Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Packender Auftakt
Amissa. Die Verlorenen von Frank Kodiak
Rica und Jan Kantzius sind ein Paar, das auch beruflich zusammenarbeitet.
Jan ist Ex-Polizist und nun Privatdetektiv und Rica arbeitet für eine Hilfsorganisation, die nach vermissten Personen sucht und ist praktischerweise sehr fit im Bereich IT.
Die beiden schliddern auf einer Autobahn-Raststätte in ihren aktuellen Fall, sie werden zufällig Zeuge eines Geschehens.
Der Thriller hat ein unglaubliches Tempo. Er startet gleich mit Vollgas und das wird auch die 400 Seiten beibehalten. Niemals ein paar Seiten mit angezogener Handbremse, man hechelt als Leser*in atemlos durch das Buch. Wow!
Das Thema um die verschwundenen Teenager geht als Elternteil schon sehr an die Nieren, die Gefahren von Internet & Co versus Pubertäts/Abgrenzungsproblemen und schwindenden Einfluss der Eltern, uff.
Der Thriller ist brutal, besonders gegen Ende hin, nichts für schwache Nerven. Das Ermittlerpaar ist spannend, aber fast ein wenig arg überzeichnet; die ständigen Liebesbeteuerungen fand ich etwas sehr bemüht, andererseits mal eine nette Abwechslung zum sonst üblichen verkorksten Ermittler-Privatleben.
Der bei Thriller-Reihen inzwischen schon erwartbare Cliffhanger zum Ende darf natürlich auch hier nicht fehlen (grrr....).
Fazit: temporeicher Thriller, der meinen Geschmack voll getroffen hat.
Es geht weiter!
Die Hornisse von Raabe Marc
Bereits der dritte Band um den LKA-Ermittler Tom Babylon. Mittlerweile ist er verheiratet, stolzer Papa und damit wird doch nun etwas Ruhe eingekehrt sein?
Weit gefehlt! Der brutale Mord an einem Rockstar verlangt Babylon alles ab und dieser Fall führt weit in die DDR-Vergangenheit zurück.
Auch hier war der Mix aus aktuellem Fall, Bezüge zu den Vorgängerbänden und die Trauer und Sehnsucht Babylons um seine Schwester wieder sehr gelungen.
Deshalb sollte man hier auch nicht quer einsteigen, es gibt so viele Bezüge, dass man ohne Vorkenntnisse nicht wirklich das Gesamte sehen kann.
Ein dickes Bündel an familiären Problemen, die zweifelhafte und doch irgendwie coole Freundschaft zum zwielichtigen Kumpel aus dem Milieu und die Zusammenarbeit mit Psychologin Sita Johanns - ein super abgestimmtes Gesamtkunstwerk.
Spannend und überraschend wie gewohnt - und inzwischen ebenfalls vertraut, auch hier wieder mit einem ordentlichen Cliffhanger am Ende, der auf baldige Fortsetzung hoffen lässt.
Weggebeamt in die Geschichte
Die Hornisse von Raabe Marc
Bei dem Buch trat es wieder auf, das Phänomen des vollständigen Versinkens in ein Buch. Das Kind war nicht ansprechbar, es tauchte nur kurz auf aus den Buchseiten und murmelte: "So spannend!"
In der Tat. Was anfangs eher gemächlich beginnt, entwickelt dann eine super Dynamik. Benes Mutter möchte im Sommer mit Bene und ihrem neuen Freund verreisen.
Das geht ja gar nicht, findet Bene, den der Neue ist ein schrecklicher Schleimer. Da fährt er ja lieber noch zur Griesgram-Oma. Hoch gepokert, natürlich hat Bene gehofft, dass seine Mutter dann umschwenkt, aber das Spiel hat er verloren.
Und Benes Oma ist wirklich speziell, vom "Enkelkinder müssen von vorne bis hinten verwöhnt werden-Sommerferienprogramm" hat sie leider noch nichts gehört. Blöd für Bene, beschrieben wurde sie aber super, wir konnten sie uns so gut vorstellen.
Das Wort "Tippen" haben wir hier in einem völlig neuen Zusammenhang kennengelernt, aber "die gute Butter", die Oma beim Kochen und Backen verwendet, die kennen wir so genauso von Uroma. Klasse!
Und Bene? Na, für den werden die Ferien doch nicht so langweilig wie befürchtet, ganz im Gegenteil. In Omas Wohnort ist ganz schön viel geboten und mit seinen neuen Freunden wird er vielleicht sogar zum Helden? Ein richtiges Abenteuer erlebt er in diesen Ferien und wir sind dabei.
Ein richtig spannendes Buch mit super ausgearbeiteten Charakteren - 5 Sterne im Brustton der Überzeugung verleiht das Kind hier.
Selbst mehrjährige Pferdemädchen und Jungs können hier noch etwas lernen
Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht von Juli Zeh
Was für ein wunderschönes Buch! Wir sind richtig, richtig begeistert.
Warum geht es?
Sophie liebt das Reiten und Pferde. Ihre Familie kann das gar nicht verstehen, dort schlägt das Herz ansonsten eindeutig für Fußball. Doch Sophie verbringt jede freie Minute im Reitstall.
Hier bekommt sie die Aufgabe, sich um ein "Problempferd" zu kümmern - und das muss sie einfach gut hinbekommen, denn sonst sieht es schlecht aus für Socke (dem Pony).
Eine spannende und herzergreifende Geschichte ist das. Das besondere daran aber ist, dass es immer abwechselnd aus Sicht von Sophie, dem Pferdemädchen und Socke, dem Pony erzählt wird. Jeweils aus der Ich-Perspektive, so dass man sich den Beiden ganz nah fühlt. Total schön auch die Illustrationen von Flix; zu Beginn eines jeden Kapitels ist jeweils Sophie oder Socke gezeichnet, so dass man immer gleich weiß, wer gerade dran ist mit Erzählen.
Gerade die Pferdeperspektive war ganz toll und sehr lehrreich. Man konnte so viel über Pferde lernen - ganz andere Dinge als in unseren sonstigen Pferdebüchern, man erfährt hier, wie man mit Pferden kommuniziert.
Im Anhang werden dann sogar noch einmal viele Begriffe aus dem Buch ausführlich erklärt, das hat das Buch noch perfekt abgerundet.
Für uns eine absolut gelungene Kombination aus Pferdewissen, spannender Geschichte und tollen Zeichnungen. Prädikat Lieblingsbuch!
Für Fans von Gregs Tagebuch, die sich auch etwas mehr Text zutrauen
Wie man seine Eltern erzieht (Eltern 1) von Pete Johnson
Zuerst: Das Buch wird für Jungs zwischen 10 und 14 Jahren beworben – das finde ich etwas zu reduziert. Klar, der Hauptdarsteller Luis ist ein Junge, aber er hat eine coole Freundin und die Themen sind auch völlig unisex – es gibt also keinen Grund, warum Mädchen hier nicht zugreifen sollten.
Ich würde das Buch für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren empfehlen, ich glaube nicht, dass 14-Jährige damit noch viel anfangen können.
Es ist auch prima für Lesemuffel geeignet, es liest sich einfach mit der großen Schrift und den lustigen Zeichnungen, aber verlangt schon etwas mehr Leseengagement als Gregs Tagebuch, da es viel mehr Text beinhaltet. Zwar schön großgeschrieben, mit vielen Bildern, aber eben kein Comic. Dadurch, dass es so lustig ist, aber m. E. trotzdem kein Problem. Es ist quasi der perfekte Übergang von Greg zu „richtigem Textbuch“.
Nun zum Inhalt. Ich habe vom Autor bislang „Wie man 13 wird und überlebt“ gelesen und war nur mäßig begeistert, das Buch fand ich nicht besonders witzig und irgendwie seltsam.
Das war hier jetzt jedoch völlig anders, Luis, der Comedy-Star werden will und seine Freundin sind wirklich komisch, es gibt viel zu lachen.
Dabei hat die Geschichte durchaus ernste Seiten, denn Luis hat im Buch gar nichts zu lachen. Seine Eltern mutieren nach einem Umzug plötzlich zu Helicopter-Eltern, die nur noch Schule, Schule, Schule und Notenerfolg gelten lassen. Zum Glück lässt Luis sich nicht so leicht unterkriegen – und die Botschaft ist eine sehr schöne - schulische Leistung ist nicht alles und vermeintliche Superduper-Schulen sind vielleicht doch nicht das Gelbe vom Ei, vielleicht ist die ganz normale Schule ums Eck doch eine bessere Wahl…
Aus Elternsicht allerdings bei notorischen Schul-Faulpelzchen vielleicht trotzdem nicht die ganz ideale Lektüre, denn als Teenie könnte man durchaus ableiten, dass Schule generell überbewertet wird und hätte dann ja noch ein Buch als Beleg („da steht es! Lies!“).
Das Lesen hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich bin schon auf den nächsten Teil gespannt!
Spannend, obwohl doch der Täter schon zu Beginn feststeht
Die siebte Zeugin von Florian Schwiecker; Michael Tsokos
Eine neue Krimi-Reihe aus Berlin - mit Einblicken ins Justizwesen und in die Gerichtsmedizin, oh ja, gerne.
Hier arbeiten der Anwalt Rocco Eberhardt und der Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer zusammen, wobei der Rechtsmediziner eine relativ untergeordnete Rolle spielt und die Zusammenarbeit erst langsam wachsen muss.
. Größere Teile spielen sich im Gericht und bei der Vorbereitung der Verteidigung durch Rocco Eberhardt ab. Das hat mir gut gefallen, es war einmal ein anderer Blickwinkel. Man kann auch mal in die (hier natürlich fikitive) Denke eines Verteidigers schauen, denn warum verteidigt man einen Mörder?
Obwohl der Täter gleich zu Beginn fest stand (das Buch startet mit der Tat), ist das Buch trotzdem spannend, da das Motiv ein Rätsel bleibt. Denn der Täter schweigt - auch gegenüber seinem Anwalt.
Dazu gibt es natürlich auch private Verwicklungen, etwa ungelöste Familiendramen, eine auch beruflich praktische Freundschaft zu einem Privatdetektiv und viel (für meinen Geschmack schon sehr viel) Alkoholkonsum. Das fand ich dann auch schon mal ein wenig nervig, dass immer jede Weinsorte und jeder andere Drink, zu dem der Anwalt griff, genau erwähnt wurde. Mir ist das relativ egal, ob es am Montag Pinot Noir oder Pinotage oder was auch immer gab.
Natürlich gibt es auch einen beruflichen Gegenspieler und was mir besonders gut gefiel, es war nicht schwarz-weiß, sondern schon ansatzweise realistisch. Man kann keine absolute Gerechtigkeit bekommen, es bleibt immer auch ein moralisches Abwägen.
Mit nur gut 300 Seiten lässt sich das Buch schön zwischenrein lesen und macht auf jeden Fall neugierig auf weitere Fälle.
Feine Krimiunterhaltung im Justizumfeld - hat mir sehr gut gefallen!
Gruselige Zukunftsvision
Die siebte Zeugin von Florian Schwiecker; Michael Tsokos
Sterbewohl hat mich mit seinem außergewöhnlichen Cover und einem interessanten Klappentext gelockt, so dass ich von meinem Vorsatz "Nichts mehr von Selbstpublishern lesen" abgerückt bin. Vielleicht hat mich das Buch sogar bekehrt, denn es hat meine bisherigen Erfahrungen widerlegt. Weder ein fehlendes Lektorat noch ein nur mittelmäßger Plot, ganz im Gegenteil.
Das Buch spielt in der nahen Zukunft. Deutschland hat eine Diktatur und der Mensch zählt nur, so lange er nützlich für die Gesellschaft ist. Nützlich ausschließlich im Sinne von wirtschaftlich produktiv definiert. Deshalb gibt es für die Generation der Rentner das Angebot, eine Sterbepille zu schlucken. Rein freiwillig natürlich, denn nach außen wird der Schein einer Demokratie weiterhin gewahrt. Aber ist das wirklich so freiwillig?
Die Autorin zeichnet eine düstere Zukunftsvision, die über einen reinen Unterhaltungskrimi hinausgeht. Man muss sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, was uns als Gesellschaft ausmacht.
Dabei hat das Buch die bestimmt nicht einfache Kurve zum leicht zu lesenden und unterhaltsamen Roman geschafft, mit nur gut 200 Seiten liest sich das Buch zudem an einem Tag weg.
Besonders gut hat mir neben der Grundthematik und der spannenden Umsetzung gefallen, wie die Stimmung im Sterbehotel während des Aufenthaltes der vier Freunde eingefangen wurde, man konnte die Veränderungen förmlich greifen.
Eine gute Story mit beklemmendem Thema.
Lustige Abrechnung mit 2020
Die siebte Zeugin von Florian Schwiecker; Michael Tsokos
Genug gejammert über 2020, Zeit für etwas schwarzen Humor.
Das Büchlein nimmt das von Pandemie geprägte Jahr auf die Schippe und ich habe sehr gelacht.
Eine witzige Geschenkidee zum kleinen Preis, allerdings auch im sehr kleinen Format. Auf die Abmessungen habe ich nämlich im Vorfeld nicht geschaut, mit 11.
6 x 0.9 x 11.8 cm ist es eher ein Büchlein - aber dafür mit extra viel Humor. Und darauf kommt es ja an.
Ruhiges und sehr schönes Buch
Elchtage von Malin Klingenberg
Hier hat mich das schöne Buchcover wieder gelockt und es hat nicht zu viel versprochen, auch der Inhalt hat mich überzeugt.
Johanna ist ein Mädchen, das Veränderungen nicht so gerne mag. Leider hat ihre ehemals beste Freundin sich verändert, sie möchte lieber bei den angesagten Mädchen der Klasse mitmischen.
Johanna kann dem Mode und Jungs-Gerede aber so gar nichts abgewinnen und bleibt deshalb lieber für sich.
Das Buch ist eher ruhig, man ist in einem angenehmen Lesefluss und liest einfach so vor sich hin. Ruhig, aber keineswegs langweilig oder langatmig, mit einer Grundstimmung des Nicht-Verbiegens der Hauptdarstellerin und viel Natur. Das hat mir sehr gut gefallen.
Die Themen des Buches sind die, die Heranwachsende umtreiben. Der Verlust von langen Sandkastenfreundschaften, Veränderungen und neue Interessen durch die Pubertät, erste zarte Liebe und Natur- bzw. Tierschutz. Das war hier schön umgesetzt, besonders gelungen fand ich hierbei, dass es keine Schwarz-Weiß-Darstellung war.
Johanna ist Vegetarierin und Tierliebhaberin, ihre Eltern begeisterte Jäger. Das Verhältnis ist gut und wird auch nicht durch die unterschiedlichen Einstellungen groß belastet. Oder auch Johannas Liebe zu den Elchen: obwohl sie sich um ihr Überleben sorgt, hat sie doch den großen Wusch, auf ihnen zu reiten oder füttert sie mit Popcorn. Menschen, die man mag, tun Dinge, die man nicht gut heißen kann.
Solche Widersprüche gibt es öfter im Buch, es wird nicht gewertet, sondern einfach stehengelassen. Das hat hier für mich gut gepasst und so ist das Leben nun auch mal.
Ein richtig schönes Buch, das ich mit einem sehr zufriedenen "Hach ja" zuschlagen konnte.
Hat alles, was ein gutes Kinderbuch braucht
Malvina Moorwood - Das Geheimnis von Moorwood Castle von Christian Loeffelbein
Malvina wohnt in einem echten Schloss in England. Das ist traumhaft, bis ihre Familie beschließt, den zugegebenermaßen ziemlich baufälligen und renovierungsbedürftigen Kasten zu verkaufen. Hallo?! Das geht doch nicht! Malvina will das natürlich verhindern und stolpert in ein großes und nicht ganz ungefährliches Abenteuer.
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Das Buch ist super!
Angefangen beim schaurig-schönen Cover setzen sich die schönen Illustrationen im Innenteil fort.
Die Geschichte hat genau die richtige Balance aus Witz, Spannung und Gruselstimmung. Sie spielt in England und allein die Namen der Pubs (oder Spelunken...), die z. B. "Blutiger Schinken" heißen, waren urkomisch. Dann hat Malvina eine ziemlich abgefahrene große Familie, die auch alles gehörig durcheinanderwirbelt.
Dann noch ihr bester Freund, ohne den Malvina echt aufgeschmissen gewesen wäre.
Das alles aus Ich-Perspektive erzählt, das mögen wir ohnehin am liebsten, so waren wir Malvina immer ganz nah.
Manchmal war es schon sehr schaurig, aber so viel darf ich verraten: es gibt ein Happy End und es war nie so gruselig, dass man Angst vor dem Einschlafen bekommen hat.
Für uns war es rundum perfekt - wir freuen uns schon riesig auf Band 2, auf den wir jetzt allerdings fast ein ganzes Jahr warten müssen. Und dann hoffen wir doch sehr, dass wir auch einen Tomatenwitz zu lesen bekommen (davon war nämlich ständig die Rede, leider sind wir nicht in den Genuss gekommen...)








