Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Das ganze Jahr Weihnachten
Schneemanntod von Susanne Oswald
Franziska Fellinger hat sich mit ihrem Wunderland, einem Einkaufs- und Vergnügungscenter, den Traum vom ganzjährigen Weihnachten erfüllt. Als Mütterchen Frost zieht sie die Fäden im Hintergrund. Das Personal ist zu Dauerlächeln und Freude verpflichtet (ausser Knecht Ruprecht, selbstverständlich).
Als Sicherheitschef Poldi Auffälligkeiten im Wunderland meldet, glaubt die Chefin noch an Zufälle. Nach einem weiteren Zwischenfall ist „Sabotage“ das im Raum stehende Stichwort; nach einem Todesfall muss die Polizei aufgeboten werden. Poldi und sein Kumpel Schorsch, seines Zeichens Hauptkommissar, beginnen zu ermitteln. Das Wunderland muss das Zentrum der Weihnachtsfreude und Besinnlichkeit bleiben…
Erster Eindruck: Ein sehr witziges Cover, das sich von den üblichen Weihnachtsroman-Covers abhebt – gefällt mir sehr gut.
Die Story lief wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab: Ich sah Mütterchen Frost in ihrem massgeschneiderten Kostüm vor mir; Eleonora, die als Frau Claus den Punsch- und Keksestand betreut; der griesgrämige Ruprecht, der Tannenbäume verkauft; der pubertierende Tim, der als Sohn der Chefin überall mithelfen soll, sich aber eher als Juniorchef sieht.
Es ist immer toll, wenn jemand Visionen hat und diese über Jahre hinweg umsetzt, eben so wie Franziska Fellinger, die durch und durch ein Weihnachtsfan ist. Dass ihr Wunderland nun in Gefahr ist, kann sie nicht akzeptieren. Poldi, der Ex-Polizist, hat seinen früheren Arbeitskollegen Schorsch um Hilfe gebeten. Wer könnte Interesse daran haben, dem Wunderland zu schaden? Einfach ein Weihnachtshasser? Nein, das wäre wohl übertrieben. Sind die Zwischenfälle einer einzigen Person zuzuschreiben oder gibt es mehrere, vielleicht unabhängig agierende Täter? Die ersten Ermittlungen führen ins Leere…
Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und war sehr unterhaltsam. Bei der Täterschaft hatte ich sogar den richtigen Riecher. Mir hat das Buch viel Spass gemacht, und auch wenn ich die Advents- und Weihnachtszeit sehr gerne mag, möchte ich nicht in einem Ganzjahres-Weihnachtswunderland arbeiten! Von mir gibt es 4 Sterne (und jetzt habe ich Lust auf Punsch und Kekse!).
Traurig, berührend, schön
Schneezauber in Winterbury von Sarah Morgan
Imogen ist mit Leib und Seele Projektleiterin; es macht ihr nichts aus, am Wochenende und an Feiertagen zu arbeiten. Sie will sogar arbeiten, denn sie hat zu Hause niemanden, der auf sie wartet. Als ihr ein grosser Fehler unterläuft, ordnet ihre Chefin eine Auszeit an, und zwar mit sofortiger Wirkung.
Überraschenderweise wird sie von Dorothy, ihrer Lieblingskundin, eingeladen, diese in ihrem Ferienhaus in den Cotswolds zu verbringen. Das Holly Cottage ist alles, was man sich als Urlauberin nur wünschen kann. Aber was soll Imogen ohne ihre Arbeit tun…
Erster Eindruck: Ein schönes, winterlich-weihnächtliches Cover – gefällt mir.
Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln von drei Frauen erzählt, was einerseits lebendig wirkt und andererseits die Leser:innen mehr wissen lässt als die Einzelperson.
Imogen arbeitet bereits ein Jahr in der Firma. Und sie liebt die Arbeit dort. Auch wenn aus ihrer Sicht zu viel Privates diskutiert wird, was sich in einem Grossraumbüro wohl nicht vermeiden lässt. Da es ihr jedoch wichtig ist, nicht wirklich preiszugeben, wie ihr Privatleben aussieht, hat sie sich gewisse Dinge ausgedacht, wie zum Beispiel, dass sie Hundebesitzerin ist: „Midas“, ihr Golden Retriever, von dem sie ein Foto auf dem Schreibtisch stehen hat. Ihre Kolleginnen sind nämlich alle hundeverrückt, also hat sie nun eben auch einen Hund. Logisch… Dorothy, die Unternehmerin, hat sie kurzerhand eingeladen, die Feiertage im Holly Cottage zu verbringen. Sie weiss, dass ihre Tochter Sara darüber nicht sehr begeistert sein wird. Sara arbeitet im Firmenunternehmen mit. Sie sieht es kritisch, dass ihre Mutter Imogen zu sich eingeladen hat, ohne sich vorher mit ihr abzusprechen. Aber sie will gute Miene dazu machen, schliesslich steht Weihnachten bevor: keine leichte Zeit für sie alle…
Imogen hat eine sehr komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter Tina. Allein die Vorstellung, wie sie aufgewachsen ist und was sie all die Jahre erlebt hat, hat mich traurig gemacht. Wie sagt man so schön: Was einen nicht umbringt, macht einen stärker? Den Leser:innen ist selbstverständlich bewusst, dass das Lügengebilde, das Imogen gesponnen hat, zum ungünstigsten Zeitpunkt zusammenfallen würde. Und voilà!
Mir haben die drei Frauen sehr gut gefallen und ich fand es schön, sie einen Moment lang begleiten zu können. Der Ausgang der Geschichte war mir jedoch etwas zu weichgespült - 4 Sterne.
Von wegen stille Nacht…
One Big Happy Family - Weihnachten mit der lieben Familie von Susan Mallery
Manchmal läuft nicht alles nach Plan. Julie hatte vor, Weihnachten mit ihrem neuen, noch geheimen Freund zu verbringen, da ihre erwachsenen Kinder eigene Pläne für die Feiertage hatten. Aber dann wünschen sich Nick und Dana doch ein gemeinsames Fest in der Hütte, wo sie all die Jahre Weihnachten verbracht haben.
Ihr Vater, der Weihnachten liebte, war kurz nach dem letzten Weihnachtsfest verstorben und sie möchten ihm gerne gedenken. Julie plant sofort um, denn darin ist sie gut. Sehr gut, denn es werden plötzlich immer mehr Gäste…
Erster Eindruck: Ein witziges Cover; der englische Buchtitel gefällt mir, da er mit einem neugierig machenden deutschen Untertitel ergänzt wurde.
Julie mochte ich gleich: Sie ist eine taffe Frau, 54 Jahre alt, mit zwei erwachsenen Kindern. Sie leitet das Unternehmen „Parker Towing“, das sie schon früh von ihrem Vater übernommen hatte. Sie hofft seit Jahren, dass ihr Sohn Nick, der bereits für die Firma arbeitet, die Geschäftsführung übernimmt. Ihre Tochter Dana hatte nie Interesse daran. Julie ist verliebt in Heath. Dabei gibt es gleich zwei „Probleme“: Er ist 42 Jahre alt, also viel jünger als sie, und sie hat ihren Kindern noch nichts gesagt. Die Beziehung ist noch jung, daher passt das schon. Meint sie. Heath hat mich ebenfalls gleich begeistern können: selbst Unternehmer, geschieden, zwei noch kleine Kinder, und einfach ein toller Mann! Der Altersunterschied ist für ihn kein Thema – für sie hingegen schon.
Als sich die romantischen Pläne von Julie und Heath für Weihnachten in Luft auflösen, beginnt sich die Beherbergungsliste der Hütte immer mehr zu füllen: Dana, die gerade wieder Liebeskummer hat, Nick und seine Frau Blair, Blairs Mutter Gwen, Blairs Onkel Paul, Julies langjähriger Mitarbeiter Huxley. Und dann gibt es da noch mehr…
Das Buch lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab: Ich habe mich dabei herrlich amüsiert, denn es war einiges los in der „Hütte“, wie Julie und ihre Familie das 550 Quadratmeter grosse Haus nennen. Es gab aber auch ruhige, berührende Momente in diesem „Film“. Darüber kann ich jedoch leider nichts erzählen, da ich Lesefreude vorweg nehmen würde. Altersunterschied, Reizdarmsyndrom, Verlust, geringes Selbstwertgefühl, unbearbeitete Eltern-Kind-Problematik, aber natürlich auch Liebe – dies sind einige der behandelten Stichworte. Von mir gibt es vorweihnächtliche 5 Sterne.
Sehr komplex
Solothurn blickt in den Abgrund von Christof Gasser
Dominik Dornach, Band 5: In Solothurn wurden einigen linken und grünen Politikerinnen Sprengsätze in die Briefkästen gelegt – die Täterschaft wird in rechtsextremen Kreisen vermutet. Dann wird in Olten das Büro von „EmmaWatch“, einer Frauenrechtsorganisation überfallen und in Brand gesetzt, dabei wird eine Co-Leiterin schwer verletzt.
Kurz darauf verschwindet Syrerin Rana Amidi, eine Freundin von Dornachs Tochter Pia, spurlos. Länderüberschreitende Verstrickungen sind die Folge…
Erster Eindruck: Ein zur Reihe sehr gut passendes Cover; ein neugierig machender Titel.
Dies ist Band 5 einer Reihe; er kann ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden (nichtsdestotrotz würde ich aufgrund der ansonsten verpassten Lesefreude mit Band 1 beginnen).
Der Prolog führt die Leser:innen in die Golfregion, wo ein Mann auf dem Weg nach Grenchen (Schweiz) ist. Doch er wird den Flug nicht überleben – das Flugzeug explodiert! Nach einem Zeitsprung von sechs Wochen beginnt die eigentliche Geschichte in Olten bei der Frauenrechtsorganisation „EmmaWatch“. Und schon ist man schwer gefordert und fragt sich, wie wohl die Situation aus dem Prolog mit derjenigen in Olten zusammenhängen könnte. Selbstverständlich bleibt das noch längere Zeit im Dunkeln (es wäre ansonsten auch viel zu einfach für uns, oder?)…
Das Buch war wie gewohnt sehr komplex und weitreichend. Dieses Mal hat der Autor hierzu extra ein neues Land erfunden, und zwar das Golfemirat Al Kershah. Obwohl deutlich gemacht wird, dass das Buch Fiktion ist, wäre es bestimmt zu heikel gewesen, einem effektiv existierenden Land die Machenschaften, von denen hier im Buch die Rede ist, in die Schuhe schieben zu wollen. Zu Beginn hatte ich Mühe, ins Buch reinzukommen, da es wechselnde Schauplätze und eine zunehmend grosse Menge an Protagonisten gab (meine Liste wurde länger und länger). Aber dann ging es gut. Die Geschichte war spannend, erzeugte aber auch zuweilen meinen Unmut. Genauer gesagt hatte ich Mühe mit Pia, Dominiks Tochter: Sie ist sich der Gefahren nicht bewusst und handelt manchmal einfach zu impulsiv. Und das, obwohl sie doch jetzt als alleinerziehende Mutter von Mirio grosse Verantwortung trägt. Ich hoffe sehr, dass sie etwas vernünftiger wird. Von mir gibt es 4 Sterne.
Wie immer wunderbar
Küsse im Gepäck von Catherine Bybee
Ein Milliardär fürs Glück, Band 2: Sarah McNeilly ist Reporterin und wurde auf eine Story aufgrund eines anonymen Hinweises angesetzt: Sie soll exklusive Details über Max Smith liefern. Wer ist er und weshalb soll sie über ihn berichten? Max Smith führt ein einfaches, zurückgezogenes Leben, er arbeitet hart für seinen Lebensunterhalt.
Plötzlich tauchen ihm wildfremde Menschen auf, die ihm mitteilen, dass er deren Halbbruder sein soll und ein Vermögen geerbt habe. Sicher doch, passiert einem ja jeden Tag! Aber nein, es stimmt! Auf Max warten unruhige Zeiten…
Erster Eindruck: Wie immer ein sehr schönes Cover bei den Büchern von Catherine Bybee.
Dies ist Band 2 einer Reihe, kann aber ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden (aber es wird dadurch auch eine Menge Lesegenuss verpasst!).
Was tun, wenn man unverhofft zu Geld kommt? Zu sehr viel Geld… Milliarden! So etwas kann man sich gar nicht wirklich vorstellen. Sicherlich, einen kleinen Gewinn beim Lotto oder einen Geldpreis bei einer Verlosung, das ist plausibel. Aber von jetzt auf gleich zu Milliarden? Das schüttelt einen total durch. Was tun mit diesem Geld? Wem kann man überhaupt noch trauen. Plötzlich muss man sich neuer „Freunde“ wehren. Und auch in Sachen Liebe kann es schwierig werden: Wem gilt die Liebe? Dem Geld oder einem selbst?
Sarah ist ehrgeizig: Sie will gute Artikel schreiben, keine Lügen und bösartige Vermutungen. Ihr Boss sieht das aber ganz anders: Er will Klatsch und Tratsch. Und diesen will er nun über Max Smith. Doch was soll sie über Max Smith herausfinden, was so interessant ist? Max‘ Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen: An einem Tag ist er noch der Bauarbeiter, der harte Arbeit gewohnt ist, am nächsten Tag ist er Milliardär! Zudem hat er neuerdings eine Familie! Er, der von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht wurde und in verschiedenen Wohngruppen untergebracht war. Keine einfache Ausgangslage für ihn.
Mir haben Sarah und Max sehr gut gefallen. Die anderen, Chase und Piper sowie Alex, waren mir schon aus dem Vorgängerband bekannt. Das Wiedersehen hat mir sehr gefallen. Und es war wieder eine Menge los bei den Stones. Warum sind Catherine Bybees Bücher immer so schnell ausgelesen? Ich habe keine Ahnung, warum sich 429 Seiten bei ihr wie eine Kurzgeschichte anfühlen. Von mir gibt es 5 Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.
Einfach süss
Die Hobby-Horsing-Kids, 1, Ein Steckenpferd für Lotta von Jenny Bicho
Die Hobby-Horsing-Kids, Band 1: Lotta und ihre beiden Freundinnen lieben Hobby-Horsing. Sie trainieren für ihren ersten grossen Wettbewerb – jede will selbstverständlich gewinnen. Dazu kommt, dass wunderbare Steckenpferde in der Tombola verlost werden. Lottas Mama spendiert ihr auch zwei Lose – hoffentlich hat sie Glück! Für Kinder ab 7 Jahren.
Mit Illustrationen von Andrea Femerstrand.
Erster Eindruck: Ein sehr schönes Cover – passt ausgezeichnet zum Buchtitel.
Lotta, Hanna und Leya haben zusammen einen ganzen Stall voll Steckenpferde. Hanna hat zwei und Leya hat so viele, dass sie sie gar nicht mehr zählen kann. Aber Lotta hat nur eins: Luzie. Es ist schon ein bisschen älter und Lotta hätte gerne noch ein zweites. Ihre Mama meint, dass eines genügt. Und dann hätte sie auch noch gerne neues Zaumzeug. Mama meint jedoch, dass man nicht immer neue Sachen kaufen müsse. Warum nicht?
Das Turnier ist eine grosse Sache: Alle sind aufgeregt und wollen unbedingt gewinnen. Werden die Pferde gut springen? Werden die drei Freundinnen alle gut durchkommen? Die Konkurrenz ist gross. Und dann ist Lotta an der Reihe…
Als ich noch Kind war, hatte ich auch mal ein Steckenpferd, das ein Nachbar bei einer Tombola gewann und mir schenkte. Damit rannte man mal ums Haus, galoppierte über die Wiese und das war es dann auch schon bald. Heutzutage wird dies zur Trendsportart, das viele Kinder (und deren Familien) begeistert. Mich amüsiert das – man möge mir das verzeihen. Ich fand es so witzig, als es hiess, dass das eine Pferd plötzlich scheute und das andere fast durchging. Die Pferde scheinen wirklich zu leben…
Der Auftakt zur neuen Kinderbuchreihe ist absolut gelungen: Eine schöne Geschichte über Freundschaft und Hobby-Horsing, liebevoll illustriert – 5 Sterne.
Eine besondere Reise
Ein Rezeptbuch fürs Leben von Sara Brunsvold
Die Lehrerin Nikki Werner hat Probleme. Probleme mit ihrer Beziehung zu ihrem Freund Isaac, zu ihrem Vater Chris, aber wohl am meisten mit sich selbst. Sie verbringt den Sommer auf der Farm ihres Onkels Wes und hilft ihm, sein Elternhaus zu renovieren. Sie findet ein altes Notizbuch mit handgeschriebenen Rezepten und Bibelversen ihrer verstorbenen deutschstämmigen Grossmutter.
Sie will mehr über ihre Vergangenheit erfahren und begibt sich – auch mit dem Ausprobieren der unbekannten Rezepte – auf eine besondere Reise…
Erster Eindruck: Buchtitel und Cover gefallen mir, aber ich habe zuerst gedacht, dass es sich um ein Sachbuch handeln würde.
Das Auftauchen von Nikki auf Wes‘ Farm ist überraschend – nicht nur für Wes, sondern auch für Nikki selbst. Als sie zu Hause losgefahren ist, war ihr nicht bewusst, wohin es sie zieht. Eine interessante Reise hat begonnen…
Die Protagonisten haben mir sehr gefallen, insbesondere Nikkis Grosstante Emma, Onkel Wes sowie Joyce. Emma ist eine wunderbare Frau, die für Wes ein bisschen Mutterersatz geworden ist. Ihr Humor hat mir sehr gefallen. Nikki hat des Öftern mit ihr E-Mails ausgetauscht: Warum hat sie sie nicht einfach angerufen? Und warum ist Nikki Emma nicht besuchen gegangen? Wes hat mir auch sehr gefallen: Er ist enorm schüchtern und hatte offenbar auch keine einfache Vergangenheit (darüber wird aber wenig erzählt, das hat mir gefehlt). Seine Entwicklung hat mich sehr gefreut. Joyce hat mich begeistert: Eine sehr geduldige Frau, die unermüdlich hofft. Sie probiert mit Nikki die Rezepte aus (Achtung: sehr butterlastig!) und erzählt ihr von der Stadt und ihren Verwandten.
„Geh einfach den nächsten Schritt.“ Manchmal muss man nicht viel zu weit im Voraus planen und zerreden, manchmal reicht es einfach, den nächsten Schritt zu gehen.
Ich habe verstanden, dass die Scheidung von Nikkis Eltern viel Leid verursacht hat. Es wurde für mich jedoch nicht genügend deutlich, was genau vorgefallen ist, dass die Vater-Tochter-Beziehung so verhärtet war (wenn die Eltern von erwachsenen Kindern sich scheiden lassen, ist die Situation aus meiner Sicht ganz anders, als wenn die Kinder noch klein sind). Ich sage immer, dass Menschen unwahrscheinlich interessant, aber auch unwahrscheinlich kompliziert sein können. Den Satz von Joyce „Im Grunde musste ich akzeptieren, dass er manche meiner Erwartungen nicht erfüllen konnte.“ kann ich nur bestätigen: Manchmal muss man gewisse Dinge akzeptieren, auch wenn man sie sich ganz anders wünschen würde. Das fällt mir nicht leicht, aber immerhin geht es mir danach besser.
Glaube, Angst, Verlust, Verletzung, Vergebung, Liebe – dies sind einige der behandelten Stichworte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich vergebe daher 4 Sterne.
Schräg, schräger, Cassi
Sommer ohne Plan von Johanna Swanberg
Cassi führt als Restaurantmanagerin ein erfolgreiches Lokal in Stockholm. Sie ist perfektionistisch und sowohl im Privat- als auch Berufsleben sehr auf ihre Aussenwirkung bedacht. Nach einem Zusammenbruch folgt ihr Wegzug aus Stockholm. Durch Zufall findet sie eine Waldhütte und kauft diese spontan.
Es geht sodann das Gerücht um, dass sie ein Selbsthilfe-Guru sei. Als die ersten Therapie-Anfragen kommen, lässt sich Cassi von der Situation mitreissen und spielt fortan die Rolle ihres Lebens…
Erster Eindruck: Das Cover ist gestalterisch nicht so mein Fall.
Warum habe ich zu diesem Buch gegriffen? Mich hat die Original-Inhaltsbeschreibung neugierig gemacht und ich wollte wissen, wie Cassi aus dieser Misere wieder herausfinden würde, denn es wird allen klar sein, dass das Schauspiel einmal auffliegt. Und? Nun ja, es waren für mich sehr lange 416 Seiten…
Der Start war schwierig, denn ich habe die ersten 30 Seiten 3x gelesen, dazwischen jeweils nochmals die Inhaltsbeschreibung, da ich hatte das Gefühl, überhaupt nicht zu verstehen, um welches Buch es gerade ging. Auch nach den ersten 100 Seiten konnte mich das Buch nur sehr mässig begeistern. Mir fiel der Einstieg so schwer, da für mich nicht greifbar war, was mit Cassi eigentlich passiert ist. Ich hatte das Gefühl, den Informationen immer hinterher zu stolpern.
Als sie das heruntergekommene Haus übernimmt, kommen die ersten Anfragen nach „Therapie-Sitzungen“. Und sie lässt sich tatsächlich darauf ein! Das hat mir gar nicht gefallen: Menschen haben Probleme und vertrauen sich ihr an, dabei hat sie doch noch selbst mit einem grossen Haufen Problemen zu kämpfen.
Ich konnte mich mit Cassi einfach nicht anfreunden. Ihr Handeln war für mich nicht nachvollziehbar. Einzig in den Momenten, in denen sie mit Pavel, ihrem väterlichen Freund, zusammen war, wirkte sie authentisch. Pavel und seine Geschichte waren für mich das Beste am ganzen Buch.
Die Geschichte war mir zu langfädig, die Burnout-Situation kam für mich nicht genügend hervor, der Ausgang der Geschichte zu einfach. Darüber würde ich gerne noch mehr erzählen, aber ich will ja nicht spoilern. Leider gibt es von mir keine Leseempfehlung – 2 Sterne.
Nett für zwischendurch
Das kleine Bücherschiff 1 - Roman von Tessa Hansen
Das kleine Bücherschiff, Band 1: Die Freundinnen Miri und Katja erfüllen sich endlich ihren Traum der eigenen Buchhandlung. Und es ist nicht irgendeine Buchhandlung: Es ist eine Buchhandlung auf dem Schiff, genauer auf einer alten Barkasse im Hamburger Hafen. Mit viel Arbeit bauen sie den heruntergekommenen Kahn um.
Privat läuft es für Miri nach der letzten Enttäuschung auch gut, denn mit ihrem Nachbarn Henning könnte sie sich ein deutlich intimeres Verhältnis vorstellen. Doch dann der Schock: Die Miete für das Bücherschiff wird kurzerhand exorbitant erhöht, so dass das für die Neuunternehmerinnen nicht zu stemmen ist. Das Schiff soll luxussaniert werden – ausgerechnet durch Hennings Architekturbüro!
Erster Eindruck: Das Cover passt gut zum gewählten Buchtitel.
Es braucht eine Menge Mut, Idealismus, Geld und vielleicht auch eine Portion Naivität, um in der heutigen Zeit eine Selbstständigkeit im Buchhandel zu wagen. Und dann erst noch für zwei Frauen, die von fachfremden Berufszweigen kommen. Vor der Eröffnung steht jede Menge körperliche Arbeit an, denn das Schiff ist in keinem guten Zustand. Aber Miri und Katja sind so voller Adrenalin und Vorfreude, dass sie diese Arbeit gerne stemmen. Der Start ist gelungen, das Angebot wird von den Touristen, aber auch von den Anwohnern sehr gut angenommen.
Miri hat eine neue Wohnung und findet in dem Mietshaus auch gleich etliche junge Leute, die sie in ihre Clique aufnehmen. Neu eingezogen ist auch Henning, ein alleinerziehender Vater. Miri und Henning verstehen sich gleich gut. Sehr gut. Aber die Trennung der Eltern war für den sechsjährigen Finn nicht einfach zu verdauen und daher findet er Frauen doof, was er auch sehr deutlich äussert.
Das Buch ist nett für zwischendurch, aber deutlich zu lang für die Story. Der in der Inhaltsbeschreibung bereits angekündigte Knall wird in ein paar wenigen Seiten abgehandelt. So wie die Freundinnen sich zuweilen verhielten, erinnerten sie mich mehr an Pubertierende als an Erwachsene. Ein Happy End ist bei solchen Romanen immer nett, aber hier renkte sich viel zu schnell alles wieder ein. In der Ausschreibung hiess es „Ein betörender Wohlfühlroman über zwei engagierte Buchhändlerinnen“ – betörend war da für mich leider nichts. Von mir gibt es 3 Sterne.
Eine Tragödie auf 560 Seiten
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
North Falls, Band 1: Der 4. Juli, ein Feiertag, ein Grund zum Feiern in North Falls. Doch aus dem Feiern wird eine Tragödie, denn zwei Teenager-Mädchen werden vermisst. Deputy Emmy Clifton steht wohl vor der grössten Herausforderung ihres Lebens, denn eines der Mädchen ist die Tochter ihrer besten Freundin.
Sie muss sie einfach wieder nach Hause bringen – sie hat eine Schuld zu begleichen. In einer Kleinstadt wie North Falls weiss jeder alles über den Nachbarn. Sicher? Die Mädchen hatten offensichtlich Geheimnisse…
Erster Eindruck: Ein eindrückliches Cover; der Titel passt gut dazu.
Es ist eine unvorstellbare Tragödie, wenn ein Kind entführt wird und man nichts über dessen Verbleib weiss. Vielleicht nie erfahren wird. Das Kind vielleicht nie mehr wiedersehen wird…
Gleich zwei Teenager-Mädchen werden am Abend vermisst. Die Uhr beginnt unerbittlich zu ticken, denn es gibt Statistiken, die ziemlich genau aufzeigen, wie wenige der vermissten Kinder nach einer gewissen Anzahl Stunden überhaupt noch am Leben sind. Daher zählt jede Minute! Geht es um eine Entführung durch einen Bekannten? Oder Entzug des Kindes durch einen Elternteil? Oder haben die Mädchen sich einfach irgendwo versteckt? Oder sind sie schon tot? Als eine Unfallstelle entdeckt wird, wo ein Auto beschädigt wurde, ein Fahrrad sowie Fuss- und Blutspuren gefunden werden, scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten. Sheriff Gerald Clifton, seine Tochter Deputy Emmy Clifton, und die aufgebotenen Polizei- und Rettungskräfte suchen weiterhin fieberhaft nach den Mädchen…
Dies war mein erstes Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Die Bewertung des Buches fällt mir nicht leicht. War es ein Pageturner für mich? Nein. Wollte ich wissen, wie es ausging? Unbedingt. Es gab viele Protagonisten und ich musste immer wieder überlegen, wer nun diese oder jene Person war und in welcher Verbindung sie standen. Das änderte sich auch nicht nach einem Zeitsprung von 12 Jahren. Die ersten zwei Drittel zogen sich etwas und waren mässig spannend. Im letzten Drittel kam dann deutlich Spannung auf und ich wollte nur noch wissen, ob ich die richtige Täterschaft im Visier hatte. Und? Nein, ich lag falsch! Von mir gibt es 4 Sterne und ich bin gespannt, wie diese Reihe weitergeht.











