Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Eine schlesische Familiengeschichte
Ein Hörbuch, gelesen von Anne Moll, die über eine angenehme Stimme verfügt.
Es ist eine liebevolle schlesische Familiengeschichte in schlimmen Zeiten der dreißiger/vierziger Jahre. Die Sadlers auf ihrem Hof sind gute Menschen. Laurenz und Annemarie lieben sich und ihre Kinder. Die junge Kathi ist gescheit und mutig, ihre kleine Schwester Franzi aber ist leider behindert auf die Welt gekommen,
Zur Familie gehören auch die polnische Köchin Dorata und der Knecht Oleg.
Als die Zeit des Nationalsozialismus kommt, wird es schwer für sie.
Etwas fraglich finde ich, dass wieder einmal Widerständler die Helden sind. Das kommt bei so sehr vielen Romane vor. Da glaubt man fast, diese wären die Mehrheit und nicht die krasse Ausnahmen gewesen. Als Leser ist man natürlich dennoch froh, dass moralisch einwandfreie Protagonisten da sind, die man durch das Buch begleiten kann.
In vielen Passagen ist die kleine Kathi und ihr Freund Anton im Mittelpunkt, das sind unterhaltsame Episoden. Dem gegenüber steht die fatale politische Entwicklung mit weitreichender Auswirkung und dem Beginn des Kriegs.
Law and Love in London
Legal Love – An deiner Seite von J.T. Sheridan
Natürlich bietet dieser Roman das übliche des Genres und überschreitet die Regeln ebendieses nie.
Aber das sich die Handlung in London abspielt und Anwälte im Mittelpunkt stehen finde ich originell und reizvoll. Die Anwältin Nora ist eigentlich nicht damit einverstanden, dass sich die geschäftliche Richtung der Anwaltsfirma ändern soll, da sie dem verstorbenen Besitzer eng verbunden war, aber als sie erfährt, dass es der Firma finanziell schlecht geht, unterstützt sie den neuen Besitzer David, den sie schon als Jugendliche kannte.
J.T.Sheridan schreibt recht geschmeidig und es gibt einen kleinen Spannungsbogen sowie einen interessanten Handlungsverlauf Was will man mehr.
Fotografie und Liebe in Paris
Legal Love – An deiner Seite von J.T. Sheridan
Dieses Buch erzählt von der Fotografin Lee Miller und von der wichtiges Zeit der Fotografie, auch über die Kriegsfotografen.
Lee Miller war eine reale Figur, sie war mit dem US-amerikanischen Künstler Man Ray bekannt, arbeitet mit ihm und hatte eine Beziehung mit ihm. Diese Szenen, besonders in der ersten Hälfte des Romans zwischen Lee und Man Ray sind gut gemacht und man versteht, was diese Größen zur Fotografie trieb.
Es wird aber schon früh klar, das Whitney Scharer einen Künstlerroman im Unterhaltungsgenre ansiedelt. Man sollte sich als Leser seine Erwartungen darauf abstimmen. Gut möglich, dass die Autorin der historischen Figur nicht gerecht wird. Der Bezug zu Man Ray ist überbetont und die relativ wenigen Kriegsszenen finde ich zum Teil wenig überzeugend.
Für das was er ist, halte ich den Roman jedoch für in Ordnung.
Geschichte eines Buches
Alles, was wir sind von J.T. Sheridan
Die junge amerikanische Schriftstellerin Lara Prescott vermittelt aufgrund ihrer intensiven Recherche über den Background des Romans Dr. Shiwago und den Beteiligten, ein Bild über die fünfziger Jahre in der Sowjetunion.
Es ist natürlich schon ein westlicher Blick. Autoren wie Wassili Grossman oder Warlam Schalamow schaffen wohl ein realistischeres Bild dieser Zeit und den Bedingungen des Gulag.
Dennoch ist Alles, was wir sind ein spannendes Buch, geschickt konstruiert und mit guten Figuren, vor allen Olga, die eine Freundin von Boris Pasternak war und wechselnd die Rollen als Muse, Sendbotin und Mutter einnimmt.
1958 erhält Boris Pasternak den Literaturnobelpreis, doch er darf ihn nicht annehmen.
Das überwiegend nicht aus Sicht Boris Pasternak, der Autor des Doktor Shiwago, erzählt wird, ist die richtige Entscheidung. Am besten gefallen mir die Abschnitte, die von Olga geschildert werden. Aber auch die Idee mit den Stenotypistinnen ist gut.
Gut, dass dieser Roman die Entstehungs- und Publikationsgeschichte des berühmten Buches, das ja auch bekannt verfilmt wurde, einmal so umfassend darstellt.
Wistings way
Wisting und der Tag der Vermissten von J.T. Sheridan
Der Roman ist ein ganz und gar norwegisches Werk und ein Krimi, der nicht auf Spektakuläres setzt. Da passt es gut, dass ein Cold Case im Mittelpunkt steht.
Der Protagonist William Wisting ist tragend für den Roman. Er ist gelassen, ruhig und in sich ruhend, dabei aber auch ein erfahrener Mann, der nicht locker lässt.
Damit decken sich Hauptfigur und Stil. Es ist betont ruhig, die Sprache ungekünstelt, aber präzise. Das muss man mögen. Ich könnte mir vorstellen, dass Leser rasanter amerikanischer Krimis den Roman als zu schwerfällig empfinden.
Auch Wistings Privatleben mit seinen 2 erwachsenen Kindern Line und Thomas spielt eine Rolle. Selbst eine alltägliche Szene, die Wisting beim Einkaufen im Supermarkt zeigt, wird beschrieben. Das gibt den Roman die Spur Realismus, die ihn abheben lassen vom üblichen. Jorn Lier Horst war selber Kriminalbeamter, vielleicht wirkt deswegen sein Buch glaubwürdig. Und so gibt es schon einige Wisting-Romane und auf die Verfilmung, die demnächst ausgestrahlt wird, darf man gespannt sein.
Die fünfziger Jahre
Wisting und der Tag der Vermissten von J.T. Sheridan
Wunderbare Zeiten ist der Mittelteil einer Trilogie und trägt damit den Nachteil, das es weder einen Anfang noch ein Ende gibt, aber darauf lässt man sich als Leser natürlich bewusst ein.
Die Geschwister Silvie, Rike und Oskar Thalheim tragen an der nicht einfachen Vergangenheit, aber die Zeiten haben sich geändert.
Silvie steht ziemlich im Mittelpunkt. Sie hat eine Radiosendung beim RIAS. Mit dem Schauspieler Wanja hat sie eine neue Liebe gefunden, doch die erneute Enttäuschung lauert schon. Oskar trifft es auch schwer durch einen Unfall, den er selbst verursacht hat.
Nachdem mich der Anfang des Buches nicht unbedingt faszinierte, komme ich mit der Zeit doch gut in die Geschichte rein.
Brigitte Riebe setzt sehr auf Zeitbezug, z.B. werden Filme und bekannte Schauspieler der Zeit genannt. Bill Haley! Petticoats! Auch das Wunder von Bern wird da nicht ausgespart. In der Summe ist das etwas formelhaft.
Kein schlechter Roman, aber ehrlich gesagt, habe ich auch schon fesselndere Bücher über diese Zeit gelesen.
Eine amerikanische Familie
Der größte Spaß, den wir je hatten von J.T. Sheridan
Der größte Spaß den wir je hatten ist ein umfangreicher, amerikanischer Familienroman in der Folge von Jonathan Franzen. Marilyn und David, ein eher konservatives Ehepaar haben 4 Töchter, die sehr unterschiedlich sind und auch ganz unterschiedliche Probleme haben.
Man erfährt viel von den 4 Schwestern Wendy, Violet, Liza, Grace.
Die Entwicklung der Familie verdeutlicht sich auch mit den Rückblicken auf Marylin und David in die siebziger Jahre und wie die ersten Kinder geboren werden. Diese frühe Zeit ist für die Familie der größte Spaß, den sie je hatten. Diese Passagen gehören zum Besten des Buches.
Weiter geht es durch die achtziger und neunziger Jahre. Auch da werden besondere Momente herausgearbeitet.
Der Jonas-Part hat bei mir nicht so gut funktioniert, dabei ist er wichtig für den Verlauf der Handlung für fast alle Figuren. Das hätte man konfrontativer gestalten können.
Der Roman ist wirklich nicht schlecht, aber für meinen Geschmack zu lang. Über 700 Seiten trägt die aufgebaute Spannung nicht, da auch die Beschreibungen von Claire Lombardo erstaunlich verhalten bleiben. Ein wenig Straffung hätte schon viel bewirkt.
Die Dialoge sind aber ganz gut gemacht, auch wenn wenig Ironie eingesetzt wird.
Ich mag amerikanische Familienromane, doch bei diesem bin ich streckenweise nicht so tief eingetaucht, wie erhofft, dennoch würde ich von der Autorin auch künftige Bücher eventuell lesen.
Sensible Figuren und Plot voller Stimmungen
Der größte Spaß, den wir je hatten von J.T. Sheridan
Die Zeit der vergessenen Kinder ist ein Roman mit einem spezifischen Ton, der dem gediegenen Stil geschuldet ist, in dem das Buch verfasst ist. Das Buch lebt sehr von Stimmungen. Meistens sind sie Martin geschuldet, der sensiblen Hauptfigur. Ebenso empfindsam ist Claudia, die Frau, in der er sich verliebt.
Beide haben eine Kindheit gehabt, die sie geprägt hat. Das führt zu Martins Mutter, die als Roma in Deutschlands schlimmster Zeit überlebt hat. Diese Vergangenheitsabschnitte in den vierziger Jahren haben einen eigene Sound. Obwohl mich das atmosphärische am Buch mich fasziniert, gibt es aber auch viele Sätze, die mich verblüffen. Ich will nicht so weit gehen, dass viele schiefe Bilder entstehen, aber ungewöhnliche schon. Ein Beispiel: „Sofort schlug der Wind auf mich ein.“ oder „Aus der Ferne rollte ein Geräusch heran.“
Dann gibt es auch Sätze, die zu gestelzt sind, z.B. „Während wir an den offenen Türen vorbeigingen, hinter deren sonnigen Rechtecken sich heute nichts regte, ...“
,Ganz gut gemacht ist, wie die Familienbeziehungen eingebunden werden, zum Beispiel ist Martin geschieden und hat zwei Kinder, Claudia hat eine Stieftochter, die ihr eine Freundin ist.
Thematisiert wird auch, wie schwer es ist, über die Vergangenheit zu sprechen. Martin hat immerhin darüber geschrieben. Aber loslassen ist etwas anderes.
Streckenweise empfinde ich das Buch leider als zu verworren, aber gute Ansätze gibt es.
Geschwisterzwist
Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange
Die ehemalige Pop-Literatur-Ikone Alexa Hennig von Lange ist inzwischen eine der profiliertesten deutschen Autorinnen, wenn es gilt, gesellschaftsrelevante Themen zu beschreiben, insbesondere das familiäre ist im Mittelpunkt.
Hier sind es 3 sehr unterschiedliche Geschwister, die zu Weihnachten bei ihren alten Eltern zu Besuch kommen.
Die eine ist eher hart und zynisch, die jüngste Schwester weich und harmoniebdürftig. Der Bruder steht irgendwo dazwischen.
Wie sie zu diesem Fest aufeinanderprallen, hat Alexa Hennig von Lange präzise beschrieben und sie lässt die kleinen Sticheleien sichtbar werden.
Ursachenforschung findet sich zum Teil in einer gewissen Ernüchterung der Lebensumstände.
Mich hat das Buch beeindruckt, wie auch schon der letzte Roman Kampfsterne, aber man hätte noch mehr aus dem Buch machen können, wenn etwas mehr Raum gegeben würde. Die 160 Seiten sind rasch ausgelesen.
temporeich
Vicious - Das Böse in uns von V. E. Schwab
V.E.Schwab hat mit Vicious einen faszinierenden Roman geschrieben, der gut strukturiert ist und eindrucksvolle Protagonisten besitzt.
Da ist der Handlungsstrang, 10 Jahre zurück, mit Victor und Eli, 2 Studenten, die einem außergewöhnlichen Phänomen auf der Spur sind: Die Erlangung von Fähigkeiten durch Nahtoderfahrung.
Etwas musste ich da an den Film Flatliners denken.
Durch den häufigen Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit, bei dem man allmählich mehr erfährt, wird die Spannung aufrechterhalten. Das ist wirklich gut gemacht.
Außerdem interessieren mich die Figuren, insbesondere Victor, der einige Schwächen aufweist und Eli. Erst sind sie ein Team, später Gegner.
Weitere Figuren wie die Schwestern Sydney und Serena sowie Vics Sidekick Mitch teilen sich entsprechend auf.
Was mir gut gefällt, ist dass die Handlung immer im Flow bleibt und gut ausbalanciert ist.







