Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Wildes Treiben in Necromunda
Die actionreiche Handlung ist in einem erfreulich eigenständig entwickelten Welt des Warhammer-Universums, dem Necromunda, angelegt und mit dem Abenteurer und Kopfgeldjäger Kal Jerico haben wir einen selbstbewussten, großspurigen Protagonisten, den man wegen seinen frechen Sprüchen einfach mögen muss.
Ein wenig erinnert er an Typen wie Mad Max oder Indiana Jones.
Die Dialoge entwickeln besonders zusammen mit Jerico, seinem Kumpel Grind und der wagemutigen, amazonenhaften Yolanda viel Witz und auch einen gewissen Drive, von dem auch der leicht krude Plot profitiert. Manchmal wird ganz schön dick aufgetragen, aber mich störte das nicht.
Es ist ziemlich viel los in dem Roman. Will McDermott & Gordon Rennie haben offensichtlich Spaß am Schreiben gehabt und das überträgt sich auf den Leser.
Eine Zeit zwischen den Kriegen
Violet von Tracy Chevalier
Violet, der neue Roman der Erfolgsautorin Tracy Chevalier hat auf Anhieb viele positive Reaktionen bekommen und ich kann mich dem auch anschließen.
Violet Speedwill ist eine alleinstehende und selbständige Frau, die es in der Zeit zwischen den Kriegen nicht leicht hat. Sie arbeitet in einem Büro, aber das Gehalt ist schmal.
Violet gefällt mir als Figur gut, die Autorin hat die Persönlichkeit gut herausgearbeitet.
Auch die schönen englischen Settings lassen einen schwelgen: die Kathedrale von Salisbury, Isle of Wight und die Straßen und Pubs von Winchester mit der Kathedrale, in der sich das Grab von Jane Austen befindet.
Violet lernt den verheirateten Arthur Knight kennen, der Glöckner einer Kathedrale.
Anschluss findet sie auch bei Frauen, die gemeinsam für die Kathedrale sticken.
Tracy Chevalier überzeugt wirklich mit ihrem ruhigen und genauen Stil.
Bemerkenswert und wichtig
Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden von Hédi Fried
Die Holocaust-Überlebende Hédi Fried hat schon oft Vorträge in Schulungen gehalten und berichtet von ihren Erfahrungen, wobei sie mit den Schülern immer ins Gespräch gekommen ist und Fragen zulässt. Als über neunzigjährige ist es ihr noch immer wichtig, die Erinnerung an die KZs Auschwitz und Bergen-Belsen wachzuhalten.
Nur so kann es bewirken, das sich der Holocaust nicht wiederholt. Da sie durch das hohe Alter nicht mehr lange die Schulen wird besuchen können, ist ihr Ansatz wirklich zwingend und gut. Die wichtigsten und häufigsten Fragen dokumentiert sie in diesem Buch.
Hédi Fried ist eine Jüdin aus Siebenbürgen. Sie wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Nach Auschwitz war sie in drei verschiedenen Arbeitslagern.
Da sie auch früher schon Bücher über ihr Überleben geschrieben hat und die Fragen schon oft beantwortete, wirkt das Buch streckenweise routiniert.
Die Fragen der Schüler sind elementar und Hédi Fried behandelt die Themen Hitlers Judenhass, die Zustimmung des Volkes, fehlender Widerstand, Ankunft in Auschwitz, Lagerleben, Hunger und Überleben.
In letzter Zeit haben mich verschiedene Berichte Überlebender stark beschäftigt: Ginette Kolinka, Marceline Loridan-Ivens, Primo Levi.
Hédi Frieds Berichte passen dazu, es gibt Passagen, die vergleichbar sind, dann aber auch ein paar Details, die vielleicht nicht jeder kennt.
Ich hoffe, dass ihre Biografie Fragmente meines Lebens noch einmal neu aufgelegt wird.
Wanderung mit Esel
Der Esel steht von Erik Kormann
Es war R.L.Stevensons Bericht „Reise mit dem Esel durch die Cévennen“ von 1878, der den Autor Erik Kormann beeinflusste und inspirierte, diese Reise ebenfalls zu unternehmen.
Kormann wird mit dem Esel Narcisse die Landschaften Südfrankreichs auf Stevensons Route zu Fuß durchstreifen.
Ein leichter, streckenweise humorvoller Ton bestimmt den Reisebericht.
Nicht selten heißt es dabei Der Esel steht, ein eigenwilliges Tier, das gerne auch mal fremde Blumentöpfe leerfrisst.
Aber mit einigen Tricks geht es dann doch immer weiter.
Auch Hindernisse sind zu bewältigen, z.B. bissige Hunde oder ein wütender Jungbulle. Da hilft nur Flucht. Viele Teilstrecken sind anstrengend. Am Ende sind 230 km bewältigt.
Diese Reise wird durch zahlreiche Fotos dokumentiert, wobei auch die malerische Landschaft präsentiert wird.
faszinierende Fotos
The Helsinki School von Timothy Persons; Asia Zak Persons
Dieses Buch zeigt ein umfangreiches Programm und gibt gleich einem ganzen Schwung junger, zumeist finnischer Foto-Künstler der Helsinki School Raum.
Die einzelnen Künstler werden kurz vorgestellt. Die Texte sind in englischer Sprache. Dann gibt es jeweils ein paar zumeist ausdrucksstarke und ungewöhnliche Fotos zu sehen.
Da ist schon verblüffendes dabei.
Als Beispiel möchte ich Ulla Jokisalos Menschen mit Tiermasken nennen. Oder die Menschen in Bäumen von Ville Lenkkeri und Elina Brotheres.
Oft haben die Menschen in den Fotos starre Gesichtszüge und doch kann man die Emotionen dahinter erahnen, z.B. bei Aino Kannisto oder bei den Kindern auf den Fotos von Nelli Palomäki.
Dieses fehlende Minenspiel verleiht dennoch Ausdruck.
Bei dem Dänen Joakim Eskildsen spielt die Natur eine Rolle, genauso bei Jari Silomäki. Riitta Päiväläinen verwandelt die Bäume für ihre Fotos.
Tiina Itkonen zeigt Fotos aus Grönlands verschneiter Umgebung.
Bei Susanne Majuri ist Wasser das prägende Element. Sanna Kannisto stellt Vögel in den Vordergrund. Bei Niko Luoma wird es abstrakt.
Auch die anderen Künstler vermögen mit ihren Fotos zu faszinieren.
Obwohl die Fotos teilweise stark unterschiedlich sind, ergibt sich im Ganzen gesehen doch ein Zusammenhang: den Ansatz zeitgenössisches auf eine neue Art zu zeigen.
Zauberhaftes Irland
The Helsinki School von Timothy Persons; Asia Zak Persons
Das Buch „Unsere Liebe für immer“ von J.B.Monninger startet im Prolog mit einer kleinen magischen Geschichte, die der kommenden Handlung schon eine Stimmung mit gibt.
Der Erzählstil hat ein gutes Niveau und ist gut lesbar. Monninger schafft es ausschmückende Beschreibungen einzubinden, poetisch und stimmungsvoll zu sein, ohne kitschig zu werden.
Die Amerikanerin Kate Moreton fliegt nach Irland um dort über ihre irischen Wurzeln zu forschen. In Dingle lernt sie die alte Dame Gran und ihren erwachsenen Enkel Ozzie kennen. Gemeinsam fahren sie auf die Blasket-Inseln.Zwischen Kate und Ozzie entsteht etwas. Überstürzt heiraten sie. Erst später erkennt Kate, dass Ozzie so einige Probleme mit sich herumschleppt. Sie trennen sich und können doch gefühlsmäßig nicht voneinander lassen.
Das Buch ist ein Fest für Fans von Irland und anspruchsvollen Liebesromanen.
Schwedische Ödnis
Eisige Dornen von Jonas Moström
Das Cover zeigt ein verschneites Haus und lässt schon die erwartbare Atmosphäre ahnen.
Den vorherigen Band um Nathalie Svensson, Mitternachtsmädchen, fand ich ganz ansprechend, insbesondere wegen Jonas Moströms ruhigen Erzählstil. Daher war ich überrascht, wie wenig mich Eisige Dornen begeistern konnte.
Es ist ein ziemlich normaler Schweden-Krimi, wie es viele gibt und das Tempo ist gemächlich.
Der tot aufgefundene schwedische Fußballstar Hendrik Borg gibt den Auftakt. Weitere Morde folgen. Der Schauplatz der Handlung wechselt öfter: Ystad, Malmö, Kiruna, Göteborg, Östersund, Uppsala.
Anfangs ist Johan nicht dabei. Für mich wird klar, dass Nathalie ihren Kollegen Johan an ihrer Seite braucht, um besser ermitteln zu können. Denn erst mit ihm, geht es vorwärts. Eine Spur Privatleben spielt dann mit rein. Leider viel zu wenig für meinen Geschmack. Man hätte mehr daraus machen müssen, den nur so wird die Persönlichkeit der Figuren dem Leser näher gebracht.
Es fällt weiterhin schwer, am Plot dran zu bleiben. Von Spannung keine Spur! Weitere Romane dieser Reihe werde ich nicht mehr lesen.
Eine große Persönlichkeit der amerikanischen Malerei
Edward Hopper: A-Z - Die Melancholie und Meisterschaft des amerikanischen Realismus von Jonas Moström
Edward Hopper von A bis Z. Diese Idee fand ich zwar anfangs etwas beliebig aber dann konnte ich mich schnell damit anfreunden. Vor allem auch, weil der Autor des Buches gute textliche Ergänzungen zu den verschiedenen Bildthemen gibt, die seine Sympathie zum Maler verrät.
Im Prinzip erzählt er kleine Geschichten, die zum Teil auch schmunzeln lassen.
Zum Beispiel im Abschnitt Buick, wo verraten wird, dass Hopper gerne diese Autos fuhr, aber nicht, wenn seine Frau am Steuer saß.
Manchmal zitiert der Autor sogar Hopper selbst, z.B. in Cape Cod
„Schöne hohe Sandhügel, eine Wüste im Kleinformat mit schon geformten Dunen, ein sehr offenes nahezu baumloses Land …
Das Buch ist ungezwungen, lässt sogar ein Kapitel über den Schriftsteller Dos Passos zu, mit dem der Maler befreundet war. Informativ auch, dass sich Hopper von der Lyrik Robert Frosts beeinflusst fühlte.
Etwas gediegen ist der Buchstabe Q. Der Autor wählte Quebec, wo Hopper zwar war, dass er aber nicht malte.
Tankstelle passt dann wieder, denn das war ein beliebtes Hopper-Motiv.
Mit Z für Zeit klingt das Buch passend und angemessen aus.
Ich mag das Buch wegen seiner Leichtigkeit!
Großartig
Edward Hopper: A-Z - Die Melancholie und Meisterschaft des amerikanischen Realismus von Jonas Moström
Ich liebe die Bilder von Edward Hopper und auch in diesem Buch sind die Gemälde großartig. Ein echter Genuß!
Der amerikanische Maler Edward Hopper konnte Menschen wie Landschaften! Tatsächlich ist manchen Bildern eine gewisse Leere enthalten.
Manche hingegen sind schon mächtig, zum Beispiel Valley of the Seine.
Dann die Haltung der Figuren, aussagekräftige Tristesse, selbst wenn man die Gesichter nicht erkennen kann.
Bemerkenswert auch die Lichtspiegelungen, z.B. auf dem Fluss in Blackwell´s Island
und die zum Teil matten Farben, die dennoch lebendig sind (Road in Maine, Square Rock).
Das Blau hingegen leuchtet (Jo Sketching at Good Harbor Beach).
Ein ganz besonderer Abschnitt ist Schiffe und Leuchttürme.
Auch der (vielleicht nur konstruierte) Zusammenhang zwischen Hopper und Hitchcock ist reizvoll.
Erwähnenswert auch der Abschnitt Der Wald!
So glücklich ich über das Buch bin, verursacht doch gerade diese Qualität eine Sehnsucht, Hopper-Gemälde mal wieder in echt in einem Museum zu sehen. Lange ist es her!
Hartgesotten in Frankfurt
Schöner sterben in Bembeltown von Leo Heller
Schöner Sterben in Bembeltown ist eine tempreiche, humorvolle Detektivgeschichte.
Detektiv Jürgen McBride hat etwas punkiges an sich und ist ein typischer moderner Erbe von Sam Spade. Sein Ton ist rüde, aber herzlich. Das ganze ist dick aufgetragen, aber so dass es Spaß macht.
McBride übernimmt einen undurchsichtigen, aber lukrativen Auftrag, bei dem es um einen Mord geht.
Eine Frau mit dem sprechenden Namen Ellen von Unschwer hat ihn engagiert. Der Ermordete war ihr Geschäftspartner.
Reizvoll, dass es in dem Fall in erster Linie auch um einen Kunstraub geht. Beuys-Zeichnungen sind verschwunden. Frankfurt als Schauplatz funktioniert auch.
Der Krimi ist nicht lang und schnell durchgelesen. Mich hat er amüsiert!








