Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
lesenswert
Wolfgang Niedecken über Bob Dylan von Wolfgang Niedecken
Die Bände aus KiWis Musikbibiothek finde ich generell stark, manche sogar genial. Wolfgang Niedeckens Text gehört dazu. Seit Jahrzehnten auf den Spuren von Bob Dylan wurde er von ihm musikalisch beeinflusst, hat ihn auch gecovert und hat dessen Chronicles als Hörbuch eingelesen. Er ist also wirklich ein wissender, was das Phänomen Bob Dylan angeht.
Und jetzt dieses überaus lebendige Buch, was so viel über Musik und Stimmungen erzählt. Klar, das man als Leser beim Lesen von Songs von Dylan und Niedecken hin und her wechselte.
Weite Teile des Buches nehmen Beschreibungen der Reisen von Wolfgang Niedecken in den USA ein.
Dem verschlossenen Mysterium Bob Dylan kommt man nicht näher, dem offenen, warmherzigen Wolfgang Niedecken aber schon.
No more P-P-P-Poker Face!
Melanie Raabe über Lady Gaga von Melanie Raabe
Von Lady Gaga kenne ich als Oldtimer eigentlich wenig.
Aber da ich die KiWi-Musikbibliothek inzwischen schon ein wenig kenne, weiß ich, was hier abgeht. Die Autorin Melanie Raabe schließt sich ihren Vorgängern der Reihe an und schreibt eigentlich in erster Linie über sich selbst.
Eine glückliche Kindheit als einzige Schwarze im Osten Deutschlands und nach der Wende ein schüchterner Teenager, schließlich Beginn als Journalistin und der Traum von Veröffentlichungen als Prosaautorin.
Ihr Traum ist vergleichbar mit den Botschaften der Songs von Lady Gaga. Es ist nicht unbedingt wegen dem Sound, sondern für das Gefühl.
Zu meiner eigenen Überraschung merke ich bei der Lektüre, dass ich einige Gaga-Songs doch kenne. Neben Pokerface zum Beispiel auch das grenzwertige Telephone und das abartige Born this Way. Schwere Beats im Dicso-Style!
Gaga, ooh-la-la
Want your bad romance
Was es heißt, Fan zu sein
Schlachthofromanze. Verliebt in Fury in the Slaughterhouse von Illi Hinzberg
Das Buch hat einen Stil und Ton eines Blogs, und die Autrin ist ja auch Bloggerin. Es wird also nicht gerade literarisch ausgefeilt geschrieben sondérn locker-flockig geht es darum, die Gefühlslage über das hier gewählte Thema auszudrücken. Es ist auch weniger direkt ein Buch über Fury in the Slaughterhouse, die erfolgreiche Rockband aus Hannover.
Vielmehr ist es eine treffende Beschreibung des Fan-seins, im positiven Sinne. Als das funktioniert es und ist unterhaltsam, oft auch albern bis witzig. Aber sie stellt die Band nicht direkt vor und analysiert nicht die Songs. Man sollte halt keine falscher Erwartungshaltung haben.
Fury in the Slaughterhouse sind glaube ich eine gute Wahl für dieses Buch, denn die Band hat viele zugängliche Songs ohne dass sie flach oder anspruchslos sind. Zudem kennt sie wohl fast jeder. Es macht auch Spaß, während des Lesens ihrer Musik zu lauschen.
Illi Hinzberg ist authentisch, das zeichnet das Buch aus.
Die blutigen Hände des Schlächters
Schlachthofromanze. Verliebt in Fury in the Slaughterhouse von Illi Hinzberg
Magie der Nacht ist eine feine Novelle mit einem emotional verletzten Protagonisten.
Bredanekh zog in den Krieg, bei der Heimkehr fand er seine Familie ermordet vor. Seitdem treibt den Magier die Rache umher.
Ich mag solch ambivalente Charaktere, die mit ihrem inneren Zustand kämpfen müssen und irgendwo zwischen verzweifelt und böse stehen.
Die Novelle hat einiges zu bieten, wirkt aber auch leicht überfrachtet.
Es ist eine mittelalterlich angehauchte Fantasywelt, die die Autorin Madeleine Puljic aufbaut. Es ist außerdem die Vorgeschichte zu einem größeren Werk.
lebhaft erzählter historischer Roman
Die Verlorenen von Stacey Halls
Der Roman Die Verlorenen von Stacey Halls schwelgt in der besonderen Zeit Mitte des 18.Jahrhunderts in London.
Der erste Teil zeigt die Armut und Notlage von der jungen Bess, die ihr neugeborenes Baby in ein Waisenhaus weggeben muss. Der Vater ist tot. Nach 6 Jahren will sie ihre Tochter zurückholen, erfährt aber, dass diese schon 1 Tag später wieder abgeholt wurde.
In Zweiten Teil ändert sich die Stimmung ein wenig. Unter falscher Identität wird sie Kindermädchen bei ihrer Tochter, die bei einer reichen Frau lebt. Auch ein erzählerischer Perspektivwechsel erfolgt, davon profitiert das Buch. Alexandra Callard lebt sehr zurückgezogen, sie ist eine zweite wichtige Figur, die die Handlung trägt.
Man bekommt von dem Buch, was zu erwarten war. Der Stil ist dicht und erzeugt lebhafte Bilder, fast wie ein großer Kinofilm.
Zwar ist es kein anspruchsvoller historischer Roman, aber er erzählt seine Geschichte konsequent. Außerdem steigert sich der Roman kontinuierlich.
Schlemmen in Hamburg und Palma
Ich dachte schon, du fragst mich nie von Gabriella Engelmann
Der Roman „Ich dachte schon, du fragst mich nie“ hat einige Besonderheiten, zum Beispiel zwei Schauplätze: Hamburg und Palma de Mallorca. Und er wird in wechselnden Kapiteln aus zwei Perspektiven geschildert. Sophie, die mit ihrer Tochter gerade das Lokal Livs eröffnen möchte und Marc, der sie dabei unterstützen wird, als sie Hilfe dringend benötigen.
Man verfolgt die Gedanken der Protagonisten. Das finde ich originell von Gabriella Engelmann gemacht, man muss sich aber mit einer gewissen Sprunghaftigkeit abfinden.
Ich mag es, dass die Handlung in der Restaurant-Branche angesiedelt ist, wobei kulinarische Beschreibungen relativ kurz kommen.
Die Ausgangssituation des Romans ist schon ein wenig arg konstruiert.
Dafür sind die Beschreibungen des chaotischen Familienlebens ganz lustig, z.B. auch mit Sophies Töchtern und ihrer Schwester Geli.
Auch die sich anbahnende Beziehung zwischen Sophie und Marc ist überzeugend. Sie spüren von Anfang an eine Anziehungskraft zwischen sich, aber es entstehen auch einige Missverständnisse.
Den Roman zeichnen Humor und Leichtigkeit aus.
Die Elemente einer Zeit
Das bist du von Ulrich Peltzer
Ulrich Peltzer entwirft in Das Bist Du eine Hommage an eine Zeit Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger, die ihn prägte. Musik, Film, Literatur dieser Zeit wird auf nahezu jeder Seite aufgeführt. Doch das ist nicht Namedropping sondern Programm. Tatsächlich können sie einen Menschen mit bestimmen.
Da ich jünger bin als Ulrich Peltzer haben mich all diese genannten Elemente nicht so stark geprägt wie spätere, aber sie sind mir ein Begriff und manches teile ich doch. Sie wirken auf mich. Daher sind die Erwähnungen dieser Zeitdokumente für mich wertvoll.
Außerdem kommt weiteres hinzu. Die Stadt Berlin, oft wechselnde Freundinnen des jungen Schriftstellers und seine ersten Schreibprojekte. Daher wird der Roman zwar kein spektakuläres, aber ein interessantes Werk.
Ein bewegtes Jahr
Hard Land von Benedict Wells
Sam, der Erzähler des Romans schildert von einem Jahr, das sein schönstes und sein schlimmstes war. Er war 15 Jahre alt und zum ersten mal verliebt, aber es ist auch die Zeit als seine lange krebskranke Mutter stirbt.
Er ist ein schüchterner, zurückhalten der Junge, ein Außenseiter. Erst durch Kirstie und ihrer Clique lebt er auf.
In mancher Hinsicht ist es ein typischer Coming-of-age-Roman. Aber die Krankheit der Mutter mit Gefahr von Rückfällen und Krankenhausaufenthalten bestimmt sein Leben stark Es ist die Angst vor schlechten Prognosen, dem schmerzhaften Verlust und dem langen Warten.
Der Roman wird stark von der Zeit der Handlung in den USA bestimmt. Es ist 1985. Eine Zeit bestimmt von Popmusik, Unterhaltungsfilmen wie Back to the Future und wilder Kleidung.
Eigentlich hat mir der Roman ganz gut gefallen und die Hauptfigur finde ich sehr glaubwürdig, besonders die Momente, bei denen es bei ihm emotional kippt. Aber bei manchen Versatzstücken merkt man manchmal, das Bendict Wells sich zu sehr an den klischeehaften Teenagerfilmen der achtziger Jahre orientiert hat.
Momente am See
Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger
Aus der Mitte des Sees ist ein ruhiges, sehr reflektierendes Buch, auf das man sich einlassen muss, sonst wird es zum Geduldspiel.
Der Mönch Lukas, ca. 39, ist der jüngste im Benedikterkloster.
Es gab noch Andreas, der jünger war und ein Freund, aber er hat das Kloster verlassen und eine Familie gegründet.
Es ist eine innere Zwiesprache, die Lukas hält. Zuerst mit Andreas, aber auch mit anderen, insbesondere mit Sarah, die zu Gast in der Umgebung ist.
Es gibt viele Passagen am See oder beim Schwimmen, die etwas meditatives haben, aber es gibt auch Gedankengänge von Lukas, bei denen man seine Unruhe spürt.
Moritz Heger besitzt eine bildreiche Sprache, die er entsprechend fein einzusetzen weiß. Für mich war das gerade in dieser Form sehr ansprechend.
Freundschaft mit schweren Stand
Was bisher geschah (und was niemals geschehen darf) von Orkun Ertener
Die Geschichte einer langjährigen Freundschaft und den Auswirkungen eines Unfalls.
Anfangs wirkt es fast wie ein Jugendroman, aber das liegt nur daran, dass die handelnden Figuren Finn, Paul und Khalill alles junge Männer sind.
Paul hat nach einem Unfall das Problem, das er Tag für Tag alles vergisst.
Dieses Thema wurde schon wiederholt in Literatur und Film verarbeitet.
Es wird im Verlaufe der Handlung ziemlich dramatisch, was mich teilweise irritierte.
Ich schätze an dem Roman das zeitgenössische. Die Figuren sind eigentlich gut gemacht, blieben mir aber leider mehr oder weniger fern und so ganz weiß ich am Ende nicht, was soll ich mit dem Leseergebnis anfangen. Vielleicht geht es anderen Lesern anders.










