Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Maddalena Decassian
Maddalena geht von Margit Weiß
Ein Roman um eine Frau in Tirol um 1900; die selbstbewusst den Weg zu einem selbstständigen Leben sucht.
Maddalena ging mit 19 Jahren von zu Hause weg, nachdem ihr liebevoller Großvater starb, und der fiese Vater über sie bestimmen wollte. Sie wurde Hebamme. Damit nimmt sie als berufstätige eine Ausnahmerolle unter den Frauen ein.
Der Roman setzt aber viel später ein, als sie abermals weggeht um ihren Weg zu suchen. Dabei spielen die Erinnerungen ihre erste Flucht eine große Rolle.
Die Autorin Margit Weiß nutzt eine genaue, poetische Sprache, die sofort überzeugt und den Leser an den Text bindet.
Es ist ein realistischer Roman, historisch ohne Kitsch, dafür mit einer inneren Kraft.
Die Geschichte der Zeichnungen
Schlafenszeit - Albträume erwachen, wenn diese Tür sich schließt von Jason Rekulak
Schlafenszeit ist ein fast klassischer Mysterythriller und nicht gerade der schlechteste.
Die junge Mallory hatte ein Drogenproblem, aber jetzt ist sie schon 18 Monate clean und wird bei den Maxwells Kindermädchen für den 5jährigen Teddy.
Der verblüfft durch seine bedrohlich wirkenden Zeichnungen, die schließlich immer detaillierter werden.
Da sie im Buch abgebildet sind, zeigen sie allmählich eine eigene Geschichte. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.
Schließlich wird eine Nachbarin tot aufgefunden.
Der Plot bleibt geheimnisvoll und lässt mehrere Schlussfolgerungen zu.
Jason Rekulak hält die Spannung kontinuierlich hoch.
Inas Weg zu sich selbst
Beat vor der Eins von Alexandra Helmig
Beat vor der Eins ist ein Roman über eine Jugendliche, konsequent aus ihrer Perspektive geschildert. Ina steht vielem im Leben noch unentschlossen entgegen. Problematisch sind ihre Eltern, die sich viel streiten. In der Schule läuft es auch nicht immer.
Zwar kann ich mich (männlich und zu alt) nicht identifizieren, aber es gelingt der Autorin Alexandra Helmig, dass man die Figur gut versteht.
Man folgt Ina gefesselt durch das Buch.
Die Form des Buches ist überzeugend. Viele Kapitel nehmen nur eine Seite ein, manchmal auch nur einen Teil davon, selten mal 2 Seiten.
Dadurch ist der Roman stark verdichtet und ragt aus der Masse heraus.
Jagd auf ein Phantom
Godwin von Joseph O'neill
In dem großen, unvergessenen Roman Niederland von Joseph O´Neill ging es um Kricket.
In Godwin geht es auch um Sport, insbesondere um die Suche nach einem Fußballtalent aus Afrika.
Der Roman führt ein zu Beginn in die Arbeitswelt ein und man erfährt eine Beurteilung des Protagonisten Ark Wolfe von außen.
Von Lakesha, einer Kollegin.
Mark Wolf wird von seinem Halbbruder Geoff auf das Fußballtalent Godwin angesetzt. Und es geht auch um viel Geld.
Doch Godwin ist wie ein Phantom. Zum Ende hin gibt es eine Überraschung.
Der Roman hat ein verhaltenes Tempo, das wird durch eine hohe Intensität ausgeglichen. Sprachlich ist es routiniert im Besten Sinne gemacht.
Vater-Sohn-Geschichte
Was von meinem Vater bleibt von José Henrique Bortoluci
Was von meinem Vater bleibt ist kein Roman sondern ein Bericht.
José Henrique Bortoluci setzt damit seinem Vater ein Denkmal. Der Vater war 50 Jahre lang LKW-Faher in Brasilien und oft fern von der Familie.
Dann schildert der Autor von der schweren Erkrankung und Leiden des Vaters. Das ist teilweise drastisch und für Leser, die vielleicht auch die Leiden der eigenen Eltern erfahren haben, nicht leicht zu ertragen.
Es ist dennoch ein beeindruckendes Porträt eines oft zu fernen Vaters, das angemessen wirkt.
Asahis Beobachtungen
Das Loch von Hiroko Oyamada
Das Buch ist in der typischen Tradition moderner japanischer Romane mit klarer Sprache geschrieben. Aber da der Roman nicht zufällig den wichtigsten Literaturpreis Japans gewann, steckt noch mehr drin.
Es beginnt mit einer alltäglichen Situation. Ein Paar zieht aus beruflichen Gründen um. Die Perspektive ist die der Frau.
Asahi ist eine eher zurückhaltende Frau. Ihre Gedanken durchziehen das Buch. Sprachlich gefällt mir das sehr gut.
Sie kündigt ihren ungeliebten Job, um nicht pendeln zu müssen. Ihren Arbeitsalltag lernt man aber auch noch kennen. Sicher kein Zufall, denn das Aufopfern für die Arbeit im Büro ist auch ein häufiges relevantes Thema in japanischen Romanen.
Sie ziehen in ein Haus neben ihren Schwiegereltern und sie fügt sich in ein Hausfrauendasein.
Ein wenig erinnert mich der Plot an Die Frauen von Stepford, den bekannten Roman von Ira Levin.
Ähnlich wie da, spürt man, dass Geheimnisse lauern. Das Verhalten der Leute in der Umgebung ist ungewöhnlich.
Obwohl der Roman seitenmäßig kurz ist, lässt sich die Autorin Hiroko Oyamada Zeit, Asahis Beobachtungen genau zu schildern. Überrascht hat mich das abrupte Ende.
Hiroko Oyamada ist eine Entdeckung und ich hoffe auf weitere deutsche Übersetzungen.
Gespaltene Gesellschaft
Ungleich vereint von Steffen Mau
Ungleich vereint ist ein Sachbuch, dass ein relevantes Thema behandelt. Warum der Osten anders bleibt. So auch der Untertitel.
Steffen Mau ist ein in Rostock aufgewachsener Soziologe, der die Gesellschaft als gespalten erkennt.
Viele politische Sachbücher sind emotional aufgeladen. Dieses hier bleibt als Hörbuch, gelesen von Heiko Grauel, überwiegend sachlich, ohne dabei an Deutlichkeit wünschen zu lassen.
Grauels Stimme übertragt das jedenfalls so und das war bei mir willkommen. Mit 4,5 Stunden Laufzeit ist das Hörbuch auch nicht zu lang und es wird nicht langweilig.
Das Emotionalität herausgenommen wird, ist bei einem so triggernden Thema richtig.
Deutlich wird, dass das Thema gerade auch bei einer jüngeren Generation im Osten, die die DDR nicht mehr erlebt haben, sich dennoch betroffen fühlen.
Populistische Parteien wollen das für sich nutzen.
Steffen Mau zeigt Schäden an der Gesellschaft und der Demokratie auf.
Das ist keine kleine Leistung und daher empfehle ich das Hörbuch.
Fünf Frauen
Die Perserinnen von Sanam Mahloudji
Die Perserinnen ist ein Roman über eine Familie aus Persien, die aufgrund der Revolution in die USA ausgewandert waren. 5 Frauen dieser Familie stehen im Blickpunkt.
Die Schwestern Sima und Shirin, ihre Mutter Elizabeth, schließlich deren Enkelinnen Niaz und Bita
Die Erzählperspektive wechselt zwischen ihnen hin und her.
Hinzu kommen Rückblenden. Daher muss man beim Lesen ziemlich aufpassen. Es ist kein ganz einfaches Buch, doch durch diese Erzählmethode lernt man die Protagonistinnen neben ihrer Individualität auch in einer Gesamtheit kennen.
Mit Shirin hat man die extrovertierteste Figur im Buch. Was sie so rauslässt, ist von Wut und Sarkasmus durchtränkt. Das ist für den sensiblen Leser nicht immer ganz einfach auszuhalten. Doch ein gewisser harscher Ton zieht sich durch das Buch.Daher denke ich, die Autorin Sanam Mahloudji will diese Direktheit.
In der Summe ist es ein beeindruckendes Buch!
Erlebnisse eines jungen Mannes
Der Gewinner von Teddy Wayne
Schon das Cover strahlt ein gewisse Stimmung aus und Atmosphäre prägt das Buch. Es ist die Zeit der Pandemie.
Von Beginn an begleiten wir Leser Conor O´Toole beim Antritt seiner Stelle als Tennistrainer in einer gehobenen, versnobten Gesellschaft. Conor ist nicht wohlhabend und gehört nicht dieser Gesellschaftsschicht an, hat es dennoch geschafft, ein Jurastudium abzuschließen.
Er steht noch ganz am Anfang, lernt für die Anwaltszulassungsprüfung.
Teddy Wayne hat einen einfachen, aber guten und ansprechenden Schreibstil. Daher lässt sich das Buch ordentlich lesen.
Es folgen einige Beziehungen, die Conor eingeht und leider auch viel Belangloses.
Es konnte mich auf Dauer nicht wirklich fesseln und ich muss es unter gehobenes Mittelmaß einordnen.
Niveauvoller Unterhaltungsroman
Der Griff nach den Sternen von Michael Wallner
Michael Wallner zählt zu Recht zu den profiliertesten Autoren niveauvoller Unterhaltungsromane.
Diesmal widmet er sich einer besonderen Zeit, den Sechzigern und der US-Amerikanischen Raumfahrt mit der Mondlandung als Krönung. Neil Armstrong spielt eine große Rolle. Eigentliche Hauptfigur ist aber Katy.
Die einzige Frau, die als Fliegerin in der NASA in Frage gekommen wäre, auch als Astronautin durchzustarten. Aber die Zeit war noch nicht so weit und Katy wird ausgebootet.
Wallner schreibt als erfahrener Autor routiniert und holt dabei viel raus, es fehlt aber auch nicht an Schwung und der Roman ist sehr gut lesbar.
Zeitlich wird zwar regelmäßig hin und her gesprungen, aber es kommt dennoch ein Lesefluß zustande.
Michael Wallner ist eine sicher Sache! Wer Romane dieses Genres mag, sollte sich Der Griff nach den Sternen nicht entgehen lassen.











