Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Spannende Dystopie
To Cage a Wild Bird von Brooke Fast
Raven ist Kopfgeldjägerin. Nicht aus Spaß, das Geld braucht sie für ihren Bruder und sich, um zu überleben. Als ihr Bruder im Gefängnis Endlock landet, lässt sie nichts unversucht, ihn zu befreien. Das Gefängnis ist eine beliebte Geldquelle der Machthaber; sie kassieren ab bei Wohlhabenden, die aus Sensationsgier die Gefangenen jagen und töten.
Raven lässt sich einliefern und plant, ihren Bruder zu befreien und zu fliehen. Dass sie sich in einen Wachmann verliebt, war nicht der Plan.
Brooke Fast hält den Spannungsbogen konstant hoch. Sie schildert die Verhältnisse in ihrem fiktiven Land sehr anschaulich, brandmarkt die Geld- und Machtgier sowie die Skrupellosigkeit der Regierung. Ihre Helden sind gut vorstellbar beschrieben, wirken authentisch. Die „Guten“ mochte ich sehr.
Für mich stimmt hier ziemlich alles - das Setting, die Protas, das Panemfeeling und das Prison- Break Szenario. Freue mich auf die Fortsetzung.
Altwerden
Der Tag, an dem Barbara starb von Richard Hooton
Klar, mit 89 Jahren kann auch das Ein oder Andere mal vergessen werden. Aber Cleverness bleibt. Mit 15 Jahren allerdings funktioniert das Gedächtnis gut. Also: tut euch zusammen, Margaret und James. Wie ist denn nun die Nachbarin und Freundin Barbara umgekommen?
Merkwürdige Dinge geschehen, was passiert in der Wirklichkeit, was ist Einbildung?
Richard Hooton beschreibt wunderbar Margarets Gefühle, die ständig vorhandene Sehnsucht nach ihrem verstorbenen Mann, die zunehmenden gesundheitlichen Probleme, besonders die frustrierenden Gedächtnislücken.
Ihr bissiger Humor aber ist ihr erhalten geblieben. Auch das vermittelt der Autor bestens.
Ein Roman, der feinfühlig das Zusammenleben von Generationen beschreibt, wehmütig, sensibel. Eine Mahnung, Verständnis für die Gefühle und Sorgen aller Familienangehörigen aufzubringen.
Spannung pur
Verstummte Narben: Thriller von Catherine Shepherd
Rechtsmedizinerin Julia Schwarz ist geschockt: der Mörder ihres Bruders sitzt im Gefängnis, aber eine Leiche mit seinem Erkennungszeichen liegt vor ihr. Auch ein Foto, das einen weiteren Mord in drei Tagen ankündigt, wurde gefunden. Ihr Partner, Kriminalkommissar Florian Kessler, steht unter massivem Zeitdruck.
Kepler, der Mörder, könnte helfen, denn einer seiner Fans ahmt ihn offenbar nach. Er will aber nur mit Julia persönlich reden und reißt damit alte Narben auf.
Die Autorin hat erneut einen packenden Thriller über menschliche Abgründe geschrieben. Geschickt wurden Spuren gelegt, Hinweise gestreut und verwirrende Fakten eingearbeitet, der Leser wird mehrfach in die Irre geleitet. Spannendes Rätselraten …
Auch die engagierte Arbeit der Rechtsmedizin und der Kriminalpolizei wird geschildert. Für die Ermittler entstehen brisante Situationen. Dennoch kommt auch Familiäres nicht zu kurz.
Ein Muss für Leser, die packende Thriller und den faszinierenden Schreibstil von Catherine Shepherd lieben.
Aus Mississippi nach Bayern
Prince of Germany von Jordan Prince
Jordan Prince (mir bis dato völlig unbekannt) erzählt unterhaltsam, wie er Deutschland erlebt. Verwundert, offen, ironisch, überwiegend wohlwollend. Der Blick auf Verhaltensweisen, Sitten und Besonderheiten in dem für ihn fremden Land lässt den Leser selbst einiges hinterfragen oder bewusst zur Kenntnis nehmen.
Dass Prince als Comedian Bühnenerfolge feiert, verwundert nicht. Seine Witze beruhen auf präziser Beobachtung und treffsicheren Pointen. Manche werden durch mehrmalige Wiederholungen aber nicht besser.
Nicht alles, was Prince offenbart, will ich wissen, er überspitzt mitunter stark.
Die Idee anderer Leser, beide Sprachen auf einer Doppelseite gegenüber zu stellen anstatt hintereinander zu drucken, gefällt mir und wäre vorteilhaft, um eigene Sprachkenntnisse zu erweitern.
Originell, ein wenig boshaft, in Maßen unterhaltsam - schnell gelesen, gute Unterwegs-Lektüre.
Magische Linien
The Blackgate Invitation von Sarah Henning
Zwei Schwestern bekommen ein unglaubliches Angebot: für relativ viel Geld einen Abend lang die Enkeltöchter einer alten Lady zu spielen. Ein leichter Job! Nö, ganz und gar nicht, denn im Anwesen geschieht ein Mord, die Lady verschwindet und die Mädchen finden sich eingeschlossen in einem Hexenhaus wieder.
Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und das wunderschöne Cover des Buches gefiel mir sehr. Mit Elan ging ich ans Lesen, wurde aber mit langatmigen Sätzen, vielen sehr speziellen, sperrigen Namen und Schachtelsätzen nicht wirklich gut unterhalten. Die Idee einer Art Krimidinner in magischem Ambiente gefiel, die Umsetzung zunächst weniger. Komplizierte Erklärungen, viele verschiede Charaktere und undurchsichtige Hintergründe. Ja, es wurde besser, man kann sich in die Story hineinfinden, spannend wird es auch, aber der Einstieg ist mühsam. Eigentlich 3,5 Punkte, das Cover pusht auf vier.
Unterwegs
Zwei in einem Leben von David Nicholls
Marnie und Michael könnten kaum gegensätzlicher sein. Er, engagierter Erdkundelehrer, sie, penible Lektorin im Homeoffice. Eines ist ihnen aber gemein: sie sind allein. Bis … ja, die Wanderung. David Nicholls beschreibt Gefühle und Dialoge so vorstellbar, dass man die beiden mitfühlend auf ihrem anstrengendem Weg begleiten kann.
Mit leiser Schadenfreude - glücklicherweise sitze ich warm, trocken und gemütlich hier.
Die Beiden wandern länger als geplant zusammen. Die Wanderung wird beschrieben, Besonderheiten und Geografisches erwähnt. Die Gefühle und Gedanken, oberflächliche und tiefgründige Gespräche lassen gegenseitiges Kennenlernen zu. Was Marnie und Michael wohl von der gemeinsamen Zeit mitnehmen?
Schön, diese zwei Menschen kennengelernt zu haben, beider Gefühle sensibel geschildert, Verständnis weckend und nachvollziehbar.
Ein Roman übers Durchhalten und Ankommen.
Inselleben
Mr. Saitos reisendes Kino von Annette Bjergfeldt
Lita erzählt ihre Geschichte. Ihre Mutter, ein Findelkind, wächst in einem argentinischen Kloster auf, liebt Schuhe und Tanzen, bekommt mit 17 ihr Kind.
Sie müssen fliehen und landen auf einer kanadischen Insel mitten im Atlantik. Für Lita ist dort das Paradies. Sie begegnet Verständnis, Toleranz und Güte.
Trotz des harten Alltags für die Bewohner.
Klingt zwar interessant, aber zunächst nicht wirklich spektakulär. Allerdings erzählt Annette Bjergfeldt Litas Vita mitnehmend und gefühlvoll. Ein Blick auf Details, Skurriles und verschiedene Ereignisse prägen ihren Schreibstil. Andeutungen, die geschickt eingearbeitet werden, lassen lächeln.
Gern erlebt man die Entwicklung auf der abgelegenen Insel mit, wünscht dem aufgeweckten und fantasievollen Kind alles Gute. Das größte Abenteuer aber ist Mr. Saitos jährlicher Besuch. Warum, wird gut vorstellbar beschrieben, die Atmosphäre und sein Einfluss werden gekonnt eingefangen.
Litas Weg ist faszinierend, sie wird zu Jemand, den man zu kennen glaubt.
Eindeutige Leseempfehlung.
Clever, Herr Herr!
Der Doktor und der liebe Mord von René Anour
Severin, gutherziger und engagierter Tierarzt, gerät in eine unmögliche Situation: sein Ekel von Chef bedroht ihn und irgendwie … ist der plötzlich tot!
Wie er mit der Konstellation umgeht, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und welche Rolle Putzfrau Jedna dabei spielt, hat René Anour in einem äußerst witzigen und unterhaltsamen Roman verarbeitet.
Seine Charaktere sind vielschichtig und gut vorstellbar angelegt, sie polarisieren. Die Eltern! Die Kommissarin! Der Tierarzthelfer! Überhaupt sind Tiere aller Couleur wichtige Akteure, liebevoll und originell beschrieben. Spezielle Kenntnisse werden dargelegt, das Tierarztstudium schlägt durch …
Unerwartete Wendungen, eine gewisse Boshaftigkeit und deutliche Anspielungen machen den Reiz dieses empfehlenswerten Krimis aus!
Im Internat
The Academy von Elin Hilderbrand; Shelby Cunningham
Das Leben an einem renommierten Internat wird aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert. Da wäre die Schulleiterin, unter Leistungsdruck stehend, die neuen oder dienstälteren Lehrer und natürlich die Schüler: durch Papas Sponsoring narrenfrei oder Influencer mit großer Reichweite, bestimmte Universitäten anstrebende oder wirklich Lernwillige.
Auch einige Eltern werden vorgestellt.
Als dann aber im Schulranking die „Tiffin“ absolut unerwartet von Rang 17 auf den zweiten Platz vorrückt, ändert sich alles. Nicht nur zum Besten.
Elin Hilderbrand weiß, wovon sie schreibt. Sowohl Sohn als auch Tochter besuchten Internate und konnten viel zum Thema beitragen. Entstanden ist ein spannendes und vielschichtiges Buch, sehr gut zu lesen. Probleme wie Mobbing, Cyberkriminalität, Diversität, Abhängigkeit von Sponsoren, Probleme im Elternhaus, aber auch gelungene Gestaltung des Schülerlebens spielen eine Rolle. Die Kids haben tolle Möglichkeiten. Und ohne die Liebe geht es natürlich auch nicht.
Gelungener Einblick in eine andere Welt.
Rains Märchen
Ever & After, Band 3 - Die letzte Stunde von Stella Tack
Alles auf Anfang - das war Rains Wunsch und genau der wurde ihr erfüllt. Die Götter leben noch, ihr Mann ist ein misshandelter Stallbursche und erkennt sie nicht. Huch! Gruseliges geschieht. Albtraumhafte Szenarien werden geschickt in Worte gekleidet.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Rains und Coles Sicht erzählt
Natürlich gerät Rain in viele gefährliche Situationen, oft überlebt sie nur knapp.
Ihren Freunden ergeht es nicht besser. Wenn es den Anschein hat, dass Rain endlich Erfolg haben wird, erleidet sie prompt einen Rückschlag. Stets sehr schmerzhaft.
Wieder gelungen: jedes Kapitel beginnt oder beinhaltet einen Absatz in Anspielung auf historische Märchen. Man kennt nicht alle, viele klingen interessant.
Stella Tack generiert auch im dritten Teil ihrer Märchenfantasy ( man sollte übrigens die Vorgängerbände gelesen haben), Spannung, überraschende Twists, Grusel und Romantik. Ja, auch Spice … . Es ist mitunter verwirrend, offenbar hat Gott Chaos zugeschlagen (;-)), die Zeit- und Raumsprümge irritieren nicht nur Rain und Gefährten, dennoch sehr gut zu lesen, gelungene Unterhaltung.











