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Rezensionen von Lilli33:

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Viel Fantasie, viel Magie, aber es zieht sich ...

Das Reich der Schatten, Band 1: Her Wish So Dark (High Romantasy von der SPIEGEL-Bestsellerautorin von "One True Queen") von Jennifer Benkau


Viel Fantasie, viel Magie, aber es zieht sich …

Inhalt:
Desmond wurde verflucht und vom Daemalord ins Reich der Schatten entführt. Es gibt nur eine Möglichkeit, ihn zu retten: Eine Person, die ihn wirklich liebt, muss ins Daemareich reisen und vom Lord seine Freilassung verlangen. Laire, Desmonds Verlobte, macht sich mit Freunden auf den gefährlichen Weg …

Meine Meinung:
Ich liebe die Bücher von Jennifer Benkau, auch die „One True Queen“-Dilogie hat mich absolut begeistert.

So habe ich mir gleich „Her Wish so Dark“ besorgt, zumal es in derselben Welt wie „One True Queen“ spielt, allerdings nicht in Lyaskye, sondern in Nemija bzw. im Daemareich. Vorkenntnisse sind aber nicht nötig. Positiv zu erwähnen ist die Landkarte auf dem Vorsatzpapier, mit deren Hilfe man sich gut orientieren kann.

Leider hat es sehr lange gedauert, bis ich in die Handlung von „Her Wish so Dark“ hineingefunden habe. Eigentlich fing alles ganz vielversprechend an mit drei spannenden Handlungssträngen, in denen aufregende Dinge passieren. Doch dann ließ das Lesevergnügen für mich ziemlich nach. Es passierte, gemessen an der gelesenen Seitenzahl, verhältnismäßig wenig Neues. Stattdessen kam es immer wieder zu ähnlichen Kämpfen und ähnlichen Überlegungen der Protagonist*innen, die ausufernd beschrieben wurden. Hinzu kamen viele Träume bzw. Visionen mit verwirrendem Inhalt, die ich oft schlecht einordnen konnte. Vieles musste ich zwei Mal lesen und verstand es immer noch nicht. Dabei bin ich normalerweise nicht so schwer von Begriff ;-)

Die Hauptfiguren Laire, Alaric und Desmond wuchsen mir schnell ans Herz. Auch Laires Begleiter mochte ich auf Anhieb sehr. Alle sind von sehr unterschiedlichem Charakter, haben unterschiedliche Eigenschaften und ergänzen sich dadurch sehr gut. So kommt jeder und jedem im Handlungsgeschehen eine bedeutende Rolle zu. Auch die Entwicklung der Figuren ist gut gelungen. Es gibt etliche Geheimnisse, die zu lüften sind und manche überraschende Wendung, die das bisher Gelesene auf den Kopf stellt. So hat mir die zweite Hälfte des Buches recht gut gefallen, während ich die erste ein wenig zäh fand.

Am Ende ist ein wichtiger Abschnitt der Handlung erreicht. Der Cliffhanger macht aber sehr neugierig darauf, wie es wohl weitergehen wird. Band 2 soll im Herbst 2021 erscheinen.

Die Dilogie:
1. Her Wish so Dark
2. His Curse so Wild (erscheint voraussichtlich im Herbst 2021)

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Viel Fantasie, viel Magie, aber es zieht sich ...
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Hat viel Potenzial

Hush (Band 1) - Verbotene Worte von Dylan Farrow

Hat viel Potenzial

Inhalt:
Shae lebt in Aster, einem ärmlichen Dorf in Montane. Es gibt strenge Regeln, auf deren Einhaltung die Barden pochen. Dafür beschützen sie das Volk mit ihrer Magie. So ist es untersagt, Bücher und bestimmte Artefakte zu besitzen oder auch nur manche Wörter auszusprechen.

Die Barden werden respektiert, aber vor allem auch gefürchtet. Nach einem schlimmen Ereignis bleibt Shae nichts anderes übrig, als zu den Barden zu gehen und um ihre Hilfe zu bitten.

Meine Meinung:
Die Idee hinter diesem Buch ist sehr spannend und interessant, weshalb ich es auch unbedingt lesen wollte. Leider ist die Umsetzung ziemlich holprig, sodass das Ergebnis dieses Debütromans von Dylan Farrow nur mittelmäßig ist. Hier ist definitiv noch Luft nach oben, man erkennt aber das Potenzial, das genutzt werden kann.

Dabei geht die Story eigentlich ganz gut los. Es gibt einige spannende und auch gefühlvolle Szenen. Shae gefiel mir als Protagonistin zunächst auch recht gut. Sie erzählt ihre Geschichte in der 1. Person im Präsens. Ich mag dies normalerweise sehr, denn dabei fühle ich mich, als wenn ich direkt mitten im Geschehen wäre. Hier verlief sich dieser Effekt aber leider bald, weil mir Shae immer fremder wurde und auf die Nerven ging. Sie erweist sich als meganaiv, das ist einfach unglaublich. Obwohl sie weiß, wie gefährlich es ist, erzählt sie quasi jedem alles, was am besten gar keiner wissen sollte. Außerdem ist sie ziemlich impulsiv und handelt ohne nachzudenken, obwohl alles auf dem Spiel steht.

„Unüberlegt zu handeln - wenigstens darin bin ich gut.“ (S. 279)

Irgendwann wird die Story dann für meinen Geschmack zu abgedreht. Hier verschwimmen Realität und Illusion, dass weder Shae noch ich wussten, wo oben und wo unten ist, und ich das Gefühl hatte, die Autorin wusste es auch nicht mehr, denn wirklich aufgeklärt wird es nicht.

Zum Schluss hin wird es wieder besser. Hier gibt es einige Antworten, aber es bleiben noch genügend Fragen bzw. zu erledigende Aufgaben für den zweiten Band der Dilogie, an dem die Autorin gerade arbeitet.

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Hat viel Potenzial
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Humorvoll-kauzig, aber auch spannend

Tinte & Siegel von Kevin Hearne

Humorvoll-kauzig, aber auch spannend

Inhalt:
Auf der ganzen Welt gibt es nur fünf Siegelagenten, die zwischen der Erde und dem Feenreich vermitteln und dafür sorgen, dass das Miteinander friedlich und korrekt bleibt. Umso ärgerlicher ist es, dass Al MacBharrais nun schon seinen siebten Schüler durch einen dummen Unfall verliert.

Gordie ist an einer Rosine erstickt. Doch damit nicht genug, muss Al auch noch feststellen, dass Gordie heimlich und illegal mit Feenwesen gehandelt hat. Mit wem und zu welchem Zweck versucht Al gemeinsam mit seiner Managerin Nadia und dem Hobgoblin Buck Foi herauszufinden.

Meine Meinung:
„Die Chronik des Siegelmagiers“ spielt wohl in derselben Welt wie „Die Chronik des Eisernen Druiden“, ist quasi ein Spin-off. Allerdings kann man es gut ohne Vorkenntnisse lesen - für mich war es das erste Buch von Kevin Hearne.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Schreibstil und der Vielzahl der Figuren, menschlichen und nichtmenschlichen (im Anhang befindet sich ein Glossar, das man schon gut vor der Lektüre zurate ziehen kann), hatte ich mich bald eingelesen und konnte mich dann gut für diese humorige und spannende Geschichte erwärmen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Kommunikation mit Al. Auf ihm lastet ein Fluch. Jeder, der seine echte Stimme hört, entwickelt über kurz oder lang einen unbändigen Hass auf ihn. Deshalb kommuniziert er meistens über eine Sprach-App seines Smartphones, was durch eckige Klammern dargestellt wird. Die Dialoge fallen dadurch auch meist etwas knapper aus, als wenn man frei reden kann.

Ich habe Al MacBharrais, Nadia und Buck Foi sehr schnell in mein Herz geschlossen. Es sind ganz besondere Charaktere, kauzig, frech und sehr liebenswürdig.

Mir gefiel an diesem Buch vor allem die Vielseitigkeit und die Vielschichtigkeit. Es gibt so viele spezielle Wesen, die man kennenlernt, auch skurrile Menschen und nette „Monster“. Es geht nicht nur um phantastische Ereignisse, sondern auch um Menschenhandel und Politik im weitesten Sinne. Dies alles wird mit einem herrlich trockenen Humor dargestellt, sodass man immer wieder schmunzeln muss. Dabei bleibt aber auch die Spannung keineswegs auf der Strecke. Die gesamte Handlung ist schon fesselnd, gekrönt von einigen sehr spannenden Kämpfen zwischen Gut und Böse.

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Leben gehen

Tinte & Siegel von Kevin Hearne

Leben gehen

Inhalt:
Nora sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben und beschließt, dem ein Ende zu setzen. Doch anstatt zu sterben, findet sie sich in der Mitternachtsbibliothek wieder. Hier sind die Regale angefüllt mit unendlich vielen Büchern, die Noras mögliche Leben erzählen. Hier kann sie sich auf die Suche nach dem perfekten Leben machen, was gar nicht so einfach ist …

Meine Meinung:
Ja, Matt Haig hätte vielleicht mehr in die Tiefe gehen können, aber auch so gibt dieser Roman genügend Anstöße, über das eigene Leben und dessen Sinn oder Unsinn nachzudenken.

Mit der Protagonistin Nora konnte ich mich gut identifizieren. Sicher findet jeder Mensch einen Teil von sich in einem Teil von ihr wieder. Sie versucht es vielen Leuten recht zu machen, was bekanntlich in den seltensten Fälle gutgeht. Oft bleibt man dabei selbst auf der Strecke, so auch Nora, zumal sie sowieso schon durch Depressionen vorbelastet ist. Hier hat der Autor wohl auch wieder seine eigene Depression verarbeitet, wie er das oft in seinen Bücher tut.

Mir hat es gut gefallen, wie Nora von Leben zu Leben reist, um herauszufinden, was sie wirklich will, was gut für sie ist, wo sie glücklich werden kann. Und auch wenn man sich schon bald denken kann, worauf das alles hinausläuft, ist die Reise doch sehr interessant und vielfältig. Auch ein paar kleine Überraschungen sind eingebaut.

Die Idee der Paralleluniversen ist faszinierend. Die Frage, was wäre, wenn man sich an einer bestimmten Stelle des Lebens anders entschieden hätte, kommt auf. Es zeigt sich, dass jede Entscheidung Folgen hat, seien sie nun positiv oder negativ, wobei es sein kann, dass sich eine Entscheidung für den einen positiv auswirken kann, für den anderen aber negativ. Insofern gibt es nicht unbedingt ein Richtig oder Falsch. Es gilt den eigenen Weg zu finden und das Beste daraus zu machen. Die Möglichkeiten sind unendlich vielfältig.

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Drama in drei Akten

Die Geschichte eines Lügners von Boyne John

Drama in drei Akten

Inhalt:
Maurice Swift, Anfang zwanzig, möchte nichts mehr als einen Roman schreiben. Doch er besitzt keine Fantasie, hat keine Ideen. In Westberlin begegnet er dem preisgekrönten alternden Schriftsteller Erich Ackermann, der Maurice mit Haut und Haar verfällt. Die Aussicht, die Gunst des jungen Mannes zu gewinnen, verleitet Erich dazu, ein unrühmliches Kapitel seines Lebens zu erzählen, was Maurice als Grundlage für einen Roman nutzt und Erich in den Abgrund stürzt.

Doch damit nicht genug: Erich wird nicht der Einzige bleiben, den Maurice für seinen eigenen Ruhm manipuliert.

Meine Meinung:
Dieses Buch mag vielleicht psychologisch raffiniert sein, wie andere Leserstimmen meinen, aber das genügt für ein gutes Buch nicht. Es muss vor allem in der Lage sein, zumindest die geneigten Leser*innen zu fesseln und mitzureißen. Das hat John Boyne hier nicht geschafft. Ich persönlich - obwohl ich Boyne-Fan bin - habe mich mit diesem Roman zum Teil schwergetan.

Das Buch ist in drei Teile und zwei Zwischenspiele gegliedert. Dabei fand ich die Geschichte des ersten Teils recht langweilig erzählt, wenngleich sie nicht bedeutungslos ist. Wer Bücher abbricht, die nicht sofort zu fesseln vermögen, hat hier keine Chance. Zum Glück gilt dies für mich nicht, denn der Roman wird von Seite zu Seite besser. Durch den ersten Teil habe ich mich wirklich gequält, der Mittelteil ist ganz ordentlich, der letzte Teil wirklich großartig. Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe.

Im ersten Teil, der aus Erich Ackermanns Perspektive geschrieben ist, geht es kaum um das Schreiben, sondern vielmehr um Sex, speziell Sex unter Homosexuellen. Dabei geht es allerdings weniger um die erotische Seite. Mir war das viel zu einseitig und es hat mich gelangweilt. Da ging es mir wie einer Figur, die John Boyne über ein Buch sagen lässt:
»Na ja, als ich es ausgeliehen habe, war mir nicht bewusst, dass es darin von vorne bis hinten nur um Sex geht«
Glücklicherweise war der Plot in den folgenden Abschnitten mehr nach meinem Geschmack.

Im zweiten Teil des Romans, der einige Jahre später spielt, erzählt Maurices Frau über die Jahre der Ehe. Auch sie ist Autorin und hat weit mehr Talent als Maurice. Gewöhnungsbedürftig und etwas schwerfällig zu lesen, wendet sie sich in ihrem Part nicht an die Leserschaft, sondern an ihren Mann Maurice, den sie mit „du“ anspricht. Als Leser*in muss man tatenlos mit ansehen, wie sie von Maurice schamlos ausgenutzt wird, ohne dass sie dies rechtzeitig erkennt.

Den dritten Teil schließlich erleben wir aus Maurices Sicht, wieder etliche Jahre später. Dieser Abschnitt ist definitiv der interessanteste des ganzen Buches, da Maurice nun endlich einen ernst zu nehmenden Gegner bekommt. Davor ließ man ihm aufgrund seines guten Aussehens und seiner damit verbundenen Anziehungskraft all seine Missetaten durchgehen. Der dritte Teil ist wirklich psychologisch raffiniert und spannend wie ein Thriller. Schade, dass ich das nicht von dem ganzen Buch sagen kann.

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Drama in drei Akten
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Ich hatte mehr erwartet

Darling Rose Gold von Wrobel Stephanie

Ich hatte mehr erwartet

Inhalt:
Jahrelang hat Patty Watts ihre Tochter Rose Gold krank gemacht und dafür fünf Jahre im Gefängnis gesessen. Nun muss sie wieder Fuß fassen und freut sich, dass sie zumindest vorübergehend bei Rose Gold und deren Baby unterkommen kann. Doch auch wenn das Verhältnis von Mutter und Tochter nach außen hin versöhnlich erscheint, brodelt es doch im Inneren auf beiden Seiten heftig.

Meine Meinung:
Zwar ist dieses Buch vom Verlag als Roman und nicht als Thriller eingeordnet. Trotzdem habe ich aufgrund des Klappentextes und der begeisterten Pressestimmen einen wesentlich spannenderen Roman erwartet. Hier wurde viel Potenzial verschenkt, denn die Handlung plätschert lediglich mit einer zwar stets vorhandenen, aber nur unterschwelligen Spannung dahin.

Stephanie Wrobel erzählt in ihrem Debütroman eine schlimme Geschichte aus zwei Perspektiven. Dabei erleben wir die Zeit nach Pattys Verurteilung aus Rose Golds Sicht. Sie berichtet, wie sie sich ohne ihre Mutter ein neues Leben aufgebaut hat und deutet an, wie sie sich für ihre verlorene Kindheit an Patty rächen will. Rose Golds Perspektive wechselt sich mit Pattys Erzählung über die Zeit nach dem Gefängnis ab. Beide Erzählstränge sind angereichert mit Rückblicken in die Vergangenheit, wo die Grundlagen für die psychischen Entgleisungen gelegt wurden. Häppchenweise offenbaren sie die bösartigen Gedanken und Ziele von Rose Gold und Patty, bis sie sich schließlich im Heute treffen.

Die beiden Frauen tänzeln umeinander herum, belauern sich und vertrauen sich kein Stück weit. Dies hätte psychologisch ausgefeilt dargestellt werden können, erschien mir aber relativ nüchtern erzählt, und das obwohl beide Perspektiven in Ich-Form geschrieben sind. Dass ich nicht wirklich mit einer der Protagonistinnen mitfiebern konnte, liegt sicher auch daran, dass weder die eine noch die andere sympathisch ist und es mir daher ziemlich egal war, welche am Ende obsiegen würde.

Kurz vor Schluss gibt es eine unvorhersehbare Überraschung, die mir ein schadenfrohes Grinsen ins Gesicht trieb und damit den Roman rettete. Denn wie jede*r weiß, ist Schadenfreude doch die schönste Freude. ;-)

Fazit:
Die Idee hinter diesem Roman ist wirklich super und lesenswert. Allerdings ist die Umsetzung zu lasch, um die Leserschaft mitzureißen. Für einen Debütroman nicht schlecht, aber da ist noch Luft nach oben.

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Nostalgische und humorvolle Erinnerungen an die Achtziger

Sweet Dreams von Frank Goosen


Nostalgische und humorvolle Erinnerungen an die Achtziger

Frank Goosen, Jahrgang 1966, erinnert sich an seine Jugend und den Wandel in den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Ruhrpott. Vieles ist dabei nicht auf Goosens Heimat beschränkt, sondern für ganz Westdeutschland gültig. In verschiedenen mal mehr, mal weniger zusammenhängenden Erzählungen und Geschichten nimmt er das Besondere dieses Jahrzehnts aufs Korn und wird dabei auch sehr persönlich.

Der erste Zungenkuss, das erste Bier, Klammerblues in der Disco, Mixtapes für die Angebetete, Walkman, Videotheken und vieles mehr spielen eine bedeutende Rolle. Immer wieder werden musikalische und modische Aspekte dieser Zeit aufgegriffen, auch politische Ereignisse und Ansichten werden thematisiert.

Zusammen mit seinen Kumpels Brocki, Förster und wie sie alle heißen, lässt Goosen prägende Ereignisse Revue passieren. Auch wenn ich nicht aus dem Ruhrpott komme, habe ich doch vieles genauso erlebt, wie Goosen es beschreibt. Ich habe daher dieses Buch als nostalgischen Rückblick in meine eigene Jugendzeit erlebt, was wirklich viel Spaß gemacht hat.

Frank Goosens Schreibstil ist einfach toll, da er sehr authentisch und lebendig wirkt. Manche Episoden sprühen geradezu vor Humor/Ironie/Sarkasmus, bei anderen sind nur wenige Prisen davon eingestreut. Mit manchen der Erzählungen konnte ich auch nicht ganz so viel anfangen, aber insgesamt war es ein wirklich schönes Leseerlebnis.

Empfehlen möchte ich das Buch allen Lesern, die etwa im selben Alter wie der Autor sind. Jüngere können Erzählungen über diese Zeit vielleicht nicht so gut genießen. Wenn sie sich für die Vergangenheit interessieren, werden aber auch sie hier auf ihre Kosten kommen.

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Gelungener Abschluss der Born-Trilogie

Sweet Dreams von Frank Goosen

Gelungener Abschluss der Born-Trilogie

Inhalt:
Die Polizistin Carla Diaz bittet ihren Ex-Kollegen und Freund Alexander Born um Hilfe. Ihre Tochter Malin ist Mitglied der Sekte Cernunnos, die sich in Engelsgrund in den belgischen Ardennen niedergelassen hat. Als dort ein Mitglied der Sekte bestialisch ermordet wird, fürchtet Carla um Malins Leben.

Born weiß sich nicht anders zu helfen, als seinen Lieblingsfeind Andrej Wolkow zu bitten, Malin zu beschützen, denn Wolkow schuldet ihm noch einen Gefallen …

Meine Meinung:
Man kann die einzelnen Teile dieser Thriller-Trilogie gut ohne Vorkenntnisse lesen. Ein Durcheinander ist aber nicht zu empfehlen, da die Ereignisse aus den Vorgängerbänden wieder aufgegriffen werden, was spoilern könnte.

Gleich vorweg: Der 2. Teil der Reihe, „Finsterthal“, hat mir am besten gefallen. „Engelsgrund“ ist nicht ganz so spannend und actionreich. Dafür wird hier mehr „philosophiert“. Aber es ist trotzdem genügend Spannung vorhanden, um von Seite zu Seite zu hetzen, weil man einfach wissen will, wer hinter den Morden steckt und wer am Ende lebend aus der Sache rauskommen wird.

Hier hat Linus Geschke wieder mal ein paar heftige Überraschungen parat. Für mich war kaum etwas vorhersehbar, allerdings auch nicht alles nachvollziehbar. Das beginnt schon damit, dass Born ausgerechnet dem skrupellosen Oberverbrecher Wolkow vertraut, wenn auch nur ein Stück weit.

Gut gefallen haben mir die Perspektivwechsel. Einmal werden die Geschehnisse in Engelsgrund beleuchtet, dann die Ereignisse in Berlin, schließlich das Umfeld von Wolkow in Sankt Petersburg. Diese drei Erzählstränge legen sich wie Schlingen um den Kern der Handlung und ziehen sich immer mehr zu, bis am Ende nichts mehr so ist, wie es mal war.

Fazit:
„Engelsgrund“ bildet einen gelungenen Abschluss der Born-Trilogie. Das Ende, das für einige Figuren ein wenig offen bleibt, konnte mich absolut zufriedenstellen.

Die Born-Trilogie:
1. Tannenstein
2. Finsterthal
3. Engelsgrund

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Spannender Auftakt einer schwedischen Krimi-Reihe

Der andere Sohn von Peter Mohlin; Peter Nyström


Spannender Auftakt einer schwedischen Krimi-Reihe

Inhalt:
2019. John Adderley, Mitte dreißig, ist als verdeckter Ermittler des FBI aufgeflogen. Er wird ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen und erhält eine neue Identität. Damit zieht es ihn in seine Heimat Schweden zurück, wo sein Halbbruder Billy unter Mordverdacht steht.

Zehn Jahre zuvor ist die 19-jährige Emelie, die Tochter einer reichen Unternehmerfamilie, spurlos verschwunden. Indizien brachten Billy damit in Verbindung. Doch er beteuerte seine Unschuld und tut dies immer noch, jetzt wo der Fall von einer neuen Cold-Case-Einheit der Polizei wieder aufgerollt wird.

Meine Meinung:
Das Autorenduo Mohlin/Nyström hat hier eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Die beiden schreiben sehr fesselnd und flüssig. Die Handlung ist äußerst spannend, fast schon ein Thriller. Auch der Aufbau der Geschichte hat mir zugesagt. Zunächst wechseln sich die Kapitel mit Johns Perspektive 2019 und Heimers (Emelies Vater) Perspektive 2009 ab. Sobald John in Schweden angekommen ist, spielt der Roman nur noch in der Gegenwart.

John ist Teil der Cold-Case-Einheit und sich bewusst, dass man ihn sofort von den Ermittlungen abziehen würde, wenn seine Verwandtschaft zu Billy herauskommt. Das nächste Problem besteht darin, dass er sich seiner Familie eigentlich nicht nähern darf, um nicht die Aufmerksamkeit seiner amerikanischen Verfolger auf sich zu ziehen. Und schließlich leidet er von Zeit zu Zeit unter schweren Panikattacken. Diese Punkte sorgen für viel Spannung; einiges daran wirkt aber auch nicht wirklich glaubhaft bzw. nervt, weil sich der ein oder andere diesbezüglich einfach dumm verhält.

Akribisch arbeitet sich John in dem Fall voran, immer auf der Suche nach der Wahrheit, die im günstigsten Fall seinen Halbbruder entlasten wird. Andererseits hat John auch keine Skrupel, Billy ans Messer zu liefern, sollte er von seiner Schuld überzeugt sein. Das lässt ihn mal sympathisch, mal aber auch kalt erscheinen. Es ergeben sich sehr viele Spuren, denen nachgegangen werden muss. Dabei taucht natürlich auch eine Anzahl Verdächtiger auf, denen man den Mord an Emelie zutrauen würde. Für mich war der tatsächliche Täter dann eine große Überraschung.

Am Ende ist der Fall gelöst. Ein kleiner Cliffhanger macht neugierig auf den nächsten Band der Reihe.

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Tragikomische Unterhaltung

Sprich mit mir von T. C. Boyle

Tragikomische Unterhaltung

Inhalt:
Professor Guy Schemerhorn forscht an einem Schimpansen, Sam. Seit Sam ein Baby war, wurde er von Schemerhorn wie ein menschliches Kind im Haushalt aufgezogen. Im Alter von zwei Jahren kann er per Gebärdensprache schon viele Dinge ausdrücken und versteht noch mehr.

Als die schüchterne Studentin Aimee zu Sams Betreuungsteam stößt, ist sie von Sam hin und weg - und er von ihr. Fortan ist sie seine wichtigste Bezugsperson, und sie blüht mit dieser Aufgabe regelrecht auf. Doch dann werden die Forschungsgelder gestrichen, und Sam wird Aimee weggenommen und landet in einem Käfig. Das kann Aimee natürlich nicht zulassen …

Meine Meinung:
Ist die Geschichte zu Anfang noch recht witzig, weil Sam sich ganz ähnlich wie ein menschliches Kleinkind verhält, süß aussieht und sich herzzerreißend benehmen kann, aber auch alle möglichen Streiche und Unfug im Sinn hat, Umarmungen und Küsschen einfordert und sich tierisch für Pizza und Cola begeistern kann, schlägt sie später um und gewinnt immer mehr an Tragik. Fesselnd und spannend ist sie aber von vorne bis hinten. Sowohl die Verhaltensweisen von Sam als auch seiner menschlichen Betreuer lassen sich gut nachvollziehen. Nur gegen Ende gibt es eine Szene, die ich persönlich zu kitschig fand.

Immer wieder wird hier die Frage aufgebracht, ob Tiere Gefühle haben, ob sie vorausschauend handeln können und vieles mehr. Doch das ist nach dem heutigen Stand der Forschung ja eigentlich keine Frage mehr. Insofern bietet dieser Roman nichts Neues. Trotzdem ist er sehr lesenswert, denn kaum jemand gibt der Leserschaft so eindrücklichen Einblick in das Innenleben eines Tieres wie es T. C. Boyle hier tut. Anfangs wird die Story aus Aimees Perspektive erzählt, doch später kommt auch Sams Sicht hinzu. Spätestens, wenn man mit ansehen muss, wie er in seinem KÄFIG hockt und ANGST vor dem GROSSEN MANN mit dem Stachel hat, wie er die KÄLTE des Betons unter sich spürt und wie die SCHEIS.E stinkt, weil sie nur gelegentlich mit WASSER weggespült wird, ist wohl jede*r betroffen von der Art, wie mit Tieren umgegangen wird. Und hier stellt sich dann die Frage: Was macht das Menschsein aus? Wer verhält sich menschlicher, ein grausamer Mensch oder ein mitfühlendes Tier?

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Tragikomische Unterhaltung