Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Die Reinkarnation von Virginia Woolf
Ich bin Virginia Woolf von Pola Polanski
Zu Beginn des Romans ist die Protagonistin sehr verwirrt und in einer Klinik.
Dann kommen Rückblicke bis zur Kindheit hin. Hier gibt es sehr gelungene Passagen, die die Entwicklung von Inka Ziemer zeigt. Schon früh gibt es Verluste, die Eltern verunglücken. Es stellt sich auch heraus, dass die Mutter psychische Probleme hatte.
Inka ist begeistert von den Büchern von Virginia Woolf. Ja, sie glaubt sogar, die Reinkarnation dieser Schriftstellerin zu sein. Immer mehr steigert sie sich rein. Dazu gehört auch die Sehnsucht, schreiben zu können.
Pola Polanski ist Künstlerin. Irgendwie hatte ich daher erwartet, dass die Sprache experimenteller sein würde. Doch es ist gut lesbar, was der Geschichte zugute kommt.
Und obwohl eine psychische Erkrankung natürlich eine schlimme Sache ist, entbehrt der Roman nicht an Wortwitz.
Vom Stillstand
Aerial Observations on Airports von Nadine Barth
Tom Hegen macht Luftbildfotografie.
In diesem Buch „Aerial observation on Airports“ hat er Flughäfen aus der Luft fotografiert. Aber es sind Flughäfen während des Lockdowns. Das Resultat zeigt: Stille, Leere, Flugzeuge am Boden, keine Menschen.
Ein Eindruck, wie es nach dem Ende der Menschheit aussehen könnte.
Tom Hegen hat seinen Fotos einen interessanten Text in Englischer Sprache vorangestellt,
Alain de Botton hat einen poetischen Text zu diesem Buch zugesteuert: A world without planes
Ein lesenswerter Text mit apokalyptischen Anklängen.
Den Großteil des Buches nehmen natürlich die Fotos ein. Um Tom Helgen bleibt konsequent bei seinem Motiv, das er aus verschiedenen Perspektiven zeigt. Bemerkenswert.
Das Leben der Hannah Arendt
Was wir scheinen Roman. Gebunden. von Keller Hildegard E.
Hildegard E. Keller ist eine bekannte Literaturkritikerin und hat auch ein beträchtliches Werk an literaturwissenschaftlichen Veröffentlichungen, aber Was wir scheinen ist ihr erster Roman. Er erzählt von Hannah Arendt, die eine bedeutende Denkerin und Stimme in der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts war.
Ich glaube, dass der Roman über Hannah Arendts Lebens mit Schwerpunkt nach dem Krieg bis 1975, auch für Leser geeignet ist, die Hannah Arendt nicht kennen. Obwohl es natürlich von Vorteil ist, Arendts Leben und Werk zumindest in groben Zügen zu kennen. Komplex und relevant genug ist es.
Entscheidend ist, das hier schwerpunktmäßig Hannah Arendt in erste Linie als Mensch gezeigt wird.
Als Jüdin flüchtete Hannah Arendt erst nach Paris, später in die USA. Erst war sie noch staatenlos, später bekam sie die US-Staatenschaft und fühlt sich auch als Amerikanerin.
Der nicht linear erzählte Roman wechselt in Zeiten und Orten. Das funktioniert sehr gut.
Hildegard E.Keller hat einen angenehmen Stil.Meisterhaft kann sie die Gedanken der Hauptfigur darstellen und auch die Dialoge sind gro0artig.
Eine wichtige Passage im Buch ist Arendts Besuch in Jerusalem, wo sie den Prozess gegen Adolf Eichmann verfolgt und darüber ein bedeutendes, aber umstrittenes Buch schreiben wird.
Sehr gefallen haben mir die Passagen mit Arendt als Dozentin in Berkeley.
Hannah Arendt hatte Freundschaften mit bekannten Leuten wie Martin Heidegger, Karl Jaspers; Walter Benjamin, Ingeborg Bachmann und Mary McCarthy.
Überraschend sind die Gedichte von Hannah Arendt, die im Buch verstreut auftauchen. Das gibt ihrer Persönlichkeit eine weitere, sanftere Note hinzu.
Obwohl Hannah Arendts kämpferische und widerspenstige Art im Buch insgesamt vielleicht etwas zu wenig betont wird.
Insgesamt entsteht ein gutes Gesamtbild der Persönlichkeit Arendts und ein Buch, das ich mit Vergnügen gelesen habe.
Soko St. Peter-Ording
Nordwesttod von Svea Jensen
Nordwesttod ist ein ansprechend geschriebener Kriminalroman, der mich deswegen überzeugt, weil die Hauptfiguren vor großen Veränderungen im Leben stehen.
Hendrik Norberg übernimmt nach dem Tod seiner Frau die Dienststellenleitung in St.Peter-Ording. Das ist für seine Karriere ein Abstieg, aber so können seine Kinder im gewohnten Ort bleiben.
Die aus München stammende Kommissarin Anna Wagner wechselt auch nach Schleswig-Holstein und muss sich erst eingewöhnen und ihr gewohnten Grüß Gott durch ein Moin ersetzen.
Ich mag es, wie die norddeutsche Umgebung und Mentalität eingesetzt werden, ohne dass der Roman dadurch zu einem typischen Regionalkrimi wird.
Die Hamburger Autorin Svea Jensen kennt sich aus, da sie inzwischen auch in Schleswig Holstein lebt.
Während Norberg noch sehr mit seiner privaten Situation, der Trauer und das Verhältnis zu seinen Söhnen, beschäftigt ist, ermittel Anna Wagner bereits fleißig.
Es dauert ein wenig, bis sie eine Draht zueinander finden. Doch schließlich arbeiten sie gut zusammen. Die Autorin lässt sich mit dieser Beziehung Zeit, das ist gut so und es wird auch noch eine Fortsetzung mit der Soko St. Peter-Ording geben.
Eien Familiengeschichte
Nächstes Jahr in Berlin von Astrid Seeberger
Es gibt in der Literatur eine Reihe heraustragender Mutter-Bücher und jetzt gehört Astrid Seebergers auf schwedisch verfasster Roman „Nächstes Jahr in Berlin“ mit dazu.
Nachdem die Mutter stirbt zeigt die Erzählerin in diesem vermutlich autofiktionalem Buch ihren Zustand. Dazu nutzt sie bemerkenswerte Bilder, z.
B. die klirrende Kälte in der Natur. Das ist sprachlich sehr ansprechend. Hinzu kommen Geschichten ihrer Mutter. Ihre Jugend wurde vom Krieg und der Flucht aus Ostpreußen bestimmt. Eine erste Liebe endete mit dem frühen Tod des Geliebten. Dann kommen die Nachkriegsjahre, aber es wechselt dann wieder zurück in die Ereignisse der Kriegsjahre.
Die Erzählerin lebt mit ihrem Gefährten Lech zusammen. Ihn kennt man schon aus dem Roman Goodbye, Bukarest. Auch Bruno, der Bruder der Mutter, der dort eine große Rolle spielte, wird erwähnt. Hier wird ein wichtiger Teil seiner Geschichte verraten. Solche Zusammenhänge geben dem Erzählten eine umfassende Geschlossenheit.
Ich mag auch die literarischen Verweise, die die Autorin nutzt W.G.Sebald, Lars Gustafsson, Czelaw Milosz.
Astrid Seebergers Art zu schreiben finde ich sehr überzeugend.
Wasser, Eis und Feuer
Trauma - Kein Entkommen Katja Sands erster Fall, Thriller. Kartoniert. von Wortberg Christoph
Trauma – Kein Entkommen wird schon auf dem Cover als Thriller angekündigt, aber nach meiner Leseauffassung handelt es sich mehr um einen Kriminalroman mit psychologischen Momenten.
Der Roman ist gut strukturiert und hat 3 Teile, die mit Wasser, Eins, Feuer überschrieben sind.
Die Ermittlerin Katja Sand ist alleinerziehende Mutter und ihr Privatleben nimmt viel Raum ein, was ich prinzipiell nicht schlecht finde.
Dennoch fehlt hier etwas, die Figur bleibt mir als Leser schließlich doch auf Distanz.
Dennoch, die Passagen, die die schwierige Beziehung von Katja zu ihrer 15jährigen Tochter Jenny zeigt, sind nicht schlecht gemacht. Jenny haut dann ab, um ihren Vater kennen zu lernen. So trifft auch Katja schließlich wieder auf ihren Ex.
Einen guten Kollegen hat Katja in Rudi Dorfmüller.
Die Szenen mit dem vom Vater gequälten kleinen Kind sind schmerzhaft zu lesen.
Daraus ergeben sich psychologische Folgen, die mir hier zu schematisch dargestellt werden.
Auflösung und Ende des Falls sind dann zu abrupt, aber okay.
Am Ende bleibe ich zwiespältig mit dem Roman zurück. Er ist solide und flüssig geschrieben, hat gute und weniger gelungene Passagen. Aber ein rausragen aus der Masse an Krimis kann ich auch nicht sehen.
jenseits der Rocky Mountains
Die kanadische Nacht von Jörg Magenau
Jörg Magenau hat einige brillante Biografien geschrieben. Ich selbst habe 3 Stück davon. Jetzt hat er sich erstmals mit einem Roman in eine andere Position gebracht und schlägt sich nicht schlecht. Etwas einlesen muss man sich in das Buch aber.
Es ist die Reise eines Mannes, geschätzt in den fünfzigern, der nach Kanada reist, um noch einmal seinen im sterben liegenden Vater zu sehen.
Seit vielen Jahren sind sie einander entfremdet.
In Calgary angekommen reist er mit einem Mietwagen weiter durch Kanada jenseits der Rocky Mountains.
Dabei kommen ihm die Erinnerungen und viele Überlegungen, die den Text bestimmen.
Er denkt über seine Kindheit und Jugend in Deutschland nach. Die Eltern trennten sich, als er Jugendlicher war. Da sein Vater mit seiner neuen Frau nach Kanada auswanderte, riss der Kontakt ab.
Ob er jetzt seinen Vater noch lebend antreffen wird, weiß er nicht.
Zudem beschäftigt ihn seine eigene, erst kürzlich erfolgte Trennung von seiner Frau und seine Probleme mit seinem aktuellen Buchprojekt über die Beziehung eines Dichters und einer Malerin.
Die Reise nimmt 2/3 des Romans ein, bis er sein Ziel erreicht und es zum Abschied kommen kann.
Es ist ein konzentriertes, gut durchdachtes Buch, das Jörg Magenau vorlegt und sicher seine Leserschaft finden wird und ich gehöre dankbar dazu.
Ein Fall für ihre Majestät
Das Windsor-Komplott von Bennett S J
S.J.Bennett hat hier Band 1 der Reihe Die Fälle ihrer Majestät vorgelegt.
Die fast neunzigjährige Queen als heimliche Detektivin. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Ernst nehmen sollte man das nicht, sonst ist der Spaß schnell weg.
Unterstützung hat die Queen von der nigerianischen Privatsekretärin Rozie.
Ein weitere origineller Einfall. Rozie ist meine favorisierte Figur im Buch, da sie als noch neue im Haus Windsor noch einen Blick von Außen mitbringt und das ist interessant.
Die Gedanken der Queen bestimmen aber den Hauptteil des Romans. Hinzu kommen diverse Details über das im königlichen Haushaltes, des man so vielleicht nicht kennt.
Das cozy-typische reizte mich sehr an dem Buch und der Roman ist very british gestaltet, gerade bei den Dialogen. Gleichzeitig ist der Roman ziemlich zeitgemäß.
Das gefällt mir besser als wenn die Handlung in die Vergangenheit gelegt worden wäre. Obwohl, vielleicht hat sich für die Queen auch nicht so viel geändert.
Irgendwann war für mich der Reiz an dem ganzen dann doch nicht mehr so da, weil mich der maue Kriminalfall nicht so besonders überzeugte. Es bleibt aber ein solides Buch, obwohl ziemlich durchkalkuliert und auf Nummer sicher.
Ich denke, dass S.J.Bennett durch diese Reihe ausgesorgt hat. Viele werden sie um ihre Idee beneiden.
Das Leben auf dem Land und an sich
Das, was du suchst von Marjoleine de Vos
Dieses kurze Buch ist ein sperriges kleines Ding, aber so das es wirklich Spaß macht.
Es ist im Prinzip ein Essay und die Autorin Marjoleine de Vos weiß wirklich viel, das merkt man beim Lesen. Sie nutzt treffende Vergleiche und Bezüge.
Zwischen dem Text befinden sich einige atmosphärische schwarzweiß-Fotos von dem Fotojournalisten Anjo de Haan.
Wirklich fantastisch! Aber eigentlich reichen auch schon die Sätze der Autorin um sich die Natur bildlich vorzustellen. Man denkt sogar, sie zu riechen, also allumfassend wahrzunehmen.
Die Umgebung von Groningen ist sehr wichtig, und es geht über das hinaus, was man vom Untertitel „Von der Sehnsucht nach dem Spazierengehen“ erwarten konnte.
Bemerkenswerter Jugendroman aus Norwegen
Was Sara verbirgt von Kathrine Nedrejord
Dieses kleine Buch ist ein sperriges Ding, aber so das es wirklich Spaß macht.
Es ist im Prinzip ein Essay und die Autorin Marjoleine de Vos weiß wirklich viel, das merkt man beim Lesen.
Die Umgebung von Groningen ist sehr wichtig, aber es geht über das hinaus, was man vom Untertitel „Von der Sehnsucht nach dem Spazierengehen“ erwarten konnte.











