Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Geschichten um Tiere
Rendezvous mit Tieren. Was sie uns erzählen können,Audio-CD von Andrea Camilleri
Andrea Camilleri, der große sizilianische Autor, war ein großer Tierfreund. In diesem Hörbuch versammeln sich eine Reihe quasi autobiografische Texte, die seine erstaunlichen Erlebnisse mit Tieren beschreiben. Es sind kurze Texte und entfalten sich deshalb episodisch und oft mit Pointe.
Ich mochte besonders die Geschichte über die beiden Vögel, ein Distelfink und ein sprechender Papagei sowie die Geschichte um den Kater Baron.
2 Begegnungen in Zoos zeugen davon, dass Camilleri Zoos nicht besonders mag.
Eine Episode dreht sich um das Verhältnis von Hunden und Katzen. Eine andere erzählt von Vipern und Igeln.
Die Geschichten sind abwechslungsreich.
Die Texte werden von dem Schauspieler Hans Löw gesprochen und das passt ganz gut.
Essays einer engagierten Autorin
Azadi heißt Freiheit von Arundhati Roy
Arundhati Roy ist die Autorin des Erfolgsroman Der Gott der kleinen Dinge. Sie ist auch eine wichtige Essayistin
und durch die Essays dieses Bandes lernt man viel über Indien kennen,
insbesondere durch den Blick von innen, wobei viele Beiträge international erschienen sind (Guardian, Financial Times, New York Times .
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und somit auch ein westliches Lesepublikum ansprechen.
Roys Themen sind politisch, plädieren für Demokratie und wenden sich häufig gegen den nationalistischen Premierminister Narenda Roy.
Nicht selten sind Roys Äußerungen ironisch, aber man spürt gerade bei den Covid 19-Essays eine Spur Verzweiflung.
Stets aber wird sie klar in ihren Aussagen und benennt mutig die Ungerechtigkeiten.
Die Epoche der Regency
Weihnachtsglück in Ivy Hill von Julie Klassen
Der Roman ist Teil der Ivy Hill-Reihe von Julie Klassen. Eine Reihe, die man als Trilogie eigentlich abgeschlossen ansah.
Die Handlung ist1822 in London angesiedelt.
Bei der leicht zynischen Hauptfigur musste ich zwangsläufig ein wenig an den Schauspieler Rupert Everett denken. Richard ist ein Dandy und ein eingefleischter Junggeselle, von sich eingenommen, aber nicht sehr arbeitsam und nicht selten spöttisch.
Die Dialoge sind daher sehr pointiert. Und er ist kein schlechter Kerl. Als Leser mag man ihn trotz seiner schlechten Eigenschaften. Die stolze Miss Arabella Awdry hingegen hat nicht viel für den Unverbesserlichen übrig, bis sie feststellt, wie er sich hingebungsvoll um einen Waisenjungen und um eine verwitwete Bekannte kümmert. Dabei sind seine Gefühle echt und ehrlich.
Es ist auch ein Buch über Veränderungen.
Es macht Spaß, einen Roman zu lesen, der mit Figuren arbeitet, die zwar nicht perfekt, aber umso echter wirken. Es ist außerdem beeindruckend, wie die Autorin es schafft, die Handlung im Verlaufe der Geschichte immer mehr zu verdichten und sogar ein paar Jane Austen-Verweise einzubauen.
ruhig und nachdenklich
Die Enkelin von Schlink Bernhard
Bernhard Schlinks Roman Die Enkelin ist ruhig und nachdenklich gehalten. Das liegt größtenteils an der Erzählform, die aus einem autobiografischen Bericht einer Frau besteht und deren Leben abbildet. Das beinhaltet eine Jugend in der DDR, jung bekommt sie ein Baby, das sie aber nicht behält. Später wird sie erst Goldschmiedin, Köchin, dann Autorin.
Dann steht für Birgit die Suche nach Paula, der Tochter, im Mittelpunkt.
Der ganze Bericht wird von Kaspar, ihrem Mann nach ihrem Tod gelesen. Das prägt den Text deutlich mit.
Im zweiten Teil übernimmt der Mann die Erzählstimme. Er reflektiert sein Leben mit der verstorbenen und macht sich jetzt selbst auf die Suche nach Birgits Tochter und findet dabei auf die Enkelin. Schockierenderweise trifft er dabei aber auch auf rechte Kreise. Einmal mehr thematisiert Bernhard Schlink politische Themen, die sich aus der deutschen Vergangenheit ergeben.
Bernhard Schlink ermöglicht es den Lesern, an den Gedanken und Emotionen der Figuren teilzunehmen und dadurch dicht an sie heranzukommen.
Auf große Fahrt
Mädchenmeuterei von Fuchs Kirsten
Auf große Fahrt
Man sollte sich bewusst sein, dass es einen Vorgängerroman namens Mädchenmeute gibt, der sogar den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen hatte. Aber es ist doch so, dass es beim neuen Roman einige Lücken geben kann, wenn man den ersten nicht gelesen hat. So ging es mir und einige Fragezeichen bleiben.
Der Roman beschreibt eine Clique von Mädchen, die aufgrund vorheriger gemeinsamer Erlebnisse eng miteinander verbunden sind. Schon das gut gestaltete Covermotiv strahlt diese Verbundenheit aus.
Aktuell sind sie aber erst einmal getrennt und sogar weit voneinander entfernt. Eine von ihnen, Bea, ist immer noch verschwunden und die Polizei sucht nach ihr.
Erzählt wird konsequent aus Sicht von Charlotte Nowak und sie ist eher zurückhaltend, überlegend und sensibel. Diese zögerliche Haltung kennzeichnet den Roman, aber nicht die Handlung, die mit der Zeit spektakulär wird und sie auf große Fahrt führt.
Für meinen Lesegeschmack hätte es durchaus etwas schneller gehen dürfen, womit ich nicht sagen will, dass der Roman tempolos sei, aber bis sich entscheidende Dinge entwickeln, das dauert. Die überlange Schiffsreise hätte man vielleicht etwas kürzen können. Manche Passagen sind kaum nachvollziehbar, vieles wirkt zu konstruiert.
Kirsten Fuchs hat einen Roman geschrieben, der Jugendliche vielleicht sehr viel bedeuten wird, aber auch erwachsene Leser ansprechen kann.
Von mir gibt es wegen oben erwähnten Einwänden 3,5 von 5 Sterne, aber das soll nicht unbedingt als schlechte Bewertung verstanden werden.
Kindheit
Hast du uns endlich gefunden von Edgar Selge
Die Erinnerungen des Schauspielers Edgar Selge beginnen1958, als er 10 Jahre alt war.
Er erzählt von seiner Kindheit. Ganz zentral im Blickpunkt stehen dabei seine Eltern, vor allen sein charismatischer Vater, ein Direktor eines Jugendgefängnisses, der sich sehr um seine jugendlichen Insassen kümmert.
Edgar Selge liest den Text selber ein und dadurch wird umso mehr die Sympathie spürbar, die er für seine Familie empfand, aber auch für das nicht immer brave Kind, das er war.
Klassische Musik ist in der Familie wichtig, auch für Edgar, aber mehr noch lebt er für das Schauspiel und er schildert viele Passagen als kleine Dramen und fast immer voller Witz.
Manchmal sind aber auch ernste Themen dabei, z.B. Edgars schwierige Beziehung zum Vater. Er wurde als Kind häufig vom Vater geschlagen wurde oder immer wieder die schwierige Vergangenheitsbewältigung.
Die sechziger Jahre werden spürbar.
Als Zuhörer ist man stark von den Episoden gefangengenommen.
Es sind Erinnerungen von Ausmaßen eines Marcel Proust, aber mit Tempo und sehr unterhaltsam. Die 8,5 Stunden Spieldauer des Hörbuchs vergehen wie im Flug.
autobiografisch
Welten auseinander von Julia Franck
Julia Franck konnte mich mit ihrem ausgezeichneten Roman Die Mittagsfrau sehr überzeugen. Danach wurde es etwas ruhiger um sie. Umso gespannter war ich auf das neue Buch. Allerdings ist Welten auseinander in meinen Augen kein Roman. Es sind mehr Erinnerungen, also vermutlich sehr autobiografisch und teilweise sehr detailliert.
Mich konnte das Leben der Julia sehr interessieren, insbesondere wenn ihre Gefühlswelt spürbar wurde. Literarisch war es etwas flach und konnte mich nicht so richtig begeistern. Trotzdem lesenswert!
Rassistisch motivierte Gewalt überleben
Schwarzes Herz von Jasmina Kuhnke
Schwarzes Herz von Jasmina Kuhnke ist ein krasses Buch. Da nützt auch die Triggerwarnung nicht.
Die Protagonistin ist eine junge Frau, die schon seit der Kindheit in einer Spirale von Gewalt. Der Stiefvater misshandelt sie, auch später der Partner.
Sie ist von schwarzer Hautfarbe, daher kommt noch eine Portion Rassismus hinzu.
Als Leser kann man das kaum aushalten und deswegen findet man auch nicht leicht Zugang.
Leider wurde auch die Autorin oft angefeindet und sogar massiv bedroht. Viele Kommentare, die man im Netz zu ihr und ihren Roman liest, sind abartig hasserfüllt.
Daher kann es problematisch sein, den Roman für sich zu bewerten. Mich hat der Roman literarisch nicht vollständig überzeugt. Auch weil er sprachlich so betont rüde und gnadenlos gestaltet ist.
Lange Zeit gibt es wenig Hoffnung für die Protagonistin, bis sie endlich lernt, sich zu wehren.
Niveauvoll
Constance von Patrick Mcgrath
Der Roman Constance erzählt von einer schwierigen Beziehung.
Der Engländer Sidney ist geschieden und hat einen kleinen Sohn. In New York trifft er die junge Constance, die psychisch unstabil wirkt und offenbar einen Vaterkomplex hat.
Sie heiraten, aber es kommt immer wieder zu Konflikten.
Patrick McGrath schreibt in einem dichten Stil und arbeitet die psychologischen Momente heraus.
Das ist sehr ordentlich gemacht.
Obwohl mich das Buch streckenweise auch nicht so ganz erreichte, kann man ein hohes Niveau attestieren.
Intensive Sprache
Grace - Vom Preisträger des Booker Prize 2023 ("Prophet Song") von Paul Lynch
Ein faszinierender, aber nahezu unerträglicher hoher Ton kennzeichnet und prägt den Roman Grace von Paul Lynch, der uns in das 19.Jahrhundert nach Irland führen. Es ist 1845, eine harte Zeit.
Die Hungersnot führt dazu, dass die junge Grace von ihrer Mutter als Junge gekleidet fortgetrieben wird.
Es wird ein Überlebenskampf.
Begleitet wird die vierzehnjährige Grace von ihrem Bruder Colly. Oder ist er als Halluzination nur in ihren Gedanken dabei, was ich fast vermute. Andererseits bestimmt Colly durch seine zupackende, direkte und unbestechliche Art die Handlung mit. Seine Stimme führt sie auf ihren schweren Weg.
Der Roman ist kein typisch historischer Roman.
Paul Lynch bringt die Kraft seiner eigenwilligen, bildgewaltigen Sprache ganz und gar ein und erzeugt damit einen lyrischen Ton und eine tiefe Intensität.











