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Rezensionen von verhei:
Ein bisschen wie Ocean's Eleven nur mit Jugendlichen
Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder von Chris Morton
Der siebzehnjährige, hochbegabte Justus erwacht nach einem Autounfall ohne Erinnerung im Krankenhaus. Seine Eltern kamen bei diesem Unfall um Leben und Justus ist nun Erbe der Pharmafirma seiner Eltern. Doch sein Vormund Randolf scheint ihn nicht wirklich unterstützen zu möchten, der Ruf der Firma steht auf dem Spiel.
Justus engagiert ein Team aus jungen Talenten – Hacker, Fassadenkletterer, Meisterdiebe. Das Ziel ist ein Einbruch in die Firma und den Vormund aufzuhalten.
Fünf Jugendliche, mit Decknamen, die erstaunlich unterschiedlich sind, aber auch mit außergewöhnlichen Talenten gesegnet sind. Doch sie funktionieren und ergänzen sich als Team noch viel besser und haben ein gemeinsames Ziel – Gerechtigkeit. Besonders mochte ich hier Justus, hochbegabt, etwas neurodivergent – also ungeschickt im sozialen Umgang.
Erzählt wird in zwei Zeitebenen – einmal vor dem Einbruch, also die Vorgeschichte von Justus und der Findung des Teams. Und zweitens während des Einbruches und all den Täuschungsmanövern.
Der Schreibstil ist leicht, rasant und modern. Schnell kommt man dadurch durch die ersten Kapitel, immer motiviert herauszufinden ob die Ablenkungsmanöver funktionieren. Humorvolle Szenen wechseln sich mit Spannung ab. So manche Wendung habe ich nicht kommen sehen.
Vollkommen realistisch sind die Talente und die Situation, in der sich die Jugendlichen wiederfinden natürlich nicht, aber darauf kommt es bei Actionromanen ja auch nicht immer an.
Also für mich ein gelungenes Jugendbuch, das aber nicht nur Jugendlichen gefallen wird.
Lesenswert! spannend und aktuell
Buberlpartie von Petra Hartlieb
Freitagnachmittag vor dem Osterwochenende rast ein Auto auf einem belebten Wiener Markt in ein beliebtes jüdisches Restaurant – gefolgt von einer Explosion. Chefinspektorin Alma Oberkofler, die privat selbst vor Ort ist, rettet einem Restaurantangestellten das Leben und findet sich mit ihrem Team bald in einer ebenso explosiven Ermittlung wieder.
War es ein Unfall, war es ein Anschlag? Und wenn letzteres wer war das Ziel des Anschlages und was das Motiv? - der jüdische Restaurantinhaber, seine Schwester kritische Autorin, der linke Investigativjournalist oder die ukrainische Familie die über dem Restaurant wohnt? Alles brisant, war doch auch der Fahrer politisch sehr rechts orientiert und aber auch Sohn einer Bauunternehmerdynastie mit Aussicht auf höhere Ämter. Die versuchte Einflussnahme durch die Politik lässt nicht lange auf sich warten.
Das Ermittlerteam um Alma Oberkofler ist charmant und unvoreingenommen, ermittelt man doch in alle Richtungen. Man landet in Sackgassen, kommt oft nur zäh voran und wundert sich im Zuge der Ermittlungen ob so manchem Zufall. Als Leser habe ich jeweils meine eigenen Theorien gebaut. Besonders gelungen fand ich auch die Rolle von Werner Althuber vom DSN, erlaubt er doch so manchen Blick hinter die Kulissen der Macht.
Petra Hartlieb präsentiert diese Geschichte trotz aller politischen Einflüsse und unklaren Gemengelage sehr klar, flüssig und nachvollziehbar. Vor allem aber auch mit nötigem Feingefühl im Hinblick auf die Opfer und deren Hinterbliebenen: Die Erzählung wechselt zwischen dem Blick aus Ermittlersicht, hier durch Alma Oberkofler und den Gedanken und Erkenntnissen der Angehörigen der Opfer. Man merkt dabei, wie schnell man diese Perspektive bei so mancher Meldung gerne aus den Augen verliert.
Und als Österreicher bzw. mit der österreichischen Politik vertrauter schmunzelt man über so manchen Namen und beschriebenen Szenen, wenn man so an die letzten Jahre denkt, stand doch so oft die Realität Modell.
Ich hoffe auf weitere Bände der Autorin.
Wirklich lesenswert!
humorvolle, italienische Miss Marple
Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti
Dolceacqua, ein kleiner Ort in bergiger Lage in Ligurien nahe der französischen Grenze. Eigentlich läuft hier alles recht beschaulich. Marcella, die nach einigen Jahren in Deutschland, nun schon länger wieder in der Heimat ist, soll die neue Freundin ihres Sohnes Domenico, Carabinieri des Ortes kennen lernen.
Und zeitnah sterben unerwartet einige rüstige Bewohner der Orte in der Gegend. Unerwartet, jung und alle werden in ihrer Heimat begraben? Marcella, die eine Vorliebe für Krimis hat, lässt all das nicht in Ruhe.
Wie man schon an der sehr gelungenen Aufmachung des Buches erkennt, handelt es sich um einen Krimi der Kategorie Cozy-Crime, der viel italienisches Lebensgefühl aufnimmt. Man lernt nebenbei etwas die Region, vor allem aber das Essen kennen und begegnet so manchem Klischee.
Der Schreibstil ist locker und humorvoll und schafft es gut durch den Einwurf italienischer Worte, das Italienfeeling zu transportieren.
Besonders gelungen sind dem Autor meines Erachtens die Charaktere, aber teilweise vielleicht etwas klischeehaft. Marcella, eine italienische Mama, die ihren Sohn gerne bekocht. Aber sie würde auch gerne etwas im Leben ihres Sohnes mitbestimmen würde und ist mit dessen Frauenwahl nicht einverstanden ist. Doch sehr resolut und gewieft in den Ermittlungen. Und eine rasante Autofahrerin. Harry, deutscher Hippie Künstler, wohnt bei ihr zur Untermiete und nutzt gerne diverse Substanzen zur Wahrnehmungserweiterung. Er bildet den etwas ruhigeren Gegenpol in den Ermittlungen. Und schließlich Sohn Domenico, der es seiner Mutter schwer recht machen kann.
Die Geschichte und das Rätsel sind spannend, mischt doch nach Marcellas und Harry Meinung die Mafia mit. Und warum sterben wirklich so viele Personen in Marcellas Alter. Blutrünstige Szenen sucht man in einem Cozy-Crime natürlich vergeblich, allerdings war der Spannungsverlauf doch eher flach. Leider zieht sich die Geschichte teilweise etwas. Man bleibt als Leser aber dennoch dabei, da man ja die Auflösung kennen möchte. Und die fand ich solide und interessant gestrickt.
Nichtsdestotrotz würde ich mich über weiter humorvolle Bände von Miss Marple auf Italienisch freuen.
Unterhaltsame Art Italienisch zu üben
Italiano! Italienisch lernen für Anfänger | Lernkrimi Italienisch A1-A2 | Un caffè amaro per il professore | Mit Audios, Vokabeln und Übungen von Paola Fanti
Ein Lernkrimi um Italienisch im Niveau A1-A2 zu festigen bzw. üben.
Elena Morgante, Studentin der Kriminologie, landet in einem Kriminalfall. Ein Rechtsmediziner wird mit Arsen vergiftet. Gemeinsam mit ihrem Professor beginnt sie den Täter zu suchen.
In neunzehn Kapiteln wird dieser Krimi erzählt.
Im Aufbau sind diese immer gleich: italienischer Text, Übungen zum Textverständnis, eine Vokabelliste und schließlich auch der Text in Deutsch.
Ergänzt wird all das mit Audiodateien, die man über einen QR-Code bzw. auf der Seite des Verlages herunterladen kann. Dabei wird jeweils der italienische Text vorgelesen. Das Tempo und die Stimme des Sprechers sind sehr angenehm.
Ergänzt wird alles noch durch auflockernde graphische Elemente.
Ich verstehe die Beweggründe den deutschen Text erst nach die Vokabelliste zu legen, für Anfänger wäre es wahrscheinlich praktischer, ihn näher beim italienischen anzuordnen. Für mich war das Niveau des Romans passend, wobei ich es eher bei Studenten des Niveaus A2 einordnen würde, damit man nicht zu viel blättern muss. Man begegnet doch ab und an der Vergangenheitsform und dem Passiv. Auch so manche Vokabel, die nicht in jedem Alltagsthema vorkommen, passen meiner Meinung nach auch besser zu A2. Allerdings lässt es sich durch den mitgelieferten deutschen Text auch leicht klären.
Das Buch ist sicher eine gute Ergänzung zu klassischen Lernmaterialien, vor allem für Krimifans. Wer freut sich denn nicht darüber, das erste Buch in einer neuen Sprache lesen zu können.
bekannter Cozy-Crime, dieses Mal mit einer größeren politischen Komponente
Vino, Mord und Bella Italia! Folge 10: Falsches Spiel beim Abschlag von Christian Homma; Elisabeth Frank
Die Hochzeit von Isabella, Tochter des Bürgermeisters, steht vor der Tür und der Bürgermeister wünscht sich eine Hochzeit im Golfclub des Ortes. Sehr zum Missfallen des Brautpaares, das eine traditionelle Hochzeit im Ort bevorzugen würde. Doch diesem Trubel nicht genug, wird eine Leiche im Sandbunker am Golfplatz gefunden, diesmal von Commissario Vico höchst persönlich.
Bald geraten alle in Verdacht, die Clubbesitzer, die Angestellten, ja sogar die Familie des Bürgermeisters.
Dies ist nun schon der zehnte Band der Reihe um das beschauliche Örtchen Fontenaia, in dem Halbitalienerin Anna Wagner, die Ermittlungen des Teams um Commisario Vico unterstützt. Für Leser, die mit der Reihe schon vertraut sind, ist es jedes Mal wie ein nach Hause kommen zu alten Bekannten. Doch keine Sorge, auch ein Einstieg in Band 10 wäre problemlos möglich, auch wenn die Bände aufeinander aufbauen.
Auch wenn man in diesem Teil viel Bekanntes wiedertrifft, wie die schon liebgewonnen Charaktere, ist dieser Band dennoch etwas anders. Die Leiche kommt doch etwas früher als gedacht und der Spannungsbogen zieht rasch an. Das Team, dass in den letzten Bänden so gut zusammengewachsen ist, und auch Polizeireporterin Anna Wagner integriert hat, steht vor Problemen. Die politische Einflussnahme von außen ist groß, bekannte Strukturen werden zerrissen. Alte und ungeliebte Bekannte tauchen wieder auf. All dies gefährdet die Ermittlungen. Somit sind alle nicht nur mit der Suche nach dem Mörder beschäftigt, sondern auch mit dem neuen Status quo.
Der Stil ist aber gleich – gewohnt locker mit italienischem Flair.
Ich freue mich nun schon auf Band 11, nicht zuletzt auf Grund des kleinen Cliffhangers.
Druck, Machtspiele, Geheimnisse und nichts ist wie es scheint
Most Hated Girl von Kirsty Lockwood
Die neunzehnjährige Odette lernt durch Zufall den achtzigjährigen Amos bei einem Museumsbusch kennen und freundet sich langsam mit ihm an. Dankbar, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter Anschluss findet. Schließlich zieht sie aus der Sozialwohnung zu ihm und teilt Videos über das Zusammenleben in den Sozialen Medien.
Während eines Livestreams attackiert die junge Odette Amos, den Mann, der sie bei sich aufgenommen hat. Für die Öffentlichkeit scheint der Fall durch den Livestream eindeutig zu sein. Doch warum schweigt Odette beharrlich, als sie von der eintreffenden Polizei auf die Wache gebracht wurde. Welches Motiv hat sie, was ist passiert.
Die Erzählung wird in zwei Zeitebenen präsentiert – der Gegenwart in der Odette auf der Polizeiinspektion einvernommen werden soll, und der Vergangenheit zuvor, die dem Leser zeigt, wie es zur derzeitigen Situation kam. Die Kapitellänge ist passend, um immer wieder die Perspektive zu wechseln und gewisse Geschwindigkeit aufzubauen. Allein im Mittelteil war es für mich etwas langatmig. Der Schreibstil ist flüssig und schafft es gut die zunehmend unheimliche Stimmung der Situation auf den Leser zu übertragen.
Die Charaktere erscheinen in ihren Handlungen und Dynamik zueinander nachvollziehbar. Odette, die durch den Lebensstil ihrer Mutter etwas Schwierigkeiten im sozialen Umgang hat. Erstaunlicherweise erscheint sie dennoch sehr positiv, wenn auch etwas eigenwillig und naiv. Ihre kindlichen Ansichten und das Sehnen nach Freundschaften, die sie in der Vergangenheit nie schließen konnte, erscheinen authentisch und man erkennt, dass sie im Laufe der Zeit Amos gegenüber entspannter wird. Zu Amos selbst lässt sich wohl nicht zu viel schreiben, ohne zu viel der Geschichte preiszugeben. Gelungen fand ich auch die Ermittler: Roger und Esther. Ein Duo, das sich im Zuge der Ermittlungen findet und man irgendwie auch ins Herz schließt. Denn es ist hart: sie werden durch die Öffentlichkeit und die eigenen Vorgesetzten unter Druck gesetzt wird, rasch Ergebnisse in diesem scheinbar eindeutigen Fall zu liefern.
Das grundlegende Thema der Erzählung könnte nicht aktueller sein – wie rasch glauben wir uneingeschränkt Bilder und Erzählungen, die uns in den Sozialen Medien präsentiert werden. Wie schnell schaukelt es sich hier zum Hass und Verfolgung auf. Vieles wird gekürzt und vereinfacht präsentiert. Doch was steckt hinter dieser Fassade. Wie schnell kann die Stimmung kippen (dargestellt auch durch die Sozialmedia Posts im Innenteil des Covers).
Ein Roman bzw. psychologischer Thriller, wobei ich ihn eher bei psychologischem Roman einordnen würde, der wichtige Themen aufgreift. Vielleicht etwas anders als ich erwartet habe, aber dennoch finde ich das Buch empfehlenswert.
Umgang in Alltagssituationen in typischer Tiptoi Manier
tiptoi® Abenteuer Großwerden - Smilla lernt ein gutes Miteinander von Sandra Grimm
Smilla lernt gutes Miteinander ist ein weiteres Buch der tiptoi Reihe von Ravensburger zum Thema Groß werden. Alle richten sich an die Altersgruppe 2-3 Jahre, und sollen für die Kleinen eine Welt im Buch zeigen, die ihrem Alltag ähnlich ist.
Hier geht es um den Umgang miteinander und den Gefühlen dabei: Wut, Streit und Entschuldigen, Rücksicht nehmen.
Eben dem Umgang mit Alltagssituationen. Man ist zu Hause, im Kindergarten, am Wochenmarkt, bei einer Kinderfeier, im Park und beim Abendritual. Also alles vertraute Situationen.
Jede Doppelseite ist von einem kurzen Text begleitet, um die Situation zu umrahmen. Doch die zeichnerische Gestaltung gibt auch ohne Text genug Kontext und viel zu entdecken. Mit dem tiptoi-Stift, lassen sich fast alle Darstellung antippen und es gibt entsprechend Geräusche, Dialoge und auch Gedichte. Aber auch die Illustrationen allein bieten viel zum Entdecken. Zusätzlich gibt es auch noch auf zwei Seiten ein Liedersymbol. Das Nein-Sagen-Lied fand ich hier sehr wichtig, da auch vermittelt werden soll, dass auch Kinder nein sagen dürfen. Und auch das Hörspiel war sehr gelungen.
Die Handhabung des Tiptoi Stiftes ist wie bei den anderen Büchern der Serie. Alles sehr übersichtlich und gleich lokalisiert. Schnell können sich die Kinder damit auch selbst beschäftigen.
Eine wirklich schöne Ergänzung der Tiptoi-Reihe, weil sie so nahe am Alltag ist. Wir haben uns auch noch für Piet kommt in den Kindergarten entschieden.
Sommergefühl, Freundinnen, viel Zeit und auch etwas Chaos
Seaside Sisters 1: Lenes Inselsommerglück von Mia Andersen
Die Sommerferien stehen vor der Tür- auch auf der Insel Rosenholm. Lene lebt mit ihrer Zwillingsschwester Elsa auf der Ferieninsel, ihre Eltern betreiben eine Ferienpension. Gemeinsam verbringen sie mit Amber gerne Zeit am Strand. Der Sommer bringt aber noch viel mehr: Lene sucht nach einem Thema für den Schreibwettbewerb.
Und auch Mats ein Junge in den Lene verliebt ist, treibt durch ihre Gedanken. Eine der Sommergäste in der Pension ist Frida, die gemeinsam mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin und ihrem Dackel Liselotte anreist. Doch so begeistert ist Lene nicht von Frieda, einerseits weil sie sich über einiges in der Pension kritisiert und auch auch weil Lene glaubt, dass Frieda ihm Mats ausspannen möchte.
Die Sprecherin des Hörbuches hat es wirklich gut geschafft, die Atmosphäre des Sommers zu transportieren. Ein angenehmes Tempo, die Unterescheidung der Charaktere war gelungen. Und selten habe ich eine so gelungene Intonation einer Whatsapp Kommunikation gehört. Wir fanden es wirklich entspannend, das Hörbuch neben dem Puzzeln zu hören.
Flüssig und altersentsprechend mit einer ordentlichen Portion Humor wird die Geschichte erzählt. Knackige Dialoge, passende Kapitelüberschriften und über allem ein Gefühl von Sommer und Strand durch die bildhaften Schilderungen.
Alles realistisch: Ein Sommer wie man ihn auf einer Ferieninsel erleben könnte. Man verbringt Zeit mit Freundinnen und lernt auch neue kennen. Die Tage sind lang und sonnig, man hat viel Zeit sich mit Hobbies zu befassen und versucht auch neue Ziele zu erreichen. Und auch die ersten Gefühle – Liebe, Verliebtsein – mischen sich darunter. Alles passend für das Alter. Schön war auch zu sehen, wie unterschiedlich Interessen und Stärken sein können, auch wenn es Zwillinge sind.
Ich habe mir neben dem Hörbuch auch das Buch angesehen und kann auch hier sagen, dass es sehr gelungen ist. Die Gestaltung ist schön, vor allem die im Comicstil gestalteten Elemente, die unter anderem auch die Charaktere vorstellen
eine Mordserie mit Bezug zur Antike und zum Vater im Gefängnis
Der Prätorianer von Tobias Bukkehave
November in Kopenhagen, es wird düsterer und kälter. Fast direkt von einem erfolgreichen Einsatz werden die Kriminalkommissarin Sara Levin und ihr Kollege Janus West, zu einem neuen Fall gerufen. An einer abgelegenen Trafostation wurde eine Leiche gefunden, doch dem nicht genug, sie wurde speziell inszeniert, mit diversen Bezugspunkten zur römischen Antike.
Bald ist klar, dass dies kein einfacher Fall wird, und Saras Bruder Adam Levin, Psychologe, wird zu den Ermittlungen hinzugezogen. Doch dem nicht genug, kämpfen doch sowohl Sara als auch Adam mit ihrer Vergangenheit, einem Vater der als hochintelligenter Mörder im Gefängnis sitzt. Und nun führt der Bezug zur Antike auch noch zu ihm.
Der Schreibstil ist klar und temporeich. Die Spannung durchwegs hoch. Hauptsächlich wird die Geschichte aus der Sicht von Sara, Adam und dem Täter erzählt, ergänzt durch ein Paar Kapitel der Opfer. Teilweise ist man als Leser dem Ermittlerteam natürlich auch etwas voraus, teilweise wird man genauso überrascht wie diese.
Das Ermittlerteam im Fall ist neben den Kernpersonen Sara, Janus und dem Psychologen Adam doch von beachtlicher Größe, auch der Brisanz des Falls geschuldet. Ich fand die Charaktere sehr gelungen- Ermittler der alten Schule, treffen auf junge „Wilde“, offen für andere Methoden. Man erkennt, dass so mancher neue Ansatz hilfreich sein kann, allerdings auch nicht allein die Lösung bringt. Sara und Janus, ein doch eingespieltes Team, das sich gut ergänzt und unterstützt. Janus der eher offener und sozialere Charakter und Sara, die eher verschlossen bleibt – beide leben für die Arbeit. Adam, zu Beginn des Buches noch Privatmann, kämpft mit seinem Wunsch die Geschichte des Vaters gemeinsam mit seiner Schwester aufzuarbeiten. Und auch mit seinen eigenen Dämonen. Spannend war auch Christian Levin, der Vater und verurteilte Mörder.
Der Plot ist gut gestrickt, denn rasch wird klar, dass es nicht ein normaler Mord ist, sondern durch die antike Symbolik die private Vergangenheit der Levin Geschwister mit ihrem Vater eingeflochten wird. Noch lange nicht fertig ist die Aufarbeitung der Taten des Vaters, so dass Raum für weitere Bände um das Ermittlerteam bleibt. Die Auflösung des Falles ist schlüssig, wenn auch Kommissar Zufall hier einen großen Beitrag geleistet hat. Aber so ist es auch manchmal in der Realität.
Für mich ein gelungener Thriller, wenn auch vielleicht etwas brutal. Ich mochte die Verflechtung der antiken Symbole mit der Familiengeschichte der Ermittler.
Mord und Genuss - auch in der Schönheitsklinik läuft nicht alles glatt
Mira Belgusto und der schöne Tote von Angelika Lauriel
Mira Belgusto, deutsche Reisejournalistin, reist für ihre neue Reportage in die kleine Stadt Monopoli in Apulien. Begleitet wird sie dabei von ihrem Bekannten, dem italienischen Ex-TV-Star Claudio Bertani. Doch schon auf einem der ersten Punkte der Recherchereise, einer Schönheitsklinik im ehemaligen Gutshof wird es turbulent.
Wird doch der gefeierte Schönheitschirurg und Chef der Klinik Stefano Belletti tot in seinem Büro aufgefunden. Und rasch stellt sich heraus, dass in der Klinik nicht alles so glattgebügelt lief wie man denkt. Enttäuschte Patienten gab es einige.
Ein schönes Cozy-Crime um ein herzliches Amateurermittlerpaar. Wie schon im ersten Band, stolpern Mira und Claudio zufällig auf einen Mordfall. Und auch hier können sie es wieder nicht lassen, auch selbst etwas zu ermitteln bzw. eher wie zufällig Personen zu befragen. Man ist schließlich neugierig. Eine zusätzliche Motivation ist nun auch, dass Natalinas Onkel Zio unter dem Schönheitschirurgen zu leiden hatte. Ja jene Natalina, die als Polizistin im ersten Band der Serie, jegliche Privatermittlung verboten hat. Und nun unterstützt sie die beiden auch noch etwas, da auch sie zu Beginn in Verdacht gerät.
Die Schar an Verdächtigen wächst sukzessive an und man erkennt rasch, dass der Ermordete eher ein Ungustl war. Als Leser rät man fleißig mit und ist froh, wenn auch das Ermittlungsteam in der Mitte der Ermittlungen ein Brainstorming veranstaltet. Der Krimi selbst löst sich schlüssig auf und man ist erstaunt wie gut auch Amateure ermitteln können, wenn sie nur hartnäckig dran bleiben.
Als Leser folgt man dem charmanten Ermittlerpaar aber nicht nur zu Befragungen, sondern lernt auch ja fast nebenbei die Gegend kennen. Etwas Sightseeing und Geschichte der Architektur und Region allgemein. Aber allem voran viel Sightseeing der kulinarischen Genüsse. Man taucht so wunderbar in die Region ein und plant in Gedanken gerne schon ein Urlaub dahin.
Ergänzt wird das Ganze noch durch Rezepte im Anhang. Ein nettes Gimmick und passend zur Reihenbeschreibung – Genusskrimi.
Definitiv empfehlenswert, da der Kriminalfall kunstvoll mit einer Entdeckungsreise in die Region verbunden wird. Schön zum Entspannen und zum in die Ferne träumen und wer möchte nebenbei nicht gerne einen Mörder finden.











