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Rezensionen von Lilli33:

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Faszinierende Weiterführung von "Der Circle“

Every (deutsche Ausgabe) von Dave Eggers

Faszinierende Weiterführung von "Der Circle“

Inhalt:
Das weltweit beliebteste Unternehmen, der Circle, wurde mit dem größten Onlineshop, dem dschungel, zusammengeführt und nimmt als „Every“ eine überragende Vormachtstellung ein. Every mischt praktisch in allen Belangen des täglichen Lebens mit und überwacht und beeinflusst alles.

Delaney Wells will sich gegen Every wehren und versucht, das Unternehmen von innen heraus zu zerschlagen. Doch je abstrusere Ideen sie vorbringt und Every unterjubelt, umso mehr wird deutlich, dass die Menschen anscheinend ganz zufrieden damit sind, wenn ihr Leben transparent gemacht wird und ihnen alle Freiheiten genommen werden.

Meine Meinung:
Wie schon „Der Circle“ konnte mich auch „Every“ unheimlich fesseln. Das Szenario erscheint so realistisch, dass einem bange wird. Es wirkt zwar alles sehr übertrieben, aber trotz allem nicht unbedingt weit von unserer Wirklichkeit entfernt. Der gläserne Mensch steht vor der Tür; von totaler Überwachung und Entmündigung sind wir nur noch einen Schritt entfernt.

Dabei bietet dieser Roman nur wenig Überraschung. Die Ähnlichkeit zu „Der Circle“ ist unübersehbar, nur eben auf einer anderen Stufe, umfassender, dafür nicht so tiefgründig. Vorkenntnisse braucht man übrigens nicht unbedingt. Man kann dieses Buch auch ohne gut nachvollziehen.

Mit seiner Satire brachte Dave Eggers mich vor allem in der ersten Hälfte des Buches immer wieder zum Schmunzeln, dann wird das Ganze immer ernster und tragischer, kann jedoch aufgrund des einfachen, aber nicht trivialen Schreibstils und der absurd erscheinenden Handlung und witzigen Dialoge bis zum Schluss gut unterhalten.

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Faszinierende Weiterführung von "Der Circle“
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Kent Haruf eben

Ein Sohn der Stadt von Kent Haruf

Kent Haruf eben

Inhalt:
In seiner Jugend wurde Jack Burdette von allen bewundert und geliebt. Doch nach seinem unrühmlichen Verschwinden vor acht Jahren denken die Einwohner der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado nur noch an Vergeltung. Kein Wunder, dass nicht alles glatt läuft, als Jack nun plötzlich wieder auftaucht.

Meine Meinung:
„Ein Sohn der Stadt“ ist Kent Harufs erster Roman, der wie die anderen in Holt spielt. Nun wurde er auch auf Deutsch übersetzt - im Original erschien er bereits vor vielen Jahren.

Der Schreibstil ist eher nüchtern und einfach. Dies passt aber sehr gut, denn erzählt wird die Story von Pat Arbuckle, dem Herausgeber der örtlichen Zeitung „Holt Mercury“, der stark in die Geschichte verwickelt ist, denn in seiner Jugend waren er und Jack beste Freunde.

In Rückblicken wird die Jugend von Jack und Pat aufgerollt. So kann man gut mit verfolgen, warum sich Jack so entwickelte und ein Stück weit Verständnis aufbringen. Überhaupt sind die verschiedenen Figuren gut gezeichnet. Sie wirken authentisch und wirklichkeitsnah. Die Atmosphäre in dem Städtchen Holt ist gut greif- und vorstellbar.

Mit dem Schluss, der recht offen gehalten ist, bin ich nicht ganz glücklich, wenngleich gerade dieser Ausgang sehr realistisch wirkt.

Ich mochte diesen Roman von Kent Haruf sehr gerne, auch wenn er nicht so tiefgründig und gefühlvoll wie „Die Seelen der Nacht“ ist.

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Kent Haruf eben
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Wieder sehr spannend

Die Früchte, die man erntet von Michael Hjorth; Hans Rosenfeldt

Wieder sehr spannend

Inhalt:
Die Reichsmordkommission wird nach Karlshamn gerufen. Hier scheint ein Heckenschütze sein Unwesen zu treiben.

Um Sebastian Bergman ist es ruhig geworden, seit er Großvater ist. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Psychotherapeut, seine Beziehung zu Ursula gibt ihm Halt.

Billy kämpft immer noch mit dem Bösen. Seit er einmal getötet hat, ist er süchtig danach. Kann das auf Dauer gutgehen?

Meine Meinung:
Dies ist bereits der 7. Band dieser Reihe. Bei den ersten sechs Teilen würde ich sagen, dass man sie auch gut einzeln lesen kann, für den neuesten halte ich Vorkenntnisse jedoch für besser, wenn auch nicht für zwingend notwendig. Die bisherigen Ereignisse und das Beziehungsgeflecht der Rahmenhandlung spielen einfach eine sehr große Rolle.

Die Story besteht grob gesagt aus drei verschiedenen Handlungssträngen, die aber nur marginal ineinandergreifen. Sie sind eher in Reihe angeordnet, was ich ein bisschen seltsam fand. Sebastian Bergman spielt im ersten Teil, den Ermittlungen zum Heckenschützen, praktisch keine Rolle, ebenso wenig wie Billys Problem. Beide kommen erst dann richtig ins Spiel, als die Morde aufgeklärt sind. Dabei ist Sebastian kaum wieder zu erkennen. Das egozentrische Ekel, das er immer war, ist in der Schublade verschwunden. Stattdessen ist er zum treu sorgenden Großvater mutiert. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber nicht wirklich schlecht.

Torkel ist pensioniert, Vanja hat die Leitung der Reichsmordkommission übernommen und schwer an ihrem ersten Fall zu knabbern. Carlos, der Neue im Team, macht sich sehr gut. Gekonnt lässt das Autorenduo uns in die Köpfe der Protagonist*innen blicken und dabei ihre Gedanken und Handlungsweisen nachvollziehen. Alles erscheint plausibel und logisch.

Ich empfand das Buch über die ganze Länge als recht spannend und wurde wirklich gut unterhalten. Immer mehr der in der Vergangenheit begonnen Handlungsfäden werden aufgelöst. Fast hatte ich schon den Eindruck, dass die Autoren auf das Ende der Reihe hin arbeiten, aber nein, am Schluss gibt es noch zwei kleine Cliffhanger, die darauf hinweisen, dass es weitergeht. Ich freu mich auf jeden Fall darauf.

Die Reihe:
1. Der Mann, der kein Mörder war
2. Die Frauen, die er kannte
3. Die Toten, die niemand vermisst
4. Das Mädchen, das verstummte
5. Die Menschen, die es nicht verdienen
6. Die Opfer, die man bringt
7. Die Früchte, die man erntet

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Ein großartiges Buch, das einen vieles mit anderen Augen sehen lässt

Blut und Schokolade von Peer Martin


Ein großartiges Buch, das einen vieles mit anderen Augen sehen lässt

Inhalt:
Manals Mutter stammt aus Côte d’Ivoire, ihr Vater aus Deutschland. Nach dem Abitur reist die junge Frau nach Afrika, um einen Teil ihrer Wurzeln zu entdecken. Was sie aber zunächst findet, ist eine Kakaoplantage, auf der unmenschliche Zustände herrschen, verschleppte Kinder, die sich vor der Freiheit fürchten, und Issa, einen jungen Mann, der sich freiwillig in die Höhle des Löwen begeben hat, um seinen kleinen Bruder Yaya zu befreien.

Manal beschließt zu helfen und gerät dabei in höchste Gefahr …

Meine Meinung:
Peer Martin fasziniert mich immer wieder mit seinem eindringlichen, blumigen Schreibstil mit vielen fantasievollen Vergleichen, die mir oft ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Doch er weiß nicht nur, wie man Geschichten grandios erzählt, sondern auch, welche sich zu lesen lohnen. Geschichten mit Mehrwert. Geschichten, die einen zum Nachdenken und zum Umdenken bringen. Geschichten, die einem unliebsame Wahrheiten zeigen. Geschichten, die zwar nicht wahr sind, es aber sein könnten.

„Blut und Schokolade“ ist eine Geschichte, die vielleicht, hoffentlich, deine Einstellung zu billiger Schokolade ändern wird.

Gut verpackt in eine super spannende und absolut emotionale Story bringt der Autor grausame Details der Kakaogewinnung ans Licht. Er erzählt von der Ausbeutung der Kinder, ihren fürchterlichen Lebensbedingungen, von den Auswirkungen auf die Umwelt, von der Preisbildung bei Schokolade und dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Man muss sich einfach überlegen, was man als Einzelne/r tun kann, um diese Missstände zu stoppen.

Es wird abwechselnd aus Issas und Manals Perspektive erzählt. Dadurch kann man in das Leben der beiden tief eintauchen und die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und nachvollziehen. Das Lesen fällt einem leicht, denn diese beiden (und auch die anderen) Figuren sind wirklich klasse. Sie wirken so lebendig und realistisch. Beide sind sehr starke Persönlichkeiten mit einem unbändigen Willen, den sie durchzusetzen verstehen. Beide wollen helfen, beide wollen Gerechtigkeit. Beide verlieben sich …

Die detailliert beschriebenen Grausamkeiten ließen mich beim Lesen zusammenzucken, rasante Verfolgungsjagden den Atem anhalten. Es ist wahrlich keine leichte Kost, auch wenn einen zwischendurch wunderbar gefühlvolle Szenen wieder durchatmen lassen. Doch vor allem macht dieses Buch Mut für eine Veränderung, denn die Protagonisten lassen sich nicht unterkriegen. Genau wie sie sollten wir alle uns an die Seite der ausgebeuteten Kinder auf der ganzen Welt stellen.

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Ein großartiges Buch, das einen vieles mit anderen Augen sehen lässt
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Spannend, aber mit kleinen Längen

Am Ende des Zorns von Wolfgang Burger

Spannend, aber mit kleinen Längen

Inhalt:
Es ist kurz vor Weihnachten, als der Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach die kleine Taschendiebin Marie kennenlernt. Da das Mädchen nicht sagen will, wo es wohnt, nimmt Gerlach es kurzerhand zu sich nach Hause. Bald muss er feststellen, dass der unbekannte Tote vom Heddesheimer Baggersee Maries Vater ist.

Meine Meinung:
Auch der 18. Band dieser Reihe hat mir gut gefallen. Ich habe bisher alle Bände gelesen, möchte aber behaupten, dass man dieses Buch auch einzeln lesen kann, da der Fall in sich abgeschlossen ist. Was man zu den in den einzelnen Bänden wiederkehrenden Personen und Umständen wissen muss, wird hier noch einmal kurz erwähnt, sodass auch Quereinsteiger keine Probleme haben sollten.

Als jemand, die die Heidelberger Gegend kennt, sind die Krimis von Wolfgang Burger für mich natürlich besonders schön zu lesen, weil sich vor meinem inneren Auge sofort ein Bild der Gegebenheiten einstellt. Aber auch alle anderen dürften mit den Ortsangaben und Beschreibungen gut zurechtkommen. Alles Notwendige wird vom Autor gesagt.

Die Geschichte entwickelt sich recht spannend und komplex. Es wird ein Netz von echten und falschen Fährten aufgebaut. Als Leser*in kann man gut miträtseln und kombinieren. Dabei ist die Handlung kaum vorhersehbar.

Ziemlich unrealistisch empfand ich die Tatsache, dass Gerlach seine achtzehnjährige Tochter Sarah in die Ermittlungen einbezieht. Das geht einfach nicht. Und auf einige Wiederholungen hätte ich auch gut verzichten können. Zum Beispiel wird immer wieder Maries immer gleiches Verhalten und Gerlachs schlechtes Gewissen Theresa gegenüber erwähnt. Da hätten es ein paar Wiederholungen weniger auch getan. ;-)

Fazit:
Wieder ein gelungener Band der Alexander-Gerlach-Reihe, nicht ganz so rasant wie der letzte, aber es ist ja schließlich auch besinnliche Weihnachtszeit.

Die Reihe:
1. Heidelberger Requiem
2. Heidelberger Lügen
3. Heidelberger Wut
4. Schwarzes Fieber
5. Echo einer Nacht
6. Eiskaltes Schweigen
7. Der fünfte Mörder
8. Die falsche Frau
9. Das vergessene Mädchen
10. Die dunkle Villa
11. Tödliche Geliebte
12. Drei Tage im Mai
13. Schlaf, Engelchen, schlaf
14. Die linke Hand des Bösen
15. Wen der Tod betrügt
16. Wenn Rache nicht genügt
17. Der sanfte Hauch des Todes
18. Am Ende des Zorns

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Zu viel gewollt

Game Changer - Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, alles falsch zu machen von Neal Shusterman


Zu viel gewollt

Inhalt:
Ash ist ein begeisterter Footballspieler an seiner Highschool, und genau das wird ihm zum Verhängnis. Durch einen gewaltigen Stoß landet er in einer Parallelwelt, in der einiges ein bisschen anders ist als in seiner Ursprungswelt - vieles davon schlechter. Ash wird fortan von einer Welt in die nächste katapultiert.

Er lernt schließlich, wie er bewusst in eine neue Welt eintauchen kann, immer in der Hoffnung, dass sie besser ist als die vorherige.

Meine Meinung:
Keine Frage, Neal Shusterman schreibt toll! Und die Themen, die hier angesprochen werden, sind immens wichtig. Aber meiner Meinung nach hat der Autor einfach zu viel gewollt und dabei die Geschichte aus den Augen verloren. So muss sich Ash mit Rassismus, verschiedenen Facetten von LGBTQ*, Frauenfeindlichkeit, unguten Beziehungen, Familienproblemen und vielem mehr herumschlagen. Das sind alles sehr wichtige Themen, die durchaus in einem Jugendbuch gut untergebracht sind, aber durch ihre Vielzahl steht dem einzelnen hier nur ein begrenzter Raum zu, der eine ausreichende Tiefe nicht zulässt. Das fand ich sehr schade.

Die Idee, Ash durch verschiedene Parallelwelten reisen zu lassen, war hingegen klasse. Allerdings wurde mir bis zum Schluss nicht wirklich klar, wie das genau vonstatten ging. Hier wären einige weitere Erklärungen schön gewesen.

Und noch etwas, das mich persönlich nicht ansprechen konnte: Football. Die vielen Passagen, die sich um Football drehten, zogen die Handlung unschön in die Länge. Außerdem störte mich der erhobene Zeigefinger, der ganz deutlich und unübersehbar aus der Geschichte heraussticht.

Fazit:
Die Themen, die hier zur Sprache kommen, sind extrem wichtig, auf den erhobenen Zeigefinger hätte ich aber gut verzichten können. Es ist zwar keine verschwendete Lesezeit, aber es gibt bessere Bücher zu diesen Themen und auch bessere von diesem Autor.

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Witzig, spannend und phantastisch

Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann von Kerstin Gier

Witzig, spannend und phantastisch

Inhalt:
Quinn ist ein sportlicher Junge, gut aussehend und allseits beliebt. Sein Leben bekommt einen Sprung, als ein blauhaariges Mädchen auftaucht und Quinn einen Unfall erleidet, der ihn in den Rollstuhl bringt. Zudem entwickelt Quinn magische Fähigkeiten und allerlei Wesen mischen sich in sein Leben ein.

Matilda wohnt gegenüber von Quinn und ist seit Jahren heimlich in ihn verknallt. Er hat sie bislang leider nicht wahrgenommen, sondern sie stets mit ihrer ekligen Cousine Louise verwechselt. Doch im Rollstuhl braucht Quinn Hilfe und Matilda ist zur Stelle …

Meine Meinung:
Dieses Buch ist definitiv mehr für junge Leserinnen geeignet als für Erwachsene. Ich würde es ab ca. 12 Jahren empfehlen. Aber auch ich habe mich immer wieder köstlich amüsiert. Allerdings war mir die Story etwas zu klischeelastig. Doch der Schreibstil von Kerstin Gier macht das zum großen Teil wieder wett.

Die Autorin entführt uns in eine Zwischenwelt mit den unterschiedlichsten Wesen, mit denen Quinn es tun bekommt. Doch welche sind gut und welche böse? Das lässt sich nicht auf Anhieb sagen. Jeder scheint hier sein eigenes Ziel mit dem Jungen zu verfolgen, denn schließlich gibt es da eine Prophezeiung …

Die Kapitel wechseln zwischen Quinns und Matildas Ich-Perspektive. Das fand ich sehr gelungen. So lernt man diese beiden Charaktere sehr gut kennen. Matilda mochte ich von Anfang an, Quinn muss sich dagegen erst noch entwickeln, damit man ihn von Herzen mögen kann. Aber das passiert zum Glück schon bald. Ich liebte es, mit den beiden durch ein phantastisches Abenteuer zu schlendern und zu rätseln, wer was warum im Sinn hat.

Einen recht großen Raum nimmt die Beziehungskiste zwischen Quinn und Matilda ein. Es gefiel mir gut, dass sich alles allmählich und nachvollziehbar entwickelt und nicht von jetzt auf gleich, was nur unglaubwürdig gewesen wäre.

Besonders toll fand ich die humorvollen Ansätze, die frechen Dialoge, die vor allem Matilda mit diversen Figuren führt, die Fettnäpfchen, in die immer wieder jemand tritt, die (Selbst-) Ironie und den Sarkasmus, der von Zeit zu Zeit hervorblitzt. Aufgrund dieser lockerleichten Schreibweise habe ich das Buch geradezu verschlungen und wurde gegen Ende noch mit einer Menge Action belohnt. Doch dann brach die Erzählung ziemlich abrupt ab, ohne dass etwas Wesentliches geklärt wäre. Hier wird die Leserschaft auf die folgenden Bände vertröstet, was mir den bis dahin sehr großen Lesespaß leider doch etwas vergällt hat.

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Hochaktuell und sehr fesselnd

Reality Show von Anne Freytag

Hochaktuell und sehr fesselnd

Inhalt:
Es ist Heiligabend. Die Menschen haben sich mit ihren Familien zu Hause versammelt. Doch der Abend wird für die meisten ganz anders verlaufen als geplant. Eine Gruppe von jungen Leuten hat die Ungerechtigkeit des Systems satt und die Top Ten der mächtigsten und reichsten Personen in ihren jeweiligen Häusern als Geiseln genommen.

In einer Fernsehshow, die auf allen Kanälen läuft, werden ihre Verbrechen dargestellt und die Zuschauer sollen als Richter über Schuld oder Unschuld sowie über die Bestrafung abstimmen.

Meine Meinung:
Was für ein geniales Buch! Anne Freytag greift hier einige hochaktuelle Themen auf, prangert Missstände an und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Es geht um den Rechtsruck in der Politik, Umweltverschmutzung, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, Datenverkauf und vieles mehr. Und um die wenigen Personen, die daraus ihren Reichtum beziehen - auf Kosten der anderen. Meistens ist das nach deutschem Recht sogar legal, aber ist es auch moralisch vertretbar? Und welche Mitschuld haben wir Verbraucher, indem wir zum Beispiel entsprechende Produkte kaufen?

Sehr geschickt bringt die Autorin ihre Leserschaft dazu, sich auf die Seite der Geiselnehmer zu schlagen. Man kann ihre Gründe für die Tat super nachvollziehen und verstehen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von ganz verschiedenen Leuten, die mehr oder weniger zufällig aufeinander getroffen sind. So findet sicher jeder Leser und jede Leserin jemanden, mit dem er/sie etwas anfangen kann.

Obwohl es etliche Orte gibt, an denen die Handlung parallel stattfindet und wirklich eine Menge Personen vorkommen, hatte ich absolut keine Probleme, mich zurechtzufinden. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit, als der Plan zu dieser Reality Show langsam, aber sicher Formen annimmt, fügen sich wunderbar in die Erzählung ein.

Mir gefiel besonders, dass so viele verschiedene Personen zu Wort kommen. Da sind zum einen die Geiselnehmer, zum anderen die „Opfer“. Aber auch über die Ansichten verschiedener Fernsehzuschauer erfährt man einiges. Manche weigern sich, an den Abstimmungen teilzunehmen, andere sind mit Feuereifer dabei. Man stellt sich beim Lesen unweigerlich die Frage, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde. Würde man zuschauen oder abschalten? Würde man mit abstimmen (immerhin gibt es tolle Preise zu gewinnen!) oder würde man sich lieber raushalten?

Anne Freytag liefert mit diesem hochaktuellen Roman wirklich fesselnden Lesestoff, der einen zum Nachdenken bringt. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Nicht schlecht, aber auch nicht gut

Das Glashotel von Emily St. John Mandel

Nicht schlecht, aber auch nicht gut

Inhalt:
Vincent wuchs an einem sehr entlegenen Ort auf. Nachdem ihre Mutter verschwand (ertrank?), hält nichts mehr das junge Mädchen. Sie bricht die Schule ab und zieht aus, kommt wieder zurück, um im ortsansässigen Hotel zu arbeiten, lernt den Hotelbesitzer Alkaitis kennen, dessen Frau sie fortan spielt, frei von allen Geldsorgen.

Als Alkaitis als Betrüger überführt wird, nimmt Vincents Leben erneut eine Wendung.

Ihr Halbbruder Paul tut sich noch schwerer. Immer wieder bleibt er an Drogen hängen, bekommt als Musiker lange Zeit keinen Fuß auf den Boden.

Meine Meinung:
Selten war ich bei einem Roman so zwiegespalten wie hier. Einerseits habe ich das Buch gerne gelesen. Es konnte mich auf eine ganz eigene Art fesseln. Andererseits frage ich mich nach Beendigen der Lektüre, was die Autorin mir eigentlich sagen will.

Hat man zu Beginn noch den Eindruck, dass es hier um die Halbgeschwister Vincent und Paul geht, richtet sich der Fokus bald auf den Finanzhai Alkaitis, wirbelt aber auch über zig diverse andere Personen, die zu Wort kommen, wobei mir zuweilen nicht einmal klar wurde, wer der aktuelle Ich-Erzähler gerade ist.

Die Erzählung springt wild zwischen Gegenwart und verschiedenen Jahren in der Vergangenheit sowie zwischen verschiedenen Protagonist’innen hin und her. Durch das Springen in der Zeit werden spannende Elemente schon zu früh aufgelöst, was der Geschichte etwas von ihrem Reiz nimmt. Dabei bekommt die Leserschaft manchmal nur kurze Fragmente vorgesetzt. Es fehlt an Kontinuität und einer klaren Aussage. Das Ganze wirkt mehr wie ein Blitzlichtgewitter, das einzelne Szenen beleuchtet, andere aber im Dunkeln lässt.

Sprachlich konnte Emily St. John Mandel mich berühren, inhaltlich leider weniger.

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Roman mit Krimielementen

Der Sucher von Tana French

Roman mit Krimielementen

Inhalt:
Cal Hooper hat jahrzehntelang als Cop in Chicago gearbeitet. Nun steckt er in der Krise, weiß nicht mehr, war richtig und was falsch ist. Um zu sich selbst zu finden, hat er sich in den Westen Irlands verzogen, wo er inmitten der gewaltigen Natur ein altes Farmhaus gekauft hat.

Im Dorf wird er freundlich aufgenommen, doch bald hat er das Gefühl, beobachtet zu werden …

Meine Meinung:
Tana French schreibt in der Regel sehr fesselnde Romane, in denen es unter anderem auch um Verbrechen geht. So auch in ihrem neuesten Werk. Nur leider dauert es in diesem Buch sehr lange, bis überhaupt der Hauch eines Verbrechens aufkommt. Da ist die Hälfte der Seiten schon durchgeblättert, bis es so weit ist. Dafür kann man sich ein gutes Bild von den Protagonisten machen, dem Ex-Cop Cal, seinem alten Nachbarn Mart und dem Teenager Trey.

Das Zusammenspiel von Cal und Mart, ihre Dialoge, über die man oft schmunzeln muss, obwohl sie gar nicht so witzig gemeint sind, haben mir gut gefallen. Auch Trey ist eine sehr interessante und schillernde Figur. Vor meinem inneren Auge erwachten diese drei und auch alle anderen Charaktere förmlich zum Leben, so plastisch sind Tana Frenchs Beschreibungen. Auch die Landschaftsschilderungen sind eindringlich und wirklich passend. Wer Irland kennt, wird es in den Beschreibungen wiederfinden. Und wer es nicht kennt, wird den Wunsch bekommen, diese raue Schönheit in natura zu sehen.

Im Großen und Ganzen fand ich den Roman sehr gut. Doch hätte ich mir noch mehr Spannung gewünscht. Zeitweise geht die Handlung einfach nicht richtig voran. Etwas mehr Tempo hätte dem Buch gutgetan.

Insgesamt hat mir der neue Roman von Tana French aber ein paar schöne Lesestunden beschert. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, runde aber gerne wohlwollend auf.

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