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Rezensionen von yellowdog:
Dem Geheimnis auf der Spur
Die Schlange im Wolfspelz von Michael Maar
Die Schlange im Wolfspelz von Michael Maar ist ein grandioses Sachbuch über verschiedene Aspekte der Literatur. Betrachtet wird klassische Literatur, aber manchmal auch moderne.
Es ist ein aufregendes Werk, auch eins über das man sich manchmal aufregen kann. Nicht allen provokanten Thesen von Michael Maar stimme ich ohne weiteres zu.
Aber viel ist wirklich originell und Michael Maar ist alles andere als dogmatisch. Michael Maar steigert sich ganz schön rein und zieht den Leser mit in einem Taumel literarischer Fragestellungen über Stil, Metaphern, Bildsprache, Dialoge
Es werden beeindruckend viele, überwiegend deutschsprachige Autoren behandelt: Fontane, Thomas Mann, Canetti, Hemingway, Franz Werfel, Goethe, Grimm, Hebel, Hölderlin, Valery, Heidegger, Heine, Stifter, Storm, Rudolf Borchardt, Anna Seghers, Robert Walser, Kafka, Leo Perutz, Thomas Bernhard, W,G,Sebald, Brigitte Kronauer, Herta Müller, Walter Kappacher, Wolfgang Herrndorf, Botho Strauß, Martin Mosebach, Clemens J.Setz, uva.
Es gibt auch einen Ausflug in die Lyrik.
Ob Maar wirklich dem Geheimnis großer Literatur auf die Spur kommt, kann ich nicht sagen. Aber ich habe viel neues erfahren.
Ein kluges Buch mit viel Humor.
Eine Generation zwischen den Zeiten
Wir dazwischen von Reinhard Großmann
Reinhard Großmann Intention mit Wir dazwischen war es, ein Buch über das Leben einer Generation zu schreiben, die zu jung für den zweiten Weltkrieg war, aber zu alt für die gesellschaftlichen Umbruch der 68ziger-Generation.
Es sind also die Menschen ca. 1934 geboren sind. Betrachtet wird der Zeitpunkt 1984, als viele dieser Generation um die 50 Jahre alt waren.
Der Erzähler ist Englisch- und Geschichtslehrer und befindet sich gerade in einer Ehekrise. Eine weitere Krise ist die schwere Erkrankung des schon erwachsenen Sohnes und der Auszug der Tochter.
Auch die politische Situation dieser Zeit wird betrachtet. Aktuell war damals die Apartheid in Südafrika viel im Gespräch. Ebenso Lech Walesa und die Solidarnosc in Polen. Auch die Aktionen der RAF gab es noch, aber auch die Friedensbewegung. An einen Mauerfall war noch nicht zu denken.
Der Autor bleibt konzentriert am Text. Dann gibt es auch Rückblicke in die Jahre 1945, 1949, 1956
Als biografischer Text funktioniert das Buch, aber ob man dadurch auf eine ganze Generation schließen kann, bezweifle ich. Doch immerhin ist es ein Beitrag dazu und einige prägende Elemente der Zeit werden treffend genannt.
Ela und Timo
Wenn es uns gegeben hätte von Josefine Weiss
Eine unerfüllte Liebesgeschichte, die einst abrupt endete. Doch 8 Jahre später treffen sich Ela und Timo wieder. Die alten Gefühle sind sofort wieder da, aber es ist nicht einfach. Gibt es eine zweite Chance, die Beziehung doch realisieren zu können?
Schließlich versuchen sie es. Dann erfährt Ela von Timos schwerer Herzerkrankung, die tödlich enden kann.
Das klingt wie aus einem Nicolas Sparks-Schmöker, aber hier fehlt glücklicherweise das offensichtliche Kalkül.
Die Realität ist, das Ela nicht damit fertig wird, dass Timo ihr seine Krankheit verschwiegen hat und sie verlässt ihn.
Es wird immer aus Elas Perspektive erzählt und es gibt viele Momente, in denen sie zweifelt, auch an sich selbst. Sie erinnert sich auch an ihre Kindheit, als sie vom Vater verlassen wurde. Das prägte sie.
Die Autorin Josefine Weiss zeigt die Schwierigkeiten einer Liebesbeziehung unter Belastungen. Das hebt ihr Buch aus der Masse heraus.
Ein Erbe in Briefen
In einer Nacht ein ganzes Leben von Olivia Ruiz
Die Französische Sängerin und Schauspielerin Olivia Ruiz nutzt in ihrem Debütroman „In einer Nacht ein ganzes Leben“ einen literarischen Kniff um das Leben einer Frau zu erzählen, die schon als Kind das Exil von Spanien im Bürgerkrieg nach Frankreich erlebte. In Zehn Briefen wird Abuela Ritas ganzes Leben geschildert.
Gelesen werden die Briefe nach ihrem Tod von der Enkelin in einer einzigen Nacht. Diese Erzählmethode funktioniert, hätten für meinen Geschmack aber literarisch anspruchsvoller sein können. Eigentlich kenne ich diese Erzählform hauptsächlich aus Frauen-Unterhaltungsromanen und das hatte ich hier nicht so erwartet, da der Stoff angeblich vom Leben der Familie der Autorin beeinflusst sein sollte. Das heißt aber nicht, dass mir der Roman nicht gefallen hätte, aber man muss seine Erwartungshaltung anpassen.
Am Ende sind die Briefe bzw. das Leben Ritas sind das Erbe für ihre Enkelin, die sich von dem gelesenen getröstet und gestärkt fühlt.
Der Duft der Roseninsel
Die Roseninsel von Anna Reitner
Die junge Berliner Ärztin Liv entflieht ihrem Überdruss für 4 Wochen auf eine bayrischen Roseninsel. Dort ist niemand außer einer Villa und die Rosenstöcke. Sie findet durch Zufall in einem Versteck ein Tagebuch und so wird eine zweite Geschichte in Gang gesetzt, die 1889 von Magdalena erzählt, die isoliert auf eben dieser Roseninsel leben musste.
Sie ist die uneheliche Tochter des bayrischen Königs.
Während mir Liv streckenweise ein wenig überspannt vorkommt, kann man mit Magdalena in ihrer Lagre sofort mitfühlen.
Die beiden Handlungsebenen wechseln sich ab und die Geschichte verdichtet sich immer mehr.
Der Schwachpunkt des Buches sind für mich die lauen Liebesgeschichten.
Dafür finde ich den Schluß des Magdalena-Parts sehr gelungen.
Anna Reitner verwendet einen einschmeichelnden, einfachen Schreibstil, um die Leser in ihre Geschichte zu ziehen. Mit dem Starnberger See in Bayern hat sie einen reizvollen Schauplatz gewählt und es entstehen einige gute Bilder im Kopf des Lesers und man glaubt die Rosen riechen zu können.
Die Erhaltung von Ki
Genki von Nicolas Chauvat
Mir hat von Nicolas Chauvat schon sein Buch „Zen-Lehren der Teemeister“ ganz gut gefallen und auch Genki halte ich für lesenswert. Es enthält die zehn goldenen Regeln aus Japan.
Genki, Arigatou, Jiyu, Mitate, Shinken, Gambaru, Kawakiri, Muda, Baka, Omotenashi
Interessant, diese Begriffe aus dem Japanischen kennen zu lernen.
Such die Form überzeugt. Die Begriffe werden vorgestellt und anhand treffenden Zitaten und Beispielen erläutert. Man kann daraus seine Schlüsse ziehen.
Ein Buch, dass positives vermittelt und behutsam sinnvolle Ratschläge gibt.
Ein Stanserhorn-Roman
Paris von Blanca Imboden
Natürlich ist dieser Roman von Blanca Imboden in erster Linie Frauenunterhaltung, aber ich habe das Buch dennoch gerne gelesen und das liegt in erster Linie an der sympathischen Hauptfigur Judith Flury, deren Gedanken den Plot bestimmen.
Sie ist Bähnlerin bei einer Seilbahn in der Schweiz. Diese Szenen haben mir besonders viel Spaß gemacht.
Judith träumt auch schon seit langer Zeit von einem Besuch in Paris und lernt fleißig Französisch. Aber es dauert lange, bis sie tatsächlich Paris erreicht. Es bleibt in erster Linie ein Stanserhorn-Roman.
Man muss es nicht bereuen, diesen Roman gelesen zu haben. Er wirkt entspannend und ist manchmal amüsant, manchmal auch nachdenklich.
Elsa, die Waldkuh
Paris von Blanca Imboden
Elsa büxt aus
Text: Christiane Wittenburg, Illustration: Linda Mieleck
Die Geschichte einer Kuh, die von der Weide mit einem Transporter abtransportiert wird, vermutlich in den Schlachthof.
In einem unbeobachteten Moment büxt sie aus und flüchtet in den Wald.
Hier lässt es sich leben und sie begegnet anderen Tieren, wie einem Eichhörnchen und einem Fuchs, einem Wildschwein und Hirschen sowie weiteren Arten.
Aber der Weg zur Waldkuh ist auch kein leichter und ihr fehlen die anderen Kühe.
Das Buch zeichnet sich durch feine Illustrationen und einem empathischen Erzählton aus. Das ergibt ein wunderbares Kinderbuch.
Mord in der sixtinischen Kapelle
Höllenkind von Veit Etzold
Höllenkind von Veit Etzold setzt an den Geschehnissen des Vorgängers Blutgott an und das heißt, die Stimmung der Ermittler des LKA ist eher geknickt. Das betrifft besonders Patopsychologin Clara Vidalis, die beurlaubt wird.
Das Buch trägt deutliche Züge einer langjährigen Reihe, im positiven wie negativen.
Da hilft es, dass es in Höllenkind die Hauptfigur nach Italien verschlägt, wo sie eigentlich Urlaub machen wollte, dann aber für den Vatikan ermittelt.
Dort wurde eine Braut in der sixtinischen Kapelle vergiftet.
In Kapitel 8 sind Clara und und ihre Kollegin Sophie in Florenz. Eine Stadt, die ich sehr schätze. Daher mochte ich die Beschreibungen der Geschichten der Stadt. Doch schon bald geht es naxch Rom.
Auch Profiler Dr. Martin „MacDeath“ Friedrich wirkt natürlich wieder in den Passagen in Berlin mit und doziert reichlich über Serienmörder.
Ein grausamer Nebenplot handelt von der entführten Beatrice und man hat das Gefühl, der Autor ergötzt sich geradezu an den Qualen.
Eine gewisse Gefühllosigkeit erkenne ich aber auch bei den Ermittlern, bei denen alles nru Routine zu sein scheint.
Insgesamt gesehen kein erbauliches Buch,aber die guten Hauptfiguren reißen einiges raus und ich fand das Buch etwas besser als den Vorgänger Blutgott.
sensibel erzählt
Immer noch wach von Fabian Neidhardt
Ein sensibel erzähltes Buch über einen 30jährigen Mann, der Magenkrebs hat. Es wird konsequent aus seiner Sicht geschildert und meiner Meinung gerade deswegen so wirkungsvoll. Fabian Neidhardt schreibt wirklich großartig und zeigt die Empfindungen seine Protagonisten Alex nachvollziehbar.
Schon Alex Vater hatte Magenkrebs und starb daran.
Daher verweigert sich Alex jeglicher Therapie und zeiht sich in ein Hospiz zurück.
Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblicke auf Alex früheres Leben mit seinem Kumpel Bene, mit dem er gemeinsam ein Cafe in Stuttgart eröffnete und seiner Freundin Lisa. Die tiefen Beziehungen werden eindringlich gezeigt.
Ich schätze den Stil von Fabian Neidhardt, der sich durch Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit und besonders eine hohe Dichtheit auszeichnet.










