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Rezensionen von yellowdog:

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Ein besonderer Zustand

Langeweile von Isabella Feimer

Langeweile ist ein Buch aus der wunderbaren Essay-Reihe Übermorgen,die bei K+S erscheint.

Langeweile kann ein schmerzhafter Zustand sein, den viele Menschen vermutlich aus der Kindheit kennen, wenn sie nicht spielen konnten. Und in der Pandemie hat sich dieser Zustand oftmals neu ergeben.
Unter Umständen kann Langeweile aber auch zu Kreativität führen.

Isabella Feimer nähert sich diesem Thema aus verschiedenen Richtungen an, vor allen nutzt sie viele Zitate und Quellen aus Philosophie,Literatur und Kunst wie auch Film.
Zu nennen sind u.a. Heidegger, Charles Baudelaire, Walter Benjamin, Kierkegaard, aber auch moderne Künstler.
Mich haben besonders die Prosa-Aufzeichnungen der amerikanischen Autorin Mary MacLane beeindruckt.

Sie verbindet das ganze, ergänzt eigene Gedanken und nutzt verschiedene Methoden. Das gestaltet sie auch sprachlich angemessen.

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Ein besonderer Zustand
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Eine israelische Familie

Wie man seine Tochter liebt von Hila Blum

Die israelische Schriftstellerin Hila Blum hat einen fesselnden und interessanten Roman über eine Mutter-Tochter-Beziehung geschrieben.
Das Buch wurde von Ruth Achlama aus dem Hebräischen übersetzt.

Es beginnt mit einer besonderen Szene: Eine Frau aus Israel, die Icherzählerin, sieht in Holland ihre erwachsene Tochter Lea.

Sie haben sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Doch sie nähert sich ihr nicht.
Das Geheimnis über das Ereignis, das zur Trennung führte, durchzieht den ganzen Roman.

Die Mutter erinnert sich dann an das Aufwachsen von Lea und das Familienleben.
Erst allmählich erfährt man mehr von dem was passiert ist und das hält die Spannung am Leben. Es wird zwar ruhig, aber mit großer Intensität erzählt.
Ich halte den Roman aufgrund dieser Schreibweise für sehr überzeugend und die Autorin ist für mich eine Entdeckung.

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Eine israelische Familie
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einnehmend erzählt

Erschütterung von Percival Everett

Percival Everett entwirft in seinem Roman Erschütterung das Bild eines eigentlich durchschnittliches Mannes, der an der Erkrankung seiner 12jährigen Tochter zu verzweifeln droht.
Erzählt wird durchgängig und konsequent aus seiner Perspektive, deshalb ist man als Leser dicht an der Figur dran.
Zunächst wird das Familien- und Berufsleben gezeigt.

Zach Wells ist Paläontologe und arbeite und unterrichtet an der Uni. Mit seiner Ehefrau lebt er eine zufriedenstellende, aber langweilige Ehe. Aber beide lieben ihre Tochter Sarah. Als diese eine seltene Krankheit bekommt, bringt das Zach in eine Krise.
Interessant sind auch die Szene an der Uni. Dort bewundert die Studentin Rachel ihn sehr und sucht seine Nähe.

Der Roman wurde aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl übersetzt und ich denke, es handelt sich um eine sprachlich gute Leistung von Autor und Übersetzer. Besonders die Dialoge sind gewitzt, aber vor allen die inneren Gedanken Zachs vermögen zu fesseln.
Zwischen den Kapiteln gibt es kurze paläontologische Notizen, die die Handlung immer wieder erden. Später verschwinden diese Zwischenstellen aber und die Handlung verdichtet sich immer mehr.

Es gibt auch einzelne Episoden, die herausragen, z.B. eine Szene in der Wüste mit den Studenten, bei der eine Bedrohung durch eine Klapperschlange und die Paris-Reise, die die Familie gemeinsam unternimmt. Im letzten Romandrittel gibt es Passagen in New Mexico.

Es ist ein interessanter Roman und ich hoffe, bald weitere Bücher von Percival Everett lesen zu können.

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Begegnungen

Tamons Geschichte von Seishu Hase

Tamons Geschichte - Roman einer Reise nach Süden ist episodenhaft aufgebaut.
Ich glaube, dass Buch ist deswegen so erfolgreich, weil er sprachlich leicht zugänglich ist und der Hund keine große Persönlichkeit hat. Das erlaubt den Menschen,die ihn begegnen, dasin ihn zu projizieren, was sie brauchen.

Das ist für eine demente Frau die Kindheit, für einen Gangster ist er ein Schutzgott. Tamon hat etwas geisterhaftes.
Aber Tamon hat auch ein Ziel und das liegt im Süden.

Den Roman kennzeichnen die Merkmale einer Fabel.
Es sind die Geschichten der Menschen,die wechselhaft Halt an Tamon finden und ihre schicksalshafte Lebenswendung ihm verdanken.

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Zustand der Perfektion

Tamons Geschichte von Seishu Hase

Für dieses Hörbuch habe ich mich aus 2 Gründen entschieden. Zum einen Anna Thalbach, die eine ganz besondere Sprecherin ist. Zum anderen der Handlungsort Hotel aus Sicht einer eingeweihten. Molly, the Maid ist ein Zimmermädchen mit Fähigkeiten,aber auch Einschränkungen. Diese werden im Buch nicht genau benannt, aber es scheint eine Form von Autismus zu sein.

Molly hat daher Schwierigkeiten mit dem sozialen Umfeld und sie versteht keine Ironie, aber sie hat einen hohen moralischen Kompass.

Ein Hotel als Schauplatz ist schon seit Arthur Haileys legendären Roman Hotel reizvoll. Für Molly ist ihr Arbeitsplatz alles. Als sie aber eines Morgens einen Hotelgast tot auffindet, wird sie des Mordes verdächtigt.

Die Sprecherin prägt die Figur mit, gerade weil alles aus Mollys Perspektive geschildert wird. Das führt auch dazu das man als Leser bzw. Zuhörer sofort für Molly eingenommen ist und sie gerne durch das Buch begleitet.

Nita Prose hat ein gutes Debüt vorgelegt.

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Kakophonie von Streitgesprächen

Tamons Geschichte von Seishu Hase

Yasmina Reza ist eine vielbeachtete Theaterautorin, daher sind auch bei ihren Romanen die Figuren das wichtigste. Hier sind es 3 erwachsene Geschwister einer französisch-jüdischen Familie.

Das ungekürzte Hörbuch geht 5 Stunden, 25 Minuten und wird von dem Film-und Theaterschauspieler Peter Jordan gesprochen.

Und seine Stimme passt gut zum lakonischen Icherzähler.
Der dialogbetonte Text hat eine Leichtigkeit, aber thematisch auch eine Schwere. Das mündet in eine Reise nach Auschwitz.Mit den Beschreibungen hatte ich so meine Probleme. Es wird eine andauernde Kakophonie von Streitgesprächen zwischen den Geschwistern.

Das Hörbuch hat mir etwas besser gefallen als Rezas früheres Buch Glücklich die Glücklichen.
Aber mehr als 3 von 5 Sterne kann ich nicht geben.

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Magna Opera der Worte

Manifesto. Warum ich niemals aufgebe. Ein inspirierendes Buch über den Lebensweg der ersten Schwarzen Booker-Prize-Gewinnerin und Bestseller-Autorin von »Mädchen, Frau etc.« von Bernardine Evaristo

Manifesto ist ein ausgezeichnet geschriebenes Memoir von Bernadine Evaristo, die seit dem Gewinn des Booker-Awards eine bekannte Schriftstellerin ist. Sie hat das Buch zeitlich strukturiert und es beginnt natürlich mit Kindheit und Jugend. Mit einer englischen Mutter und einem Vater, der aus Nigeria stammt, erlebt sie im England der sechziger Jahre Rassismus.

Diese Passagen sind beklemmend zu lesen, weil man (oder viele) das Ausmaß unterschätzen.

Man spürt auf allen Seiten, dass hier eine selbstbewusste, kluge Frau schreibt.
Sie ist auch geprägt von ihren Eltern, die aus der Working class stammen. Besonders mit ihrem cholerischen, strengen Vater setzt sie sich im ersten Abschnitt auseinander. Auch mit dem politischen Engagement ihrer Eltern.
Interessant dann auch, was die Autorin später an Themen erzählt: Beziehungen, Sexualität, Feminismus, Theater.
Dann kommt ein Abschnitt über ihrer Literatur, die Bücher die sie schon geschrieben hat und die meistens sind noch nicht in Deutsch veröffentlicht. Vieles hört sich sehr interessant an und man darf hoffen, dass es noch Übersetzungen geben wird.

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zeitgenössische Prosa, manchmal schwierig

Dschinns von Fatma Aydemir

Dschinns ist eine türkisch-deutsche Familiengeschichte mit eigenwilligem Stil.
Der Vater reiste in die Türkei und starb unerwartet.
Der jugendliche Sohn Ümit reist zusammen mit seinen Geschwistern Peri und Hakan sowie der Mutter in die Türkei.
Es wird viel aus der Gedankenwelt Ümits erzählt und das hebt eine Distanz auf.

Ümit ist in Deutschland aufgewachsen und entsprechend geprägt.
Mit Ümit als tragende Figur tat ich mich schwer. Ich lese ungern über naive, junge Männer. Ümit ist zwar sensibel, aber auch impulsiv.
In den nächste Buchteilen wechselt dann die Perspektive erst zu Sveda, einer weiteren Tochter und dann zu Peri. Deren nachdenkliche Gedankengänge sind schon interessanter.
Dann folgen noch die Kapitel mit Hakan (eher unangenehm) und Emine.

Fatma Aydemir ist die Autorin von Ellbogen. Ein Roman, der einiges an Aufsehen erregte und ich denke, bei Dschinns wird es ähnlich werden.
Ihre Prosa ist scharf und sehr zeitgenössisch. Lange habe ich mich gefragt, was ich mit der Handlung anfangen soll. Es führt mich nirgends hin. Es gibt durchaus Ansätze, aber mit einigen kann ich nicht so viel anfangen. Letztlich war es einfach nicht mein Buch.

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Erzählungen

Objekte des Begehrens von Clare Sestanovich

Objekte des Begehrens ist eine Sammlung von Erzählungen.

Clare Sestanovich ist eine New Yorker Autorin, die für den New Yorker arbeitet.Ihre Texte sind sehr zeitgemäß, es geht oft um Beziehungen.
Im Blickpunkt stehen meist junge, erfolgreiche Frauen.
Mir fällt auf, wie zurückhaltend auf der Oberfläche geschrieben wird, es aber fast unmerklich in die Tiefe gehen kann.

Ich mag die erste Story, in der eine Frau im Flugzeug ein Ehepaar kennen lernt.
Auch die Story „Brenda“ ist mir aufgefallen. Die Titelfigur leitet ein Seminar für kreatives Schreiben.

Die stärkste Erzählung ist meiner Meinung nach die Titelstory, in der die Beziehung eines Paares, Leonora und Jon beleuchtet wird. Leonora denkt aber auch noch an ihren Ex, der gerade als Politiker einen Erfolg hatte.

Der Band schließt mit einer ungewöhnlichen Geschichte namens Eingewöhnung, die in kurzer Form vom Leben einer Frau erzählt.

Die Texte folgen der Tradition von The New Yorker-Erzählungen, sind aber doch ganz im Heute verankert.
Nicht alles erreicht mich,aber eine durchgängige Qualität ist immer da.
Die Geschichten sind häufig nicht direkt abgeschlossen und führen den Leser nicht zwangsläufig irgendwohin sondern lassen am Ende Raum für eigene Gedanken. Das verursacht, das man noch lange an die Erzählungen denkt.

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Erzählungen
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Mit doppeltem Boden

Kelly-Briefe von Wolf Wondratschek

Seit Ullstein die ganzen Bücher von Wolf Wondratschek wieder veröffentlicht, gibt es viel Bemerkenswertes zu entdecken, z.B. diese kraftvollen Kelly-Briefe. Sie zeigen, wie leidenschaftlich Wolf Wondratschek erzählen kann.
Es ist ein Briefwechsel zwischen den Kontinenten Europa (Kelly) und USA (W.

), aber im Buch sind nur seine Briefe zu lesen. Kellys Briefe sind zwar abgedruckt, aber nur handgeschrieben und unleserlich dabei.
W. erzählt von seinem Aufenthalt in New York, seinem getriebenen Zustand und seine Zweifel, die in einem mentalen Zusammenbruch münden.
Er schreibt aus einer Psychiatrie, angeblich. Da wird sogar in Frage gestellt, ob nicht etwa er auch Kelly Briefe erfunden hat. Wondratschek schreibt natürlich mit doppeltem Boden!
Dann sind auch noch Geschichten in den langen Briefen enthalten, z.B. die über einen jungen Araber, der Gigolo wird, von einem jungen Mann in Wien, der Schriftsteller werden möchte oder von Tarisio, ein Tanzgeiger in Italien.

Obwohl W. sich in New York befindet, sind seine Gedanken oft in anderen Städten, z.B. Rom und immer wieder Wien.

In diesem Buch ist Wondratscheks spezifischer Ton in starkem Maße vorhanden.
Ein raffinierter Roman, ein kleiner literarischer Leckerbissen.

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Mit doppeltem Boden