Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
echt falsch
Rochade von Reinhard Tötschinger
Romane im Kunstmilieu sind interessant, besonders, wenn sie mit Humor versehen sind.
Reinhard Tötsingers Humor ist scharf und ironisch, gleichzeitig auch politisch.
Das zeitgenössische Österreich wird kritisch betrachtet.
Vermeers berühmtes Gemälde die Malkunst hat eine lange Geschichte hinter sich, dieser Roman fügt eine fiktive dazu.
Das Gemälde würde teilweise beschädigt und muss restauriert werden.
Der Restaurateur ist der icherzähler Clemens Hartmann. Er ist ein origineller Typ und es gibt einiges an Wortwitz.
Das entfaltet sich auch in inneren Dialogen mit Jan Vermeer, den Clemens sich als Gesprächspartner vorstellt.
Gelegentlich gibt es kurze Kapitel, die in der Vergangenheit angesiedelt sind. Das würde gut in den Plot integriert.
Die Handlung wird immer raffinierter.
Von mir gibt es für dieses originelle Buch gute vier Sterne.
Annäherung an einen Vorfall
Besichtigung eines Unglücks von Gert Loschütz
Gert Loschütz ist ein sorgfältiger Autor, der sich behutsam seinem Thema und der Zeit annähert. Dadurch wird er sehr glaubwürdig. Schon das dunkle Cover deutet an, das es um Einen düsteren Vorfall in einer schlimmen Zeit geht, ein Zugunfall mit vielen Tote und Verletzten.
Es wird der Unfallursache nachgespürt, auch, wie mit den Opfern umgegangen wurde sowie die jahrelangen Folgen.
Gert Loschütz überzeugt mit einer Romanstruktur in 5 Teilen und einem genauen Stil, der das Buch auch sprachlich auszeichnet.
Interessant auch die Rechercheleistung des heutigen Protagonisten, der zwar viel mit dem Autor gemein hat, aber nicht eins zu eins derselbe ist.
Porträt einer möglichen nahen Zukunft
Heimatsterben von Sarah Höflich
Heimatsterben ist besonderer Roman. Die Autorin Sarah Höflich kann schreiben.
In geraffter Form wird anfangs eine Familiengeschichte, beginnend mit der Flucht aus Schlesien bis hin zum Heute bzw. der nahen Zukunft erzählt.
Man ist sofort drin in dem dichten Plot mit den vielen gut ausgestalteten Figuren.
Im Mittelpunkt steht der Erfolg einer neurechten Partei, die stark an die AfD erinnert.
Der charismatische Felix von Altdorff als möglicher neuer deutscher Kanzler, seine Frau Trixie, deren Schwester Hanna und weitere.
Den Roman zeichnet einiges aus.
Geschickt gestalteter Plot, nachvollziehbare und glaubwürdige Figuren.
Ein sehr gelungenes Buch, das zum Nachdenken anregt.
Eine afrikanische Familiengeschichte
Mai bedeutet Wasser von Kayo Mpoyi
Eine afrikanische Familiengeschichte, erzählt aus der Perspektive eines Kindes. Es sind die späten Achtziger und Neunziger Jahre Adi ist zu Beginn des Buches ca.5 oder 6 Jahre alt, sie hat eine ältere Schwester, Dina und ihre jüngere Schwester Mai wird gerade geboren.
Adis neugieriger Blick bestimmt das Buch.
Die Familie ist in Tansania, stammt aber aus Zaire. Ein Land in dem es viele Unruhen gab.
Angereichert wird der Plot durch Geschichten und Mythen der Vergangenheit.
Kayo Mpoyi baut eine ganze Reihe von Thema schlüssig ineinandergreifend in den Roman ein, z.B. die Benachteiligungen von Frauen durch strenge Auslegung von Religion, Missbrauch und die Folgen des Kolonialismus auch noch Jahrzehnte später.
Auf den Spuren des Bruders
Schattenbruder von Iris Hannema
Schattenbruder ist ein melancholischer Jugendroman, in der junge Protagonistin den Unfalltod ihres Bruders nur schwer verkraftet. Er ist beim Tauchen ertrunken. Aber war es wirklich ein Unfall?
Sie reist nach Japan, wo er starb.
Es gibt hier viele detailreiche Beschreibungen, wie zunächst Tokyo und später Okinawa auf sie wirkt.
Iris Hannema vermittelt ein intensives Bild der Gefühlswelt ihrer Protagonisten.
ungewöhnlich
Schattenbruder von Iris Hannema
Camil Jammal liest diesen ungewöhnlichen Roman von Hervé Le Tellier, der trotz seinem gediegenen Plot preisgekrönt ist.
Der Sprecher liest ganz gut, wenn auch nicht so einprägsam. Seine Baritonstimme klingt jung.
Im Mittelpunkt steht ein Flugzeug und dessen Fluggästen in einem Flug über den Pazifik.
Der Autor Hervé Le Tellier hat sich viel Mühe mit der Romankosntruktion gegeben, aber es klingt teilweise auch ein wenig konstruiert und auf jeden Fall überfrachtet.
Ich fand das Hörbuch nicht schlecht, aber leicht überbewertet und die Figuren manchmal etws stereotyp.
Das ungekürzte Hörbuch geht gute 10 Stunden und hat dabei ein ordentliches Tempo und viele Figuren.
Martins Weg
Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte
Der 11jährige Martin lebt irgendwann im Mittelalter ärmlich in einem Dorf. Er ist Waise, offenbar hat der Vater die ganze Familie umgebracht und nur Martin überlebte. Den abergläubischen Dorfbewohnern ist der Junge unheimlich, da er ständig einen schwarzen Hahn mit sich trägt.
Als Leser ist man durch die wunderbare Sprache der Autorin Stefanie von Schulte sofort in die Geschichte eingesogen und man folgt dem klugen Martin gerne durch den Roman.
Man ist aber auch wütend auf die rückständigen Dorfbewohner, die Martin schlecht behandeln und ihn als billige Arbeitskraft ausnutzen. Schließlich zieht Martin mit einem herumziehenden Maler mit, doch die Zeiten werden schlechter. Zudem werden häufig kleine Kinder in der Umgebung entführt.
Martin ist nur ein Junge, aber durch seinen Anstand und Mut fühlt er sich verpflichtet, etwas dagegen zu tun.
Natürlich ist Martin eine überhöhte Figur, aber das ist Programm in diesem Buch. Der schwarze Hahn ist möglicherweise ein Symbol für sein Schicksal, das er tragen muss, dass ihm aber auch Kraft verleiht.
Mich erinnert der Roman an Charles Lewinskys Buch Der Halbbart aus dem letzten Jahr. Er hat ähnliche Qualitäten.
Begegnung zweier Schriftsteller
Die schiere Wahrheit von Ursula Hasler Roumois
Ein origineller Einfall, zwei reale Schriftsteller zu fiktionalen Figuren in einem Roman zu machen. Georges Simenon und Friedrich Glauser waren zwei wichtige Schriftsteller von Kriminalromanen und beide hatten sie große Serienhelden. Bei Simenon war das natürlich Maigret und bei Glauser sein Wachtmeister Studer.
Simenon und Glauser sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Ob sie in der Realität wirklich so schnell zueinander gefunden hätten, dass sie sogar einen Kriminalroman zusammen schreiben, glaube ich eigentlich nicht.
Doch die Schweizer Schriftstellerin Ursula Hasler lässt es geschehen und so wechseln die Kapitel zwischen den Gesprächen der beiden Schriftsteller und der Handlung des fiktiven Romans.
Da wirkt Maigret aber nicht mit, stattdessen wird eine neue Hauptfigur geschaffen, die neugierige Krankenschwester Amelie Morel. Sie unterstützt Wachtmeister Studer bei einem Mordfall.
Mich beeindrucken besonders die Passagen, in denen gezeigt wird, wie ein Roman gestaltet werden kann. Auch wo dabei Probleme liegen und welche Möglichkeiten es gibt. Und natürlich die Szenen, in denen Glauser und Simenons charakterliche Unterschiede zur Geltung kommen. Simenon ist immer sehr selbstsicher, Glauser eher schüchtern. Dennoch haben sie auch Gemeinsamkeiten.
Fazit: ein geschickt gemachter Roman!
Das Leben von Marco Carrera
Der Kolibri von Sandro Veronesi
Der Roman Der Kolibri erzählt in nicht chronologischer Reihenfolge das gesamte Leben eines Mannes.
Der Florenzer Marco Carrera hatte als ein Kind eine Wachstumstörung, weswegen seine Mutter ihn aufgrund der geringen Größe und Feingliedrigkeit Kolibri nannte.
Mit einer Hormonhandlung wurde er geheilt und wurde später Augenarzt.
Die Liebe zu Luisa ist ein wichtiger Teil seines Lebens, obwohl sie sich nur sehr selten sahen.
Der italienische Autor Sandro Veronesi nutzt die verschachtelte Erzählmethode auf originelle Weise, er reicherte sie an mit irrwitzigen Dialgen und mit diversen Briefen von oder an Marco.
Es ist auch ein Familienroman, denn die Geschichten seiner Eltern und Geschwister und seiner Tochter werden auch erzählt.Und der Familie bleiben einige Tragödien nicht erspart.
Sandro Veronesi erzählt detailverliebt und verspielt, aber auch sehr genau und sprachlich ansprechend.
Der Roman wurde von Michael von Killisch-Horn übersetzt und ich habe das Gefühl, dass die sprachlichen Eigenheiten Sandro Veronesis dabei erhalten blieben.
Der Graf des Tennis
Julius oder die Schönheit des Spiels von Tom Saller
Julius oder Die Schönheit des Spiels stellt den Tennissport in den Mittelpunkt, aber eigentlich geht es um noch mehr. Um Haltung und Einstellung im Leben.
So ist der Tennisspieler Julius von Berg ein sensibler Mensch, der vom Zeitgeschehen in den zwanziger und dreißiger Jahren erfasst wird.
Tom Saller arbeitet diesen Charakter gründlich aus.
Dabei ist es gut zu wissen, dass Julius auf eine reale Persönlichkeit, dem Tennisbaron Gottfried von Cramm basiert.
Es ist interessant Julius Leben von Jugend an zu verfolgen, ergänzt werden diese Passagen durch die Perspektive eines alten Mannes 1984 und kurzen Passagen mit Julius im Gefängnis Tegel im Jahr 1938.
Das ist alles sehr geschickt von Tom Saller verbunden und erzählt im letzten Romanviertel vom vielleicht besten Tennisspiel der Welt im Daviscup.
Außerdem legt er wie in seinen vorherigen Romanen Wert auf stilistische Eleganz.










