Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Eine sehr eigenwillige Queen
Das Windsor-Komplott von Bennett S J
Eine sehr eigenwillige Queen
Inhalt:
Nach einer Abendgesellschaft mit Übernachtung auf Windsor Castle wird der junge russische Pianist tot in seinem Zimmer aufgefunden. Was zunächst wie ein Sexunfall aussieht, entpuppt sich dann doch ganz schnell als Mord und verhagelt der Queen die Laune. MI5 und Polizei wittern sofort eine Attacke der Russen.
Doch die Intuition der Queen weist in eine andere Richtung. So schickt sie ihre nigerianische stellvertretende Privatsekretärin Rozie sowie weitere Freunde aus, um die richtigen Fragen zu stellen, damit sie aus den Antworten die richtigen Schlüsse ziehen kann.
Meine Meinung:
Mir gefiel die Idee einer kriminalisierenden Queen Elizabeth sehr gut, zumal das etwas ist, was ich mit der echten Queen nie in Verbindung bringen würde. Witzigerweise habe ich mein Bild der echten Queen während des Lesens immer mehr der Romanfigur angepasst - ganz so abwegig ist das schließlich gar nicht, denn einige Eigenschaften wirken schon sehr realistisch. Lilibeth wird hier als sehr sympathische und äußerst freundliche alte Dame (es ist kurz vor ihrem 90. Geburtstag) dargestellt, die sich kein X für U vormachen lässt und messerscharfe Schlüsse zieht. Wie sie mit ihren Bediensteten und vor allem mit ihrem Gatten Philip umgeht, ist schon recht amüsant. Zuweilen blitzt der berühmte trockene britische Humor vor - ich hätte mir aber noch viel mehr davon gewünscht. Denn über weite Strecken ist die Geschichte auch eine recht trocken erzählte Angelegenheit.
Der Kriminalfall an sich konnte mich nicht wirklich begeistern. Er wirkt zu konstruiert, und als Leser*in hat man auch kaum eine Chance, dem Täter auf die Spur zu kommen, weil die Queen viele Ermittlungsergebnisse geheim hält. So läuft der Kriminalfall eher im Hintergrund, während im Vordergrund die Queen und auch Rozie ihre großen Auftritte haben.
Fazit:
Dieser Roman lebt von seinen außergewöhnlichen Figuren, die man sich lebhaft vorstellen kann und die auch immer mal wieder Anlass zum Schmunzeln geben. Aber der Kriminalfall konnte mich nicht überzeugen. Da geht definitiv noch mehr.
„Das Windsor-Komplott“ ist der Auftaktband einer Reihe. Der 2. Band erscheint voraussichtlich im Januar 2022 auf Deutsch.
Großartige Fortsetzung
Finsterthal von Geschke Linus
Großartige Fortsetzung
Inhalt:
Der Ex-Polizist Alexander Born wird von seinem russischen Freund Dimitri gebeten, nach einem entführten Mädchen zu suchen. Das Prekäre dabei: Alice ist bereits die zweite Jugendliche, die entführt wurde. Die erste wurde trotz Lösegeldzahlung ermordet aufgefunden.
Zusammen mit seiner ehemaligen Kollegin Carla Diaz macht sich Born auf die Suche nach dem Entführer. Wieder einmal weisen die Spuren zu Andrej Kolkow, der in der russischen Mafia einen hohen Rang hat.
Meine Meinung:
Wie schon „Tannenstein“ ist auch „Finsterthal“ wieder sehr spannend geschrieben, und das, obwohl man als Leser*in dem Ermittler manchmal einen Schritt voraus ist. Mir gefiel dieser Band sogar noch besser als der erste. Die Figur des Alexander Born war für mich hier besser nachvollziehbar, da nicht so kalt und brutal wie in „Tannenstein“.
Verschiedene Perspektiven ergeben ein umfassendes Bild der Geschehnisse. Dabei wird der Hauptteil aus Borns Sicht erzählt, aber auch Andrejs Handlungsfaden nimmt einen großen Raum ein. Und dann ist da noch der sogenannte „Dunkle“. Auch ihn begleiten wir von Zeit zu Zeit und versuchen herauszufinden, was ihn antreibt. Geschickt verwebt Linus Geschke die einzelnen Fäden miteinander.
Es gibt erschreckend viele Tote und viele Menschen in Gefahr. Das Erzähltempo ist hoch, und das ist gut so, denn man will einfach nur wissen, wie es ausgeht, wer überlebt, wer geschnappt wird und wer vielleicht noch einmal davonkommt.
Auf das Finale in „Engelsgrund“ darf man gespannt sein.
Die Born-Trilogie:
1. Tannenstein
2. Finsterthal
3. Engelsgrund
Fesselnder Thriller mit offenen Fragen
Der Mädchenwald von Sam Lloyd
Fesselnder Thriller mit offenen Fragen
Inhalt:
Die dreizehnjährige Elissa wird entführt und in einem unterirdischen Raum gefangen gehalten. Heimlich besucht Elijah sie. Elissa versucht ihn als Freund zu gewinnen, damit er ihr bei der Flucht hilft. Doch Elijah hat eigene Pläne …
Meine Meinung:
Bereits nach wenigen Seiten hatte mich dieser Thriller gepackt.
Ich konnte seinem Sog nicht widerstehen.
Erzählt wird aus drei verschiedenen Perspektiven, in der 3. Person aus Elissas Sicht und aus der der Ermittlerin Mairéad MacCullagh, in der 1. Person aus Elijahs Sicht, die auch den größten Anteil ausmacht. Diese Aufteilung fand ich gut gelungen, erfährt man so doch umfassend etwas von den Geschehnissen.
Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Thriller auf dem Entführungsopfer Elissa und dem „Besucher“ Elijah, die beide unter der Situation leiden und irgendwie nach einem Ausweg suchen. Elissa erweist sich hier als sehr clever und hoch intelligent. Ihr Weitblick und ihre psychischen Manipulationen sind bewundernswert für ihr jugendliches Alter. Dagegen wirkt Elijah eher verwirrt, hat zuweilen aber auch seine hellen Momente und lässt sich nicht ganz so leicht für Elissas Ziele einspannen, wie die sich das wünscht. Es ist ein emotionales Hin und Her. Mal empfindet man Sympathie mit Elijah, dann wieder Abscheu.
Durch ultrakurze Kapitel entsteht ein hohes Tempo. Ich war voll und ganz in der Geschichte gefangen und ertappte mich zuweilen, wie mein Herz raste, obwohl gerade gar nichts Schlimmes passierte. So flog ich geradezu durch die Seiten, die sich fast schon von selbst umblätterten. Es war durchweg spannend und gespickt mit überraschenden Wendungen und ich war mir sicher, 5 Sterne vergeben zu können. Doch dann war das Buch irgendwann zu Ende und ich hatte noch viele offene Fragen, die zwar für die Story nicht ganz essenziell sind, auf die ich aber doch gerne noch eine Antwort gehabt hätte. So war ich am Schluss dann ein wenig enttäuscht.
Kriminalroman mit Thrill
Wisting und der Atem der Angst von Horst Jørn Lier
Kriminalroman mit Thrill
Inhalt:
Der berüchtigte inhaftierte Serientäter Tom Kerr gesteht einen weiteren Mord und will die Polizei an den Ort führen, wo er die Leiche vergraben hat. Dabei gelingt ihm die Flucht. Seinen Komplizen, den „Anderen“, konnte die Polizei auch nach Jahren der Ermittlung nicht identifizieren.
William Wisting gerät ins Visier der Abteilung Interne Ermittlungen, da ihm Fehler bei der Tatortbegehung mit Tom Kerr vorgeworfen werden. Nicht zuletzt steckt auch seine Tochter Line tief in der Geschichte mit drin, da sie an einem Dokumentarfilm über Tom Kerr arbeitet.
Meine Meinung:
Dies ist der 3. Cold Case mit dem norwegischen Kriminalkommissar William Wisting und dessen Tochter, der Journalistin Line. Schön ist es natürlich, wenn man die Bücher in der richtigen Reihenfolge liest, aber man kann auch jedes für sich allein genießen. Die Beziehungen zwischen den beteiligten Personen sind nicht so schwer zu durchschauen.
Der Cold Case ist hier zwar nicht nur der Aufhänger, es geht schon darum, einen alten Fall zu lösen bzw. eben den „Anderen“ dingfest zu machen, dabei ergeben scih aber auch einige neue Fälle, an denen die Polizei zu knabbern hat.
Wistings ruhige, besonnene und intelligente Art, an einen Fall heranzugehen, imponiert mir immer wieder. Dabei lässt er sich auch durch Hindernisse, die ihm von Kollegen oder Vorgesetzten in den Weg gelegt werden, nicht abhalten, seinen eigenen Weg zu verfolgen.
Obwohl es um äußerst grausame und perverse Verbrechen geht, ist dieser Kriminalroman gut zu lesen, ohne dass man Albträume bekommt. Denn Jørn Lier Horst beschreibt einfach Fakten und verzichtet dabei auf jegliche Effekthascherei.
Vom Verlag als Kriminalroman deklariert, bietet dieses Buch mehr atemberaubende Hochspannung als mancher Thriller. Die Handlung ist komplex, die Intention mancher Figur nicht leicht zu erkennen. Unvorhergesehene Wendungen gibt es immer wieder. So lädt der Roman zum Miträtseln und Mitfiebern ein und sorgt für ein paar sehr spannende Lesestunden.
Die Reihe:
1. Wisting und der Tag der Vermissten
2. Wisting und der fensterlose Raum
3. Wisting und der Atem der Angst
4. Wisting und der See des Vergessens (erscheint voraussichtlich im April 2021 auf Deutsch)
Etwas schwächer als Band 1, aber trotzdem klasse
QualityLand 2.0 von Marc-Uwe Kling
Etwas schwächer als Band 1, aber trotzdem klasse
Inhalt:
Peter Arbeitsloser darf nun offiziell als Maschinentherapeut arbeiten und ist levelmäßig auf dem aufsteigenden Ast. Sogar seine Ex-Freundin Sandra Admin interessiert sich wieder für ihn. Dagegen hat Martyn Vorstand das Glück verlassen.
Sein Absturz ist atemberaubend. Kiki Unbekannt ist auf der Suche nach ihrer Herkunft, und Peter auf der Suche nach Kiki.
Meine Meinung:
Qualityland 2.0 knüpft an den 1. Band an. Man sollte diesen unbedingt kennen, um die Handlung nachvollziehen zu können.
Was anfangs ein wenig wirr und zusammenhanglos wirkt, verknüpft sich später zu einer verflochtenen Handlung, die nur - wie schon im 1. Band - von Werbesendungen unterbrochen wird. Mit viel Wortwitz und Situationskomik übt der Autor Kritik an unserer Gesellschaft, auch wenn die Geschichte eigentlich in der Zukunft spielt, und hält uns allen herrlich überspitzt den Spiegel vor. Dies ist nicht ganz so genial wie im 1. Band, da man die Figuren und deren Handeln nun schon kennt und daher wenig von ihren speziellen Eigenheiten überrascht wird. Es kommen zwar auch neue Figuren hinzu, die sich aber relativ unspektakulär in das bewährte Muster ihrer Mitprotagonist*innen einfügen.
Trotzdem gibt es sehr viel zu lachen. Die meisten Dialoge sind einfach urkomisch und aberwitzig.
Diesem Band geht es ein klein wenig wie vielen Mittelbänden von Trilogien: Es fehlt ihm der Reiz des absolut Neuen, er kann aber auch noch nicht mit einem spektakulären Showdown aufwarten. Nichtsdestotrotz ist es ein riesengroßes Vergnügen, die altbekannten Figuren wieder in Action zu erleben.
Deshalb freue ich mich auch schon unbändig auf den 3. Teil, der hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.
Ein nervenaufreibender Fall für Alexander Gerlach
Der sanfte Hauch des Todes von Burger Wolfgang
Ein nervenaufreibender Fall für Alexander Gerlach
Inhalt:
Im Wald in der Nähe des Heidelberger Stadtteils Rohrbach wird die Leiche eines jungen Mannes aufgefunden. Wie die Leiche drapiert und mit Grablichtern umstellt wurde, deutet auf einen Ritualmord hin. Kurz darauf verschwindet ein junger Mann, ein weiterer wird ermordet.
Hat die Heidelberger Kripo es mit einem Serienkiller zu tun? Kripochef Alexander Gerlach und seine Leute greifen nach jedem Strohhalm. Und dann ist plötzlich auch noch Gerlachs Tochter Sarah weg …
Meine Meinung:
Dies ist bereits der 17. Band der Reihe und hoffentlich noch lange nicht der letzte, denn mir hat er wieder richtig gut gefallen. Ich persönlich kenne zwar alle Bände, wage aber zu behaupten, dass man dem Geschehen hier auch ohne Vorkenntnisse folgen kann. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen. Was im Berufs- und Privatleben Gerlachs wichtig ist, wird noch einmal kurz erwähnt, sodass auch Quereinsteiger Nebenpersonen und Nebenereignisse gut einordnen können.
Ich empfand diesen Fall als äußert spannend und komplex. Die Ermittlungen gehen in viele Richtungen und kommen nur mühsam voran. Dies erscheint sehr realistisch. Auch der Kommissar, aus dessen Ich-Perspektive erzählt wird, macht einen authentischen Eindruck. Wie üblich hat er an mehreren Fronten zu kämpfen, einmal gegen den unbekannten Täter, und dann gibt es da noch diverse „Baustellen“ im Privatleben, wobei sich letztere in diesem Buch eher angenehm im Hintergrund halten.
Nach einem schaurigen Anfang geht es zunächst etwas ruhiger, aber nicht weniger fesselnd weiter. Immer wieder gibt es neue Hinweise und Fährten, teilweise echte, teilweise in die Irre führende. Die Leserschaft hat hier die Möglichkeit, mitzukombinieren und mitzurätseln. Dabei weiß der Autor auch immer wieder zu überraschen. Im letzten Viertel bleibt dann kaum noch Zeit zum Atemholen. Es gibt eine aufregende Verfolgungsjagd, an deren Ende der Fall restlos geklärt wird.
Die Reihe:
1. Heidelberger Requiem
2. Heidelberger Lügen
3. Heidelberger Wut
4. Schwarzes Fieber
5. Echo einer Nacht
6. Eiskaltes Schweigen
7. Der fünfte Mörder
8. Die falsche Frau
9. Das vergessene Mädchen
10. Die dunkle Villa
11. Tödliche Geliebte
12. Drei Tage im Mai
13. Schlaf, Engelchen, schlaf
14. Die linke Hand des Bösen
15. Wen der Tod betrügt
16. Wenn Rache nicht genügt
17. Der sanfte Hauch des Todes
Spannende Ermittlungen in Berlin
Kreuzberg Blues von Wolfgang Schorlau
Spannende Ermittlungen in Berlin
Inhalt:
Olga, die Freundin des Stuttgarter Privatermittlers Georg Dengler, wird von einer Freundin aus Berlin um Hilfe gebeten. Ihre Vermieterin, die Kröger Immobiliengesellschaft, versucht mit allen Mitteln, die Mieter aus zwei Kreuzberger Wohnblocks herauszuekeln.
Dabei schreckt man offenbar auch vor illegalen Machenschaften nicht zurück. Dengler begleitet Olga nach Berlin und ermittelt in dem Fall.
Meine Meinung:
Wolfgang Schorlau hat mit „Kreuzberg Blues“ wieder mal einen empfindlichen Nerv der Leserschaft getroffen. Wohnen muss schließlich jeder, und das zu einem akzeptablen Preis. Gerade in den großen Städten, allen voran Berlin, wird das aber für viele Leute immer unerschwinglicher, weil die Mieten durch dubiose Preistreibereien in den Himmel schießen. Die Hintergründe dafür hat Schorlau verständlich dargestellt und eine spannende Geschichte drumherum gewoben, wie gewohnt mit Blick auf reale Menschen bzw. Ereignisse.
Vielleicht hätte man es dabei belassen sollen. Doch Schorlau meinte, das Thema Corona noch ad hoc mit einbeziehen zu müssen. Mit dem Fall in Berlin hat dies jedoch nichts zu tun und wirkt daher ein bisschen aufgesetzt.
Häufige Szenen- und Ortswechsel, zum Teil mit Parallelhandlungen, sorgen für Tempo in der Erzählung. Die einzelnen Abschnitte enden oft mit einem Cliffhanger, der zum Weiterlesen zwingt.
Leider hat der Autor nicht korrekt recherchiert, was manche medizinische Details angeht. So dient das Tragen einer Mund-Nasen-Maske nicht dem Selbstschutz, sondern dem Schutz des Gegenübers. Und gegen Borreliose gibt es leider keine Impfung.
Nichtsdestotrotz ist dieser Kriminalroman sehr lesenswert und bietet neben diversen Informationen auch gute Unterhaltung, die man auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände genießen kann.
Die Reihenfolge von Denglers bisherigen Fällen:
1. Die blaue Liste
2. Das dunkle Schweigen
3. Fremde Wasser
4. Brennende Kälte
5. Das München-Komplott
6. Die letzte Flucht
7. Am zwölften Tag
8. Die schützende Hand
9. Der große Plan
10. Kreuzberg Blues
So spannend wie die Vorgänger
Die Hornisse von Raabe Marc
So spannend wie die Vorgänger
Inhalt:
In Berlin wird der berühmte Rockstar Brad Galloway ermordet. Seine ausgeblutete Leiche wird ausgerechnet im Gästehaus der Polizei gefunden. Tom Babylon und die Polizeipsychologin Sita Johanns machen sich auf die Suche nach dem Mörder. Doch bald wird klar, dass Tom von dem Fall weitaus mehr betroffen ist, als ihm und seiner Familie lieb sein kann.
Meine Meinung:
Dies ist bereits der 3. Fall für Tom Babylon, und auch wenn es eine Art Rahmenhandlung gibt, braucht man nicht unbedingt Vorkenntnisse. Der aktuelle Kriminalfall ist in sich abgeschlossen, und zur Rahmenhandlung gibt es hier genügend Informationen, um folgen zu können. Aber natürlich ist dies schöner und einfacher, wenn man die vorherigen Bände auch gelesen hat und die auftauchenden Personen bzw. Hinweise auf zuvor Geschehenes dadurch besser einordnen kann.
Erzählt wird in zwei Handlungssträngen. Verwirrung kann dabei eigentlich nicht entstehen, denn es wird vor jedem Kapitel angegeben, wann es spielt, sogar mit Wochentag, Datum und Uhrzeit. Die Handlung in der Gegenwart (2019) wird dabei im Präsens erzählt, die in der Vergangenheit (1989) im Imperfekt. Zudem sind die Kapitel der Vergangenheit kursiv gedruckt.
Es ist insgesamt ein sehr bedrückender Thriller, gibt er doch Einblick in düstere Machenschaften in der Ex-DDR, erzählt aber auch, wie schnell man unter falschen Verdacht geraten kann, von dem man sich kaum mehr befreien kann.
Die Handlung verläuft in hohem Tempo. Sie ist klasse konstruiert, sodass man nicht gleich errät, wie alles zusammenhängt und es von Anfang bis Ende super spannend bleibt.
Die Hauptfigur Tom Babylon erhält eine ungeahnte Tiefe mit vielen verschiedenen Schichten. Hier kommt nicht nur der Polizist Tom zum Vorschein, sondern auch der Ehemann Tom, der Vater Tom und der Sohn Tom. Dabei kommt er größtenteils sehr sympathisch rüber, erweist sich, wenn notwendig, aber auch als knallhart - ein Mann mit Rückgrat, aber auch mit Gefühlen. Das hat mir sehr gut gefallen.
„Die Hornisse“ endet mit einem Cliffhanger bezüglich der Rahmenhandlung, der mich neugierig auf die Fortsetzung macht, aber nicht so schlimm ist, dass er mir schlaflose Nächte bereiten wird. ;-)
Die Reihe:
1. Schlüssel 17
2. Zimmer 19
3. Die Hornisse
Interessantes Ermittler-Duo
Amissa. Die Verlorenen von Frank Kodiak
Interessantes Ermittler-Duo
Inhalt:
Die siebzehnjährige Leila Eidinger verlässt nach einem Streit mit ihren Eltern ihr Zuhause und verschwindet spurlos. Rica und Jan Kantzius sind Privatermittler. Er war früher Polizist, sie Opfer eines Verbrechens. Gegen den Willen der Polizei nehmen sie die Ermittlungen auf und stoßen auf weitere Fälle vermisster Mädchen.
Meine Meinung:
Hinter dem Pseudonym Frank Kodiak verbirgt sich der erfolgreiche Autor Andreas Winkelmann - warum auch immer. Verstecken muss er sich mit diesem spannenden und interessanten Thriller nicht. Dieser unterscheidet sich meiner Meinung nach auch nicht gravierend von den unter seinem Realnamen geschriebenen Büchern.
Das Ehepaar Kantzius empfand ich als sehr interessante Personen. Beide haben schon zu viel mit Verbrechen zu tun gehabt, als dass sie seelisch unbeschadet wären. Während Rica ihre Kräfte darauf verwendet, anderen Opfern zu helfen, indem sie im Auftrag der Organisation Amissa verschwundene Menschen sucht, brodeln in Jan oft Rachegefühle und er schreckt gegenüber Verbrechern nicht vor schlimmster Gewalt zurück. Beide scheuen sich dabei nicht, das Gesetz zu übertreten, Rica allerdings nur als Hackerin. Rica war mir durchgehend sehr sympathisch, mit Jan bekam ich immer mehr Schwierigkeiten, weil ich seine brutalen Methoden einfach nicht akzeptieren kann.
Die Erzählung ist sehr fesselnd aufgebaut. Durch häufige Perspektivwechsel, öfter mal mit Cliffhanger, wirkt die Handlung sehr spannend und lebendig - leider auch viel zu realistisch. Die Gefahren des Internets, besonders der Social Media, für Kinder und Jugendliche sind ein großes Thema. Gerade Eltern wird dieser Thriller sicher an die Nieren gehen.
Amissa. Die Verlorenen ist der 1. Band der Amissa-Trilogie. Zwar endet er mit einem kleinen Cliffhanger, kann aber auch durchaus zufriedenstellend als Einzelband gelesen werden, falls einen wider Erwarten die Geschichte nicht packen sollte.
Eine Frau erfindet sich neu
Das Wörterbuch des Windes von Nina Blazon
Eine Frau erfindet sich neu
Inhalt:
Swea Schwarzenberg, 42, wollte sich eigentlich auf ihrer zweiten Hochzeitsreise nach Island mit ihrem Mann Henrik wieder zusammenraufen. Doch die Reise endet in einem Desaster, als Swea erkennen muss, dass Henrik sie betrügt. Swea verkriecht sich bei dem Deutsch-Isländer Einar, einem über siebzigjährigen Mann, der gegen seine eigenen Dämonen ankämpft.
Auch dessen Untermieter Jon hat eine bewegte Vergangenheit. Alle drei versuchen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen - jeder auf seine Weise.
Meine Meinung:
Mir fiel es ein bisschen schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Den Anfang fand ich etwas schleppend und nicht besonders spektakulär. Doch das Durchhalten hat sich auf jeden Fall gelohnt! Bald schon konnte mich Nina Blazon mit Sweas „Verwandlung“ packen. Die Protagonistin schafft es, immer mehr Ballast aus ihrem früheren Leben abzuwerfen und herauszufinden, was ihr wirklich wichtig ist. Die besondere Mentalität der Isländer, unter denen sie bald viele Freunde hat, hilft ihr dabei ungemein.
Die Autorin hat in mir eine Neugier auf diese windumtoste Insel im Atlantik geweckt. In ihren Beschreibungen von Land und Leuten zeigt sie eine große Leidenschaft dafür. Vor allem der Wind spielt eine große Rolle, ist fast schon eine zusätzliche Person, die sich einmischt und den Weg weist. Auch Geister, Elfen und nordische Mythen fehlen nicht, bleiben aber eher im Hintergrund, was mir sehr gut gefallen hat.
Erzählt wird hauptsächlich aus Sweas Perspektive in der Ich-Form, aber auch immer wieder aus Einars Sicht. Die Entwicklung der Protagonist*innen konnte ich gut nachvollziehen. Hier geschieht ein Schritt folgerichtig nach dem anderen. Teils sprüht das pure Leben aus den Zeilen, teils hängen die Protas ihren düsteren oder hoffnungsvollen Gedanken nach. Die Mischung fand ich sehr gelungen.
Von mir gibt es natürlich eine Leseempfehlung für diesen wunderbar warmherzigen und Mut machenden Roman.











