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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

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Prosa wie ein Gedicht

Am laufenden Band von Joseph Ponthus

Dieser autobiografische wie literarische Bericht ist aufgrund von mehreren Aspekten bemerkenswert.
Zum einen zeigt er einen Ablauf in einer Fabrik und was ein Arbeiter dabei empfindet.
Zwar ist der intellektuelle Joseph Ponthus vielleicht nicht gerade der typische Fabrikarbeiter. Andere, die sich nie außerhalb dieser Branche gewesen sind, reflektieren vermutlich anders, aber immerhin.

Und dann bereichern seine Reflektionen das Buch über das eigentliche Thema hinaus.
Zum anderen ist der Stil des Buches außergewöhnlich und wirklich faszinierend. Es hat die Form eines Prosagedichtes, bleibt aber durchgängig gut lesbar.
Leider ist der Autor dieses Jahr gestorben, mit nur 42 Jahren an Krebs. Was er ansonsten literarisch noch erschaffen hätte, wäre überaus interessant gewesen.

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Prosa wie ein Gedicht
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Die Sage

Die Nibelungen von Felicitas Hoppe

Ein deutscher Stummfilm ist der Untertitel, dabei ist doch Felicitas Hoppes überbordene Erzählstimme vorherrschend. Die bekannten Teile der Sage werden durch die Aufführung des Stoffes im Heute nacherzählt, doch es ist nicht die Handlung sondern Ton und Stimmung, die Hoppe erzeugt.

Dem entgegen steht, dass Siegfried, Brunhild, Hagen und andere aus meiner Sicht kaum zu eigenständigen, lebendigen Figuren werden und nicht wirklich Profil erlangen.

Das Buch stand auf der Longlist des deutschen Buchpreises. Das ist für mich okay, aber auch, dass es für die Short List nicht reichte.

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Die Sage
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Die Welt unter Wasser

Florian, der Karpfen von Siegfried Lenz

Einen bisher noch unveröffentlichten Text von Siegfried Lenz zu veröffentlichen ist löblich, aber man musste noch ein paar andere Texte und ein Vorwort sowie ein Nachwort dazunehmen, um gerade so ein Buch daraus zu machen.
Der Haupttext ist Florian, der Karpfen. Ein Märchen! Ich halte es für Kinder von heute für ungeeignet.

Als Erwachsener Leser hatte ich auch nicht so richtig Zugang, obwohl einige Figuren doch putzig sind. Zum Beispiel der Krebs Hans von Zwickau oder das Brassenmädchen Rosa.
Schließlich gab das wirklich gut gemachte Nachwort einige Erläuterungen,, die auf interessante Themen hinweisen.

Mit Die Fische gibt es dann sogar ein Gedicht, Außerdem eine Festrede

Es dürfte ein Buch für echte Lenz-Fans und für am Maritimen und Tauchen Interessierte sein, aber vielleicht gibt es ja noch mal eine Veröffentlichung von noch unveröffentlichten Lenz-Erzählungen mit mehr Substanz.

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Die Welt unter Wasser
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Der Debütroman

Deadline von Bov Bjerg

Der Roman erschien erstmals 2008. Es geht um Paula, Übersetzerin, übergewichtig, Ende 30, lebt in ihrer Wahlheimat, den USA.
Sie kehrt kurzzeitig aufgrund dem Grab ihres Vaters und der Krankheit ihrer Mutter nach Deutschland zurück und nimmt ein anderes Lebensgefühl wahr, das zeigt sich durch ein anderes Tempo, denn in den USA muss immer alles schnell gehen.

Immer wieder werden Merkmale der Zeit (im Jahr 2005) genannt. Auch das prägt das Buch.

Wahrnehmung steht im Vordergrund und Bov Bjerg findet die Sprache dafür, dem Ausdruck zu geben. Damit verbunden ist leicht kühle und etwas schwermütige Stimmung.

Bemerkenswert auch das Nachwort von Kanon-Verlag-GründerGunnar Cynybulk, das er aktuell für diese neue Buchausgabe geschrieben hat.

Vergleicht man Deadline mit Bov Bjergs letzten Roman Serpentinen, sieht man, dass er sich weiterentwickelt hat. Aber sein einmaliger Stil ist auch schon in Deadline in ausgeprägter Form vorhanden.

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Der Debütroman
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Let love flow like a river

Identitti von Mithu Sanyal

Zuerst wollte ich den Roman nicht lesen, weil ich befürchtete, dass er sich zu plakativ an die Themen des MeToo und Persons of Color hängt.
Doch als der Roman immer mehr Aufmerksamkeit und positive Stimmen bekam und sogar für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, habe ich doch zum Buch gegriffen.

Und tatsächlich ist der Roman gut geschrieben, empathisch in der Figurendarstellung und oft auch witzig.
Die Vorfälle um den Skandal um eine Professorin Saraswati und ihrer kulturellen Aneignung werden von der Studentin Nivedita beobachtet. Als Leser ist man dicht an ihr dran. Sie hat einen deutschen Vater und eine indische Mutter.
Die Sozialen Medien und was sie in Bewegung setzen können, werden in diesem Buch ziemlich genau dargestellt.
Ein rasantes Buch!

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Let love flow like a river
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Geheimnis auf der Hebrideninsel

Kurz vor dem Vergessen von Alice Zeniter

2 Jahre nach dem Erfolgsroman Die Kunst zu verlieren ist jetzt ein älterer Roman von Alice Zeniter erschienen, der ganz anders konzipiert ist, aber auch ein hohes Niveau hat. Originaltitel ist Juste avant l'oubli, Übersetzerin des Romans ist Yvonne Eglinger.
Das Buch behandelt das Verschwinden eines Schriftstellers und der schwierigen Beziehung eines ungleichen Paares.

Franck ist Krankenpfleger und er ist an einem Zeitpunkt im Leben, in dem er einen Kinderwunsch hat. Seine Freundin Emilie hingegen will ihre Doktorarbeit über einen verschollenen Kriminalschriftsteller machen und befindet sich auf einer Insel namens Mirhalay. Hier hat der Autor Galwin Donnell gelebt und sein Werk erreichte Kultstatus.
Diese Insel ist vermutlich fiktiv, kann aber anderen Hebrideninseln entsprechen.
Es ist auf jeden Fall ein faszinierender Schauplatz und Alice Zeniter nutzt das für bemerkenswerte Beschreibungen.

Beeindruckt hat mich auch, wie Alice Zeniter mit Galvin Donnell einen fiktiven Schriftsteller und sein ganzes Werk so glaubhaft erschafft.

Der Roman funktioniert stilistisch und von den Ideen, aber besonders in der Darstellung einer Beziehung in der Krise.

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Johanna brennt

1431 von Sophie Reyer

Sophie Reyer nutzt die Geschichte von Johanna, der Jungfrau von Orleans, um tief in eine Zeit abzutauchen und sich in einen sprachlichen Rausch zu begeben.
1431 ist das Jahr, in dem Jeanne d‘Arc verbrannt wurde.

Der Roman hat einige Rückblenden. So wird beispielsweise Johanna auch als aufgewecktes Kind mit ersten Visionen gezeigt und wie sie später als junge Frau in den Krieg zieht.

Sophie Reyer zeigt Johanna wie sie brennt und wütet.
Der Hauptstrang zeigt sie aber in Gefangenschaft, beobachtet von Nicolas Loyseleur, ihren angeblichen Beichtvater Seine Gedanke über Johanna nehmen auch viel Raum ein..

Schon oft wurde der Stoff verarbeitet, Sophie Reyer fügt ihm keine neuen Akzente zu. Aber sie nutzt ihn, um ein Sprachfest zu feiern.

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Unaufgearbeitete Vergangenheit

Die Dorfchronik von Reinhard Großmann

Der Roman hat ein interessantes Thema. Ein Lehrer schreibt eine Chronik des Dorfes in dem er lebt.
Im Dorf Ebersfall gibt es aber aktuell Konflikte, ob es in einer anderen Gemeinde eingegliedert werden soll und es gibt Streit über ein Grab eines Deserteurs, der im Krieg hingerichtet wurde.
Der Lehrer steht da zwischen den Stühlen.

Eigentlich ist er ein gut gemachter Protagonist der Geschichte, doch wundere ich mich, dass er sich so relativ gelassen verhalten kann, fast distanziert, dabei ist er doch Teil der Gemeinschaft. Doch vielleicht kann er gerade durch diese unabhängige Haltung dem Fall der Vergangenheit besser und objektiver nachforschen.
Ein Nebenplot behandelt das Eheproblem des Lehrers, der von seiner rFrau verlassen wurde, die dann jedoch im Verlaufe der Handlung zurückkehrt. Spannend, ob sie sich wieder zusammenraufen.
Dann gibt es noch den Bruder einer Nachbarin, der nach langer Zeit in Nordwestafrika zurückkehrtt und offenbar ein Geheimnis hat.

Im Großen und Ganzen hat mich dieser Roman deutlich mehr überzeugen können als Reinhard Großmanns letztes Buch „Wir dazwischen“, das eher lahm war.
Durch die Kürze bleibt der leicht überfrachtete Roman aber hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Dennoch kann beeindrucken, dass der 1934 geborene Autor Reinhard Großmann relevante Themen, wie Erinnerungskultur aufgreift und literarisch verdichtet.

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Die Abenteurerin

Sehnsucht nach Shanghai von Luo Lingyuan

Von Luo Lingyuan sind schon mehrere Bücher erschienen. Ich habe sie erst jetzt entdeckt und es genossen, ihren Roman Sehnsucht nach Shanghai zu lesen. Das Buch ist eine Romanbiografie und hat Atmosphäre.

1935 ist Shanghai für die Amerikaner und andere Ausländer durchaus ein reizvoller Ort, an dem die höhergestellte reiche Gesellschaft es sich gut gehen lässt.

Auch die Amerikanische Journalistin Emily Hahn fügt sich da zusammen mit ihrer Schwester schnell ein. Sie verliebt sich in den Chinesen Shao Sinmay, der Verleger ist.

Interessant an dem Buch ist, dass es Emily Hahn wirklich gab. Sie lebte von 1905 bis1997, schrieb für das Magazin The New Yorker und war wirklich von 1935 bis 1943 in Shanghai. Mit ihren Biografien und Reportagen über China wurde sie berühmt. Sie war auch z.B. mit Vicky Baum bekannt.
Auch andere Figuren wie Shao Sinmay und den Millionär Sir Victor Saasson gab es wirklich.

Ich glaube, dass Luo Lingyuan dem Leben in dieser Zeit wirklichkeitsnah folgte und damit ein Porträt von einem Teil von Shanghai dieser Zeit schuf.
Shanghai war damals eine Weltstadt, die auch viele jüdische Flüchtlinge aufnahm.
Aber die Lage in China brodelte und 1937 griff die Japanische Armee Shanghai an.

Luo Lingyuan schreibt detailliert und mitreißend über die Ereignisse.

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Die Lichtung im Wald

Mama von Jessica Lind

Der Wald als Schauplatz der Handlung ist entscheidend für die bedrohliche Atmosphäre, die sich im Jessica Linds Roman Mama immer mehr und mehr entwickelt.

Das Paar Amira und Josef fahren in die Waldhütte, die zu Josefs Kindheit gehörte. Sein Vater ist im Wald ums Leben gekommen, dennoch hängt Josef an dieser Gegend.

Die Erzählperspektive wird aber von Amira bestimmt.
Sie und Josef haben einen Kinderwunsch und bekommen auch ein Baby, Louisa. Und als sie ca. 3 Jahre später zurück in die Hütte kommen, spürt Amira immer mehr eine Bedrohung. Durch einen mysteriösen fremden Wanderer, durch eine wilde Hündin, die im Wald herumstreift und in der Angst um ihr Kind. Als Leser hat man aber auch Angst, dass Amira selbst, von ihren irrationalen Gefühlen bestimmt, sich zu einer Tat hinreißen lässt. Doch der Verlauf der Handlung lässt viel Interpretationsspielraum und mehrere Erklärungsansätze, ohne das alles aufgeklärt wird.

Wie die Autorin die Romanhandlung mit sparsamen Mitteln immer mehr verdichtet und durch psychologische Momente beklemmende Stimmungen entstehen lässt, ist geschickt und wirkungsvoll gemacht. Ein großartiges Debüt.

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Die Lichtung im Wald