Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich nicht wirklich überzeugt
Das Meer löscht alle Spuren von Lone Theils
Dieser Kriminalroman ist der zweite Fall für die dänische Journalistin Nora Sand. Die Autorin nimmt sich eines aktuellen Themas, nämlich der Flucht von gefährdeten Personen an.
Der berühmte iranische Dichter Manash Ishmail sieht sich plötzlich in seiner Heimat bedroht und flieht mit seiner Frau.
Anstatt gemeinsam in London einzutreffen, werden sie unterwegs getrennt. Manash landet in einem Flüchtlingsheim in Dänemark. Seine Frau Amina scheint wohlbehalten in London angekommen zu sein. Dann, nach einem letzten Lebenszeichen, verliert sich ihre Spur.
Manash ist ein bescheidener Literat, der die Aufmerksamkeit der Presse scheut, dennoch bitter er die Journalistin Nora Sand, die als Auslandskorrespondentin einer dänische Zeitung in London lebt, um Hilfe.
Nora beginnt zu recherchieren. Doch bis sie endlich die Wege der verschwundenen Amina nachvollziehen kann, werden ihr mehr als nur Steine in den Weg gelegt. So wird ihr Computer gehackt, Informanten bedroht und ermordet. Auch sie selbst gerät mehrmals in akute Lebensgefahr. Immer wieder kommt sie um ein bisschen zu spät. Doch nicht nur ihr berufliches Leben läuft aus dem Ruder, sondern auch ihr Privatleben scheint chaotisch.
Welche Rolle spielt Andreas, der Lebenspartner, der sich nicht zwischen seiner Ex-Frau Brigitte, die gerade ein Kind von ihm erwartet (?) und ihr entscheiden kann?
Steckt Brigitte hinter dem gehackten Computeraccount und dem mysteriösen Verschwinden von Daten? Immerhin ist sie Mitarbeiterin im Geheimdienst. Die Schwangerschaft und der Kampf um Andreas wären auch ein gutes Motiv. Doch begeht Brigitte damit nicht Amtsmissbrauch, der in Dänemark sicherlich auch unter Strafe stehen wird?
Und, wie hängt das mit dem Ehepaar Ishmail zusammen?
Meine Meinung:
Da ist gleich an erster Stelle der Titel, den ich völlig unpassend finde. Auf Dänisch heißt das Buch nämlich „Den blå digters kone“ was mit „Des blauen Dichters Frau“ übersetzt werden könnte. So ein Titel hätte Charme, den ich bei „Das Meer löscht alle Spuren“ vermisse.
Dass sich Manash, der Medien gegenüber sehr zurückhaltend ist, Nora Sand um Hilfe bittet, ist vermutlich dem ersten Fall („Die Mädchen von der Englandfähre“), in dem sie einen cold case aufklärt und ihrem Arbeitsplatz in London geschuldet.
Nora als Enthüllungsjournalistin und Aufdeckerin? Sie wirkt zwar sympathisch, doch ob sie das Zeug zur Privatermittlerin hat, bin ich nicht sicher. Spätestens bei der zweiten verschwundenen Email hätten die Alarmglocken läuten müssen. Sie tauscht das Mobiltelefon nicht? Das klingt jetzt nicht ganz so tough. Wenn ich die Vermutung hätte, dass jemand meinen Account gehackt hat, so wäre ich entweder völlig Netzabstinent oder hätte ein Prepaid-Handy. So bringt sie sich und andere völlig unnötig in Gefahr.
Auch ihr verwirrendes Privatleben stört mich ein wenig. Vielleicht fehlen mir auch nur die Informationen aus dem Vorgänger, den ich nun im Anschluss lesen werde. Die Rolle von Andreas bzw. Brigitte in diesem Dramadreieck ist mir jetzt nicht ganz klar. Welches Spiel spielt Brigitte?
Noras häufiger Blick in den leeren Kühlschrank ist meiner Ansicht nach überflüssig. Einmal ist es ganz witzig, doch die Häufigkeit mit der sie davor steht, zeugt nicht von Organisiertheit. Wenn sie selbst keine Zeit zum Einkaufen hat, so gibt es doch sicherlich Lieferservices, bei denen man Lebensmittel ordern kann.
Dass private Sicherheitsdienste für ehemals staatliche Aufgaben wie Gefängnisaufsicht u.ä. nicht das Gelbe vom Ei sind, ist schon von vornherein klar. Dass es um Billigst- statt um Bestbieter geht, auch. Die Billiganbieter holen sich ihr Geld eben auf andere Weise zurück. Dass sich Großkonzerne wenig um den einzelnen Menschen kümmern, ist jetzt auch nichts Neues.
Der Krimi liest sich stellenweise spannend. Unterbrochen wird der Spanungsbogen durch dieses merkwürdige Privatleben. Außerdem frage ich mich, warum die Polizei eine so seltsame Rolle spielt? Überforderung? Die Polizisten nehmen z.B. den Einbruch bei Corinne auf und zucken anschließend mit den Schultern. Es kann schon sein, dass es einzelne korrupte Beamte gibt, aber gleich die ganze Polizei?
Ganz warm bin ich mit der Autorin, die selbst als Auslandskorrespondentin in London lebte, noch nicht geworden.
Fazit:
Ein Krimi, der noch Potenzial nach oben hat. 3 Punkte.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Packend und literarisch gut gelungen
Unter der Drachenwand von Arno Geiger
Mondsee 1944: wir treffen auf unterschiedlich Menschen, mit unterschiedlichen Schiskalen und Einstellungen zum aktuellen Zeitgeschehen. Da ist zum einem der verwundete Soldat Veit, der seine an der Ostfront erlittene Verwundung in der beschaulichen Idylle des Salzkammergutes auskuriert, zum anderen die Dorfbewohner oder die Kinder, die aus allen Teilen der Ostmark in die vermeintlich sichere Region „verschickt sind oder Margot, die Darmstädterin, die mit ihrem Kind hier gestrandet ist.
Alle Lebenslinien verknüpfen sich hier zu einem mehr oder weniger festen Knoten. Keiner ist allein und doch einsam. Und so entspinnt sich zwischen Veit und der jungen Frau, trotz der widrigen Umstände in Form einer vom Regime noch immer überzeugten Quartiersfrau, eine zarte Romanze.
Während einige Dorfbewohner nach wie vor an den Endsieg glauben, so hat Veit jegliches Vertrauen in seinen „Dienstherrn“, wie er die Wehrmacht nennt, verloren. Er versucht, seine Rekonvaleszenz deshalb mit allen Mitteln zu verlängern und schreckt auch vor dem Fälschen von Befunden nicht zurück. Nur Margot und Pervitin helfen Veit durch Tag und Nacht.
Nachdem er fast ein Jahr in Mondsee verbringen konnte, ereilt ihn doch der Einberufungsbefehl …
Meine Meinung:
In seiner unnachahmlichen Art beschreibt Arno Geiger aus der Sicht von Ich-Erzähler Veit Kolbe die Umstände, die ihn und Margot in Mondsee zusammengeführt haben. Er erzählt von Opportunisten, Ewiggestrigen, Verzweifelten und Gegnern des Regimes.
Wir Leser dürfen an sehr intimen Gedanken und auch an alltäglichen Handlungen teilhaben. Wir erhalten Einblick in Briefe zum Bespiel aus Darmstadt von Margots Mutter, die von den Bombenangriffen und Todesopfern schreibt. Gleichzeitig wird auf die mangelnde Versorgung der Bevölkerung hingewiesen. So wird Margot aufgefordert, die Paktschnur und das Packpapier wieder an ihre Mutter zu retournieren, weil dies in Darmstadt nicht mehr erhältlich sei. Interessant ist, dass die Post nach wie vor funktioniert. Erst kurz vor Kriegsende gibt es ein Paket-Sendeverbot. Das habe ich gar nicht gewusst.
Die Geschichte der jüdischen Familie, die wie so viele zu spät und in die falsche Richtung geflüchtet sind, ist stellvertretend für Tausende ähnliche Schicksale.
Kurz musste ich an der Stelle schlucken, als Wally und Georgi verschwinden und die Nachbarin die Kleider der beiden mit den Worten „Die werden sie nicht mehr brauchen“ haben wollte.
Gut gefällt mir, wie eindringlich und zugleich beklemmend die Geschichte(n) erzählt werden. Dies wird von Arno Geiger nicht nur durch wechselnde Ich-Perspektiven und eine Handlung voll erschreckender sowie bewegender Momente dargestellt, sondern auch durch den roten Faden des Zweiten Weltkriegs.
Der ergänzende Epilog enthüllt das weitere Schicksal der Protagonisten.
Fazit:
Packend und literarisch ein gelungenes Buch. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Pink Anemone:
Dieser Psychothriller fing zwar sehr gut an, im Verlauf entwickelte es sich jedoch immer mehr zu einem frustrierenden Leseerlebnis.
Unter der Drachenwand von Arno Geiger
Niemand hat Angst vor einem kleinen Mädchen, oder doch?
Als die Kinderpsychologin Imogen Reid den Fall der elfjährigen Ellie Atkinson übernimmt, weigert sie sich, den seltsamen Gerüchten um das Mädchen zu glauben. Ellie sei gefährlich, so heißt es. Wenn sie wütend wird, passieren schreckliche Dinge.
Imogen hingegen sieht nur ein zutiefst verstörtes Kind, das seine Familie bei einem Brand verloren hat und ihre Hilfe benötigt. Doch je näher sie Ellie kommt, desto merkwürdiger erscheint ihr das Mädchen. Dann erleidet auch Imogen einen schrecklichen Verlust - und sie fürchtet, dass es ein Fehler war, Ellie zu vertrauen -...(Klappentext)
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">>Imogen? Sind Sie das?<<, fragte mich jemand ganz außer Atem.
Die panische Stimme am anderen Ende der Leitung erkenne ich sofort." (S. 7 - Anfang)
Hier wird aus zwei Perspektiven erzählt:
Imogen - eine Kinderpsychologin, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Mann in ihre verhasste Heimatstadt zurückkehrt. Hier hat sie eine Stelle als Betreuerin für die Schule des Ortes angenommen. Aufgrund eines Vorfalls auf ihrer früheren Arbeitsstelle darf sie nicht mehr als Kinderpsychologin praktizieren.
Sie ist durchaus als psychisch labil zu bezeichnen und der Grund liegt in ihrer Kindheit. Im Verlauf der Story erfährt man was es mit ihrer Vergangenheit und dem zurückliegenden Vorfall auf sich hat.
Leider wurde sie mir zunehmend unsympathisch und sie war einer der Gründe, weshalb ich nicht nur einmal verständnislos den Kopf schüttelte. Möglich, dass dies auch an mir liegt, da ich psychisch labile Hauptprotagonisten in Thrillern schon als ziemlich ausgelutscht betrachte.
Ellie - ein 11-jähriges Mädchen, deren gesamte Familie bei einem Hausbrand ums Leben kam und sie nun bei einer Pflegefamilie in dem kleinen englischen Dorf Gaunt untergekommen ist. Sie ist ein verschlossenes, eher ruhiges Mädchen und auch auf eine ganz spezielle Art unheimlich. Aufgrund dessen hat sie es in der neuen Schule alles andere als leicht und wird von ihren Mitschülern gemobbt.
Sie verhält sich, meiner Meinung nach, zu oft viel zu erwachsen.
Zu Beginn erinnert dieser Thriller eher an einen Mystery-Thriller, aufgrund der doch etwas unheimlichen Geschehnisse, die rund um das 11-jährige Mädchen Ellie geschehen.
"Einige von ihnen erkennen es - das merkt sie den Dorfbewohnern an, wenn sie ihnen auf der Straße begegnet und diese die Seite wechseln, ihre Kinder ein bisschen fester an die Hand nehmen, ohne genau zu wissen, warum.
Ellie hingegen tut es. Sie weiß, was andere in ihr sehen können. (Ellie - S. 10)
Parallelen zu dem Horror-Roman "Carrie" von Stephen King sind vor allem anfangs vorhanden, doch dies ist von der Autorin durchaus so gewollt und führt den Leser somit gekonnt aufs Glatteis.
Im Verlauf der Story lichtet sich jedoch der Schleier und man merkt schnell, dass hier Manipulation vom Feinsten am Werk ist. Doch von wem und weshalb?
Hier tun sich definitiv Abgründe auf und es ist spannend diese zu verfolgen und Stück für Stück zu erfahren, was und vor allem wer hier wirklich seine Finger im Spiel hat.
Hier werden Themen behandelt wie Mobbing, Traumata und Versagensängste - alles Themen die aktuell sind und bewegen. Diese werden hier aus der erwachsenen, als auch aus der kindlichen Sicht her beleuchtet. Daher ist dieser Thriller durchaus als Jugendthriller ab 16 Jahren geeignet, auch wenn dieser hin und wieder mehr oder weniger blutige Szenen beinhaltet.
"Sie blickt nicht nach unten, sieht das Kupferrohr nicht, das aus ihrer Brust ragt und von dessen Ende dickes rostfarbenes Blut tropft und eine Lache um ihre Füße bildet, die einen knappen halben Meter über dem Boden sind." (S. 204)
Dies erfolgt in einem flüssigen und guten Schreibstil, die Erzählweise ist packend und auch der Plot macht etwas her.
Und trotzdem konnte mich dieser Psychothriller nicht von sich überzeugen und das hat gleich mehrere Gründe:
Zum Einen, wie schon bereits erwähnt, die Charaktere. Diese sind zwar durchaus gut gezeichnet, doch in gewisser Weise agieren und reagieren so manche alles andere als authentisch, allen voran Imogen und Ellie.
Dann hapert es hier ordentlich an der Übersetzung, die sich in merkwürdigen Satzstellungsfehlern und Bezeichnungen/Übersetzungen äußern, welche dem Satz dann eine gänzlich andere Bedeutung geben und somit nicht zur Handlung passen.
Dies hat dann natürlich meinen Lesefluß beeinträchtigt.
Dies ärgert mich insofern, das dies einem großen Verlag mit guten Übersetzern und einem professionellem Lektorat nicht passieren sollten und wenn doch, dann nicht in diesem Ausmaß.
Die Auflösung und das Ende bescherten mit eher Kopfzerbrechen. Anstatt eines "Aha"-Erlebnisses, hatte ich eher mehr Fragezeichen über dem Kopf als zu Beginn.
Manches empfinde ich als sehr weit hergeholt, unglaubwürdig und zudem bleiben hier auch ein paar Fragen gänzlich offen.
Zu viele Vielleichts und Wahrscheinlichs, die mich unzufrieden zurück ließen.
Fazit:
Dieser Psychothriller ab 16 Jahren fing wirklich gut an - undurchsichtig, spannend und guter Schreib- und Erzählstil. Doch im Verlauf wurde es für mich immer frustrierender darin zu lesen. Vor allem zum Ende hin, welches die Story dann noch mehr vermasselt. Manchen Lesern gefallen Enden bei denen man selbst den Faden noch weiterspinnt, spekulieren und interpretieren kann. Ich gehöre definitiv nicht dazu, zumindest nicht, wenn es sich um einen abgeschlossenen Roman, oder in diesem Fall Psychothriller, handelt. Mit unauthentischen Charakteren kann ich auch nicht wirklich etwas anfangen und die schlechte Übersetzung erledigte den Rest.
© Pink Anemone
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hamburg abseits der Touristenpfade
111 Orte in Hamburg, die man gesehen haben muss von Wolf Rike
Wer die Hanse-Stadt abseits der üblichen Touristenpfade erleben will, ist mit diesem Reiseführer bestens beraten.
Autorin Rike Wolf listet hier 111 Orte in Hamburg auf, die man unbedingt besuchen sollte.
Sie spannt den Bogen von kulinarischen Genüssen über maritime Erlebnisse zu bekannten und unbekannteren Sehenswürdigkeiten.
So können wir einen Blick auf die Villa von Hans Albers (Nr.4 4) und das ehemalige israelitische Krankenhaus (Nr. 54) - heute Standort einer städtischen Behörde - erhaschen. Es finden sich einige Denkmäler wie die „Ätherwelle“ (Nr. 6) jene Skulptur, die den Physiker Heinrich Hertz ehrt, die eher im Verborgenen stehen.
Auch Naturschönheiten wie der „Alte Schwede“ (Nr. 2) oder das „Schnaaken-Moor“ (Nr.95) werden vorgestellt.
Natürlich darf ein Abstecher ins „Miniaturwunderland“ (Nr.31) oder ins „Maritime Museum“ (Nr. 71) nicht fehlen. In der „Buddelschiffmanufaktur“ (Nr.17) sowie in der Ausstellung im Schulauer Fährhaus (Nr.97) können filigrane Buddelschiffe bewundert werden.
Selbst geborenen Hamburgern wird das „Gipfelkreuz Hasselbrack“ (Nr. 36) unbekannt sein. Der Mount Hasselbrack erhebt sich stolze 116m über NN. Wo genau? Die GPS-Koordinaten sind Gottlob angegeben.
Zu jedem, der lohnenden Ausflugsziele gibt es eine kurze Beschreibung, fallweise eine Anekdote, ein gelungenes Foto und die Info für eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Für die Museen sind die Öffnungszeiten angegeben, die für eine Metropole wie Hamburg ein wenig skurril anmuten: Kaum eines hat länger als bis 17:00 oder max. 18:00 Uhr geöffnet.
Fazit:
Wieder ein paar interessante Neuigkeiten für unseren Hamburg-Urlaub entdeckt. Gerne gebe ich für dieses Buch, das die lange Wartezeit bis zum nächsten Hamburg-Aufenthalt verkürzen hilft, 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Spannend bis zur letzten Seite
Grado im Nebel von Andrea Nagele
Dieser dritte Krimi rund um Commissaria Maddalena Degrassi schließt nahezu nahtlos an den Vorgänger „Grado im Dunklen“ an.
Obwohl Toto Merluzzi auf Grund seines Geständnisses im Gefängniskrankenhaus auf seinen Prozess wartet, gibt es weitere Überfälle auf Frauen.
Sind die Zweifel an Totos Täterschaft, die Commissaria Degrassi seit der Verhaftung plagen, berechtigt?
Doch dann entwischt Toto aus dem Krankenhaus und die Lage spitzt sich zu.
Während sich Toto zu seinem Priester durchschlägt, muss Maddalena nicht nur gegen die Zeit, sondern auch (wieder einmal) gegen ihren bornierten Vorgesetzten, Commandante Scaramuzzi“ ankämpfen.
Meine Meinung:
Geschickt führt uns Autorin Andrea Nagele in die Irre. Dass wahrscheinlich Toto nicht der Täter kann, hat der geneigte Leser schon im Vorgänger vermutet. Doch wer ist es dann? Wir verfolgen mit den Ermittlern eine heiße Spur.
Diesmal bekommen wir Leser auch viel von der Psyche eines Opfers mit: Ginevra Missoni wurde von dem Täter vergewaltigt, hat aber, im Gegensatz zu einigen anderen Frauen, überlebt. Einfühlsam wird geschildert, wie schwierig es für Ginevra ist, wieder im Alltag Fuß zu fassen.
Andrea Nagele gelingt es, sowohl bei der Darstellung von Ginevra und ihren Ängsten als auch bei psychisch kranken Toto, ihre große Erfahrung als Psychotherapeutin auszuspielen. Bei Toto kann man die Angst, dass man ihm „den Schädel aufbohrt“ wirklich körperlich spüren. Dabei soll er doch nur mittels EEG untersucht werden, woher seine (möglicherweise) epileptischen Anfälle kommen. Dass er just in dem Moment kollabiert, als Degrassi ihn verhört, ist bestimmt dem gesunden Selbstschutz seiner labilen Psyche geschuldet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch für die behandelnden Ärzte schwierig ist, herauszufinden, wieviel Toto versteht. Wahrscheinlich mehr als sie glauben, denn auf manches reagiert er ja unwirsch und will nicht für ein kleines Kind gehalten werden.
Vermutlich hätte man Toto mittels kindlicher Frühförderung und ohne das Sedieren mit Medikamenten durch seine Schwester, schon viel früher in einen besseren Zustand bringen können.
Eine größere Rolle spielt diesmal Degrassis Mitarbeiter, Arturo „Legolas“ Fannini. Langsam tritt er aus dem Schatten seines Wahlonkels Scaramuzzi heraus – die Entwicklung gefällt mir.
Ganz schön gewagt von Ginevra und Arturo, auf eigene Faust zu ermitteln!
Spannend auch der Motorradunfall von Maddalena. Dass sie sich gleich nach dem Aufwachen aus dem Koma nach ihrer Moto Guzzi erkundigt, passt gut zu ihr. Ich verstehe es gut, dass ihr um das Motorrad leid ist. Die Guzzi ist einfach eine tolle Maschine. Dass sie zuerst vom Spitalsbett aus und dann als Rekonvaleszente die Ermittlungen leitet, finde ich gut. Das passt einfach zu ihr. Deshalb kann ich es mit nicht gut vorstellen, dass sie den Dienst quittiert um fortan mit Franjo im Karst zu leben – aber, das ist wohl eine andere Geschichte.
Dass sich ausgerechnet zwischen Maddalenas Mutter und dem Commandante so etwas wie eine Romanze anbahnt, birgt Konfliktstoff für weitere Folgen …
Fazit:
Wieder ein toller Krimi in der schönen Umgebung von Grado, der in menschliche Abgründe blickt. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Schatten der Vergangenheit
Spreewaldrache von Christiane Dieckerhoff
"Spreewaldrache" ist nach "Spreewaldgrab" und "Spreewaldtod" bereits der dritte Fall für die Kommissarin Klaudia Wagner. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen und daher kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann problemlos folgen, auch wenn man noch keinen Band der Reihe gelesen hat.
Um allerdings die privaten und beruflichen Hintergründe der Kommissarin und ihrem Team besser zuordnen zu können, empfiehlt es sich, die Vorgänger zu lesen.
Teambildende Maßnahmen können schon was Schönes sein, wenn man nicht gerade mit seinen Kollegen zum Wursten eingeteilt wird. Wer schon einmal an „verordneten Teambildungsmaßnahmen“ teilgenommen hat, wird vermutlich Klaudia Wagners Wunsch nach einem Ende dieser Aktion verstehen können. Doch manchmal muss man mit seinen Wünschen vorsichtig umgehen, sie könnten in Erfüllung gehen …
Prompt werden Klaudia und ihr Team zu einer Datsche gerufen und finden einen niedergeschlagenen jungen Mann. Besteht ein Zusammenhang mit der Techno-Party in der Nähe? Daniel überlebt, kann oder will sich an die Ereignisse nicht erinnern. Wenig später wird unweit von diesem Tatort ein toter Obdachloser gefunden. Gibt es hier einen Zusammenhang? Kannten sich die Opfer?
Wagner und ihr Team ermitteln fieberhaft und stoßen auf eine komplexe Fehde zwischen zwei Kahnführerfamilien, die schon vor rund 20 Jahren ein Todesopfer gefordert hat. Übt hier jemand späte Rache?
Meine Meinung:
Wie wir es von Christiane Dieckerhoff gewöhnt sind, verknüpft sie Handlungsstränge der Vergangenheit mit aktuellen Vorkommnissen. Der Leser kann daher miträtseln, wer in die mysteriösen Geschehen involviert ist. Die Autorin legt verschiedene Spuren, die nicht immer zum Ziel führen. Spannend machen es die familiären Verwicklungen der Protagonisten. Hier sind konzentriertes Lesen und vielleicht Papier und Bleistift hilfreich, da es diesmal nicht einfach ist, den Überblick zu behalten.
Wieder gelingt es der Autorin, das besondere Flair des Spreewalds zu beschreiben und in die Handlung einfließen zu lassen. Man kann sie die Umgebung des Spreewaldes mit seinen Datschen recht gut vorstellen. Ich höre das leise Plätschern des Wassers und das Quaken der Frösche. Die Charaktere wirken ebenfalls authentisch. Zusätzlich zu den alten Bekannten aus den vorherigen Bänden, werden neue Charaktere eingeführt. Die Mischung ist gut gelungen. Diesmal nehmen die privaten Nebenhandlungen nicht allzu viel Raum ein. Die Schatten der Vergangenheit, mit denen die Kommissarin bzw. ihr Team zu kämpfen hat, werden kurz angerissen, drängen sich jedoch nicht in den Vordergrund Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm lesbar.
Gut gefallen hat mir, dass Polizeiarbeit ziemlich realistisch dargestellt wird. Nicht immer kann den Verdächtigen alles bis ins letzte Detail nachgewiesen werden und so bleibt diesmal ein Hauch von Frust über Klaudia Wagner hängen.
Das Ende mit dem gemeinen Cliffhanger des schwer verständlichen Telefonates lässt auf eine Fortsetzung hoffen, die noch die eine oder andere Überraschung sowohl für die Leser als auch für die Kripo Lübben beinhalten wird.
Fazit:
Wieder ein Krimi aus dem Spreewald, der mich sehr gut unterhalten hat. Diesmal wird das Buch mit 5 Sternen bedacht.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein Leckerbissen nicht nur für Philatelisten
Atlas der verschwundenen Länder von Berge Björn
Dieses Buch aus dem dtv-Verlag ist Leckerbissen für historisch Interessierte, Geografen und Philatelisten.
Ausgehend von seiner eigenen Briefmarkensammlung, in der sich zahlreiche Raritäten verbergen, reisen wir mit Autor Björn Berge durch die Welt, um an Hand seltener Postwertzeichen 50 Länder kennenzulernen, die nur wenige Jahre, ja manche nur ein paar Monate Bestand hatten.
Björn Berge hat die 50 Staaten in 6 Gruppen eingeordnet, je nach Zeitpunkt ihrer Existenz.
Zu jedem Staat gibt es eine Lageskizze, die Fläche, Einwohnerzahl und die Daten seines Bestehens. Daneben ein Auszug aus der oft wechselvollen Geschichte und die eine oder andere Anekdote, ein Zitat und selbstverständlich ein dazu passende Briefmarke. Ergänzt wird das Staatenporträt durch Hinweise auf weiter führende Literatur, ev. vorhandenes Filmmaterial oder entsprechende Musik. Das eine oder andere Mal ist ein Rezept einer landestypischen Speise abgedruckt.
Wie z.B. „Corrientes“ (S. 24-27) einem kleinen südamerikanischen Land zwischen Argentinien, Brasilien und Uruguay, das von 1856-1875 existierte. Die damals gebräuchliche Briefmarke diente auch als Zahlungsmittel, da Kleingeld kaum vorhanden war. Die Druckplatten stellte ein Bäckergeselle her.
Der Fantasie der Briefmarkendesigner ist kaum eine Grenze gesetzt. Es reicht vom einfachen Aufdruck des „neuen“ Landesnamen bis zur komplett durchgestylten Briefmarke mit Pflanzen, Tieren oder dem Regenten.
Im streng islamischen Landstrich Ober-Yafi (am Golf von Aden gelegen), das immerhin von 1800-1967 existierte, entwarf man eine Reihe großformatiger Briefmarken, die alle möglichen Kunstschätze zeig(t)en, unter anderem die Tänzerinnen von Edgar Degas, die der islamischen Kleiderordnung nicht wirklich entsprechen. Hinter diesem Vorhaben stand eine englische Druckerei, die dem Sultan die Briefmarkenserien einredete. Das Skurrile daran: Ober-Yafi besaß kein Postwesen.
Meine Meinung:
Ein sehr spezielles Buch, das aber bestimmt seine Liebhaber unter Philatelisten und historisch interessierten Geografen finden wird.
Viele, der abgebildeten Briefmarken aus Berges Sammlungen wurden auch wirklich als Postwertzeichen benützt und sind daher entwertet.
Das Buch ist liebevoll recherchiert und gibt Raum, die angebotenen Zusatzinformationen abzurufen. Die Ausführung ist hochwertig: gebunden, mit Leinenrücken, querformatig, einem haptisch und optisch ansprechenden Papier. Die Weltkarte auf den Buchdeckelinnenseiten gibt einen schönen Überblick, wo sich diese nunmehr verschwundenen Länder befunden haben.
Man kann nur staunen, was hier zwischen 1840-1970 an politischem Geschehen stattgefunden hat.
Fazit:
Ein wunderschönes Geschenk nicht nur für Liebhaber von Postwertzeichen. Gerne gebe ich diesem interessanten Streifzug durch die Welt 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
30 Jahre Krieg - kurz gefasst
Der Dreißigjährige Krieg von Georg Schmidt
Georg Schmidt versucht die politischen Zusammenhänge, die zum Dreißigjährigen Krieg führten und die Geschehen zwischen 1618-1648 auf rund 100 Seiten darzustellen. Das ist auf Grund der Komplexität der Bündnisse und Interessen nicht ganz einfach.
Was zuerst als Problem der Habsburger in Böhmen beginnt, breitet sich wie ein Flächenbrand über ganz Mitteleuropa aus.
Mehrmals hatten es die beteiligten Herrscher in der Hand den Krieg zu beenden und Frieden zu schließen. Aus Ignoranz und auch mit falschen (oft geistlichen) Ratgebern unterlassen sie dies und so dauert der Konflikt eben die bekannten 30 Jahre.
Meine Meinung:
Das Kompendium ist in sieben Kapitel mit Unterpunkten geteilt, sodass der Inhalt in kleinen Abschnitten gelesen werden kann. Obwohl ich die Geschichte des Dreißigjährigen in groben Umrissen kenne, musste ich doch die eine oder andere geschilderte Begebenheit im Internet nachlesen.
Des Weiteren orte ich in diesem Buch ein wenig Parteilichkeit des Autors. Er scheint eine Vorliebe für das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ zu haben, das neben dem Habsburgerreich aus vielen kleinen und größeren deutschen Königs- und Fürstenhäusern besteht, nicht zu vergessen die kirchlichen Gebiete und deren Würdenträger, die in Glaubensfragen auch eine Menge mitzureden haben.
Die Habsburger und besonders Kaiser Ferdinand II. kommen nicht besonders gut weg.
Gut beschrieben sind die Entstehung, das Ausmaß und die Folgen des Krieges, an dessen enormen Verwüstungen das Reich und die Bewohner noch lange zu leiden haben.
Für Newcomer, die eine kompakte Darstellung des Geschehens lesen wollen, ist das Buch nur bedingt geeignet. Einige Vorkenntnisse sind hier doch von Nöten. Der Leser, der sich mit der Materie bereits intensiv auseinandergesetzt hat, wird hier einige interessante Details finden, die auf neuerer Geschichtsforschung basieren. Ein ausführliches Literarturverzeichnis ergänzt diese Zusammenfassung.
Was wirklich ärgerlich ist, ist das Fehlen von Karten, Übersichten und einer Zeittafel. Das kostet gleich einmal einen Stern.
Fazit:
Für Einsteiger in die Welt des 17. Jahrhundert kann ich das Buch leider nicht empfehlen. Dazu wird bei der Darstellung einfach zu viel Vorwissen vorausgesetzt. Da gäbe es anderes, wie z.B. „Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648“ von Johannes Arndt im Reclam Verlag erschienen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Goethe und Schiller ermittel wieder
Die Affäre Carambol (Goethe und Schiller ermitteln) von Stefan Lehnberg
Eigentlich wollten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller anno 1801 nur auf einen Sprung bei Goethens Mutter in Frankfurt vorbeischauen. Die Reise scheint unter keinem guten Stern zu stehen, benötigen sie doch 4 (!)Kutschen und einen Tag länger als geplant.
Und auch der Aufenthalt dauert länger als gewollt.
Die beiden werden nämlich in einen Kriminalfall verwickelt, der es in sich hat: Zwei ermordete Stadträte, mysteriösen Mehllieferungen und falsche Postboten lassen auf eine Verschwörung schließen. Doch wer gegen wen?
Ein Aufstand gegen Napoleon, der Frankfurt hohe Kontributionszahlungen auferlegt hat? Das hätte fatale Folgen und so werden die beiden scharfsinnigen Dichter von den übriggebliebenen Stadträten beauftragt, die Hintergründe zu erforschen.
Längere Zeit ist nicht klar, ob Frankfurts Obrigkeit nicht selbst hinter den Malversationen steckt…
Meine Meinung:
Diese Kriminalgeschichte wird wie schon der erste Fall “Durch Nacht und Wind” von Friedrich Schiller erzählt. Kurz wird auch auf das erste Abenteuer eingegangen.
Wir begleiten die beiden Freunde bei ihren Ermittlungen, die sie als nicht ganz ungefährlich herausstellen. So wird Goethe auf einer Gesellschaft vergifteter Wein gereicht, später geraten sie in einen Hinterhalt usw. usw.
Dieser aktuelle Kriminalfall ist ebenso Fiktion wie der erste. Die Schilderungen von Frankfurt und Umgebung sowie die Lebensgewohnheiten entsprechen geschichtlichen Fakten. Das Bild der Stadt mit Stadtmauer, als Verkehrsknotenpunkte, die durch Napoleon zerstörten Häuser und die als Lager verwendete Kirche sind authentisch.
Ebenso (fast) authentisch ist die Sprache, der sich die Darsteller in diesem Krimi bedienen. Der Autor hat sie der Originalsprache behutsam aber realistisch angepasst. Dennoch liest sich das Buch leicht und flüssig.
Das Wortgeplänkel zwischen Schiller und Goethe verleitet häufig zum Schmunzeln. Besonders als es um das Honorar für das erste Buch geht (s. 144/145), erkennt der geneigte Leser, dass in dem distinguierten Geheimrat Goethe ein mittleres Schlitzohr steckt.
Das Buch ist wieder in einer tollen Aufmachung erschienen: Das Format etwas kleiner als üblich, in einem hochwertigen Hardcover-Einband mit goldfarbener Prägung. Schiller und Goethe stehen sich wir zwei Duellanten gegenüber.
Fazit:
Wer auf der Suche nach einem "richtigen" Krimi ist, ist hier falsch. Wer aber eine humorvolle Geschichte in einem authentischen historischen Umfeld für kurzweilige Unterhaltung sucht, wird hier fündig. Dafür gebe ich gerne 5 Sterne.
Rezensionen von Vicky:
Die Vergangenheit ist vergangen
Wahrheit gegen Wahrheit von Karen Cleveland
Das Buchcover und der Titel sind mir ins Auge gestochen und haben mich sofort neugierig gemacht. Da ich aktuell die Serie 'Homeland' schaue bin ich von der CIA aktuell absolut gefangen genommen und verschlinge auch alle Bücher mit diesem Thema.
Unter 'Buch' findet man bereits eine recht gute Vorschau auf den Thriller mit der Hauptfigur Vivian Miller als Spionageabwehr-Analystin der CIA von Karen Cleveland.
Die Geschichte teilt sich folgendermaßen auf: Zwei Tage zuvor, fünfundzwanzig Kapitel, ein Jahr später sowie einen Epilog.
Der Einstieg ist sehr gut und spannend gestaltet und nimmt mich von der ersten Seite an gefangen. Der Schreibstil von Karen Cleveland ist angenehm und flüssig. Spannend geht es durch die einzelnen Kapiteln, wenn auch manchmal etwas langsamer als mir lieb ist. Mir hat hier zwar manchmal die erwartete Action für einen Agententhriller gefehlt aber das gleicht sich wie ich finde alles durch Spannung aus! Ich habe auf jeder Seite mit Vivian mitgefiebert und jedes Mal wenn ich dachte: jetzt habe ich den Durchblick - wurde ich wieder überrascht und alle meine Vermutungen zerstört! Vor allem der Epilog hatte es nochmal so richtig in sich! Ich war total platt als ich die letzte Seite des Buches erreicht hatte - das muss ich noch immer sacken lassen!
Scheinbar ist eine Verfilmung geplant, diese werde ich mir definitiv ansehen.
Fazit: Die Inhaltsangabe sowie die Leseprobe haben bei mir die Erwartung auf ein spannendes und interessantes Buch geschürt. Ich kann sagen dieser Eindruck wurde auf jeden Fall bestätigt.










