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Rezensionen von clematis:
Silberne Konfirmation
Akte Nordsee - Die letzte Predigt von Eva Almstädt
Zur Silbernen Konfirmationsfeier wird in Estherwieck geladen, kurz darauf ist der Pastor tot. Er galt als sehr zurückgezogen seit dem Tod seiner Frau, ist gerne allein im Watt spazieren gegangen. Ist er vielleicht aus Unachtsamkeit frühmorgens vom Weg abgekommen? Hat ihn ein Priel überrascht? Oder war es am Ende gar kein Unfall sondern Mord?
Viele Fragen stellt man sich seitens der Polizei, noch mehr Rätsel werden aufgeworfen, als eine der ehemaligen Konfirmandinnen im Sand vergraben aufgefunden wird.
Der Journalist Niklas John gerät ins Visier der Ermittler und sucht Hilfe bei Anwältin Fentje Jacobsen, obwohl diese im Moment gar nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Ein verstörender Fall, bei dem erst recht spät die zu erwartende Spannung aufkommt, auch die Hintergründe zur Tat scheinen ziemlich an den Haaren herbeigezogen zu sein. Dennoch ist es natürlich für Kenner der Serie schön, alte Bekannte wiederzutreffen und dem „ewigen Geplänkel“ zwischen Fentje und Niklas zuzusehen. Auch Katze Blofeld wird ihr angestammter Platz eingeräumt, sodass der neue Tierarzt Otto von Venen ins Spiel kommen kann, während man Großmutter und ihre Süßspeisen diesmal nicht so sehr in den Vordergrund rückt.
Es sind also die realistisch gezeichneten Figuren rund um Fentje und Niklas, welche die Handlung tragen, auch der angenehm dahinfließende Schreibstil Almstädts und die Atmosphäre an der Nordsee gefallen mir immer wieder. Trotz einiger Kritikpunkte bin ich natürlich neugierig, welche Fälle hier künftig aufzuklären sind.
Sorgenleben
Wenn die Wellen uns berühren (Liebesroman) von Josefine Weiss
Der weite Weg zu Gold und Glück
Tanz der Ahornblätter von Sarah Lark
Die adelige Vivian lässt sich von der Abenteuerlust des Stallmeisters Ross anstecken und bucht mit dem weit unter ihrem Stand stehenden jungen Mann kurzerhand eine Schiffspassage von England nach Kanada, um ihr Glück auf den verheißungsvollen Goldfeldern zu suchen. Dass der Weg weiter und sehr viel beschwerlicher ist als gedacht, stellt sich natürlich erst auf der Reise heraus.
In zwei großen Handlungssträngen, welche im Laufe der Kapitel zusammengeführt werden, erzählt Sarah Lark auf beeindruckende Weise, wie es den Auswanderern und Abenteurern um 1860 wohl ergangen sein mag. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass einigen Figuren im Buch historisch belegte Personen als Vorbild gedient haben und viele wahre Begebenheiten in die fiktive Handlung miteingeflossen sind. Zudem sind es die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und die vielen kleinen Details zum Land und zur indigenen Bevölkerung, welche dem Roman seine Lebendigkeit und Authentizität verleihen. Einer – für mich – unvorstellbaren Reise folgt eine aufregende Zeit des Goldschürfens, welche jedoch ernüchternd ist aufgrund des geringen Ertrages und der schwierigen Lebensumstände weitab der gewohnten Zivilisation. Weitere interessante Themen bereichern die Geschichte, seien es Tanz und Theater, Pferde und Wettrennen und natürlich die Beweggründe, welche überhaupt erst den Goldrausch ausgelöst haben.
Epische 600 Seiten, welche die Zeit im Nu verstreichen lassen, begeistern durch bildhafte Beschreibungen, bestens charakterisierte Personen und eingehende Recherche, sodass das Lesen dieses Romans zum wahren Vergnügen wird. Wann folgt Band 2 der Kanada-Dilogie?
Schatten der Vergangenheit
Das Haus der Erinnerung von Cynthia Ellingsen
Vor siebzig Jahren ist Evie nach Chicago ausgewandert, nun, mit 93 Jahren, will sie noch einmal in ihre alte Heimat Irland zurückkehren. Welche Geheimnisse, welche Schatten der Vergangenheit werden Evie und ihre Enkelin Rainey hier erwarten?
Auf spannenden zwei Zeitebenen wird diese durchaus bewegende Geschichte erzählt, wobei der Klappentext freundlicherweise sehr wenig preisgibt und somit die Richtung der Handlung lange offen bleibt.
Für mich hat es ein wenig gedauert, bis ich einen Zugang zu Evie und ihrer ziemlich unnahbaren Freundin Harding gefunden habe, erst in der zweiten Hälfte des Romans sind spürbare Emotionen übergesprungen. Die Verquickung der unterschiedlichen Zeiten (1945-1952 und heute) gelingt mühelos, der Wechsel bietet kurzweilige Unterhaltung.
Ellingsen zeichnet gut vorstellbare Charaktere und schildert das Geschehen bildhaft, auch das langsame Annähern an längst zurückliegende Ereignisse passt gut in den Aufbau der Handlung, welche auch einige Details der irischen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg bereithält. Logisch werden alle losen Fäden am Ende miteinander verknüpft und bieten einen realistischen Abschluss.
Höhen und Tiefen eines langen Lebens begegnen uns in diesem Roman, der vermutlich eher jenen Lesern gefallen wird, die auch mit schwermütigen Szenen umgehen können. Von mir gibt es 4 Sterne.
Dinge zum Abschluss bringen
Wer sich der Wahrheit stellt von Melanie Metzenthin
Nach der Hochzeitsreise nach New York und dem Besuch von Tante Gloria und Onkel Rudi widmet sich Renate Studt wieder ganz ihren Patienten in der psychiatrischen Klinik am Ochsengrund und kann sogleich ihre neuen Erkenntnisse nutzen. Allerdings gefällt das dem eingesessenen Oberarzt Dr. Kleinschmidt ganz und gar nicht, weshalb er abermals mit hässlichen Machtspielchen daherkommt.
Renate überlegt, in Amerika von vorne zu beginnen, entsinnt sich aber dann doch, die Dinge in Deutschland ordentlich zu Abschluss zu bringen.
Ein Ausflug nach New York leitet diesen dritten Band rund um die entschlossene Psychiaterin Dr. Renate Studt ein, um dann wieder in die Heimat Hamburg zurückzukehren. Der Zeitgeist und die gesellschaftspolitischen Umstände sind dank Metztenthins akribischer Recherche bestens dargestellt und durch viele Einzelheiten im Text spürbar, die Schwierigkeiten, mit welchen einige Figuren zu kämpfen haben, durchaus realistischen Schicksalen nachempfunden. Geschickt verwebt die Autorin Fiktives mit historischen Tatsachen und spannenden medizinischen Details, und das stets so, dass auch Laien mühelos verstehen, worum es geht. Wer die sympathische Hauptfigur und deren Wegbegleiter bereits kennt, freut sich über die weitere gemeinsame Zeit, aber auch für Neueinsteiger gibt es genug Informationen, um der Handlung gut folgen zu können. So stellt sich am Ende nur noch die Frage, ob das denn nun ein Abschluss ist oder Renate irgendwann wiederkehren wird.
Ein sehr schön zu lesender Band 3 dieser Reihe, der den Kampf für Recht und Gerechtigkeit gut widerspiegelt und die Zeit der 1960er-Jahre lebendig werden lässt. Empfehlung!
Herzried
Die Bücherfreundinnen - Ein neues Kapitel von Marie Bernstein
Die letzte (inhabergeführte) Buchhandlung im schweizerischen Herzried steht vor dem Aus, nachdem schon zwei Kettenfilialen geschlossen haben. Als letzten Ausweg sieht Mitarbeiterin Aurora – von Freunden Ro genannt – ein großes Bücherfestival, um Gäste und Leser anzulocken. Leider stößt sie damit nicht nur auf Wohlwollen im Ort, insbesondere der Bürgermeister ist mehr als skeptisch.
Aus Sicht der 27jährigen Aurora erleben wir die Handlung im Roman rund um die Planung der Festivitäten, welche den kleinen Bücherladen im letzten Moment retten sollen. Gemeinsam mit ihren beiden engsten Freundinnen und ihrem Kollegen Christian sammelt sie Ideen, welche recht schnell in die Tat umgesetzt werden müssen. Wäre im Buch das Alter der Protagonistin nicht genannt, hätte ich sie zehn Jahre jünger eingeschätzt, so wie sie sich verhält. Ihre Naivität und die nicht ganz glaubwürdige Lösung sämtlicher Probleme, welche im Vorfeld natürlich zwangsläufig auftreten, spielen da eine ähnlich große Rolle wie die recht oberflächliche Liebesgeschichte, die ruhig mehr Knistern und Emotion vertragen hätten. Die Freundschaft zwischen den jungen Frauen und deren Unerschütterlichkeit hingegen sind Pluspunkte, die Buchhandlung als Ausgangspunkt des Geschehens und der Einsatz für dessen Erhalt gleichen die genannten Defizite zumindest teilweise aus. Zudem gibt es am Ende eine deutliche Entwicklung der Charaktere, was ebenfalls positiv stimmt.
Fazit: ein lockerer Sommerroman, den man gemütlich zum Abschalten lesen kann.
Teuflischer Veilchendienstag
Der Bonbon-Mord zu Köln von Eva-Maria Silber; Kirsten Wilczek
Teuflische, weil vergiftete Bonbons, sind in Köln im Umlauf, die Manhardt´sche Konditorei & Süßwarenladen gerät ins Visier der Ermittler, nachdem am Veilchendienstag ein Kind zu Tode gekommen ist. Alsbald schwören sich Zeugen auf eine elegante Dame ein, sich verdächtig gemacht zu haben, weshalb sich ebendiese Person nun vor Gericht befindet.
Mangels eines klaren Motivs tut sich Generalprocurator Grandjean mit seiner Anklage genauso schwer wie der gewiefte Rechtsanwalt Dr. Venedey und sein erst kürzlich zum Advokaten ernannte Kollege Bas Sello mit ihrer Verteidigung, da einfach vieles auf die Schuldhaftigkeit ihrer Mandantin hindeutet.
Großartige Recherche und etliche historisch verbürgte Personen als Vorbilder für die Figuren im Roman lassen auch diesen zweiten Band der vorliegenden Krimireihe zu einem wahren Lesevergnügen werden. Die Zeit der 1848er-Revolution in Köln wird so lebendig dargestellt, dass man nicht anders kann, als sich von Sog mitreißen zu lassen, die Charaktere tun ihr Übriges, um den Leser in Atem zu halten, egal, ob es sich um deren beruflichen Alltag als Ermittler oder Verteidiger handelt oder um ihre privaten Angelegenheiten. Als besondere Dreingabe basiert auch dieser Fall auf einem True Crime, welchen die beiden Autorinnen, ihres Zeichens Anwältinnen, bestens in Szene gesetzt haben. Besonders die authentische Darstellung der Verhandlung, aber auch die Vorgeschichte, ist fesselnd in eloquente Worte gefasst, das breite Kölsch, welches natürlich häufig gesprochen wird, wird weitgehend im Handlungsverlauf ins Hochdeutsche übersetzt, sodass man auch als ortsfremder Leser recht gut zurechtkommt und dennoch die vorherrschende Atmosphäre durch und durch spüren kann. Wie die Geschworenen über die kecke Inculpatin (Angeklagte) Christine Edmund wohl urteilen werden?
Vor dem politischen Hintergrund mit Demonstrationen für Freiheit, Wahlrecht und soziale Absicherung, der detaillierten Betrachtung der apothekerlichen Arbeit mit winzigen Maßeinheiten wie Gran und Lot und der anschaulichen Darstellung eines damaligen Gerichtsprozesses lässt auch Band zwei dieser meisterlichen Krimiserie keine Wünsche offen – außer vielleicht, dass es in Bälde eine Fortsetzung geben wird.
Brandstätte
Der Blutmensch zu Köln von Eva-Maria Silber; Kirsten Wilczek
Köln, 1847/48: Zu einer Brandstätte hat sich der bislang ertragreiche Gutshof verwandelt, unter den Ruinen findet man neun Leichen. Schnell ist klar, die entlassene Dienstmagd ist aus Rache zur Mörderin geworden und wird in einem beispiellosen Indizienprozess schuldig gesprochen. Allein Anwalt Venedey und sein Referendar Bas samt Journalistin Mathilde sehen die Sachlange anders und beginnen einen Wettlauf mit der Zeit um die Wahrheit.
Eine meisterhafte Sprachkomposition und eine bestens gelungene Verquickung von historisch verbürgten Fakten mit glaubwürdiger Fiktion bilden das Wesen dieses hervorragenden Historischen Kriminalromans. Reale Figuren werden als Vorbilder herangezogen, ein tatsächlicher Mord dem Geschehen im Buch zugrunde gelegt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Handlung höchst lebendig daherkommt und aufgrund der akribischen Recherche das damalige Justizsystem auch für Laien bestens vorstellbar wird. Ein Rechtsanwaltsanwärter und eine willensstarke Redakteurin stechen durch ihre Zielstrebigkeit hervor, aber auch die Angeklagte Ida beeindruckt mit ihrer naiven Unbedarftheit. Fesselnde Szenen führen kurzweilig durch den Gerichtsprozess und das Bestreben, nicht nur Recht zu sprechen, sondern die Wahrheit zu ergründen. Ob das in der knappen Zeit gelingen kann?
Obgleich einige Sätze im Kölner Dialekt schwer verständlich sind, so ist dieser Krimi aufgrund seiner authentischen Atmosphäre unbedingt zu empfehlen.
Karma
Was das Schicksal uns schenkt von Catherine Ryan Hyde
„Gibt es so etwas wie Karma?“, fragt sich Addie Finch als Jonathan Westerbrook sich wünscht, dass ihr das Schicksal etwas Großes, Wunderbares als Belohnung schenkt. [kindle, Pos. 265]. Tatsächlich hat die 62jährige dem fremden Teenager gerade sehr geholfen, indem sie ihm eine Tasse Kaffee und ein Dach über dem Kopf angeboten und den Grundstein für eine außergewöhnliche Freundschaft gelegt hat.
So warmherzig, wie wir es von Catherine Ryan Hyde gewohnt sind, wird auch diese besondere Geschichte erzählt. Auf leisen Füßen schleichen sich Addie und Jonathan in unsere Herzen, ich weiß nicht, ob sie das im echten Leben auch so spielend geschafft hätten, denn oftmals halten uns ja vorgefasste Meinungen davon ab, einen Menschen erst näher kennenzulernen. Dieser durchwegs ruhige Roman lässt uns innehalten und nachdenken, wie wir unsere Beziehungen leben und ob nicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Aufeinanderzugehen vorstellbar wäre. Denn gerade das Vertrauen, welches Addie dem jungen Obdachlosen entgegenbringt, bietet auch ihr, einer trockenen Alkoholikerin, eine große Chance, sich im positiven Sinne weiterzuentwickeln. Mit vielen Szenen aus dem Alltag und den wechselnden Sichtweisen von Addie und Jonathan kommen wir als Leser ganz nah an das Geschehen heran und können direkt miterleben, wie es den beiden gerade geht. Aber auch die vermeintlichen Nebenrollen sind bestens besetzt und gut vorstellbar in die Handlung eingeflochten. Jeder Einzelne hat auf seine Weise Einfluss auf den Lauf der Dinge, doch jeder selbst ist schlussendlich dafür verantwortlich, was daraus erblühen kann und in welche Richtung sich das Schicksal wendet. Ob es nun Karma ist oder Glück, Zufall oder harte Arbeit? Am Ende bleiben jedenfalls Zufriedenheit und Dankbarkeit zurück.
Catherine Ryan Hyde ist trotz – oder gerade wegen – ihres ruhigen Schreibstils ein Garant für emotionsvolle Lesestunden. Sehr gerne empfehle ich auch diesen Roman weiter an all jene, die sich nicht davor scheuen, mit Themen wie Obdachlosigkeit, Gewalt und Sucht konfrontiert zu werden, denn für einen Ausweg ist es nie zu spät.
Ein Herz
Last Kiss of Summer von Jessica M. Felleman
Ein Herz verbindet Sera Watkins und Luke Tisdale auf ganz besondere Weise, wurden die beiden doch in frühen Lebensjahren einer sogenannten Dominooperation unterzogen, bei der Sera ein neues Herz und Luke Seras Herzklappen eingesetzt worden sind. Als beste Freunde verbringen die beiden viele Wochenenden und beinahe jeden Sommer auf Cape Cod, bis einschneidende Geschehnisse diese Routine wieder zerstören.
Mit vielen Missverständnissen, unausgesprochenen Worten und Kränkungen beginnt dieses Buch, in dessen Grundstimmung immer wieder etwas Melancholisches mitschwingt, aber auch für Hoffnung bleibt genug Platz. Erzählt wird aus den Blickwinkeln von Sera und Luke, sodass man insbesondere bei Sera gut in deren Gefühlswelt eintauchen kann. Dennoch kann ich über große Strecken keine Nähe zu den Figuren aufbauen, was möglicherweise daran liegt, dass ich doch schon um einiges älter bin als das Zielpublikum. Verschiedenste Themenbereiche und Problemfelder werden angesprochen, wodurch eine gewisse Tiefe erzeugt und die Leserschaft ermutigt wird, sich mit Krankheit und Tod zu beschäftigen. „Nichts zwingt einen so sehr zu schwierigen Entscheidungen wie die Aussicht auf eine kurze Lebenserwartung.“ [kindle, 4058] Ein wenig abrupt spielen Erinnerungen immer wieder ins aktuelle Geschehen hinein und unterbrechen den Lesefluss, das Ende passt zwar gut zur Geschichte, fühlt sich aber irgendwie nicht ganz glaubwürdig an.
Junge Menschen ab 14 Jahren sind das Zielpublikum dieses Romans. Dieser Gruppe möchte ich das Buch auch gerne weiterempfehlen als Anregung, sich nicht nur mit oberflächlichen, schnelllebigen Dingen zu beschäftigen, sondern ab und zu auch einen Blick auf den Sinn unseres Seins zu werfen.











