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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Zwischen Rosenblüten und Träumen
Wie Träume im Sommerwind von Katharina Herzog
Seit Autorin Katharina Herzog letztes Jahr Rosenbilder auf ihren Social Media Accounts gezeigt hat, war ich gespannt auf ihren neuen Roman. Ich mag Pflanzen und Düfte und Herzogs Romane - da kann doch nichts schief gehen. Das tat es auch nicht - oder höchstens bei Protagonistin Emilia und ihrer Schwester Clara in "Wie Träume im Sommerwind".
Träume hatte Emilia einige - doch die gingen nicht in Erfüllung. Ihrer Familie hat sie bisher nichts erzählt. Träume hatte auch Clara - vor vielen Jahren. Doch nun, nach einem Unfall, liegt sie schwer verletzt im Koma, weswegen Emilia aus Paris nach Usedeom, nach Hause, zurückkehrt.
Wie es aussieht hat nicht nur Emilia ein Geheimnis, sondern auch Clara. Sie wollte nach Kent reisen, um neue Rosen für die Gärtnerei einzukaufen. Doch nicht mal ihre Eltern wussten davon. Kurz entschlossen fährt Emilia an Claras Stelle hin und nimmt deren Tochter Lizzy mit. Lizzy ist froh um ein bisschen Ablenkung, weiss aber nicht, was Emilia alles in England erfahren möchte. Sie bleiben nicht lange allein, denn auch Nachbar Josh stösst hinzu. Gemeinsam kommen sie einer fast unbekannten Duftrose und vielem mehr auf die Spur.
Die Charaktere sind allesamt Sympathieträger, auch wenn Josh, Vater Thees und alle anderen Männer - vor allem jene in England - in der zweiten Reihe stehen, sie kennt man auch am Ende nicht viel mehr als gerade nötig. Über Claras Leben erfährt man einiges in Rückblicken, aber auch hier ist alles wohldosiert. Am meisten weiss man am Ende über Emilia, doch bei ihr hätte ich mich gefreut, mehr über ihre Liebe zu Düften, vor allem in praktischer Sicht, zu erfahren - nicht nur über ihre nicht in Erfüllung gegangenen oder neuen Träume.
Jedenfalls kann man der Autorin nicht vorwerfen, sie hätte ausufernd oder oberflächlich geschrieben. Es war auch einfach zu wenig Platz um mehr zu erzählen. Das wären also ideale Bedingungen für einen zweiten Teil (Katharina, was meinst du dazu?), denn einige Begebenheiten in England könnte man sehr gut weiterspinnen, und natürlich wäre ich auch interessiert daran zu erfahren, wie es Emilia und vor allem Clara in den nächsten zwei Jahren erging - auch was mit Lizzy und Felix wird und und und.
Obwohl die Romantik bei beiden Schwestern ein wenig ins Hintertreffen gerät, unterhält der Roman perfekt und lässt die Zeit vergessen. Wenn das Wetter mitmacht, sollte man den Roman, oder zumindest Teile davon, am besten in einem Rosengarten lesen.
Fazit: Ein tolles Wohlfühlbuch mit sehr schönen Szenen, der einem mit dem Traum zurücklässt, selbst einmal durch den Garten von Sissinghurst Castle zu spazieren.
4 Punkte.
Easy-Reading mit viel Herzwärme
Die Villa an der Riviera von Alexandra Brown
Ich mag Romane, bei denen die Protagonistin in alten Kisten und Schränken wühlt und sich dabei überlegt, wem diese Dinge wohl einst gehört haben, was das für ein Mensch war und welches Schicksal diese Person wohl ereilte.
Genauso ergeht es Grace. Die Miete eines Lagerabteils blieb eine Kundin seit zwei Jahren schuldig - nun soll Grace den Raum auflösen.
Fasziniert von den Dingen, die sie hier sieht, beginnt sie in einem der Tagebücher zu lesen und macht sich auf die Suche nach der Kundin oder allfälliger Hinterbliebenen.
Froh, sich auf diese Weise von ihrer bettlägrigen, äusserst manipulativen Mutter abzulenken, taucht sie immer mehr in die Welt von Constanze di Donato ein.
Bereits der Prolog zeigt, dass Constance, genannt Connie, kein einfaches Leben hatte. Dass sie mit 17 Jahren zu ihrer mürrischen Tante verfrachtet wurde, macht nicht nur Grace, sondern auch die Leserinnen neugierig auf ihre Geschichte.
Diese zu entdecken ist spannend. Seite an Seite mit Grace macht man sich auf und erfährt immer mehr über Connie.
Mit Grace hat man unweigerlich Mitleid. Ihre nicht vor Ort wohnenden und schwer beschäftigten Geschwister sehen nicht, wie Grace sich aufopfert und ausgenutzt wird von ihrer furchtbaren Mutter. Im Gegenteil, Grace bekommt häufig Anrufe, in denen sich ihre Schwester beschwert, dass Grace sich schlecht um die Mutter kümmern würde. Mir wäre schon längst der Kragen geplatzt, doch Grace ist durch ein traumatisches Erlebnis nicht so stark und versucht sich zu arrangieren, was aber immer schwieriger wird.
Zum Glück hat Grace nette Arbeitgeber, Beth und Larry, und einen tollen Nachbarn - so einen wie Jamie sollte jeder in seinem Leben haben. Die drei unterstützen sie privat und bei der Suche nach Connies Geschichte, die Grace schlussendlich mit dem Neffen ihrer Arbeitgeber, Ellis, nach Italien bringt. Grace kann endlich aufatmen und sich selbst wieder finden. Ellis ist eindeutig der Neffe der Cohens, genauso verständig.
"Die Villa an der Riviera" ist das erste auf Deutsch übersetzte Buch von Alex Brown. Sie hat einen angenehmen Schreibstil, man nimmt ihr alles ab. Egal ob die bedrückende Schwere in Grace Zuhause, die staubigen Ecken im Lagerhaus oder der schweisstreibende Aufstieg zur Villa. Wie gerne möchte man sich mit dazu setzen, wenn es im Londoner Büro Tee und Babka gibt oder in Portofino neben Grace das aussergewöhnlich leckere Aprikoseneis probieren.
Es ist ein warmherziger (Liebes-)Roman mit einer tragischen Lebensgeschichte im Hintergrund. Man sollte sich Taschentücher bereit legen, man wird sie spätestens am Ende brauchen.
Fazit: Wenn Alex Brown ihre Geschichten immer so herzerwärmend erzählt, dann würde ich mich auf weitere Übersetzungen sehr freuen.
4 Punkte.
Alte Fälle und neue Morde
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Generell mag ich ja Krimis mit kauzigen ermittelnden Senioren. Deshalb sprach mich "Der Donnerstagsmordclub" auch sofort an.
Elizabeth, Ron, Ibrahim und die neu zum Club gekommene Joyce wühlen sich durch Akten alter ungelöster Fälle, sogenannten Cold Cases. Doch plötzlich haben sie es mit einem ganz aktuellen, sozusagen direkt vor ihrer Haustüre verübten Mord zu tun.
Ob das Opfer wohl derjenige ist, der fest damit rechnet umgebracht zu werden?
Es geht hier um die Machenschaften von einem Bauunternehmer und seinen "Freunden". Direkt neben der Seniorenresidenz soll gebaut werden. Dafür müsste nicht nur ein Bauer sein Land verkaufen, auch der Friedhof eines ehemaligen Klosters soll für das Vorhaben weichen. Widerstand dagegen formiert sich hauptsächlich aus der Residenz, aber auch andere sind dagegen - und auch hier scheint ein alter Fall für den Mord verantwortlich zu sein.
Die Polizei, hauptsächlich vertreten von DCI Chris Hudson und PC Donna de Freitas, wollen sich zu Beginn noch gegen die Einmischung vom Donnerstagsmordclub wehren, doch sie merken schnell, dass sie keine Chance gegen die einfallsreichen und gewieften vier rüstigen Senioren haben. Und bald schon freuen sich Chris und Donna auf die Informationen, mit denen sie versorgt werden.
Richard Osmans Schreibstil ist toll. Er hat einen tollen Humor und erzählt eigentlich brillant.
Aber leider eben auch extrem ausschweifend, was die Sache ungemein in die Länge zieht. So lieb man die Crew gewinnt, so hart ist es, ihnen treu zu bleiben. Die Figuren sind köstlich gezeichnet, teilweise herrlich ironisch beschrieben, so dass man sie sich bildlich vorstellen kann und bei einigen froh ist, ihnen nicht real begegnen zu müssen - Ian zum Beispiel.
Schlussendlich hab ich den 464-seitigen Krimi nur zu Ende gelesen, weil mir der Schreibstil so gut gefiel. Ausserdem wartet der Autor noch mit der einen oder anderen Überraschungen auf, denn praktisch jeder der Beteiligten hat auf die eine oder andere Art und Weise, manchmal sogar wortwörtlich, noch selbst eine Leiche versteckt - alles also sehr geheimnisvoll.
Fazit: Alte Fälle und neue Morde - ein sehr amüsanter, aber zu ausschweifender und dadurch sehr langatmiger Cosy Krimi.
3 Punkte.
Verkupplung auf Griechisch
Ein Sommer voller Salbeiduft von Pia Casell
Aliki und ihre grosse Familie lernte ich vor zwei Jahren in "Oliven zum Frühstück" kennen. Damals kam die Deutsche Lisa aufgrund einer archäologischen Ausgrabung nach Palekastro und lernte Charis kennen. Die Familie steckt nun mitten in den Hochzeitsvorbereitungen für die beiden, da gabelt Aliki einen Fremden auf der Strasse auf.
Es ist Sören, der aus Deutschland angereist ist, um das geerbte Haus seiner verstorbenen Tante zu besichtigen und den Verkauf in die Wege zu leiten. Aufgrund unvorhersehbaren Vorkommnissen muss er die Rückreise verschieben. Man könnte fast sagen, Sören sei froh darüber, dass er bleiben "muss". Aliki geht ihm nämlich nicht mehr aus dem Kopf.
Auch Aliki ist angetan von diesem Jermano. Beide haben sie eine grosse Leidenschaft, die sie gerne zum Beruf machen würden, doch die Familie sähe dies wohl nicht gerne - egal ob bei Sören in Deutschland oder bei Aliki auf Kreta. Wie gut, dass sie und ihre Verwandtschaft Deutsch spricht, so gibts keine Verständnisschwierigkeiten.
Kulturelle hingegen schon. Sören versucht alles richtig zu machen, manchmal zu richtig - aber da haben dann andere ihre Hände mit ihm Spiel.
Zwischen Herzschmerz und Gleichberechtigungswünschen beobachtet man die hochzeitsvorbereitende Sippe und bekommt dazwischen viel Kultur und kretische Traditionen vermittelt.
Im Gegensatz zum ersten Band läuft hier alles rund - nicht für die Protagonisten, aber für die Leserinnen. Es ist eine stimmige Geschichte, in der es nie langweilig wird. Dies hab ich im ersten Band bemängelt, da war ganz schön oft tote Hose.
In "Ein Sommer voller Salbeiduft" ist dies zum Glück nie der Fall. Die Autorin hat ihren Stil sehr zum Guten weiter entwickelt. Es machte mir Spass, Aliki und Sören beim Kennenlernen zuzusehen. Die Handlung war glaubhaft, Kreta als Schauplatz mag ich eh sehr und somit war ich bestens unterhalten.
Fazit: Verkupplung auf Griechisch - amüsant und romantisch.
4 Punkte.
Sehr schöne Novelle
Mittwochs am Meer von Oetker Alexander
Korrekt und zuverlässig, so ist Maurice. Jeden Mittwoch nimmt er denselben Zug nach Cancale, wird dort abgeholt, checkt im Hotel ein, geht zur Fabrik, arbeitet in seinem Büro und fährt am nächsten Tag wieder zurück nach Paris.
Doch dieses Mal ist alles anders. Kein freies Zimmer mehr, eine andere Rezeptionistin und ein Liebesbrief verändern sein Leben.
Der verlässliche Maurice wird vergesslich, er folgt nicht mehr strikt seiner Agenda und vergisst sogar seine Arbeit. An allem ist Dominique schuld, seine Affäre. Doch alles ist noch viel komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint.
Alexander Oetker baut den Spannungsbogen gekonnt auf. Seine Erzählung ist eine Offenbarung auf 176 Seiten.
Am Anfang weiss man als Leser noch nicht, auf welche Geschichte man sich da einlässt, es hört sich zu Beginn mit der Zeichnung des peniblen Maurice so gar nicht als "Mittwochs am Meer" an.
Als es soweit ist, eben "Mittwochs am Meer", spürt man die Liebe der Protagonisten sowie die Zweifel und fragt sich, ob einer der beiden einen Fehler machen oder sich zurück ziehen wird und wie das Ganze wohl ausgehen wird - alles wäre möglich.
Am Ende wird man, auch aufgrund persönlicher Rückblicke der Charaktere, überrascht von der Komplexität der Geschichte, die der Autor auf diesen wenigen Seiten zum Besten gibt.
Oetkers Schreibstil überzeugt wie immer. Die Liebe zur auserwählten Destination ist auf allen Seiten sichtbar und wenn beim Leser bei der nächsten Mahlzeit dasselbe auf dem Teller liegt wie ganz oft auf deren der Protagonisten, nämlich Fisch und Kartoffeln, kann man sicherlich von einer gelungenen Erzählung sprechen.
Fazit: Eine sehr schöne Novelle, in die die Leser mit allen Sinnen mit hineingezogen werden und die in einem überraschenden Finale gipfelt.
5 Punkte.
Kreative Mordfälle sind Kennzeichen dieser Krimiserie
Spanisches Blutgeld von Catalina Ferrera
Auf die jeweiligen neuen Bände dieser Serie freue ich mich jedesmal riesig!
Catalina Ferrera versteht es nämlich wie fast keine andere Autorin, kreative Mordfälle zu kreieren. Einfach nur ein Schuss aus einer Waffe wäre ihr viel zu einfach. Deshalb bin ich immer wieder aufs Neue gespannt, was Ferrera sich da wieder ausgedacht hat.
Im vierten Fall ist auch Gerichtsmedizinerin Chi überrascht - und total ahnungslos. Sie hat keinen Schimmer, was zu diesen grausamen Verletzungen bei dem am Strand aufgefundenen toten Studenten führte. Erst ein Hinweis eines Kollegen aus einer anderen spanischen Stadt bringt die Ermittler auf eine mögliche Spur.
Bis dahin tappen Karl Lindberg und Alex Diaz und ihr Team völlig im Dunkeln. Karl stellte sich seinen ersten Arbeitstag nach fünf Wochen Babypause zwar anders vor, ist dann aber doch schnell wieder in seinem Element. Wie hat er die Strassen Barcelonas vermisst!
Nun ist er auf ihnen unterwegs, zu Familie, Freunden und Arbeitgeber des getöteten Studenten. Einige davon wissen garantiert mehr als sie sagen und lügen wie gedruckt. Die Sergents stehen unter enormen Zeitdruck und unter Lebensgefahr müssen sie diesen speziellen Fall baldmöglichst auflösen.
"Spanisches Blutgeld" macht Spass zu lesen, ich war von der ersten Seite vollends in der Geschichte drin und war gespannt, wann es den Ermittlern gelingt, erste Ergebnisse zu präsentieren. Die Leser wissen nämlich ein klein bisschen mehr als Karl, Alex und Co. - aber ob das am Ende auch noch so ist oder doch ganz anders?
Das werdet ihr nur herausfinden, wenn ihr den Krimi selber liest. Ich kann ihn euch wärmstens empfehlen.
Das nicht nur weil man in diesen Epidemie-Zeiten auf diese Weise zumindest lesend und sehr günstig nach Barcelona kommt und mit Karl in den Stadtvierteln und am Strand spazieren gehen kann, sondern auch weil der Krimi sehr spannend ist und ausserdem das Wiedersehen mit der immer grösser werdenden Ermittler-Familie immer wieder eine (Lese-)Reise wert ist. Me gusta mucho!
Fazit: Dieser kreativer Mordfall, der mit einem rasanten und gefährlichen Finale aufwartet, hat mich total begeistert.
5 Punkte.
Ereignisreich und emotional
Nur Augen für dich von Marie Force
Landon traut seinen Gefühlen nicht: Amanda fasziniert ihn von Tag zu Tag mehr. Und er sieht sie jeden Tag, denn nach dem Brand lebt sie bei ihm. "Nur Augen für dich" hat Landon für Amanda.
Wie viele vor ihr, die mit der Abbotts-Familie Kontakt hatte, ist Amanda nicht nur von ihrem grossen Familienzusammenhalt beeindruckt, sondern merkt, dass sie genau das auch will.
Nicht mehr aus Koffern leben, sondern eine Heimat finden. Und Dinge tun, die sie bisher nicht gemacht hat. Dafür erstellt sie sich eine Liste, denn sie liebt es zu planen.
Doch nicht nur die Liebe zu Landon kommt ihren Plänen in den Weg - wobei er auch einen wichtigen Punkt sehr schnell erfüllt - sondern auch ihre Vergangenheit. Diese hat Amanda in sich weggeschlossen und verdrängt, doch nun muss sie für jemanden da sein, was für so eine frische Beziehung nicht leicht ist.
Ich verrate sicher nichts Neues, wenn ich sage, dass es auch hier, wie in allen bisherigen Bänden ein Happy End gibt. Auf dem Weg dorthin erleben die Leserinnen nicht nur die neue Liebe zwischen Amanda und Landon mit, sondern erfahren wie immer Neuigkeiten aus der Grossfamilie. Dass die für Troubles sorgt ist glasklar, dass die beiden Elche Fred und Dexter unerwartet auftauchen, ebenso.
Es ist eine Wohlfühlgeschichte mit - wie immer - vielen horizontalen Szenen, die man aber gut überblättern kann.
Das Faszinierende an der Serie ist ja, dass jeder in der Familie willkommen geheissen wird und für jeden einen Platz gefunden wird, sowie man beim besseren Kennenlernen einer der Abbotts-Kinder auch immer wieder auf dem Laufenden gehalten wird, was bei den anderen passiert.
So war es auch diesmal ein Vergnügen sich in Butler aufzuhalten. Störend sind einzig die sich - ebenfalls wie immer - zu oft wiederholenden Sätze (hier: "Ihm/ihr war klar, dass sich gerade viel verändert"), die man ab dem vierten, fünften Mal über hat. Wenn man die überlesen kann, hat man eine traurigschöne Geschichte vor sich, bedeckt mit viel Familienwärme.
Fazit: Ein ereignisreicher und emotionaler 11. Band, bei dem man ganz schnell "Lost in Love" ist.
4 Punkte.
Dem Kommissar das Leben schwer machen
Bretonisch mit Aussicht von Gabriela Kasperski
Es ist Frühling in der Bretagne und bald steht schon wieder das erste Fest an, ein Kriegsheld soll dabei geehrt werden und der Frauen-Chor von Camaret singen, unterstützt von einer berühmten lokalen Sängerin, die aber schon längst das ländliche Idyll verliess und in Paris zu Hause ist. Wo Armelle ist, ist auch das TV nicht weit.
Um alle schnell verpflegen zu können, soll Tereza als Hilfsköchin im Kloster fungieren.
Auf ihrem Weg zum Kloster stolpert Tereza aber fast über eine Brüstung und sieht, dass jemand vor ihr kein Glück hatte und sich nicht halten konnte. Als sie im Kloster davon berichtet, verschwindet Schwester Nominoë und macht sich sehr verdächtig - erst recht als Tags darauf alle Nonnen und die Crew wegen einer Vergiftung flach liegen.
Kommissar Gabriel Mahon will Tereza mal wieder nichts glauben und so streiten sie munter weiter miteinander, als ob sie die weisse Fahne am Ende des ersten Bandes gar nicht gehisst hätten. Tereza macht sich deshalb selbstständig und versucht so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen - über Land und Leute, mögliche Verdächtige und alle Hintergründe, die zu diesen Taten geführt haben könnten.
Tereza kann sich aber nicht in Ruhe auf ihre Ermittlungen konzentrieren, denn die Schmierereien an ihrer Buchhandlung Déjà-lu beginnen wieder und auch sonst reiht sich zuhause Katastrophe an Katastrophe. Doch wer Tereza bereits aus dem ersten Band kennt, weiss, dass sie nicht so schnell aufgibt und am Schluss den richtigen Riecher hat.
Es gibt ein Wiedersehen mit Surflehrerin Ayala, deren Tochter man hier endlich kennenlernt; mit Magalie, die immer für Café-au-lait-Nachschub sorgt; mit Isidore, der die Villa Wunderblau in Schuss hält und mit Sylvie, das Herz der Buchhandlung und ohne die Tereza nicht einfach so frei und unabhängig in der Gegend rumdüsen könnte.
Erneut war es ein grosses Vergnügen diesen Krimi von Gabriela Kasperski zu lesen. "Bretonisch mit Aussicht" hat alles, was ein guter Krimi braucht: ein interessantes Thema, Spannung, Humor und vielfältige Charaktere.
Fazit: Beste Krimiunterhaltung ist garantiert - kein Wunder mit dieser bodenständigen, sympathischen und eigenwilligen Protagonistin, die dem Kommissar das Leben schwer macht.
5 Punkte.
Mit Daphne auf Tour
Mord frei Haus von Thomas Chatwin
Lange mussten wir auf den dritten Band warten - doch das Warten hat sich gelohnt. Es geht weiter, als wäre nie eine Pause da gewesen.
Francis arbeitet noch immer als Hafenmeister und Daphne nach wie vor als Postbotin. Für eine spezielle Paketlieferung ist sie jedoch nicht zuständig: ein grosses "Paket", das vor Annabelles Türe liegt.
In Geschenkpapier verpackt liegt Annabelles Nachbar, der unbeliebte und total nervende George Huxton.
George hatte mit vielen in Fowey Streit, doch für DCI Vincent James ist klar, Annabelle ist die Täterin. Überlegen war noch nie seine Stärke, deshalb halten Daphne und Francis Augen und Ohren offen und legen auch mal eine extra Tour ein, um die einen oder anderen Erkundigungen zu tätigen - die oft durchaus lustig daher kommen.
Daphne und Francis muss man einfach mögen. Es ist nicht nur ihr Vorteil gegenüber Vincent, dass sie hier alle kennen, sondern auch Daphnes neugieriges und herzensgutes Wesen und Francis Gutmütigkeit und seine schnellen Reaktionen, die die beiden erfolgreich und liebenswert macht.
Der Fall um den toten George ist interessant und unterhaltend. Während man am Anfang durch mehrere aktuelle Entwicklungen verschiedenen Spuren nachgeht, kommen die Tat-Hintergründe erst nach und nach ans Licht.
Der Plot rund um den toten George ist gut gestrickt, wie immer gibt es mehrere Personen, die als Täter in Betracht gezogen werden können - ich lag mit meiner Vermutung komplett falsch, was mir sehr selten passiert.
Fazit: Mit Daphne auf Post- und Ermittlungstour zu gehen ist nicht nur ereignisreich, sondern macht auch viel Spass.
4 Punkte.
Mega spannend
Kretisches Schweigen von Nikos Milonás
Die Geschichte, die Nikos Milonas im dritten Fall für Michalis Charisteas zusammen gesponnen hat, ist nicht nur mega spannend, sondern auch sehr interessant.
Dieser neue Fall spielt sich in einer touristisch eher unbekannten Region ab. Eine Sage erzählt, dass an windstillen Mai-Tagen Seelenschatten zu sehen sind und eines Tages hier die Widerstandskämpfer wieder auferstehen werden.
Als Touristen an einem Mai-Morgen am Strand Knochen entdecken, ist für die Einheimischen klar, dass es sich dabei um ihre Vorfahren handeln muss. Die Gerichtsmedizin weiss aber schon vor Ort, dass die Leichen maximal 15 Jahre hier im Sand lagen.
Alekos Tatsopoulos, der Revierleiter aus Sfakia, hilft vor Ort mit. Alekos ist die Ruhe selbst und hat seine Eigenbrötler gut im Griff. Doch zum Reden bringt auch er sie nicht. Die eigensinnigen Einheimischen schweigen weiterhin und wollen nicht, dass die Polizei sich einmischt. Doch genau dies müssen Michalis Charisteas und sein Partner Pavlos Koronaios tun, damit sie herausfinden, was damals passiert ist.
Neben ein bisschen Nachhilfe in Geschichte und Kultur werden die Leser mit einem extrem spannenden Kriminalfall bestens unterhalten und kommen dadurch immerhin in Gedanken ins sonnige Kreta.
Nicht so sonnig steht es aber um einige Charaktere, die mit dem Fall zu tun haben. Einer davon hat mich zum Ende hin sehr beeindruckt.
Schatten stehen auch über Hannahs Gemüt: ihr Projekt wurde abgesagt und das einzige Projektangebot, welches sie stattdessen erhalten hat, wäre in Kanada. Michalis sorgt sich um Hannah und ihre Beziehung und muss sich neben dem schwierig zu lösenden Fall überlegen, ob ihm Hannah oder Kreta wichtiger ist.
Hannah scheint sich schon mehr an Michalis grosse Familie gewöhnt zu haben, als er meint. Abends in der familieneigenen Taverne sorgt sie dafür, dass ihren deutschen Freunde, die zu Besuch sind, richtig griechisch aufgetischt wird. Aber auch Ermittlungen machen Hunger und wer Pavlos in den ersten beiden Bänden kennengelernt hat, weiss, dass dank ihm kaum eine Mahlzeit ausgelassen wird. Appetit werden auch die Leser schnell mal haben - der Mund wird einem wässrig gemacht, wenn man den Figuren so oft beim Essen zusehen muss.
Am besten ist es also, ihr plant einen störungsfreien Lesetag, legt euch Brot, Honig und Feta auf dem Tisch bereit und stellt den Raki fürs Finale schon mal kalt. Der Roman ist derart spannend, dass ihr euch nicht durch Kochen oder anderes beim Lesen unterbrechen lassen wollt.
Fazit: Mir war es ein grosses Vergnügen "Kretisches Schweigen" zu lesen, ich genoss jede Minute meiner Lesezeit, dieser Band war wirklich mega spannend.
5 Punkte.











