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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Das zweite Bernsteinschiff
Das Licht in deiner Stimme von Patricia Koelle
Tyrin lebt und arbeitet in Florida. Doch tief in ihr drin ist eine grosse Sehnsucht nach der anderen Seite des Meeres, nach der Ostsee, von der ihr Grossvater ihr immer erzählte und die sie selbst im Meer sieht. Wann ist der richtige Zeitpunkt für ihren grossen Traum, die Reise nach Ahrenshoop? Kann sie ihre Mutter einfach sich selber überlassen oder soll sie abwarten, bis diese wieder einen Job hat?
Ungeduldig wie ich war, ging es mir fast zu lange, bis Tyrin sich endlich auf die Reise macht.
Doch Autorin Patricia Koelle hat den perfekten Augenblick erwischt.
Von Nicholas haben die Leser*innen des ersten Bandes schon gehört. Er ist der Verlobte von Henny, der von einem Tag auf den anderen plötzlich verschwand. Als es soweit ist und Tyrin in Ahrenshoop ankommt, wollen die Bewohner nichts von Tyrin wissen, da ihr Grossvater als Verräter gilt. Doch was es mit Nicolas Verschwinden auf sich hat, überrascht alle.
Dieses Rätsel um ihn und Henny wird in diesem zweiten Band erzählt, während Tyrin sich mit Myra anfreundet und sich auf Naruolokki einnisten darf. Den geheimnisvollen Nebelmann Claas bekommt man öfters zu Gesicht als noch im ersten Band und Kapitän Flömer überzeugt erneut mit seinem ruhigen Wesen und seinen Worten.
Tyrin mag den alten Kapitän und seine Weisheiten und möchte, genau wie in Florida, Schmuck aus Meerglas und Strandfundstücken kreieren, aber gerne auch Bernstein verwenden. Sie will die Magie des Meeres einfangen, vor allem aber will sie herausfinden, wie man Gedanken in Bernstein einschliesst. Seit sie das zweite Bernsteinschiff bekommen hat, ist sie fasziniert von der Idee und bringt es mit nach Ahrenshoop.
Doch die Geschichte ist noch nicht vollständig, es fehlt das dritte Bernsteinschiff und somit bin ich nun auf das Finale, das uns im dritten Band erwartet, gespannt.
Fazit: "Das Licht in deiner Stimme" erzählt eine eindrückliche Geschichte aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart seinen Frieden findet.
5 Punkte.
Teenieroman anstatt Frauenroman
Erdbeerversprechen von Manuela Inusa
Ich habe ein ganz grosses Problem mit dem neuesten Band der "Kalifornische Träume"-Serie. Es geht nämlich kaum um Amanda, wie der Klappentext vorgaukelt. Auch fast nicht um Carter, den Amanda in der Trauergruppe kennenlernt. Vielmehr dreht sich circa 75% des Romans um die Teenie-Töchter von Amanda und Carter.
Um Jane und Samantha.
Beide haben ein Elternteil verloren, Jane vor 18 Monaten ihren Vater und Sam vor drei Jahren ihre Mutter. Wie sie mit dem Verlust und der Trauer umgehen, könnte gegensätzlicher nicht sein. Während Jane sich gehen lässt und eine unbändige Wut auf ihre Mutter hat, ist Sam zu allen nett und angepasst. Nett zu praktisch allen Leuten, vor allem zu ihrer kleineren Schwester Astor; angepasst vor allem in ihrer Clique, in der sich die It-Schüler der Montgomery School tummeln, zum Beispiel Lacrosse-Stars und Cheerleaders. Sams Freund Jeremy gehört zum Lacrosse-Team, sie ist Cheerleaderin. Jane besucht dieselbe Schule, gehört seit letztem Jahr aber zu den Freaks der Schule, und hat nur zwei Freunde. Cal und Aiden, wobei Jane praktisch nur mit Cal abhängt.
Als sich Jane und Sams Eltern sich daten, sind beide nicht begeistert. Es ist nicht der beste Zeitpunkt, denn beide Teenager leiden akut unter Liebeskummer. Ihre Eltern glücklich zu sehen, wenn sie selbst unglücklich sind und mehr denn je den zweiten Elternteil vermissen, ist schwer.
Die beiden Teenagerstorys werden durch einige wenige Kapitel unterbrochen, in denen es um Amanda und Carter geht. Ihre Geschichte ging mir viel zu schnell, sie hat auch keinen Platz um sich zu entwickeln, weil sich sonst alles um die Teenie-D(r)amen dreht.
Erzählt ist das Ganze sonst relativ okay, einiges war mir viel zu einfach gelöst und es waren einige Szenen dabei, die man hätte weglassen können. Die Sache mit Chino auf der Erdbeerfarm zum Beispiel. Zusätzliches Drama, das nirgends hinführte und für den Roman nichts tat.
Aber ich hätte niemals damit gerechnet, einen Teenieroman vorgesetzt zu bekommen. Wenn ich sowas lesen will, bediene ich mich im Kinderzimmer im Bücherregal, oder geh in die Jugendbuchabteilung in den Buchhandlungen. Aber im "Frauenromanregal" würd ich nie vermuten, dass sich da ein Teenieroman versteckt, genauso wenig würde ich hinter einer Tofu-Verpackung Fleisch erwarten.
Daher ist und bleibt der beste Roman der Serie "Orangenträume", dort stimmt alles.
Fazit: Wer Jugendbücher gerne liest, ist gut aufgehoben mit "Erdbeerversprechen". Wer einen Frauenroman lesen will, muss zu anderen Romanen greifen.
3 Punkte.
Zwischen Blumen und Weinreben
Der Blumenladen der guten Wünsche von Hofmeister Lena
Eine Sansevieria kommt zwar im ganzen Roman nicht vor, jedenfalls nicht unter diesem Namen, aber dafür ganz viele andere Blumen und Pflanzen. Diese befinden sich im Blumenladen, der Charlotte von ihrer Grossmutter erbte.
Als sie nach vielen Jahren Abwesenheit den Laden zum ersten Mal wieder betritt, kennt sie den Laden kaum mehr.
Viel Grünzeugs, aber keine Schnittblumen stehen im Angebot. Der mürrische Gärtner Knut will diese nicht abschneiden und es scheint, er will sich überhaupt nicht von seinen Pflanzen, die er in der Gärtnerei hinter dem Laden zieht, trennen. Doch damit der Laden überlebt, muss mehr als nur Trauerflor verkauft werden.
Charlotte sieht sich aber noch mit weiteren Problemen konfrontiert: eine Klausel im Testament besagt, dass Sheela nicht gekündigt werden kann. Diese scheint das auszunützen und erscheint nur zur Arbeit, wenn es ihr passt. Unpünktlich ist sie sowieso und wenn sie dann mal vor Ort ist, hängt sie am Handy.
Um sich ein wenig von ihren Problemen abzulenken, sowie um andere Leute in Sommerbach kennen zu lernen, wird sie von Sarah, einer früheren Schulfreundin, mit der Charlotte noch lose in Kontakt war, zu deren Gartenpartys eingeladen. Auf solch einem Fest trifft Charlotte aus Sven, in den sie in ihrer Schulzeit verliebt war, doch sie bekam damals eine Abfuhr und nimmt ihm das immer noch übel. Die beiden freunden sich wieder an - auch Sven kam wieder retour, um den Weinhandel seines Vater zu übernehmen, so haben sie Gesprächsstoff und kommen sich wieder näher.
Die Geschichte wird von Lena Hofmeister flüssig erzählt. Die beiden wichtigen Punkte im Roman, der Blumenladen und Sven, werden toll miteinander kombiniert.
Es hätte aber noch viel Platz gehabt für mehr Tiefe, wie auch für mehr Details. Die Autorin hat sich einige Dinge also sehr leicht gemacht, es schrammt gerade noch knapp an der Oberflächlichkeit vorbei. Deswegen hätte ich mir ein bisschen mehr Auseinandersetzung bzw. Genauigkeit beim Beschreiben einiger Szenen gewünscht.
Zum Beispiel beim Blumenladen. Denn der ist nicht einfach nur ein Blumenladen. Die Blumen und Topfpflanzen kommen aus der eigenen Gärtnerei, Charlotte muss also keine Blumen aus dem Blumengrossmarkt dazu kaufen, wie das normalerweise die meisten Blumenläden machen. Was ich auch gerne wissen würde, wo befand sich die Wohnung der Grossmutter? Oberhalb des Blumenladens? Und wo genau hat sich Charlotte eingenistet? Wie weit entfernt vom Blumenladen und wieso konnte sie die Wohnung der Grossmutter nicht übernehmen?
Die Idee mit den Blumenbotschaften war mir nicht neu, davon hab ich schon in vielen Romanen gelesen, umgesetzt wurde sie hier nicht so ausführlich, aber ausreichend gut.
Trotz meiner Kritikpunkte hat mich der "Der Blumenlanden der guten Wünsche" sehr gut unterhalten. Denn zwischen Dahlien, Kamillen und Weinreben fühlt man sich einfach wohl, und so hab ich Roman an einem Abend gelesen.
Fazit: Ein schöner und gemütlicher Unterhaltungsroman.
4 Punkte.
Die Denkerin
Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernard
Sie wusste schon immer, dass sie nicht in die Fussstapfen ihrer Eltern treten will. Sie will denken, schreiben, unabhängig sein - was sich in ihren jungen Jahren erträumte, ging schlussendlich in Erfüllung und so wurde Simone de Beauvoir nicht nur die erste Frau, die in Frankreich Knaben in Philosophie unterrichtete, sondern auch Mitbegründerin des Existenzialismus und Gründerin des modernen Feminismus.
Simone fand in den 20er und 30er Jahren keine Vorbilder für freie Frauen und entschloss sich, selbst ein Vorbild zu werden. Sie führte ein unkonventionelles Leben, hatte um sich ihre "Familie", eine Patchworkfamilie, die aus Freunden bestand. Doch bis es soweit kam, musste sie sich lange und gründlich überlegen, welches Leben sie führen will - und auch immer wieder hinterfragen.
De Beauvoir steht anfangs zwischen drei Männern. Doch schnell war klar: keine Beauvoir ohne Sartre und umgekehrt. Sie waren sich extrem nah, sassen fast 24/7 aufeinander, lasen gemeinsam, sie redeten, diskutierten, schrieben - über Gefühle, über einfach alles. Nach dem Lesen von "Die Frau von Montparnasse" ist mir deshalb auch klar, wieso ich in meiner Erinnerung nur immer Fotos von diesem extravagantem Paar sah und nie Foto von ihnen alleine.
Caroline Bernard erzählt extrem dicht von Simones Leben bis 1951 und lässt gefühlt nichts aus. Die Autorin schreibt auch über einen enorm wichtigen Teil in Simones Leben, nämlich über den Pakt, den Sartre und de Beauvoir geschlossen haben: ein unverheiratetes Paar zu sein. Erst mal für zwei Jahre, doch sie verlängerten diesen unromantischen Pakt immer wieder. Mit den Zufallslieben, die sie sich gestatteten, mussten sie lernen umzugehen. Ebenso wie sich diese auch zu erlauben, was Simone de Beauvoir erst schwer fiel. Für mich hörte sich dieser Pakt kompliziert an, denn er gab Simone zwar die Möglichkeit frei zu sein, zwang sie aber auch dazu, mit vielen Heimlichkeiten zu leben.
Die Autorin streicht in ihrem Roman deutlich heraus, dass Simone de Beauvoir in ihrem Denken und ihrer Philosophie sehr viel praktischer und menschlicher war als Jean-Paul Sartre. Emotionen gehörten dazu, Sartre blendete diese aus.
Trotz aller Erfolge litt Simone de Beauvoir zeitlebens daran, dass Frauen als nicht selbstständig denken gesehen wurden. Dabei ist sie es, der Sartre so viel von seiner Philosophie verdankt. Und einmal mehr beweist sich, mögen einige auch noch so ein unkonventionelles Leben führen: Hinter jedem berühmten Mann steht eine starke Frau - die oft mehr zu sagen hat, als der Mann selbst.
Fazit: Sehr interessante Romanbiografie über die grosse Denkerin Simone de Beauvoir, der eindrücklich zeigt, wie sie zu der Philosophin wurde, für die sie heute berühmt ist.
4 Punkte
Ein senfgelber Mantel sorgt für Herzklopfen
Wie sagt man ich liebe dich von Claudia Winter
Maelys und ihre Tante Valérie ist den Leserinnen bekannt aus "Die Wolkenfischerin", wo die Geschichte von Maelys Schwester Claire erzählt wird. Maeyls beeindruckte schon damals. Am Ende zog die begabte Künstlerin zu ihrer Tante Valérie nach Paris, um ein Kunststudium zu beginnen.
Nachdem sie aber vor kurzem eine zweifelhafte Beurteilung des Schulleiters bekam und etwa zeitgleich merkte, dass Valérie nach einem Armbruch nicht nur die Miete nicht mehr zahlte, lässt die gehörlose Maelys das Studium schleifen und arbeitet Mittags in einem Imbiss als Geschirrspülerin und zeichnet Nachmittags auf dem Place du Tertre Porträts von Touristen.
Genau hier entdeckt der Portugiese Eduardo Maelys - und wird dabei an eine andere junge Frau im senfgelben Mantel erinnert. Einige Wochen später denkt er noch immer an diese Begegnung zurück, und möchte, dass sein Enkel Antonio die unbekannte Frau in Paris sucht.
Schnell ist man eingetaucht in den Roman. Auch in jene, die von Valérie handelt, als sie noch ein junges Mädchen war und aus der Bretagne in die Grossstadt Paris zog. Ihre Geschichte ist sehr interessant und als Leser ist man gespannt, wie sie endet, auch wenn man es schon ahnen kann - was überhaupt nicht stört und dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Der Klappentext ist leider sehr vage, denn der Hauptteil der Story macht die Vergangenheitsgeschichte aus, und nicht diejenige von Maelys.
Das macht aber gar nichts. Antonio und Maelys sind zwei tolle Charaktere, beide überaus sympathisch. Eduardo hingegen mimt den starrköpfigen Alten, der mich aber oft zum Lachen brachte. Valérie kommt in der Gegenwart aus Gründen nicht so sympathisch rüber wie 1966, als sie eine witzige und entdeckungsfreudige junge Frau war, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Butler Albio ist der allgegenwärtige Schatten, dem man viele Schmunzler verdanken kann.
Mit am besten hat mir eine klitzekleine Szene gegen Ende des Roman, die kurz in Eduardos Kindheit blickt, gefallen.
Ein klarer Minuspunkt ist leider das grässlich gelbe und nichtssagende Cover. Paris? Lissabon? Sieht man darauf nirgends. Ich vermisse die erste Fassung des Covers, auf dem durch die blauen Azulejos im Vordergrund und den Tejo im Hintergrund auf den ersten Blick klar ist, wo sich der Roman abspielt. Und wenn sich dann der Verlag für eine Verschlimmbesserung, total nullachtfünfzehn, entscheidet, kann ich nur den Kopf schütteln. Auch wenn es auf die beschriebenen Seiten hinter dem Umschlag drauf an kommt, muss für mich auch das Äussere mit dem Inhalt zusammen passen.
Für den Coverwechsel kann die Autorin zwar nichts, aber ich hatte aufgrund des langweiligen Covers monatelang absolut keine Lust den Roman zu lesen, auch wenn ich mir sicher war, dass die Geschichte mindestens genau so gut ist wie die bereits erschienenen Romane der Autorin.
Denn das ist er, der Roman mit dem schönen Titel "Wie sagt man ich liebe dich", in dem eine sympathische junge gehörlose Frau und eine kämpferische andere junge Frau im Vordergrund stehen, gepaart mit einer tollen, emotionalen Geschichte, die an zwei sehenswerten Schauplätzen - drei, wenn man die Bretagne mit zählt - angesiedelt ist.
Fazit: Claudia Winter präsentiert einmal mehr ein wunderschönes Leseabenteuer, in das man so richtig versinken kann.
5 Punkte.
Die Tücken des Schreibens
Wie sagt man ich liebe dich von Claudia Winter
"Cottage mit Kater" begann gut, wurde aber immer belangloser.
Nora zieht für einige Wochen nach Cornwall, um das Cottage eines Freundes zu hüten. Sie freut sich auf den Tapetenwechsel, den sie nach dem Tod ihrer Mutter so nötig hat. Als Autorin erhofft sie sich ruhige Schreibtage und viele gute Ideen.
Aber die zu schreibende Geschichte hat ihre Macken und so lässt sich sich nur zu gerne vom kleinen Kater, den sie auf einer Klippe findet, ablenken. Und bald ist Nachbar Phil nicht mehr nur der helfende Schwerenöter, sondern der wandelnde Schreibratgeber und perfekte Koch.
Die Story rund um Kater Smuggler, den Nora nach der Rettung an der Backe hat, ist süss, aber bei allem anderen hätte die Autorin die Tipps, die ihre Protagonistin zum Thema "Buch schreiben" bekommt, selbst beherzigen sollen.
Es sind zu viele Baustellen (Kater, Phil, Buchprojekt, Trauer um ihre Mutter), die nicht gematcht haben. Am Ende des Romans weiss ich nicht, was uns die Autorin mit ihrer Geschichte erzählen wollte. Spannung ist keine vorhanden und so wirkt der Roman viel zu langweilig.
Es las sich eher wie ein Erlebnisbericht einer Autorin, die erzählt, mit welchen Tücken sie beim Schreiben ihres Krimis zu kämpfen hat und die zeitgleich mit ihrer Vergangenheit noch nicht abgeschlossen hat.
Fazit: Der Kater war das Beste an der Geschichte - aber das wars dann auch.
3 Punkte.
Emotional, aber dennoch federleicht
Das Brombeerzimmer von Anne Töpfer
Nora trauert um ihren Eheman Julian, der jung und unerwartet verstorben ist. Sich aus der Trauer heraus zurück ins Leben zu kämpfen, fällt ihr extrem schwer.
Im letzten Jahr hat sich bei ihr ein riesiges Marmeladen-Lager angesammelt. Jedesmal, wenn sie sich besonders traurig fühlte, hat sie Marmelade eingekocht.
Überrascht wird sie von einem Brief von Julians Grosstante Klara, die selbst anscheinend auch sehr oft auf Vorrat einkocht.
Spontan reist Nora zu Klara, wobei sie erst mit Julians Cousine Mandy spricht und sich mit ihr anfreundet. Der Tapetenwechsel tut Nora gut, sie hinterfragt ihre eigene Geschichte und taucht in Familiengeschichten von Julians und Klaras Familie ein und erlebt dabei so einige Überraschungen.
Der Schauplatz an der Ostsee ist bezaubernd, da will man sofort hin. Ich konnte mir alles bildlich vorstellen, der Strandweg, die kleine Siedlung, Noras Nachbarin mit ihrem Hund, das Kellerversteck und alles andere auch.
Wie immer bei der Autorin Anne Barns/Andrea Russo, die hier unter dem Pseudonym Anne Töpfer schreibt, war ich schon auf der zweiten Seite direkt in der Story drin. Der Roman nimmt die Leserinnen gefangen von der ersten bis zur letzten Seite und enthüllt eine tragische Geschichte aus der Nachkriegszeit. Trotz all den traurigen Begebenheiten, die uns hier begegnen, wirkt der Roman keinesfalls düster, sondern bezirzt durch eine leichte, optimistische Stimmung.
Ich hab "Das Brombeerzimmer" in kürzester Zeit ausgelesen, weil ich so gespannt auf das Ende war.
Fazit: So schön! Eine emotionale, aber dennoch federleichte Geschichte, die man mit einem wohligen Seufzer beendet.
5 Punkte.
Ein kniffliger Fall für Rabbi Klein
Der böse Trieb von Alfred Bodenheimer
In Rabbi Kleins sechsten Fall stirbt einer seiner Klienten, Viktor Ehrenreich. Der Zahnarzt wurde zuhause im deutschen Grenzort Inzlingen erschossen. Seine Ehefrau Sonja beauftragt den netten Zürcher Rabbi die Trauerrede zu halten, da sie sich mit dem orthodoxen Rabbi vor Ort nicht gut versteht. Mit ihrem Mann hatte sie ebenfalls Auseinandersetzungen - und beide voreinander Geheimnisse.
Derart viele, dass jedes davon etwas mit Viktors Tod zu tun haben könnte. Gabriel Klein hört sich die Gespräche mit ihm nochmals an - gut, dass der darauf bestand sie jeweils aufzuzeichnen. Doch was die Gespräche nicht beinhalten, sind diverse weitere Umstimmigkeiten mit seiner Ehefrau und auch, was Viktor in seinem jährlichen Kongo-Aufenthalt alles gemacht oder nicht gemacht hat.
Zum Glück ist Rabbi Klein hartnäckig und deshalb einigen brisanten Dingen auf der Spur. Dass Viktor sich einmal wöchentlich abends in Basel aufgehalten hat, beispielsweise. Wo, und was das sollte, versucht Klein heraus zu finden. In dieser Mission unterwegs, legt er einige Kilometer zurück und fährt zwischen Zürich, Basel und Inzlingen etliche Male hin und her.
Dabei hätte er gar keine Zeit dafür, denn auch in seiner Gemeinde ist der Teufel los. Die benötigten Etrog-Zitronen für das Laubhüttenfest sind allesamt verfault und Ersatz muss her. Der Importeur stellt sich quer, ein Anwalt mischt sich ein und Klein steht mitten in der Schusslinie der verschiedenen Parteien, wie es ihm sein Widersacher Tobias Salomon nur zu gerne unter die Nase reibt.
Wahrscheinlich wäre Klein jetzt gerne wie Wickie, dreimal unter der Nase reiben und alle Probleme sind auf einen Schlag gelöst. So einfach ist es leider nicht, das Etrog-Problem scheint sich nicht zu lösen und der Mordfall ist eine verzwickte Sache - jeder der Verdächtigen könnte der Täter sein und alles was er heraus findet, macht den Fall noch brenzliger.
Somit ist auch dieser sechste Band "Der böse Trieb" ein klassischer Whodunit-Krimi. Sehr erfrischend, kurzweilig und spannend zu lesen. Wie bisher in jedem Band passen Vater Kleins Weisheiten wie die Faust aufs Auge. Ebenso wie das theologische titelgebende Thema, das erneut auf verschiedene Arten vertieft wird.
Fazit: Obwohl schon der sechste Band: es macht noch immer Spass, Rabbi Klein beim Lösen seiner interessanten und kniffligen Fälle zu begleiten!
4 Punkte.
Zwischen kaputten Rohren und Bücherstapeln
Der böse Trieb von Alfred Bodenheimer
Obwohl ich noch ein älteres Buch ("Für immer in meinem Herzen") der Autorin auf meinem SuB habe, griff ich zuerst zu diesem neuen Roman von ihr. Nachdem ich ihn gelesen habe, weiss ich nun bestimmt, dass der andere Roman nicht mehr lange ungelesen bleibt. Mir gefällt die feinfühlige Art, wie Susan Wiggs über die Harpers schreibt, ausgesprochen gut.
Natalie Harper ist in ihrem Job zwar erfolgreich, aber nicht wirklich glücklich, deshalb fällt es ihr nicht mal so schwer, zurück nach Hause zu ziehen und sich um die Buchhandlung ihrer Mutter und um ihren dementen Grossvater Andrew zu kümmern. Aber all dem Chaos ins Auge zu sehen ist umso schwerer, denn finanziell steht es noch schlechter als gedacht. Ein Verkauf wäre die beste Lösung, umgesetzt werden kann die Idee aus diversen Gründen, die im Roman erklärt werden, aber kaum. Immerhin kümmert sich Handwerker Peach um die nötigsten Sanierungen und freundet sich mit Andrew und Natalie an.
Und zwischen kaputten Rohren, versteckten Dingen, Hochwasser im Keller, Bücherstapeln und erfolglosen Lesungen bahnen sich so einige Überraschungen an.
Die Figuren sind allesamt Sympathieträger. Sei es die kleine Dorothy, Natalie, die beiden Buchladen-Angestellten Cleo und Bartie, sogar Trevor. Den sympathischen Peach mag man sowieso, weil er so bodenständig, verständig und hilfsbereit ist.
Allen voran ist Grossvater Andrew - ihn muss man einfach lieben! Ich mochte es, wie er mit dem Vergessen umgeht und vor allem seine gedanklichen Rückblicke in die Vergangenheit, die - zusammen mit einigen gegenwärtigen Sequenzen - eine tragische Familiengeschichte offenbart, die sich in diesem historischen, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude abgespielt hat.
Das Thema des Romans ist nicht die Buchhandlung per se, sondern Andrews Krankheit und die historischen Begebenheiten, die in der Gegenwart ihre Bedeutung finden.
"Die Buchhandlung zum Glück" ein Roman für Leserinnen, die mit sich selbst im Reinen sind und nicht gefallen müssen. Dies ist die Botschaft dieser wunderschönen und sensiblen Geschichte, der ich eine klare Leseempfehlung ausstellen darf.
Fazit: Ergreifende, ans Herz gehende Geschichte um einen demenzkranken Grossvater und die Geheimnisse eines alten Hauses in San Francisco.
5 Punkte.
Die Queen lässt ermitteln
Das Windsor-Komplott von Bennett S J
Im April 2016 wird Pianist Maxim Brodsky nach einer Abendeinladung im Windsor Castle in kompromittierender Lage tot in seinem Zimmer aufgefunden - gegen aussen muss dies verschwiegen werden. Der Geheimdienst findet schnell Verdächtige, doch die Queen glaubt nicht an deren Vermutung, was sie sich heimlich von einem Experten in dieser Frage bestätigen lässt.
Also lässt sie ermitteln. Sie beauftragt ihre stellvertretende Privatsekretärin Rozie Oshodi Erkundigungen einzuholen und gewisse Botengänge zu erledigen. Privatsekretär Sir Simon darf davon aber nichts mitbekommen. Er und viele andere im Palast denken, man dürfe die Queen nicht mit Details zum Mord behelligen. Lilibet wird behandelt, als seie sie weltfremd.
Noch vor der Hälfte erfährt man, dass bereits Rozies Vorgängerinnen von der Queen jeweils Geheimaufträge erhielten, und ebenfalls, dass die Queen es am Ende so darstellen wird, dass andere die Fälle lösten.
Natürlich hat das seinen Reiz, aber dies wird auf eine kühle elegante Art beschrieben. Einerseits passt diese zurückhaltende Art ins Königshaus, andererseits erlebt man eine Queen, die ihre Familie liebt und das Herz am rechten Fleck hat. Ihr Alltag kommt dazwischen: Termine, Veranstaltungen, Besuche von Präsidenten und und und. Die Zeit vergeht, der Fall ist nicht gelöst. Die Ermittlungen kommen nicht vorwärts - die Queen sieht das selbst so -, auch wenn Rozie sehr oft unterwegs ist.
Mir hätte es besser gefallen, wenn die Queen selbst mehr ermittelt und nicht so viel delegiert hätte. Oder zumindest die Ergebnisse mit Rozie diskutiert hätte. Da fehlte einfach etwas mehr Einsatz.
Zudem fand ich die Auflösung des Falles, bzw. den Grund für den Mord, nicht sehr interessant. Ebenso wie er der Queen präsentiert wurde: ein Déjà-vu für die Leser, die ja schon mitbekommen haben, um was geht, es fehlten nur noch ein, zwei Verbindungen oder Namen. Vielleicht wäre das anders, wäre da mehr Dynamik im Schreibstil gewesen.
Ein kleiner Funke Elan war da und zwar immer, wenn Prinz Philipp ins Spiel kam. Die Szenen mit ihm waren witzig, davon hätte ich gerne mehr gehabt. Ausserdem könnte ich ihn mir auch gut als Ermittler vorstellen - zusammen mit der Queen und Rozie, das wär der Hit.
Fazit: Theoretisch ist die ermittelnde Queen eine gute Idee, die Umsetzung haperte aber an der lahmen und spannungsarmen Handlung.
3.5 Punkte.









