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Rezensionen von yellowdog:

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Familiengeschichte in 100 Jahren

Die Bagage von Monika Helfer

Die Handlung setzt vor ca. 100 Jahren ein, 1914 in einem Dorf. Die österreichische Schrifterstellerin Monika Helfer verarbeitet in dieser Familiengeschichte die Geschichte ihrer Mutter und Großmutter in diesem sehr konzentriert geschriebenen Roman, der auch ein Dorfleben zeigt.
Der erste Weltkrieg bricht aus und Josef wird eingezogen.

Seine Frau Maria bleibt zurück und wird schwanger. Der Verdacht komm auf, dass Josef nicht der Vater ist. Schließlich war sie mit Georg, einen Fremden aus Hannover gesehen worden. Der Dorfklatsch tut ein übriges und Josef lehnt nach seiner Rückkehr das Kind ab.
Als Leser ist man den Figuren der Familie sehr nahe.
Das Buch fällt durch die sorgfältige, fein gemachte Sprache von Monika Helfer auf. Es ist eine Art des autofiktionalen Schreibens, die ich sehr schätze.

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Vorlage zur Netflix-Serie

Die Bagage von Monika Helfer

Durch die Netflix Serie Virgin River bin ich auf die Romanserie gestoßen, da mir die Fernsehserie gut gefallen hatte.
Wiedersehen in Virgin River ist nicht der erste Teil der Romanserie und stellt die Geschichte von Preacher und Paige in den Vordergrund.

Paige ist zusammen mit ihrem kleinen Sohn auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann und landet zufälligerweise in Virgin River, wo der dortige Barkeeper Preacher die verängstigten aufnimmt und sich um sie kümmert.

Schon bald entwickelt Preacher starke Gefühle für sie, obwohl er sonst immer zurückhaltend und eigenbrötlerisch war.

Natürlich wirken auch Mel und Jack, die Hauptfiguren von Band 1, ordentlich mit.
Das sind schon alles sehr gute Figuren und es fällt schwer, sie nicht zu mögen.
Etwas anders als in der Fernsehserie ist es schon, aber die wichtigsten Themen sind da.

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Wilde Geschichten

Bad Behavior. Schlechter Umgang Storys. 18.02.2020. Hardback. von Gaitskill Mary

Die Kurzgeschichten in dem Band Bad Behavior sind sehr amerikanisch und nahezu perfekt gemacht. Sie sind ein Produkt der Achtziger Jahre und ich glaube, hätte ich sie damals gelesen, hätte ich sie mehr gemocht. Heute empfinde ich diesen Stories gegenüber Distanz, obwohl man die Machart bewundern kann.

Die bekannteste Geschichte ist Sekretärin, die die Grundlage für den gleichnamigen Film lieferte. Sie ist typisch darin, dass Mary Gaitskills Figuren sich oft in einem Zustand der Unbestimmtheit befinden.
Meine favorisierte Story ist gleich die erste „Daisys Valentinsgruß“.
Absolut erwähnenswert ist auch das Nachwort von Kristen Roupenian (Cat Person), die sich literarisch Mary Gaitskill nahe fühlt.

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Wilde Geschichten
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Mosaar - Eine deutsch-französische Beziehung

Mosaar von Wolfgang Melzer

Mosaar, so wird der Icherzähler Amadeus von dem 18jährigen französischen Mädchen genannt, das er ca. 1973 bei einer Urlaubsreise trifft.

Josette und Amadeus haben eine Romanze mit aller Intensität der Jugend. Da Amadeus Student ist, muss er zurück nach Saarbrücken, doch sie bleiben in Kontakt.

Doch plötzlich hört Amadeus nichts mehr von ihr. Ein abruptes Ende der Beziehung.

Manche der frühen Passagen erinnern mich ein wenig an französische Filme der frühen Achtziger Jahre. Vielleicht waren sie ein Einfluss auf den Autor Wolfgang Melzer.
Für Frankreich-Liebhaber gibt es einige wirklich schöne Beschreibungen, z.B. auch von Paris.

Im Teil 2 des Romans setzt die Handlung 35 Jahre später wieder ein. Das Paar trifft sich wieder und nähert sich wieder an.

Am Ende wird es überraschend dramatisch, indem eine Entführung in Rio und ein Unfall in den Alpen geschildert werden. Das ist vielleicht etwas zu viel, aber immerhin sind diese Passagen ganz spannend gestaltet.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen, da er eine deutsch-französische Beziehung zeigt, die eine lange Trennung überwinden muss.

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Mosaar - Eine deutsch-französische Beziehung
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Unspektakulär und doch bedeutend!

Mosaar von Wolfgang Melzer

Das Thema Sprachen und Übersetzen sowie Verlage interessiert mich und Pascal Merciers sehr ruhiger, fast meditativer Erzählstil spricht mich an.
In der von Markus Hoffmann getragen gesprochenen Hörbuchfassung wirkt das besonders gut. Sprache und Bedeutung durchzieht das ganze Hörbuch. Gespiegelt wird das im sensiblen, bedächtigen Protagonisten Simon Leyland.

Eine Erkrankung ändert sein Leben. Es gibt einen Verdacht auf einen Hirntumor, angeblich unheilbar und tödlich.
Er verkauft seinen Verlag in Triest und erbt überraschend ein Haus in London. Als sich herausstellt, dass seine Krankheit eine Fehldiagnose war, ist sein Leben dennoch verändert. Als Leser macht man die Gefühlsbewegungen mit durch.

Sehr schön Leylands Freundschaft zum Nachbarn Kenneth Berg. Auch der Handlungspart um Lelylands Tochter ist einfühlsam gemacht. Und schließlich faszinierte mich der Prozess, wie der Übersetzer Leyland selbst zum Schriftsteller wird.

Manche Passagen sind sorgfältig ausgearbeitet, manchmal ist es sehr unspektakulär und aus ein paar Motiven hätte man auch noch mehr machen können. Der Roman ist im zeitgenössischen Feuilleton umstritten, aber ich persönlich habe das Buch gemocht, da es ganz offensichtlich eine ganz eigene Größe besitzt.

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Ein Lebensgefühl

Klaus Modick über Leonard Cohen von Klaus Modick

Klaus Modick ist mit diesem Buch gelungen, einerseits einen Roman über die Jugend der 60ziger und 70ziger Jahre zu schreiben, andererseits Leonard Cohen und seinen Songs angemessen zu huldigen.
 
Der Protagonist des Buches ist Lukas, der zusammen mit einem Freund als Musiker auftritt und bei einem Konzert Gitte trifft, die ein großer Leonard Cohen-Fan ist.

Diese Musik fasziniert auch Lukas und begleitet ihn sein Leben lang, genauso wie seine Sehnsüchte nach Liebe und Freiheit, die ebenfalls über die Cohen-Songs transportiert werden.
 
Statt Kapitel gibt es Tracks, die Protagonisten hören noch Langspielplatten und tragen Miniröcke etc.. das verleiht dem Buch etwas nostalgisches. das Lebensgefühl wird wirklich übertragen.

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Sex, Drugs, Football and Rockn Roll

Unter den Stollen der Strand von Daniel Cohn-Bendit

Daniel Cohn-Bendit schreibt vordergründig über Fußball.
Aber nicht nur vordergründig, das Thema wird schon gut betrachtet. Dennoch sind die Zeiten, die der heute 75jährige Autor in Frankreich und Deutschland erlebte, elementar für das Buch. Dazu gehört natürlich auch eine politische Richtung.

Seinem Naturell folgend trägt der Autor ziemlich dick auf.
Mit dem Fußball, besonders den WM und EM-Ereignissen, kennt er sich wirklich aus und bringt immer wieder einen Zusammenhang zu gesellschaftlichen und politischen Ereignissen und Folgen. Dem bin ich beim Lesen gerne gefolgt.
Ob der Fußball diese gesellschaftliche Bedeutung wirklich hat oder nicht, ist diskussionswürdig.
Das Buch bringt einem zum nachdenken, sicher eine Qualität. Der fehlgeleitete Nationalistischen Tendenzen mancher Fans von diversen Vereinen sind erschreckend.

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konventionell

Ach, Virginia von Michael Kumpfmüller

Michael Kumpfmüller schreibt über die letzten Tage der englischen Schriftstellerin Virginia Woolf, bevor sie 1941 in tiefster Depression den Freitod wählte und sich in einem Fluß ertränkte.
Zwar gibt es einige Erinnerungen, die thematisiert werden, aber überwiegend empfand ich den Roman als sehr düster und wenig einnehmend.

Mein Eindruck ist, dass diese Reduktion auf Virginia Woolf letzte Zeit ungeeignet ist, um die Bedeutung ihrer Persönlichkeit wirklich zu verdeutlichen und ihr Wirken und ihr Werk zu würdigen. Sie hat viel für die Literatur getan, schrieb auch experimentell. Das kann man von Michael Kumpfmüller nicht gerade behaupten, seine Mittel sind konventionell. Ich hatte mich auf eine ansprechende romanhafte Biographie gefreut, wurde aber ziemlich enttäuscht und die Intention des Autors wurde mir auch nicht klar.
Da kann man nur empfehlen stattdessen die Bücher von Virginia Woolf zu lesen, z.B. Mrs. Dalloway, Flush oder Orlando. Diese Bücher hatten wirklich Größe.

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Darling Blue

Ach, Virginia von Michael Kumpfmüller

Mich beeindruckt die Freundschaft und der Zusammenhalt der Frauen, die in Richmond Castle zusammenkommen. Die junge Schriftstellerin Blue, ein lebhafter Charakter, die man gleich mögen muss, ihre Schwester Merrigan und Midge, ihre sensible Stiefmutter. Dazu kommt Delphine, die ihren gewalttätigen Ehemann verlassen hat.

Tracy Rees weiß einmal mehr ihre Stärke bei der Charakterisierung ihre Figuren einzubringen.

Die Szenen, in denen Blue es schafft, sich als Journalistin bei der Richmond Gazette durchzusetzen, haben mir gut gefallen. Es war 1926 nicht ganz einfach für eine Frau in der Redaktion.

Midge hingegen hadert ein wenig mit ihrer Ehe. Als zweite Frau von Kenneth, fühlt sie sich unsicher, ob er sie so liebt wie seine erste, verstorbene Frau. Das bringt Midge in eine Krise. Außerdem quält sie ein Geheimnis der Vergangenheit.

Delphine schafft es, sich ein neues Leben aufzubauen. Aber es bleibt die Angst, ihrem Mann wieder zu begegnen.

Tracy Rees legt viel Wert darauf, die Konstellation der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander auszuarbeiten. Darunter leidet ein wenig das Tempo der Handlung und man kann Abschnitte so empfinden, dass sie sich hinziehen. Mich hat das nicht gestört, aber den Drive ihrer vorgehenden Romane Amy Snow und Florence Grace hat sie nicht so ganz gefunden. Für vier von fünf Sternen reicht es aber dicke, da auch „Die Frauen von Richmond Castle“ ein Roman mit Qualitäten ist.

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Glaube und Hoffnung

Ein wenig Glaube von Nickolas Butler

Der US-amerikanische Schriftsteller Nickolas Butler schreibt intensive Romane, die im mittleren Westen der USA angesiedelt sind. Das gilt auch für „Ein wenig Glaube“, ein Buch, bei dem er ein heikles Thema anpackt, jedenfalls für amerikanische Verhältnisse. Die Kraft des Glaubens und wo es in Fanatismus umschlagen kann.

Bei aller Intensität hat Butler aber auch einen kraftvollen, moderaten Stil voll innerer Ruhe.

Ich mag die meisten Figuren dieser Familiengeschichte sehr, insbesondere Lyle und seinen kleinen Enkel Isaac und ihr gutes Verhältnis zueinander. Dann Lyles Frau Peg und sein guter Freund Hoot, der an Krebs erkrankt ist.

Lyles und Pegs Tochter Shiloh ist nach Jahren mit ihrem 5jährigen Sohn Isaac nach Wisconsin zurückgekommen. Sie ist alleinerziehend und hat sich einer merkwürdigen Kirche angeschlossen, dem Bund des Flusstälerlandes und sie ist sehr auf dem windigen Pastor Steven fixiert.

Es stellt sich die Frage, ob die Kraft des Glaubens auch schwere Krankheit besiegen kann. Der Prediger glaubt, dass Isaac durch handauflegen die Menschen heilen kann.
Der Autor lotet das Thema in einer angemessenen Tiefe aus, vergisst dabei aber auch nicht eine bewegende Handlung zu schreiben.

Man spürt das, was auch Lyle befürchtet, dass Isaac instrumentalisiert wird als angeblicher Heiler von Kranken und dass das den Jungen sicher schaden wird. Nicht umsonst macht er plötzlich wieder ins Bett und wirkt verstört, während seine Mutter dem Pastor ganz und gar hörig ist.
Als Leser fühlt man sehr mit den Figuren. Durch die Geschichte wird man meisten von Lyle und seinen inneren Reflektionen und den Gesprächen geführt.

Nickolas Butler hat mit diesem Buch eine schöne Steigerung zu seinem letzten hingelegt und ist für mich eine der großen Hoffnungen für die US-amerikanische Belletristik.

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Glaube und Hoffnung