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Rezensionen von Lilli33:

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Leben gehen

Die Mitternachtsbibliothek von Haig Matt

Leben gehen

Inhalt:
Nora sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben und beschließt, dem ein Ende zu setzen. Doch anstatt zu sterben, findet sie sich in der Mitternachtsbibliothek wieder. Hier sind die Regale angefüllt mit unendlich vielen Büchern, die Noras mögliche Leben erzählen. Hier kann sie sich auf die Suche nach dem perfekten Leben machen, was gar nicht so einfach ist …

Meine Meinung:
Ja, Matt Haig hätte vielleicht mehr in die Tiefe gehen können, aber auch so gibt dieser Roman genügend Anstöße, über das eigene Leben und dessen Sinn oder Unsinn nachzudenken.

Mit der Protagonistin Nora konnte ich mich gut identifizieren. Sicher findet jeder Mensch einen Teil von sich in einem Teil von ihr wieder. Sie versucht es vielen Leuten recht zu machen, was bekanntlich in den seltensten Fälle gutgeht. Oft bleibt man dabei selbst auf der Strecke, so auch Nora, zumal sie sowieso schon durch Depressionen vorbelastet ist. Hier hat der Autor wohl auch wieder seine eigene Depression verarbeitet, wie er das oft in seinen Bücher tut.

Mir hat es gut gefallen, wie Nora von Leben zu Leben reist, um herauszufinden, was sie wirklich will, was gut für sie ist, wo sie glücklich werden kann. Und auch wenn man sich schon bald denken kann, worauf das alles hinausläuft, ist die Reise doch sehr interessant und vielfältig. Auch ein paar kleine Überraschungen sind eingebaut.

Die Idee der Paralleluniversen ist faszinierend. Die Frage, was wäre, wenn man sich an einer bestimmten Stelle des Lebens anders entschieden hätte, kommt auf. Es zeigt sich, dass jede Entscheidung Folgen hat, seien sie nun positiv oder negativ, wobei es sein kann, dass sich eine Entscheidung für den einen positiv auswirken kann, für den anderen aber negativ. Insofern gibt es nicht unbedingt ein Richtig oder Falsch. Es gilt den eigenen Weg zu finden und das Beste daraus zu machen. Die Möglichkeiten sind unendlich vielfältig.

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Leben gehen
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Drama in drei Akten

Die Geschichte eines Lügners von Boyne John

Drama in drei Akten

Inhalt:
Maurice Swift, Anfang zwanzig, möchte nichts mehr als einen Roman schreiben. Doch er besitzt keine Fantasie, hat keine Ideen. In Westberlin begegnet er dem preisgekrönten alternden Schriftsteller Erich Ackermann, der Maurice mit Haut und Haar verfällt. Die Aussicht, die Gunst des jungen Mannes zu gewinnen, verleitet Erich dazu, ein unrühmliches Kapitel seines Lebens zu erzählen, was Maurice als Grundlage für einen Roman nutzt und Erich in den Abgrund stürzt.

Doch damit nicht genug: Erich wird nicht der Einzige bleiben, den Maurice für seinen eigenen Ruhm manipuliert.

Meine Meinung:
Dieses Buch mag vielleicht psychologisch raffiniert sein, wie andere Leserstimmen meinen, aber das genügt für ein gutes Buch nicht. Es muss vor allem in der Lage sein, zumindest die geneigten Leser*innen zu fesseln und mitzureißen. Das hat John Boyne hier nicht geschafft. Ich persönlich - obwohl ich Boyne-Fan bin - habe mich mit diesem Roman zum Teil schwergetan.

Das Buch ist in drei Teile und zwei Zwischenspiele gegliedert. Dabei fand ich die Geschichte des ersten Teils recht langweilig erzählt, wenngleich sie nicht bedeutungslos ist. Wer Bücher abbricht, die nicht sofort zu fesseln vermögen, hat hier keine Chance. Zum Glück gilt dies für mich nicht, denn der Roman wird von Seite zu Seite besser. Durch den ersten Teil habe ich mich wirklich gequält, der Mittelteil ist ganz ordentlich, der letzte Teil wirklich großartig. Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe.

Im ersten Teil, der aus Erich Ackermanns Perspektive geschrieben ist, geht es kaum um das Schreiben, sondern vielmehr um Sex, speziell Sex unter Homosexuellen. Dabei geht es allerdings weniger um die erotische Seite. Mir war das viel zu einseitig und es hat mich gelangweilt. Da ging es mir wie einer Figur, die John Boyne über ein Buch sagen lässt:
»Na ja, als ich es ausgeliehen habe, war mir nicht bewusst, dass es darin von vorne bis hinten nur um Sex geht«
Glücklicherweise war der Plot in den folgenden Abschnitten mehr nach meinem Geschmack.

Im zweiten Teil des Romans, der einige Jahre später spielt, erzählt Maurices Frau über die Jahre der Ehe. Auch sie ist Autorin und hat weit mehr Talent als Maurice. Gewöhnungsbedürftig und etwas schwerfällig zu lesen, wendet sie sich in ihrem Part nicht an die Leserschaft, sondern an ihren Mann Maurice, den sie mit „du“ anspricht. Als Leser*in muss man tatenlos mit ansehen, wie sie von Maurice schamlos ausgenutzt wird, ohne dass sie dies rechtzeitig erkennt.

Den dritten Teil schließlich erleben wir aus Maurices Sicht, wieder etliche Jahre später. Dieser Abschnitt ist definitiv der interessanteste des ganzen Buches, da Maurice nun endlich einen ernst zu nehmenden Gegner bekommt. Davor ließ man ihm aufgrund seines guten Aussehens und seiner damit verbundenen Anziehungskraft all seine Missetaten durchgehen. Der dritte Teil ist wirklich psychologisch raffiniert und spannend wie ein Thriller. Schade, dass ich das nicht von dem ganzen Buch sagen kann.

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Ich hatte mehr erwartet

Darling Rose Gold von Wrobel Stephanie

Ich hatte mehr erwartet

Inhalt:
Jahrelang hat Patty Watts ihre Tochter Rose Gold krank gemacht und dafür fünf Jahre im Gefängnis gesessen. Nun muss sie wieder Fuß fassen und freut sich, dass sie zumindest vorübergehend bei Rose Gold und deren Baby unterkommen kann. Doch auch wenn das Verhältnis von Mutter und Tochter nach außen hin versöhnlich erscheint, brodelt es doch im Inneren auf beiden Seiten heftig.

Meine Meinung:
Zwar ist dieses Buch vom Verlag als Roman und nicht als Thriller eingeordnet. Trotzdem habe ich aufgrund des Klappentextes und der begeisterten Pressestimmen einen wesentlich spannenderen Roman erwartet. Hier wurde viel Potenzial verschenkt, denn die Handlung plätschert lediglich mit einer zwar stets vorhandenen, aber nur unterschwelligen Spannung dahin.

Stephanie Wrobel erzählt in ihrem Debütroman eine schlimme Geschichte aus zwei Perspektiven. Dabei erleben wir die Zeit nach Pattys Verurteilung aus Rose Golds Sicht. Sie berichtet, wie sie sich ohne ihre Mutter ein neues Leben aufgebaut hat und deutet an, wie sie sich für ihre verlorene Kindheit an Patty rächen will. Rose Golds Perspektive wechselt sich mit Pattys Erzählung über die Zeit nach dem Gefängnis ab. Beide Erzählstränge sind angereichert mit Rückblicken in die Vergangenheit, wo die Grundlagen für die psychischen Entgleisungen gelegt wurden. Häppchenweise offenbaren sie die bösartigen Gedanken und Ziele von Rose Gold und Patty, bis sie sich schließlich im Heute treffen.

Die beiden Frauen tänzeln umeinander herum, belauern sich und vertrauen sich kein Stück weit. Dies hätte psychologisch ausgefeilt dargestellt werden können, erschien mir aber relativ nüchtern erzählt, und das obwohl beide Perspektiven in Ich-Form geschrieben sind. Dass ich nicht wirklich mit einer der Protagonistinnen mitfiebern konnte, liegt sicher auch daran, dass weder die eine noch die andere sympathisch ist und es mir daher ziemlich egal war, welche am Ende obsiegen würde.

Kurz vor Schluss gibt es eine unvorhersehbare Überraschung, die mir ein schadenfrohes Grinsen ins Gesicht trieb und damit den Roman rettete. Denn wie jede*r weiß, ist Schadenfreude doch die schönste Freude. ;-)

Fazit:
Die Idee hinter diesem Roman ist wirklich super und lesenswert. Allerdings ist die Umsetzung zu lasch, um die Leserschaft mitzureißen. Für einen Debütroman nicht schlecht, aber da ist noch Luft nach oben.

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Nostalgische und humorvolle Erinnerungen an die Achtziger

Sweet Dreams von Frank Goosen


Nostalgische und humorvolle Erinnerungen an die Achtziger

Frank Goosen, Jahrgang 1966, erinnert sich an seine Jugend und den Wandel in den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Ruhrpott. Vieles ist dabei nicht auf Goosens Heimat beschränkt, sondern für ganz Westdeutschland gültig. In verschiedenen mal mehr, mal weniger zusammenhängenden Erzählungen und Geschichten nimmt er das Besondere dieses Jahrzehnts aufs Korn und wird dabei auch sehr persönlich.

Der erste Zungenkuss, das erste Bier, Klammerblues in der Disco, Mixtapes für die Angebetete, Walkman, Videotheken und vieles mehr spielen eine bedeutende Rolle. Immer wieder werden musikalische und modische Aspekte dieser Zeit aufgegriffen, auch politische Ereignisse und Ansichten werden thematisiert.

Zusammen mit seinen Kumpels Brocki, Förster und wie sie alle heißen, lässt Goosen prägende Ereignisse Revue passieren. Auch wenn ich nicht aus dem Ruhrpott komme, habe ich doch vieles genauso erlebt, wie Goosen es beschreibt. Ich habe daher dieses Buch als nostalgischen Rückblick in meine eigene Jugendzeit erlebt, was wirklich viel Spaß gemacht hat.

Frank Goosens Schreibstil ist einfach toll, da er sehr authentisch und lebendig wirkt. Manche Episoden sprühen geradezu vor Humor/Ironie/Sarkasmus, bei anderen sind nur wenige Prisen davon eingestreut. Mit manchen der Erzählungen konnte ich auch nicht ganz so viel anfangen, aber insgesamt war es ein wirklich schönes Leseerlebnis.

Empfehlen möchte ich das Buch allen Lesern, die etwa im selben Alter wie der Autor sind. Jüngere können Erzählungen über diese Zeit vielleicht nicht so gut genießen. Wenn sie sich für die Vergangenheit interessieren, werden aber auch sie hier auf ihre Kosten kommen.

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Nostalgische und humorvolle Erinnerungen an die Achtziger
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Gelungener Abschluss der Born-Trilogie

Engelsgrund von Linus Geschke

Gelungener Abschluss der Born-Trilogie

Inhalt:
Die Polizistin Carla Diaz bittet ihren Ex-Kollegen und Freund Alexander Born um Hilfe. Ihre Tochter Malin ist Mitglied der Sekte Cernunnos, die sich in Engelsgrund in den belgischen Ardennen niedergelassen hat. Als dort ein Mitglied der Sekte bestialisch ermordet wird, fürchtet Carla um Malins Leben.

Born weiß sich nicht anders zu helfen, als seinen Lieblingsfeind Andrej Wolkow zu bitten, Malin zu beschützen, denn Wolkow schuldet ihm noch einen Gefallen …

Meine Meinung:
Man kann die einzelnen Teile dieser Thriller-Trilogie gut ohne Vorkenntnisse lesen. Ein Durcheinander ist aber nicht zu empfehlen, da die Ereignisse aus den Vorgängerbänden wieder aufgegriffen werden, was spoilern könnte.

Gleich vorweg: Der 2. Teil der Reihe, „Finsterthal“, hat mir am besten gefallen. „Engelsgrund“ ist nicht ganz so spannend und actionreich. Dafür wird hier mehr „philosophiert“. Aber es ist trotzdem genügend Spannung vorhanden, um von Seite zu Seite zu hetzen, weil man einfach wissen will, wer hinter den Morden steckt und wer am Ende lebend aus der Sache rauskommen wird.

Hier hat Linus Geschke wieder mal ein paar heftige Überraschungen parat. Für mich war kaum etwas vorhersehbar, allerdings auch nicht alles nachvollziehbar. Das beginnt schon damit, dass Born ausgerechnet dem skrupellosen Oberverbrecher Wolkow vertraut, wenn auch nur ein Stück weit.

Gut gefallen haben mir die Perspektivwechsel. Einmal werden die Geschehnisse in Engelsgrund beleuchtet, dann die Ereignisse in Berlin, schließlich das Umfeld von Wolkow in Sankt Petersburg. Diese drei Erzählstränge legen sich wie Schlingen um den Kern der Handlung und ziehen sich immer mehr zu, bis am Ende nichts mehr so ist, wie es mal war.

Fazit:
„Engelsgrund“ bildet einen gelungenen Abschluss der Born-Trilogie. Das Ende, das für einige Figuren ein wenig offen bleibt, konnte mich absolut zufriedenstellen.

Die Born-Trilogie:
1. Tannenstein
2. Finsterthal
3. Engelsgrund

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Spannender Auftakt einer schwedischen Krimi-Reihe

Der andere Sohn von Peter Mohlin; Peter Nyström


Spannender Auftakt einer schwedischen Krimi-Reihe

Inhalt:
2019. John Adderley, Mitte dreißig, ist als verdeckter Ermittler des FBI aufgeflogen. Er wird ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen und erhält eine neue Identität. Damit zieht es ihn in seine Heimat Schweden zurück, wo sein Halbbruder Billy unter Mordverdacht steht.

Zehn Jahre zuvor ist die 19-jährige Emelie, die Tochter einer reichen Unternehmerfamilie, spurlos verschwunden. Indizien brachten Billy damit in Verbindung. Doch er beteuerte seine Unschuld und tut dies immer noch, jetzt wo der Fall von einer neuen Cold-Case-Einheit der Polizei wieder aufgerollt wird.

Meine Meinung:
Das Autorenduo Mohlin/Nyström hat hier eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Die beiden schreiben sehr fesselnd und flüssig. Die Handlung ist äußerst spannend, fast schon ein Thriller. Auch der Aufbau der Geschichte hat mir zugesagt. Zunächst wechseln sich die Kapitel mit Johns Perspektive 2019 und Heimers (Emelies Vater) Perspektive 2009 ab. Sobald John in Schweden angekommen ist, spielt der Roman nur noch in der Gegenwart.

John ist Teil der Cold-Case-Einheit und sich bewusst, dass man ihn sofort von den Ermittlungen abziehen würde, wenn seine Verwandtschaft zu Billy herauskommt. Das nächste Problem besteht darin, dass er sich seiner Familie eigentlich nicht nähern darf, um nicht die Aufmerksamkeit seiner amerikanischen Verfolger auf sich zu ziehen. Und schließlich leidet er von Zeit zu Zeit unter schweren Panikattacken. Diese Punkte sorgen für viel Spannung; einiges daran wirkt aber auch nicht wirklich glaubhaft bzw. nervt, weil sich der ein oder andere diesbezüglich einfach dumm verhält.

Akribisch arbeitet sich John in dem Fall voran, immer auf der Suche nach der Wahrheit, die im günstigsten Fall seinen Halbbruder entlasten wird. Andererseits hat John auch keine Skrupel, Billy ans Messer zu liefern, sollte er von seiner Schuld überzeugt sein. Das lässt ihn mal sympathisch, mal aber auch kalt erscheinen. Es ergeben sich sehr viele Spuren, denen nachgegangen werden muss. Dabei taucht natürlich auch eine Anzahl Verdächtiger auf, denen man den Mord an Emelie zutrauen würde. Für mich war der tatsächliche Täter dann eine große Überraschung.

Am Ende ist der Fall gelöst. Ein kleiner Cliffhanger macht neugierig auf den nächsten Band der Reihe.

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Tragikomische Unterhaltung

Sprich mit mir von T. C. Boyle

Tragikomische Unterhaltung

Inhalt:
Professor Guy Schemerhorn forscht an einem Schimpansen, Sam. Seit Sam ein Baby war, wurde er von Schemerhorn wie ein menschliches Kind im Haushalt aufgezogen. Im Alter von zwei Jahren kann er per Gebärdensprache schon viele Dinge ausdrücken und versteht noch mehr.

Als die schüchterne Studentin Aimee zu Sams Betreuungsteam stößt, ist sie von Sam hin und weg - und er von ihr. Fortan ist sie seine wichtigste Bezugsperson, und sie blüht mit dieser Aufgabe regelrecht auf. Doch dann werden die Forschungsgelder gestrichen, und Sam wird Aimee weggenommen und landet in einem Käfig. Das kann Aimee natürlich nicht zulassen …

Meine Meinung:
Ist die Geschichte zu Anfang noch recht witzig, weil Sam sich ganz ähnlich wie ein menschliches Kleinkind verhält, süß aussieht und sich herzzerreißend benehmen kann, aber auch alle möglichen Streiche und Unfug im Sinn hat, Umarmungen und Küsschen einfordert und sich tierisch für Pizza und Cola begeistern kann, schlägt sie später um und gewinnt immer mehr an Tragik. Fesselnd und spannend ist sie aber von vorne bis hinten. Sowohl die Verhaltensweisen von Sam als auch seiner menschlichen Betreuer lassen sich gut nachvollziehen. Nur gegen Ende gibt es eine Szene, die ich persönlich zu kitschig fand.

Immer wieder wird hier die Frage aufgebracht, ob Tiere Gefühle haben, ob sie vorausschauend handeln können und vieles mehr. Doch das ist nach dem heutigen Stand der Forschung ja eigentlich keine Frage mehr. Insofern bietet dieser Roman nichts Neues. Trotzdem ist er sehr lesenswert, denn kaum jemand gibt der Leserschaft so eindrücklichen Einblick in das Innenleben eines Tieres wie es T. C. Boyle hier tut. Anfangs wird die Story aus Aimees Perspektive erzählt, doch später kommt auch Sams Sicht hinzu. Spätestens, wenn man mit ansehen muss, wie er in seinem KÄFIG hockt und ANGST vor dem GROSSEN MANN mit dem Stachel hat, wie er die KÄLTE des Betons unter sich spürt und wie die SCHEIS.E stinkt, weil sie nur gelegentlich mit WASSER weggespült wird, ist wohl jede*r betroffen von der Art, wie mit Tieren umgegangen wird. Und hier stellt sich dann die Frage: Was macht das Menschsein aus? Wer verhält sich menschlicher, ein grausamer Mensch oder ein mitfühlendes Tier?

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Eine sehr eigenwillige Queen

Das Windsor-Komplott von Bennett S J

Eine sehr eigenwillige Queen

Inhalt:
Nach einer Abendgesellschaft mit Übernachtung auf Windsor Castle wird der junge russische Pianist tot in seinem Zimmer aufgefunden. Was zunächst wie ein Sexunfall aussieht, entpuppt sich dann doch ganz schnell als Mord und verhagelt der Queen die Laune. MI5 und Polizei wittern sofort eine Attacke der Russen.

Doch die Intuition der Queen weist in eine andere Richtung. So schickt sie ihre nigerianische stellvertretende Privatsekretärin Rozie sowie weitere Freunde aus, um die richtigen Fragen zu stellen, damit sie aus den Antworten die richtigen Schlüsse ziehen kann.

Meine Meinung:
Mir gefiel die Idee einer kriminalisierenden Queen Elizabeth sehr gut, zumal das etwas ist, was ich mit der echten Queen nie in Verbindung bringen würde. Witzigerweise habe ich mein Bild der echten Queen während des Lesens immer mehr der Romanfigur angepasst - ganz so abwegig ist das schließlich gar nicht, denn einige Eigenschaften wirken schon sehr realistisch. Lilibeth wird hier als sehr sympathische und äußerst freundliche alte Dame (es ist kurz vor ihrem 90. Geburtstag) dargestellt, die sich kein X für U vormachen lässt und messerscharfe Schlüsse zieht. Wie sie mit ihren Bediensteten und vor allem mit ihrem Gatten Philip umgeht, ist schon recht amüsant. Zuweilen blitzt der berühmte trockene britische Humor vor - ich hätte mir aber noch viel mehr davon gewünscht. Denn über weite Strecken ist die Geschichte auch eine recht trocken erzählte Angelegenheit.

Der Kriminalfall an sich konnte mich nicht wirklich begeistern. Er wirkt zu konstruiert, und als Leser*in hat man auch kaum eine Chance, dem Täter auf die Spur zu kommen, weil die Queen viele Ermittlungsergebnisse geheim hält. So läuft der Kriminalfall eher im Hintergrund, während im Vordergrund die Queen und auch Rozie ihre großen Auftritte haben.

Fazit:
Dieser Roman lebt von seinen außergewöhnlichen Figuren, die man sich lebhaft vorstellen kann und die auch immer mal wieder Anlass zum Schmunzeln geben. Aber der Kriminalfall konnte mich nicht überzeugen. Da geht definitiv noch mehr.

„Das Windsor-Komplott“ ist der Auftaktband einer Reihe. Der 2. Band erscheint voraussichtlich im Januar 2022 auf Deutsch.

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Großartige Fortsetzung

Finsterthal von Geschke Linus

Großartige Fortsetzung

Inhalt:
Der Ex-Polizist Alexander Born wird von seinem russischen Freund Dimitri gebeten, nach einem entführten Mädchen zu suchen. Das Prekäre dabei: Alice ist bereits die zweite Jugendliche, die entführt wurde. Die erste wurde trotz Lösegeldzahlung ermordet aufgefunden.

Zusammen mit seiner ehemaligen Kollegin Carla Diaz macht sich Born auf die Suche nach dem Entführer. Wieder einmal weisen die Spuren zu Andrej Kolkow, der in der russischen Mafia einen hohen Rang hat.

Meine Meinung:
Wie schon „Tannenstein“ ist auch „Finsterthal“ wieder sehr spannend geschrieben, und das, obwohl man als Leser*in dem Ermittler manchmal einen Schritt voraus ist. Mir gefiel dieser Band sogar noch besser als der erste. Die Figur des Alexander Born war für mich hier besser nachvollziehbar, da nicht so kalt und brutal wie in „Tannenstein“.

Verschiedene Perspektiven ergeben ein umfassendes Bild der Geschehnisse. Dabei wird der Hauptteil aus Borns Sicht erzählt, aber auch Andrejs Handlungsfaden nimmt einen großen Raum ein. Und dann ist da noch der sogenannte „Dunkle“. Auch ihn begleiten wir von Zeit zu Zeit und versuchen herauszufinden, was ihn antreibt. Geschickt verwebt Linus Geschke die einzelnen Fäden miteinander.

Es gibt erschreckend viele Tote und viele Menschen in Gefahr. Das Erzähltempo ist hoch, und das ist gut so, denn man will einfach nur wissen, wie es ausgeht, wer überlebt, wer geschnappt wird und wer vielleicht noch einmal davonkommt.

Auf das Finale in „Engelsgrund“ darf man gespannt sein.

Die Born-Trilogie:
1. Tannenstein
2. Finsterthal
3. Engelsgrund

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Fesselnder Thriller mit offenen Fragen

Der Mädchenwald von Sam Lloyd


Fesselnder Thriller mit offenen Fragen

Inhalt:
Die dreizehnjährige Elissa wird entführt und in einem unterirdischen Raum gefangen gehalten. Heimlich besucht Elijah sie. Elissa versucht ihn als Freund zu gewinnen, damit er ihr bei der Flucht hilft. Doch Elijah hat eigene Pläne …

Meine Meinung:
Bereits nach wenigen Seiten hatte mich dieser Thriller gepackt.

Ich konnte seinem Sog nicht widerstehen.

Erzählt wird aus drei verschiedenen Perspektiven, in der 3. Person aus Elissas Sicht und aus der der Ermittlerin Mairéad MacCullagh, in der 1. Person aus Elijahs Sicht, die auch den größten Anteil ausmacht. Diese Aufteilung fand ich gut gelungen, erfährt man so doch umfassend etwas von den Geschehnissen.

Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Thriller auf dem Entführungsopfer Elissa und dem „Besucher“ Elijah, die beide unter der Situation leiden und irgendwie nach einem Ausweg suchen. Elissa erweist sich hier als sehr clever und hoch intelligent. Ihr Weitblick und ihre psychischen Manipulationen sind bewundernswert für ihr jugendliches Alter. Dagegen wirkt Elijah eher verwirrt, hat zuweilen aber auch seine hellen Momente und lässt sich nicht ganz so leicht für Elissas Ziele einspannen, wie die sich das wünscht. Es ist ein emotionales Hin und Her. Mal empfindet man Sympathie mit Elijah, dann wieder Abscheu.

Durch ultrakurze Kapitel entsteht ein hohes Tempo. Ich war voll und ganz in der Geschichte gefangen und ertappte mich zuweilen, wie mein Herz raste, obwohl gerade gar nichts Schlimmes passierte. So flog ich geradezu durch die Seiten, die sich fast schon von selbst umblätterten. Es war durchweg spannend und gespickt mit überraschenden Wendungen und ich war mir sicher, 5 Sterne vergeben zu können. Doch dann war das Buch irgendwann zu Ende und ich hatte noch viele offene Fragen, die zwar für die Story nicht ganz essenziell sind, auf die ich aber doch gerne noch eine Antwort gehabt hätte. So war ich am Schluss dann ein wenig enttäuscht.

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Fesselnder Thriller mit offenen Fragen