Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tara:
Spannend & bewegend !
Drei von Dror Mishani
„Drei“ ist ein spannender und auch bewegender Roman des in Tel Aviv lebenden Literarturwissenschaftlers Dror Mishani.
Da dieser Roman mit „Sensationsbestseller aus Isreal“ beworben wurde und es dem Verlag äußerst wichtig war, dass nicht zu viel über den Inhalt des Buches verraten wird, war ich äußerst gespannt und hatte hohe Erwartungen.
Das Buch besteht aus drei Teilen und somit auch aus drei Geschichten. Drei Geschichten von drei Frauen, die sich nicht kennen und einem Mann, der alle drei Frauen kennt. Obwohl die Frauen alle etwas anderes suchen, finde sie alle das Gleiche, den gleichen Mann: Gil.
Der Schreibstil des Autors ist sachlich und ruhig, aber dennoch bringt er Spannung in seine Geschichte, die jeweils zum Ende der einzelnen Teile regelrecht explodiert.
Die Handlung spielt in Israel und somit kommen auch immer wieder Anteile der Kultur durch, die ich interessant und bereichernd fand.
Ein spannendes Buch, das mich überraschen konnte und durch verschiedene Perspektiven über die unterschiedlichen Schicksale der Frauen berichtet, was ich durchaus als interessant und fesselnd empfunden habe.
Vielschichtig & emotional
Die Gärten von Monte Spina von Scriverius Henrike
„Die Gärten von Monte Spina“ ist der Debütroman der Landschaftsgärtnerin Henrike Scriverius, mit dem sie mich überrascht und begeistert hat. Niemals hätte ich hinter dem fröhlichen und bunten Cover eine so emotionale und düstere Geschichte vermutet.
Die 30-jährige Gärtnerin Toni hat bei einem Autounfall ihren Mann Leon verloren.
Leon war ihre große Liebe und mit ihm ist auch ihr Lebensmut verschwunden, die Sehnsucht nach ihm zerreißt sie jeden Tag aufs Neue. Als sie das Angebot bekommt als Gärtnerin auf der Privatinsel Monte Spinta zu arbeiten, nimmt sie dieses an. Die kleine Insel vor Lanzarote bietet nichts außer Stille, Felsen und einen verwilderten Garten, der dringend einen Gärtner benötigt. Für Toni ist dies genau das Richtige – viel Arbeit, nur wenige Angestellten, die alle ihre eigene Geschichte und Geheimnisse haben und Max Bror, der Besitzer der Insel, der diese nur äußerst selten besucht, was seinen Angestellten entgegenkommt. Mit viel Enthusiasmus und Engagement macht sich Toni an die Arbeit und gestaltet die Gärten neu. Als Max Bror auftaucht, lernt sie mit ihm einen äußerst unsympathischen und kalten Menschen kennen, der nur wenig Rücksicht auf andere Menschen und deren Gefühle nimmt. Obwohl Toni für ihre Arbeit nur Kritik erhält, ist sie neugierig geworden und möchte erfahren, was hinter diesem Mann steckt.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht und locker und sehr angenehm zu lesen. Sie beschreibt ihre Charaktere facettenreich und vielschichtig. Bror wirkt sehr unsympathisch und sein Verhalten ist einfach unmöglich, trotzdem kommen auch immer wieder Seiten an ihm durch, dass ich Tonis Interesse an seiner Person durchaus nachvollziehen konnte. Toni macht im Verlauf der Handlung eine erstaunliche Entwicklung durch. Zu Beginn ist sie von Trauer durchzogen, aber mit jedem Tag auf der Insel und ihrer Arbeit mit den Pflanzen scheint sie besser über den Verlust ihres Mannes hinwegzukommen und wird richtig kämpferisch. Da das Buch aus der Ich-Perspektive von Toni geschrieben ist, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und ihre Emotionen nachvollziehen, so dass sie mir richtig ans Herz gewachsen ist.
Außerdem gibt es ganz wundervolle Landschaftsbeschreibungen, die Natur, das Wetter, der Strand, das alles wird so atmosphärisch beschrieben, dass ich tolle Bilder im Kopf hatte.
Mich hat das Buch überrascht und gefesselt. Selten habe ich beim Lesen so viel Wut, Ärger und Entsetzen empfunden und mich dann wieder bei den Beschreibungen der Gärten entspannt. Es gab zahlreiche Wendungen, die mich gefesselt haben und es mir schwer machten, es zur Seite zu legen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf weitere Bücher der Autorin.
Sprache ist mehr als nur Kommunikation
Alles außer fern von Scriverius Henrike
„Alles außer fern“ ist ein eindrucksvolles Buch der russischen Autorin und Deutschtrainerin Ksenia Konrad, das ich interessant fand und das mich so einige Male zum Schmunzeln gebracht hat.
Nachdem die Autorin von Russland nach Tirol gezogen ist, stellt sie fest, dass sie zwar die Sprache beherrscht, aber dennoch vor so einigen kleinen und großen Unwägbarkeiten steht.
In diesem Buch erfährt man eine Menge aus dem Leben der Autorin und über ihre Arbeit als Sprachtrainerin. Ihre Anekdoten sind interessant und oft auch sehr amüsant. Man macht sich kaum eine Vorstellung davon wie schwierig es ist die Deutsche Sprache zu erlernen und wie absurd die Regeln und die vielen Ausnahmen jemanden der das lernen muss, erscheinen mögen.
„Deutsch kommt mir sehr oft wie ein Puzzle oder wie Lego vor, die Wörter sind wie Bauklötze: Etwas wird zusammengelegt, zusammengeführt, zerlegt, aufeinandergestapelt, aufgebaut, umgebaut. Im ungünstigsten Fall ist das wie eine große Baustelle, die noch dazu in einem denkbar schlechten Moment in vollem Gange ist, wie zum Beispiel mitten in der Touristensaison bei uns im Bezirk, wenn man eifrig und voller Engagement mit der Renovierung beginnt. Und zwar so, dass die verwirrten Touristen in Panik nach der Umfahrung suchen müssen, weil das Umleitungsschild leicht schief hängt und der Pfeil in den Asphalt zeigt oder genau in die Straßenrichtung mit dem Fahrverbot.“
Dieser und viele andere Sätze haben mich schmunzeln und staunen lassen.
Mir hat das Buch einen völlig neuen Blick auf die Probleme der Migranten und unsere Sprache gezeigt. Man spürt, dass Ksenia Konrad ihre Arbeit liebt und ihre Erzählungen sind so lebendig und ungewöhnlich, dass dieses Buch einfach ein tolles Leseerlebnis ist.
Geschichte spannend vermittelt
Über die Grenze von Maja Lunde
„Über die Grenze“ ist ein spannendes Kinderbuch für kleine Leser ab 9 Jahren, in dem die norwegischen Autorin Maja Lunde ein wichtiges Stück Geschichte altersgerecht vermittelt.
Mitten im Zweiten Weltkrieg bleiben die beiden Geschwister Gerda und Otto nach der Verhaftung ihrer Eltern alleine in ihrem Elternhaus zurück, da diesen vorgeworfen wird jüdische Kinder im Keller versteckt zu haben.
Für die abenteuerlustige Gerda ist direkt klar, dass sie nun Daniel und Sarah, die glücklicherweise nicht direkt entdeckt wurden, helfen muss, um von Norwegen nach Schweden zu fliehen, wo ihr Vater auf sie wartet.
Die vier Protagonisten werden authentisch und sehr unterschiedlich dargestellt. Während Gerda sehr lebendig, impulsiv und abenteuerlustig ist, wirkt Otto eher vorsichtig und zurückhaltend. Ihr Vorhaben ist mutig, nicht perfekt geplant und kleine Reibereien zwischen den Geschwistern gibt es auch.
Der Schreibstil ist lebendig und spannend. Dabei vermittelt die Autorin altersgerecht ein Stück Geschichte ohne sich dabei zu sehr in Details zu verlieren.
Die Flucht der Kinder ist spannend und fesselnd, so dass sich das Buch nur schwer aus der Hand legen lässt.
Auch die optische Gestaltung ist gut gelungen und macht Spaß. Jedes Kapitel beginnt mit einer passenden Abbildung der Illustratorin Regine Kehn.
Ich finde das Buch perfekt, um kleinen Lesern ein Stück Geschichte näherzubringen und habe es gerne gelesen.
Düster & fesselnd
Über die Grenze von Maja Lunde
„Die Quellen von Malun – Blutgöttin“ ist der gelungene Auftakt einer Darkfantasy-Trilogie der Autorin Daniela Winterfeld.
In Sapion und in den umliegenden Reichen herrscht Krieg, da das Wasser immer knapper wird. Es muss durch aufwendige Tunnelsysteme gefördert werden und die Völker kämpfen um ihr Überleben.
Die besiegten Völker werden zu Sklaven gemacht und der Umgang mit ihnen ist rau und rücksichtslos. Alia ist eine der Sklavinnen und spielt mit dem Gedanken zu flüchten. Nicht alle sind mit den vorherrschenden Zuständen einverstanden und so versuchen Dorgen – ein Offizier – und Tailin – ein Soldat – dagegen vorzugehen. Neben Alia, Dorgen und Tailin spielt Feyla - die Tochter eines Politikers – eine wichtige Rolle.
Die Autorin hat hier ihre ganz eigene Welt geschaffen, die von Männern dominiert wird, eine eigene Zeitrechnung und keine Jahreszeiten – sondern nur Sonnenzeiten - hat.
Die vier Protagonisten werden nacheinander vorgestellt. Im Wechsel wird die Geschichte aus ihren unterschiedlichen Perspektiven erzählt und man bekommt sehr detaillierte Einblicke in ihr Leben und ihre Welt. Anfangs war mir unklar, wo die Verbindungen des Lebens von Alia, Dorgen, Tailin und Feyla sind, aber die Verknüpfungen werden im Verlauf der Handlung deutlich.
Die Welt ist brutal und düster, der Umgang miteinander rücksichtslos, unbarmherzig und grausam. Das Buch ist nichts für schwache Nerven, da die Beschreibungen sehr drastisch, klar und deutlich sind. Dieser intensive Schreibstil hat mich entsetzt und fesselt und dafür gesorgt, dass ich beim Lesen Pausen einlegen musste, damit es mir nicht zu viel wird. Ich habe mit den Protagonisten gebangt und gehofft, da jeder einzelne Handlungsstrang interessant zu verfolgen war.
Auch wenn es sich hier um einen Fantasyroman handelt, mit dem Thema Wasserknappheit und den daraus resultierenden Folgen, ist die Autorin unangenehm nah an der Realität. Die Konsequenzen – Krieg – Grausamkeit – Unterdrückung- sind erschreckend authentisch.
Das Buch endet mit einem Cliffhänger, der mich nun gespannt auf den zweiten Band der Trilogie warten lässt.
Zauberhaft !
Über die Grenze von Maja Lunde
„Spukalarm in der Schokofabrik“ ist unterhaltsames und spannendes Kinderbuch der Autorin Mascha Matysiak für kleine Leser ab acht Jahren.
Klara ist über den Umzug in die Konfektallee und darüber, dass sie ihre Freunde zurücklassen musste, wenig begeistert. Aber schnell findet sie in Mattis und Theo zwei neue Freunde, mit denen sie so einiges erlebt.
Zusammen mit den beiden begibt sie sich in die stillgelegte Schokoladenfabrik und dort werden sie überrascht. So verlassen wie sie dachten, ist die Fabrik gar nicht….
Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, leicht zu lesen und altersgerecht. Die Dialoge der kleinen Protagonisten wirken authentisch und wie aus dem Leben gegriffen. Mit Klara, Theo und Matti hat die Autorin drei liebenswerte Charaktere geschaffen aber auch die übrigen Charaktere haben sich in unsere Herzen geschlichen.
Nicht nur das Cover ist ein toller Blickfang. Auch das Innencover ist wundervoll gestaltet und im gesamten Buch findet man zahlreiche detaillierte Illustrationen von Monika Parciak. Diese sind so zauberhaft gestaltet, dass selbst kleine Lesemuffel Spaß an dem Buch haben werden.
Die Story ist fantasievoll und zauberhaft und beim Lesen bekommt man garantiert Lust auf Schokolade.
Wir hatten beim Lesen großen Spaß an dem Buch. Durch die angenehme Schriftgröße und die zahlreichen Illustrationen eignet es sich sowohl für Leseanfänger als auch wunderbar als Buch zum Vorlesen.
Von mir gibt es eine Lesempfehlung für kleine Leser ab der zweiten Klasse und große Leser die gerne vorlesen oder fantasievolle Geschichten mögen.
Komplex, spannend, lesenswert
Über die Grenze von Maja Lunde
„Bis ihr sie findet“ ist ein gelungenes Krimidebüt der britischen Autorin Gytha Lodge.
Im Juli 1983 treffen sich sechs Schulfreunde in einem Wald in Südengland, um gemeinsam zu zelten. Mit dabei ist die erst vierzehnjährige Aurora, die sich als kleine Schwester darüber freut, dass sie dazugehören darf.
Am nächsten Morgen ist sie verschwunden.
30 Jahre später wird in dem Waldstück eine Leiche entdeckt – Aurora. Nun ist es die Aufgabe von Detective Chief Inspector Jonah Sheens den Fall wieder aufzurollen und herauszubekommen, was damals vorgefallen ist. Die damaligen Freunde stehen inzwischen erfolgreich im Leben und Jonah Sheens vermutet den Mörder unter ihnen.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm. Sie versteht es zu fesseln und Spannung aufzubauen. Durch unterschiedliche Perspektiven und dem Wechsel zwischen den Zeitebenen in der Gegenwart und der Vergangenheit 1983 machen den Roman abwechslungsreich.
Jonah Sheens und sein Team sind sympathisch und wirken kompetent. Man rätselt mit ihnen, weiß zwar durch die Perspektive von Aurora in der Vergangenheit oft ein wenig mehr als die Ermittler, ist deswegen der Lösung aber auch nicht näher. Die Darstellung der Freunde, die entstandene Gruppendynamik ist äußerst interessant und es gerät jeder einmal in den Fokus der Ermittlungsarbeiten.
Mich hat der Roman durchweg gefesselt, was weniger daran lag, dass er so unglaublich spannend war, sondern vielmehr daran, dass durch die stetigen Wechsel in Zeit und Perspektive eine Menge Abwechslung und Leben in der Handlung lag. Richtig spannend wird es erst gegen Ende.
Eigentlich würde ich das Buch weniger als Krimi, sondern viel mehr als Spannungsroman, der zum Miträtseln einlädt, bezeichnen. Er ist weder reißerisch, noch blutig oder brutal und hat von daher genau meinen Geschmack getroffen. Ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin.
Skurril, aber unterhaltsam
Letzte Rettung: Paris von Patrick deWitt
"Letzte Rettung: Paris“ ist ein total verrückter und unterhaltsamer Roman des kanadischen Autors von Patrick deWitt.
Die bisher an Luxus gewöhnte Witwe Frances Price ist pleite. Bisher hat sie mit ihrem Sohn Malcolm und ihrem Kater „Kleiner Frank“ im wohlhabenden Teil New Yorks gelebt, aber inzwischen ist das Vermögen ihres Mannes aufgebraucht.
Es bleibt ihr keine andere Möglichkeit als nach Paris zu gehen und dort das Angebot ihrer Freundin Joan anzunehmen und in ihre Wohnung zu ziehen. Malcom und „Kleiner Frank“ – in dem sie die Reinkarnation ihres verstorbenen Mannes sieht – sind natürlich dabei.
Während Frances und Malcolm in der Vergangenheit durch ihre unangepasste Art und Weise nur wenige Sympathiepunkte sammeln konnten, ändert sich in Paris so einiges….
Die Protagonisten sind einfach skurril, haben aber gleichzeitig auch eine sehr liebenswerte Seite an sich.
Der Schreibstil des Autors ist amüsant und ihm gelingt es auch die tragischen Seiten so zu verpacken, dass man dabei schmunzeln muss. Die Idee hinter diesem ungewöhnlichen Roman hat mir gut gefallen und mich wundert es keineswegs, dass er sich in den USA zum Überraschungserfolg gemausert hat. Ich war nämlich auch überrascht und habe mich über die ungewöhnlichen Einfälle bestens amüsiert.
Wer abgedrehten Lesestoff mag, liegt hiermit genau richtig.
Sachlich & klar
Letzte Rettung: Paris von Patrick deWitt
Das Thema „Impfen“ wurde bei uns in der Familie immer wieder kontrovers diskutiert und ich muss zugeben, dass ich jedes Mal wieder ein wenig verunsichert war, was denn nun der richtige Weg ist.
Mit dem Buch „Klartext: Impfen!" machen der Kinderarzt Dr. Thomas Schmitz und der Journalist und Biologe Sven Siebert ihren Standpunkt deutlich und hinterlegen diesen mit schlüssigen Argumenten und Fakten.
Zuerst erläutern die Autoren woher die Skepsis gegenüber dem Thema kommt und dass hierbei Vorurteile und Halbwahrheiten eine große Rolle spielen. Natürlich „schreien“ immer die am lautesten, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und es wird schnell übersehen, dass der Anteil derer verschwindend gering ist. Es wird deutlich wie wichtig es ist Risiko und Nutzen zu betrachten und zu berücksichtigen. Die Autoren verschweigen die Nebenwirkungen nicht, aber sie machen deutlich wie wichtig ist abzuwägen.
Neben den historischen Hintergründen zum Thema Impfen fand ich auch die verschiedenen Arten der Impfungen und wie diese funktionieren äußerst interessant.
Das Buch ist informativ, sachlich, verständlich und dabei gleichzeitig auch unterhaltsam geschrieben, so dass es sich angenehm lesen lässt.
Dieses Mal möchte ich auch keine Leseempfehlung aussprechen. Vielmehr möchte ich darum bitten, das Buch zu lesen, da die Informationen einfach wichtig und für jeden relevant sind.
Über den Krieg & die Liebe – emotional & bewegend
Letzte Rettung: Paris von Patrick deWitt
„Ein Lied von Liebe und Verrat“ ist der erste deutschsprachige Roman des Autors James William Brown.
Aliki ist das letzte berufsmäßige Klageweib im Dorf und erhält Besuch von einer Ethnografin, die mehr über sie und ihre Klagegesänge erfahren möchte. Da Aliki für diese in der richtigen Stimmung sein muss, hinterlässt die Fremde ihr einen batteriebetriebenen Kassettenrecorder und Kassetten um die Totenlieder aufzunehmen.
Aliki nutzt die Kassetten um über ihr Leben zu berichten. Sie beginnt damit mitten im Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1943 als ihr Vater und zwei andern Männern des Dorfes von den Deutschen exekutiert wurde. Da Aliki niemanden mehr hat, kümmert sich Chrysoula, die Mutter ihres Freundes Takis um sie. Aber nicht nur sie findet bei Chrysoula Unterschlupf, auch Stelios und seine Mutter werden von ihr aufgenommen und da sie Juden sind, vor den Deutschen versteckt. Nachdem der Krieg ihnen ihre Mütter genommen hat, müssen sich die drei alleine durchschlagen, verlassen gemeinsam das Dorf und beginnen mit einem selbstgebauten Schattentheater die Leute zu unterhalten.
Mir gefiel die Idee des Handlungsrahmens, dass Aliki als alte Frau ihr Leben auf Band aufnimmt und erzählt. Fast könnte man dies zwischendurch vergessen, wenn sie nicht immer mal wieder die Kassette wechseln bzw. umdrehen müsste. An diesen Stellen erfährt man einige Einzelheiten aus Alikis gegenwärtigem Leben und dem der Dorfbewohner.
Mit Aliki, Stelios und Takis hat der Autor drei interessante Protagonisten geschaffen, die mir im Verlauf der Handlung richtig ans Herz gewachsen sind. Die Grausamkeiten, die sie während des Krieges erleben mussten, haben sie trotz der Rivalität, die zwischen Takis und Stelios herrscht, zusammenwachsen lassen.
Obwohl mir die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges nicht fremd waren, hat es mich immer wieder auf`s Neue schockiert und entsetzt wie skrupel-, gewissenlos und verroht die Menschen waren, da die Einzelschicksale berührend und authentisch beschrieben werden. Neben den drei Protagonisten werden auch die übrigen Charaktere facettenreich und authentisch beschrieben.
Der Erzählstil von Aliki ist sehr ruhig, teilweise fast ein wenig distanziert und gleichzeitig auch wieder voller Emotionen und es gelingt ihr trotz der schweren Zeiten und grausamen Erlebnisse immer wieder ein wenig Leichtigkeit durchblitzen zu lassen.
Mich hat dieser Roman total für sich eingenommen. Die ungewöhnliche Rahmenhandlung, der ruhige Erzählstil von Aliki und die Traditionen und Bräuche haben mich fasziniert und gefesselt.
Wer sich für die Zeit des Zweiten Weltkrieges und für die Kultur von Griechenland interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen.






