Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gerlisch:
Das gestohlene Spiel
Darkly von Marisha Pessl
Die Stiftung der verstorbenen Spiele-Erfinderin Louisiana Veda lädt sieben junge Menschen zu einem exklusiven Praktikum ein und Dia Gannon ist eine der glücklichen Gewinner und macht sich auf den Weg um mit 6 anderen auf eine mysteriöse Insel vor England das Rätsel um das Walküre-Spiel zu lösen.
Die Autorin hat hier ein vielschichtiges, atmosphärisch dichtes Rätselgeflecht geschaffen, das sich nicht nur über die Handlung, sondern auch über eingestreute Briefe, Fotos und Zeitungsartikel aus dem Jahr 1985 wie ein Escape-Spiel anfühlt.
Wir erleben die düstere Atmosphäre auf der Insel, die mysteriöse Stiftung, und die geheimnisvollen Rätsel aus Sicht von Dia, mit humorvollen Dialogen und gefährlichen Aktionen. Am Anfang war ich von der Plottidee total gefessel aber mit zunehmender Seitenzahl kippt die anfängliche Faszination jedoch in eine Art Reizüberflutung. Die Fülle an Details, Hinweisen und verschachtelten Ebenen ergaben irgendenwann bei mir ein wirres Bild im Kopf.
Einige Szenen wirken dabei so überdreht oder konstruiert, dass hier die Glaubwürdigkeit fehlt. Dadurch hat mich die Story leider irgendwann verloren, schade.
Düsterer YA-Thriller
Revenge von Svenja Diel
Revenge von Svenja Diel startet mit einer wirklich starken Grundidee, ein düsterer YA‑Thriller voller Geheimnisse, Lügen und familiärer Abgründe. Genau dieses Setting hat mich zunächst sehr neugierig gemacht. Leider konnte das Buch diese vielversprechende Ausgangslage für mich nicht halten.
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, eine Schreibweise, die bei mir grundsätzlich Spannung erzeugt.
In diesem Fall waren die Übergänge jedoch nicht immer klar erkennbar, sodass ich beim Lesen mehrfach aus dem Fluss gerissen wurde. Statt zusätzlicher Dynamik entstand für mich eher Verwirrung.
Der Schreibstil ist leicht und gut zugänglich, doch die Handlung entwickelt sich nur langsam. Ich hatte Mühe, dauerhaft am Ball zu bleiben, verlor zwischendurch den Faden und fühlte mich selten wirklich gefesselt. Gerade bei einem Thriller ist das ein entscheidender Punkt.
Auch die Figuren blieben für mich schwierig. Sie wirken unsympathisch, was sicherlich von der Autorin bezweckt wurde und zur Thematik aus Intrigen, Verrat und familiären Konflikten durchaus passt. Zwar sind die Emotionen der Charaktere vorhanden, aber oft nicht greifbar genug, um mich wirklich mitzunehmen.
Am Ende bleibt für mich der Eindruck eines Romans mit toller Grundidee, der jedoch hinter seinem Potenzial zurückbleibt. Atmosphäre und Themen sind stark, die Umsetzung konnte mich aber leider nicht überzeugen.
Fantastische chinesische Mythologie
Dinghai Fusheng Records. Buch 1 von Fei Tian Ye Xiang
Dinghai Fusheng Records war für mich ein besonderes Leseerlebnis, denn es war mein erstes Danmei. Faszinierend war es auf jeden Fall, aber am Ende leider nicht ganz das Richtige für mich.
Der Roman beeindruckt zunächst durch seinen umfangreichen Weltenaufbau und die tief verwobene chinesische Mythologie.
Fei Tian Ye Xiang schafft hier einen historischen Rahmen, der die Geschichte enorm atmosphärisch macht. Gleichzeitig war genau das für mich die größte Hürde, denn die Fülle an Details und kulturellen Informationen liest sich stellenweise eher wie ein Geschichtsbuch als wie ein Roman. Interessant, aber für meinen Geschmack zu viel des Guten.
Auch die anspruchsvolle Erzählstruktur hat mich gefordert. Der Stil wirkt oft gestelzt und abgehackt, und ich hatte immer wieder das Gefühl, etwas überlesen zu haben. Manche Szenen springen so abrupt, dass man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ohne den Weg dorthin nachvollziehen zu können. Das erschwert den Zugang zur Handlung und zu den Figuren.
Dabei sind die Figuren eigentlich spannend angelegt: Chen Xing, erst 16 Jahre alt, unbedarft, leichtfüßig und mit einem Herz aus Gold, ist sofort sympathisch. Und Xiang Shu, sein widerwilliger, stolzer Schutzpatron, ist ein starker Krieger, der Chen Xing auf Abstand hält und doch blitzen zwischen den beiden immer wieder zarte Emotionen auf.
Trotz dieser interessanten Dynamik blieben mir die Charaktere insgesamt jedoch seltsam fern. Ich konnte keine echte Bindung zu ihnen aufbauen, obwohl das Potenzial dafür eindeutig vorhanden ist.
Was der Roman aber zweifellos bietet, ist eine ereignisreiche, abenteuerliche Story, gefüllt mit Action, Magie, Intrigen und einer Welt, die vor Ideen überquillt. Für mich persönlich war es jedoch nicht das passende Buch, und ich werde die Reihe nicht weiterverfolgen. Für Fans des Genres ist das Buch aber absolut empfehlenswert.
Cosy Sportsromance
Love Me on Ice von Katy Crown
Love Me on Ice ist eine humorvolle, cosy Romance, die sich wunderbar „wegsnacken“ lässt. Durch die Perspektivwechsel konnte ich, tief in die Gedankenwelt von Hailey und Ace eintauchen und ihre inneren Konflikte vor Augen führen.
Hailey, eine ehrgeizige Eiskunstläuferin, sie ist sehr zielstrebig aber hat auch eine verletzliche Art.
Ace Coleman, Star‑Center der New York Seahawks, ist das komplette Gegenteil, direkt, laut, ungehobelt und gerade deshalb unterhaltsam. Zwischen den beiden knistert es von Anfang an, auch wenn die Lovestory insgesamt weniger romantisch ausfällt, als der Klappentext vermuten lässt.
Louis, Haileys Eiskunstlauf‑Partner, wirkt dagegen überzeichnet. Sein extrem unsympathischer Charakter erscheint stellenweise zu konstruiert, fast als hätte er die Rolle des absoluten Kotzbrockens erfüllen müssen, ohne echte Tiefe zu bekommen.
Ein starker Teil der Story sind die schwierigen familiären Hintergründe beider Hauptfiguren. Haileys Mutter ist kühl, nur auf Erfolg aus und emotional eine Niete. Ace kämpft mit der Situation seiner im Koma liegenden Schwester und einem Vater, der ihn vor allem als Geldquelle betrachtet.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Dialoge sind temporeich, oft witzig, manchmal allerdings recht derb, das muss man mögen. Die Figurenzeichnung bleibt insgesamt etwas blass, wodurch manche emotionalen Momente weniger Wirkung entfalten, als sie verdient haben.
Wer eine leichte, lockere Geschichte mit Sport‑Setting sucht, wird hier fündig. Wer jedoch eine emotional vielschichtige Liebesgeschichte erwartet, könnte etwas zu kurz kommen.
Du darst nicht schlafen
REM von Annika Strauss
Hier geht es um Alysee, die seit einem traumatischen Erlebnis in ihrer Kindheit nicht mehr schlafen kann, ohne in brutale Albträume abzurutschen. Dieser Plot rund um Schlafverweigerung und die Angst vor dem Einschlafen hat für mich neugierig gemacht.
Die Traumsequenzen sind verstörend, utopisch und gruselig.
Blutnebel, ein roter Dämon, konfuse Traumlogik, all das erzeugt eine bedrückende Stimmung. Die Horror-Szenen sind teilweise explizit beschrieben und wirken dadurch bildhaft.
Das Hotel de Ville ist ein absolut gruseliges Setting: dunkel, unheimlich, voller Geheimnisse. Durch die Perspektivwechsel entsteht ein stetiger Spannungsaufbau, der mich immer wieder neugierig gemacht hat, auf das was noch kommt.
Der Storyaufbau hat mir gut gefallen, der Schreibstil ist fesselnd, atmosphärisch und treibt die Handlung gut voran.
Trotz starkem Anfang und intensiver Atmosphäre blieb bei mir am Ende das Gefühl, dass die Geschichte als Ganzes nicht die Wirkung entfaltet hat, die sie hätte haben können. Vielleicht, weil die Handlungen mir irgendwann zu skurril wurden. Vielleicht aber auch, weil mir die Emotionen der Figuren nicht ganz so tief gingen, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich hasse dich, oder vielleicht auch nicht?
All the things I didn't say von Ann Liang
Sadie Wen ist Musterschülerin, Schulsprecherin an der Woodvale Academy, stets höflich, voll durchorganisiert und hilfsbereit, doch dies wird von anderen schamlos ausgenutzt. In ihrem Inneren baut sich Wut und Enttäuschung auf, wie vor einem Vulkanausbruch. Um den Frust von sich abzuschütteln, verfasst sie Emails, die sie aber nie abschicken will.
Bis eines Tages diese zahlreichen Emails doch ihre Empfänger erreichen, und die meisten gehen an Julius Gong, ihren äußerst nervigen und arroganten Mitschüler und Co-Schulsprecher. Ihre Schlagabtausche sind bissig, wütend und herrlich unterhaltsam, doch nach und nach schleichen sich auch andere Gefühle in die Dialoge.
Die Dynamik zwischen Sadie und Julius ist lebendig, unterhaltsam und emotional aufgeladen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte sehr feinfühlig, wie Sadie durch dies Email-Missgeschick darauf aufmerksam wird, dass sie mit ihrer Art bei anderen aneckt und es auch andere Dinge im Leben gibt als immer nur perfekt zu sein. Diese Entwicklung ist glaubwürdig und berührend, ebenso wie die Gefühle, die sich zwischen ihr und Julius entfalten.
Besonders gelungen ist die Zeichnung der Nebenfiguren, die authentisch wirken und die Handlung sinnvoll tragen. Der Schreibstil ist leicht, flüssig und ideal für das Young Adult Genre, ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Trotz der starken Dialoge, blieben mir Sadie und Julius jedoch an manchen Stellen etwas unnahbar. Hier hätten die Emotionen gerne noch tiefer gehen dürfen.
Perfekt für junge Leser*innen und Fans von sanfter Romance mit Humor.
Das Haus auf den Klippen
Meeresdunkel von Till Raether
Zwei Familien reisen voller Vorfreude in die Ferien nach Mallorca, nur um festzustellen, dass ihr Feriendomizil doppelt vermietet wurde. Da das Haus genügend Platz bietet, beschließen sie, sich miteinander zu arrangieren und sich das Haus zu teilen, doch die Stimmung kippt schnell und als eine Leiche auftaucht, wird die Situation bedrohlich.
Die Klabachenvilla auf der Steilküste ist ein starker Schauplatz, abgeschieden, voller Schatten und Geheimnisse. Die Atmosphäre ist durchgehend düster, beklemmend und von Geheimnissen durchzogen.
Obwohl zu Beginn mehrere Figuren zu Wort kommen, entsteht erstaunlich schnell ein klares Bild der Dynamiken. Die Familienkonstellationen, unterschwelligen Spannungen und unausgesprochenen Konflikte greifen gut ineinander. Dadurch entwickelt sich schnell ein klares Bild der Situation und der Charaktere
Mir fehlt hier der durchgehende Spannungsbogen und das typische Thriller-Feeling, für mich ist die Geschichte eher ein Drama mit Krimielementen. Zum Ende hin, waren mir die Handlungen zu konfus, hier wollte der Autor wohl zu viel in die Story hineinpacken.
Die Grundidee des Plots hatte auf jeden Fall Potenzial, welches allerdings nicht so ganz genutzt wurde.
Hat mich etwas enttäuscht
Crown of War and Shadow von J. R. Ward
Anathos mit seinen vier Königreichen, Dämonen und magischen Wesen ist ein Setting, das sofort zieht. Besonders das Fulcrum, eine nebelartige Mauer, die den dunklen König und seine Dämonen einschließt, sorgt für eine bedrohliche Spannung.
Die Idee, dass Sorrel und Merc versuchen, das Auflösen dieser magischen Barriere zu verhindern, gibt der Geschichte einen starken Sog, der mich durch die zäheren Passagen getragen hat.
Sorrel ist eine Figur, bei der ich lange Zeit kein Bild vor Augen hatte, was wohl auch von der Autorin bezweckt wurde. Ihre Gabe, beim Blick in die Augen den Tod eines Menschen zu sehen, und ihre Verbindung zur Lebenskraft anderer, machen sie zu einer empathischen, aber gefährlichen Protagonistin.
Ihre Entwicklung ist langsam, aber stetig und irgendwann hatte ich das Gefühl, sie endlich klarer zu sehen. Merc ist ein Söldner, er wirkt geheimnisvoll und kühl, aber fasziniert von Sorrel. Die Dynamik zwischen den beiden hat Potenzial allerdings braucht die Beziehung zwischen den beiden sehr lange um voran zu kommen, Emotionen und die spicy Szenen kamen bei mir nicht so wirklich an. Hier hätte ich mir mehr Intensität gewünscht.
Der Schreibstil ist grundsätzlich klar und flüssig, aber die Übersetzung hat mich mehrfach aus den Lesefluss gerissen. Verwirrende Satzkonstruktionen, kleine Ungereimtheiten und Wiederholungen haben dafür gesorgt, dass meine Gedanken öfter abgeschweift sind. Das ist schade, denn der Plot hat mir richtig gut gefallen.
Ein Reihenauftakt mit Potenzial, welches hoffentlich in den Folgebänden besser genutzt wird.
Eine besondere Geschichte
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
The Rainshado Orphans ist ein episches, atmosphärisch dichtes Fantasy-Abenteuer, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat.
Naomi Ishiguro erschafft eine Welt, die sich anfühlt wie ein düsterer Märchenmix aus moderner Tech-Metropole, japanischer Mythologie und übernatürlichen Kräften. Der Weltenbau ist allumfassend und farbintensiv.
Worum geht es? Die Lucky-Crows-Gang verbreite Angst und Schrecken in Rainshadow City und ihre Machenschaften ziehen sich wie ein dunkles Netz durch die gesamte Stadt. Im Zentrum der Geschichte stehen die Wahlgeschwister Toshiko, Mai und Jun Kawakami, die im Untergrund leben, den Tod ihrer Tante rächen wollen und für Gerechtigkeit kämpfen. Die drei sind völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, deren Entwicklungen ich mit Begeisterung verfolgt habe.
Drachen, Sonnengeister, Tech-Elemente, Untergrundnetzwerke, dieser Genre-Mix funktioniert überraschend gut. Die Magie bleibt geheimnisvoll, aber immer faszinierend. Eine farbintensive Geschichte, sehr lebendig erzählt, voller Magie, Chaos und Hoffnung. Die Atmosphäre ist durchgehend düster, gefährlich und voller Geheimnisse, und damit genau mein Ding.
Humorvolle Cowboy-Romance
Fever Dream von Elsie Silver
In Fever Dream werden zwei Welten miteinander verwebt, das bodenständige Ranchleben und die grelle, inszenierte Welt einer Reality Show. Genau diese Mischung sorgt für eine spannende Dynamik.
Im Zentrum steht Julia, klug, selbstbewusst und sensibel durch einen prägenden Vorfall in ihrer Vergangenheit.
Sie wirkt stark und verletzlich zugleich, eine Kombination, die sie sofort sympathisch macht. Emmett dagegen ist der klassische Bad Boy, stur, nach außen hart, aber mit einem weichen Kern. Eigentlich will er keine Beziehung, doch Julia bringt ihn schneller ins Wanken, als ihm lieb ist.
Der Schreibstil ist klar, flüssig und mitreißend. Man fliegt regelrecht durch die Seiten, weil die Szenen so lebendig wirken, besonders gefallen haben mir die Landschaftsbeschreibungen und das Ranchleben.
Ein echtes Highlight ist Emmetts Chaos-Familie, liebevolle Sticheleien, Humor, Wärme sind hier an der Tagesordnung und verleihen der Story zwischen den emotionalen Passagen immer wieder Leichtigkeit.
Für zusätzliche Spannung sorgen die Abschnitte rund um die Bachelor Show. Sie bringen Drama, Druck und emotionale Konflikte ins Spiel. Besonders gelungen ist, was das Ganze mit Emmett macht, seine Gefühle werden hierfür gut transportiert.
Zum Ende hin wird es spicy, für meinen Geschmack etwas zu sehr, diese Geschichte wäre auch mit weniger heißen Szenen ausgekommen. Trotzdem, mein erstes, aber ganz sicher nicht mein letztes Buch von Elsie Silver.











