Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Das Jahr der Challenger
Die Nelsons greifen nach den Sternen von Erin Entrada Kelly
Die vielfach preisgekrönte amerikanische Schriftstellerin Erin Entrada Kelly hat mit „Die Nelsons greifen nach den Sternen“ (Originaltitel We Dream of Space) einen Roman um 3 Geschwister geschrieben. Das sind die Zwillinge Fitch und Bird und der 1 Jahr ältere Cash. Die Perspektiven wechselt in den Kapiteln zwischen diesen dreien und da sie teilweise sehr unterschiedliche Charaktere sind, spürt man auch erzählerisch Unterschiede in den Kapiteln.
Der Zeitpunkt 1986 ist auch wichtig für die Handlung. Die Zeit prägt auch die Kinder. Damals war die Raumfahrt ein großes Thema. Das wird in die Challenger-Unglück münden. Dabei wird auch die Astronautin Judith Resnick sterben, die Bird als Vorbild so sehr bewundert.
Das Wissen um die Katastrophe, die kommen wird, beeinflusst den Leser während die Kinder noch nichts davon wissen. Das erzeugt eine gewisse Beklemmung.
Der Plot hat viele gute Ansätze und das Buch Qualität, aber sprachlich hat mich der Roman nicht ganz überzeugt.
Bürger der Freistaaten
Zum Paradies von Hanya Yanagihara
Hanya Yanagihara entwirft eine Alternativwelt. Das Buch hat drei Teile. Der erste Teil heißt Washington Square und spielt sich im neunzehnten Jahrhundert ab. Man begegnet einem anderen USA mit einer anderen Gesellschaftsform.
Das ist ziemlich interessant, da es neue Gedankengänge beim Leser auslöst.
Außerdem fällt auf, welch sensible Figuren die Autorin aufbaut. Das trifft schon auf die erste Hauptfigur David Bingham in hohem Masse zu. Es mündet in eine Liebesbeziehung zwischen David und Edward. Auch die Ich-Stimme im dritten Buch ist eine emotionale Figur, aber sie alle sind auch verschlossen.
Stilistisch arbeitet Yanagihara in diesem ersten Abschnitt viel mit Briefen und das funktioniert gut um eine Stimmung der Zeit zu erzeugen.
Der etwas langweilige Teil 2 handelt 1993. Mit Buch 3 kommen wir dann in der Zukunft an. Dies ist der längste Teil.
Die Namen der Figuren ziehen sich durch alle Teile aber es sind nicht dieselben. Das scheint eine Art Rollenspiel zu sein, das bei mir nicht verfängt.
Obwohl zum Paradies ein ambitioniertes Buch ist, würde ich es nicht gleich als Meisterwerk einstufen. Es hat Überlänge,teilweise bleibe ich ratlos, was ich damit anfangen soll. Mein Interesse jedenfalls konnte nicht über den ganzen Umfang gehalten werden und ich verbleibe bei 3,5 von 5 Sternen.
Tiergarten in Zeiten des Krieges
Die Frauen von Schönbrunn von Beate Maly
In Die Frauen von Schönbrunn bringt Beate Maly ihren angenehmen, geschmeidigen und ansprechenden Stil zur Geltung wie sie es schon seit Die Hebamme von Wien getan hat.
Über den Titel wundere ich mich, denn es geht hauptsächlich nur um eine Frau: Emma, die gerne Tierärztin werden möchte, aber die sind in Wien 1914 noch nicht zugelassen.
So arbeitet sie als Tierpflegerin im Tiergarten Schönbrunns,
Es ist die Zeit zwischen 1914 und 1918, also der erste Weltkrieg. Verletzt kehrt dort der Tierarzt Julius zurück.
Julius ist von Kriegserlebnisse schwer mitgenommen. Doch er lebt auf, als er Emmas Engagement für die Tiere miterlebt.
Der Untertitel "Ein Leben für das Wohl der Tiere" ist zutreffend.
Der Roman schafft es, die Stimmung der Zivilbevölkerung während des Krieges zu zeigen. Dazu gehören Verluste und Hunger. Auch für die Tiere ist wenig da. Eine harte Zeit. Ich zweifle nicht daran, dass die Menschen und Tiere viel leiden mussten.
Aber es ist dennoch ein packender Roman, da er so mitfühlend geschrieben ist umd zwei so liebenswerte Hauptfiguren hat. Es ist zu begrüßen, dass die Schönbrunn-Saga nächstes Jahr fortgesetzt wird.
Die zeit der Motte
Misfits von Michaela Coel
Misfits ist zwar kein Roman, aber doch erzählend gestaltet. Außerdem ist es sehr autobiografisch.
Das Buch ist zwar seitenmäßig relativ kurz, aber so ökonomisch geschrieben, dass dennoch viel mitgeteilt wird.
Diese Form ist logisch, denn das Herstück des Bucches entspricht einer Rede, die Michaela Coel in Edinburgh gehalten.
Ergänzt wird die Rede durch eine Einleitung und einen Epilog.
Anfangs gibt es gut gemachte Passagen über Michaelas Kundheit und Jugend. Sie wuch als einziges schwarzes Mädchen in einer weißen Gegend auf und wurde mit Rassismus konfrontiert.
Sie erzählt das so,
Lady Astronaut
Misfits von Michaela Coel
Mary Robinette Kowals Roman Die Berechung der Sterne ist vielfach preisgekrönt, obwohl er eher konventionell erzählt ist.
Es ist ein Alternativwelr-Roman, in dem 1952 ein Meteorit in den USA einschlägt und Veränderungen wie z.B. Klimaveränderungen bewirkt. Viele Menschen starben.
Die USA wird ambitioniert und schneller bereit für Reisen in den Weltraum und Frauen als Astronautinnen werden eingesetzt.
Hauptfigur ist die zurückhaltende, aber brillante Physikerin Elma York, die ihren Weg zur Astronatin gestaltet. Aber unter Widerständen, denn es sind die fünfziger Jahre und Frauen wird nicht viel zugetraut.
Diese Zeit hat die Autorin in Ansätzen sichtbar gemacht. Manchmal wirkte es auch konstruiert, dennoch glaubhaft.
Immerhin unterstützt ihr loyaler Ehemann sie.
Elma ist eine gute Figur, manche der Nerbenfiguren bleiben leider Staffage.
Als Nebenfigur taucht einmal in einer kurzen Episode Wernher von Braun auf, mit dem Elma zusammenarbeiten muss. Für sie als jüdische Amerikanerin durchaus ein Problem.
Solche Passagen sind dann doch etwas besonderes.
Die technischen Weiterentwicklungen auf dem Weg in den Weltraum werden meistens nur in einem jeweilss kurzen Vorspann vor den Kapiteln angedeutet. aber das funktioniert ganz gut.
Der Roman ist eigentlich ganz gut lesbar, dennoch bin ich mehrfach in Stocken geraten.
Die Stärke des Romans ist die glaubhafte Entwicklung der Hauptfigur. Manchmal hätte ich mir mehr Tempo und ein paar Brüche gewünscht und daher konnte mich der Plot mit seinen Längen aber auch nicht ganz überzeugen.
Doch die Handlung ist breit angelegt auf 2 weitere Bände. Das relativiert diese Längen dann wieder.
Mal sehen, wann die Fortsetzung erscheinen wird.
Das Jahr 1942
Stalingrad von Wassili Grossman
Das Buch ist eine großartige Ausgabe eines Romans über den Krieg.
Der Autor Wassili Grossman schlägt zuerst einen sachlichen Ton an, aber schon bald schimmert eine gehörige Portion Ironie durch, wenn auch von der düsteren Sorte.
Grossmann lässt sich Zeit, den Leser einzuführen.Man lernt die handelnden Figuren und ihre Lebensbedingungen kennen.
Bedingungen, die sich durch den aufkommenden Krieg verändern werden.
Im finalen dritten Teil des Buches übernehmen die Kampfhandlungen die größte Rolle.
Grossman schreibt ausdrucksstark. Seine Beschreibungen sind detailliert.
Seine kritische Denkweise am sowjetischen System kommt aber in diesem im Original 1952 erstmals publizierten Roman thematisch bedingt noch nicht so stark zur Geltung wie in späteren seiner Werke. Dennoch ist auch schon dieser Roman große Literatur.
Es ist aber auch ein überlanger Roman der vom Leser manchmal viel Geduld fordert.
Absolut erwähnenswert an dieser Ausgabe sind das informative Vorwort von Jochen Hellbeck sowie das interessante Nachwort von Robert Chandler.
Sylter Coup
Geld oder Lebkuchen,5 Audio-CD von Dora Heldt
Dora Helds Humor ist speziell, manchmal deftig und übertrieben, gerade in den Dialogen, doch nicht ohne verschmitzte Empathie für die Menschen.
Die Figuren sind in der Regel überzeichnet, aber sie haben in ihrer Kuriosität ihre Menschlichkeit bewahrt. Ihre Gedankengänge sind aber eher simpel.
Gudrun und Ernst verbringen die Weihnachtszeit auf Sylt.
Die Idee von Ernst, aus Langeweile eine Bank zu überfallen, ist eigentlich fatal.
Aber der Untertitel lautet „Fast ein Krimi“ und das trifft u, den als Kriminalfall kann man das nicht ernst nehmen.
Stattdessen kann man sich über das Verhalten der Protagonisten und den Handlungsverlauf amüsieren.
Die Sprecherin Katja Danowski passt zum Buch.
Für Sisi-Fans
Sisi – Kaiserin wider Willen von Allison Pataki
Erstaunlich, dass eine amerikanischer Autorin einen Roman über Sisi schreibt. Es interessierte mich auch, ob die Journalistin Allison Pataki anderes recherchiert hat als in den bekannten Filmen mit Romy Schneider vorkommt.
Der Roman liest sich flüssig und führt den Leser mit einer kleinen Einleitung ins Habsburger Kaiserreich in die zweite Hälfte des 19.
Jahrhunderts.
Man trifft die bekannten Orte: Schloss Possenhoffen, Ishl, Schönbrunn etc.
Sisi unterscheidet sich als handelnde Figur wenig von den anderer Romane dieses Genre und dadurch wirkt sie ein wenig schablonenhaft.
Der biografische Aspekt wagt sich nie so weit vor, dass es sachbuchartig wirkt. Es bleibt immer erzählerisch und ehrlich gesagt ist es ein wenig zu weichzugepült. Doch wer das Genre und Sisis Welt mag, wird sicher viel mit diesem Roman anfangen können.
sehr lesenswert
Dummheit von Heidi Kastner
In heutigen Zeiten der Coronaverharmloser, Impfgegner und Verschwörungsteoretiker ist ein Buch über Dummheit von großer Relevanz. Es steckt viel drin in diesen 128 Seiten.
Die österreichische Psychiaterin Heidi Kastner ist eine eloquente Autorin, die viele Aspekte dieses Themas für ihr Essay mit untersucht.
e Schnell wird klar, dass Dummheit keine Frage der Intelligenz ist. Wie Forrest Gump schon sagte „Dumm ist wer dummes tut“. Ein innerer moralischer Kompass kann einen Menschen mit verminderter Intelligenz vor Dummheit bewahren.
Schwerer wiegen Eigenschaften wie Ignoranz, nicht aus Fakten und Fehlern lernen zu wollen, die Querulanten, es gibt die Denkfaulen etc.
Ein weiteres interessantes und vielleicht das beste Kapitel heißt Gefühlsdummheit. Wer nur einmal einen Blick in das Buch werfen sollte, könnte hier beginnen.
Was hängen bleibt, ist die Erkenntnisse, dass Dumme nicht erkennen, wie dumm sie sind. Das tröstet doch, wenn man sich selber manchmal für dumm hält.
Heidi Kastner arbeitet das Thema gut heraus und vermittelt ihre Erkenntnisse mit Bezug auf viele Persönlichkeiten der Gegenwart und Vergangenheit und auf manchmal sogar amüsante Art.
Tiefe und Dichte
Janowitz von Rolf Schneider
Nach mehr als 10 Jahren kehrt Rolf Schneider erfreulicherweise mit einem neuen Roman zurück.Mit Janowitz, dem Schloß in der Tschechei, dass vor und nach dem ersten Weltkrieg viele bekannte Künstler und Schriftsteller beherbergte, hat Rolf Schneider sein Thema gefunden. Er taucht mit seinen bemerkenswerten literarischen Mitteln tief darin ab und als Leser kann man ihn begleiten.
Der Text hat Tiefe und Dichte.
Handelnde Figuren sind der Schriftsteller Rainer Maria Rilke und Karl Kraus.
Gastgeberin im Schloß Janowitz ist die adelige Sidonie Nádherný von Borutin, die mit Rilke befreundet ist und Karl Kraus liebt. Die beiden Männer sind sehr unterschiedlich. Ich glaube, der Autor zeichnet einen angemessenes Porträt von ihnen und auch Sidonie ist eine sehr beeindruckende Figur.
Rolf Schneider gelingt es meisterhaft, einen Ort und eine Zeit und deren Stimmungen zu zeigen.










