Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Absolut toll, hab mich prächtig amüsiert
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
Spionageromane sind ja so ein Genre, damit kriegt man mich. Ich liebe gute Geheimnisse, verdeckte Identitäten und Doppelbluffs, die Ereignissen unerwartete Wendungen geben. Und dieses Buch ist einfach eine charmante, leicht überspitzte Version, da nah an der Parodie kratzt, aber dadurch einfach super kurzweilig und unterhaltsam ist.
Die Figuren sind einfach köstlich konstruiert, bedienen reichlich Klischees und machen einfach Spaß. Es ergeben sich herrliche Konversationen und äußerst schräg anmutende Situationen, bei denen man nie so richtig weiß, wer eigentlich auf welcher Seite steht.
Ähnlich wie Jakob wird auch der Leser einfach mitgerissen auf dieser schrägen Mission deren genauer Inhalt eigentlich zu keiner Zeit eindeutig definiert wird. Aber Jakob lässt sich vom Moment leiten, verzeichnet Erfolge und Rückschläge und so richtig weiß man nie, ob er seine Sache eigentlich gut macht oder überhaupt gutmachen soll.
Das Ende fand ich nochmal sehr speziell, ein bisschen hektisch und unübersichtlich. Es endet so ein bisschen , wie es begann. Mit einem Gespräch, dessen Ausgang und Auswirkung auf Jakobs Leben ungewiss ist. Einerseits sehr passend, andererseits hätte ich mir vielleicht einen letzten großen Knall gewünscht.
Beunruhigend
Happy Head von Josh Silver
Ich finds so spannend, dass diese Geschichte eindeutig dystopische Züge hat, gleichzeitig aber derartig nah an der Realität und aktuellen Strukturen unserer Leistungsgesellschaft, in der mentale Gesundheit, Fortschritt und reine Funktionalität im Fokus stehen, angelehnt ist, dass man fast schon Angst bekommen könnte vor dem, was leider viel zu realistisch wirkt.
Sowohl in der Buchbeschreibung als auch im Buch selbst gibt es Anspielungen auf Squid Game- weiß ich jetzt nicht. Der Vibe ist schon ein anderer und das Konzept auch. Bei der Bucheschreibung hat das bei mir schon eine falsche Erwartungshaltung geweckt. Ja, es gibt Challenges, aber die haben absolut nichts mit Squidgame zu tun.
Es geht hier mehr um ein manipuliertes Sozialexperiment, was für sich allen auch schon super unheimlich ist. Seb is ein eher ambivalenter Protagonist, gefangen zwischen dem Wunsch zu gefallen; „richtig“ zu sein und seinem Wahren Ich.
Beim Ende bin ich unschlüssig, es wird vermutlich einen zweiten Band geben, aber ich hätte zumindest gerne irgendwas handfestes bekommen.
Fands aber angenehm zu lesen und durchaus auch ein bisschen spannend. Hatte zwar eine etwas andere Geschichte erwartet, aber hat mir unterm Strich gefallen
Viel Schein, wenig Sein
Alle glücklich von Kira Mohn
Das Buch geht auf eine Art an die Nieren, die ich nicht erwartet hatte. Das oberflächlich betrachtet schöne, privilegierte Leben der Familie Holtstein, gerät gehörig ins Wanken während alle Familie Mitgliedern versuchen, ihre Unsicherheiten und Probleme mit sich auszumachen.
Es ist schon bemerkenswert wie die Familie aneinander vorbeilebt und es trotzdem alle, jeder für sich selbst, schaffen, sich der Lebebssituation und dem Verhalten der anderen aufzureiben.
Und sich gegenseitig zu verletzen.
Das Ende war schon tough. Als generell die ganze Geschichte war eine wilder Achterbahnfahrt aus toxischen Verhaltensmustern, fehlender Kommunikation und Desinteresse, aber das Ende war nochmal richtig heftig. Der Titel kommt einem da wie purer Hohn vor. Das Buch macht betroffen, man beginnt eigene Beziehungsmuster zu hinterfragen- kann man sich schleichend verlieren?
Die stetig wechselnden Perspektiven haben mir gut gefallen, auch wie jedes Kapitel durch eine Frage eingeleitet wird, die den Kern dessen widerspiegelt, was die Figuren umtreibt. Die Autorin schreibt einfühlsam, scheut aber auch nicht vor Konfrontationen zurück, was mir richtig gut gefällt.
Die Geschichte zeigt gut, dass Idylle trügerisch sein kann und ein vermeintlich schönes Leben nicht für sich erfüllend sein muss. Wie gut kennt man die Menschen, die man liebt, wirklich? Stark, tolles Buch.
Erst mau, dann absolut perfide
Ruf der Leere von Daniel Alvarenga
Der Roman beginnt erstmal eher unspektakulär- eine Gruppe junge Erwachsene in verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungsstadien und eine abgelegene Hütte. Die Gruppendynamik insgesamt eher kühl und Protagonist Felix, der im Zentrum des ganzen Plots steht, auf blasierte Art unsympathisch.
Die Handlung beginnt in eher gemäßigtem Tempo und so richtig ist nicht klar, worauf der Plot eigentlich hinauslaufen soll.
Anfangs fand ich die Rückblenden in Felix und Lauras sich entwickelnde Beziehung, die sich irgendwo zwischen Rivalität und Freundschaft bewegt, eher belanglos, aber als zur Mitte der Geschichte der Wendepunkt naht, bekommen nicht nur die Medizinethikseminare und Diskussionen über Moral eine neue Bedeutung, sondern auch Felix Freundschaft zu Laura.
Die zweite Hälfte der Geschichte liest sich dann wie ein absoluter Fiebertraum. Bin immer noch völlig platt vom Ausmaß dessen, wie die Geschichte den Bach runtergeht. Vom Plot her eigentlich super geschickt gemacht, aber bin doch ehrlich: ich hätte da zum Schluss noch ein paar Fragen.
Felix ist auf jeden Fall ein Protagonist, wie ich selten einen hasse. Zwischendurch tat der mir doch tatsächlich ein bisschen leid, aber mein Gott, selten so eine abgründige Romanfigur erlebt, die es auf reine Provokation anlegt.
Hatte ein ganz anderes Buch erwartet, bin aber vor allem in der zweiten Hälfte positiv überrascht worden
Richtig cooler Suspense-Roman
Firewatch von Colin Hadler
Ich mochte bereits Hadlers letztes Buch, aber dieses hier finde ich vom Suspense-Teil her nochmal stärker. Die Geschichte ist verworren, moralisch irgendwo im Graubereich angesiedelt und alle habe irgendwie was zu verbergen. Stark geplottet und einfach spannungsgeladen.
Die Geschichte schwankt zwischen Gegenwart und der Zeit kurz vor Aarons Verschwinden.
Die Perspektiven konzentrieren sich auf Aaron selbst und seinen besten Freund Robin, der versucht herauszufinden, was eigentlich passiert ist. Es gibt eigentlich die gesamte Zeit über nur einen Verdächtigen für Robin. Doch nichts ist so leicht, wie es schien-vor allem Aaron selbst nicht.
Das Setting der Feuer-Wachtürme fand ich super gewählt- mal was anderes und zugleich direkt atmosphärisch. Und auch Robins Wechselbad der Gefühle was Kian betrifft fand ich sehr authentisch und nachvollziehbar. Die gesamte Situation ist vulnerabel und dadurch mitreißend.
Und dann kommt ein Ende, das einem den Boden unter den Füßen wegreißt. Phänomenal, absolut spektakulär und grausig.
Eine neue Ordnung
Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider
Abbas Khider hat eine wundervolle Art zu erzählen. In seinen Geschichten ist Platz für Grausamkeit, Angst und Ungewissheit. Nichts wird geschönt, sondern mit offenen Augen betrachtet. Trotzdem bewahrt es sich einen gefassten, ruhigen Erzählton. Und genau das macht den Schrecken in all seiner Banalität für mich als Leser noch greifbarer.
Die Geschichte beginnt fast schon in schöner Alltäglichkeit. Ein Bild des Friedens, bis ein sich verändernder Himmel den bevorstehenden Wandel ankündigt. Mit fast schon verlässlicher Stetigkeit ziehen Gewalt, Beschränkungen und Angst in den Alltag des Protagonisten ein. Und es wird sehr eindrücklich geschildert, wie klein eine Welt mit einem Mal werden kann.
Die Auswirkungen dessen werden anhand Noahs Familie und ihren Freunden und Nachbarn sehr eindringlich geschildert. Noah fand ich für seine 14 Jahre wirklich bemerkenswert. Er scheut sich nicht Fragen zu stellen, das System anzuzweifeln und kleine Rebellionen zu begehen. Und gleichzeitig tat er mir furchtbar leid, als er alles zu verlieren droht, was sein Leben einmal ausgemacht hat.
Es ist ein Buch, das bewegt und nachdenklich stimmt. Ich war mir beim Lesen die gesamte Zeit bewusst, wie privilegiert ich lebe. Ein wichtiges Buch, das mich auch nach Ende des Lektüre noch beschäftigt hat
Hallt nach
Tage des Lichts von Megan Hunter
Was mir direkt aufgefallen ist, ist die blumige Sprache, die passend zur Zeit und den Lebensumständen der eher unkonventionellen, künstlerisch veranlagten Familie gewählt wurde. Die Erzählweise der Geschichte ist sehr besonders: nur sechs Tage eines Lebens, teilweise über Jahre voneinander getrennt.
Lässt sich unser Leben auf so wenig reduzieren? Auf sechs Schlüsselmomente?!
Ivy hat eine einfältige Unschuld an sich, was sich nicht nur darin zeigt wie sich über sich selbst als Mädchen, sondern auch über die Liebe und das Leben allgemein denkt.
Und wie klein ihre so unendlich scheinende Welt plötzlich wird. Erst durch Verlust, dann eine unbedachte Impulshandlung.
Die Schrecken des Krieges werden zwar nur angerissen aber trotzdem sehr eindringlich. Und über allem lag immer die Erinnerung an Joseph, die Fragen die sein Fehlen aufwarf. Ivy wird ältern, bleibt aber diese kleine, trostlose Versionen ihrer Selbst, immer sehnend, sich verzehrend, rast- und irgendwie heimatlos.
Ich war überrascht, wie viel man mit nur sechs Tagen erzählen und ausdrücken kann. Ivys Schicksal hat mir das Herz schwer gemacht.
Unterhaltsam fand ich, wie in dieser Familie jegliche Beziehungskonstrukte und Neigungen vorhanden zu sein scheinen. Es ist eine Geschichte von Liebe und Verlust, von Überschwang und Vernunft, von Sinnsuche und spätem Glück. Ein Leben, auf das elementarste herunterreduziert.
Magie trifft Piraterie
Nightweaver von R. M. Gray
Dieses Buch ist ein toller Reihenauftakt. Nicht nur entführt es den Leser in eine düstere Welt, die such auf den Abgrund zu bewegt, es gibt ihm auch eine Heldin an die Hand, die ihr Schicksal und das aller für immer verändern könnte. Und das kombiniert mit coolen Piratenvibes.
Das Magiekonzept rund um die vier Fähigkeiten und verschiedenen Mythen unf Monster fand ich toll aufgebaut.
Man bekommt genug Informationen um es sich vorstellen zu können, wir damit aber nicht überflutet und so bewahrt sich die Geschichte einen Hauch Mystik in all ihrer Dunkelheit.
Es gibt relativ viele Figuren dafür, dass eigentlich nur drei von ihnen so wirklich im Zentrum stehen. Aster ist eine eher spezielle Protagonistin, hat teilweise echt Antihelden-Vibes und zwischenzeitlich habe ich mit ihrer Art echt gehadert. Aber sie ist auch mutig, selbstlos und sehr gewieft.
Es passiert eigentlich pausenlos etwas, sodass man auch als Leser nie zur Ruhe kommt. Die Story ist temporeich geplottet unf hat durchaus actionreiche Momente. Gleichzeitig werden aber auch zarte Bande der Freundschaft, Liebe und des Vertrauens geknüpft, die im schönen Gegensatz zur düsteren Atmosphäre und Weltuntergangsstimmung der Geschichte stehen.
Also ich fand den Vibe toll und hatte eigentlich durchweg Spaß mit dem Buch. Die Charaktere könnten noch differenzierter ausgearbeitet werden, vor allem Aster ist doch sehr sprunghaft. Aber da ist auf jeden Fall Potential für den Folgeband vorhanden
Fands gut
A Fire in the Sky - Feuerschwur-Chroniken, Band 1 von Sophie Jordan
Ich fand das Worldbuilding einfach toll, kanns nicht anders sagen. Dabei ist das gar nicht mal so super umgangreich betrieben worden. Aber die Gegensätze der harschen Norde, der Armut der Bevölkerung und des prunkvollen Lebens im Palast mit seinen politischen Intrigen wurden durch Begegnungen und bildhafte Beschreibungen gut herausgearbeitet, sodass da eine tolle Atmosphäre entsteht.
Genial fand ich, wie die Frage nach dem „falschen“ Feindbild aufgeworfen wurde. Wie Drachen zu Feinden erklärt wurden; ihre Auslöschung das Land aber nicht hat aufatmen lassen. Und trotzdem fürchtete man sich weiter vor jeglicher Form von Magie.
Tamsyn selbst ist eine Protagonistin, die mir einfach leid tat. Ihr Leben fremdbestimmt, sie selbst Spielball, Prügelmädchen, ein Niemand. Bis sich ihr Schicksal völlig ändert. Das wie und warum wird in diesem Buch eher gar nicht abgehandelt. stattdessen werden Figuren und Leser vor vollendete Tatsachen gestellt und die Ereignisse dann ziemlich schnell vorangetrieben. Die Reaktionen der einzelnen Charaktere fand ich dabei zwar erwartbar, aber irgendwie auch zu gemäßigt, irgendwie unrealistisch gedämpft.
Und am Ende hatte ich dann noch so einen „ach komm schon“ - Moment. Es ist nicht die Entwicklung an sich, die mich daran stört, sondern wie sie wortwörtlich vom Himmel fiel. Ja kann man machen, bin ich aber kein Fan von.
Vom Leseerlebnis her war das Buch einfach toll. Cooles Setting, Charaktere mit denen man mitfiebert und magische Begegnungen, die eine mythische Atmosphäre schaffen. Inhaltlich auf jeden Fall aber ausbaufähig. Band 2 muss da dringend ein paar Antworten nachlegen.
Irr und wirr
Die Enthusiasten von Markus Orths
Dieses Buch ist irgendwie super besonders- exzentrisch, extravagant und exzellent erzählt. Ich würde mir niemals anmaßen schon beim ersten Lesen alles erfasst zu haben, was hier an Perlen verborgen liegt. Sprachaffine Leser kommen hier durchaus auf ihre Kosten.
Ich finde anfangs muss man sich einfach drauf einlassen und hinnehmen, dass nicht alle Zusammenhänge sofort glasklar sind.
Aber nach und nach zeichnet sich ein immer deutlicheres Bild. Die Geschichte setzt sich aus verschiedenen Erlebnissen, Anekdoten und Erinnerungen zusammen. Es ist eine durch und durch kuriose Erzählung, sehr ausschweifend und überbordend geschrieben.
Die Geschichte hat was komödiantisches , gleichzeitig gibt es auch Spannungs- und Krimielemente und das ganze wird umspannt von einer Atmosphäre, des Rätselhaften. Gleichzeitig stellt sich Protagonist Vince herrlich impulsiv und dilettantisch an und man fragt sich natürlich, was er da eigentlich vor hat. Liest sich ein bisschen wie ein Fiebertraum, aber mit hohem Unterhaltungswert.
Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch nicht für jeden was ist, aber ganz ehrlich: ich hab noch nie was vergleichbares gelesen und dadurch hatte ich echt viel Spaß mit der Geschichte.











