Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Manfred Fürst:
Ein Psychothriller mit Melancholie, die mich sehr berührt hat
Schweige still von Michael Robotham
„Good Girl, Bad Girl“ heißt die Originalausgabe von Michael Robothams neustem Thriller: „Schweige still“. Warum die Ausgabe im Deutschen so betitelt ist, vermag sich nur dem Verleger erschließen, mir nicht so sehr.
Es ist das erste Buch, das ich von diesem Erfolgsautor gelesen habe und es war ein absoluter Glücksgriff.
Von der ersten bis zur letzten Seite lebt das Buch von einer unglaublichen Emotionalität. Eines der schönsten Bücher das ich in diesem Jahr gelesen habe. In der Entwicklung der beiden Hauptakteure steckt derart viel Potential, das Robotham voll ausschöpft und ich keine Seite missen möchte. Dem ruhigen Erzählungsstil fehlt es nicht an Spannung, hervorragend, fesselnd, manchmal mit einer Prise Humor, am Ende werden die einzelnen Puzzleteile zusammengefügt. Die Dialoge sind weder pathetisch noch kitschig, einfach großartig.
Dr. Cyrus Haven, Psychologe, assistiert der Polizei in Nottingham, in der Person von DI Lenny Parvel. Jodie Sheehan, 15 Jahre alt, talentierte Eiskunstläuferin und am Anfang ihrer Laufbahn stehend, wird ermordet aufgefunden. Alle Anzeichen weisen auf einen Sexualmord hin. Das Mädchen erschien vordergründig wie ein kleiner, unschuldiger Engel – umso bestürzender sind die Wahrheiten, die sich nach ihrem Tod ergeben: Jodie Sheehan war sexuell frühreif, schien kein Problem damit zu haben, mehrere Bekanntschaften gleichzeitig zu pflegen und verfügte über eine hohe Summe Bargeld, deren Herkunft vollkommen unklar ist. Dazu kommen zwei Familien, die sich hinter ihrer kleinbürgerlichen Fassade verstecken. Cyrus Haven ist durch ein frühkindliches Trauma belastet, dessen Bruder Felix hat seine Familie ausgerottet.
Cyrus lernt Evie Cormac in einer psychiatrischen Anstalt kennen. Mit seinem Fable für krankhaft gestörte Charaktere wird aus dem Untersuchungsobjekt Evie eine Mitbewohnerin und er ihr Pflegevater. Sie hat die besondere Gabe. Lügen zu erkennen. Ihr Motto: „Trau keinem. Glaube nichts.“ Cyrus ist nicht naiv, erkennt er doch seine prekäre Situation: „Ich erkenne ihren (Evies) emotionalen Rückstand. Ich bin noch nie einer so puren Nihilistin begegnet. Sie ist wie eine neue Spezies von Mensch, aufgewachsen in einem beinahe vernichtenden Selbsthass, der jede Selbstachtung, die sie vielleicht einmal besaß, ausgelöscht hat. In ihrem Kopf und in ihrem Herzen ist sie eine Beleidigung für den Boden, auf dem sie geht und für die Luft, die sie atmet. All ihre Energie, all ihre geistigen Kräfte sagen ihr, dass sie die Wlt hassen muss; dass sie sie in Stücke schlagen muss, bevor die Welt sie zerstört.“ (S. 387) Als „Angel Face“ ist Evie die zweite Ich-Erzählerin neben Cyrus.
Auf zum nächsten Robotham.
US-Super-Woman
Holly Lin - Ohne Ausweg von Robert Swartwood
Holly Lin, Kindermädchen am Tag, Auftragskillerin bei Nacht.
Leider ist das nur ein marktschreierischer Untertitel. Im Prinzip geht es um eine 28jährige Asiatin, mit vier Jahren Militär- und Kriegserfahrung, die von ihrem ehemaligen Kommandanten Walther zu mörderischen Einsätzen verpflichtet wird – ohne wirkliche eine andere Wahl zu haben.
In Holly Lin Ohne Ausweg, stellt uns der Autor eine neue Heldin vor, eine Art Super Woman, der Beginn einer neuen Holly Lin/Nova Bartkowski Thriller-Serie, von der es bereits den zweiten Band gibt. Holly „Cho“ Lin unerschrocken, unbesiegbar, zwar fast eine behördliche Killerin, nicht unbedingt skrupellos, mit einem Herz für underdogs, manchmal etwas naiv.
Tina fasst den Duktus des Thrillers treffend zusammen: „…wo man denkt die Heldin schafft es nicht, aber dann setzt sie sich doch durch und am Ende ist alles super.“
Das englische Original hat den Titel No Shelter. Ursprünglich ein Musikstück von Rage Against the Machine mit der Textzeile, dass die Front überall ist und es nirgends Schutz gibt.
Keine literarische Offenbarung, hard boiled auf der einen Seite, Zoobesuch mit Kindern auf der anderen Seite. Flüssiger, sprich unkomplizierter Schreibstil mit Spannung, das kann er, der Robert S.
Familien- plus mexikanische Geschichte
Das Flüstern der Bienen von Sofía Segovia
Gott liebt die Gezeichneten.
Nana Reja ist eine uralte Amme. Das halbe Dorf hat sie mit ihrer Milch versorgt. Nun sitzt sie jeden Tag unbeweglich in ihrem Schaukelstuhl. Plötzlich ist sie verschwunden und kehrt mit einem Baby zurück, dessen Körper mit Bienen bedeckt ist. Wer die Mutter ist, werden wir nie erfahren.
Simonopio genannt, hat ein besonderes Verhältnis zu diesem Bienenschwarm. Sie warnen ihn vor Gefahren und lassen ihn in die Zukunft schauen. Er kann ihre Botschaften den Menschen allerdings nicht mitteilen. Weil sein Kiefer gespalten ist, kann er nicht sprechen.
Etwas Märchenhaftes und Magisches durchzieht Sofía Segovias Roman "Das Flüstern der Bienen". Die Geschichte beginnt 1910 und erzählt von einer mexikanischen Familie, Großgrundbesitzer, der eine große Hacienda mit vielen Beschäftigten gehört. Die Autorin verwendet einige historische Elemente als Hintergrund. Soldaten durchziehen das Land, der Weltkrieg macht auch vor Mexiko nicht halt. Und die spanische Grippe wütet im Dorf, das nicht weit entfernt von der Hacienda liegt. Simonopio schafft es, die Familie von der Seuche fernzuhalten, ohne ein Wort zu sagen.
Sofía Segovia erzählt unaufdringlich treffend, mit suptilem Humor, mit Sinn für Dramatik. Alle paar Kapitel widmet sie sich einer Hauptfigur etwas intensiver. Und schreibt, wie sie denkt, fühlt, was sie bisher erlebt hat. So lernt man einen nach dem anderen besser kennen, ein ganzer Kosmos entfaltet sich. Eine lebendige Welt entsteht, in die man sich hineinträumen kann. Die aber auch genug Bodenhaftung hat, um realistisch zu bleiben.
Auch wenn die Schilderungen der Spanischen Grippe hier und da an die aktuelle Pandemie erinnern, ist "Das Flüstern der Bienen" ein Buch voller Lebensfreude und Hoffnung. Es gibt abergläubische Menschen, die Simonopio nach dem Leben trachten. Aber auch eine Familie, die ihn aufnimmt und nicht nur seine Behinderung, sondern seine besonderen Fähigkeiten sieht.
Ein großes Lesevergnügen.
Für Literaturästheten
Nil von Baar Anna
Zwei Personen suchen eine Autorin
„Nil“ von Anna Baar – ein erlesener Roman über das Schreiben. Vielleicht zu erlesen.
Es ist ein hochliterarischer Roman über das Verhältnis von Realität und Fiktion, Erzählen und Erinnern - sprachlich virtuos und packend geschrieben.
Für Literaturästheten sind Sätze wie diese reiner Genuss: „Im Schweigen ist weniger Stummsein als in gängigen Worten.
“ Oder: „Das Künftige ist gesät aus der Vergangenheit.“ Oder der etwas längere: „Als Kind stand ich abends am Fenster, erpicht, einen Dieb zu ertappen, nein, nicht ihn zu ertappen, sondern auf frischer Tat zu erspähen, jenen letztlichen Retter, der es zuwege brächte, den immer grimmigen Alten von dem Fluch des Geldes zu befreien.“
Erzählt wird in dieser literarischen Hochebene die Geschichte einer Autorin, die einen Fortsetzungsroman für eine Frauenzeitschrift verfasst, doch ihre Geschichten verstören das Publikum, weshalb ihr beschieden wird, sie möge den Roman in der nächsten Folge zu Ende zu bringen, irgendwie. Soll das Paar doch einfach über die Klippe springen, meint der Chefredakteur.
Die Autorin wird festgenommen, sie muss sich verantworten für das, was in ihrem Manuskript passiert, für das, was ein Leser aus diesem Manuskript herausgelesen hat. Auf ihr Verhör wartend – ist es ein Verhör? –, ersinnt sie die Geschichte eines Mannes, der selbst schreibt, und einer Frau, die fabuliert. Wobei: Wer ist da wer? Wo fängt die Autorin an, wo hört die Figur auf? Allesamt teilen sie Erinnerungen, Beobachtungen, Erfahrungen. Eine Art Schnitzeljagd, in dem Klippen, ein Krokodil (der Nil!) und gruselige Einmachgläser eine Rolle spielen.
Anna Baar, geb. 1973 in Zagreb (ehem. Jugoslawien). Kindheit und Jugend in Wien, Klagenfurt und auf der dalmatinischen Insel Brac. Ihr Debütroman »Die Farbe des Granatapfels« stand drei Monate auf Platz 1 der ORF-Bestenliste. Für die Arbeit an »Als ob sie träumend gingen« erhielt sie den Theodor Körner Preis. 2020 wurde sie mit dem Humbert-Fink-Literaturpreis der Stadt Klagenfurt ausgezeichnet. Anna Baar lebt in Klagenfurt und Wien.
Sprachliche Mittel unterirdisch, ein Reinfall, kein Thriller
Die Wälder von Melanie Raabe
Die Wälder, ein Abenteurerroman für ewig Junggebliebene, eine Mischung aus der Kinderkrimi-Buchserie Knickerbocker-Bande von Thomas Brezina und dem Kinderbuch von Mark Twain Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Wahrscheinlich habe ich die Leseempfehlung „ab 10 Jahre“ nicht gelesen. „Thriller“ am Cover steht für nichts anderes als eine Mogelpackung.
Dem Verlag wird’s recht sein, denn Raabes Bücherspenden werden in 20 Ländern verkauft.
Nina, Hauptprotagonistin und Ärztin in hellster Aufregung. Tim, ihr Freund aus Kindertagen ist tot, ja natürlich kann er ermordet worden - denkt Nina, seine Mutter ist tot, ja natürlich kann sie ermordet worden - denkt Nina, Gloria, seine Schwester ist verschwunden, ja natürlich kann sie ermordet worden - denkt Nina. Sie fühlt sich berufen, hat natürlich die Hosen voll, weil sie in das Dorf und den Wald zurückmuss und vom vermeintlichen Täter Wolff dorthin chauffiert wird, die Sache ein für alle Mal aufzuklären, ganz ohne Polizei und schon gar nicht mit dem Polizistenweichei David.
Jumanji, ich hör dir trapsen. Mit Polaroid-Kamera und Walkie Talkie, Kinder wie die Zeit vergeht. Wolffs grausame Augen, na als Ärztin kann sie wohl erkennen, wenn jemand grausame Augen hat, zumal das die grausamsten Augen sind, die sie je gesehen hat.
Da werden sich die edding-boys aus Ahrensburg freuen, dass die Anhalterin das Stück Pappe mit einem edding beschriftet hat. Natürlich hat die Ärztin mit ihren superscharfen Augen auf hundert Meter Entfernung genau erkennen können, mit welchem Stift die Anhalterpappe beschriftet wurde. Wo lernt man=Wolff ruhig und drohend zu sprechen, natürlich bei der Polizei oder beim Militär. Diese bahnbrechende Logik kann nur unser Ärztin eigen sein. Sie erkennt seine körperliche Bedrohung, als er an der Kasse in der Tankstelle stand. Nur eine Ärztin kann das erkennen.
„Winziges Dörfchen“, doppelt gemoppelt, wie „tiefste Dunkelheit“. „Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,“ nein mitten auf der Straße, mitten in der Nacht. Eine Stimme, die nach Glasscherben und Blut klingt und ein schwarzer Volvo, Wolff?
Eine junge Frau und zwei fremde Männer, allein im Wald, etwa eine „ménage à trois“. Wie sich der Mann bewegt wirkte potentiell gefährlich auf unsere Nina, natürlich erkennt eine Ärztin sofort potentielle Gefahren. „Road to Nowhere“ stimmt nicht ganz, es geht ins Dorf und in den Wald. „Die Nacht ließ alle Masken fallen, zeigte sich nun in ihrer ganzen Feindseligkeit“ (Zitat). Teile des Romans lesen sich wie die kläglichen Schreibversuche einer Teilnehmerin eines Kreativ-Schreib-Workshops.
Einfach nur schlecht geschriebenes Buch, sprachliche Mittel unterirdisch, ein Reinfall, kein Thriller, langatmig und teils unrealistisch, keine Spannung. Mein erster und letzter Roman von M.R. Ich gebe prinzipiell keine Leseempfehlung, aber dieses Buch ist offensichtlich M…
Dieses Buch verdient keinen Platz in meiner Bibliothek und die Autorin M.R. werde ich vergessen. Wie hieß die Autorin? Habe bereits vergessen.
Phänomenal, auch Paretskys 20ster
Landnahme von Sara Paretsky
Stadt, Land, Macht, Gier
Chicago-Krimi. Die US-Autorin Sara Paretsky lässt ihre hartgesottene wie großherzige Ermittlerin V.I. „Vic“ Warshawski in ihrem 20. Fall auf die „Großen Fünf“ der Gesellschaft im 21. Jahrhundert los. In „Landnahme“ bekommt es Warshawski mit korrupten Politikern, brutalen Wirtschaftsbossen, mächtigen Anwälten, durchtriebene Medienmogulen und käuflichen Wissenschaftler zu tun.
Paretskys Romanen ist es eigen, dass sie sehr gemütlich und unspektakulär beginnen: VIC besucht ein Mädchenfußballspiel, deren Trainerin Bernie, ihre Patentochter ist. Auf dem Nachhauseweg entdecken sie eine Obdachlose, die auf einem Plastikpiano klimpert, vermeintlich der ehemalige weibliche Savage-Star Lydia Zamir. Ihr chilenischstämmiger Partner Hector Palurdo war bei einem Amoklauf vor ihren Augen getötet worden. Der zweite harmlose Einstieg von „Landnahme“ ist ein Treffen der Chicagoer Stadtteil-Initiative South Lakefront Improvement Council (SLICK): ein hitziger Streit um Pläne zum Ausbau des öffentlichen Strandes am Lake Michigan. Doch ohne Morde geht es nicht, es sterben zwei Menschen, die für SLICK arbeiten.
Medienkonzerne und Anwaltskanzleien entwickeln ein auffälliges Interesse am Verbleib von Lydia Zamir und die Geister einer schon länger zurückliegenden, komplexen Vergangenheit werden unruhig. Es geht um Geld und um Macht und um Menschen, die dafür über Leichen gehen. Am liebsten auch über die von Warshawski. Die Äste des Baumes verwickelten sich allmählich unentwirrbar.
VIC war es leid, alles zu organisieren und die Lecks im Pfusch anderer Leute abzudichten. Sie hatte Geburtstag, den wievielten? 2010 wird sie von Paretsky 60, zehn Jahre später, 2020 könnte sie so an die 70 Jahre alte sein, kein ideales Alter, um noch als martiale Kämpferin für Recht und Ordnung aufzutreten, aber als Retterin und Beschützerin aller Unterdrückten und Gestrauchelten reicht es allemal.
Zentral aber geht es darum, wem das Land gehört – in der Stadt Chicago wie auch in den Weiten von Kansas – und wer sich mit Geld das Recht erkaufen kann, damit anzustellen was immer er (oder sie) will ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen.
Sara Paretskys „Landnahme“ ist ein vielschichtiges und komplexes Gebilde, durch das man ihr atemlos folgt, voller Spannung, aber ohne den roten Faden verirren, einer ihrer besten Romane.
„In Chicago, Chicago, Chicago, that’s my home town” (Frank Sinatra)
Der beste Wisting, den es je gab
Wisting und der See des Vergessens von Jørn Lier Horst
Juli 1999. Tone Vaterland ist nach der Arbeit auf dem Heimweg, als sie spurlos verschwindet. Als kurz darauf die Leiche des 17-jährigen Mädchens gefunden wird, gerät schnell ihr Ex-Freund Danny in Verdacht. Dieser behauptet zwar unermüdlich, nichts mit Tones Tod zu tun zu haben, wird aber trotzdem zu einer 17jährigen Haftstrafe verurteilt.
Seit zwei Jahren ist er wieder frei, als das Verschwinden von Agnete für Aussehen sorgt. In seinem Urlaub bekommt Kommissar William Wisting einen mysteriösen Brief, mit einer Fallnummer. Er findet heraus, dass diese zu der Ermittlung von Tone Vaterland gehört. Als er einen weiteren Hinweis auf einen Fall aus dem Jahr 2001 erhält, fragt sich der Kommissar, wer und vor allem warum er auf diese Kriminalfälle aufmerksam gemacht wird. Trotz Urlaub beginnt er zu ermitteln und merkt, dass sich die beiden kalten Fälle mit einem überkreuzen, der derzeit für Aussehen sorgt: dem Mord an Agnete.
Im vierten WISTING breitet Jørn Lier Horst mit seinem unverkennbaren Schreibstil mehrdimensional und komplex einen Plot aus, der sich zu einem wahren Pageturner entwickelt. Wisting im Urlaub, knapp vor der Pensionierung ermittelt unbeeindruckt und „against all odds“. Selbst die Sperre seines Polizeiaccounts bewirkt das Gegenteil: „Jetzt erst recht.“
Zwei Cold-Cases und ein aktueller Mordfall, Wisting in seinem Element. Unbeeindruckt von den modernen Ermittlungsmethoden seiner Mitarbeiter verlässt sich Wisting auf seine Erfahrung, Spürsinn und Instinkt.
Zu den vorangegangenen WISTINGS gibt es zwei bedeutende Änderungen: Line, seine Tochter spielt eine untergeordnete Rolle. Ich hatte nie große Sympathie für diese investigative Journalistin, die sich bei jeder Gelegenheit wichtig machte. Dafür spielt eine „neue“ Journalistin, Ninni Skjevik, eine umso mehr bestimmende Rolle, im kriminalistischen Sinn.
Haben Sie in einer Szene aus dem „Gladiator“ das Flugzeug gesehen?
Ein literarisches Meisterstück für Genießer
Unsichtbare Tinte von Patrick Modiano
Der junge Jean Eyben mit knapp zwanzig Jahren, von der Detektei Hutte zur Probe eingestellt, bekommt für ein paar Monate den Auftrag, die verschwundene Noëlle Lefebvre zu finden, die Mitte der 60er Jahre in Paris gelebt hat. Alle Hinweise führen zu keinem Erfolg, nur einen postlagernden Brief und ein ihrer Wohnung versteckter, lückenhaft geführter Kalender sind die einzigen Anhaltspunkte.
Als Jean einen Jugendfreund trifft entdeckt er plötzlich ein geheimnisvolles Detail, das ihn mit Noëlle verbindet: Sie stammt aus einem Dorf in der Umgebung von Annecy, so wie er selbst.
So wie das von Hutte bewusst schmale Dossier zum Fall Noëlle Lefebvre, ‚gibt es im einem Leben Leerstellen und Aussetzer des Gedächtnisses.‘
„Bei manchen Gedächtnislücken stehen alle Einzelheiten des Lebens irgendwo geschrieben, mit magischer Tinte.“
Und manchmal dauert es fünfzig Jahre bis die unsichtbare Tinte sichtbar wird.
Jean stößt auf einen Brief, ‚der so viele Eigenschaften wie Pfade in einem Wald, die der Suchende nacheinander zufällig einschlägt, an den Gabelungen und die ihn noch ein bisschen weiter in die Irre führen, während die Nacht hereinbricht.‘
Ein literarisches Meisterstück für Genießer.
Warum können wir nicht nichts kaufen? Und kann Konsum ,,gut" sein - für mich, für die Umwelt, für die Menschen?
Kauf mich! von Nunu Kaller
Kaller stellt die zentrale Frage nach dem „guten Konsum“. Und wie oben beschrieben gibt es mehrere Sichtweisen, was denn nun Guter Konsum sei. Aus meiner Sicht, aus der Sicht der anderen, der Gesellschaft. Ist guter Konsum der Kauf von zehn Stück vorgebackenen, tiefgefrorenen und aufgebähten Brötchen im Plastiksack zu € 0,99 eines Discounters oder einen ein kg Bio Brot-Laib einer Brotmanufaktur aus Bio Roggenvollkornsauerteig und Bio Weizenvollkornmehl um € 8,60?
Ich fragte mich bei manchen Textilien- und Schuhkäufen, wo denn bei einer Neuanschaffung der MEHRWERT liege, jetzt nicht mehr, mein Schrank ist voll, wie das Schuhregal.
Die Antwort könnte der Minimalismus sein, aber das Jäger- und Sammlersyndrom liegt in den Genen des Menschen. Und was ist mit meinem Bücherregal. Ich will sie besitzen und wenn ein Regal voll ist baue ich mir ein neues.
Konsumiert jemand Urlaub nur, um anderen danach davon zu erzählen und um sich seinen sozialen Status zu sichern? Ist Urlaub nur gut konsumiert, wenn ich nicht fliege und ein undemokratisches Land mit Autokraten meide? Nicht kaufen politisch motiviert.
Im günstigsten Fall sollte der gute Konsum ökologisch, fair und nachhaltig sein.
Wenn Kaufkraft und die intellektuelle Auseinandersetzung, ‚was denn guter Konsum sei‘ fehlt und die reine Rationalität zählt, erübrigt sich die Diskussion.
Konsum im Allgemeinen, im Besonderen der tägliche Einkauf sollte auf jeden Fall Spaß machen und nicht zu einer lästigen Pflicht werden.
Candice Fox erzeugt eine eindrucksvolle Atmosphäre
Crimson Lake von Candice Fox
Im Mittelpunkt steht der Detective Ted Conkaffey, dessen Leben durch einen schlimmen Verdacht vollständig ruiniert wurde. Er soll die vierzehnjährige Claire entführt haben. Alle Zeugenaussagen sprechen für seine Schuld und er verbringt acht Monate in Untersuchungshaft, wird entlassen, doch alle sehen in ihm den Täter.
Er flieht von Sydney in das kleine Städtchen Crimson Lake im Norden Australiens für einen Neuanfang. Dort trifft er auf Amanda Pharell, die wegen Mordes zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Niemand kommt der Arbeit wegen nach Crimson Lake. Hierher verirren sich nur Leute, die sich verstecken oder sterben wollen. Zwei Ex-Knackis (dem Genderwahn entkommen) Ted und Amanda, beide Außenseiter schließen sich zusammen und arbeiten als Privatdetektive in der Kleinstadt. Das Motto beider: „Verwaiste Küken, die einander zum Überleben ermutigen“, oder „Schwerverbrecher sollten zusammenhalten.“ Sadistische Killerin und Kinderschänder oder die in Reimen und der mit den Gänsen spricht.
Doch auch hier ruht die Vergangenheit nicht und holt beide ein.
Candice Fox erzeugt eine eindrucksvolle Atmosphäre und stellt die Hilflosigkeit der Hauptprotagonisten, das Ausgeliefertsein einem aufgeputschten Pöbel und einer sadistischen Polizei deutlich dar. Gleichzeitig nimmt sie die Leser mit auf eine Odyssee durch die menschlichen Abgründe und zeigt, wie schwierig und kompliziert sich manches im Leben gestalten kann.
Ihre erfrischende und geradlinige Erzählweise hebt sie von manch anderen Krimis wohltuend ab, fast antihard-boiled. Sie schreibt äußerst spannend und lässt den Krimi stellenweise ein geradezu rasantes Tempo aufnehmen.
„Bücher sind etwas Besonderes, glaube ich“, sagt Amanda und ich kann ihr nur beipflichten.
Für eine Verfilmung von CRIMSON LAKE hätte ich für die Rolle der Amanda die schwedische Schauspielerin Rooney Mara gecastet, bekannt aus „Verblendung“ (Originaltitel: The girl with the Dragon Tattoo) eine Verfilmung des gleichnamigen Romans und ersten Teils der Millennium-Trilogie des Autors Stieg Larsson.
Apropos Trilogie: Crimson Lake folgt noch Redemption Point (2018) und Missing Boy (2019).











