Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tara:
Mutig & ehrlich
„Mein Vaterland! Warum ich ein Neonazi war“ ist ein selbstkritischer, autobiografischer Roman des Autors Christian E. Weißgerber.
Offen erzählt der Autor wie es dazu kam, dass er in die Naziszene rein gerutscht ist – eine von Gewalt geprägte Kindheit und der spätere Wunsch nach Orientierung.
Dabei versucht er keineswegs sich zu rechtfertigen oder etwas schön zu reden, sondern berichtet ganz sachlich und nüchtern welche Umstände dazu geführt haben und wie sich seine Einstellung verändert hat.
Neben dem persönlichen Teil erfährt man noch interessante Fakten und einiges an Hintergrundwissen über die Szene und dabei macht der Autor deutlich welche Strategien verwendet werden, um die Menschen gezielt zu beeinflussen. Es ist erschreckend, wie viel Gewalt vorherrscht und wie diese legitimiert wird.
Die Thematik des Buches ist brisant und erschreckend aktuell. Obwohl der Autor selbst mitten drin steckte, gelingt es ihm sehr sachlich eine objektive Sichtweise zu vermitteln.
Insgesamt ist es ein offenes und ehrliches Buch bei dem auch ab und zu der Humor des Autors durchblitzt. Trotzdem war der Schreibstil an einigen stellen ein wenig anstrengend und umständlich, weshalb ich bei meiner Bewertung einen Stern abziehe.
Traurig & emotional
„Bestimmt schön im Sommer“ ist der Debütroman der Autorin Marlene Fleißig.
Maria ist nach dem Tod ihrer Schwester Adela aus Galicien nach Deutschland geflüchtet. Dort beginnt sie unter der Identität von Adela zu studieren und kehrt nachdem dies auffällt nach Galicien zurück.
Sehr einfühlsam beschreibt die Autorin hier den Schicksalsschlag, den Marias Familie durch Adelas Tod verarbeiten muss.
Dabei verwendet sie einen sehr ungewöhnlichen Schreibstil – teilweise poetisch und bildhaft, dann wieder melancholisch, zynisch und ein wenig derb in der Ausdrucksweise.
Die Kapitel sind kurz, teilweise aber etwas zusammenhangslos und wirken ein wenig wie Tagebucheinträge. Dadurch kommt Marias inneres Chaos gut zum Ausdruck. Überhaupt werden ihre Gefühle sehr nachvollziehbar beschrieben und auch die schwierige Situation, die sich für eine Familie ergibt, wenn eine Tochter stirbt. Über Adela erfährt man aber insgesamt nur recht wenig.
Leider bin ich durch das fröhliche Cover und den Klappentext, der eine humorvolle und berührende Geschichte verspricht, mit vollkommen falschen Erwartungen an das Buch herangegangen.
Es gab humorvolle Stellen, aber das war eher ein sarkastischer als ein fröhlicher Humor. Es gab auch viele tiefsinnige Stellen, poetische Sätze, die mich zum Nachdenken gebracht haben aber insgesamt war die Grundstimmung des Buches eher bedrückend und keineswegs „leichtfüßig“ wie es der Werbetext verspricht.
Mit einem anderen Cover und ohne die Erwartungen, die zuvor in mir geweckt wurden, hätte ich den Roman als stimmiger empfunden.
So kann ich leider nur 3,5 Sterne vergeben, denke aber, dass die Autorin Potential für mehr gehabt hätte.
Ein Psychodrama - überraschend und spannend
„Anatomie eines Skandals“ ist der dritte Roman der Autorin Sarah Vaughan.
Der Parlamentspolitiker James ist glücklich mit Sophie verheiratet und die beiden haben gemeinsam zwei Kinder. Nach außen hin scheint alles perfekt, bis James beschuldigt wird eine Affäre mit seiner Assistentin Olivia gehabt zu haben und diese ihn wegen Vergewaltigung vor Gericht bringt.
Für Sophie bricht eine Welt zusammen und sie weiß nicht, ob ihr Mann schuldig ist oder ob es sich um einen Racheakt von Olivia handelt...
Die Geschichte besteht aus einem Handlungsstrang in der Gegenwart, in dem es um den Prozess von James geht und einem in der Vergangenheit. Dieser spielt im Jahr 1992 und es geht um die Collegezeit von James, Sophie und einiger anderen Studenten und man erfährt eine Menge über eine Studentin namens Holly. Dabei bleibt es erst einmal unklar, wie die damaligen Ereignisse mit der Gegenwart zusammenhängen. Immer wieder gibt es Anspielungen auf ein Ereignis während der Collegezeit, wegen dem der Premierminister James noch einen Gefallen schuldet und man fragt sich permanent, was damals vorgefallen ist.
Auch die Perspektiven wechseln und mal erfährt man die Ereignisse aus Sophies und James Sicht, in der Vergangenheit aus Hollys Perspektive und in der Gegenwart zusätzlich aus Kates – der Prozessanwältin – Sicht. Kate ist ein sehr interessanter Charakter, den gleich zu Beginn recht detailliert geschildert wird.
Durch die Zeit- und Perspektivwechsel ist das Buch ausgesprochen spannend. Man bekommt einen umfassenden Blick, kann sich gut in die verschiedenen Charaktere hineinversetzen und rätselt mit, was denn nun tatsächlich vorgefallen ist und vor allem wie die vergangenen mit den gegenwärtigen Ereignissen zusammenhängen. Der Prozess wird zum Ende recht schnell abgehandelt und hat mich überrascht.
Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten. Es war spannend geschrieben und der Schreibstil war angenehm und flüssig zu lesen. Allerdings hatte es meiner Meinung für einen Thriller nicht genug Thrill.
Eine tiefgründige Geschichte, die nachdenklich stimmt
Agathe von Anne Cathrine Bomann
„Agathe“ ist eine ungewöhnliche Geschichte über das Leben, Veränderungen und Freundschaft von der Autorin Anne Catherine Bormann.
Ein Psychiater, der kurz vor seinem Ruhestand steht, möchte seine letzten Patiententermine eigentlich nur noch hinter sich bringen und zählt seine letzten Termine.
Obwohl er klar angewiesen hat, dass er keine neuen Patienten mehr annehmen möchte, macht seine Sekretärin einen Termin mit Agathe, die manisch-depressiv ist und bisher noch nicht bei ihm war. Durch die Gespräche mit ihr wird ihm bewusst wie einsam er ist und wie leer sein Leben im Laufe der Zeit geworden ist und er beginnt ganz langsam umzudenken.
Die Handlung des Buches konzentriert sich auf das Wesentliche. Es geht um Agathe und den Psychiater, deren Aufeinandertreffen für beide Veränderungen bedeuten, aber während Agathe die Nähe des Psychiaters suchte, erkennt er erst im Laufe der Treffen seine Fehler und die Notwendigkeit für Neuanfänge.
Viele der gestellten Fragen haben mich zum Nachdenken angeregt und dazu angehalten diese für mich zu beantworten. Dadurch haben mich die 160 Seiten sehr viel länger beschäftigt als ich ursprünglich vermutet hatte.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und leicht zu lesen. Die recht kurzen Kapitel eignen sich gut dazu im Anschluss über die Themen, die jedem geläufig sind und denen jeder täglich begegnet, nachzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen. Nähe, Freundschaft, Veränderungen, Neuanfänge, Chancen nutzen, dem Leben stets Neues einzuhauchen und aus festgefahrenen Wegen herauszutreten sind nur einige der Botschaften, die die Autorin unterhaltsam und tiefgründig zugleich vermittelt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und es wird mich gedanklich noch einige Zeit beschäftigen.
Gelungene Fortsetzung mit tollen Charakteren
Agathe von Anne Cathrine Bomann
„Edelfa und derTeufel II – Verworrene Wege“ ist der zweite Teil der Piemont-Saga der Autorin Caroline Sesta.
Nachdem der erste Band im Jahre 1557 in Piemont begann, befindet sich Edelfa nun im Sommer 2012. Sie hat sich 450 Jahre vor Cortemilia versteckt, ist einsam, vermisst Lauro schmerzlich und hat zahlreiche Kenntnisse über Pflanzenheilkunde und Kräuter erworben.
Als sie die Möglichkeit bekommt an eine Universität zu gehen, zögert sie zuerst, ergreift diese aber dann und zieht dadurch erneut Emanueles Aufmerksamkeit auf sich.
Caroline Sesta ist es mit einer unglaublichen Leichtigkeit gelungen ihre Charaktere aus dem Jahre 1557 in das Jahr 2012 zu bringen, ohne dass man das Gefühl hat, das hier etwas fehlt. Edelfas Leben in der Gegenwart ist fesselnd und ereignisreich und mir gefiel es noch einmal besser als im ersten Band. Durch das Auftauchen altbekannter Charaktere und Rückblicke in die Vergangenheit ist die gesamte Handlung sehr stimmig. Mit viel Liebe zum Detail und facettenreicher Beschreibung der Charaktere hat es die Autorin geschafft mich in die Handlung mitzunehmen. Obwohl es ein modernes Märchen ist, wirkt alles authentisch und man erfährt ein wirklich intensives Leseerlebnis.
Neben Spannung gibt es auch immer wieder humorvolle Stellen und Dialoge, die für ein abwechslungsreiches Leseerlebnis sorgen.
Die hochwertige Gestaltung des Buches, die Abbildungen und die dunklen Farbtöne wirken genau wie beim ersten Band stimmig, haben einen hohen Wiedererkennungswert und ich habe das Buch schon deswegen immer gerne zur Hand genommen.
Insgesamt war diese Fortsetzung eine tolle märchenhafte Geschichte mit eigenwilligen Charakteren über die ich gerne noch mehr erfahren möchte. Nach diesem unglaublichen aber perfekt gelungenen Zeitsprung, bin ich nun sehr gespannt auf Band drei der Saga.
Ein bewegender Roman mit starken Protagonistinnen
Als das Leben vor uns lag von Santos Care
„Als das Leben vor uns lag“ ist ein packender und bewegender Roman der spanischen Autorin und Journalistin Care Santos.
Die Handlung beginnt 1950. Die fünf Freundinnen Olga, Martha, Julia, Lolita und Nina besuchen gemeinsam eine Klosterschule, in der strenge Regeln herrschen. Für Olga und Martha ist es der letzte Abend im Internat, da ihre Mutter sie wieder nach Hause holen möchte.
Bei einem selbst ausgedachten Spiel, bei dem wie immer Olga das Sagen hat, läuft eine der dazugehörenden Mutproben schief, woraufhin sich das Leben für alle fünft verändert. Die Freundinnen verlieren sich aus den Augen. Dreißig Jahre später ist ein gemeinsames Treffen geplant, bei dem die unterschiedliche Entwicklung der Freundinnen schnell deutlich wird.
Im Grunde spielt das gesamte Geschehen des Romans an zwei Abenden, dem Unglücksabend 1950 und an dem Abend des gemeinsamen Treffens dreißig Jahre später. Jede Protagonistin wird in einem Abschnitt detailliert beschrieben und durch Rückblicke erfährt man eine Menge Einzelheiten über die Entwicklung ihres Lebens. Sie wirken dabei authentisch und lebendig. Während Olga von Beginn an durch ihre sehr bestimmende und neugierige Art kaum Sympathiepunkte bei mir sammeln konnte, war mir Julia von Anfang an sympathisch. Auch dreißig Jahre später in denen die beiden – und natürlich auch die drei anderen Freundinnen – eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht haben, ändert sich daran nichts. Der letzte Abend im Internat ist für alle fünf unvergessen und im Hintergrund steht durchweg die Themen von Schuld und Vergebung.
Der Schreibstil von Care Santos ist fesselnd und lässt sich angenehm flüssig lesen. Bereits von der ersten Seite an ist es ihr gelungen mich mitten in das Geschehen hineinzubringen und ich konnte die beklemmende Atmosphäre des Internats direkt spüren. Durch aktuelle Ereignisse der damaligen Zeit kann man die Atmosphäre und den Zeitgeist gut nachfühlen.
Mich hat das Buch gefesselt. Es ist spannend und bewegend, das Ende ist in sich stimmig, aber es werden nicht alle Fragen bis ins kleinste Detail geklärt, so dass Raum für eigene Gedanken bleibt.
Humorvoll & spitzzüngig
Nein ist das neue Ja von Désirée Nick
„Nein ist das neue Ja“ ist das Buch - der für ihre spitze Zunge bekannten - Entertainerin Désirée Nick.
Der Klappentext des Buches klang sehr vielversprechend und auch ich wollte gerne die Magie des „Nein!“ kennenlernen. Ebenso gut gefiel mir das Inhaltsverzeichnis, dass eine Vielzahl von Themen nennt, zu denen man einfach „Nein“ sagen sollte.
Désirée Nick ist für ihr loses Mundwerk bekannt und ich hatte auch kein Sachbuch erwartet, sondern eher humorvolle Tipps und Ratschläge. Genau das bekommt man mit einer Menge Anekdoten aus dem Leben der Autorin und auch denen anderer Prominenten. Diese habe ich zum Teil als unnötig heftig und giftig empfunden. Ebenso wenig kam ich mit ihrer Ausdrucksweise zurecht, die aus meiner Sicht unnötig vulgär und niveaulos war.
Trotzdem waren einige durchaus sinnvolle Anregungen einfach einmal „Nein!“ zu sagen dabei und ich habe auch mehrfach über den Humor von Désirée Nick gelacht. Es ist eine Mischung aus humorvollen und derben Tipps und Anekdoten, die sich recht flott lesen lassen.
Insgesamt hat mich das Buch nicht überzeugt und ist vielleicht eher etwas für eingefleischte Désirée-Nick-Fans.
Emotional und schockierend
Als das Leben unsere Träume fand von Luca Di Fulvio
„Als das Leben unsere Träume fand“ ist ein ergreifender, dramatischer und schockierender Roman des italienischen Schriftstellers Luca Di Fulvio, in dem er einen mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt nimmt.
Das Buch beginnt 1913. Rocco, Rosetta und Raquel sind auf einer Schiffsreise nach Buenos Aires und hoffen auf einen Neuanfang.
Alle drei flüchten aus ihrer ausweglosen Situation in ihrer Heimat. Der Sizilianer Rocco hat seine Eltern - die ein ehrenwertes Ansehen bei der Mafia genossen - verloren und will sich der Mafia nicht weiter unterordnen, was ihn zu der Überfahrt ohne Rückkehr zwingt. Rosetta hat sich mit dem Don des Dorfes angelegt, der ihr nach dem Tod ihrer Familie ihren Hof abnehmen wollte. Knapp einer Vergewaltigung entkommen, sieht auch sie ihre einzige Chance in der Flucht aus dem Dorf. Raquel – eine russische Jüdin – hat durch ein Pogrom ebenfalls ihre Familie verloren und will nicht bei ihrer ungeliebten Stiefmutter bleiben. Mit ihren erst 13 Jahren und grausamen Erfahrungen begibt sie sich auf die Flucht.
Der Schreibstil von Luca di Fulvios ist lebendig, fesselnd und einnehmend. Ich war von der ersten Seite an mittendrin und habe mit den Protagonisten gezittert, gebangt und gehofft, so dass ich das Buch am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Die Grausamkeiten und die Brutalität, die sie erfahren sind schockierend. Dennoch kämpfen sie, halten an ihren Träume fest und glauben an Gerechtigkeit. Neben den drei Protagonisten gibt es zahlreiche weitere Charaktere, die keineswegs alle sympathisch sind, wie z.B. der Baron, der es auf Rosetta abgesehen hat und an Abartigkeiten kaum zu überbieten ist. Sie alle werden sehr detailliert und facettenreich dargestellt. Dabei ist die Entwicklung der Protagonisten ausgesprochen gut gelungen. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass die menschlichen Grausamkeiten gar kein Ende finden und ich hätte gerne auf einige Details verzichtet, aber letztendlich gelingt dem Autor ein rundes Ende, an dem alles zufriedenstellend aufgelöst wird. Sowohl die Charaktere als auch die Handlung sind gut durchdacht und machen gleich mehrere Botschaften deutlich. Gib niemals die Hoffnung auf, hör nicht auf zu träumen und miteinander lässt sich vieles bewirken egal wie verehrend die Umstände sind.
Mich hat Luca Di Fulvio mit seinem Buch gepackt. Es ist ergreifend, spannend, brutal und verstörend und ich habe es mit Spannung gelesen.
Packend – überraschend - rasant
Die Party von Jonas Winner
„Die Party – Wer Glück hat stirbt als Erster“ ist ein fesselnder Thriller des Autors Jonas Winner.
Brandon hat nach dreißig Jahren zehn Jugendfreunde zu einer Halloweenparty in einen Glasbungalow eingeladen, um gemeinsame Erinnerungen wieder aufleben zu lassen indem er eine damals abgebrochene Party fortsetzt.
Direkt zu Beginn der Party wird Brandon von einem herabstürzenden Kronleuchter erschlagen und es wird klar, dass nur einer von ihnen die Party lebendig verlassen wird….
Der Schreibstil des Autors ist fesselnd, die Dialoge machen die Handlung lebendig und durch die kurzen Kapitel haben mich das Buch nur ungern aus der Hand legen lassen. Mit jedem Kapitel wechselt die Perspektive, so dass man das Geschehen aus den Blickwinkeln aller Beteiligten erlebt. Die äußerst unterschiedlichen Charaktere sorgen schnell dafür, dass alte Emotionen geweckt werden. Durch Gespräche gibt es Rückblenden in die vergangene Schulzeit, wodurch man zwischenzeitlich kurz durchatmen kann, aber ansonsten überwiegt die Spannung mit überraschenden und unvorhersehbaren Wendungen. „Die Party“ ist nichts für schwache Nerven, die düstere Atmosphäre und das makabre Spiel mit dem Leben der Anwesenden haben mich beim Lesen die Luft anhalten lassen.
Am Ende des Buches findet man eine Gästeliste, die ich mir an den Anfang gewünscht hätte, da sie das Lesen deutlich vereinfacht.
Ich fand diesen rasanten und temporeichen Thriller einfach großartig und kann ihn jedem Thrillerliebhaber empfehlen.
Dystopie - oder unsere Zukunft ?
Die Hochhausspringerin von Julia von Lucadou
„Die Hochhausspringern“ ist ein beeindruckender, fesselnder und beängstigender Roman von Julia von Lucadous.
Riva ist Hochhausspringerin und lebt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Sie ist perfekt, springt mit größter Präzision elegant von den höchsten Gebäuden und funktioniert wie eine Maschine.
Aber nun ist ihr alles zu viel geworden, sie will nicht mehr springen und weigert sich zu trainieren. Da ihre Sponsoren Einbußen ihrer Einnahmen befürchten, soll Hitomi – eine andere junge Frau und Angestellte einer Überwachungsfirma – Riva ohne ihr Wissen wieder zu ihrer alten Form zurückbringen. Sollte ihr dies nicht gelingen, droht ihr die Ausweisung in die Peripherie, in der die Menschen abgeschoben werden, die der optimierten Gesellschaft zu nichts mehr nütze sind. Hitomi ist sehr zielstrebig und erhält durch unzählige Kameras intimste Einblicke in Rivas Leben.
Der Schreibstil von Julia von Lucadous ist sehr detailliert, so dass man sich alles gut vorstellen kann, aber auch sehr nüchtern. Das passt hervorragend zu der kalten und trostlosen Welt, in der die Menschen kein Recht auf Privatsphäre haben und permanent überwacht werden.
Hitomis Überwachung über Riva wird stetig überprüft. Jeder Fehler wird bestraft und jeder Erfolg belohnt und sie wird genau wie Riva 24 Stunden am Tag überwacht. Auch der Austausch der Menschen ist stark reduziert, es werden nur noch Informationen weitergegeben, es ist kein Platz für Emotionen oder Empathie.
Es war weniger die Spannung der Geschichte, die mich an das Buch gefesselt hat, sondern viel mehr das Entsetzen, dass die geschilderte Welt keine reine Fantasie der Autorin ist, sondern unsere Gesellschaft durch ihr leistungsbezogenes Denken und ihren permanenten Drang zur Perfektion genau auf dieses Szenario zusteuert – alles wirkt erschreckend realistisch.
Das dargestellte Szenario ist eine Dystopie, die auf einer aktuellen Thematik basiert und das die Autorin großartig umgesetzt hat – ein wirklich gelungenes und absolut lesenswertes Debüt.







