Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Villa Aurelia
Die Millionärsvilla am See: Herzenskuss von Lotte R. Wöss
Trennung statt Heiratsantrag nach neun Jahren Beziehung, das ist Jessie zu viel. Kurzerhand kündigt sie ihren interessanten Job in einem Wiener Luxushotel, um am Attersee neu anzufangen. Die Stelle im Seehotel Villa Aurelia wird ihr vom bekannten Sänger Mike Ryder vermittelt, dessen Sohn dort die Leitung innehat.
Dieser vermutet in Jessie eine flüchtige Affäre seines Vaters und begegnet ihr entsprechend kühl.
Ein wunderbares Ambiente am Attersee, ein großartiges Seehotel der gehobenen Klasse und überaus glaubwürdige Charaktere bilden die gelungene Mischung für diesen lesenswerten Serienauftakt. Szenen, die dem echtem Leben entstammen könnten – Verwicklungen, Missverständnisse und Probleme – begleiten die Zeit, die wir gemeinsam mit Jessie und Moritz verbringen, bis zum Ende hin bleibt die wohldosierte Spannung bestehen. Flüssig im Stil, einfühlsam in der Diktion, erzählt Schriftstellerin Lotte R. Wöss in unregelmäßigem Wechsel aus den Blickwinkeln der beiden Hauptfiguren und lässt auch den Leser hautnah spüren, wie es ihnen geht, was sie fühlen und erwarten.
Kein oberflächliches Beziehungsgeplänkel erwartet die Leser mit diesem liebenswerten Roman, nein, vielmehr ist es eine romantische Geschichte mit viel Tiefgang rund um eigene Ziele im Leben, Krankheit und Haushalten mit den eigenen Kräften. Ein wahres Lesevergnügen, dem ich recht bald Band 2 folgen lassen möchte.
Mörderische Nachbarschaft
Wer zuerst liest, stirbt zuletzt von Tatjana Kruse
In unmittelbarer Nachbarschaft der Krimibuchhandlung Mord & mehr zieht ein neuer Mieter ein. Gleich am ersten Abend wirkt er verdächtig auf Buchhändlerin Julia Hortmann, welche sofort ein Verbrechen wittert und die Polizei zu Hilfe ruft. Als auch in der nahe gelegenen Seniorenresidenz Todesfälle auftreten, beobachtet Julia ihre Umgebung noch aufmerksamer als sonst.
Humorvoll und pointiert erzählt Tatjana Kruse vom Alltag in der kleinen, persönlich geführten Buchhandlung, stellt liebenswerte Nachbarn vor und ebenso treue wie skurrile Kunden. Gewürzt mit witzigen Dialogen schreitet die Handlung voran, finden sich scheinbare und echte Leichen, wobei zu klären ist, ob die Todesursache eine natürliche ist oder nicht. Als Krimibuchhändlerin sieht Julia immer gleich das Schlimmste. Ob ihr Spürsinn sie trügt oder sie einfach der Polizei eine Naselang voraus ist? Das lest am besten selbst!
Ein kunterbunter Mix an unterschiedlichen Figuren, die auch einmal über sich selbst lachen können, sowie ein gelungenes Ambiente laden ein zu fröhlichen Lesestunden. Wer es unblutig, aber umso amüsanter mag, der wird hier auf seine Kosten kommen.
Welche Seite
Das Geheimnis von Lissabon von Kerry Barrett
Nach dem viel zu frühen Tod der Mutter ist nun auch ihr Vater verstorben, und so reist die angehende Schauspielerin Lara Hope im Jahre 1838 nach Lissabon, um ihre Großeltern mütterlicherseits kennenzulernen. Aber in der fremden Stadt kommt alles anders als erwartet, sie bleibt, arbeitet unter anderem in der Buchhandlung ihrer Zimmervermieterin.
Während der Krieg immer schlimmere Ausmaße annimmt, muss sich Lara entscheiden, für welche Seite sie eintritt.
Auf ruhige Art und Weise erzählt Kerry Barrett von den Kriegsjahren in Portugal, verwebt das persönliche Schicksal Lara Hopes mit dem vieler unbenannter Flüchtlinge und jenem von Menschen, welche ihr Leben riskieren, um Verfolgten zu helfen. Leise agieren die einzelnen Figuren, Geheimnisse werden gewahrt und stete Aufmerksamkeit nötig, um in diesen Zeiten zu bestehen. Ein angenehmer Schreibstil führt durch diese Geschichte mit etlichen wahren Elementen, allerdings sind für mich die Gefühle der einzelnen Figuren kaum spürbar. Liegt es daran, dass Lara eine hervorragende Schauspielerin ist? Liegt es daran, dass jeder eine Maske überzieht, um seine wahre Mission zu verschleiern? Wenngleich mehr Dramatik möglich gewesen wäre, so ist die Mischung aus persönlichem Lebensweg, Spionage und Romanze durchaus gelungen.
Einiges könnte sich so oder so ähnlich zugetragen haben, Historie und Fiktion sind zu einem glaubwürdigen Ganzen verschmolzen.
Alles nur scheinbar
Einkehr (Neuauflage) von Tommie Goerz
Kommissar Friedemann Behütuns hat ein komisches Gefühl, eine sonderbare Dame berichtet, dass einige abgehandelte Todesfälle keine Unfälle gewesen sind, sondern Mord. Ohne Auftrag beginnt Friedo zu ermitteln und stößt auf unverständliche Nachrichten aus früheren Zeiten.
Schwer legt sich die brütende Hitze über das Land, träge gehen die Nachforschungen voran.
Behütuns mit seiner ruhigen, überlegten und gleichzeitig zielstrebigen Art lässt nicht locker, auch wenn manche Vorfälle schon aufgeklärt scheinen und endlich bei der Bevölkerung langsam in Vergessenheit geraten. Die großartig eingefangene Atmosphäre trägt auch diesen Kriminalroman von Tommie Goerz, Gegenwart und Vergangenheit laufen sachte ineinander. Zäh, gleich einem Zeitdehner, kriechen die Gedanken dahin, die Zusammenhänge und Verbindungen erschließen sich dem großartigen Peterleteam (denn alle sind mit dem Vornamen Peter gesegnet) und dem Leser nur langsam. Hervorragend gestaltet der Schriftsteller den Handlungsverlauf, bringt interessante Figuren ins Spiel und entwirft mit Leichtigkeit einen tiefgründigen Krimi, die Überraschung am Ende ist perfekt.
Wer das Außergewöhnliche sucht, greift bei Goerz zu, sowohl bei seinen Krimis als auch bei seinen literarischen Romanen kann man sich völlig im Geschehen verlieren und dabei noch einen grandiosen Schreibstil genießen.
Ein Kindermädchen für Oma Lucia
Herzenszeit in Südtirol von Regine Kölpin
Wenn es nach ihren beiden Enkeln geht, braucht Oma Lucia Unterstützung, denn seit sie kürzlich Opfer eines Diebes geworden ist, traut sie sich nicht mehr so recht auf Ausflüge in Richtung Bozen oder Meran und versinkt zunehmend in Einsamkeit. Aber die eigenwillige 85jährige lehnt ein Kindermädchen, wie sie Krankenschwester Maja nennt, rundweg ab.
Dafür gefällt sie ihrem Enkel Paul umso besser.
Aus abwechselnder Sicht von Maja, Lucia und Paul erzählt Regine Kölpin diesen warmherzigen Roman und nimmt uns mit auf eine landschaftlich und kulinarisch eindrucksvolle Reise nach Südtirol. Schnell findet sich Maja aus Wilhelmshaven in den Bergen zurecht, aber Vorbehalte und falscher Stolz vonseiten der Großmutter stehen einer längerfristigen Zusammenarbeit scheinbar im Weg. Bildreiche Szenen, liebevolle Details und nicht immer sympathische Figuren verleihen der Geschichte ihre Lebendigkeit, so oder so ähnlich könnte es tatsächlich passiert sein. Das Ende kommt wohl etwas überstürzt daher, dennoch laufen alle Fäden passend zusammen.
Schöne Stunden mit viel Lokalkolorit und entsprechendem Flair darf man hier genießen, der liebevolle Schreibstil Regine Kölpins hat mich auch diesmal gefangen genommen.
Mord zum Geburtstag
Schattengast von Malin Stehn
Sandra wird vierzig und lädt zu einem großen Fest mit vielfältigem Buffet und teurem Champagner, am nächsten Tag liegt sie tot im eigenen Blut. Gab es Nachbarschaftszwistigkeiten, Familienprobleme oder hängt der Mord zum Geburtstag gar mit den kriminellen Banden in Malmö zusammen?
Kurze Kapitel, immer wieder einmal mit offenem Ende, sorgen für Tempo in dieser Geschichte, die wechselnden Blickwinkel streifen stets unterschiedliche Einschätzungen von ein und derselben Situation.
Zusätzlich beginnt die Handlung mit einem polizeilichen Vernehmungsprotokoll und der Party, um anschließend frühere Ereignisse in chronologischer Abfolge zu schildern, wiederum durchbrochen von Ermittlungsfragen. So entsteht ein interessanter, spannender Aufbau, einzelne, geschickt formulierte Informationen können von Leser vielseitig interpretiert werden und verleiten zum Miträtseln, was denn tatsächlich geschehen sein könnte. Detailreiche Personenportraits rund um die Nachbarschaft in der kleinen Siedlung, Missverständnisse und private Probleme sorgen für allerlei Abwechslung, das Ende wird schlüssig gelöst, wobei da aber dann doch der „große Knall“ ausbleibt.
Der dritte Kriminalroman aus der Feder Malin Stehns, der durch viele Irrwege und Sackgassen überzeugt, unterschiedlichste Gedankengänge ermöglicht und trotz der Vielfalt an Figuren jede einzelne perfekt trifft. Erst eine Silvesternacht (Happy New Year), dann eine Hochzeit (Nur eine Lüge), diesmal eine Geburtstagsparty – Malin Stehn versteht es, packende Geschichten ohne Brutalität zu schreiben.
Mosaik
Sommerglück in Pine Hill von Karin Lindberg
Die Geschäfte im Tourismus könnten besser gehen im ruhigen Pine Hill, aber die Urlauber suchen immer öfter aufregende Unterhaltung statt beschaulicher Natur. Diesen Umstand möchte ein großes Immobilienunternehmen nutzen, um die kleinen Motels am Strand aufzukaufen und riesige Betonbunker für künftige Hotelgäste zu errichten.
Um die Sache zu beschleunigen und mit seiner privaten Vergangenheit abzurechnen, reist CEO Kian Gallagher persönlich an, allerdings unter falscher Identität. Dies sollte ihm allerdings in jenem Moment zum Verhängnis werden, in dem er Becca Mason begegnet.
Eine wunderschöne landschaftliche Kulisse, ein beschauliches Dorf und eine hilfsbereite Nachbarschaft bilden den Rahmen für Beccas und Kians Geschichte. Hier hat sogar das Auto einen Namen und ein abgemagerter streunender Kater stiehlt sich heimlich in die Herzen der Menschen. Mit solch liebevollen Details untermalt Karin Lindberg die Handlung ihres zweiten Romans aus der Reihe „Sea Side Kisses“, lässt die knisternde Atmosphäre schnell auf ihre Leser überspringen. Natürlich gibt es Missverständnisse, Verletzungen und Enttäuschungen, aber auch weise Stimmen mit dem Blick von Außenstehenden, sodass sich die einzelnen Bruchstücke langsam aber sicher zu einem strahlenden Mosaik zusammensetzen lassen.
Das Sommerglück wird zum Leseglück, genau richtig für ein paar unbeschwerte Stunden im Land der Träume, der Phantasie und der Liebe.
Der Nachbar als Feind
Vor uns ein heller Morgen von Margit Steinborn
Nach einem schrecklichen Unglück, das der Nachbar hätte verhindern können, stehen sich die Familien der Gutshöfe von Traubnitz und Reimann als Feinde gegenüber. Selbst die Kinder, welche gerade noch zusammen gespielt haben, dürfen einander nicht mehr treffen. Neun Jahre später soll Helena von Traubnitz den zuvorkommenden Unternehmersohn Westphal ehelichen, als ein fremder Bub am Gut auftaucht und eine schockierende Überraschung offenbart.
Liebevoll zeichnet Margit Steinborn die Jahre des beginnenden 20. Jahrhunderts nach, erzählt von reichen Gutsbesitzern und bettelarmen Gestalten, von verfeindeten Nachbarn und gütigem Hausgesinde. Im Mittelpunkt der bewegenden Geschichte stehen Helena von Traubnitz, Benedikt Reimann und Edgar Wenzel, sodass neben den „Herrschaften“ auch ein Vertreter aus dem Kreis der Dienstboten entsprechende Aufmerksamkeit bekommt. Mit ihrer realistischen Darstellung der Geschehnisse und dem ruhigen, feinfühligen Schreibstil fesselt Steinborn ihre Leser sofort an diese geheimnisvolle Geschichte. Figuren, die man gerne kennenlernen möchte, sind ebenso klar charakterisiert wie solche, denen man lieber nicht begegnet im wahren Leben, das kleine Sommerfeld nördlich von Berlin bietet eine stimmige Kulisse für den nachbarschaftlichen Streit und die intriganten Machenschaften unter den einzelnen Neidern.
Die aufregende Zeit am Lande vergeht viel zu schnell, eine Reihe an Fragen wird geklärt, aber doch bleibt einiges offen, um auch den Folgeband gewiss mit Spannung und Lebendigkeit zu füllen. Ich bin schon sehr neugierig, wie es weitergeht …
Art am Ende?
Im Morgengrauen von Marc Raabe
Eine entstellte Tote im Schacht der U-Bahnlinie 5, ein verschwundener Kanzler, skandalöse Videos und Art Mayer im Zentrum der Ermittlungen des BKA. Ist Art am Ende?
Spektakulär geht es weiter mit dieser grandiosen Serie, welche diesmal zu ihrem Abschluss findet. Davor jedoch entführt Marc Raabe seine Leser in ungeahnte Verwicklungen und Verstrickungen, die Zeile für Zeile für packende Stunde sorgen.
Zweifelsohne ist man im Vorteil, wenn man Art Mayer 1 bis 3 kennt, aber auch ohne diese Bände gelesen zu haben, erschließen sich einem die großen Zusammenhänge aufgrund der gerafften Darstellung der bisherigen Geschehnisse. Spannende Zeitenwechsel, knappe Kapitel und dramatische Szenen beherrschen die Handlung, die Suche nach einem oder mehreren Tätern gestaltet sich aufwendig, ja beinahe unmöglich. Aufgrund der politischen Brisanz will man allerdings rasche Ergebnisse präsentieren und schießt sich auf den kauzigen Ermittler Art Mayer ein. Brillant ist auch dieser Teil der Serie aufgebaut, präsentiert großartig charakterisierte Figuren und einen detailliert durchdachten Ablauf der Ereignisse. Wie auch bisher, geht es nicht nur um das Lösen von Mordfällen, sondern auch um höchst persönliche Angelegenheiten rund um Mayer und die Frau des Bundekanzlers.
Der krönende Abschluss dieser vierteiligen Serie mit Art Mayer und Nele Tschaikowski beantwortet viele bislang offene Fragen und lässt die gesamte Geschichte noch lange im Gedächtnis verweilen. Großartige Unterhaltung, absolute Leseempfehlung!
Seidenblumen
Blüten für eine neue Welt von Thea Lehmann
Nach dem Tod von Carl-Heinrich führen seine Witwe Elisabeth und seine Tochter Clara die kleine Seidenblumenmanufaktur Jakob in Sebnitz (Sachsen), während sein Sohn Otto in die Lehre zum Kunstschmied geht. Aber im Jahre 1865 ist das für Mutter und Tochter eine enorme Herausforderung, wird doch den Frauen kaum ein Recht zugesprochen und stets ein geringerer Lohn bezahlt.
Dennoch übernimmt Clara die Organisation im Hintergrund, versucht, Preise neu zu verhandeln und reist schließlich sogar nach New York, um ihre exquisiten Kunstblumen zu vermarkten, aber auch, um ihren Jugendfreund Raimund zu suchen.
Auf ruhige Art und Weise erzählt Thea Lehmann in diesem schönen Roman von längst vergangenen Zeiten, spricht die langen Arbeitstage an und die patriarchalischen Strukturen, welche Frauen gleichsam ausschließen von der Geschäftswelt. Die Geschichte rankt sich um die Hauptfigur Clara, die diese gesellschaftlichen Konventionen nicht klaglos hinnehmen will, sondern für Gleichberechtigung kämpft und damit nicht nur Freunde gewinnt. Der Alltag wirkt lebendig, insbesondere die Herstellung der filigranen Blüten wird detailgetreu beschrieben. Aber auch andere, damals brennende Themen fließen geschickt in die Handlung ein, so erfahren wir von Differenzen zwischen Angehörigen verschiedener Religionen, Industrialisierung und Geldnot, treten die beschwerliche Reise über den Atlantik an, um Kontakte in die „neue Welt“ zu knüpfen. Das Ende fügt sich stimmig an die vorangegangenen Geschehnisse und lässt Raum für eigene Ideen und für eine Fortsetzung von Claras Lebensweg.
Unterhaltsame Stunden finden hier all jene Leser, welche sich für gut recherchierte Zeitgeschichte interessieren und gerne eine junge entschlossene Frau begleiten, die für ihre Unabhängigkeit kämpft.











