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Rezensionen von clematis:
Novemberjagd
Der Totengräber und der Orden des Teufels von Oliver Pötzsch
„Der November war der perfekte Monat für die Jagd, …“ [kindle, Pos. 2557] und tatsächlich ereignen sich im November 1896 bizarre Mordfälle, welche von Inspektor Leopold von Herzfeldt aufgeklärt werden sollen. Die Hauptstadt der Monarchie ist in Aufruhr, denn Zeitungsmeldungen zufolge geht es um satanische Messen und Tote mit durchtrennter Kehle und herausgeschnittenen Zungen und Herzen.
Wer, wenn nicht das illustre Dreigespann Inspektor Leopold von Herzfeldt, seine Verlobte, Reporterin Julia Wolf und August Rothmayer, seines Zeichens Totengräber am legendären Wiener Zentralfriedhof, kann hier für Klarheit im Herbstnebel sorgen?
Die Atmosphäre in der königlich und kaiserlichen Monarchie ist auf grandiose Weise eingefangen, die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie nie. Hervorragend sind die einzelnen Figuren herausgearbeitet, egal, ob „Haupt-“ oder „Neben-“Rolle, jeder Auftritt ist meisterlich in Szene gesetzt und so realistisch, als hätte sich das alles tatsächlich vor Pötzschs Augen abgespielt, um nur noch von ihm niedergeschrieben zu werden. Als besondere Raffinesse begegnen wir sogar dem Psychoanalytiker Sigmund Freud. Von den Schauplätzen her verschlägt es uns diesmal in die noble Wieden und nach Favoriten, wo sich zwischen Ziegelböhm und Sandlern angeblich der Teufel umtreibt, ja, sogar nach Pressburg führt die Reise, welche 1896 eine der wichtigsten Städte in Ungarn war. Eine Reihe von historisch interessanten Details verpackt der brillant formulierende Schriftsteller wie zufällig ins Geschehen, die zunehmende Ausländerfeindlichkeit, der Judenhass, die in Österreich verbotenen Freimaurer, Satanismus, Anarchie und vieles mehr begründen die besondere Stimmung, welche noch verstärkt wird durch den tristen November mit „leisem Regen und Nebel, der in Schwaden an den schäbigen Mietskasernen vorbeizieht“ [kindle, Pos. 2557]. Ob die dargestellten Lebensumstände auf Parallelen zur heutigen Zeit hinweisen wollen? Die damaligen Krisenherde sind jedenfalls augenscheinlich, die politische Stimmung sogar - oder vielmehr gerade - in Kreisen der Polizei aufgeheizt und offen antisemitisch. Wie passen da die Logen der Freimaurer ins Bild? Große Geheimnisse, Teufel mit Pferdefüßen und allerlei Persönliches rund um Leopold und Julia bieten fulminante Unterhaltung bei diesem fünften Fall für Herzfeldt.
Die herausragende Atmosphäre des ausklingenden 19. Jahrhunderts, die Brisanz der Bluttaten, die logische Handlungsabfolge und nicht zuletzt die gekonnte schriftstellerische Umsetzung ist auch diesmal mehr als überzeugend. Ohne Übertreibung ist „Der Totengräber und der Orden des Teufels“ der beste Krimi, den ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Dafür kann es nur eine Leseempfehlung geben, für höchsten Genuss selbstverständlich nach den vier Vorgängerbänden!
Zwischen Hamburg und Preußen
Der geheime Apfelgarten: Getrennte Welten von Rebekka Eder
Die Elbinsel Finkenwerder besteht im Jahre 1892 aus zwei Welten, nämlich Hamburg und Preußen, aber dazwischen liegt noch ein verborgenes Kleinod, ein verlorener Apfelgarten. Hierhin zieht es die junge Vollhöfnerin Kea Loop immer wieder, wenn sie an ihre verstorbene Mutter denkt und deren einzigartige Äpfel nachzüchten möchte.
Allerdings wächst der heiß ersehnte Sämling jenseits des Zaunes, auf der Seite der verfeindeten Rentfelds. Als Kea dem dort dienenden Häusling Kristen begegnet, zeigt sich, dass auch zwischen den Menschen auf Finkenwerder trennende Welten existieren.
Voller Liebe für Details und mit viel Gefühl schreibt Rebekka Eder diesen wunderbaren Roman, der tatsächlich auf einigen wahren Tatsachen beruht, auch wenn Kea und Kirsten ihrer Phantasie entsprungen sind. Die historischen Gegebenheiten samt der schrecklichen Choleraepidemie hat es wahrlich so gegeben, die Erzählung rund um die überaus interessanten geschichtlichen Informationen ist bestens darum herum gewoben. Schnell findet sich der geneigte Leser mitten im Geschehen wieder, was wohl an der bildhaften und fesselnden Schreibweise der Schriftstellerin liegt. Die Klassenunterschiede zwischen Kea und Kirsten könnten größer nicht sein, die Schwierigkeiten scheinen immer mehr zu werden, bis Kea auf ein altes Geheimnis stößt. Die Spannung steigt weiter an – und endet mit einem bösen offenen Ende, sodass ich sicher nicht die Einzige bin, die sich eine baldige Fortsetzung dieses Zweiteilers wünscht.
Wer sich gerne in längst vergangene Zeiten zurückversetzen lässt und herbe Elbluft atmen möchte, der wird sich hier so richtig wohlfühlen! Leseempfehlung!
Dampfnudeln und Heiratskandidaten
Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt von Linda Winterberg
Amrei wächst am idyllischen Chiemsee auf, schon früh hilft sie ihrer Großmutter Resi in der Küche des familieneigenen Gasthofes, welcher bekannt ist für seine köstlichen Dampfnudeln. Wie es im Jahre 1896 so üblich ist, hält der Vater bereits Ausschau nach einem passenden Ehemann für Amrei, ein gesellschaftlicher Aufstieg wäre durch eine gute Partie am See natürlich wünschenswert.
Aber es soll anders kommen als geplant …
Die wunderbare Kulisse rund um den Chiemsee, die lebendigen Figuren und die fesselnde Handlung ziehen den Leser sogleich in ihren Bann, der aufregende Roman bietet von der ersten bis zur letzten Seite beste Unterhaltung. Im Mittelpunkt steht Amrei, aber auch die Gedanken- und Gefühlswelt aller anderen Personen ist in jeder Zeile spürbar und versetzt mich schnell in die Welt des ausklingenden 19. Jahrhunderts, als die Frauen noch von Vätern und Ehemännern abhängig waren, sich möglichst still in ihr Schicksal fügen sollten, um eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Auch Amrei soll einen jungen Mann heiraten, der ihr tiefst zuwider ist, aber sie versucht zumindest den Kampf. Ob dieser wie ein winterlicher Schneesturm zu bewältigen ist? Linda Winterberg erzählt alles mit beeindruckender Lebendigkeit und weckt schon jetzt Vorfreude auf die Fortsetzung.
Am Seegasthof ist es nicht immer einfach, besonders mit der mürrisch blickenden Großmutter Resi oder dem Vater, der in einem reichen Halodri einen optimalen Heiratskandidaten sieht, aber fort von hier möchte man dann halt auch wieder nicht. Als Leserin fühle ich mich rundum wohl bei den Bachingers und würde am liebsten sofort eine von Oma Resis kaiserlich-königlichen Dampfnudeln kosten. Empfehlung!
Mit Aussicht
The Faraway Hostel von Sofia Selma
Das Pinkies ist ein chaotisches, aber gemütliches Hostel, zudem mit Aussicht zum See. Als reiche Investoren das Nachbargrundstück kaufen, um ein modernes Hotel zu errichten, muss Kat in Erfahrung bringen, ob ihr Seeblick in Gefahr ist. Zu diesem Zweck bucht sie inkognito eine Outdoor-Tour beim berechnenden Sohn dieser Unternehmer und kommt drauf, dass nicht alles so ist, wie es scheint.
In lockerer Abfolge wird aus der Sicht von Kat und Lian erzählt, wobei ich eher mit Kat als mit Lian mitfühlen konnte beim Lesen. Beide haben es nicht leicht mit ihren Familien, können ihre Ziele nicht so umsetzen, wie sie es sich vorstellen. Die Geschichte braucht ein wenig, bis sich eine gewisse Spannung aufbaut, das Flair Neuseelands fließt nur bedingt in die Handlung mit ein, da hätte ich gerne noch mehr erfahren bei den Landerkundungstouren. Selmas Schreibstil ist flüssig und passt zum jugendlichen Alter der Hauptfiguren, diese bleiben aber trotz detaillierter Beschreibungen eher distanziert. Zudem hätte es ruhig mehr knistern dürfen, sobald Kat und Lian aufeinandertreffen, die Wende vom Feind zum Freund geht fast ein bisschen zu schnell. Dennoch wird am Ende alles schön aufgelöst, finden sich passende Lösungen, welche Aussichten bieten für die Zukunft.
Eine Geschichte mit interessanter, weil ungewöhnlicher Thematik, die aber durchaus mehr Gefühl zeigen könnte. Gerne drei Sterne.
Krimifestival im Zwiebelland
Bretonischer Glanz von Jean-Luc Bannalec
In Roscoff, in der nördlichen Bretagne, findet das alljährliche Krimifestival statt. Als eine Leiche gefunden wird, ruft man aus mehreren Gründen Kommissar George Dupin zu den Ermittlungen in das Küstenstädtchen. Es bleibt nicht nur bei der einen Toten, die Aufklärung wird zu einem sehr persönlichen Unterfangen.
Voller Atmosphäre durch den rustikalen Charme des Ortes Roscoff nimmt einen die Krimihandlung schnell gefangen. Detaillierte geografische und kulinarische Einzelheiten bringen dem Leser die Besonderheiten dieser Gegend nahe, die typischen milden Zwiebeln mit ihrer rosa Farbe wecken Lust auf die schmackhaften Gerichte, welche daraus zubereitet werden. Leichen und Motive gibt es bald mehrere, ein Schriftsteller und politische Kontroversen sorgen für Abwechslung und lebendige Szenen, ein wenig aus Dupins Privatleben lockert das Ganze noch zusätzlich auf. Durchaus interessante Informationen zu diesem „britischsten aller bretonischen Häfen“ erhält man beim Lesen, die Denkansätze im Rahmen der Polizeiarbeit sind plausibel. Am Ende jedoch scheint das tatsächliche Tatmotiv nicht wirklich überzeugend, wodurch die Geschichte insgesamt ein wenig leidet.
Das typische Flair und viel Lokalkolorit verleihen auch diesem fünfzehnten Band der Dupin-Reihe seine besondere Stellung, unterhaltsame Lesestunden sind garantiert, weshalb ich bestimmt auch beim nächsten Fall dabei sein möchte.
Alte Dramen
Eisfeld - Fleisch und Blut von Steffen Weinert
Magnus Haub, Sohn einer bekannten Fleischhauerfamilie, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Während ringsum Weihnachtsvorbereitungen getätigt werden, muss Mara Eisfeld von der 9. Mordkommission Berlin herausfinden, weshalb der reiche Unternehmerspross das Zeitliche gesegnet hat und sticht damit in ein Wespennest, das alte Dramen zum Vorschein bringt.
Vielschichtig ist dieser Krimi angelegt, Fehden zwischen Vegetariern, Umweltschützern und eingefleischten Tierproduzenten könnten ebenso zum Mord geführt haben wie innerfamiliäre Zwistigkeiten oder andere Motive. Aus den kargen Hinweisen zimmert Mara ein logisches Konstrukt an unterschiedlichen Möglichkeiten, um doch immer wieder zu erkennen, dass die Lücken nicht geschlossen werden können. Hartnäckige Ermittlungen führen aber klarerweise irgendwann zum Erfolg.
Mit seinem flüssigen Schreibstil zieht Weinert den Leser flott von einem Kapitel zum nächsten, weckt Neugierde, stiftet zum Miträtseln an. Irgendwie fehlt diesem dritten Band aber doch stellenweise der „Biss“, den man von den beiden Vorgängerbänden her schon kennt. Vielleicht liegt die – für mich – fehlende knisternde Stimmung auch an der Jahreszeit – während Mara friert und über eisige Fahrbahnen schlittert, steigt nach dem Erscheinen dieses Krimis das Thermometer weit über 30 Grad. Egal, die Hintergründe werden schlüssig aufgeklärt, Mara und ihr Partner wieder sehr lebendig und glaubwürdig dargestellt.
Wer Krimis mit einer ebenso liebenswerten wie unkonventionell agierenden Hauptfigur sucht, der sollte sich die Reihe „Eisberg“ ansehen. Trotz kleiner Kritikpunkte ist auch Band 3 mit den befremdlichen Einblicken in ein Familienunternehmen lesenswert.
Zwischen den Rollen
Eine echte Komtess von Ada Caine
Die verarmte adelige Hanna möchte nicht bei ihrer Tante unterkommen, so nimmt sie bei Gräfin Valeria eine Stelle als Gouvernante für deren quirlige Enkelin Antonia an. In Heiligendamm läuft jedoch einiges nicht nach Wunsch, Zwistigkeiten sind vorprogrammiert und Hanna hat es nicht leicht, die Balance zwischen ihren Rollen als Gouvernante und als echte Komtess zu finden.
Lebendige Szenen führen von Heiligendamm ins ungarische Harkàny und beleuchten stimmig, wie es einst zugegangen ist. Hanna und Antonia als Hauptfiguren zeigen, dass man nicht alles hinnehmen muss, sondern auch eigenständig denken oder gar eine konträre Haltung einnehmen darf. Wie bereits im Vorgängerband, stehen auch diesmal Pferde im Mittelpunkt und neidische Verwandte, denen Hanna aber mit Klugheit und Witz Paroli bietet. Mit Humor und realitätsgetreuen Details zeichnet Ada Caine wieder einmal ein interessantes Bild der Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts und genau deshalb bahnt sich die Romanze zwischen Freiherrn von Striegenberg und Hanna nur langsam an.
Ein ruhiger, aber durchwegs glaubwürdig erzählter Roman, der nahtlos an „Der Wille der Gräfin“ anschließt und eine gelungene Fortsetzung darstellt.
Hexenzauber
Die Stadtapothekerin von Johanna Benden
Eine tote Lieblingstante, eine geerbte Apotheke und ein Traumjob in der Pharmaforschung – Lena ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und notwendigen Entscheidungen. Bevor ein streitsüchtiger Apothekerkonkurrent, der ihr unter anderem Hexerei und Kräuterzauber vorwirft, rasch für klare Grenzen sorgen kann, kreuzt auch noch ein charmant witziger Typ in Lenas Stadtapotheke auf.
Voller Humor lädt Glückstadt (die gibt es denn wirklich!) ein, Lena zu begleiten mit all ihren Emotionen, welche sie nach dem – für sie unerwarteten – Todesfall bewegen. Neben der Trauer gilt es jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren, um die bevorstehenden Schritte zu planen, auf Drohbriefe muss reagiert werden und sogar für einen Hauch Romantik bleibt Platz, denn Tom findet im richtigen Moment die richtigen Worte.
Das grandiose Vorwort der Schriftstellerin leitet nach einem Kurzsprachkurs für Norddeutsch perfekt über ins aktuelle Geschehen, welches am Ende ebenso virtuos in ein „Moin moin noch mal!“ mündet, wo sich Johanna Benden persönlich zu Wort meldet. Und wer meint, dass dann endgültig Schluss ist, der wird sich wundern, welch interessante Details die folgenden Seiten füllen …
Dieser Roman hält eine Fülle an spannenden Themen bereit, bietet so viel mehr als der 99. Abklatsch einer öden Liebesgeschichte oder eines heißen Urlaubsflirts. Hier geht es um Menschen wie dich und mich, um Personen, die man eben einmal in Francescos Pizzeria treffen könnte, um Charaktere, die mit Herzblut und Liebe gezeichnet sind, sodass man sich nicht nur einmal wünscht, selbst zu den glücklichen Bewohnern von Glückstadt zu zählen. Johanna Bendens genaue Recherche lässt jede einzelne Szene überaus lebendig erscheinen und so schafft es die Autorin, fachlich versiert zu schreiben ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken. Durch den gelungenen Mix aus historisch geprägten Tatsachen und einem wunderbar darein gewobenen romanhaften Teil erschafft Benden eine besonders liebenswerte Geschichte, die mir eine großartige Lesezeit beschert hat!
Apothekerin Lena mit ihren zwiespältigen Gefühlen, die wunderbar eingefangene Atmosphäre an der Elbe und die mit ‘n büschn (ein bisschen) Norddeutsch versetzte Erzählform hat mir bannig (außerordentlich) viel Spaß gemacht. Ich glaube, ich habe mit Johanna Benden eine neue Lieblingsautorin gefunden und werde noch öfter mit ihren Romanfiguren nach Glückstadt reisen, ja, vielleicht geht sich sogar einmal ein richtiger Urlaub an der Elbe aus. Uneingeschränkte Leseempfehlung!
KKW Wyhl
Sonnenberg von Brigitte Glaser
Am Kaiserstuhl soll in den 1970er-Jahren ein Kernkraftwerk errichtet werden. Nicht nur die ansässigen Bauern fürchten um ihre Reben, auch Studenten und andere überzeugte Umweltschützer gehen in den Widerstand. Darunter Johanna und Luzie, zwei Freundinnen, die sich aber voneinander entfernt haben, als Johanna Mutter geworden ist, während Luzie eine zusammen geplante Marokkoreise angetreten hat.
Wird man durch die gemeinsame Sache wieder zueinander finden oder steht man am Ende gar nicht auf derselben Seite?
Frauenrechte, Kernkraft und Politik der 1970er-Jahre stehen im Mittelpunkt dieses gewissenhaft recherchierten Romans, in der Kreditabteilung der örtlichen Bank spricht man überhaupt nur von „halben Personen“, wenn es um Frauen als Arbeitskräfte geht. Diese Stimmung fängt Brigitte Glaser sehr gut ein, die damalige Atmosphäre – auch durch die genannten Musiktitel – schleicht sich schnell in meine Erinnerung. Andererseits fehlen mir tiefergehende Gefühle der beiden Hauptfiguren Johanna und Luzie, aus deren Blickwinkeln die ganze Geschichte erzählt wird. Die Geheimnisse, welche Luzie aus Marokko mitbringt, werden mehrfach wiederholt, die Einflechtung vergangener Ereignisse ins gegenwartliche Geschehen erfolgt fließend, irritieren mitunter den Fluss des Lesens. Auch sonst bleiben mir die einzelnen Personen eher fremd, mitfühlen, mitbangen kann ich kaum mit ihnen, obwohl durchaus spannende und emotionale Szenen geschildert werden. Der Fokus dieser auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte liegt auf der Zeit von Jänner bis April 1975, vom Gefühl her begleitet man Johanna und Luzie aber deutlich länger. Am Schluss gibt es zwar keine großen Überraschungen, die letzten Zeilen stimmen jedoch durchaus zufrieden.
Wenig Emotion, aber gut an die Realität angelehnt, wer Näheres zum Widerstand rund um das Kraftwerk Wyhl erfahren möchte, sollte hier reinlesen.
Was unmöglich scheint
Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus. von Nova Winter
Smilla und Jonas wagen einen Neuanfang im Schwarzwald. Durch einen Zufall rettet Smilla den Nachbarsohn aus einem See, aber statt Dankbarkeit schlägt ihr Ablehnung entgegen. Zudem kommt ihr der Bub merkwürdig vertraut vor. Welche Geheimnisse verbergen die Menschen rund um sie?
Kurzweilig mit knappen Kapiteln und wechselnden Blickwinkeln fließt das Geschehen flott dahin, die wenigen wesentlichen Charaktere – Smilla, Jonas und das benachbarte Ehepaar Lou und Quentin mit Sohn Moritz – sind rasch vorgestellt, schon kann das Verwirrspiel beginnen.
Bei diesem Thriller geht es nicht um blutrünstige Gewalt, sondern um fein gesponnene psychologische Winkelzüge. Physische und psychische Erkrankungen spielen eine gewisse Rolle, das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung wird mitunter infrage gestellt. Was heute noch unmöglich scheint, kann morgen schon Realität sein. Exkurse in die Vergangenheit unterbrechen die sonst chronologische Handlung, um aktuelle Geschehnisse zu verstehen. Smilla, die im Mittelpunkt der fesselnden Geschichte steht, nimmt einen sofort für sich ein, wie man die Hauptfiguren aber in „gut“ und „böse“ klassifizieren kann, bleibt bis zum Schluss offen. Nicht immer ganz glaubwürdig, ergibt die Auflösung aller Rätsel am Ende dann doch durchaus Sinn.
Ein spannender, unterhaltsamer Thriller, bei dem die Psychologie eine große Rolle spielt. Wer wissen möchte, wie das Unmöglich möglich wird, sollte das Buch zur Hand nehmen!











