Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Auf der Straße
Die Straßenkatzen von Manila
Anhand von 6 gezeichneten Geschichten mit wenigen beigefügten Schlagwörtern entwirft der Autor Archie Oclos ein Porträt der philippinischen Stadt.
Die Katzen sind faszinierend gezeichnet. Das ganze Spektrum an charakterizierenden Merkmalen und Gesten von Katzen sind zu bestaunen. Gleichzeitig ist ein sozialkritisches Element beigefügt, indem gesellschaftliche Probleme in der Stadt gezeigt werden.
Das erhöht das Buch über die üblichen Katzenbücher.
Leuchte, leuchte
Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen von Ito Ogawa
Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen ist ein Feelgoodroman, jedoch mit einer zurückhaltenden Hauptfigur. Das bringt Ruhe und Gelassenheit in den Text.
Hatoko ist ohne Eltern aufgewachsen, von einer lieblosen Großmutter aufgezogen und doch wird sie deren Nachfolgerin im Laden. Das besondere sind aber nicht die Schreibwaren, sondern ihre kalliografische Arbeit.
Die Kunden kommen mit ihren Wünschen für Briefe, die meistens mit ihren Beziehungen zu tun haben. Klar, für Geschäftliche würde sie E-Mails wählen, aber ihre Anliegen für diese Briefe sind private Anlässe. Und Hatoko kann mit ihrer Kalliografiekunst die Aufträge erüllen und erreicht etwas entscheidendes für ihre Kunden wie auch für die Briefempfänger.
Für mich war aber oft mehr Hatokos emotionales Gleichgewicht interessant.
Nur einmal rebellierte sie als Jugendliche, doch schließlich nahm sie doch ihr künstlerisches Erbe an.
Mimis Wurf
Die Magnolienkatzen von Noriko Morishita
Die Magnolienkatzen ist ein wunderbares Buch ganz und gar über Katzen. Im Mittelpunkt steht die Straßenkatze Mimi und ihre fünf jungen.
Diese Katzen hat die Autorin, die zusammen mit ihrer schon älteren Mutter lebt, aufgenommen und kümmert sich um sie. Noriko Morishita schildert ihre Erfahrungen.
Es ist mehr ein autobiografisches Buch als ein Roman,erzählerisch aber schon sehr gut gemacht.
Man erfährt so einiges über das Wesen der Katzen, aber auch, was es bedeutet, die kleine Katzen durchzubringen, die z.B. an einer Augenkrankheit leiden. Jede der Katzen hat seine Eigenarten, die sie ausmachen.
4 Kätzchen kann die Erzählerin schließlich in gute Hände weggeben. Doch Mimi bleibt bei ihr und auch Taro, eines ihrer Jungen.
Viele Details des Buches fand ich sehr interessant. Wer schon Katzen hat, kann dieses Buch auch lesen und dann sehen, ob die eigenen Katzen denen des Buches in manchen gleichen.
Von Noriko Morishita gibt es noch ein erfolgreiches Buch, das anscheinend nicht auf Deutsch übersetzt ist. Doch nach den Magnolienkatzen würde ich das auch gerne lesen.
Standalone
Für immer von Maja Lunde
Mit Für immer hat die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde nach ihrem Klimaquartett einen Standalone geschrieben.
Dieser Roman bietet ein Gedankenspiel. Was wäre, wenn niemand mehr sterben oder altern kann? Dieser Idee geht Maja Lunde anhand verschiedener Figuren, die in den Kapiteln wechseln, nach.
Der Stillstand kommt abrupt und für alle überraschend.
Es beginnt mit Jenny, Fotografin und Mutter von 2 Kindern, die todkrank ist. Doch durch den Stillstand wächst ihr Tumor nicht mehr.
Dann gibt es die Rentner Margo und Otto, die gerade aus ihrem Haus ausgezogen waren.
Jakob, der sich sorgen um sein ungeborenes Kind macht, das nach der 25.Schwangerschaftswoche nicht mehr wächst.
Anne, eine Krankenschwesterm die sich um Babys kümmern muss, die sich nicht weiterentwickeln.
Auch Menschen, die schwer verunglückt sind, sterben nicht.
Doch es bleibt die Hoffnung, dass der Stillstand enden wird und alles wieder normal wird.
Obwohl es in der Literatur schon ein paar Beispiele gibt, die diese Idee hatten, habe ich die Konsequenzen nie so beschrieben gesehen, wie von Maja Lunde. Dennoch bleibt es auch irgendwie ein Thesenroman.
Feelgood-Buch
Der Duft von Kuchen und Meer von Anne Barns
Moin, dann starte ich mal mit der Rezi, denn wat mut, det mut.
Normalerweise gehören Bücher wie dieses nicht unbedingt zu meinem bevorzugten Genre, aber der einladende Titel Der Duft von Kuchen und Meer und vor allen der Schauplatz mit der Insel Amrum hatte mich gelockt. Ausserdem habe ich in die Autorin Anne Barns Vertrauen, dass sie eine gute Geschichte schreiben kann.
Die Figuren sind gleich sympathisch und das geerbte Haus auf Amrum wird von der jung verwitweten Maren und ihrer sechsjährige Tochter Leni bezogen.
Auf Amrum warten einige Geheimnisse. Die Leute auf der Insel sind eigenwillig, das fängt schon mit der friesischen Sprache Öömrang an.
Ein paar Kapitel sind Rückblicke ins Jahr 1946 und 1970.
In der Gegenwart leben sich Maren und Leni schnell ein.
Das Buch liest sich schnell weg und bietet die Entspannung die man manchmal einfach braucht.
Leben mit einem Soziopathen
Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen von Milica Vuckovic
Hier gibt es eine interessante serbische Autorin erstmals auf Deutsch zu entdecken. Milica Vučković beschreibt eine toxische Beziehung.
Eva ist eine junge alleinerziehende Mutter, die den egozentrischen Viktor kennen lernt, der sie und das Baby mit nach Deutschland nimmt.
Schon bald erweist sich Viktor als Kontrollfreak, der Eva physisch und psychisch misshandelt.
Er hat soziopathische Züge und versteht es, Eva zu manipulieren.
Das Buch ist geprägt durch die Erzählperspektive mit Eva als Icherzählerin. Sie erzählt ruhig, manchmal fast gelassen, bis dann die eskalierenden Momente kommen. Trotz ein paar Versuche kann Eva sich nicht von Viktor lösen.
Das Thema der toxischen Beziehung ist weiterhin relevant und die Autorin schafft es sprachlich Ausdruck dafür zu finden.
Innenarchitekt der Literatur
Air von Christian Kracht
Der Innenarchitekt Paul ist ein ambivalenter Typ. Zum Beispiel mag er keine Katzen, kümmert sich dann aber doch sehr um eine einäugige Katze, die ihm zugelaufen ist.
Kracht erzeugt mit seiner Sprache großartige Bilder auch aus dem Alltäglichen, z.B. wie Paul in Schottland sich auf dem Fahrrad den Weg hinaufkämpft und dann auf dem Rückweg die Fahrt mit den Füssen in der Luft geniest.
Es gibt einen realistische Plotanteil, und einen der mit fantastischen Elementen angereichert ist. Das wechselt sich kapitelweise ab, bis es gegen Ende geschickt zusammengeführt wird. Wirklich beeindruckend. Christian Kracht ist ein Innenarchitekt der Literatur.
Das gedankliche Überschreiten des realen
Der etwa vierzigjährige Mann von Hartmut Lange
Hartmut Lange ist Spezialist für Erzählungen und auch dieses Buch besteht aus 3 Erzählungen.
Wie immer schreibt der inzwischen 87jährige Schriftsteller sehr sorgfältig und genau und von enormer Dichte.
Zur Titelgeschichte:
Ein Mann von etwa vierzig Jahren steht an der Elbe, in Gedanken versunken, als er plötzlich eine Zeitreise antritt.
Zunächst 2000 Jahre zurück. Dort ist er im Kolosseum, trifft später Seneca. Dann geht es Richtung Renaissance, die Zeit der Medici. Botticellis Kunst fasziniert ihn.
Dann das ausgehende 18 Jahrhundert in Weimar. Schließlich Versailles. Aber all das wird von Gewalt und Schrecken begleitet. Am Ende steht der schrecklichste Ort.
Doch der etwa vierzigjährige Mann sucht nach Kunst, nicht nach der Wirklichkeit.
Es folgt eine längere, sehr originelle Geschichte in Form eines Dramas und noch eine kürzere, sehr fein gemachte Story, in der ein philosophisches Gespräch geführt wird. Doch die Titelgeschichte hatte mich am meisten erreicht, da das gedankliche Überschreiten des realen faszinierend ist.
Brooklyn Crime Novel
Der Fall Brooklyn von Jonathan Lethem
Jonathan Lethem ist ein amerikanischer Autor, den ich schon lange lese und der schon öfter über Brooklyn geschrieben hat. In seinem neuen Buch fasst er in zahlreichen Kürzestgeschichten kaleidoskopmäßig viele kleine Fragmente zu einem großen Ganzen zusammen und zeigt ein Gesellschaftsbild Brooklyns ab den 1960ziger Jahren bis in die Achtziger und wenige Male darüber hinaus.
Eine Reihe ungewöhnlicher Figuren bevölkert Lethems Buch und da er selbst in Brooklyn aufwuchs ist auch ein Stück von ihm selbst dabei.
Drawing Hands
Wackelkontakt von Wolf Haas
Wolf Haas ist bekannt für seine Ironie und Originalität seiner Bücher und das gilt für Wackelkontakt im ganz besonderen.
Das Buch hat Leichtigkeit und eine anspruchsvolle Konstruktion gleichzeitig. Es ist sehr gut lesbar und überrascht den Leser vielfach.
Es gibt zwei gleichwertige Hauptfiguren, die im Plot des Romans eng miteinander verbunden sind.
Franz Escher ist Trauerredner und begeisterter Puzzler sowie Leser von Mafia-Bücher.
In einem seiner Bücher kommt jemand vor, der im Zeugenschutz ist, da er gegen die Mafia aussagte.
Dieser Mann wiederum liest ein Buch, in dem ein Franz Escher wegen einem Wackelkontakt auf einen Elektriker wartet.
Der Roman hat zwei Teile, betitelt ON und OFF.
Beide Handlungsebenen werden stark miteinander verquickt und nähern sich immer näher aneinander an. Die Spannung steigt.
Die Romankonstruktion erinnert an M.C.Eschers bekanntes Werk Drawing hands, indem zwei Hände sich gegenseitig zeichnen. Ein solcher ausgeklügelter, raffinierter Plot ist selten.
Ein grandioses Lesevergnügen.











