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Rezensionen von yellowdog:

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Lieferservice aus dem Himmel

Die Glückslieferanten von Sanaka Hiiragi

Wer das erste Buch Die Erinnerungsfotografen mochte, wird auch mit Die Glückslieferanten etwas anfangen können. Während sich das erste Buch den Verstorbenen widmete, geht es hier um die Überlebenden.
Wieder wird in Episoden erzählt. Eine Form, die man mögen muss, um das Buch zu genießen. Ein gewisser Reiz liegt auch darin, dass es japanische Literatur ist und die japanische Lebensweise des Alltags zeigt.

In der ersten Episode geht es um eine alte Frau, deren Freundinnen, mit denen sie zusammengelebt hatte, verstorben sind. Sie ist entsprechend deprimiert, doch dann bringt eine Lieferantin eine letzte Botschaft der verstorbenen Freundinnen.
Danach geht es um die junge Fumika, die sich mit ihrer störrischen Oma zerstritten hatte. Eine weitere Geschichte besteht sogar aus fünf Kapiteln und auch der Epilog ist lesenswert.

Es ist ein Buch mit positiven Botschaften.

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Lieferservice aus dem Himmel
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Mon mari

Mein Mann von Maud Ventura

Mein Mann, ist ein gediegenes, sehr französisches und originelles Buch über eine Frau, die ganz und gar auf ihren Mann fixiert ist. Ihre Perspektive ist bis auf den Epilog am Schluß führend. Man ist stets bei ihren Gedanken und Überlegungen. Das sie die Liebe ihres Mannes sich immerzu sichern will hat etwas obsessives.

Auch wenn sie ihn bestrafen will, wenn er auch nur bei Kleinigkeiten mal weniger liebenswert erscheint, ist fast zwanghaft.
Kein Zustand, den man jemand wünschen kann.
Vielleicht ist es aber auch ein Merkmal einer leicht gelangweilten, wohlhabenden Mittelschicht.
Mein Problem mit dem Buch ist, dass ich die Hauptfigur nicht glaubhaft finde. So einseitig denkt doch niemand. Ihre Gedankengänge sind zu schlicht.
Maud Ventura wird jetzt schon als französischer Shooting-Star gehandelt. So weit würde ich in meinen Urteil nicht gehen, obwohl ihr Debüt doch schon mal sehr interessant war.

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Warum die Demokratie furchtlose Debatten braucht

Lasst uns offen reden! von Constantin Schreiber

Der Tagesschausprecher und Schriftsteller Constantin Schreiber ist ein ausgezeichneter Journalist, der sich wiederholt mit dem Thema Islam beschäftigt hat. Trotz seiner Sachlichkeit wurde ihm von gewissen Kreisen das Etikett Islamkritiker angeheftet.

In diesem Buch schreibt er über das heikle Thema Meinungsfreiheit.

Dabei geht er auf verschiedene Aspekte ein und diskutiert die Diskurse über z.B. Flüchtlinge, Klimakrise, Corona etc.
Er betrachtet auch die Rolle der Medien und die der Universitäten.
Seine Argumentation empfinde ich als zwingend.
Er nutzt dabei eine Form, die den Leser erreicht. Es fühlt sich an wie ein Gespräch.

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Beim Anblick des Vulkans

Als mein Vater in den Straßen von Turin verschwand von Marta Barone

Marta Barones autobiografisches Buch fällt durch das spektakuläre Cover auf und natürlich durch den langen Titel: Als mein Vater in den Straßen von Turin verschwand.
Die Italienerin erzählt dabei die Lebensgeschichte ihre Vaters, von dessen linksradikaler Vergangenheit sie erst nach seinem Tod erfuhr.

Sie verarbeitet das durch viel Recherche, z.B. Prozessakten, aber auch durch viele Gespräche mit Leuten, die ihren Vater kannten.
Sprachlich waren meine Eindrücke gemischt. Lange Passagen sind nicht sehr literarisch, doch bei einer Biografie muss man das auch nicht unbedingt erwarten. Dann gibt es aber auch viele Abschnitte, die gut verfasst sind.
Vor allen macht die Autorin ihre Gefühlslage deutlich. Sie hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater und wusste vieles nicht von ihm. Es sind aber auch so einige liebevolle Erinnerungen dabei.

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Beim Anblick des Vulkans
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Ein Ausflug nach Amerika

Iowa von Stefanie Sargnagel

Die Österreichische Schriftstellerin Stefanie Sargnagel schreibt unbeschwert und locker. Und ihr Stil ist von Ironie durchsetzt. Ihre Sprache spricht die Millennials unter den Lesern an.
Durchaus kann man etwas für den spöttischen Unterton Sargnagels übrig haben.
Diese Buch zeigt ihren Blick auf die USA und ihre Eindrücke von der Reise, die sie mit Christiane, einer Freundin, unternimmt.

Eigentlich kennen sie sich noch nicht ganz so gut, sind aber schnell, ein gutes Team.
Meistens sind sie mit sich selber beschäftigt. Manche Details haben aber das Zeug zum Allgemeingültigen und Sargnagel findet Themen, die relevant sind und das macht dann die Höhepunkte des Buches aus.

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Ein Ausflug nach Amerika
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Der Hase als Meister von allem

Hasenprosa von Maren Kames

Hasenprosa! Hier zählt weniger die Handlung als die Sprache und der Sprachwitz sowie Einfallsreichtum.
Die Protagonistin streift durch die Zeiten, dabei sind Erinnerungen, an die Mutter, an die Großmutter. Auch mit dem Bruder und dem herzlichen Großvater, der aber auch andere Züge hat, gibt es Passagen.

Familiengeschichte ist zentral im Buch. Es gibt aber auch viele Anspielungen auf Literatur und Musik.

Begleitet wird sie auf ihrer turbulenten Reise von einem Hasen, mit dem sie einige absurde Dialoge führt. Das hat oft Witz. Manchmal steht man als Leser aber auch ratlos davor.

Maren Kames experimentelles Buch ist vermutlich der ungewöhnlichste Text der dieses Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreis steht.

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Spurensuche

Seinetwegen von Zora Del Buono

Zora del Buonos Buch Seinetwegen ist bei C.H.Beck erschienen und sogar auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gekommen.
Es handelt sich um ein autobiografisches Buch, das mit verschiedenen Stilmitteln versucht, den Unfalltod des Vaters zu erklären, Es ist das Buch einer Suche und damit einer Aufarbeitung.

Anfangs hat die Erzählerin nur die Kürzel des Mannes, der den Unfall 1963 verursacht hat, der ihrem Vater das Leben kosten soll, während sie selbst erst wenige Monate alt ist. Der Mann wurde nur zu zwei Monaten Gefängnis und 200 Franken Strafe verurteilt.
Als sie sechzig Jahre später den Namen herausfindet, versucht sie ihn ausfindig zu machen.
Einen großen Teil des Buches nehmen Diskussionen zwischen Zora und ihren Freunden ein. Daher beginnen Kapitel immer wieder mit den Titel „Im Kaffeehaus“. Dabei wird auch erläutert, was es heißt vaterlos aufzuwachsen. Was bei der Nachkriegsgeneration häufig vorkam. Auch von ihren Bekannten ging es manchen so.
Ergänzt wird das Buch von ein paar Fotos der Familie.

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Spurensuche
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Lindas Perspektive

Mein drittes Leben von Daniela Krien

Daniela Kriens bisherige Bücher waren schon großartig, aber Mein drites Leben ist vielleicht ihr bester Roman. Er ist so intensiv, weil man so dicht an den Gedanken und Emotionen der Protagonistin ist. Lindas Perspektive beherrscht das Buch ganz. Durch ihre Distanz erhält sie einen klaren Blick.
Sie hat ihre 17jährige Tochter Sonja durch Unfall verloren und zieht sich völlig in sich selbst zurück.

Sie zieht aufs Land, wo sie sich um einen Hof kümmert. Das führt schließlich zur Trennung von ihrem Mann Richard. Völlig allein, nur mit einem alten Hund, verbringt sie die Tage mit Einnahme von Medikamenten. Sie denkt sogar an Suizid.
Dennoch ist es kein trostloses oder hoffnungsloses Buch, denn die Frage, wie mit der Trauer weiterleben, öffnet auch Hoffnung.
Es gibt auch neue Freundschaften, zum Beispiel zu einer Frau mit einer behinderten Tochter, die Hilfe braucht. Auch ist ihre Beziehung zu Richard gefühlsmäßig noch nicht abgeschlossen.
Dennoch bleibt Linda weiter distanziert zu ihrer Umwelt.
Daniela Krien ist eine kluge Autorin, die jederzeit genau weiß, wie sie den Plot entwickeln kann. Von Anfang bis Ende besitzt der Roman eine soghafte Wirkung.

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Mitleiden bei Krankheit des Partners

Toni & Toni von Max Oravin

Es ist durch die Erzählweise, konsequent aus den Gedanken des männlichen Toni heraus, ein sehr dichter Text.
Nach einem Vorfall ist die weibliche Toni krank und verzweifelt. Ihre Kindheit war hart und von Armut geprägt. Jetzt kehren ihre selbstzerstörerischen Züge wieder zu Tage und sie ritzt sich wieder.

Der Österreichischer Schriftsteller Max Oravin zeigt, wie auch der Erzähler durch diese Situation beeinträchtigt ist. Das Zusammenleben ist schwierig, doch er bleibt eng an ihrer Seite.
Der starke Anteil an Zen-Buddhismus und Japanologie, die den Erzähler antreibt, ist ein ungewöhnliches Motiv. Das hilft ihm, Gelassenheit zu wahren. Manchmal ist es für den Leser aber schon anstrengend, diese Passagen zu lesen. Vor allen wegen der eingestreuten japanischen Schriftzeichen.

Literarisch ist das insgesamt gut gemacht und daher gelang das Buch auch auf die Longlist des deutschen Buchpreises.

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Tig & Nell, Nell & Tig

Hier kommen wir nicht lebend raus von Margaret Atwood

Von der großartigen kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood gibt es hier noch einmal eine ganz neue, interessante Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel Hier kommen wir nicht lebend raus , Originaltitel: Old Babes in the wood.
Das Buch besteht aus 3 Teilen. Im ersten und im dritten Teil geht es um Tig und Nell, die schon lange ein Paar sind.

Es wird das alltägliche Zusammenleben gezeigt. Später, nachdem Tig gestorben ist, wird erzählt, wie Nell als Witwe zurechtkommt und immer wider in Erinnerungen an Tig versinkt. Es ist also zu einem Teil ein Stück Trauerarbeit.
Dann gibt es noch den Mittelteil mit eigenständigen Shortstorys.
Da ist zum Beispiel eine dabei, in dem Atwood in einer Seance auf George Orwell trifft und mit ihm verschiedene Themen diskutiert. Das war sehr amüsant. Der Höhepunkt des Bandes ist dann die relativ lange Erzählung Meine böse Mutter. Dieser Text ist originell und amüsant.
Aber auch die Tig und Nell-Texte haben trotz ein er gewissen Zurückhaltung und Melancholie etwas besonderes an sich und es dürfte sich lohnen, sich ein zweites mal mit ihnen zu beschäftigen.

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Tig & Nell, Nell & Tig