Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Strickjacken und Strickladen-Zeit
Neues Glück im kleinen Strickladen in den Highlands von Susanne Oswald
Herbst ist Strickjackenzeit - und deshalb der richtige Zeitpunkt um "Neues Glück im kleinen Strickladen in den Highlands" zu lesen. Wie bereits in den vorherigen beiden Bänden gibts auch hier am Ende einige Strickanleitungen.
Maighread ist langweilig - und kommt auf Idee ein Wollfestival vor Ort in Callwell zu organisieren.
Alle finden die Idee toll und helfen mit, bringen auch eigene Ideen mit ein. So sind sie alle gut beschäftigt und weil der Sommer in den schottischen Highlands so war wie bei uns, nämlich verregnet, auch ideal um das Handarbeitsfestival zu planen. Die nachfolgenden sonnigen Tage sollen aber nicht lange halten, just kurz vor dem Festival ist ein Sturm angesagt. Kann das lang ersehnte Festival überhaupt stattfinden?
Nachdem der Roman super gemütlich beginnt und über lange Strecken hinweg über das Alltagsleben in Callwell sowie die Planung des Festivals berichtet, kommt erst gegen Ende Spannung auf. Alles, was auf den vielen Seiten vorher geplant wurde - nicht nur das Festival, auch einige Überraschungen - stehen nun auf der Kippe.
Das Wiedersehen mit den bisher bekannten Charakteren war nett: wie Maighread gehen auch Chloe im Kräuterladen die Ideen nicht aus, zusätzlich übt sie sich im Stricken; Scott hat eine gut gehende Tierarztpraxis; Jonas ist Klimaforscher und ist ebenso immer beschäftigt: das Grossmutter-Trio (bestehend aus Gwendolyn, Eilidh und Elisabeth), hilft überall mit. Die Beziehungen der Paare entwickeln sich, das Festival ist klar im Blickpunkt.
Die Autorin schildert vor allem das Alltagsleben und Maighreads neue Strickideen. Beides wurde mit viel Enthusiasmus, aber im Grossen und Ganzen fast zu gemütlich und entschleunigend erzählt.
Die Geschichte ist nett, aber in diesem Band auch nicht mehr. Darauf war ich zwar bereits vorbereitet, denn das ist in den ersten beiden Bänden ähnlich, aber spannender. Joshuas Verschwinden war mir zu unglaubhaft skizziert.
Fazit: Ganz knappe 4 Punkte - weil es mir dieses Mal ein fast zu leichter Häkel- und Strickroman war, aber mich an einem regnerischen Septembertag unterhalten hat.
Mit einem Lächeln auf den Lippen den Roman beenden
Das Fest der Weihnachtsschwestern von Sarah Morgan
Im Nachwort wünscht sich Sarah Morgan, dass ihr Roman den Leserinnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert - das hat es mir, und wie!
Gayle Mitchell ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit eigener Beratungsfirma. Ehrgeiz und Karriere sind ihr höchstes Ziel, andauernde Selbstoptimierung ihr Wunsch für alle Frauen.
Doch noch nie hat sie sich Gedanken darüber gemacht, dass andere Menschen glücklich sind mit ihrem Leben, mit "einfachen" Jobs und so wie es ist, ohne wenn und aber.
Als Gayle nach einem Sturz verletzt auf die Sanitäter wartet, denkt sie auf einmal an ihre Töchter, zu denen sie seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Samantha und Ella werden kontaktiert - im Spital teilt Gayle ihnen mit, Weihnachten mit ihnen feiern zu wollen.
Samantha und Ella fallen aus allen Wolken und denken erst, sie hätten eine fremde Frau vor sich und nicht ihre Mutter. Denn Gayle ist in etwa vergleichbar mit Ebenezer Scrooge, kaltherzig und Weihnachten verachtend. Geschenke und alles was zum Fest der Liebe gehört findet sie nutzlos und nun will sie plötzlich die Feiertage mit ihnen verbringen? Die Schwestern trauen der "neuen" Gayle nicht, dennoch entscheiden sie sich für gemeinsame Weihnachtsferien in Schottland.
Dort will Samantha ein Anwesen mit eigenen Augen sehen, denn sie führt ein Reisebüro, welches sich auf Winterreisen spezialisiert hat und ist immer auf der Suche nach geeigneten Unterkünften für ihre Kundschaft. Blöderweise führte sie vor der Reise ein peinliches Telefonat mit dem Besitzer und fühlt sich deshalb nicht sehr wohl, ihm unter die Augen zu treten.
Ellas Leben hat sich in den letzten fünf Jahren enorm geändert - ihre Mutter hat keine Ahnung davon und Ella scheut sich davor, ihrer Mutter aus ihrem Leben zu erzählen, denn sie weiss, dass Gayle diesen Lebensstil nicht gutheisst.
"Das Fest der Weihnachtsschwestern" erzählt eine Geschichte, die Dickens alle Ehre macht, dabei aber noch viel Romantik enthält. Dafür sorgt vor allem das ansprechende Setting in den schottischen Highlands, aber auch die McIntyres, denen die Kinleven Lodge gehört.
Brodie ist ein sympathischer Mann, der die Gemütslagen seiner Mitmenschen genau spürt. Dies hat er wohl von seine Mutter Mary, die es liebt zu kochen und zu backen und gastfreundlich zu sein - das pure Gegenteil von Gayle. Man ist zweifelsohne gespannt, wie die beiden Frauen sich begegnen werden.
Der Roman hat alles was eine gute Wintergeschichte braucht: tolle Charaktere, eine interessante Familiengeschichte, ein bisschen Liebe, Schnee, Rentiere, ganz viel Gefühl und noch mehr Tiefgang.
Diese wunderbare Story von Sarah Morgan möchte man nach dem Zuklappen gleich wieder Aufklappen und nochmals lesen. Wenn ihr dieses Jahr nur einen oder zwei Weihnachtsromane lesen wollt, dann sollte es unbedingt "Das Fest der Weihnachtsschwestern" sein - ein Must-Read für alle Weihnachtsromane-Fans.
Fazit: Der perfekte Roman, um die Weihnachtszeit einzuläuten und mit einer zauberhaften schönen Geschichte, welche am Ende mit einem Lächeln auf den Lippen zugeklappt wird.
5 Punkte.
Ach, liebe Mags
Je stiller der Tod von Mary Ann Fox
Ach, liebe Mags, wieso lässt du dich derart überrumpeln? Und dies gleich mehrmals! Hättest du erst der Fotostrecke, dann dem geänderten Datum nicht zugestimmt, dann würde er wohl noch leben, der Ersatz-Fotograf, den sie dir geschickt haben.
Sympathisch war er zwar keinem, weder dir noch deinem Umfeld.
Besonders einem Menschen nicht, und deshalb steht erneut einer deiner Bekannten unter Mordverdacht. Auch wenn die Polizei nur telefonisch mit dir in Kontakt steht, weil sämtliche Strassen tief verschneit sind, die geben den Ton an - und du sitzt abgeschottet mit deinen Freunden und dem Fototeam in deinem Cottage. Einer davon ist der Mörder.
Wir Leser drücken natürlich alle den Daumen, dass dein Bekannter unschuldig ist. Doch wie es sich herausstellt, hätte er alle Gründe dieser Welt froh zu sein, dass der Fotograf nicht mehr lebt. Einige andere zum Glück auch. Wirst du schnell genug sein, um heraus zu finden, wer am meisten?
Dein weihnachtlich geschmücktes Cottage und deinen winterlich verschneiten Garten hätte ich gerne mit eigenen Augen gesehen, es muss zauberhaft ausgesehen haben. Aber bitte ohne Leiche, die da im weissen Schnee liegt. Und Agatha vielleicht auch ins Gehege sperren, zumindest für den Anfang, auch wenn ich eine Frau bin.
Weihnachten ist bei dir schon vorbei, deshalb ein Neujahreswunsch an dich: Wehr dich doch nächstes Mal, wenn deine Erfinderin dich mal wieder so naiv darstellen möchte - dann würde die Geschichte nämlich viel weniger glatt (so wie der Boden unter dem Schnee vor deinem Haus) und plump (so wie die Leute aussehen, wenn sie auf besagtem Boden ausrutschen und auf dem Allerwertesten landen) wirken, dass hast du nämlich nicht nötig. Und wir, die dich nun schon so lange begleiten, hätten mehr Freude daran, dich dann auf deinen weiteren Abenteuern zu unterstützen.
Fazit: Es war ein unterhaltsames Weihnachtsfest mit dir, Mags - bis nächstes Jahr!
4 Punkte.
Turbulent und wendungsreich
Die Angst der alten Dame von Rebecca Michéle
Es ist wieder mal ruhig in Higher Barton. Zu ruhig. Und so ist klar, dass bald etwas passieren muss.
Bald ist es soweit: eine ältere Frau aus dem Umland kontaktiert Sandra und bittet sie, ihr zu helfen, denn sie glaube, dass ihr Mann sie vergiften will. Zu diesem Zeitpunkt nimmt Sandra die Geschichte noch nicht sehr ernst.
Ihr Interesse wird aber geweckt, als sie einige Tages später vom Tod der Frau erfährt.
War "Die Angst der alten Dame" berechtigt? Stand Creeda ihrem Mann und seiner jungen Hof-Angestellten im Weg? Er hatte schon lange kein Interesse mehr an dem Hof, der Creeda gehörte und will ihn nach seinem Tod auch möglichst schnell verkaufen. Wie sich herausstellt, stimmen die Gerüchte und es steht bereits ein Käufer in den Startlöchern.
Die Story ist aber längst nicht so einfach, Autorin Rebecca Michéle hat noch sehr viel mehr in Sandras neuesten Fall mit eingearbeitet. Einige tolle Twists, aber leider auch einer, der mich nervte:
Christopher verschweigt Sandra etwas. Sie findet es heraus und schweigt ihrerseits. Viel Drama um nichts - ich mag solche Twists einfach nicht. Redet miteinander und gut ist! Gelegenheiten zum Reden hätte es genug gegeben. Solche nutzlosen und ungeklärten Privatangelegenheiten lenken einfach vom Fall ab und sind unnötig.
Der Fall an sich ist aber okay. Sandra weiss bald nicht mehr, welchen Involvierten sie trauen kann und wem nicht. Leider hinterfragt sie nicht viel, denn sonst wäre sie schon längst stutzig geworden und dem wahren Täter auf der Spur.
Das tatsächliche Motiv hingegen - hier macht es die Autorin spannend - erfährt man erst gegen Ende und so wird es doch noch ein interessanter Fall.
Fazit: Turbulent, wendungsreich und unterhaltend.
4 Punkte.
Zu langweilig
Möwensommer von Lotte Römer
Mein erstes Buch der Autorin - und für länger sicher auch das letzte Buch, denn wahrscheinlich greife ich so schnell nicht mehr nach ihren Romanen.
Die Geschichte um Lina, die als Floristin in einem Blumenladen auf Norderney arbeitet, ist leider sehr oberflächlich.
Zwischen Lina und ihrem besten Freund Mattis war einmal was, doch beide schweigen es tot und machen auf beste Freunde.
Da Lina meint, Matthis hätte kein Interesse an ihr als Frau, sucht sie nach geeigneteren Männern um und nimmt deshalb sofort die Einladung des neuen Standesbeamten an. Weshalb Matthis nun plötzlich auch fremdflirtet, versteht sie nicht so ganz. Auch das Getue von ihrer Chefin, die auf einmal Geheimnisse zu haben scheint, und ihr Desinteresse am Geschäft lässt Lina nicht los, denn am liebsten würde sie den Blumenladen besitzen, sie hätte ja so viele Ideen...
Der Roman ist flüssig zu lesen und unterhält auf eine sehr leichte Art. Freundschaft wird grossgeschrieben.
Aber das wars leider auch schon. Mich konnte die Geschichte nicht vom Hocker reissen. Sie sollte wohl locker rüberkommen, aber sie wirkt zu bemüht und findet deshalb keine Tiefe und bleibt banal. Vieles wirkte total unglaubwürdig, wie zum Beispiel das oben erwähnte Totschweigen einer bestimmten Nacht. Auch für die Figurenzeichnung hatte ich oft nur ein Kopfschütteln übrig.
Fazit: Für Leserinnen, die gerade kein anderes Buch zur Hand haben und sich schnell mal drei, vier Stunden ablenken wollen, ist der Roman ideal. Mir war er zu langweilig.
3 Punkte.
Ein Roman wie seine Charaktere: nicht perfekt und trotzdem nett
Montags bei Monica von Clare Pooley
Ich mag Café-Romane und war deshalb sehr gespannt auf "Montags bei Monica".
Zuallererst steht aber nicht das Café von Monica im Blickfeld, sondern der 79jährige Julian Jessop, ein alternder Künstler - in meinem Kopf war er ein Dandy durch und durch. Julian hat sich einige Jahre zuhause eingenistet, liess niemanden an ihn ran, doch nun merkt er, dass er endlich sein Schneckenloch verlassen und wieder am Leben teilhaben sollte.
Er schreibt sich alles von der Leber, in ein kleines Notizheft.
Das Heft lässt er spontan in Monicas Café liegen. Monica findet es natürlich, liest Julians Geschichte und es entsteht eine Kettenreaktion: auch sie schreibt ins Heft, lässt es liegen, es wird gefunden, der Finder schreibt hinein und so weiter...
Doch damit ist es nicht getan: denn Monica will Julian helfen, derjenige nach Monica will ihr und ebenso Julian helfen. Nach und nach lernen sich alle Schreiberlinge kennen, Drehpunkt ist Monicas Café.
Die Bandbreite der Charaktere ist generationenübergreifend: junge und alte Mütter, Singles, Senioren. Alle mit total unterschiedlichen Berufen und Herkunftsgeschichten. Clare Pooley bringt Figuren mit echten und alltäglichen Problemen aufs Podest. Zum Beispiel Hazard, der Name sagt es, ein unsteter Typ, unsympathisch auf den ersten Blick, er kann sich selbst auch nicht leiden und weiss: eine Veränderung muss her.
Diese Veränderung wollen alle, die ins Notizheft schreiben. In welche Richtung die Veränderung gehen soll, ist aber noch nicht allen klar. Bloss: aufrichtig sein ist die neue Devise, so hat es Julian vorgegeben. Mit dem neuen Lebensmotto verändern sich alle, freunden sich an, aber auch Unstimmigkeiten bleiben nicht aus.
Im Grossen und Ganzen ist "Montags bei Monica" ein weiser, fast schon kluger Roman, der gut unterhält. Der beste Leseplatz wäre eigentlich ein schöner Platz in einem gemütlichen Café, vielleicht klappt es ja zumindest für eine oder zwei Stunden.
Theoretisch eine tolle Geschichte, die aber einige langatmige Szenen aufweist. Besonders während der Vorstellung von Alice. Bei der Story um die junge Mama-Instagrammerin nervten mich die vielen "@". Nicht nur mich als Leserin übrigens, auch einige andere Figuren im Roman verdrehten die Augen. Etwas weniger davon wäre angenehmer gewesen, auch wenn die "@"'s wahrscheinlich mit voller Absicht von der Autorin platziert wurden, um zu versinnbildlichen, wie doof Alices Tun ist, denn der Plot ist auffallend gut durchdacht.
Fazit: Die Story ist wie seine Charaktere: nicht ganz perfekt. Sie kennenzulernen ist aber unbedingt empfehlenswert.
4 Punkte.
Authentische Figuren
Stürmische Algarve von Carolina Conrad
"Stürmische Algarve" beginnt damit, dass Anabela und ihre Mutter sich darüber streiten, wie es mit dem Vater weiter gehen soll. Seine Demenz schreitet immer schneller voran und die Frage, ob er in einem Heim besser aufgehoben wäre, steht im Raum.
Die Entscheidung schieben sie vor sich her, denn Anabela hat mit ihren Übersetzungsjobs gut zu tun und sie weiss noch nicht, dass sie bald auch wieder für die Polizei übersetzen muss - eine Österreicherin wird tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden und Anabela soll deren Angehörige kontaktieren.
Zuerst kommt der Leichenfund nur Anabela komisch vor, die Polizei vor Ort, sprich ihr Cousin Luís Silva, ist aber nur genervt und will Bela gar nicht zuhören. Allerdings macht er die Rechnung ohne Joao Almeido, der springt - für einmal - von alleine auf das Unglück an. Es braucht nur wenige Nachforschungen und schnell ist klar, dass da mehr dahinter stecken könnte. Sogar Bibliothekar Mario weiss einiges über die tote Frau zu erzählen. Für Joao, der eifersüchtig auf Mario ist, das gefundene Fressen und höchst verdächtig.
Der Fall ist gut aufgebaut, immer mehr Details werden bekannt, Zusammenhänge klarer - und doch fehlen den Ermittlern bis fast am Ende die nötigen Puzzleteile um den Fall abzuschliessen. Die Autorin macht es somit sehr spannend und überzeugt durch einen lebendigen Schreibstil.
Die Stärke dieser Serie sind die authentischen Figuren, die sich über alle bisherigen vier Bände immer mehr entwickeln. Auch die Kriminalfälle, die sich meistens im Touristenmilieu abspielen, sind glaubwürdig und könnten sich in real genauso abspielen. Deshalb:
Fazit: Es macht Spass jedes Jahr einmal mit Carolina Conrads Charakteren für einige gemütliche Lesestunden an der Algarve abzutauchen.
4 Punkte.
Nichts ist wie es scheint
Tod am Canal Grande - Ein Fall für Jackie Dupont von Eve Lambert
Nach Monaco und London treffen wir Jackie und Kit (Christopher) nun in Venedig an. Er logiert beim britischen Botschafter, wie das damals anscheinend wohl üblich war. Nach einer Abendgesellschaft zeigt er einer neu in Venedig angekommenen, früheren Bekannten, Mitzy, sein gerade zu Ende restauriertes Gemälde in einer Kirche.
Am nächsten Tag fehlt von Mitzy aber jede Spur - dafür ist Jackie eingetroffen, auf der Suche nach demjenigen, der eine Liste mit Namen weiterer Spione gestohlen hat. Diese sind verängstigt. Ihr Leben steht auf dem Spiel, denn über ihr Doppelleben weiss kaum jemand Bescheid.
Jackie und ihr Onkel Daniel, der ebenfalls in Venedig weilt, machen sich auf die Spur dieses "Superspions". Kit muss sich derweilen mit der Botschafterfamilie und dessen Gästen beschäftigen, was ihn langweilt, doch da muss er durch. Gefährlich wird es für ihn noch früh genug!
In "Tod am Canal Grande" lässt Eve Lambert die Leser manchmal hinter Jackies taffe Fassade blicken - und in eingeschobenen Rückblicken ihres Onkel erfährt man wie das mit Diana aka Jackie gewesen sein könnte. Doch nicht nur was ihr Dasein betrifft, auch für diesen dritten Band gilt: Nichts ist wie es scheint.
Geschickt webt die Autorin viele verschiedene Fährten mit ein, die manchmal ins Off laufen, manchmal aber auch Dinge enthüllen, die vielleicht nicht immer direkt für den Fall, aber auch sonst äusserst interessant sind.
Erneut hat Eve Lambert einen höchst unterhaltenden Kriminalroman vorgelegt. Kit ist wie immer mein Lieblingscharakter. Doch auch die anderen Beteiligten haben etwas in sich, niemandem will man wirklich trauen. Onkel Daniel nun kennen zu lernen, war aufschlussreich. Die Briten kommen bei ihm nicht so gut weg, seine Kommentare machen einfach Spass - solange man selbst nicht zu der britischen Aristokratie gehört ;-)
Dieser dritte Band ist derjenige, der am meisten neugierig auf den nächsten Band macht, denn Kit und Jackies Privatleben nimmt Form an, im wahrsten Sinne des Wortes. Da kann man nur gespannt sein, wie es mit den beiden weiter geht.
Fazit: Wieder super gerne und viel zu schnell ausgelesen!
4 Punkte.
Stöbern in alten Tagebüchern
Für Glück ist es nie zu spät von Heike Abidi
Ein herbstliches, sehr schönes Cover ziert den neuen Roman von Heike Abidi, die mich bereits mit ihren Anna Paulsen-Romanen ("Liebe M.,..." und "Wirf dein Herz voraus...") begeistern konnte. Ich nehm es voraus: dasselbe gelang der Autorin mit "Für Glück ist es nie zu spät" erneut.
Für einmal ist es kein aussergewöhnliches Thema (Amt für unzustellbare Post oder Hypochonderin Liane), sondern ein eigentlich allgemeines, fast alltägliches Thema mit dem sich Heike Abidi hier auseinandersetzt - zu dem sich wohl fast alle Leserinnen, die die 50 bereits überschritten haben, sicher auch schon einmal Gedanken gemacht oder gar gleich gehandelt haben, wie Abidis Protagonistin Johanna in diesem Roman.
Nach dem Tod ihres Mannes fühlt sich Johanna frei, aber auch überfordert von der Situation. Alles steht ihr jetzt offen, sie kann so weiter machen wie bisher oder ein ganz neues Leben beginnen.
Johannas frühere Freundin schickt ihr anstatt eine Trauerkarte ein Notizbuch, für sie eine klare Einladung Tagebuch zu schreiben wie früher. Johanna lässt darin ihr Leben Revue passieren und stöbert in ihren alten Tagebüchern. Besonders nachdem eines Tages der Makler vor der Türe steht und sich als Johannas Ex-Freund Henry entpuppt.
Während die Protagonistin ihr Leben entrümpelt, lernen die Leserinnen durch die alten Tagebuch- und neuen Notizbucheinträge die sympathische Johanna immer besser kennen. Witzig sind vor allem die Szenen, als sie durch Henry auf die Idee kommt, ihre Ex-Freunde inkognito zu kontaktieren, um zu sehen, ob sie sich damals richtig entschieden hat. Viele weitere überraschende Begebenheiten machen den unterhaltenden Roman zu einem packenden Lesevergnügen.
Die Geschichte ist wie das Cover thematisch herbstlich, denn die Protagonistin ist im besten Alter und kann nun über die in ihr in den letzten Jahren mit viel Herbstlaub bedeckten innerlichen Überzeugungen, Werte und Vorlieben winterlich ruhig und leise nachdenken, danach frühlingsmässig erwachen und sommerlich mit sonnigem Gemüt ihre Pläne ausführen und am Ende herbstlich ihre Ernte - ihr neues Leben und eigentlich ganz altes, nun aber innerlich wie äusserliches Ich - einfahren und geniessen.
Mir hat "Für Glück ist es nie zu spät" sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist, wie von der Autorin gewohnt, humorvoll, locker leicht und zugleich sehr erdend.
Fazit: Ein engagierter Roman über einen Neuanfang mit sympathischen Charakteren - toll erzählt.
5 Punkte.
Die Hacienda in Ecuador
Das Parfum der Liebe von Hanna Caspian
Zum 175jährigen Jubiläum hat der Droemer Knaur Verlag sechs Jubiläums-Ausgaben gedruckt, allesamt Kurzromane von ihren Stamm-Autor*innen und als "Sehnsuchtsromane" beschrieben.
Einer davon sprach mich sofort an, Hannah Caspians "Das Parfum der Liebe". Dieser Kurzroman spielt im Jahr 1904, knapp 120 Jahre vor unserer Zeit - und spielt somit 55 Jahre nach der Verlagsgründung.
Die Autorin nimmt uns mit nach Ecuador, ein eher seltenes literarisches Reiseziel, und bringt den Leserinnen die farbenprächtige ecuadorianische Pflanzenwelt den Leserinnen näher.
Auf der Reise durch Südamerika begleitet Viola ihren Onkel, der als Apotheker nach seltenen Pflanzen sucht, und hat die Aufgabe übernommen, diese Blumen zu zeichnen. An einem Abend lernt sie Adrian kennen, ein Parfümhersteller - die beiden sind anfangs gar nicht gut aufeinander zu sprechen, doch bald ist Adrian fasziniert von der mutigen und begabten Viola. Die damaligen gesellschaftlichen Zwänge machen es ihnen aber nicht leicht aufeinander zuzugehen, zu viele Hindernisse stehen vorerst zwischen ihnen.
Hannah Caspian schafft es, auf wenigen Seiten (128) eine vollständige Geschichte mit interessanten Charakteren zu erzählen. Es fehlt nichts und man hat auch nicht das Gefühl, dass etwas zu kurz kam. Ausser dass man die Reise der Beteiligten am liebsten noch viel länger verfolgen würde, denn die ist spannend aufgebaut.
Fazit: Eine schöne Geschichte über zwei junge Gleichgesinnte.
4 Punkte.











