Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Cozy Crime
Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti
Marcella ist eine taffe Frau, die mitten im Leben steht und sich sehr für ihre Mitbewohner interessiert. Egal, ob Hippie, verstorbene Dorfbewohner, auch für ihren Sohn Domenico und seine Freundin Rosina, die ihr merkwürdig vorkommt. Nach Jahren in Deutschland mit ihrem Bankräuber-Ehemann ist sie ohne ihn in ihr eigentlich geruhsames Örtchen in Italien zurückgekehrt und mischt dort kräftig mit.
Aber: in Dolceacqua stimmt etwas nicht. Warum versterben mehrere ältere Dorfbewohner und werden anderenorts beerdigt?
Mama Marcella ermittelt! Die Mafia hat möglicherweise ihre Hände im Spiel. Marcella will es wissen. Bei ihren Ermittlungen ist sie laut, hartnäckig, gerissen, aufdringlich. Zudem eine rasante Autofahrerin. Doch die Story plätschert vor sich hin, erst später passiert etwas, es geht turbulent zu.
Die Handlung ist klischeehaft und ziemlich spannungsarm. Ja, Ligurien ist schön, die Landschaft toll, das Essen schmackhaft. Das kommt hier gut zum Ausdruck.
Salvatore Simonetti hat einen locker leichten Schreibstil, anfänglich lebendig, für mich mit zu vielen italienischen Worten gespickt. Besonders nervend das ständige: „Allora“. Der Titel allerdings erweist sich als überraschend stimmig.
Fazit: Konnte mich nicht wirklich begeistern.
Keine Nordseeidylle
Düster von Ivar Leon Menger
Ein beklemmender Beginn: als die Mutter ermordet wird, liegt ihr kleiner Sohn unter ihrem Bett …
Liekenoog, 1987. Sie ist hübsch, die junge Frau, die spurlos verschwunden ist. Ein Fall für Ex-Kommissar Stahl, der kürzlich in den Odenwald zog. Warum aber ermittelt er, der doch längst im Ruhestand ist? Eine Hotelbesitzerin macht ihm ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann.
Denn: Freundin Geli will schon seit langem verreisen, er nicht. Also fährt er in einen angeblichen Luxusurlaub und forscht nach. Zusammen mit dem jungen Inselkommissar jagt er den Täter. Verdächtig sind so einige. Möglicherweise ein Mann, der im Kinderheim aufwuchs? Es gibt weitere Tote.
Ivar Leon Manger macht es wieder spannend. Die Handlung baut sich Schritt für Schritt auf. Szenen aus der Kindheit des entführten Jungen werden eingeschoben. Wer ist er heute?
Nach anfänglichem, nicht wirklich aufregendem Plot wird es dramatisch. Packende Twists verändern alles. Unerwartete Ereignisse schockieren. Laut eigener Aussage muss man bei Ivar Leon Manger immer mit Überraschungen rechnen. Stimmt!
Phantastische Welten
Canvas (Cryptos, Band 2) von Ursula Poznanski
Phantastische Welten
Janas Leben bietet wie gewohnt mannigfache Möglichkeiten, in Phantasiewelten zu reisen. Sorgfältig designed, spannend oder erholsam gestaltet - es gibt viele davon.
Da die reale Welt heiß, karg und ungemütlich ist, liegt man in komfortablen Kapseln und reist von dort aus in sichere Traumziele.
Nach Canvas zum Beispiel. Dort kann man sogar Punkte erarbeiten und gegen Weltenpässe nach Wunschdestinationen tauschen.
Da aber eine wichtige Person dort verschwunden ist, macht Jana sich auf die Suche. Was für phantasievolle Welten erschaffen wurden, begeistert, möchte man selbst gern besuchen. Aber: unerklärlicherweise verschwinden weitere Personen. Jana forscht nach, ihr Team hilft. Bekannte und liebgewonnene Charaktere aus „Kryptos“ begleiten sie, virtuell und persönlich. Fehlprogrammierungen, Personen, die ungewöhnliche Fähigkeiten haben und merkwürdige Zwischenfälle tauchen immer häufiger auf.
Ursula Poznanski schickt den Leser wieder in mysteriöse, genial ausgedachte Welten. Ihre Heldin ist mutig, clever, bewundernswert engagiert. Gern begleitet man sie, erlebt fantastische Abenteuer, hofft auf das Beste. Und wird immer wieder überrascht. Nichts ist so, wie es scheint.
Sehr spannend, fantasievoll, macht großen Spaß, zu lesen. Mochte ich sehr!
Das Haus und sie
Alleinruhelage von Eva Menasse
Jetzt soll das abgelegene Haus am See verkauft werden. Viele Jahre wurde es bewohnt, geliebt, umgebaut. Viele Erlebnisse und Geschichten hängen daran. Z.B. die von Alla und Bolek, zwei absoluten Originalen. Beide werden anerkannt, gelobt. Authentisch beschriebene Alleskönner. Aber es ist auch Überheblichkeit seitens der Besitzerin zu spüren, Unverständnis für die Lebensweise Anderer, sogar abwertende Urteile für geschätzte Dinge der Einwohner.
Die sie fast alle so gar nicht mag und auch nicht zu verstehen versucht. Mit ihren Mitmenschen verfährt sie oft ungnädig, urteilt intolerant. Einiges an ihrem Wohnort ist gut, einiges missfällt, u.a. der nicht immer schöne See, die unbekannte Vergangenheit einiger Ansässiger. Nun zieht sie weiter.
Positiv anzumerken ist: Eva Menasse schreibt in angenehmen Erzählfluss, setzt Worte geschickt. Sie vermittelt Stimmungen und zeichnet anschauliche Bilder. Ein Blick aus einer in eine andere Welt.
Unglaublich
FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister
Klingt zunächst harmlos. Berufsverkehr in London, ein Vorortbahnsteig, einige Pendler. Aber:
die folgenden Schilderungen sind heftig. Die Szene auf dem Bahnhof kann ich mir gut vorstellen. Alle Charaktere sind präzise gezeichnet, jede Situation birgt Probleme. Fünf Menschen stehen im Fokus, einer von ihnen wird gleich sterben.
Wer? Vielleicht Emma? Bisher erfolgsverwöhnt, eiskalt, clever, herablassend. Bis sich ihr Baby zu einem Psychopathen entwickelt.
Erschreckend, was Emma mit ihrem Sohn durchmacht. Oder Liam? Frauenfeindlich, Macho, Beschützer seines mit Handicap geborenen Zwillingsbruders? Oder Sonny - intelligent, hoch verschuldet, spielsüchtig? Oder Ms Ward? Pathologin mit Sozialphobie?
Ilona Bannister beschreibt genau, skizziert kleinste Zwischenfälle, erkennt Stimmungen, blickt direkt in die Köpfe ihrer Protagonisten. Man versteht, wie hart deren Leben ist oder sein kann, hat sogar für alle Verständnis. Wünscht man Einem/ Einer von ihnen den Tod? Und wenn wirklich, wem? Jemand wird sterben, aber wer?
Mitnehmender, genialer Roman, der den Leser mitnimmt und lange beschäftigt.
Mit zu Mode
Neue Zeiten auf der Kö – Die Designerin von Bettina Lausen
Mut zur Mode
Londonerin Grace fährt 1954 zur Hochzeit ihrer Freundin nach Berlin. Gegen den Willen ihrer Eltern. Sie hat heimlich Deutsch gelernt, findet sich gut zurecht. Die Bekanntschaft mit Luciano, einem Schneider, verändert alles. Düsseldorf gefällt ihr gut und eine unerwartete Möglichkeit gibt ihr die Chance, zu bleiben.
Man erfährt viel über die Mode der 50er Jahre, die Modewelt überhaupt. Das ist interessant. Ob eine mit Mühen ausgerichtete Modenschau Erfolg bringt?
Bettina Lausen schildert eine Liebesgeschichte, die Liebe zu einem Mann, aber auch zu Mode und Design. Es gibt Höhen und Tiefen, nachvollziehbar, verständlich. Ihre Grace ist eine mutige und kreative Frau, sie wird glaubhaft beschrieben. Der in lockerem Stil gehaltene Roman liest sich angenehm, vermittelt ein Stück Zeitgeschichte, ist unterhaltsame Lektüre.
Die Älteren, die Alten
Tschikago von Alexandra Stahl
Die Älteren, die Alten
Alexandra Stahl vermittelt den Lesern in kurzen Texten, tagebucheintragsmäßig, das Leben ihrer Großeltern. Kleine Anekdoten, gern im Dialekt wiedergegeben, lassen sie lebendig werden. Liebevolles, teils wehmütiges Gedenken.
Im zweiten Teil gibt die Autorin Einblicke in ihre ehrenamtliche Arbeit in einem Seniorenheim.
Gedankensplitter der Bewohner werden notiert, zeigen die vielfältigen Erinnerungen, Eindrücke und Charaktere. Alles achtsam notiert. Auch wenn die Frauen mitunter aneinander vorbeireden. Manche werden genauer beschrieben, gut vorstellbar gezeigt. Ebenso hört man Originalsprech der Pfleger. Diesmal berlinerisch. Die Themen sind breit gestreut, Erinnerungen berühren viele Bereiche. Smalltalk, tiefschürfend eher weniger. Gelebtes Leben eben. Alexandra Stahl bietet Gedächtnistraining mit Wissensquiz oder biografischen Angaben. Und viel mehr, sie lässt erzählen. Könnten Gespräche in der Bahn, im Café oder im Strickzirkel sein. Manches wiederholt sich. Von der Autorin authentisch, lebendig gewertet, gut geschrieben. Und auf jeden Fall: toll, dass sie mit ihren Besuchen Abwechslung und Anregung bietet. Dann eigene Erinnerungen.
Alexandra Stahl schreibt die die Älteren und Alten nicht ab, hört zu und kümmert sich.
Anregend zu lesen.
Diese Prinzen!
Scandal in the Moonlight von Laura Wood
Diese Prinzen!
Ein großes Anwesen, wohlhabende Eltern, eine behütete Kindheit. Dann stirbt die Mutter, der Vater heiratet, die neue Frau ist die böse Stiefmutter und triumphiert über den Unfall-(?)Tod des Vaters. Soll Tochter Iris auch aus dem Weg geräumt werden? Lieber flieht sie und arbeitet als geschickte Schneiderin in einem erfolgreichen Modesalon.
Dort entdeckt sie ein eleganter Herr, der mit ihrer Hilfe einen Rachefeldzug plant. Das passt, sie nämlich auch.
Es entwickelt sich eine faszinierende Story, voll mit Abenteuern, Intrigen, einer starken Heldin und ganz viel Liebe. Ein ausgeklügelter Racheplan entsteht, aber die Umsetzung ist nicht so einfach. Bälle, Reichtum, wunderschöne Kleider und teurer Schmuck werden anschaulich beschrieben, man kann es sich vorstellen und träumen.
Laura Wood hat das Prequel zu ihrer Reihe „The Agency of Scandal“ phantasievoll und spannend gestaltet, das Lesen bietet Genugtuung gegenüber berechnenden und selbstsüchtigen Machomen. Ich feiere Iris!
Unbedingt Lesen, gute Laune ist garantiert.
Spurensuche
Frieda von Geraldine Oetken
Spurensuche
Geraldine Oetkens Urgroßtante Frieda ist 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben. Viel mehr weiß man nicht über sie. Die Autorin will es herausfinden, ihre Verwandte aus dem Vergessen befreien. Wie packt sie das an? Was kann sie überhaupt noch finden?
Sie lässt den Leser an ihren Gedanken und ihren Vorstellungen teilhaben.
Wie könnte es gewesen sein, wie haben ihre Urgroßeltern die NS- Zeit erlebt? Antworten kann oder wollen ihre Verwandten kaum geben. Das verurteilt sie heftig. Auch scheint sie ständig genervt. Sie intensiviert ihre Spurensuche. Recherchelücken füllt sie mit eigenen emotionalen Vermutungen und Spekulationen. Zu Frieda gibt es nur wenige, meist bürokratische Hinweise. Geraldine Oetken weitet ihre Untersuchungen aus, befasst sich mit Orten, die mit weggesperrten Menschen in Zusammenhang stehen.
Auch mit dem NS- Gesundheitssystem. Hungerkostenerlass, strukturelle Vernachlässigung, Bestrafungen und abwertende Beurteilungen sind an der Tagesordnung. Fakten werden benannt. Frau Oetken recherchiert gründlich. Aus den aus vielen Unterlagen bekannten Anmerkungen kommt sie zu Vorstellungen, wie Frieda und andere Insassen der Anstalten gelebt, nein, vegetiert haben.
Nicht ausgedacht ist: ihr Leben jetzt, die Verwurzelung in der eigenen Familie, in der es viele Spuren am Mittun der Vorfahren gibt.
Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Geschichte.
Hexen in Salem
A Spark of Time - Eine Verabredung in Salem von Kira Licht
Hexen in Salem
Lilly deGray landet im Jahr 1692 in Salem, ausgerechnet in Salem, wo Hexenverfolgung an der Tagesordnung ist. Es geht alles schief, was nur schiefgehen könnte. Dummerweise hat sie Martje, eine ahnungslose Frau, mitgeschleift. Bis Collien und Damien, die sie als ihre Brüder ausgibt, ankommen, misstrauen ihr die Dorfbewohner.
Danach auch, sie werden getrennt. Eine puritanische Schmuckhasserin nimmt ihr die Zeitreiseperle ab, Collins Muttermal ist so verletzt, dass auch er nicht mehr in der Zeit reisen kann.
Kira Licht schickt ihre Helden erneut auf eine sehr gefährliche Tour. Nicht nur die aufgebrachte Dorfbewohner, sondern eine echte Hexe bedrohen sie. Verschiedene Twists erhöhen die Spannung, es geht um Erpressung, Folter, Intrigen und … Liebe.
Ein Lesestopp ist unmöglich.
Dramatisch, überraschend, spannend - perfekt.











