Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Trödeln
Die Sekundenochs von Markus Hennig
Smilla muss immer schnell-schnell oder hoppi-galoppi alles erledigen. Kennt man, oft ist ein gewisser Zeitdruck gegeben, man hat Termine. Aber muss wirklich alles immer gleich zu Stress führen? Die Sekundenochs sehen das entspannter. Trödeln ist ein Muss! Man wird dafür gelobt! Witzig getextet von Markus Hennig, lustig und farbenfroh illustriert von Nikolai Renger.
Macht Spaß, kann kreativ selbst ergänzt werden.
Dass Trödeln und mitunter entspanntes Herangehen wichtig ist, sollte stärker betont werden. Kinder brauchen ein ausgeglichenes Zeitmanagement, lasst ihnen Zeit, wenn möglich. Sonst gibt es viel Streit, nervende Hektik und schlechte Laune. Braucht Keiner!
Aber es wird auch gezeigt, dass Kinder wie Smilla verstehen, dass Trödelei für Mitmenschen ärgerlich sein kann. Balance ist eben wichtig.
Nette Idee, lustig, aber ausbaufähig.
Poppy mit den bunten Haaren
Red Flags von Sophie Jo
Mit 11 Jahren beschließt Poppy, nur ihren absoluten Traummann zu akzeptieren. Mit weniger als aufgelisteten Eigenschaften wird sie sich nicht zufrieden geben. Nie.
Nur: ihre Ansprüche sind sehr, sehr hoch. Die Chance, ihrem Traumprinzen zu begegnen, ist gering. Sehen ihre Freundinnen auch so, wollen aber, dass sie einen Freund findet und sich bindet.
Sie wetten: Poppy soll es zwei Monate mit einen Date aushalten, dann wird man sehen. Wenn sie das nicht schafft, darf sie weiter an allen herummäkeln.
Bus-Boy Cam hält es auch nicht lange mit Mädchen aus. Mit seiner Kumpel- Freundin macht er aus, dass seine nächste „Freundin“ die Beziehung beendet, nicht er. Dafür nimmt er so Einiges in Kauf. Cam hat viele Gedanken, die ich eher Teeniemädchen zuschreiben würde.
Es läuft erwartungsgemäß. Poppy legt ein übertrieben feministisches Verhalten an den Tag. Cam mutiert zu einem Ekel, … . Na gut, ist eben eine Romcom für Teenies. Den Kerlen wird es hier mal richtig gezeigt!
Die Idee der Zwangsdates ist nicht schlecht, hat Potenzial. Sophie Jos Schreibstil ist locker, liest sich luftig- leicht. Nicht originell ausgebaut, aber das Richtige als Sommer- Sonne- Strand Lektüre.
Krimiliebe
Die Bibliothek meines Großvaters von Masateru Konishi
Kaedes Großvater lebt in seinem behaglichen Haus, sein Gedächtnis lässt nach. Wenn sie, die junge Lehrerin aus Tokio, ihn besucht, erzählt er Geschichten von blauen Tigern, die in sein Zimmer kommen oder schläft ein.
Früher war das anders. Beide dachten sich phantasievolle Erzählungen aus, lösten Rätsel.
Jetzt hat der Opa eine besondere Form der Demenz, die auch ausführlich thematisiert wird. Doch manchmal spinnt er mit seiner Enkelin mögliche Geschehnisse in gleich mehreren Varianten. Begleitet von vielschichtigen Halluzinationen. Dennoch: seine Schlussfolgerungen sind genial.
Seine Enkelin liebt Bücher, liest auch anspruchsvolle Literatur, gern Krimis. Darüber gibt es ausufernde Diskussionen. Nicht nur mit dem Großvater, leider. Die Kneipendebatte soll offenbar mit Riesen-Emojis interessanter werden. Hat nicht geklappt. Auch im weiteren Verlauf nicht wirkungsvoller.
Ich mochte die Idee, aus wenigen Beobachtungen eine Geschichte zu entwickeln. Die Umsetzung war sehr, mir zu sehr, detailliert. Kaedes Geschichte hat mich dann aber doch gecatcht.
Am Anfang zögerlich, nimmt die Geschichte letztlich Fahrt auf, ist packend gestaltet.
Hinterlässt gemischte Gefühle.
Von der Großmutter
6 aus 49 von Jacqueline Kornmüller
Sehr anschaulich erzählt Jaqueline Kornmüller von ihrer Großmutter. Kindheit, erste Arbeitsstelle mit 13. Durch Glück Anstellung als Servierfräulein, Wechsel nach Bayern. Beginn einer düsteren Zeit Ende der 30er Jahre. Dennoch lernt sie auch eindrucksvolle Gäste kennen, ist zufrieden. Ein großer Schritt: sie macht sich mit eigenem Hotel ( zur Pacht) selbständig.
Die Autorin berichtet vom schweren und vielfältigen Leben der Großmutter. Das ist interessant, vorstellbar. Die Beschreibung des eigenen Lebens erfolgt distanziert, ebenso distanziert die Schilderung der Handlungen der Mutter. Personennamen werden durch Ortsnamen oder Personalpronomen ersetzt. Nur Lina wird stets detailliert und umfassend charakterisiert. Ein Leben in Superlativen. Die stören nicht, auch stilistisch genutzte Wiederholungen passen.
Eine liebevolle Hommage für die verehrte Großmutter.
Drachen haben kein Herz
Gwin und das Herz des Drachen (Band 1) von Verena Maier
Gwin ist ein armes reiches Mädchen, ohne Freunde, dafür mit einer schrecklichen Tante, bei der sie in Elternabwesenheit wohnen und Stiefel putzen muss. Als sie ausbüxen kann, erlebt sie Fantastisches. Bei einer freundlichen Hexe findet sie Unterschlupf. Gern würde sie zaubern lernen, aber der Oberste Zauberrat ist dagegen.
Warum? Beim Herumstöbern entdeckt sie einen verzauberten Drachen. Ein großes Abenteuer beginnt.
Verena Maier erzählt eine fantasievolle Geschichte ( mürrische Kater mit Samtumhang, nächtlich singende Wasserkocher, nörgelnde Flämmchen und mehr) mit einer mutigen und unerschrockenen Heldin. Gut, dass ihr Freunde zur Seite stehen! Nicht alles läuft glatt, manchmal zieht sich die Story arg, aber der Leser bangt und hofft immer mit den Figuren.
Spannend, abenteuerlich und gut zu lesen.
Zweite Chance
Variation - Für immer oder nie von Rebecca Yarros
Allie Rousseau kennt Hudson Ellis schon seitdem sie 16 ist. Ihre Beziehung war perfekt, bis ein Unfall sie trennte. Hudson meldete sich nie, Allie wartete lange Jahre. Hudson ist jetzt ein wagemutiger Eliterettungsschwimmer, Allie eine berühmte Tänzerin. Nach erneuter Verletzung begegnen sie sich, jedoch ist Allie nicht bereit, zu verzeihen.
Unvorhersehbare Familienverhältnisse zwingen beide jedoch zu gemeinsamem Handeln. Ein zentrales Thema ist die Welt des Balletts mitsamt harter Arbeit und neidischer Konkurrenz.
Wie, warum und mit welchem Ergebnis Allie und Hudson ihre Probleme angehen, schildert Rebecca Yarros gewohnt gut lesbar, allerdings mitunter sehr langatmig. Ihre Figuren und deren Konflikte sind nachvollziehbar dargestellt. Es ist ein Auf und Ab in den Beziehungen zwischen Allie und Hudson, stark angereichert mit ausführlichst beschriebenen Liebesszenen.
Überwiegend unterhaltsam, prickelnd und romantisch!
Im Prater
Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4) Die Totengräber-Serie von Oliver Pötzsch
Zwei Varietékünstler faszinieren Wien im Jahr 1896. Ihre Zaubershows sind spektakulär, besonders die „Zersägte Jungfrau“. Bis aus dem Trick Wahrheit wird. Ein Fall für Inspektor Leopold von Herzfeldt. Ex-Freundin und Reporterin Julia Wolf wittert ihren Durchbruch bei einer Zeitung und engagiert sich stark.
Der Leser erinnert sich an die beiden schon von vorangegangenen Teilen der Totengräberromane. Man kennt und mag sie - bis auf einige Abstriche bei Leo - alle. Jetzt haben sich ihre Lebensumstände verändert. Julia ist erfolgreiche Journalistin, kommt Leo in die Quere und geht eigene Wege.
Das ist spannend, denn Gefahren lauern überall. Aber auch liebenswerte Sidekicks: Billa … Sehr anschaulich beschrieben.
Gut geschildert werden auch Fortschritte in der Forensik. Und Augustins Ziehtochter Anna - ja, die wird erwachsen. Ein Hauch Sozialkritik findet sich, Wiener Schmäh natürlich ebenso.
Am besten aber gefällt mir wieder Totengräber Augustin. Sehr gut vorstellbar, sehr interessant.
Spannung, Flair, Historisches; all das hat Oliver Pötzsch in einen packenden und unterhaltsamen Krimi um den Totengräber Augustin hineingepackt.
Klare Leseempfehlung!
Mein Lieblingsmaler
Mein magisches Museum und Vincent van Gogh von Anne Funck
Vincent van Gogh ist einer meiner Lieblingsmaler, seine Werke sind wunderschön. Diese Begeisterung möchte ich gern weitergeben, deshalb musste das Buch über ihn bei uns einziehen.
Die Idee des schusseligen Kurators ( Begriffsklärung!) spricht an, Jeder kann etwas durcheinanderbringen - Kind versteht das gut, möchte helfen.
Das großformatige Buch also ist kindgerecht bis anspruchsvoll. Vieles ist für ein/e 6-Jährige geeignet, z.B. zahlreiche interaktive Aufgaben. Textlastige Seiten sind dann eher für Ältere, Biografisches eignet sich für später. Fazit: Buch nur punktuell lesen, später immer wieder hervorholen.
Sehr gut gefallen die Mitmachseiten; Unterschiede sind zu finden, ein wenig Farbenlehre ist enthalten ( könnte mehr sein), eigener Geschmack und eigene Kreativität sind gefragt. Die Farbenkobolde sind witzig! Fantastisch, was beim eigenen Selbstporträt entstehen kann!
Das finden wir sehr schön: Werke vom Maler himself sind abgedruckt, lassen sich ausführlich betrachten und besprechen.
Ein Buch, das niemals auf einen Rutsch gelesen werden darf, es braucht Zeit und bietet viel!
Vor dem 1. Schultag
Mutmurmeln für den ersten Schultag von Sarah Welk
Was für eine schöne Idee für Kinder, die sich ein bisschen vor dem ersten Schultag fürchten. Welches Kind weiß vorher schon genau, wie es in der Schule zugeht? Gut, wenn man eine Freundin(?) mit coolen Ideen hat. Also: Murmel einstecken, kleine Mutproben bestehen und die so mit Mut beladene Murmel drücken.
Schon geht es los mit Aufgaben, die ein wenig Überwindung kosten, aber für die Mutaufladung reichen sollten. Ob das klappt, erzählt Sarah Welk in kurzen Texten, die sich gut für Vorschulkinder eignen. Passende bunte und anschauliche Illustrationen verdeutlichen die Geschehnisse.
Kann Kind nachmachen, es müssen ja nicht unbedingt Murmeln sein. Man hofft auf so verständnisvolle Lehrer wie die im Buch erwähnte Frau Fröhlich und schon steht einem unbelasteten 1. Schultag nichts im Weg.
Schönes Buch für die Zeit kurz vor der Einschulung.
In der Notaufnahme
Staying Alive von Eva Mirasol
Nichts mit Schonzeit für Assistenzärztin Nicky. Berlin ist sowieso schon hektisch, in einer Rettungsstelle geht es noch turbulenter zu. Nicki arbeitet dort und trifft alle möglichen Typen von Patienten, aber auch vom medizinischen Personal. Egal, ob bierselige Bayern beim Wundennähen kichern oder komische Gefühle im vorderen Zungendrittel in die Notaufnahme geführt haben - alle werden behandelt.
Manchmal auch erst nach acht Stunden. Gegen Stress hilft Rauchen, das wird als Pause akzeptiert. Anderes nicht.
Ins kalte Wasser geworfen zu werden mag manchmal hilfreich sein. Hier ist es Stress pur. Auch wenn Nicky es oft humorvoll nimmt, sie hat mein Mitgefühl. Wie alle Mitarbeiter im medizinischen Bereich.
Nun, jedenfalls kommt keine Langeweile auf. Der Leser wird abwechslungsreich unterhalten, ironisch informiert, er beobachtet entsetzt oder mitfühlend. Leider finden sich auch Ausflüge in andere Gebiete, z.B. wird über das Leben der Teichmuschel und der Bitterlinge informiert. Passt für mich nicht.
Unglaublich, interessant, aber man möchte nie, niemals, in keinem Leben … dabei sein. Weder als Mediziner und gleich gar nicht als Patient.
Auch wenn Einiges stark überspitzt wird ( hoffe ich) ist dieser Roman durchaus lesenswert!











