Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Durchschnitt
Der zehnte Gast von Shari Lapena
Mit The Couple next Door hatte die Autorin einen großen Erfolg, aber Der zehnte Gast ist ein eher konventioneller Krimi. In dem abgelegen in der Wildnis liegendem Hotel Mitchell´s Inn sind einige Gäste versammelt. Eine bunte Gesellschaft. Fast jeder von ihnen hat ein Geheimnis, oder schleppt unverarbeitete Gefühle mit sich herum.
Zum Beispiel die Journalistin Riley, die aus Afghanistan traumatisiert zurückkommt, oder ihre Freundin Gwen, die wenig Selbstvertrauen hat. Auch der Strafverteidiger David ist ausgebrannt usw.
Es ist interessant, die Leute allmählich besser kennen zu lernen, leider bleibt viel auf der Oberfläche. Es sind auch irgendwie zu viele Figuren.
Ein Mord passiert und als Leser fühlt man einen Hauch von Agatha Christie. Aber will man das?
Erst spät im Roman kommt die Polizei ins Spiel.
Mit dem Ende bin ich zwar zufrieden, aber es bleibt der Eindruck, meine Lesezeit verschwendet zu haben.
Vogt & Harder
Hinter blutroten Schatten von Gereon Krantz
Hinter blutroten Schatten ist ein Krimi mit einem ziemlich wilden Plot und mit Ermittlungen, die wohl kaum dem Vorgehen in der Realität entsprechen.
Wie so oft gibt es den psychotischen, sadistischen Serienmörder und ein ungleiches Ermittlerteam, dem sich gehen lassenden Bruce Willis-Verschnitt Harder und der korrekten Vogt.
Jetzt könnte man denken, sie würden sich gut ergänzen, aber eigentlich erkenne ich das aus dem Text heraus nicht, außer Vogt lässt den exzentrischen Harder halt machen.
Eigentlich sind beide Figuren überzeichnet und nicht glaubhaft.
Ansonsten lebt das Buch von den Sprüchen Harders, einer gewissen Ironie und Humor. Sprachlich ist der Roman auch souverän gemacht.
Mich überzeugen die temporeichen Passagen, stellvertretend nenne ich die Schwimmbadszene, bei der Harder und Vogt eine gefährdete Person retten wollen, dann merken, dass sie am falschen Ort sind und gehetzt zum richtigen Tatort rasen. Dann entsteht ein guter Drive.
Auch das lange Finale vermag zu überzeugen.
Historischer Roman von außergewöhnlicher Qualität
Der Lehrmeister (Faustus-Serie 2) Faustus-Serie von Oliver Pötzsch
Nach Der Spielmann ist dies der zweite Teile der Faustus-Saga, Anfang des 16.Jahrhunderts.
Idealerweise sollte der Leser den ersten Teil gelesen haben, denn die Handlung setzt 6 Jahre danach an.
Oliver Pötzsch bezieht sich mit seinem Faust auf die reale historische Persönlichkeit, der später das Vorbild für Goethes Heinrich Faust wurde.
Zu Goethes Version gibt es auch Anspielungen.
Dr.Johann Georg Faustus zieht seit 6 Jahren zusammen mit seiner Tochter, der jetzt 20jährigen Greta und seinem Assistenten Karl Wagner als Jahrmarktsgaukler umher. Die quälenden Erinnerungen der Vergangenheit sind noch präsent.
Er entschließt sich zur Rückkehr nach Knittlingen, seinem Heimatort. Das führt ihn auf die Spuren seines alten Lehrmeister und Feind Tonio del Moravia.
Dann geht es nach Bamberg, später sogar nach Frankreich und im 4.Akt sogar nach Rom. Es kommt zu Begegnungen mit Leonardo da Vinci und mit dem König von Frankreich. Doch Faustus ist getrieben, seinen alten Feind gegenüberzutreten, der vielleicht selbst der Teufel ist.
Damit ein historischer Roman gelingt, benötigt es Atmosphäre und stimmige Beschreibungen. Dafür ist der erfahrene Schriftsteller Oliver Pötzsch der richtige. Es schafft Detailbeschreibungen verknüpft mit den Emotionen der Figuren. Bildreich seine wortgewaltige Sprache. Dem kann man sich als Leser schwer entziehen. In dem Hörbuch, gelesen von Tobias Kluckert, verstärkt sich diese Wirkung noch. Lange wird das Geheimnisvolle der Geschichte betont und gewahrt. Zwar gibt es nicht gerade wenig Pathos, aber es bleibt immer stimmig.
Zudem sind die Figuren überwiegend vielschichtig und lebendig, so mein Eindruck. Mit ihnen teilt der Leser im Verlaufe der Handlung eine Vielzahl an Emotionen.
Abgesehen von dem fesselnden Hauptplot gibt es auch viele kleine in sich spannende Episoden.
In Zukunft wird die Faustus-Saga neben den Henkerstochter-Reihe zu den Hauptwerken des Autors gehören.
Es ist ein umfangreiches Buch mit 3 MP3-Cds und einer Spielzeit von 1300 Minuten, aber es wird nie langweilig,daher hatte ich nie den Eindruck es wäre zu lang.
Bild einer Zeit
Menschen neben dem Leben von Ulrich Alexander Boschwitz
In seinem Buch „Menschen neben dem Leben“ zeigt der Schriftsteller Ulrich Alexander Boschwitz das Leben von Menschen im sozialen Abseits. Es sind die schweren Zeiten der Wirtschaftskrise in Deutschland, was für viele Arbeitslosigkeit, Armut sogar Hunger bedeutet.
Der Autor setzt eine große Anzahl von Figuren ein, um ein umfassendes Zeitportrait von Berlin zu zeigen.
Da ist zum Beispiel Grissmann, arbeitslos, aber auf Unabhängigkeit bestehend. Der alte Bettler Emil Fundholz und Tönnchen, der wie ein Kind ist, dabei ist er schon 40. Der kriegsblinde Sonnenberg, die Prostituierte Minchen und andere.
Der Autor gibt allen auch wirklich Charakter, daher wirken sie real und lebendig. Es wird aber auch gezeigt, wie die Perspektiv- und hoffnungslosigkeit die Menschen in Gleichgültigkeit treibt.
So sind manche eigentlich ehrliche Leute jetzt zur Kriminalität bereit. Ein anderer wird Zuhälter.
Wie Boschwitz die Figuren miteinander verknüpft ist stimmig. Ein wirklich gutes Buch.
Eine Reise durch die USA
Yankee Land von Alfred Kerr
Schön, das mal wieder ein Buch erscheint, das zwar alt ist, aber einmaliges bietet: Den Blick eines Deutschen auf die USA im Jahr 1924. Das vermag zu faszinieren.
Ansprechend schon das gut gemalte Buchcover.
Kerr reist durch die USA, zum Beispiel nach Washington, wo der den Präsidenten trifft. Dann New Orleans und durch Arizona und Kalifornien.
Der Abschnitt über San Francisco ist besonders strahlend. Neben den Städten mag Kerr auch die Natur-Parks. Weiter geht es nach Portland und Seattle. Salt Lake City, die Stadt der Mormonen. Dann Chicago und Boston.
Manche Eindrücke von Alfred Kerr vermögen zu verblüffen, die Menschen in Chicago empfand er als ernster als die in New York oder San Francisco.
In New York klingt die Reise aus.
Alfred Kerr ist heute wahrscheinlich nicht unbedingt jedem bekannt, früher war eine Größe vor allen als Kritiker. Yankee-Land bietet im Ausdruck einige Überzeichnungen und einen teilweise altmodisch wirkenden Stil, daher ist es fraglich, ob er noch eine neue, junge Leser-Generation erreicht. Mich persönlich störte das aber nicht.
Kanon zum Leicht nehmen
Schecks Kanon von Denis Scheck
Einen literarischen Kanon kann man Bierernst meinen, wie es Marcel Reich-Ranicki in seinem Spätwerk machte. Oder man kann es Leicht nehmen, wie Denis Scheck.
Seine Auswahl der 100 wichtigsten Bücher der Weltliteratur vermag zu erstaunen. Einerseits ist der Kanon arg konventionell, wenn die üblichen Buchtitel genannt werden.
Aber es gibt neben den üblichen Klassikern auch einige ungewöhnliche Bücher im Kanon, auf die wohl nicht jeder kommt, z.B. James Tiptree Jr. oder Kurt Vonnegut.
Das sind grandiose Autoren, aber ob sie in der Zukunft für neue Leser noch eine große Rolle spielen werden, ist zu bezweifeln. Von Denis Scheck ist das mehr der Versuch, diese Bücher vor dem Vergessen zu retten.
Letztlich ist Schecks Kanon die Literatur seiner Generation, die ich weitgehend teile. Ich bin auch mehr oder weniger einverstanden mit seiner Auswahl.
Was er in den kurzen Abschnitten über die einzelnen Bücher schreibt, gleicht dem, was er auch im Fernsehen über Bücher erzählt. Es wird stark verkürzt, zu dick aufgetragen und oft nur behauptet anstatt bewiesen. Aber irgendwie macht das Oberflächliche wohl auch die Unterhaltung seiner Texte aus. Die Leser des Kanons bekommen, was zu erwarten war und wenn die Erwartungen nicht höher waren, vielleicht auch nur das, was sie verdienen.
Isländische Literatur
Ástas Geschichte von Jón Kalman Stefánsson
Der isländische Autor Jon Kalman Stefansson hat schon beeindruckende Romane geschrieben, z.B. Himmel und Hölle oder Verschiedenes über Riesenkiefern und die Zeit.
Jon Kalman Stefanssons Bücher haben einen hohen Ton. Das gilt auch für Astas Geschichte, sein zwölfter Roman, doch diesmal ist er besonders intensiv.
Ich mag lyrische Prosa, doch diesmal war es wirklich viel auf einmal.
Es wird die Geschichte einer Frau in Island erzählt. Es beginnt mit den fünfziger Jahren, aber es wird nicht durchgehend chronologisch linear erzählt, es gibt immer wieder Passagen mit Astas Eltern, Helga und Sigvaldi. Das ist gut ineinander verzahnt.
Immer wieder wird aber auch die Romankonstruktion auseinandergenommen.
Packende Passagen gibt es, als Asta auf den Hof kommt, auf dem sie dann leben wird und sie Josef trifft. Dann sind da endlich auch mal Dialoge im Vordergrund. Wenn der Autor anfängt, richtig zu erzählen, kann er mich am meisten überzeugen. Die Gefühle Astas werden transparent. Es wird überreich an Emotionen und Atmosphäre.
Astas Geschichte ist ein Roman, mit dem man sich schwer tun kann, der aber sicher auch einiges bietet.
zufrieden
Das Mantra gegen die Angst oder Ready for everything von Helge Timmerberg
In seinem erzählerisch gestalteten Reisebuch „Das Mantra gegen die Angst oder Ready for everything“ schreibt Helge Timmerberg über Neun Tage in Kathmandu. Eine Gegend in der ich noch nie war und ein Land von dem ich wenig weiß.
Bei Timmerberg ist auch die persönliche Komponente wichtig. Es geht mehr um ihn wie über das Land.
Es gibt auch Passagen in Berlin, an die Timmerberg erinnert.
Einiges ist sehr witzig und originell. Timmerberg ist ein cooler Typ.
Aber das Mantra-Thema vermochte mich doch nicht so ganz zu überzeugen. Daher ging das Buch streckenweise an mir vorbei. Es bleiben jedoch genug amüsante Passagen, das ich zufrieden war.
Gedichte mit Strahlkraft
Liebe: Dunkler Erdteil von Ingeborg Bachmann
Liebe: Dunkler Erdteil - Gedichte aus den Jahren 1942-1967
Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ist schon 1973 verstorben und spielt dennoch immer noch eine große Rolle für die deutschsprachige Lyrik. Natürlich ist es teilweise auch der jährliche Bachmann-Wettbewerb, der den Namen präsent hält.
dennoch haben ihre Gedichte weiterhin große Wirkung und Strahlkraft. Auch viele der Gedichte dieses Bandes, obwohl viel Jugendgedichte und Posthumes enthalten ist.
Einige Texte und Gedichte (zum Beispiel die aus Die gestundete Zeit) von Ingeborg Bachmann haben eine große Wirkung auf mich gehabt, mir fast die Beine weggeschlagen. Das kann ich jetzt bei diesem Band nicht gleich sagen, dennoch wirken auch diese Gedichte. Von den Jugendgedichten möchte ich unter anderen „Im Sommer“, „Dem Abend gesagt“, „Vision“ oder „Wie soll ich mich nennen“ herausstellen.
Ich bevorzuge ansonsten die etwas späteren Gedichte in diesem Band, 1964-1967. Gleichwohl gibt es durchgängig Gedichte, die voller Bildsprache sind und Bewegung in die Gedankenwelt des Lesers bringt. Immer wieder bringen mich einzelne Sätze zum Erstaunen, oft bleibt Ingeborg Bachmann aber auch rätselhaft.
Es gibt Gedichte, die Ingeborg Bachmann selber sprach und die man im Internet finden und hören kann. Ihre Stimme und Art des Vortrags überträgt sich beim lesen ihrer Gedichte und das verstärkt nochmals die Wirkung.
Die ihr eigene, berühmte Aura bleibt bestehen!
Spektakuläre Trails und Races
Liebe: Dunkler Erdteil von Ingeborg Bachmann
Extreme Läufe bedeuten auch hartes Training. Hier werden keine Marathoms beschrieben sondern Ultra Trails und Races. Es geht über Tage, so sind manche Abschnitte, z.B. Gobi oder ISRU auch in Tag 1, Tag 2 und so weiter gehalten.
Ganz anders geht es im Teil um den 250 Kilometer Jungle Race in Sri Lanka zu.
Wenn man von da aufkommenden Giftschlangen liest, wird einen beim Lesen ganz anders. Aber zum Glück sind die Krokodile nicht viel größer als 1 Meter (LOL). Weiter geht es mit einem Ultra Marathon im Iran. Den gewinnt Rafael Fuchsberger (alias Ali Baba) in der 180-Km-Version.
Schließlich Mosambik und Marokko.
Sprachlich ist das Buch „Wer die Wahl hat, liebt die Qual“ eher flach. Ordentlich geschrieben, aber ohne literarisch Ansprüche. Dafür sind die Beschreibungen der aufwändigen Läufe auch so schon interessant genug und es ist immer was los.
Beeindruckend die großen Fotos, die aufgrund der Umgebung auch farblich aufsehenerregend sind, zum Beispiel in der Wüste oder Dschungel.










