Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Spiel mit dem Fahrplan
Tokio Express von Seicho Matsumoto
Tokio Express ist ein klassischer japanischer Kriminalroman mit interessantem Plot.
Stilistisch ist der Roman konventionell gehalten.
Ein mysteriöser Doppel-Selbstmord eines Paares, die am Strand gefunden wurden, wird untersucht. Was steckt wirklich dahinter?
Der Ermittler, Herr Torigai hat Zweifel an den Tatumständen.
Unterstützung erhält er von Kommissar Kiichi Mihara. Unter Verdacht gerät der Unternehmer Tatsuo Yasuda.
Die letztliche Aufklärung wird ungewöhnlicherweise durch einen Briefwechsel zwischen Torigai und Mihara erzählt. Man kann daher von einem einigermaßen originellen Kriminalroman und solider Kost sprechen. Man kann auch gespannt sein, ob noch weitere Krimis des japanischen Schriftstellers Seicho Matsumoto folgen werden.
Afrikanischer Sonnenaufgang im Hochsauerland
Der Drahtzieher von Sarah Pines
Der Drahtzieher ist Sarah Pines erster Roman. Zuvor hat sie ein Kurzgeschichtenband veröffentlicht.
Der Drahtfabrikant Theodor hat eine Beziehung mit Alba, die aber auch Albert zugeneigt ist. Dazu kommt noch Marthe, die Beziehungen zu Theo und auch Albert hatte.
Latent erinnert mich die Figurenkonstellation und Stimmung an Goethes Die Wahlverwandtschaften.
Der Roman ist anfangs einigermaßen getragen gehalten. Das wird sich später ändern, z.B. spät im Buch bei einer Treibjagd.
Die Figuren sind sich ihrer selbst oft nicht sicher und gehen nur selten aus sich heraus.
Es kommt dennoch zu Auseinandersetzungen zwischen Theo und Alba. Die Autorin scheut keine drastischen Beschreibungen. Diese Abschnitte machen Eindruck. Die Stärke des Romans ist es, innere Bewusstseinszustände zu zeigen.
Der Schmerz
Das Haus in dem Gudelia stirbt von Thomas Knüwer
Das Haus in dem Gudelia stirbt ist ein intensives Psychodrama, das den Leser emotional anspricht.
Gudelia und Heinz Krol erleiden den Verlust ihres 15jährigen Sohnes Nico. Möglicherweise war es ein Verbrechen aus Hass, denn es wurde behauptet, Nico wäre schwul und wurde möglicherweise von Mitschülern gemobbt.
Für das Paar bricht die Welt zusammen. Die Perspektive liegt bei Gudelia und man kann ihren Schmerz über den Verlust spüren und ihre Wut auf den möglichen Täter.
Thomas Knüwer baut die Handlung geschickt in drei immer wieder wechselnden Zeitebenen auf. 1984 als Nico zu Tode kommt, 1998 als sich Gudelia und Heinz trennen und 2024 als eine Flut kommt und auch das Haus der inzwischen 81jährigen Gudelia erreicht.
Die Intensität des Buches, das mehr als nur ein Krimi ist, bleibt von Anfang bis Ende hoch.
Der Bericht des Schwans
Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani
Behzad Karim Khanis zweiter Roman „Als wir Schwäne waren“ ist ein intensiver Text, auch poetisch. Der Autor zeigt die Wut seines Protagonisten, der als 9jähriger aus dem Iran ins Ruhrgebiet einwandert. Hier erlebt er die manchmal lebensfeindlichen Lebensbedingungen und die Gewalt, die er schließlich selbst ausüben wird.
Ziemlich am Anfang wird gezeigt wie er einen Mitschüler, der es sicherlich verdient hat, brutal zusammenschlägt. Das löst beim Protagonisten ein Machtgefühl aus. So konsequent beschrieben, liest man das selten. Aber eine gewisse Faszination von Gewalt scheint zu bleiben, möglicherweise auch beim Autor. Etwas mehr Distanz täte auch gut. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass der Erzähler doch auch gereift und reflektierend wirkt.
Es ist nebenbei auch ein Buch über die Eltern, die in Deutschland sozialen Abstieg erlebten. Insbesondere der Vater ist eine melancholische Figur.
Das Buch wirkt wegen der Erzählweise des Berichts so stark.
Das Licht in allem
Wünsche an die Wellen von Katya Balen
Katja Balen hatte schon mit ihren ersten Roman October, October um ein junges, sensibles, aber auch starkes Mädchen überzeugt. Der neue Roman geht in eine ähnliche Richtung, aber diesmal sind es zwei Kids, die im Mittelpunkt stehen.
Zofia und Tom wechseln sich jedes Kapitel ab und man erfährt kontinuierlich von ihren Gedanken.
Daher ist man ihnen schnell sehr nahe.
Zofia lebt allein mit ihrem Vater, Tom mit seiner Mutter. Dann kommen ihre Eltern zusammen und sie werden eine neue Familie, doch Zofia und Tom sind sehr verschieden und verstehen sich anfangs überhaupt nicht. Sie sind wie Öl und Wasser. Während Zofia lebhaft und laut ist, spürt man bei Tom eine Traumatisierung aufgrund früherer Misshandlungen. Zofia ist nicht begeistert, dass da neue Leute kommen und sich zwischen sie und ihren Vater dränge.
Als Toms Mutter schwanger wird, das Baby aber anscheinend krank ist, müssen sie sich zusammenraufen.
Es ist unmöglich, von dem Buch nicht berührt zu sein. Es ist eine gute Entscheidung der Autorin, beide Protagonisten ausgewogen und gleichwertig zu halten. Davon profitiert das Buch, dem es auch gelingt, einen guten Spannungsbogen aufzubauen.
Ein Leben im Extrem
Wie ein wilder Gott von Gianfranco Calligarich
Zwar ist dieser neue Roman von Gianfranco Galligarich ganz anders als sein Erfolgsroman "Der letzte Sommer in der Stadt", aber das schriftstellerische Geschick und ein gewisser Ton sind vorhanden.
Thema ist der Afrikaforschers Vittorio Bottego (1860 bis 1897).
Um die Geschichte Bottegos zu erzählen, nutzt der Autor die Reflexionen eines 70jährigen im Jahr 1933.
Der bedenkt nicht nur sein eigenes Leben sondern auch das Bottegos.
Der Erzähler stützt sich auf dessen Tagebücher. Direkt characterdriven ist der Roman nicht.
Galligarichs erzählerischer Einfallsreichtum erinnert mich latent an den portugiesischen Literaturnobelpreisträger Jose Saramago, stilistisch ist er aber zugänglicher. Der Text ist gut lesbar, hat aber auch immer wieder ausdrucksstarke Beschreibungen mit ausgezeichneten Formulierungen. dabei ist neben dem Weg der Karawanen in Afrika der Schauplatz Italien genauso wichtig.
Ein bemerkenswertes Buch!
Eine Serie von Giftmorden
Das Dorf der acht Gräber von Seishi Yokomizo
Der dritte Band der Kosuke Kindaichi-Reihe beginnt mit einem Prolog, der das besagte Dorf vorstellt.
In der Vergangenheit gab es hier ein Massaker durch die Dorfbewohner an 8 Samurais. Dadurch wurde das Dorf verflucht.
Ein weiteres Blutbad folgt 1920. Der Mörder Yozu, der 32 Menschen tötete, floh in die Berge.
Dann sind wir im Jahr 1946 und die eigentliche Geschichte beginnt.
Der Icherzähler Tatsuya ist ein ehemaliger Bewohner des Dorfe, der verlorene Sohn sozusagen. Er ist mit dem Detektiv Kosuke Kindaichi bekannt. Gleichzeitig ist Tatsuya auch das Bindeglied zu den Mordfällen, denn der Täter war angeblich sein Vater.
Der Großteil der Handlung zeigt die Geschehnisse während seiner Heimkehr.
Mehrere Männer starben, nachdem Tatsuya sie kennen gelernt hat, ist er beunruhigt. Sie wurden vergiftet.
Es ist ein dialoglastiger Roman, der ein Nachkriegsjapan zeigt.
Übersetzt wurde das überaus gelungene Buch durch die bewährte Übersetzerin Ursula Gräfe. Es ist meiner Meinung nach das bisher beste der Reihe.
Drei Frauen
Das Wohlbefinden von Ulla Lenze
Ulla Lenze ist eine Autorin, die einen eleganten Stil hat und weiß, einen Plot geschickt zu gestalten. Sie nutzt 3 Zeitebenen. 1908 mit der Schriftstellerin Johanna und der hellsichtigen Anna, die als Medium wirkt. Dann 1967, die Zeit der Studentenunruhen und der jetzt alten Johanna, die sich mit ihrer Autobiografie beschäftigt.
Zuletzt 2020 mit ihrer Urenkelin Vanessa, die begonnen hat, sich mit ihrer Ahnin zu beschäftigen. Das greift alles mühelos ineinander.Der Autorin gelingt es die Stimmungen der Zeiten zu vermitteln.
Ein Buch, das man empfehlen kann!
Die Familie Haynes
Bevor es geschah von Céline Spierer
Bevor es geschah vom Celine Spierer ist ein Roman um eine Familie in der Krise und hat interessante Ansätze. Doch leider kann der Roman die erweckten Erwartungen dann nicht erfüllen. Die komplexen Familienbeziehungen erschließen sich nicht. Die einzelne Mitglieder der Familie Haynes (zum Beispiel Elizabeth, Rose, Winston, Sean, Jacqueline) bleiben konturlos und gewinnen eigentlich die ganze Handlung durch nicht an Substanz.
Da helfen auch die motivationslosen Zeitenwechseln nicht. Der Text erscheint mir nicht schlüssig.
Humor in der Literatur
Zwischen Depression und Witzelsucht von Sven Regener
Das Buch hat den Untertitel Humor in der Literatur und es ist ein Text abgeleitet von einer Poetikdozentur von Sven Regener in Kassel.
Ich denke, dass so ein Text in einer vorgetragenen Form am besten funktioniert. Aber auch so kann Regener überzeugen. Wie von seinen Büchern gewohnt, hat auch der Vortrag seinen Witz, aber auch Tiefgang.
Er nimmt seine eigenen Romane als Beispiel, trifft aber auch einige allgemeingültige Formulierungen, zum Beispiel das Fehlen von Humor in der Musik. Als Musiker kann er das beurteilen.
Das Sven Regeners Bücher Humor haben, merkt jeder Leser sofort. Aber es liegt viel unter der Oberfläche, was der Leser vielleicht nicht sofort erkennt, aber spüren kann.











