Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Bewertung für die deutsche Version „Die Schuld der Ehefrau“
Hush Little Bird von Nicole Trope
=== Die deutsche Version ist im Katalog nicht verfügbar ===
Rose hatte alles: einen Mann, zwei erwachsene Töchter, ein schönes Haus, genügend Geld. Und dann steht sie vor Gericht wegen Mordes – ihre Welt zerbricht. Die lange Beziehung zu ihrem Mann Simon scheint nur auf einem Fundament aus Lügen gestanden zu haben.
Wie kann das sein? Wie konnte sie so blind sein? Als sie die Haftstrafe antrifft, erwartet sie nicht, auf jemanden aus ihrer Vergangenheit zu treffen. Doch Birdy sieht endlich den Zeitpunkt für ihre Rache gekommen… (Bereits früher unter dem Titel „Das Finkenmädchen“ erschienen.)
Erster Eindruck: Ein guter Buchtitel, doch noch interessanter ist der Untertitel; das Cover gefällt mir.
Die Geschichte wird aus dem Blickwinkel von Rose und Birdy erzählt, so dass die Leser:innen mehr wissen als die einzelnen Protagonisten.
Die „Farm“ ist eine spezielle Form von Gefängnis: Mehrere Frauen bewohnen zusammen kleine Häuser, führen den Haushalt, kochen selbst. Es gibt keine Zellen, aber selbstverständlich viele Regeln. Tagsüber arbeiten sie in unterschiedlichen Bereichen wie Garten oder Landwirtschaft.
Rose liebte Simon. Doch muss sie später feststellen, dass eigentlich immer er entschied, was erledigt/gekauft/gesagt werden sollte, und was eben nicht. Er kauft ein Haus, ohne ihr etwas zu sagen. Er füllt es mit Möbel, die ihm gefallen. Er kauft Kunst, die Rose bewundern soll. Er wählt die Namen für ihre Kinder. Und doch: „Ich behütete und beschützte, liebte und verehrte ihn.“
Birdy ist „langsam“. Sie sagt: „Ich bin schlau genug, zu wissen, dass ich etwas dumm bin, oder ‚langsam‘, wie Mum gern sagt.“ Ihr gehen viele Dinge in den Kopf, verlassen sie aber viel zu schnell wieder. „Mum hörte, was ich sagte, aber sie hörte mir überhaupt nicht zu.“ Sie liebt es, sich um die Vogelvoliere mit den Finken zu kümmern.
Es ist eine sehr ruhige Geschichte, und das ist aus meiner Sicht auch sehr passend. Die Autorin hat es geschafft, Birdys Wesen lebendig zu schildern, ohne dass es kitschig wurde. Und auch Rose bzw. Simon wurden gut dargestellt. Simon war zuerst mittelmässig erfolgreicher Schauspieler und wurde dann zum gefeierten TV-Moderator. Er liebte es, im Rampenlicht zu stehen und bewundert zu werden. Aber zu Hause bekam er immer wieder Wutanfälle und bemitleidete sich selbst. Oje, armer Simon! Seine Frau Rose war immer unterstützend und bewundernd an seiner Seite. Das schwierige Thema Pädophilie ist zwar sehr präsent, aber zugleich bleibt es bei Andeutungen. Das fand ich sehr gut gelöst. Von mir gibt es 5 Sterne.
Durchwegs angespannte Stimmung
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Juliane „Juli“ Brunner ist vor eineinhalb Jahren verschwunden. Eine Tragödie sondergleichen, unter der die Familie langsam zerbricht. Doch das Schlimmste ist: Der Vater von Juli wird beschuldigt, seine Tochter umgebracht zu haben und sitzt daher im Gefängnis. Die Polizei ist sich sicher, den richtigen Täter zu haben, aber Anna, Julis jüngere Schwester wehrt sich.
Sie versucht, für ihren kleinen Bruder da zu sein und herauszufinden, was wirklich passiert ist…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir von der Farbgebung sehr gut; die Wasserblasen sind geprägt, was eine besondere Haptik ergibt.
Das Buch ist in 3 grosse Teile gegliedert: 1. „Knochen“, 2. „Rache“, 3. „Wahrheit“. Die Geschichte wird abwechslungsweise aus der Sicht von Anna und Katharina erzählt.
Der Prolog vermittelt eine beklemmende Stimmung. Die Verzweiflung lässt sich förmlich in Scheiben schneiden, so greifbar ist sie. Dass eine Familie sogar ein Medium einschaltet, um hoffentlich endlich Antworten zu erhalten, ist absolut verständlich. Wer würde nicht alles tun, um das eigene Kind wiederzufinden?
Anna hat mir leidgetan. Sie hat – nebst dem Verlust ihrer Schwester – eine zu grosse Bürde zu tragen: Da der Vater im Gefängnis ist, kümmert sie sich alleine um den Rest der Familie: ihre manisch-depressive Mutter, die die meiste Zeit nicht wirklich präsent ist, sowie ihren siebenjährigen Bruder Leon, der sich vor seiner Mutter und den „Gewittern“ in ihrem Kopf und deren Auswirkungen fürchtet.
Katharina ist Polizistin. Sie gibt alles für ihre Fälle und ordnet das wenige Privatleben rigoros unter. Ihre Schwester und deren Familie beklagen sich zu Recht, dass sie nie Zeit hat. Doch sie kann nicht anders. Wenn sie weiss, dass andere Familien darauf warten, dass Vermisste zurückgebracht oder Täter zur Rechenschaft gezogen werden, muss sie einfach dranbleiben. Dafür wurde sie Polizistin.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und die Autorin hat es geschafft, die angespannte Stimmung aufrechtzuerhalten. Ich konnte mich zwar weder für Anna noch für Katharina richtig erwärmen, aber das war auch nicht das Ziel. Immer wieder hatte ich Verdächtige und mögliche Erklärungen im Kopf, doch ein paar Seiten weiter habe ich meine „Ermittlungen“ wieder über den Haufen geworfen. Mit diesem Ausgang der Geschichte habe ich nicht gerechnet – gut gemacht, Caroline Seibt! Von mir gibt es 5 Sterne.
Emotionaler Reiheneinstieg
Glücksmomente von Debbie Macomber
Neuanfänge, Band 1: Cassie Carter hat als junge, naive Frau aus Liebe eine folgenschwere Entscheidung getroffen, die sie und ihre Familie entzweite. Seither sind viele Jahre vergangen und Cassie hat es nicht gewagt, mit ihren Schwestern wieder Kontakt aufzunehmen: Karen managt Job und Familie, Nichole hat erst vor kurzem ein Baby bekommen und ist Vollzeitmom – ihnen scheint alles zu gelingen.
Und Cassie kämpft jeden Tag für sich und Tochter Amiee. Als sie einen Brief von Karen erhält, scheint der Zeitpunkt der Versöhnung greifbar. Können die Schwestern wieder zueinanderfinden?
Erster Eindruck: Das Cover vermittelt eine gewisse Leichtigkeit – gefällt mir, obwohl die Inhaltsbeschreibung schon anzeigt, dass wohl nicht alles easy-going sein wird.
Als Cassie frisch in Duke verliebt war, schwebte sie auf Wolke sieben. Ihre Familie hingegen hielt keine grossen Stücke auf ihn. Aus Liebe – und wohl auch aus Trotz – ist sie mit ihm von zu Hause weggegangen. Er hat ihr zuerst das Blaue vom Himmel versprochen, doch kurz nach der Heirat wendete sich das Blatt und er zeigte sein wahres Gesicht: Immer wieder schien Cassie alles falsch zu machen: Sie atmete falsch, sie sah die falschen Menschen an, sie hat die falsche Müslisorte gekauft. Dafür musste sie büssen…
Wenn ich so etwas nur schon lese, rege ich mich auf, denn so etwas sollte einfach nicht passieren! Er rastet wegen Nichtigkeiten aus und sie muss Schläge einstecken! Glücklicherweise konnte sie sich aus dieser toxischen Beziehung retten, muss aber für sich und ihre Tochter jeden Cent zwei Mal umdrehen. Sie hat sich bei „Habitat for Humanity“ (ein wunderbares Projekt!) beworben, wo sie eine bestimmte Zahl Freiwilligenstunden ableisten muss und sodann die Chance auf ein eigenes Haus bekommt. Für dieses Ziel – ein richtiges Zuhause für sich und Amiee – nimmt Cassie jede Mühe auf sich. Und auch die Begegnung mit Bauleiter Steve Brody, der ihr den Einstieg nicht gerade leicht macht.
Als Leser:in erhält man abwechslungsweise Einblick in das Leben der drei Schwestern und sieht schnell, wo das Ganze wohl schwierig werden würde. Aber ich verrate hier nichts! Es gab etliche emotionale Momente, daher vergebe ich gerne 5 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung (das Buch ist schon länger vorbestellt).
Sie wollte immer nur singen
Die hohen Töne von Danielle Steel
Iris Cooper liebt das Singen und trifft die hohen Töne wie nicht viele andere. Mit zwölf Jahren lässt ihr Vater sie in Kneipen auftreten und sie ziehen von Stadt zu Stadt. Sie verbringt Stunden wartend im Auto, währenddessen ihr Vater noch in den Bars abhängt und das Geld gleich wieder verprasst.
Nachdem sie sich von ihm befreien kann, nutzt der neue Manager sie mit einem Fünfjahresvertrag gnadenlos aus – eigentlich das gleiche Spiel wie mit ihrem Vater. Auch beim jüngsten Manager scheint sich alles zu wiederholen. Doch dann bricht Iris aus…
Erster Eindruck: Auf dem Cover eine noch leere, aber gut beleuchtete Bühne – nicht schlecht, doch die Covers der englischen Ausgaben gefallen mir bei weitem besser.
Iris ist sehr talentiert und will nur eines: singen! Ihr Talent wird von anderen ausgenutzt: zuerst ihr Vater, Manager 1, Manager 2. Iris hat immer die Hoffnung, dass sich etwas ändert, doch das tut es nicht. Viele Jahre vergehen, bis Iris den Mut hat, auszubrechen. Mit dem Team, mit dem sie zuletzt unterwegs war, hat sie sich angefreundet, insbesondere mit der alleinerziehenden Pattie, deren Sohn von ihrer Mutter betreut wird. Das Geld ist immer knapp und die anstehenden Rechnungen nehmen nicht ab, so dass Pattie nicht auf Iris‘ Drängen, die Tour ebenfalls zu verlassen, eingehen kann.
Eine sehr lange Zeit passierte nicht wirklich viel in diesem Buch, die Geschichte plätscherte so vor sich hin, immer wieder wird darauf hingewiesen, wie gut sie die hohen Töne trifft. Ich habe mich darüber aufgeregt, wie manche Menschen andere Menschen ausbeuten, und alles nur wegen des Geldes! Leider gibt es solche Typen immer wieder. Und klar ist ebenfalls, dass es ohne Geld auch nicht geht. Endlich scheint sich Iris‘ Leben zum Guten zu wenden. Ja, bis zu dem einen Moment, der alles verändert: den Blick aufs Leben, die Liebe, das wirklich Wichtige… Ungefähr im letzten Drittel kam Schwung in die Geschichte, daher vergebe ich knappe 4 Sterne.
Alle sind auf Schatzsuche
Polwenna Bay – Wo Vertrauen neu beginnt von Ruth Saberton
Polwenna Bay, Band 4: Isabel „Issie“ Tremaine hat ihr Studium abgebrochen und arbeitet nun als Kellnerin. Es soll jedoch nur vorübergehend sein, aber sie weiss nicht, wie es effektiv für sie weitergehen soll. Sie hat das Gefühl, ihre Familie enttäuscht zu haben. Luke Dawson hat sich mit seinem Vater überworfen und will ihm beweisen, dass er es auch ohne ihn schafft.
Als Schatz- und Bergungstaucher ist er sehr an Geschichte und Geheimnissen interessiert. Ein TV-Bericht, in dem Issie zu Wort kommt, führt ihn nach Cornwall. Geht es nur um eine Sage oder ist da etwas Wahres dran?
Erster Eindruck: Ein Cover, das Idylle und Urlaubsfeeling verspricht – gefällt mir sehr.
Dies ist Band 4 der Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden. Ich freue mich sehr, lesetechnisch wieder in Polwenna Bay zu sein.
Meine Lieblingsfigur seit Band 1 ist Alice, die Grossmutter der Tremaine-Kinder. Sie ist bald achtzig, hat nach wie vor die Fäden in der Hand und sorgt sich insbesondere um ihren Sohn Jimmy, der seit dem Tod seiner Ehefrau völlig ziellos ist. Aber auch um ihre Enkel macht sie sich immer Sorgen. Sie spürt, dass Issie etwas bedrückt und sie durch ihr aktuelles Verhalten nur das Problem überdeckt. Aber noch weiss sie nicht, was passiert ist. Dieses Mal gibt es für sie persönlich auch Überraschendes, das an ihre Vergangenheit erinnert.
Issie hat das Studium abgebrochen, aber ihrer Familie nie erzählt, weshalb. Nun hat sie Liebeskummer. Dieser scheint jedoch beinahe vergessen, als Luke Dawson plötzlich in der Kneipe, in der sie kellnert, auftaucht. Ein faszinierender Mann! Er interessiert sich – wie sie – auch für Geschichte und Sagen. In Polwenna Bay soll es nämlich einen Schatz geben, der von einem alten gesunkenen Schiff stammt. Nun soll es Beweise für die Existenz des Schatzes geben. Unzählige Schatzsucher treffen in Polwenna Bay ein…
Die Geschichte um den Schatz hat sehr viel Unruhe in das Dorf gebracht, denn „Geld regiert die Welt“ ist wohl immer noch zutreffend. Oder doch nicht? Mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen, vor allem die Geschichte um Alice. Hach, so schön… Ich vergebe gerne 5 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung.
Ein bunter Mix an Erzählungen
Der Zitronenbaum in meinem Garten von Andrea L'Arronge
Die Schauspielerin Andrea L’Arronge erzählt aus ihrem Leben: Wie sie schon früh in der Schauspielerei Spuren hinterliess, mit grossen Namen drehen durfte, sie aber plötzlich einen Punkt in ihrem Leben erreichte, wo sie zweifelte. War dieses Leben noch das Leben, das sie eigentlich führen möchte? Körper und Geist zeigen ihr die Antwort: Sie muss sich von Bekanntem lösen und sich auf Neues einlassen.
Dazu gehört auch die Trennung nach 33 Jahren von ihrem zweiten Mann. Sie verändert sich auch örtlich und hat nun einen Zweitwohnsitz in einem kleinen Ort in Italien, wo ihr Zitronenbaum wächst und gedeiht…
Erster Eindruck: Ein aussergewöhnlicher Buchtitel; ein schönes Foto der sympathischen Schauspielerin.
Ich „kenne“ Andrea L’Arronge aus dem Fernsehen wie z.B. „Die Schwarzwaldklinik“ (lang, lang, ist’s her!) und den Medien, sprich, ich kenne sie natürlich nicht wirklich. Ich war daher sehr gespannt, ein paar Einblicke in ihr Leben zu bekommen. Nebst der Schauspielerei betreibt Frau L’Arronge auch das Synchronsprechen, wo sie u.a. die deutsche Stimme für Pippi Langstrumpf war.
Es kam mir so vor, als würde ich bei Andrea L’Arronge auf dem Sofa sitzen und ihr Kaffee trinkend beim Erzählen zuzuhören – gemütlich. Es gab lustige Episoden aus der Schauspielerei, aber auch sehr ernsthafte Themen wie z.B. die Beziehung zu ihrer Mutter, das Scheitern ihrer ersten Ehe mit grossen Schulden, das Ende der zweiten Ehe nach 33 Jahren (das muss man jedoch zuerst mal schaffen!). Oder die grösste Frage überhaupt: „War es das jetzt?“
Amüsiert hat mich ihr Einstieg als Immobilienbesitzerin in Italien. Da lief bei weitem nicht alles wie gewünscht! Und das bei ihren anfänglich fast nicht vorhandenen Italienischkenntnissen.
Sie zitiert etliche bekannte Persönlichkeiten, spricht über Seher, Schamanismus, Ayurveda, Politik, Wissenschaft, Geld, Social Media – eine bunte Palette. Ich bedanke mich für die Einblicke in ihr Leben; 3 Sterne.
Leider nur 2 Sterne, schade
Die Bücherfreundinnen - Ein neues Kapitel von Marie Bernstein
Die Bücherfreundinnen, Band 1: Aurora Bernardi ist durch und durch ein Bücherfan. Sie liebt es, in der kleinen Buchhandlung im ostschweizerischen Herzried andere Lesefreudige zu beraten. Wie die Chefin ihr eröffnet, ist die finanzielle Situation jedoch prekär und eine Entlassung ist nicht auszuschliessen.
Aurora und ihre beiden Freundinnen schmieden einen Plan: Ein grosses Bücherfestival soll die Buchhandlung retten! Die amtliche Bewilligung zu erhalten, ist schwierig. Der Sohn des Zuständigen will ihr helfen und fordert als Gegenleistung die Begleitung als sein Fake-Date zu einer Hochzeit…
Erster Eindruck: Ein buntes, auffälliges Cover – gestalterisch nicht ganz mein Geschmack. Es erstaunt mich, dass der Reihentitel grösser als der Buchtitel geschrieben ist.
Ich bin ein kleines-bisschen-fast-gar-nicht-spürbar reihenanfällig. Daher habe ich gleich zu diesem Buch gegriffen und mich sehr auf die Lektüre gefreut. Leider folgte meiner Euphorie bald die Ernüchterung:
Die Autorin ist gemäss Bio aus der Schweiz und die Geschichte spielt in der Schweiz. Es ist komisch, dass sie dann von „Bürgermeister“ spricht, obwohl das oberste politische Amt in der Schweiz ein Gemeinde- oder Stadtpräsident ist (mit Varianten je nach Kanton). Hat sie dies gemacht, um die Zielgruppe, die wohl hauptsächlich in Deutschland lebt, besser anzusprechen? Es wurden zig schweizerische Begriffe benutzt, die zum Teil nicht erklärt wurden (z.B. Twint oder Mundartwörter). Weshalb wurde kein Glossar erstellt? Nebst diesen Dingen fand ich störend, über zig Zeilen das gewählte Outfit erörtert zu erhalten, was überhaupt keinen Mehrwert für die Geschichte bot. Aurora stampft kurz ein Festival aus dem Boden, um die Buchhandlung zu retten, obwohl die Chefin gar nicht dafür war und dies erst noch ohne Geld, um in Vorleistung zu gehen. Das fand ich naiv. Aurora kam mir zuweilen wie ein Teenager vor, und nicht wie eine 27-jährige Frau. Wenn ihr Angebeteter sich nicht umgehend meldete, war das schon Ghosting – kann sie nicht selbst Kontakt aufnehmen? Seufz…
Was mir jedoch gut gefallen hat, ist einerseits die Freundschaft der drei Frauen – es ist schön, solche Menschen an seiner Seite zu wissen – und andererseits die Liebe zu den Büchern. Diese Punkte konnten es jedoch nicht mehr rausreissen, so dass ich leider nur 2 Sterne vergeben kann, schade.
Viele Emotionen
Polwenna Bay – Wo das Glück zuhause ist von Ruth Saberton
Polwenna Bay, Band 1: Summer Penhalligan ist aus London geflüchtet – sie musste einfach weg. Weg von ihm. Von Justin, ihrem Verlobten. Wo konnte sie anders hin als nach Polwenna Bay? Ein paar Tage zur Ruhe kommen und dann entscheiden, wie es weitergehen kann. Als sie auf Jack Tremaine trifft, der sie vor vielen Jahren verlassen hatte, schlägt ihr Herz plötzlich schneller.
Jack ist bei ihrem Wiedersehen nicht überrascht, nein, geschockt trifft es besser. Er hat ihre Trennung nie verkraftet, hat seine Heimat verlassen und ist noch nicht lange zurück. Aber was ist mit Summer los?
Erster Eindruck: Ein idyllisches Cover – gefällt mir sehr gut.
Dies ist der Einstieg einer Reihe, für mich jedoch bereits der dritte Band, da ich mit Band 2 begonnen habe.
Summer hat Karriere gemacht: Ihre Mutter hat mit ihr früh darauf hingearbeitet, Karriere zu machen. Sie wurde Model und sodann Schauspielerin. Ihre beiden Brüder arbeiten mit ihrem Vater als Fischer, wie so viele in ihrem Dorf. Summer ist ein Promi, und erst noch mit einem Fussballprofi verlobt! Der Himmel auf Erden! Tja, leider mehr Hölle als Himmel. Aber das ist ihr Geheimnis und es muss auch unbedingt eines bleiben. Jack merkt gleich, dass mit Summer etwas nicht stimmt, aber er weiss auch, dass sie ihre Zeit braucht, um sich ihm anzuvertrauen. Er merkt auch, dass er die Trennung nie wirklich überwunden hat. Aber diese Gefühle für sie dürfen einfach nicht sein, denn sie ist verlobt!
Da die Geschichte jeweils aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird, weiss die Leserin mehr als die Protagonisten. So erfährt man, was alles in deren Köpfen vorgeht und wie viele Missverständnisse es gibt. Morwenna „Mo“, eine Schwester von Jake und einstige beste Freundin von Summer, ist über deren Rückkehr gar nicht erfreut, denn sie weiss, wie Jake nach ihrer Trennung gelitten hat. Mo erinnert sich nur zu genau…
In der Original-Inhaltsbeschreibung steht, dass dies die Geschichte von Summer und Jake ist. Das stimmt wohl, aber es gibt noch zwei weitere Geschichten, die aus meiner Sicht zum Teil die eigentliche Hauptgeschichte überlagert haben. Nun denn, so war Platz (auf immerhin 507 Seiten!) für jede Menge Emotionen. Das Buch hat sich flüssig lesen und ich vergebe gerne 5 Sterne.
Die Spannung hat lange auf sich warten lassen
Bachelorette Party von Camilla Sten
Anneliese hat zu einem Junggesellinnenabschied auf eine abgelegene Schäreninsel eingeladen: ein Wellness-Wochenende unter Freundinnen. Alles könnte so schön sein, doch für Podcasterin Tessa ist es ein Auf und Ab der Gefühle, da dort vor zehn Jahren vier Frauen spurlos verschwanden. Sie möchte gerne herausfinden, was aus den Frauen geworden ist.
Ob ihr das gelingt? Die einzige Verbindung zum Festland ist ein Festnetztelefon und ein Boot an der Anlegestelle. Als letzteres im offenen Meer treibt und eine Teilnehmerin tot aufgefunden wird, fängt der Alptraum erst an…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir gut; es passt sehr gut zum Buchtitel. Ich mag es jedoch nicht, dass deutsche Bücher englische Titel haben; immerhin ist noch ein deutscher Untertitel dabei.
Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, beginnend mit dem Prolog im Jahr 2012: Vier Frauen, die sich Freundinnen nennen, treffen sich einmal jährlich, haben aber eigentlich wenig bis gar nichts miteinander gemein. Und bei jenem letzten Treffen kommt es zur Tragödie…
Zehn Jahre später, 2022: Tessa muss/soll auf die Junggesellinnenabschiedsparty mit. Sie geht nur aus einem Grund mit: Die Party findet auf Isle Blind statt, wo sie seit Jahren schon hinwollte, aber nicht konnte, da sie im Privatbesitz ist. Ihre Faszination für True Crime ist interessant. Sie meint, wenn sie mehr über den alten Fall der „Verschwundenen von Nacka“ wüsste, könnte sie sich davor schützen, selbst in eine solche Lage zu kommen. Ach ja? Die Frauen rund um Anneliese nennen sich ebenfalls Freundinnen, aber haben sich eigentlich auch nicht viel zu sagen. Rasch drängten sich bei mir sehr viele Fragen auf, die aber erst sehr spät und dann auch nur teilweise beantwortet wurden.
„Ich möchte mich zusammenrollen, die Augen schliessen und weinen. Ich möchte hier sitzen, im Schatten der Bäume, bis jemand kommt, um mich zu holen. Jemand, der alles in Ordnung bringt. Ein richtiger Erwachsener. Jemand, der weiss, was zu tun ist.“
Ich bin im wahren Leben kein Fan von grossen Partys und/oder Junggesellinnenabschieden. Aber eine schöne Location mit Blick auf das Meer ist grundsätzlich schon schön, dazu gute Gespräche, delikates Essen, bitte keine Partyspiele und Alkohol auch nur in kleinen Dosen. Tja, wie gesagt, ich bin kein Fan von solchen häufig ausufernden Festivitäten. Aber lesetechnisch bin ich auf jeden Fall dabei. Ich fühlte mich weder in dieser Frauengruppe noch auf der Insel wohl. Ich fand es übrigens nicht passend, einerseits ein Yoga-Retreat zu machen, aufs vertiefte Atmen zu achten, vegan zu essen, Digital Detox etc., aber andererseits Alkohol in Strömen zu konsumieren.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, doch bis zur Hälfte fehlte mir die Spannung (es gab wohl unterschwellig eine unangenehme Stimmung), dann kam sie endlich. Aufgrund der für mich besseren zweiten Hälfte vergebe ich 4 Sterne.
Würklech schön
We das jede wett von Walter Däpp
Walter Däpp hat seine „Morgengeschichten“ auf Berndeutsch aufgeschrieben. Diese Kurztexte kamen zwischen 2002 und 2006 als „Worte zum Tag“ im Schweizer Radio, einst zweieinhalb Minuten, später nur noch eineinhalb Minuten lang. Darin verpackte er Wichtiges und Unwichtiges – einfach den Alltag.
Erster Eindruck: Ein etwas dunkle Gestaltung des Covers; der Buchtitel gefällt mir sehr gut.
Ich mag Mundartgeschichten sehr gerne, denn schliesslich ist Berndeutsch („Bärndütsch“) meine Muttersprache, und nicht etwa die Standardsprache, das sogenannte Hochdeutsch. Je nach Region, in der man wohnt, hat der Dialekt eine andere Färbung: Im Seeland wird anders gesprochen als in der Stadt Bern, im Oberland oder im Emmental.
Es sind hundert Kurzgeschichten, die in verschiedenen Kapiteln zusammengefasst wurden, wie z.B. „lut u lysli“ (laut und leise), „hütt u geschter“ (heute und gestern) oder „frömd u vertrout“ (fremd und vertraut).
Der Titel des Buches „we das jede wett“ (wenn das jeder wollte) ist ein Ausdruck, den man im Alltag immer wieder verwendet: Wo käme man hin, wenn dies alle wollten? Der Autor erzählt von so vielen Kleinigkeiten im Alltag, wie z.B. vom Grüssen fremder Menschen, dem Vorplatz des Bundeshauses, vom Fotografieren tausender Details anstelle richtigem Hinsehen im Augenblick, dem Zahnarztbesuch oder vom Auswechseln der leeren Klopapierrolle.
Das Buch (bzw. Büchlein) mit seinen 120 Seiten war schnell ausgelesen. „Es hett mer cheibe guet gfaue“ (es hat mir sehr gut gefallen) – von mir gibt es 4 Sterne.











