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Rezensionen von clematis:

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Das Buch

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna von Mareike Busch

Als Hanna an einer schweren Krankheit stirbt, lässt die ein frisch verfasstes Buch zurück. Nun versteht ihre Tochter Anne, warum sie zuletzt von einer schweren Schuld und von einem fremden Mädchen namens Rosa gesprochen hat. Anne öffnet mit dem Buch eine recht ruhige und dennoch sehr bewegende Geschichte für sich selbst und alle Leser von „Vergiss nicht zu tanzen, Hanna“.

Der Rahmen ist schmal, die Erzählung aus der Sicht von Hanna in der Ich-Form nimmt nahezu den gesamten Raum ein und erfüllt alle Erwartungen an diesen eher schmerzlich anmutenden Roman, der im Raum Westpommern spielt. Trotz aller Beschwerlichkeiten während der Zeit des Nationalsozialismus hegen die Mitglieder der Familie Gehrken immer wieder Mut und Hoffnung, allen voran der Großvater, der selbst schon im Ersten Weltkrieg gedient hat und trotz seiner einfachen Schulbildung viel Lebensweisheit an seine Enkelin weitergeben kann. Das Dasein am Bauernhof ist hart und entbehrungsreich, schon die Kleinsten bekommen ihre Aufgaben zugeteilt, müssen Gänse hüten oder Hühner füttern und im Haushalt fleißig mithelfen. Die Lage wird ernster, als am Schulgebäude Hakenkreuzfahnen gehisst werden und Rassenunterschiede Thema werden, aber auch da findet sich eine Ausnahme in Form des Deutschlehrers, der bunte Fabeln erzählt und zum Träumen einlädt. Die Geschichte von Hanna und ihrer Familie, von treuen Parteigenossen und gläubigen Katholiken, von Freundschaft und Abkehr, von Zweifeln und Hoffnung nimmt ihren Lauf, zeichnet ein realitätsnahes Bild einer schwierigen Zeit und richtet ihren Blick insbesondere auf zwei sehr enge Beziehungen innerhalb der Familie Gehrken, nämlich zwischen Hanna und Ihrem Großvater und zwischen Hanna und ihrer kleinen Schwester Rosa. Durch Buschs präzise Sprache und einfühlsame Szenen erleben wir mit der anfangs achtjährigen Hanna eine prägende Lebensphase und spüren einem wichtigen Stück historischen Geschehens nach.

Ein still daherkommendes Buch, das dennoch so viel zu sagen hat – detailliert recherchiert, persönlich inspiriert. Empfehlung!

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Das Buch
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35 Jahre retour

You and Me - Die zweite erste Liebe von Josie Lloyd; Emlyn Rees

Nach 35 Jahren hat sich die Liebe zwischen Adam und Jules schon abgenützt, Kleinigkeiten lösen Reibereien aus, der Alltagstrott wird zum zermürbenden Hamsterrad. Als Jules endlich den Schuppen ausmistet und alte Musikkassetten zum Sperrmüll bringen möchte, entdeckt Adam zahlreiche selbst bespielte Tapes mit ihrer Lieblingsmusik und persönlichen Botschaften.

Durch das neuerliche Abspielen und Anhören begeben sich Adam und Jules auf eine Zeitreise zurück zum Beginn ihrer Liebe im Jahre 1989.

Abwechselnd erzählt das Autorenduo aus Adams und Jules Sicht den Stand der Dinge. Jules erwacht aus einem Traum, der mit ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert, so lebendig und bildhaft geht es hier zu. Nach einer Bestandsaufnahme über die nunmehr 35jährige Beziehung kommen auch schon die eingangs erwähnten Mixtapes zur Sprache und wir reisen mehrfach in der Zeit zurück, um zu erfahren, wie Jules und Adam einander kennengelernt haben und auf welche Weise sich ihre Persönlichkeiten entwickelt haben. Was, wenn nicht alles so gekommen wäre, sondern das Leben andere Abzweigungen genommen hätte? Hätte man einen Schicksalsschlag abwenden können, eine andere berufliche Laufbahn einschlagen oder besser auf seine Gesundheit achten können? Was, wenn man im Nachhinein noch das ein oder andere Rädchen verstellen und der Geschichte einen positiveren Verlauf geben könnte? Die Handlung springt also munter zwischen den Figuren und verschiedensten Zeitpunkten hin und her und bietet allerlei Möglichkeiten, den Plan des gelebten Lebens neu zu denken. Was dabei herauskommt und wie die beiden Hauptfiguren damit umgehen, das erzählt dieser Roman, dessen Idee mir gut gefällt. Leider ist aber der Funke nicht wie erwartet übergesprungen, weder das Ehepaar selbst noch die weiteren Personen haben mich emotional berührt und die doch oft recht phantasiehaften Szenen lesen sich nicht unbedingt glaubwürdig und überzeugend. Die Erkenntnisse am Ende wiederum passen gut als Anregung zum Nachdenken und Nachahmen. Ebenso sind die flüssige Schreibweise und die umfangreiche Playlist positiv hervorzuheben.

Dieser teilweise sciencefictionähnliche Roman beleuchtet die ganz alltäglichen Schwierigkeiten einer langjährigen Ehe und bietet unterhaltsame Auswegmöglichkeiten aus dem Routinegeschehen. Der Humor trifft zwar nicht ganz meinen Geschmack, wird aber bestimmt eine größere Leserschar ansprechen.

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Generationen

Das gute Leben von Nadine Schneider

Anni ist tot und Christina, ihre Enkelin, steht vor dem Erbe, einem Haus in der Nähe von Nürnberg. Aber anstatt dass sie rasch alles ausräumt und Ordnung schafft für den Verkauf, schweifen ihre Gedanken zur Oma, bei der sie aufgewachsen ist und lässt deren Leben Revue passieren – Annis Neuanfang in Deutschland, nachdem sie Rumänien verlassen hat, ein fordernder Job bei der Quelle und ein kleines Kind, das sie alleine aufziehen hat müssen.

Voller Poesie und doch so nah an der harten Realität schreibt Nadine Schneider, bildhaft und gefühlvoll fließen die Szenen aus ihrer Feder und verschwimmen fern jeglicher Chronologie zu diesem wunderbaren Roman. Vier Generationen haben teil am Geschehen, manche nur am Rande, Anni deutlicher und Christina als Ich-Figur muss schlussendlich die Scherben aufsammeln und aus der Geschichte ihrer Vorfahren ihr eigenes Leben zurechtzimmern. Aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Anni und Christina wird das Leben von vier Frauengenerationen betrachtet und besonders der Einfluss der Altvorderen auf ihre Nachkommen dargestellt. Was erwarten die Älteren, wie fühlen die Jüngeren, hat jemand Schuld am Lebensfluss der anderen in der Familie? Wer darf Vorhaltungen aussprechen und wer hält sich für zu minder? Warum flieht man aus der aktuellen Konstellation und was gibt man an seine Kinder und Enkel weiter? Ein schier unendliches Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Gefühlen dreht sich im Kreis und reißt den Leser mit, lässt in der Rückschau erkennen, dass alle ihre berechtigten Perspektiven und Vorstellungen vom Leben haben und dass es so viel mehr gibt als Schwarz und Weiß.

Ein großartiger Roman mit viel Realitätssinn und Blick auf die Wahrheit, die für jeden eine andere ist – absolut lesenswert!

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Generationen
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Geschichten aus dem Moor

Spiegelland von Rebekka Frank

Der vierzehnjährige Elias fährt kurzerhand mit dem Rad ins Moor, wo seine Oma Catharina (Cato) lebt, denn in der Abgeschiedenheit will er sich verstecken, nachdem er sich völlig daneben benommen hat. Was er nicht weiß: nicht nur er hütet ein Geheimnis, auch die Großmutter könnte so einiges erzählen.

Ein wunderbarer Roman in drei großartig verwobenen Zeitebenen erwartet die Leser von Spiegelland, jede einzelne der 560 Seiten ist so fesselnd und absolut kurzweilig, dass ich das Buch an einem Tag regelrecht verschlungen habe. Aber von vorne: Elias flüchtet sich im Sommer 2025 zu seiner Großmutter, wodurch sich ein perfekter Rahmen für die anderen beiden Geschichten ergibt, nämlich jene von seiner Oma und seiner Mutter im Jahre 1999 und eine noch viel weiter zurückliegende Begebenheit, der Urbanisierung des Moores 1756. Nicht nur die historischen Fakten sind akribisch recherchiert und unaufdringlich in den Roman eingeflochten, auch andere - fiktive - Details fußen auf wahren Grundlagen, auf die im Nachwort hingewiesen wird. Abwechslungsreich geht es durch die unterschiedlichen Zeitabschnitte, welche - einem Leporello gleich - die jeweiligen Episoden geschickt und nahtlos miteinander verknüpft, sodass die Gemeinsamkeiten über die Jahrhunderte bestens verdeutlicht werden.

Mit ihrer eloquenten Ausdrucksweise überzeugt Rebekka Frank ebenso wie mit ihren überaus realitätsgetreuen Figuren, die man genau so auch im echten Leben antreffen könnte. Die angesprochenen Themen, vom notwendigen Schutz der Moore über Gewalt in der Familie bis hin zur Täter-Opfer-Umkehr, sind in allen drei Abschnitten gleichermaßen aktuell und zeigen größtenteils ohne moralisierenden Unterton, wie viel auch heute noch zu tun ist. Der Bogen spannt sich vom beschwerlichen Leben im Moor über eine toxische Ehe bis hin zu einer inakzeptablen Handlung eines Jugendlichen und verknüpft alles zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Nicht immer vergnüglich, dafür aber umso glaubwürdiger, präsentiert sich der neue Roman Spiegelland von Rebekka Frank und verdient, nicht zuletzt durch die vielen bildhaften Beschreibungen, eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Nackt ermittelt

Strandgut von Alexander Oetker

Im Euronat Centre Naturiste, dem größten FKK-Feriendorf Europas, muss Commissaire Luc Verlain diesmal ermitteln, handelt es sich bei der Leiche am Strand doch um einen aufstrebenden Politiker. Was just der junge Konservative im Nacktbadeparadies zu suchen hatte, obgleich er kurz zuvor noch für dessen Schließung aus moralischen Gründen plädiert hat? Aufregend anders verlaufen die flirrend heißen Sommertage an der Atlantikküste.

Großartig – wie immer – erzählt Alexander Oetker mit Leichtigkeit vom bunten Treiben am Nudistenstrand, lockt mit allerlei kulinarischen Genüssen, die so bildlich beschrieben sind, dass einem allein beim Lesen das Wasser im Munde zusammenläuft und präsentiert wie nebenbei eine pikante Leiche samt spannender Polizeiarbeit. Die kurzen Kapitel unterstreichen die Lebendigkeit der Schilderungen und lassen keine Langeweile aufkommen, alte Bekannte sind ebenso gut vorstellbar charakterisiert wie neue Figuren rund um Luc Verlain. Besondere Aufregung herrscht am Ende um den jungen Yacine, die Klärung, was seine Zukunft betrifft, lässt leider auf sich – und den folgenden Band – warten.

Ein weiterer absolut atmosphärischer Teil dieser wunderbaren Krimireihe, in der einfach alles passt: charismatische und lebensechte Personen, eine bezaubernde Kulisse und Mordfälle, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit punkten. Ein Muss, nicht nur für Frankreichliebhaber!

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Portugal im Widerstand

Die Hoffnung, die uns trägt von Kerstin Lange

Im Jahre 1961 stirbt der zehnjährige Pedro, die ärmlichen Wohnverhältnisse, die feuchten Mauern, der unstillbare Husten setzen seinem kurzen Leben ein stilles Ende. Weder Mutter noch Vater kommen mit dem schweren Schicksalsschlag zurecht, lediglich die ältere Schwester Amália erkennt, dass sie einfach weiterleben und weiterkämpfen muss, um nicht ebenfalls zu zerbrechen.

So hilft die Siebzehnjährige am Obststand aus und kellnert in einem kleinen Café, um ihr Auskommen zu bestreiten und lernt dabei eine Gruppe eifriger Studenten kennen. Dass diese politisch aktiv sind und gegen das Regime von Salazar auftreten, erfährt sie erst, als sie schon Gefühle hegt für Marcelo.

In einem bestens recherchierten Rahmen historischer Ereignisse spielt diese unglaublich real erscheinende Geschichte von Amália im schönen Lissabon. Aber so schön, wie wir es heute kennen, ist es in den 1960er-Jahren wohl doch nicht gewesen. Kolonialpolitik, Bürgerkrieg, Unterdrückung und auffällige Standesunterschiede rufen breite Studentenbewegungen auf den Plan, unter den jungen Menschen wird der Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung immer lauter. Amália, die selbst nur eine lückenhafte Schulbildung erfahren hat, schließt sich bald dem Widerstand an, ihr Privatleben vermischt sich auf unwiederbringliche Weise mit der Politik. Mutige Figuren treffen aufeinander, die Furcht vor Verfolgern steckt stets im Nacken, das Bangen um Wohnraum und Lohn ist immerwährend präsent. Geschickt und pragmatisch fängt Kerstin Lange die Atmosphäre der damaligen Zeit ein und verliert sich nicht in Gefühlsduseleien. Am Ende streift unser Weg dann noch den der Österreicherin Reni und schließt so die erwartete Verbindung zum Vorgängerband „Die Sehnsucht, die bleibt“. Besonders jetzt werden die Emotionen spürbar, der Eindruck dieses ruhigen Romans wird noch länger bleiben.

Eine gelungene Fortsetzung vor dem Hintergrund portugiesischer Zeitgeschichte. Sehr gerne empfehle ich dieses Buch an jene Leser weiter, die einen glaubwürdigen Roman suchen, welcher zarte Liebensbande mit historischen Gegebenheiten verknüpft.

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Samantha und Elsie

Das Versprechen von Cornwall von Karin Lindberg

Aufgrund beruflicher Unannehmlichkeiten in London, versucht Samantha bei ihrer Tante in Cornwall den Kopf freizubekommen. Aber anstatt dort die ruhige Küstenlandschaft zu genießen, forscht sie nach, woher der unbekannte Verlobungsring am Dachboden des alten Hauses stammen könnte und lernt obendrein noch zwei interessante junge Männer kennen.

Spannende Szenen rund um Digitalforensikerin Samantha Fisher ziehen des Lesers Aufmerksamkeit sofort auf sich. Bestens ins Geschehen verwoben wird alsbald Elsie Hatchetts Geschichte aus den Jahren 1937/38, wodurch die Spannung gleich noch weiter angefacht wird. Auf berührende Art und Weise fängt Karin Lindberg das mutige Leben der kleinen Sekretärin bei der Londoner Times ein und zeigt – im Kontext von Politik und gesellschaftlichen Konventionen – wie rasch kleine Entscheidungen große Veränderungen nach sich ziehen können. Sowohl der Handlungsstrang in der Gegenwart als auch jener in der Vergangenheit präsentieren sorgfältig und realistisch gezeichnete Charaktere, die Atmosphäre im alten London ist ebenso gut eingefangen wie im malerischen Cornwall, wo es aber auch nicht ganz ohne Ränke und Intrigen zugeht. Nicht nur Sam und Elsie wachsen einem schnell ans Herz, auch die anderen Figuren (bis auf einige wenige Widerlinge, die halt nicht wegzudenken sind) wachsen über ihre (Neben)Rollen hinaus und bereichern das Geschehen auf angenehme Weise und schließlich sorgt auch noch der braun-weiße Springer Spaniel Drift für unterhaltsame Momente.

Auf den konkreten Inhalt kann ich gar nicht genauer eingehen ohne interessante Details zu verraten, es geht aber um nicht standesgemäße Verbindungen, um Ungleichheiten und Gegensätze, die einander anziehen, so viel sei gesagt. Lindbergs Schreibstil ist gewohnt bildreich und flüssig, sodass man von der ersten bis zur letzten Seite völlig abtauchen kann in eine wunderbare Geschichte, die mich auch diesmal wieder sehr berührt hat.

Eine wunderbare Reise zwischen zwei Zeitebenen, welche bestens recherchierte historische Fakten mit fiktiven Romanelementen verknüpft. Leseempfehlung!

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Luisas Erinnerung

Ungelöst – Die erste Zeugin von Arno Strobel

Durch Luisas fotografisches Gedächtnis erinnert sich die Medizinstudentin sofort an das Gesicht auf dem Plakat vor der Uni – die abgebildete vermisste Frau war siebzehn Jahre zuvor in ihren eigenen Entführungsfall verwickelt und scheint nun selbst zum Opfer geworden zu sein. Während die Verbrechenstat für die fünfjährige Luisa damals glimpflich ausgegangen ist, steht die Polizei nun vor einem schier unlösbaren Rätsel.

Einen großartigen Reihenauftakt präsentiert Arno Strobel mit diesem ersten Fall, neben markanten neuen Ermittlern treten am Rande auch altbekannte Figuren auf und wecken Erinnerungen an bisherige Mordaufklärungen. Mit der aktuellen kniffligen Entführungstat schafft der Autor den perfekten Übergang zur neuen Cold-Case-Einheit, welche sich gerade eben im KK11 im Aufbau befindet. Besonders ist hier, dass mit der Medizinstudentin Luisa eine Privatperson Informationen liefert und dadurch die Polizeiarbeit für die Gruppe rund um Ramin Brunner wesentlich unterstützt. Spannend reiht sich ein kurzes Kapitel ans nächste, der Sog der Handlung packt einen schnell, denn es gilt grausamerweise nicht nur eine erwachsene Frau als vermisst, nein, es verschwinden auch kleine Mädchen plötzlich von der Bildfläche. Durch akribische Fahndungsarbeit und kluge Kombination führt die Spur über Luisas detailgenaue Erinnerungen, in ihrem Gedächtnis abgespeicherte Bilder und Gerüche schlussendlich zum Erfolg und bereitet den Weg für weitere fesselnde Altfälle in München.

Ein flott verfasster, bestens dargestellter Band 1 einer neuen Reihe rund um Luisa und Brunner – Leseempfehlung!

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50 Mal Goethe

Ein Sommer mit Goethe von Gustav Seibt

In 50 kurzen Episoden stellt der Historiker und Literaturkritiker Gustav Seibt den bekannten Weimarer Dichter Johann Wolfgang von Goethe und sein Werk vor. In abwechslungsreichen Essays zu höchst unterschiedlichen Themen kommen sowohl Goethe selbst als auch seine Wegbegleiter zu Wort, Gustav Seibt erläutert die Originaltexte auf anschauliche Weise.

Vielfältige Themenbereiche stehen in diesem übersichtlich gegliederten Büchlein zur Wahl, die für Goethe selbst charakteristische Kürze und gleichzeitig hohe Aussagekraft spiegelt sich in den einzelnen Kapiteln perfekt wider. Durch die variablen Textformen – Erzählungen, Biografisches, Balladen, Dramen – streifen wir das gesamte Werk des Dichters auf spielerische Weise und bekommen einen interessanten Ein- und Überblick über Goethes beeindruckendes Schaffen. Der Künstler, welcher selbst überaus diszipliniert gearbeitet und gelebt hat, begibt sich im Alter von sechzehn Jahren zum Studieren nach Leipzig, beschäftigt sich mit der Götterwelt ebenso wie mit der aktuellen Herrenmode. Auf seine beeindruckende Italienreise begleiten wir ihn bevor wir über Napoleon und Despotismus nachsinnen, Natur und menschliches Glück sind weitere Teile der spannenden Betrachtungen in diesem lehrreichen Sommer. Ausgewählte Bilder - von der Titelseite weg – illustrieren das Gesagte auf harmonische Weise und ergeben einen vorzüglichen Gesamteindruck. „Gedichte sind gemalte Fensterscheiben.“ [kindle, Pos. 2987] Ähnlich verhält es sich mit Gustav Seibts Text und Bildkomposition, gemeinsam erstrahlen sie in hellem Glanz.

Egal, ob man Goethe schon gelesen hat oder als vollkommener Neuling auf diese eloquent verfasste Reise mit dem Weimarer Dichter stößt, die Lektüre ist höchst vergnüglich und eignet sich besonders, jeden Tag ein Stückchen davon zu genießen – 50 Tage – 50 Mal Goethe – einem spannenden Sommer steht nichts im Wege!

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50 Mal Goethe
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Soko "Reha"

Tödliches Wien von Katja Wilhelm

Eine Leiche an der Müllinsel, eine tote Medizinerin im Nobelviertel – zwei höchst ungewöhnliche Ermittlergruppen müssen sich erst wechselweise, dann gemeinsam um eine Reihe von mysteriösen Todesfällen kümmern, die Wien erschüttern. Turbulente Tage führen quer durch die Stadt und bis ins Südburgenland.

Die Soko „Reha“ besteht aus drei Personen, die man aus unterschiedlichen Gründen am liebsten schon ausrangiert hätte aus dem Polizeidienst: Major Cornelius Metz ist der Leiter, Gruppeninspektorin Hilde Attensam eine nicht nur physisch eindrucksvolle Persönlichkeit und Kevin Wiesinger als Dritter im Bunde findet als gewitzter Hacker im Handumdrehen allerlei Details heraus, welche für die Aufklärung eines Falles ausschlaggebend sein können. Das zweite Team wird repräsentiert durch die jüngste Chefinspektorin Wiens, Nezren Güren, eine strebsame Frau mit türkischen Wurzeln, welche in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt und ihren Kollegen Luka Jović, ein Serbe, der so gut wie keines der vermeintlichen „Jugo-Klischees“ erfüllt. Auf originelle Art und Weise wird ermittelt, befragt und in Archiven gesucht, ein Tierheim weckt Aufmerksamkeit und plötzlich steht sogar Hilde im Lichte eines Verdachtes. Sumpfgruben und Zeitungsredakteure werden zum Thema, aus zwei Leichen werden bald mehr. Bisweilen chaotisch und mannigfaltig wie die Polizistentruppe selbst geht es quer durch die Kapitel, rasch wechselnde Szenen und Blickwinkel sorgen für Abwechslung, aber auch für Irritation. Besonders die grammatikalisch fragwürdigen Gendersternchen (Polizist*innen, Kolleg*innen, Exoten aus aller Herr*innen Länder, …) unterbrechen leider immer wieder den Lesefluss und stören einfach den Inhalt eines Kriminalromans. Am Ende gibt es Lösungen, aber ganz fertig ist die Sache dennoch nicht – ob Folge 2 mit Metz & Co. Licht ins Dunkel bringen wird?
Ein Reihenauftakt mit sehr speziellen Figuren, Wien als Kulisse darf beim nächsten Mal gerne etwas prominenter auftreten. 3 Sterne.

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