hibbert schreibt nämlich "Sexy Diverse Romances" puh, was es inzwischen alles alles für Schubladen gibt.
Chloes Background mit den ständig anwesenden Schmerzen fand ich super geschildert. Chloe ist dadurch keine sofort sympathische Person, sondern barsch und abweisend. Gerade diesen Wesenszug an ihr fand ich realistisch, ich glaube nicht, dass man ein ständiges sanftes und duldsames Lächeln auf den Lippen hat, wenn man mit so einer Krankheit leben muss. Chloes Hautfarbe wird einmal kurz erwähnt, ist aber kein Thema, weiterer Pluspunkt.
Der männliche Part ist deutlich glatter, Red nimmt einen sofort ein, ist aber als Person nicht so spannend.
Die Liebesgeschichte an sich ist dann auch so wie ich sie mir vorgestellt habe. Klar vorhersehbar (muss auch so sein) einfach süß, schön zu lesen. Die Katzenszenen fand ich ebenfalls sehr hübsch.
Was mich dann aber tatsächlich immer mehr genervt hat, das waren die ständig wiederkehrenden Erotikszenen, die das Buch gegen Ende hin dominiert haben. Anfangs noch stimmig, hat es mir zu viel zu viel Raum eingenommen. Ich wollte eine süße harmlose Lovestory, keine Erotikroman...
Schöne Weihnachtsgeschichte, aber...
Das Wunder von R. von Francesca Cavallo
Das Buch hat mich sofort angesprochen, es ist optisch wunderschön. Sowohl das Cover als auch die Illustrationen im Innenteil.
Auch das Einstiegssetting gefällt mir gut: Manuel, Camila und Shonda haben zwei Mamas - weil ihr Heimatland das verbietet, müssen sie wegziehen. Ich habe noch nicht viele Kinderbücher gelesen, in denen Kinder zwei Mamas oder Papas haben, schön, dass sich das langsam ändert.
Auch schön, dass das -außer dem Umzugsgrund - auch nicht weiter thematisiert wird.
Der erste Teil des Buches zeigt die sichere Welt in R. Hier geschieht nie etwas Schlimmes. Allerdings hat das seinen Preis, das wird den Neuankömmlingen schnell klar. Die bedrückte und von Misstrauen geprägte Stimmung fand ich sehr anschaulich beschrieben.
Nicht ganz überzeugt hat mich dann aber das Wunder der Weihnacht. Da habe ich mir mehr Magie und Herzerwärmung versprochen. Ja, es war schön, aber eben nicht magisch schön. Von der Begegnung mit den Weihnachtselfen hatte ich mir mehr versprochen, ebenso von einem unglaublichen Abenteuer, wie auf der Buchrückseite versprochen.
Das Kind hat das Buch zwar angefangen zu lesen, kam aber nicht richtig in die Geschichte und hat es bislang nicht weitergelesen. Das ist ungewöhnlich, normalerweise werden Bücher hier verschlungen.
Mein Fazit: eine schöne Weihnachtsgeschichte - aber als neuen Kinderbuchklassiker würde ich sie nicht bezeichnen.
Gute Grundidee, leider nur mäßig spannend
Wer auf dich wartet von Lodge Gytha
Aidan skypt mit seiner Freundin und muss mit anhören, wie ein Kampf stattfindet. Das Entsetzliche geschieht, seine Freundin Zoe wird tot aufgefunden.
Eine sehr gruselige Vorstellung, quasi bei einem Mord dabei zu sein und doch viel zu weit weg, um einschreiten zu können.
Dementsprechend stark begann das Buch.
Leider hat sich die Dynamik dann nicht so fortgesetzt, ich kam mir stellenweise vor wie in einem Kammerspiel, das sich sehr hinzieht. Die wechselnden Zeitebenen fand ich gleichfalls etwas anstrengend.
Von dem versprochenen Geflecht aus Abhängigkeiten, dunklen Geheinissen und Missgunst hatte ich mir etwas mehr versprechen, die Auflösung war dann doch vergleichsweise schlicht.
Aber eine gute Grundidee, deshalb gute drei Sterne.
Volle Punktzahl: Frauenpower in Thrillerform
Dark von Candice Fox
Es hat sich wieder mal bestätigt: Candice Fox hat es geschafft, sie ist einfach meine Lieblings-Thriller-Autorin.
Diesmal spielt die Handlung nicht in Australien, sondern in den USA und die Haupt-Akteure sind alle weiblich. Eine aus dem Gefängnis entlassene Mörderin, ihre Freundin, eine drogenabhängige Diebin, eine Polizistin, die durch ihr Engagement all ihre inkompetenten Kollegen gegen sich aufgebracht hat und eine Gangsterin - eine explosive Mischung.
Wie schon in den Vorgängerbänden samt und sonders komplizierte Charaktere - und deshalb natürlich besonders interessant.
Sie alle eint ein Ziel: sie wollen ein vermisstes Mädchen finden.
Geschrieben wird es aus wechselnden Perspektiven der einzelnen Frauen. In jeweils relativ kurzen Kapiteln verlangt das vom Lesenden schon Aufmerksamkeit, da man ständig hin und her switchen muss. Glücklicherweise steht jeweils die Person, aus deren Sicht gerade geschrieben wird, fett über jedem Kapitel.
Spannend und mit netten Sidekicks (ein Haustier darf mitspielen) hat mir besonders gut gefallen, dass ich die Handlungen und Motive der Frauen nachvollziehen konnte. Stinksauer ziemlich eklige Racheaktionen durchführen - yep, das hat bei mir ein gedankliches "Gut so!" ausgelöst.
Ich hoffe doch sehr, dass aus dem Buch eine Reihe wird - wie auch immer, auf jeden Fall werde ich auch weiterhin die Neuerscheinungen von Candice Fox verschlingen.
Informativ - aber kein Rezeptbuch
Dark von Candice Fox
Hinter der neuen Nebenbei-Diät versteckt sich das Intervallfasten.
Insofern steht in dem Buch jetzt nicht viel Neues, wenn man sich damit schon etwas auseinandergesetzt hat.
Allerdings ist es richtig gut aufbereitet. Man kann das Buch entweder einfach der Reihen nach komplett wie ein Buch lesen, das bietet sich für Einsteiger in das Thema und zur Rundumauffrischung an.
Oder man pickt sich anhand des Inhaltsverzeichnisses die aktuell interessanten Punkte heraus.
Ich fand das Büchlein (dazu später noch ein Satz) sehr informativ, obwohl ich schon einige Diätbücher gelesen habe. Es ist schön aufgemacht, plakativ, da oft mit Gegenüberstellung von zwei Fotos samt Sachverhalt gearbeitet wird, links immer die suboptimale Variante ("aus der Werbung?"), rechts die optimale Form ("aus der Natur!") und hat auch richtig viel Inhalt.
Alles in einem sehr ansprechenden Layout, das hat mir hier außerordentlich gut gefallen.
Leider gibt es kaum Rezepte, es bewegt sich tatsächlich mehr auf der Ratgeberebene.
Zweiter Wermutstropfen: das kleine Format. Im ersten Augenblick pfiffig, hätte dem Buch ein größeres Format gut getan, dann wäre die Wirkung noch besser. Die Buchstabengröße ist übrigens trotz der Minigröße ausreichend, hier hatte ich trotz erster altersbedingter Einschränkungen keine Probleme.
Insgesamt ein gut aufgemachtes und sehr informatives Buch - mit den oben genannten kleinen Einschränkungen.
Interessante Einblicke in eine andere Welt
Teatime mit Lilibet von Holden Wendy
Das Buch gewährt einen interessanten Einblick in eine völlig andere Welt, in die Kindheit der jetzigen Königin Elisabeth II. sowie in das Leben ihrer Gouvernante.
Marion, eine junge schottische Frau mit großen Idealen, möchte Lehrerin werden und die Armen in den Slums unterrichten. Das Schicksal bringt sie aber zum englischen Königshaus und sie wird die Gouvernante von Elisabeth und Margaret.
Die schreckliche Armut der Menschen außerhalb der Palastmauern, das manchmal richtig ungezwungene Familienleben im Hause der Herzogin und des Herzogs (damals noch nicht Könige...), die strengen und absurden Traditionen, dann der zweite Weltkrieg - all das war spannend zu lesen.
Verknüpft war das mit dem Leben Marions, das so ganz anders verläuft, als sie es sich eigentlich erträumt hatte - eine wirklich interessante Zeitreise.
Das hat mir gut gefallen, allerdings hat das Buch auch ganz schöne Längen und die Liebesszenen waren furchtbar schwülstig. Sätze wie "seine Berührung schien ihr die Haut zu verbrühen, und der dunkle Blick, der sie aus den Tiefen seiner Brauen erreichte, schnellte wie eine Reitgerte über ihre Brüste" ja nun, was soll ich dazu noch sagen.
Davon abgesehen aber gute Unterhaltung.









