Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Positano
Sommertage am Meer von Roberta Gregorio
Positano ist das jährliche sommerliche Ferienziel für Dafne und Amelia. Hier verleben sie unbeschwerte Tage bei ihrer Tante Carmen im Strandbad, genießen die unendliche Weite von Meer und Freiheit und lernen Nino kennen. Viele Jahre später ist die Tante tot, die Schwestern sollen das Strandbad erben, allerdings sprechen sie schon seit langer Zeit nicht mehr miteinander …
Ein malerischer Ort, bunte Häuschen, steile Treppen, duftende Blumen und verführerische Speisen bilden die perfekte Kulisse für diesen auf den ersten Blick lockeren Roman, der auf den zweiten Blick aber doch viel Tiefgründiges und Nachdenkliches bereit hält für seine Leser.
Die Amalfiküste mit dem farbenfrohen Positano versprüht Urlaubsflair, insbesondere, wenn man selbst gerade erst von dort zurückkehrt und einige Plätze noch frisch in Erinnerung hat. Viele Details aus Carmens Erklärungen zu Positano und seiner Historie fügen sich zu einem wunderbaren Bild zusammen, die Geschichte aufgrund des Testaments ist stimmig. Neben dem beschwingten Grundton fließen auch etliche ernsthafte Punkte ins Geschehen ein, der stete Wechsel der Zeitebenen sorgt für Spannung und nähert sich Schritt für Schritt der finalen Überraschung. Die Kraft der Familie, die tiefe Verbundenheit zwischen zwei Schwestern und ein scheinbar unüberbrückbarer Vertrauensbruch werden zu wesentlichen Grundpfeilern, welche diese ruhige Geschichte tragen.
Der angenehme Schreibstil Roberta Gregorios und die besondere Beziehung der Figuren untereinander sind in diesem Roman die herausstechenden Pluspunkte für eine sommerliche Lektüre mit Tiefgang.
Schatten des Krieges
Die Töchter von Usedom - Rückkehr nach Swinemünde von Jessica Weber
Der Erste Weltkrieg wirft seine Schatten voraus, weshalb das Leben zwischen Berlin und Swinemünde noch komplizierter wird als es für Lilo und ihre Familie ohnehin schon ist. Die junge Krankenschwester wäre lieber Ärztin und ihre Gefühle für Max verdrängt sie, um nicht als abhängige Ehefrau zu enden.
Wie gewohnt, erzählt Jessica Weber eine aufregende Geschichte voller Gefühl und Empathie, fängt ein weiteres Stück Zeitgeschehen bestens in diesem Roman ein. Die komplizierten Familienverhältnisse versteht man wohl eher dann, wenn man die beiden Vorgängerbände schon kennt, die wesentlichen Eckpunkte werden aber gut zusammengefasst. Die Zukunft ist auf Sand gebaut – dieses Sprichwort erhält hier leider eine traurige Bedeutung, verfolgt man das Leben von Lilo und Tilda, jener beiden Cousinen, welche diesmal im Vordergrund stehen und die Wirren des Ersten Weltkrieges überstehen müssen. Verzweiflung, Angst, aber auch Stärke und Mut, sowie ein enger Zusammenhalt in der Familie, wenn es wirklich darauf ankommt, das sind die wesentlichen Stützpfeiler in jener schwierigen Zeit, die nicht nach Plänen fragt, sondern das Augenmerk auf die Gegenwart legt.
Teil 3 fügt sich perfekt in die Reihe ein und ist mit seinen sympathischen Charakteren jedenfalls eine Leseempfehlung wert!
Horror im Hotel
REM von Annika Strauss
Alysee hat Angst vor dem Schlaf, denn einst hat ihr Vater sie gewarnt: „Du darfst nicht einschlafen!“ Mit ihren vier Jahren hat sie das nicht geschafft und dafür ihren Vater in den Tod geschickt. Als Erwachsene erbt Alysee ein Hotel, in welchem sie die Geheimnisse um ihre Familie ergründen kann, der Horror hält mit ihr Einzug.
Eine aufregende Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln nimmt ihren Lauf, Alysee und ihr Ziehbruder Nico versprechen Spannung, die Leute im VW-Bully Horror. Die flotte Schreibweise und die kurzen Kapitel samt häufigen Perspektivwechseln tragen ebenfalls zum Lesevergnügen bei. Allerdings sinkt dieses im Laufe der Geschichte deutlich ab, die Elemente aus dem Horrorgenre werden oft nur angedeutet oder beziehen sich auf Filme und Computerspiele, werden aber dann doch kaum szenisch umgesetzt. Die Handlung selbst wird – speziell zum Ende hin – immer skurriler und nimmt science-fictionartige Formen an, welche für mich nicht wirklich zum so fesselnden Beginn passen. Der Horror im Hotel, der Vorraum zur Hölle, hätte noch dramatischer ausfallen können, die Glaubwürdigkeit wäre mit einer weniger fantastischen Gedankenwelt wohl höher geblieben.
Ein interessantes Thema, das im Laufe der Kapitel leider an Spannung und Überzeugungskraft einbüßt. 3 von 5 Sternen.
Gewitter über der Insel
Träume aus Salz von Anika Landsteiner
Gewitter über der Insel
Flo und Matty sind noch in der „frisch verliebt“-Phase als sie einen erholsamen Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel verbringen. Am Strand liegen, lesen, gutes Essen genießen und die Seele baumeln lassen. Das ist der Plan, Flos nächtliche Träume und Erinnerungen jedoch ziehen wie dräuende Gewitterwolken herauf und überschatten die Idylle.
Aus verschiedenen Perspektiven erfahren wir, was auf der Urlaubsinsel – und nicht nur dort – geschieht, Flo, Matty und die Griechin Sofia leihen uns dafür ihren Blick auf die Dinge. Griechische Mythologie, Tarotkarten und Sofias richtige Gespür für ihre Mitmenschen bringen Knistern ins Geschehen, dazu Flos Gedanken an frühere Ereignisse, dennoch will der gewisse Funke nur schwer überspringen, verliert sich die Handlung immer wieder in alltäglichen Nichtigkeiten, bringt die Intention des Ganzen nie richtig auf den Punkt – das ist zumindest mein Eindruck. Melancholie und eine gewisse Schwere liegen über dem glitzernden Meer, den köstlichen kulinarischen Verführungen. Die zeitweise poetische und überaus angenehme Sprachmelodie vermag den zerfaserten Handlungsverlauf kaum wettzumachen. Obwohl nur wenige Figuren im Mittelpunkt stehen, bleiben diese ein wenig unnahbar, deren Gefühle zwar transparent, aber kaum spürbar. Die Auflösung ist dann auch deutlich weniger spektakulär als zu erwarten war.
Die Geschichte selbst überzeugt nicht unbedingt, aufgrund des schönen Urlaubssettings und der bemerkenswerten Sprachmelodie vergebe ich nun gerne drei Sterne.
Verstörend
Der Trakt von Arno Strobel
Sybille Aurich wacht in einem Krankenzimmer auf, wo sie sich daran erinnert, dass sie überfallen worden ist. Da sie sich gesund genug fühlt, will sie so schnell wie möglich zurück zu ihrem Mann und ihrem Sohn, aber angeblich hat sie gar kein Kind? Und als sie vor ihrer Haustür steht, erkennt sie ihr eigener Ehemann nicht wieder.
Rasant manövriert uns Arno Strobel durch diesen unwirklichen Thriller, der einem zeigt, wie verstörend es ist, wenn man sich genau erinnert, aber niemand einem glaubt. Sybille Aurich findet nach ihrem Klinikaufenthalt keinen Weg zurück in ihr altes Leben. Woran kann das liegen? Warum erkennt sie niemand mehr? Weshalb verfolgen sie sonderbare Männer? Fragen über Fragen. Und keine plausible Antwort in Sicht.
Wir fiebern und rätseln mit Sybille mit, überlegen, was hinter dieser Geschichte stecken kann. Vielfältige Ideen tauchen auf, erweisen sich aber allesamt als Sackgassen. Wer im jetzigen Moment als Freund erscheint, kann wenig später schon der Feind sein, Lügen und Täuschungen überlagern die nackte Wahrheit. Die Kapitel fliegen rasch dahin, die Auflösung – wenn auch sehr wissenschaftlich formuliert – kommt passend und rechtzeitig daher.
Ziemlich verstörend und nicht allzu glaubwürdig, aber flott und unterhaltsam, so kann man diese Geschichte wohl kurz umschreiben.
Reich und Schön
Léon und die Frau im blauen Kleid von Alexander Oetker
Inmitten der flirrenden Sommerhitze spülen die Wellen eine junge Frau tot ans Ufer des Strandes von Nizza. Während die Hoteliers in Sorge um ihre Gäste rasch um Normalität bemüht sind, ist es an Commissaire Léon de Cavallier, den Fall zu klären. Da sein bisheriger Kollege Guillaume Hoche soeben den verdienten Ruhestand angetreten hat, steht ihm dabei jemand Neues zur Seite, und diese Person passt so gar nicht zu seiner unnahbaren, versnobten Art.
Ein Ermittlerduo, das unterschiedlicher nicht sein könnte und dadurch allein schon für großartige Unterhaltung sorgt, hat Alexander Oetker hier geschaffen. Aber auch der Kriminalfall rund um die unbekannte Tote entpuppt sich als grandioser Start in eine neue Serie. Reich und Schön trifft auf Drogen und Sexpartys, Arroganz trifft auf Durchsetzungswillen, hinter tiefem Schweigen verbergen sich ungeahnte Geheimnisse.
Auf gewohnt eloquente Art und Weise charakterisiert Oetker seine Figuren, allen voran Commissaire Léon de Cavallier und Commissaire Nadia Bentaleb, die vollen Einsatz zeigen im Kampf gegen das Verbrechen und für mehr Gerechtigkeit. Die Atmosphäre im schönen Süden Frankreichs wird durch bildhafte Beschreibungen bestens eingefangen und sorgte für Urlaubsflair, wäre da nicht die Leiche am Strand, welche den Genuss von Champagner und Kaviar trübt. Detaillierte Milieustudien höchst unterschiedlicher Lebenswelten bringen Spannung ins Geschehen, die kurzweiligen Kapitel Abwechslung in den Ermittlungsalltag. Auch die Auflösung passt perfekt, Täter und Motiv sind schlüssig, das Rätsel um die Todesanzeige zu Beginn ist gelöst. Aber halt! Da gibt es doch noch etwas, das ich genauer wissen will – ich hoffe, die offenen Fragen werden im Folgeband gelöst …
Der fulminante Auftakt einer neuen, vielversprechenden Krimireihe von Alexander Oetker – ich freue mich schon jetzt auf mehr davon! Leseempfehlung!
Hitze
Ins fahle Herz des Sommers von Andreas Eschbach
Unerträgliche Hitze breitet sich über Mutter Erde aus, die Menschen wandern immer weiter in den Norden. Wer in seiner angestammten Heimat bleibt, tauscht den Tag gegen die Nacht, in der man noch unter halbwegs aushaltbaren Bedingungen auf die Suche nach Nahrung und anderen notwendigen Dingen gehen kann.
Fausto und Valerie trotzen den Umständen, aber ihrer Zweisamkeit sind Grenzen gesetzt.
In kurzen Kapiteln und eindringlichen bildgewaltigen Szenen erfasst Andreas Eschbach Szenarien, welche man sich kaum vorstellen kann. Flirrender Asphalt lässt Fahrradgummis schmelzen, normale Infrastruktur existiert nicht mehr, vertrauenswürdige Nachbarn werden immer rarer. Unter diesen widrigen Umständen trifft Fausto auf Valerie und verliebt sich in die charmante Fremde. Was dann kommt, übersteigt mein Vorstellungsvermögen und löst Gänsehaut aus beim Lesen. Das Ende der Menschheit scheint gekommen.
Interessante Überlegungen, beklemmende Gedanken dominieren diesen möglicherweise gar nicht so unmöglichen Handlungsverlauf. Die Distanz zu den wenigen Figuren ist durchwegs gegeben und spiegelt dadurch deren Endlichkeit wider, lässt allerdings auch keine tiefen Emotionen zu. Eschbach bringt die Zukunft auf den Punkt, skizziert spannende Ausblicke und denkbare Modelle.
Freigeist
Das unehrenhafte Mädchen von Lotte Römer
Josefa ist gerade frisch mit Berthold vermählt, als sie erkennt, dass diese Ehe nur dem beiderseitigen Geschäftsvorteil ihres Stiefvaters und Bertholds dient, während sie selbst das brave Hausmütterchen neben einem alkoholsüchtigen Ehemann spielen soll. Im Jahre 1897 ist guter Rat teuer, will sie sich den gängigen Konventionen widersetzen.
Der dritte, spannende Teil aus der Reihe „Die Töchter aus Innsbruck“ handelt von Josefa, der jüngsten Tochter aus angesehenem Kaufmannshause. Nach Fannerl und Elsa steht nun sie im Mittelpunkt einer ergreifenden Geschichte, welche uns noch einmal nach Innsbruck und seine schöne Umgebung führt. Josefa ist ein Freigeist, interessiert sich für Geschichte und Kunst und möchte gerne studieren. Allerdings ist das für Frauen im ausklingenden 19. Jahrhundert nicht vorgesehen, schon gar nicht, wenn der Herr Gemahl seine Zustimmung verweigert.
Bildreich und lebendig baut Lotte Römer die einzelnen Szenen auf, erweckt ihre Figuren mit munteren Dialogen zum Leben. Wie nebenbei streut sie gut recherchierte Details ins Geschehen ein, sodass das Flair der Zeit wie von selbst überspringt auf den Leser und ihn komplett eintauchen lässt in diese wunderbare Geschichte. Der Mut der Frauen, der Zusammenhalt unter den drei Schwestern und viel Liebe werden spürbar, weshalb auch dieser Roman wieder ganz besondere Lesestunden bereithält.
Ein gelungener Abschluss der überaus lesenswerten Trilogie, die ich als Ganzes sehr gerne weiterempfehle.
Freundin des besten Freundes
The Night We Met von Abby Jimenez
Larissa trifft bei einem Konzert eine spontane Entscheidung, lässt sich von Mike heimbringen und ist kurze Zeit später mit ihm liiert. Dabei ist es Mikes bester Freund Chris, mit dem sie sich ohne Worte versteht. Probleme vorprogrammiert …
Ein Roman aus unterschiedlichen Perspektiven, der vielfältige Einblicke bietet.
Abby Jiminez‘ Schreibstil ist locker und flüssig, sodass man rasch ins Geschehen findet und auf dieser Ebene gut unterhalten wird. Allerdings teile ich den Humor der Autorin nicht und kann daher mit etlichen bizarren Momenten, welche witzig gemeint sind, wenig anfangen. Insbesondere die Szenen mit einem Hund namens Wufferine finde ich persönlich nicht besonders spaßig. Die Handlung ist solide, nicht nur die Tatsache, dass Larissa besser mit Chris zusammenpassen würde als mit ihrem Freund Mike, sondern auch etliche andere Stolpersteine und Schwierigkeiten, beinhalten ernsthafte Themenkomplexe, welche hier angesprochen werden. Trotz allem hat mich die Geschichte nicht so berührt, wie ich es mir vom Klappentext her erwartet habe. Es sind leider nur einzelne Kapitel, welche ich als wirklich nahegehend empfunden habe beim Lesen. Das Ende hingegen wirkt stimmig als Abschluss des gemeinsam erlebten Jahres.
Ein ungewöhnliches Buch mit einem teils deprimierenden Unterton aufgrund der vielschichtigen Problemfelder. Der sehr spezielle Humor lockert das Ganze gut auf, sofern einem dieser gefällt.
Rot
Nebelbeute von Benjamin Cors
Rot wie Blut ist das Kleid, in dem Mila Weiss um ihr Leben kämpft, denn im dritten, überaus spannenden Fall der Gruppe 4 gerät sie in die Fänge ihrer Widersacher. Diesmal bangen wir inmitten verschneiter Berge um die gewitzte Kollegin von Jakob Krogh.
Benjamin Cors, wie wir ihn kennen – vom ersten Moment weg kreiert er mitreißende Szenen und aufregende Momente, welche seine Leser auch diesmal wieder ans Geschehen fesseln, bis die Stunde der Wahrheit kommt.
Basierend auf früheren Ereignissen reist Mila in die Berge, um vordergründig Ruhe und Erholung zu suchen, in Wahrheit allerdings einem Phantom aus ihrer Vergangenheit nachzujagen. Die Atmosphäre des abgeschiedenen Dorfes untermalt perfekt die Stimmung, der frische Schnee deckt immer wieder neue Spuren zu. Aber das ebenso ungewöhnliche wie großartige Team der Gruppe 4 bleibt hartnäckig dran, zieht aus den Hinweisen des Profilers die richtigen Schlüsse. Und dann kommt doch noch einmal alles ganz anders …
Raffinierte Schachzüge verleihen auch dem dritten Band dieser großartigen Serie das gewisse Etwas, das Lesevergnügen ist durchwegs auf höchstem Niveau! Ich empfehle die gesamte Serie sehr gerne weiter.











