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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ein würdiges Jubiläum
Bretonische Idylle von Jean-Luc Bannalec
Mit "Bretonische Idylle" feiert die Krimiserie um George Dupin den 10. Geburtstag. Oder anders gesagt: das zehnjährige Dienstjubiläum an seiner nun nicht mehr neuen Arbeitsstelle in der Bretagne.
Wer erinnert sich auch noch an den ersten Band, als George strafversetzt wurde und neu beginnen musste? Sein eigenwilliges Ermitteln ist mittlerweile für seine Untergebenen ganz normal geworden.
Dass er nur mit Café im Blut richtig nachdenken kann und ab und an seine Ruhe braucht um sich Notizen zum jeweils aktuellen Fall zu machen, ist schon fast normaler Alltag. Auch ist jedem bekannt, dass George nicht gerne Schiff fährt.
Doch dies muss Dupin in seinem zehnten Fall, einige Tage vor dem grossen Fest, erneut tun. Hinüber auf die Belle-Île geht es kaum anders. Der an einem schönen Morgen aufgefundene Tote stammt von dort. Patric Provost, Schafzüchter von der schönen Insel, hat die Belle-Île nur einmal jährlich verlassen, zum Geburtstag seines Onkels. Genau diesen Tag hat der Mörder erwischt - bewusst oder zufällig?
Patric war bei allen unbeliebt. Es gibt keinen, der ihn mochte, nicht mal sein Onkel. Alle innovativen Ideen der Inselbewohner hat Patric sabotiert. Er war niemandes Freund, ein schlechter Arbeitgeber und ein Nein-Sager, der niemandem etwas gönnte oder auch nur zwei Zentimeter entgegen kam. In diesem Umfeld ermittelt Dupin mit seinem Team, unterstützt vom Insel-Commandant Cosqueric.
Rival stammt von der Insel und hat Heimvorteil. Er erzählt wie immer bretonische Sagen, diesmal solche, die sich um die Belle-Île ranken. Nolwenn hingegen lässt keine Anrufe an Dupin vergehen, ohne ihm nicht noch mindestens einen bretonischen Sätze abzuverlangen.
Zusammen mit dem Team erleben die Leser die Belle-Île, und wie so oft beim Lesern der Dupin-Bände, bekommt man sofort Lust, den Schauplatz zu besuchen. Ein Café oder Whisky im Garten des Goulou zu trinken oder ein Essen beim Leuchtturm, bei dem auch Vegetarier in Versuchung geraden könnten, das berühmte Salzlamm der Insel zu degustieren und dabei über die Möglichkeit einer autarken Energiegewinnung zu diskutieren.
Dieser Fall ist interessant, obwohl ich mir bald sicher war, wie er ausgehen wird. Bis dahin passiert aber noch einiges Unvorhergesehenes und wie immer ist das Ermittlungs- und Erzähl-Tempo extrem hoch. Apropos Erzählen: einige Verdächtige würde man am liebsten knebeln, damit sie nicht so viel reden, Madame Corbel zum Beispiel. Riwal ist fast schon stumm dagegen.
Mir hat es Spass gemacht, Dupin und sein Team bei ihrem Jubiläum zu begleiten.
Den Fall hab ich in weniger Tagen ausgelesen, als er gelöst wurde. Ich staunte dabei über einige tolle Ideen betreffend Alibiüberprüfungen, und freue mich, wenn der nächste Fall - hoffentlich ohne Schifffahrt für Dupin - ansteht.
Fazit: Mit "Bretonische Idylle" feiert die Serie ein würdiges Jubiläum!
4 Punkte.
Bilder und Badehosen
Mord in Parma von Dani Scarpa
"Mord in Parma" ist der Auftakt einer neuen Krimiserie, von der der erste Teil im italienischen Parma angesiedelt ist. In Parma ist nicht nur der Schinken berühmt, sondern auch die Galleria Nazionale im Palazzo della Pilotta, die Bilder des einheimischen Künstlers Correggio beherbergt.
Eins von Correggios Bildern taucht urplötzlich in München auf.
Paolo Ritter, Mitarbeiter des LKA, soll den Transport des wertvollen Gemäldes zurück in die Heimat begleiten. Paolo wundert sich zwar über den Job, denkt aber, dass er auch noch eine weitere Aufgabe in Italien zu bewältigen hat - er hat eine Abneigung gegen das Land, gegen Sand, gegen Kaffee. Einiges davon ist familiär geprägt, anderes hat er sich angewöhnt. Aber alles aus Gründen, die die Leserschaft nach und nach erfahren.
Eigentlich sollte er am nächsten Tag gleich wieder zurück fahren, doch erst gibt es ein Planänderung bei der Transportfirma, dann ändert der Tod des Galeriekurators Paolos Pläne. Zusammen mit Lucia, die er in Cervia kennenlernt, will er herausfinden, wieso der Museumskurator sterben musste. Der gewissenhafte Paolo legt sich mit dem deutsche-Gründlichkeit-hassende Commissario Borghese an, denn der will einfach nicht sehen, dass Signor Tantaro nicht eines natürlichen Todes starb.
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, bleibt es nicht nur bei dem einen Zusammenstoss mit dem Kommissar. Für Paolo ist das nicht so angenehm, für die Leser hingegen schon.
Dani Scarpa (ein Pseudonym eines deutschen Krimi-Autors) präsentiert uns einen eigenwilligen und auf den ersten Blick sonderbaren Ermittler, der sich in diesem ersten Band zuerst um seine Vergangenheit kümmert - damit die Zukunft beginnen kann. Zu Gast in seinem Kopf ist erst ein kleiner Junge in roter Badehose, später begleitet ihn Tantaro.
Unterstützt wird Paolo von Köchin Lucia, die er auf seiner Reise kennenlernt. Lucia hilft Paolo nicht nur mit der italienischen Sprache, sie hilft ihm auch öfters aus der Patsche und bringt ihm das so verhasste italienische Dolce Vita näher.
Paolos Vorgesetzte und Verlobte Julia bleibt vom fernen München zugeschaltet, viel bekommt man von ihr nicht mit, braucht man auch nicht. Paolo, Lucia und Borghese - die drei reichen vollends aus, mehr an Personal braucht dieser Krimi wirklich nicht.
Der Kriminalfall an sich ist interessant und spannend, denn der Mord an Tantaro war nur ein Steinchen im Rad, es passiert noch einiges mehr - langweilig wird es nie.
Nach dem Ende bin ich nun natürlich gespannt, ob und wie es mit Paolo weitergeht - ich bin jedenfalls gerne dabei, seine weiteren Schritte zu begleiten.
Fazit: Ein humorvoller, aber auch interessanter Italien-Krimi mit einem ebensolchen Ermittler. Naja, das mit dem Humor muss er vielleicht noch ein bisschen lernen. (Der Paolo, nicht der Autor - der hat es im Griff!)
4 Punkte.
Zwei Ermittler im Einklang
Mord au Vin von Sandrine Albert
Krimis, die in Frankreich angesiedelt sind, mag ich. Ebenso mag ich es, wenn das Thema Weinanbau in einem Roman vorkommt. Deshalb griff ich zum ersten Band der neuen Krimiserie von Sandrine Albert, ein Pseudonym für die Autorin Sandra Aslund, die bereits eine mehrteilige Provence-Kommissarin-Serie geschrieben hat.
In dieser neuen Serie gibt es gleich zwei Ermittler: zum einen Commandant Raoul Chénier und die junge Privatdetektivin Claire Molinet - eine der wenigen, die sich wirklich so nennen darf, wie man im Krimi erfährt. Ob das real auch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber für die Geschichte macht es Sinn, denn Claire wird somit auch von der Polizei, hier im Speziellen von Raoul, ernst genommen. Beide leben erst seit wenigen Jahren in Bordeaux.
Claire ist aber auch Foodbloggerin, nicht nur, damit sie ihre Ermittlungen gut verschleiern kann. Sie soll eine vermisste Studentin, nur wenig jünger als sie selbst, suchen. Der einzige Anhaltspunkt könnte die Bar sein, in der Délia arbeitete.
Man ahnt es, dass es sie gibt, aber lange scheint es nicht danach: Berührungspunkte zwischen Claires Fall und dem von Raoul. Ihn beschäftigt eine im Sand verbuddelte Leiche, die der Hund von Claires Gärtner und Freund mit gewissen Vorzügen, Philippe, entdeckte. Die Dünenleiche ist die vor drei Jahren verschwundene Winzerin Anaïs. Mögliche Tat-Motive wären Eifersucht und Erbstreitereien. Raoul stochert im Heuhaufen.
Ich mochte beide Ermittler. Sie sich auch. Claire und Raoul merken schnell, dass ihnen beiden gedient ist, wenn sie ihre Informationen teilen. Jeder bleibt an seinem Fall, aber mit Bonus-Informationen, die sie beide weiterbringen.
Mir gefiel diese Herangehensweise sehr. Es war schön zu lesen, dass man ohne Gesichtsverluste miteinander arbeiten kann, ohne dass jemand sich wichtiger als der andere fühlt und eine Zusammenarbeit von Anfang an möglich ist - und nicht erst nach zig Fällen, wie das in vielen Krimi-Reihen üblich ist.
Das Thema "Weinbau mit oder ohne Pestizide" ist top aktuell - in einigen Tagen wird hier in der Schweiz über ein Pestizid-Verbot abgestimmt. Beim Lesen wünschte ich mir, dass sich alle Wähler die nötigen Infos auf solch eine einfache, aber deutliche Weise erlesen könnten.
Nicht nur aufgrund des Themas ist "Mord au Vin" ein interessanter Krimi. Die beiden Ermittler mag ich und deshalb würde ich mich auf weitere Fälle freuen. Ich bin gespannt, was das beachtenswerte Gespann in Zukunft noch leisten wird.
Fazit: Ein toller Krimi-Reihen-Start, der mich für sich eingenommen hat.
4 Punkte.
Schönes Wiedersehen, aber spannungsarm
Madame le Commissaire und die panische Diva von Pierre Martin
Der Klappentext hörte sich vielversprechend an. Isabelle kurz in Paris zu erleben, das tönt gut - wenn man ihre Vorgeschichte kennt, ist man interessiert und gespannt zu erfahren, wie es ihr dabei geht.
Doch bis es soweit ist, kümmert sich Isabelle in Ramateulle um eine berühmte Sängerin, die gestalkt wird.
Die Sängerin ist eine Diva, panisch gerade zu Recht. Isabelle und Apollinaire durchleuchten sämtliche Bekannte von Colette Gaspard, kommen aber nicht vorwärts mit ihren Backgroundchecks, Observationen und ihrer Verdächtigenliste.
Nichts hilft, die Gaspard wird weiterhin bedroht - sogar in Paris, so dass Isabelle wider Willen ihre Reisetasche packen und einige Tage in Paris verbringen muss. Die Spur wird heiss, die Reise könnte sich also auszahlen.
Ich genoss es, Paris mit den Augen von Isabelle zu sehen und alte Bekannte wie Rouven, Nicolas, Clodine, Isabelle erneut und endlich einmal Maurice Balancourt "live" zu treffen. Diese Wiedersehen machten für mich den Reiz in diesem achten Band aus.
Aber leider blieb die erwartete Spannung in diesem Band aus. Pierre Martin gibt sich zwar alle Mühe, doch mir hätte er weitere wirklich Verdächtige auftischen müssen, die mich vielleicht auf eine falsche Fährte führen hätten können. Es gab zu wenig Möglichkeiten an in Frage kommenden Tätern.
Ich war Madame le Commissaire und Co. um Längen voraus und wartete, bis sie endlich den richtigen Hinweis bekam und um die Ecke dachte und somit endlich auf die richtige Spur kam. Hätte sie mich gefragt, wäre ihr einiges erspart geblieben ;-)
Für mich ist es daher der langweiligste Band bisher, da mich auch der Twist am Ende nicht überraschen konnte.
Fazit: Ein schönes, aber leider spannungsarmes Wiedersehen mit den Helden aus Fragolin.
3.5 Punkte.
Auf den Hund gekommen
Sommerlese von Marie Matisek
Auf den Hund gekommen - ist Hanna. Auf ihrer Fahrt nach Capri, wo sie vier Wochen an ihrem neuen Roman schreiben soll, liest sie einen Welpen auf, der schnell ihr Herz erobert.
Hanna ist im Gästehaus von Salvatore und Livia einquartiert und fühlt sich wohl. Während sie sich um das junge, verschüchterte Hundemädchen kümmert, das Leben auf Capri zu geniessen versucht, einem Flirt nicht abgeneigt ist, und endlich eine Idee für ihren zweiten Roman hat, ist sie aber immer noch gehemmt.
Hanna merkt, dass sie es belastet unter einem Pseudonym zu schreiben, das quasi zur Protagonistin ihres ersten Romans gehört und allen, vor allem auf Social Media, etwas vorspielen muss. Ob Capri Hanna von ihrer Schreibflaute erlösen kann?
Marie Matisek zeigt in "Sommerlese", dass die Liebe ausnahmsweise mal nicht durch den Magen, sondern durch den Hund geht. Liebhaber von Hunde-Romanen kommen total auf ihre Kosten. Anderen könnte es vielleicht ein wenig zu viel "Hund" sein.
Mich störte es keinesfalls, und ich mochte das Wiedersehen mit den bekannten Capri-Charakteren sehr. Denn die Leserinnen begegnen erneut den Figuren aus der zweiteiligen Amalfi-Serie und aus dem ersten Capri-Band. Lucia ist mittlerweile schwanger, Annunziata wagemutig und Salvatore hat grosse Sorgen, von denen Clivia nichts weiss.
Die Autorin verbindet deren aktuelle Geschichten mit derjenigen von Hannah und macht, dass man sich beim Lesen dieses Roman wie bei einem Familienbesuch auf Capri fühlt.
Ich mag, dass Matiseks Romane für Abwechslung sorgen und nicht immer nach dem gleichen Schema aufgebaut sind. Der Schreibstil ist gefällig, so dass es ein Leichtes ist, den Roman fast am Stück durchzulesen.
Fazit: Dieser warmherzige Roman ist genau richtig, um sich ein bisschen Sommer, in dem es nicht vorrangig um Sonne, Strand und die grosse Liebe geht, nach Hause zu holen.
4 Punkte.
Ein Glas Rosé in der Hand
Sommerlese von Marie Matisek
Passend zum Erscheinungstermin Ende Mai beginnt auch der Roman in den letzten Maitagen. Richtig los geht es im Juni. Denn da fliegt Sarah anstatt zu ihrem Freund nach Kalifornien kurzentschlossen nach Südfrankreich zu ihrer dort lebenden besten Freundin Cleo.
Ebenso spontan organisiert Cleo für Sarah eine Bleibe, eine Wohnung im Gästehaus des jungen Winzers Lucien.
Er scheint nicht viel zu reden, doch peu à peu lernt Sarah ihn besser kennen. Lucien ist so ziemlich das Gegenteil ihres Freundes Tobias, der ein totaler Egozentriker ist. Sarah spürte dies schon lange, wollte es aber nicht wahrhaben. Auf die schmerzliche Art muss Sarah dies nun erfahren, doch sie ist auf gutem Wege, sich von Tobias zu lösen.
Während Sarah in Südfrankreich die Gegend erkundet, zu schreiben beginnt und ein wenig auf dem Weingut mithilft, findet sie wieder zu sich und versucht ihre nächste Zukunft zu planen.
Bei Cleo im Restaurant essen, bei Margrit Französisch lernen, mit Lucien schwimmen gehen oder sich den Weinbau erklären lassen und Anouk streicheln - bildhaft beschreibt die Hannah Juli Land und Leute.
Die Autorin macht es den Leserinnen leicht, sich wohl zu fühlen in der schönen Geschichte. Der Schreibstil ist locker leicht, aber mit der nötigen Tiefe. Die Figuren sind glaubhaft gezeichnet - die meisten davon würde man gerne kennenlernen.
Auch der Titel passt hervorragend und wenn man die Augen schliesst hört man sogar den Lavendel flüstern.
"Liebe, lavendelblau" ist ein kurzweiliger Sommerschmöker und ein gemütlicher Liebesroman, der einem das Gefühl gibt, selbst vor Ort zu sein.
Fazit: Ideal für einige schöne Lesestunden im Lesesessel, draussen auf dem Liegestuhl mit einem Glas Rosé in der Hand oder inmitten blühendem Lavendel.
4 Punkte.
Schönheit in allen Variationen
Bella Donna. Die Schöne von Florenz von Catherine Aurel
Simonetta Vespucci war die Venus von Botticelli, (vielleicht) die Geliebte von Giuliano de Medici und die Königin der Schönheit, diesbezüglich ein Vorbild für viele Frauen in Florenz.
Ob wahr oder nicht - die Autorin Catherine Aurel (ein Pseudonym von Julia Kröhn) macht aus dieser Vorlage einen hinreisenden Roman.
Die schönste Frau Florenz ist Simonetta Vespucci. Sie freut sich über die Hochzeit mit dem gut aussehenden Marco Vespucci. Fünf Jahre später: immer noch verheiratet, immer noch von ihrem Ehemann verschmäht. Und immer noch zu jung, um zu wissen wieso.
Doch dann bricht sie aus dem Ehekorsett aus, will erfahren, ob ihre Schönheit, ihre Weiblichkeit vielleicht doch bei anderen Männern Anklang findet.
Nicht lange und sie geht bei den Medicis ein und aus, ihrer Schwiegerfamilie zum Trotz. Auch der Maler Sandro Botticelli macht ihre Bekanntschaft und will Simonetta malen. Viel mehr, ihre Seele auf seinen Bildern einfangen.
Auch Cosima Bellani will, genau wie Simonetta, unabhängig von Männern und Familie werden, und sucht sich ein neues Standbein. Denn sie glaubt, dass sie als Kurtisane zu alt sei. Durch Simonetta kommt sie auf die Idee, Schönheitswässerchen und Cremes herzustellen.
Diese Rezepte hören sich oft nach Quacksalberei an. Oft übertreibt Cosima extra, sonst würde sie nichts verkaufen. Diesbezüglich hat sich auch heutzutage nicht viel geändert - möglichst einfache Rezepturen ziehen nicht, auch wenn sie oft mindestens genau so wirksam sind als Produkte mit vielen oder extrem exotischen Inhaltsstoffen.
Catherine Aurel spielt im ersten Band ihrer neuen Trilogie mit dem Thema Schönheit. Sie setzt Schönheit und Hässlichkeit nebeneinander, äusserlich und innerlich, und zeigt die ganze Spektrum davon.
Der Roman ist eingebettet im Kontext des 15. Jahrhundert, am Höhepunkt der Renaissance, als Florenz von Medicis regiert wurde, die ihrerseits immer wieder mit Verschwörungen und Ränkelspielen konfrontiert wurden. Geld und Politik sind Thema der machthabenden Familien (und derer, die es gerne wären). Klatsch und Neid sind in allen Schichten der Bevölkerung zu finden. Und man merkt bald: mafiöse Verbindungen wie Schutz erkaufen/erpessen gab es schon damals.
Aber auch den schönen Künsten wird in "Die Schöne von Florenz" viel Platz gegeben. Nebeneinander gestellt werden zum Beispiel die unterschiedlichen Herangehensweisen der Maler. Leonardo da Vinci, der Leichen seziert, um den Körperbau und die Körperfunktionen zu begreifen und besser darstellen zu können. Sandro Botticelli, der die nackte Seelen der zu Porträtierenden malen will, ohne Schmuck und Schminke.
Die Charaktere dieses Romans tragen eine grosse Sehnsucht in sich, wünschen sich alle etwas. Doch diese Wünsche können oder wollen diejenigen, von denen sie es sich wünschen, nicht erfüllen. Geliebt zu werden, gleichberechtigt zu sein, gleiches Ansehen geniessen. Die vielfältigen Gefühle die in den Figuren schlummern, sich aber ganz anders den Weg nach aussen bahnen, hat die Autorin eindrücklich beschrieben.
Meine Lieblingsfiguren sind der einfühlsame Sandro Botticelli und Amiri, Cosimas Sklave und Beschützer. Gerne mehr erfahren hätte ich über den interessanten Amerigo Vespucci, der aber logischerweise nur eine winzige Nebenrolle inne hatte.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, diese bereits genannte Bandbreite der Themen, die die Autorin toll in Zusammenhang gesetzt hat, hat es in sich. Entstanden ist eine runde, mitreisende Geschichte, die Gedankenanstösse gibt und der Renaissance-Zeit ein neues Gesicht gibt.
Nun bin ich sehr gespannt wie es im zweiten Band weitergehen wird, denn wie uns Leserinnen verraten wird, werden wir einigen Figuren erneut begegnen.
Fazit: Der flüssig zu lesende Roman ist wie ein Streifzug durch Florenz inklusive Besuchen in Botticellis Werkstatt und dem Palast der Medici. Empfehlenswerte Lektüre, nicht nur für Histo-Fans.
5 Punkte.
Nicht mein Lieblingsband, dennoch fesselnd
Die verschwundene Schwester von Lucinda Riley
Lange mussten wir auf Band 7 warten. Kurz vor dem vor dem lang ersehnten Erscheinungstag liess Lucinda Riley plötzlich in ihrem Newsletter und auf Social Media verlauten, dass es noch nicht zur grossen Enthüllung um Pa Salt kommt, sondern er einen extra Band bekommt. Was für ein Knüller!
Für mich einerseits schade, denn meine Vorfreude auf diesen vermeintlich letzten Band war gross, andererseits freue ich mich, denn so kann ich Familie D'Aplièse noch länger begleiten.
Nun, nachdem ich diesen Band ausgelesen habe, kann ich sagen, dass es wirklich mehr als nur ein paar Kapitel Erklärungen zu Pa Salt und seinem Leben braucht.
Pa Salts Todestag nähert sich und die sechs Schwestern wollen in der Ägäis zusammenkommen und ihm mit einem Kranzabwurf gedenken. Dazu möchten sie die siebte Schwester einladen. Doch noch immer weiss niemand wer sie ist und wo man sie suchen sollte. Bis Georg Hoffmann, der Anwalt der Familie, einen Hinweis bekommt und auf Atlantis Maia und Ally erzählt, dass sie in Neuseeland suchen sollen. CeCe wohnt am nächsten und fliegt hin, nur um herauszufinden, dass sie nicht viel mehr als vorher in Erfahrung bringen konnten. Bei der verschwundenen Schwester könnte es sich nämlich um Mary-Kate oder deren Mutter Mary handeln. Welches ist die richtige, noch fehlende Schwester?
Mary-Kates Mutter jettet aber gerade um die Welt. An jeden neuen Standort reist ihr eine der Schwestern nach, doch Mary entwischt einige Male. Sie scheint Angst zu haben. Dies fällt auch ihren Kindern MK (Mary-Kate) und Jack auf, weswegen sie ihre Mutter ermutigen, zumindest eine der Schwestern zu treffen und sich die ganze Geschichte persönlich erklären zu lassen.
Schon während dem Lesen empfand ich Marys Angst ein wenig zu übertrieben. Auch noch, als ich am Ende die Gründe für ihre Angst erfahren habe. Sie hätte sich gleich am Anfang ans Telefon setzen und zuhören können. Und schon längstens eine andere bestimmte Sache ergoogeln. Doch das wär wohl zu einfach gewesen.
Aber durch ihre Flucht begegnet man wenigstens allen Schwestern nochmals und wird auf den aktuellen Stand gebracht. Nachdem für sie alle in ihren jeweiligen Bänden etwas Neues begann, sind die neuen Beziehungen mittlerweile nicht mehr ganz so frisch und der Alltag hat Einzug gehalten im neuen Lebensabschnitt. So erleben wir nicht nur Tiggy und Elektra, sondern auch Star, die mit Orlando eine Scharade hinlegt, während Maus durch einen Umbau unabkömmlich ist und CeCe, die ihrer Familie auf Atlantis Chrissie vorstellt. Aber besonders Maja und Ally, die schon auf Atlantis sind, lassen die Leserinnen näher an sich heran kommen.
Dennoch fand ich einige Szenen ein wenig an den Haaren herangezogen. Die Tischgespräche in Frankreich zum Beispiel. Da sprechen zwei englisch miteinander und der grosse Rest am Tisch französisch - und somit gibt es kein richtiges gemeinsames Tischgespräch, was wenig glaubhaft erscheint. Auch fragte ich mich, wieso denn Star nach London musste, wenn CeCe doch auch gerade hingeflogen ist, ausser dass wir Leserinnen sie auch noch in Action erleben durften. Logisch war es aber ganz und gar nicht.
Der Vergangenheitsstrang spielt zur Zeit des irischen Unabhängigkeitskrieges und beginnt 1920. Wir lernen Nuala und ihre Familie kennen, später Merrys Geschichte ab 1955. Wie die beiden irischen Erzählstränge zusammenhängen kann man zu einem gewissen Teil erahnen, genau erklärt wird es aber zum Ende des 832 Seiten starken Romans, so dass (fast) keine Fragen mehr offen sind.
Von allen bisherigen Bänden fand ich das Thema des irischen Bürgerkriegs am wenigsten interessant. Mir fehlten hier ein bisschen die "schönen Künste", die in einigen Bänden eine Rolle spielten, wie zum Beispiel die Geschichte der Christo-Statue in Rio, Komponist Grieg in Leipzig und Norwegen, Alice Keppler und Beatrix Potter in England und der Flamenco in Spanien. Aber auch die Perlenfischerei und die Ureinwohner in Australien, sowie die Gleichberechtigungsbewegung in den USA waren für mich persönlich spannendere Themen als Irland.
Auch wenn Lucinda Riley das Leben in Irland damals sehr gut und detailliert beschreibt - die extremen Unterschiede zwischen einer Stadt wie Dublin und auf dem Land im Südwesten sind wie Tag und Nacht - und uns dabei die tragischen Schicksale vieler Iren vor Augen führt, war es nicht mein Lieblingsthema. Ich mochte Nuala und Hannah erst beide, dann erst die eine und danach die andere nicht mehr. Alles nur wegen extremen politischen und religiösen Überzeugungen, bei denen Familienbanden auf einmal keine Rolle mehr spielten.
Father O'Brien und Ambroise sind meine Lieblingsfiguren in diesem Band. In der Gegenwartsgeschichte ist es Jack - lauter Männer, wenn es doch um die Schwestern, und somit alles Frauen, gehen sollte.
Der Geschichte um Pa Salt ist man nur minim näher gekommen, doch Platz findet sie wie erwähnt erst in einem weiteren Band. Nach den letzten Sätzen in "Die verschwundene Schwester" bin ich nun sehr auf die Auflösung dieses grossen Rätsels gespannt.
Fazit: Unterhaltend und, auch wenn es nicht mein favorisierter Band ist, dennoch fesselnder Lesestoff.
4 Punkte.
Heiratsanträge, Väter, Weine und Dreharbeiten
Provenzalischer Sturm von Sophie Bonnet
In Band 8 möchte Pierre seiner Charlotte einen Heiratsantrag machen. Doch sämtliche seiner Pläne werden durchkreuzt. Immer wieder. Erst ist es Charlotte selbst, dann ihre beiden Väter, danach ein im Hotel drehendes Filmteam.
Die provenzalische Idylle täuscht und so schön es auch in Sainte-Valérie und in Châteuaneuf-du-Pape sein mag, in Pierre brodelt es - wie ein Sturm.
Und wie ein Sturm durchzieht ein weiteres Mal ein Anschlag seine Pläne.
Diese Pläne lässt Pierre erstmal fallen, denn ein Sturm in Gestalt eines Mörders tobt auch durch die schöne Gegend. Nach dem erwähnten Anschlag auf dem Schloss ist klar: die geschilderten Unfälle einiger Einheimischer davor gehen auf dessen Konto. Doch wer wollte den Opfern schaden? Und alles nur um den Verkauf eines Weinguts zu unterbinden? Pierre ermittelt halbprivat und bekommt Hilfe von unerwarteter Stelle.
Die Autorin lässt die Leser einen grossen Einblick in die aktuelle Problematik des Weinanbaus gewähren. Es geht um Klimawandel, unbeliebte Investoren aus China und einiges mehr. Wie immer schafft sie es spielend, diese wichtigen Themen in ihre Krimis einzubauen, mit allen negativen und positiven Argumenten dafür oder dagegen. Und dies ohne dass der Krimi an Handlung einbüsst, eher sogar an Stärke gewinnt.
Sophie Bonnet sorgt in ihren "Pierre Durand"-Krimis stetig für Abwechslung. Kein Fall ähnelt dem anderen, immer gestaltet sie neue und interessante Plots, die es dem Leser einfach machen, die Reihe zu mögen.
Ich fand es sehr schön, einmal Alain und Richard, die Väter von Pierre und Charlotte, kennen zu lernen. Dadurch versteht man Pierre und Charlotte mit ihren Eigenheiten, Vorlieben und Abneigungen gleich viel besser.
Von den Bewohnern Sainte-Valérie bekommt man dieses Mal nicht so viel mit - ausser von Luc, der seine Beziehung mit Florence zu viel wird. So lange und oft war er noch mit keiner Frau zusammen, weswegen er nun seine Männerrunden umso mehr vermisst.
Ausserdem macht Luc eine wichtige Entdeckung, die den neuen Bürgermeister und dessen Wunsch nach einem anderen Chef de police municipale betreffen - die nächsten Bände könnten diesbezüglich interessant werden und ein grösserer "Provenzalischer Sturm" auch bald in Saint-Valérie wehen.
Fazit: Geplante Heiratsanträge, prämierte Weine, spezielle Väter und spontane TV-Dreharbeiten - auch der achte Fall hat es in sich und bietet spannende Unterhaltung.
5 Punkte.
Marshmallows, Cheesecake und viel Gefühl
Sehnsucht in Aquamarin von Miriam Covi
Was für eine schöne und glaubhafte Geschichte!
Autorin Miriam Covi gelang es erneut, mich schon mit den ersten Sätzen abzuholen und die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten.
Meer und Wald, Koyoten und Bären, Marshmallows und Cheesecake, Zelte und Briefe, Liebe und Verlust, Weinen und Lachen und Hoffen - dies alles und noch viel mehr gibt es in "Sehnsucht in Aquamarin" zu entdecken.
Anfangs weiss man zwar noch nicht so recht, was man von der sprunghaften Jette denken soll, doch bald merkt man, dass Jette und Polly, so gegensätzlich sie sind, beide von dem einen grossen Thema geprägt sind und sich deshalb so verhalten wie sie es tun: Jette hüpft von einem Mann und Land zum anderen, Polly versteckt sich hinter ihrem Schreibtisch und will gar keine Beziehung. Das alles, weil ihre Mutter sie verliess, als sie fünf und zwei Jahre alt waren.
Nie wieder haben sie etwas von ihr gehört, doch als Jette ein Foto entdeckt, abgelichtet eine Frau, die eindeutig ihre Mutter sein muss, hält sie nichts mehr und will schleunigst dorthin, wo das Foto entstanden ist. Nach Bar Harbor im amerikanischen Bundesstaat Maine. Polly ist wenig begeistert, doch schlussendlich zückt sie die Kreditkarte und fliegt sie mit.
Kaum angekommen, geht Jette sofort auf die Suche, während Polly weiterarbeitet - und dabei schnell mit Ranger Liam ins Flirten kommt. Das Herz auf der Zunge redet sich die brummelnde Polly um Kopf und Krage. Ein Charakterzug, der sie oft ins Fettnäpfchen treten lässt, aber auch sehr sympathisch macht. Liam geht ihr nicht mehr aus dem Kopf, seine Tochter Izzy auch nicht. Auch ich war schnell in love with Izzy, wer nicht!
Aber auch die anderen Charakter müssen sich nicht verstecken, ich mochte sie alle und sie alle tragen viel für das Gelingen dieses Romans bei. Während wir Leserinnen also beobachten, was die beiden Schwestern in Bar Harbor so alles bei der Suche nach ihrer Mutter erleben, taucht man beim Kennenlernen der weiteren Figuren immer mehr in die Geschichte mit ein und erfährt - wenn man es nicht schon wusste - dass es nie nur einen Blickwinkel auf bestimmte Situationen gibt.
Kurz nach der Hälfte brauchte ich Taschentücher, dies bis zum Ende, denn es ist eine äusserst emotionale Geschichte, die Miriam Covi uns hier auftischt. Die Thematik der verlorenen Mutter hat sie sich extrem gut angenommen, absolut glaubwürdig sind alle damit verbundenen Szenen und Situationen.
Der Roman ist oft traurig, noch öfter schnell wieder höchst amüsant - nicht nur wenn sich die Izzys dieser Welt für Biologie und Organismen interessieren - und alles ist mit viel, viel Liebe verbunden.
Fazit: Ein fantastischer Roman, der einfach alles bietet, was man sich wünschen kann: Spannung, Romantik, Drama, Humor, ein wunderschönes Setting und noch tollere Charaktere. Nur den Blueberry-Cheesecake, den muss man sich selber backen.
5 Punkte. Plus einen Platz auf meiner Jahreshighlightliste.










