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Rezensionen von yellowdog:

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Ein verrücktes Paar in Afrika

Das kann uns keiner nehmen von Matthias Politycki

Matthias Politycki ist ein wirklich guter Autor, da er ernsthaftes Themen mit einer Leichtigkeit und mit Wortwitz verbinden kann.

Hans und Tscharlie treffen sich zufällig in einem Krater auf dem Kilimandscharo.
Sie sind sehr ungleich. Hans ein Hamburger Schriftsteller, Tscharlie ein Bayer. Da treffen Welten aufeinander.

Hans hält Tscharlie für einen Proleten. Für Tscharlie ist Hans ein Windlhans und ein Hornbrillenwürschtl, preußisches.
Obwohl es viele Vorurteile auf beiden Seiten gibt, setzen sie ihre Reise durch Afrika gemeinsam fort und verstehen sich mit der Zeit immer besser.

Ich mag den Icherzähler wegen seinem Einfühlungsvermögen, das auch ermöglicht hinter Tscharlies Fassade seine Herzlichkeit zu erkennen.
Politycki hat mit den beiden ein originelles Paar erschaffen. Dann versteckt er auch noch geschickt zwei Liebesgeschichten im Roman.
Jeder der Protagonisten hat eine Beziehung mit Verlusten erlebt.
Nicht zuletzt sind Abschnitte dabei, die eine kleine Hommage an Ernest Hemingways Schnee auf dem Kilimandscharo.

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Ein verrücktes Paar in Afrika
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Verdorbener Fisch verdirbt den Hirsebrei

Amuse-bouche von Museum Tinguely, Basel

Museum Tinguely in Basel haben ein interessantes Buch über das ungewöhnliche Thema Geschmack in der Kunst herausgebracht und es ist ein abwechslungsreiches Buch, dass das Thema auf verschiedene Weisen variiert.

Obwohl der Untertitel Interdisziplinäres Symposium zu Geschmack und Esskultur ehrfurchteinflößend klingt, ist das Buch größtenteils locker und gut lesbar geschrieben.

Dennoch sollte man sich für das Thema wirklich interessieren, denn es gibt viel Text dazu.
Ich hätte mir mehr bedeutende Kunstwerke zum Thema gewünscht, aber einiges gibt es doch, das beeindruckt, z.B. Nathaniel Bacons Küchenmagd mit Gemüse und Früchten, Gemälde von Eric Fischl, etwas von den fünf Sinnen von 1600, Großes Schimmelbild, 1969 von Dieter Roth, Andy Warhol usw. Hier prallen Welten aufeinander. Hinzu kommen einige Stilleben.

In den essayistischen Beiträgen ebenso. Manchmal wird fast wissenschaftlich, wie bei Über die Entstehung der Geschmackswahrnehmungen oder über Geschmacksbeschreibungen. Da werden sogar Tabellen und schematische Darstellungen eingesetzt. Ein Kapitel dreht sich um Migration, eins über die Anden, es gibt ein Interview und anderes.

Ich finde, dass Buch lohnt sich.

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Verdorbener Fisch verdirbt den Hirsebrei
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Ein sich ausbreitender Riss

Der Riss von Michael Kraske

Sowohl der Titel als auch der Untertitel „Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört“ macht deutlich, was der Journalist und Buchautor Michael Kraske mit diesem Buch aussagen will. Und ich halte seine Analyse für bemerkenswert.

Kraske betrachtet ausführlich Aspekte des gesellschaftlichen Wandels durch Stärkung der neuen Rechten.

Er geht ins Detail und man erfährt viel mehr über die Themen als man gedacht hätte. Dazu gehören AfD-Wahlergebnisse z.B. in Sachsen, Auswüchse radikaler Rechter, Pegida, die Reaktionen auf den Vorfall in Chemnitz, der Ablauf des NSU-Prozesses und dem Versagen bei den Ermittlungen.

Es gibt klare Worte in de Buch, z.B.
„Die AfD ist keine Protestpartei, auch wenn das oft behauptet wird. Wer sie wählt, entscheidet sich bewusst für völkischen Nationalismus, Rassismus und Verachtung der parlamentarischen Demokratie und ihrer Repräsentanten.“

Kraske scheut sich nicht, die Sache beim Namen zu benennen. Auch der Umgang und Auslegung des Nationalitäts- und Heimatbegriffs wird angesprochen. Ebenso die zunehmende Gewaltbereitschaft.
Michael Kraske schöpft für sein Buch auch aus einigen Interviews, zum Beispiel mit dem sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer oder dem Filmregisseur Andreas Dresen.

Für mich wird klar, dass die erwähnte Problematik und die Gefahren nicht zu unterschätzen sind und Gesellschaft, Justiz und Politik mehr denn je gefordert sind.

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Ein sich ausbreitender Riss
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Durchleuchten von schwarzem Brackwasser

Der Mangel von Oskar Roehler

Es gab mal eine Zeit, als die deutschsprachige Literatur stark von Thomas Bernhard beeinflusst war. Lange habe ich das nicht mehr gelesen, bis jetzt Der Mangel von Oskar Roehler erschienen ist.
Roehlers Stil ist gestochen scharf, sein Protagonist klagend und wütend, aber auch kühl analysierend und mit bissigen Humor.

Dieser Stil ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Roehler ist kein Mainstream, das war er auch als Regisseur bei seinen Filmen nie.

Es wird das Aufwachsen in den sechziger Jahren in einer abgelegenen, unzugänglichen Gegend geschrieben. Es entstehen große visuelle Bilder vom Aufstieg des Hügels in der verschneiten Umgebung.

Roehler schreibt streckenweise metaphorisch: „Das schwarze Brackwasser als Spiegel für Verdrängen“.

Manche Beschreibungen lösen Unbehagen aus, haben aber auch eine sprachlich raue Schönheit.
Beklemmend aber die Szenen des Schulalltags mit Erkennen der Strukturen von Macht und Ohnmacht.

Der namenlose Erzähler, der vermutlich autobiografische Züge des Autos trägt, erzählt teilweise als Kollektiv (unsere Väter …), dann aber auch als Individuum, wenn er konkret von seinen Eltern berichtet.
Er liest die Bücher von Beckett, Kafka und Bernhard, die ihm ein Weltbild vermitteln. Das ist vielleicht das, was ihm irgendwann einen Weg aufzeigen kann.

Mich hat das Buch sehr beschäftigt!

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Das Haus der Frauen von Laëtitia Colombani

Laetitia Colombanis erster Roman Der Zopf hatte mich so überzeugt, dass ich sehr auf ihr zweites Buch gespannt war und Das Haus der Frauen ist ebenfalls gelungen.
Die Autorin erzählt von 2 Frauen. Ca. 1925 von Blanche, die sich dafür einsetzte, dass das erste Frauenhaus in Paris gegründet wurde und die bei der Heilsarmee wirkte.

Der zweite Handlungsstrang ist heute in Paris in diesem Frauenhaus, genannt der Palast,angesiedelt. Hier übernimmt eine ehemalige Rechtsanwältin eine Ehrentätigkeit. Einmal die Woche hilft sie den Frauen beim Verfassen von Briefen. Bei dieser Sprechstunde lernt Solene (und mit ihr die Leser) die Frauen allmählich gut kennen und jede von ihnen hat ihre ganz eigene Geschichte. Oft sind es bewegende Schicksale. Frauen, die vor Gewalt geflüchtet sind, obdachlose, wütende oder hilflose.
Die Frauen, Cvetana, Cynthia, Binta, Renee, Lily und andere, wird man nicht so schnell vergessen.

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Erzählung wie ein Reigen

Nach Mattias von Peter Zantingh

Ein Roman eines niederländischen Autors über Tod, Verlust und Trauer sowie das Leben.
Mattias ist tot. Das Buch erzählt von den Menschen, die ihn gekannt hatten, manche sehr gut, andere nur flüchtig.
Da ist Amber, seine Freundin, die alleine in der gemeinsamen Wohnung versucht, mit der Trauer umzugehen.

Besucht wird sie von Kristianne, Mattias Mutter, die ebenfalls versucht den Verlust zu verarbeiten. Es gibt Quentin, ein Freund von Mattias, sie wollten zusammen ein Cafe aufmachen.
Alleine kann er das nicht, denn Mattias war der Macher. Quentinn ist Läufer und er erzählt einem blinden Läufer, den er begleitet, von Mattias.
Weitere Figuren tauchen auf. Alle zusammen sollen ein Bild von Mattias geben bzw. was es bedeutet, wenn jemand plötzlich nicht da ist.

Erzählt wird reigenhaft. Dazu passt, das es mit Amber beginnt und endet. Das hat mir ganz gut gefallen. Viele der Figuren sind gelungen. Mit einigen weiß ich weniger anzufangen, aber das kann man als Leser leicht in Kauf nehmen, da es so viele überzeugende Passagen gibt. Der Autor nutzt einen sparsamen Stil, fast schon schlicht, aber nicht ohne Eleganz. Hinzu kommt auch eine gewisse Musikalität, die sich sogar in einer die Kapitel begleitende, niveauvolle Playlist ausdrückt. Viele der Songs habe ich mir zwischen oder nach dem Lesen angehört.

Ich würde weitere Romane von Peter Zantingh lesen, wenn sie ins Deutsche übersetzt würden.

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düster

Im Schatten des Kronturms von Michael J. Sullivan

Im Schatten des Kronturms erzählt den Anfang der Riyrua-Chroniken und ist typische Fantasyserie aus den USA.

Es ist für den Leser nicht einfach, in eine langjährige Fantasy-Serie einzusteigen, selbst wenn es ein Prequel ist. Das Worldbuilding ist dennoch woanders erfolgt. Deswegen war der Start für mich holprig.

Doch die Vorbemerkung des Autors war mir zunächst zu langweilig, da habe ich es auf eigene Faust versucht, in die Geschichte hineinzukommen und habe die Vorbemerkung erst später gelesen.

Hauptfiguren sind Hadrian Blackwater und Royce Melborn, wobei anfangs meist nur Hadrian im Vordergrund steht. Erst nach mehr als 100 Seiten des Buches kommt Royce mehr zum Zug. Leider ist der sehr verschlossen. Mit dem sozial eingestellten, mitfühlenden Hadrian konnte ich mehr anfangen.
Es ist ein schwieriger Prozess, aber sie werden zu Partnern!

Es gibt aber auch noch den Handlungsstrang um Gwen. Sie muss in der Schenke Zum Fratzenkopf arbeiten. In der frauenfeindlichen Umgebung hat sie es schwer und durch den Zuhälter Raynor Grue es ist bedrohlich.
Gwen halte ich für eine glaubwürdige Figur.

Was mich störte war eine gewissen Geschwätzigkeit des Autors in manchen Passagen. Das trat aber nicht durchgehend auf. Viele Szenen sind geschickt geschrieben.
Es fällt mir teilweise schwer, die düstere Atmosphäre zu genießen, die Michael J. Sullivans Prosa verbreitet.

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eigenwillig

Milchmann von Anna Burns

Der Milchmann von Anna Burns gewann den bedeutenden MAN-Booker-Award. Das weckt Erwartungen bei Lesern zeitgenössischer Literatur und teilweise wurden die auch erfüllt. Andererseits ist mir das Buch unglaublich zäh und erzählerisch ausschweifend vorgekommen.

Der Plot handelt nicht wirklich von einem Milchmann, nicht dass das jemand wirklich erwartet hat.

Die 18jährige Icherzählerin ist in einer problematischen Situation aufgrund des gefährlichen Mannes, der sie verfolgt. Es wird aber auch ein gesamtgesellschaftlicher Zustand beschrieben.

Ich denke, wenn das Buch den Leser erreicht, wird der begeistert sein. Wer die Distanz zur Icherzählerin und dem gediegenen Plot nicht überwinden kann, hat es schwer. Ich muss zugeben, das ich zur zweiten Gruppe gehöre.

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Der Weg der Pious Men

Priest of Bones von Peter McLean

In einer mittelalterlichen Welt kehrt ein Troß an Soldaten aus dem Krieg als Veteranen zurück, geführt von Tomas Piety. Der Krieg und die Pest hat das Land verwüstet.
Es geht derb zu in der Truppe von Tomas und es sind eine ganze Reihe von eigenwilligen Leuten dabei wie z.B. Bloody Anne, rechte Hand von Tomas, sein Bruder Jochan, der ein hitziges Gemüt hat, der hinterlistige Sir Eland, Cookpot der Koch, Simple Sam, Billy the Boy und andere.

Mit dieser Truppe will Tomas seine Heimatstadt Ellinburg wieder unter seine Kontrolle bringen. Dazu muss er geschickt und entschlossen vorgehen.

Die Handlung bleibt in seiner Komplexität ansprechend, aber überschaubar, was mir ganz gut gefällt.
Themen, Szenerie und manche Passagen erinnern mich ein wenig an den großen Fantasyautor Karl Edward Wagner.
Aber Peter Mclean spielt mehr mit den Elementen der Dark Dantasy, doch so richtig düster ist seine Welt nicht.

Der Roman ist stark von Tomas als Erzähler geprägt. Im Krieg ist er Priester geworden und spricht auch manchmal so, bleibt aber kühl und überlegt dabei. Dem Ton beigefügt ist ein grimmiger Humor voller Ironie.
Diese Erzählweise verbreitet aber auch viel eigentümliche Atmosphäre.

Priest of Bones von Peter McLean ist ein gut lesbarer Roman, der mit sehr gut gefallen hat.

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Ein getriebener Mann

Der Empfänger von Ulla Lenze

Der Autorin Ulla Lenze gelingt es gut, den Leser für die Hauptfigur Josef Klein zu interessieren. Es bleibt aber lange Zeit auch geheimnisvoll. Josefs Leben war geprägt von den Auswirkungen des zweiten Weltkriegs. Da er als deutscher Auswanderer 1941 in den USA war, wurde er interniert. Doch es steckt auch noch mehr dahinter.

Zeitlich springt die Handlung hin und her, aber ein zentraler Moment ist 1949, als Josef nahezu mittellos seinen Bruder in Neuss besucht. Das wird eine Zeit der Reflexion. Josef ist zu sehr getrieben und er geht wieder.

Das Buch war nicht schlecht und konnte mich interessieren, aber es bleibt auch ein Fragezeichen, was man am Ende von Josef halten soll. Er blieb immer getrieben, heimatlos, ohne Überzeugung und passiv.
Am meisten hat mich der elegante Schreibstil von Ulla Lenze, auch wenn nicht alle Sätze überzeugten, und die inneren Gedankengänge des Protagonisten, denen man folgen kann.
Ganz knapp reicht es daher noch zu 4 von 5 Sternen!

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