Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Stierle Kelten

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Manfred Fürst:

voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Rasanter Cop-Thriller mit neuer Heldin

Late Show von Michael Connelly

Renée Ballard – Ihr erster Fall.

Der Titel LATE SHOW braucht keine Übersetzung, er steht zynisch für die Nachtschicht im Police Department von L. A., von elf bis sieben. Diese Schicht dürfen nur diejenigen übernehmen, die sich auf politischer Ebene mit dem Polizeiapparat angelegt haben; wie Detective Ballard, seit fünfzehn Jahren im Polizeidienst.

Aufgewachsen in Hawaii mit dessen Staatsmotto: "Ua Mau Ke Ea O Ka Aina I Ka Pono - Das Leben des Landes wird durch die Rechtschaffenheit bewahrt-."

Erste Nachtschicht für Ballard: Einbruch und KK-Diebstahl, schwere Körperverletzung und Massaker mit fünf Toten. Ballard wir von allen Ermittlungen von Lt. Olivas verbannt. Das hält sie jedoch nicht davon ab auf eigene Faust zu ermitteln. Tagsüber in ihrer Freizeit; wenn sie nicht gerade paddeln ist.

Durch ihre nichtautorisierten Nachforschungen entsteht eine gefährliche Dynamik, mitunter lebensgefährlich, aus dem Roman wird ein Thriller.

Mit einem Schlaglicht auf die Obdachlosenproblematik: In L.A. leben fast 45.000 Menschen auf der Straße. Präzise und detailliert schildert Connelly den Polizeialltag mit unzähligen Abkürzungen, die amerikanische Justiz und die bürokratischen Abläufe. Doch der Fokus ist dominierend auf die toughe Renée Ballard gerichtet, die viele gerne außerhalb des LAPD sehen würden und die sich in einer von Männern dominierten Welt beweisen muss.
Wir warten auf den nächsten rasanten Cop-Thriller von Detective Renée Ballard.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Rasanter Cop-Thriller mit neuer Heldin
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Randnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Sätze flirren wie die Sommerhitze

Sommer bei Nacht von Jan Costin Wagner

Sätze flirren wie die Sommerhitze in Jan Costin Wagners neuem Roman Sommer bei Nacht, aber nicht nur der Stil ist besonders, auch die Geschichte. Ungläubig nimmt der Leser wahr, was er gelesen hat. Einer der beiden Ermittler Ben Neven und Christian Sandner hat pädophile Neigungen, und sie sollen den neuen Entführungsfall Jannis mit pädophilem Hintergrund ermitteln.

Ben sieht sich Bilder nackter Jungen an, die er auf einem USB-Stick aus der Asservatenkammer gestohlen hat, und onaniert beim Anblick dieser Fotos.

Der schlimmsten aller Eltern-Albträume wird wahr: Der fünfjährige Jannis wird entführt.

Gedanken sind frei wird sich Jan Costin Wagner gedacht haben als er allen Protagonisten diese Gedankenfreiheit gewährt hatte und wir sie lesen dürfen. Von den Kommissaren bis zu den Tätern, die bereits am Anfang bekannt sind. Alle haben mit ihren Traumata zu kämpfen. Es kommt die Frage auf, ‚wer ist normal?‘ verbunden mit der Feststellung, wir alle haben die eine oder andere Macke im Hirn. Danke, lieber Jan C. W.

Und noch ein Selbstmord, ein Zufall, der zur Lösung des Falles führt und ein schwer verständlicher showdown mit Ben. Ben, Ben, Ben, lass dich untersuchen, nicht nur von der Internen, sondern von einem Psychiater.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Sätze flirren wie die Sommerhitze
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Großartiges Portrait einer Privatdetektivin mit einem Schuss Selbstironie

Altlasten von Sara Paretsky

Sara Paretskys Roman Altlasten, im amerikanischen Original Fallout von 2017, dieser radioaktive Niederschlag lässt nichts Gutes erahnen.

Altlasten beginnt unscheinbar. V.I. Victoria Iphigenia Vic Warshawski, Chicagos weiße Privatdetektivin, soll für Angie und Bernie einen Freund suchen, den jungen schwarzen Filmemacher August Veriden.

In dem Sportstudio, in dem er jobbt, wurde eingebrochen und verwüstet, er selbst ist seit zehn Tagen unauffindbar. Chicagos Polizei kümmert sich nicht um solche Lappalien; auch seine Wohnung wurde von Vandalen heimgesucht. Die Tatorte gleichen sich, jemand hat ein großes Interesse an ihm oder etwas. Wer ist hinter was her? August ist mit der afroamerikanischen Emerald Ferring movieStar nach Kansas, um über ihre Wurzeln eine Doku zu drehen, eine Origin Story.

Vic ist mit ihrer Hündin Peppy, einem Golden Retriever in Kansas unterwegs, weil sie nicht allein ermitteln will und einen verständnisvollen Gesprächspartner braucht.

Warshawski recherchiert verbissen ohne Rücksicht auf eigene Verluste, kämpft ohne Scheu vor Sheriffs, County Police, US Army und anderen bösen Buben, kehrt das Unterste zuoberst, buddelt in der Erde, findet Leichen und rettet Fasttote und fragt sich, ‚wo liegt der Hund begraben?‘ Ein leerer Atomraketensilo, geheime Experimente in einem Universitätslabor, gentechnisch veränderte Pflanzen, mysteriöse Krankheitskeime als biologische Waffen und radioaktiv verseuchte Böden im Zentrum einer komplexen Geschichte. Leichen verschwinden. Vic, eine widerwärtige Detektivin, die den Tod riecht wie eine Schmeißfliege (Zitat), streitet sich mit dem Sheriff. Sie, die berühmte Frau aus Chicago, die alle Sünden und Verbrechen im Douglas County aufdeckt (Zitat). Im Forschungszentrum für Biowissenschaften an der Uni Kansas gab es einen David Paretsky, einer von den Guten.

Großartiges Portrait einer Privatdetektivin mit einem Schuss Selbstironie, ein Tribut Paretskys an den feministischen Krimi, V. I. Warshawski, die Wünschelrute für Verbrechen. Ihr Jack kann ihr dabei nicht mehr zusehen.

Dieser vielschichtige, hochaktuelle und spannende Plot führt Paretsky zurück in ihre eigene Vergangenheit. Ihr Vater war von 1951 bis 2000 Zellbiologe en der University of Kansas. Sein Arbeitsgebiet waren die Bakterien.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Großartiges Portrait einer Privatdetektivin mit einem Schuss Selbstironie
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Randnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

„Wie soll das Ganze gedeutet werden?“

Der Choreograph von Håkan Nesser

Limitierte Sonderausgabe zum 70. Geburtstag - Håkan Nessers erster Roman erstmals auf Deutsch. Der Choreograph erschien 1988. Nessers Debütroman, eine Liebesgeschichte in Form eines Thrillers.

David. 28 Jahre Junggeselle, zwei Jahre verheiratet und zehn geschieden. Kinderlos, mittleren Alters, physisch in guter Form, mit einem nicht wirklich unvorteilhaften Äußeren und einem akzeptablen finanziellen Status.

Maria. Es war Frühling, der Winter war vorüber und jetzt geschah es: D. sah in einem Geschäft für Damenbekleidung die schönste Frau der Welt, in einem roten Kleid aus dünnem Baumwollstoff – und es überkommt ihn eine eigenartige Erregung, das kann schon mal vorkommen.

Carlo und D.: Einfache Regeln. Nacht. Das Messer liegt zwischen beiden. Der erste der das Messer nimmt, kann den anderen töten.

Der Roman hat viele lose Fäden, Maria mit Carlo, Ds späteren schriftlichen Notizen und die Ereignisse rundum. Nessers Erzählstil ist eigenartig. Ein richtiges selbstvergessenes Lesen kommt nicht auf, weil der Leser nach Anker sucht und dauernd mit Neuem konfrontiert wird: Seltsame Abkürzungen, Kollegen, Tierversuche in Klinik, Militär und Putsch, …

Professor G, „wie soll das Ganze gedeutet werden?“ Am Ende wird sich der Leser die gleiche Frage stellen wie Professor G.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
„Wie soll das Ganze gedeutet werden?“
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Magisches Lesevergnügen bis zur letzten Zeile

Ein Wort, um dich zu retten von Musso Guillaume

Guillaume Musso gehört zu den meistgelesenen Autoren Frankreichs Der neueste Roman mit dem deutschen Titel „Ein Wort, um dich zu retten“ - trifft den Inhalt nicht wirklich, im Original heißt der Roman viel besser „La Vie secrète des écrivains“, übersetzt „Das geheime Leben der Schriftsteller“.

Der Schauplatz des Romans ist die Insel Beaumont (mit Abbildung auf Umschlaginnenseite), die man auf keiner Landkarte finden wird, denn sie ist eine Fiktion; als Vorbild diente die reale Insel Porquerolles, auf jeden Fall im Mittelmeer.

Die Hölle ist leer – die Teufel sind alle hier (frei nach Shakespeare): Der geheimnisumwitterte Schriftstellers Nathan Fawles, der seit 20 Jahren auf Beaumont lebt und mit einem Schlag seine Schreibarbeit gestoppt hat. Das Rätsel um die Ursache von Fawles Schreibverweigerung ist der eine Handlungsstrang; dieses Geheimnis möchte die Journalistin Mathilde lösen und nicht nur das. Der junge Raphaël, der sich selbst als hoffnungsvoller Schriftsteller sieht, bis dato aber völlig verlagslos und Audibert, er betreibt die einzige Buchhandlung auf der Insel, in der Raphaël zwischenzeitlich beschäftigt ist; beide sind dann auch schlussendlich schicksalhaft verbunden. Apollines geschundener Leichnam wird gefunden, an den ältesten Eukalyptusbaum der Insel genagelt. Diese wird von der Polizei abgeriegelt (vergleiche A. Christie). Eine Krimihandlung folgt. Wir werden erfahren, wer die Täter sind, und wer die Opfer und dass nichts ist, wie es scheint und ob die Guten unter der Wohltätermaske die wahren Teufel sind.

Eine Liebeserklärung Mussos an die Literatur und das Schreiben:
Also beginnen wir zu streiten: Hat eine Erzählung nur die Funktion, der Sprache zu dienen? Oder ist es die wichtigste Qualität eines Schriftstellers, seine Leser durch eine gute Geschichte zu fesseln?

Etwas sehr Wahres: Auch wenn man nicht wusste, von wen der Text stammte, reichte die Lektüre einer Seite, um ihn als Verfasser identifizieren zu können.

Nathan Fawles spricht ein „großes Wort gelassen aus“: „Die einzige gerechtfertigte Beziehung zu einem Schriftsteller ist, seine Bücher zu lesen.“

Zum Schluss bekommen Mussos Kritiker und Leser noch ihr Fett ab. Nicht nur Journalisten schreiben eine positive Kritik, ohne die Geschichte begriffen zu haben, sondern auch viele Leser.

Magisches Lesevergnügen bis zur letzten Zeile.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Magisches Lesevergnügen bis zur letzten Zeile
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Köstlicher Wortwitz mal zum Weinen, mal zum Lachen

Junger Mann von Wolf Haas

Wolf Haas lässt seinen namenlosen Ich-Erzähler, einen übergewichtigen Zwölfeinhalbjährigen, den JUNGEN MANN von der Gewichtsabnahme um 13 kg auf 80 „träumen“. Besser wären 72.

In den Sommerferien arbeitet er als Tankwart, erblickt die Zwanzigjährige Elsa, selbstredend für ihn die schönste Frau mit dem schönsten Namen.

Er ist total verknallt und muss aufpassen, dass der Reißverschluss seiner Hose dem inneren Druck standhält. Aber er hat ein klitzekleines Problem, sie ist nämlich mit Trucker Tscho verheiratet. Tscho lädt ihn zu einer Fahrt nach Griechenland ein. Beginn eines abenteuerlichen Roadmovies. Und einer neuen Freundschaft?

Österreich 1973, Schilling als Währung und die Jugoslawische Volksrepublik ist noch existent. Ražnjići, Ćevapčići oder ein halbes Brathendl, das die Kellnerin auf den Tisch knallt, es ist halt das kommunistische Jugoslawien.

Köstlicher Wortwitz mal zum Weinen, mal zum Lachen mit viel Empathie erzählt:

Das Gescheiteste im Leben ist, gar nicht zu singen und nur den Mund zu bewegen.
Rückwärts durch die Beine betrachtet ist/war die Welt immer am interessantesten.
Es war schwierig im Leben, nicht in einen falschen Verdacht zu kommen.
Dem jungen Mann war schon öfter aufgefallen, dass er dummerweise nicht verrückt war.

Eine „Coming of Age“-Geschichte, vielleicht steckt hinter dem namenlosen jungen Mann ein gewisser Wolf H.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Köstlicher Wortwitz mal zum Weinen, mal zum Lachen
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Ergreifende Familiengeschichte und packender Thriller in einem

Long Bright River von Liz Moore

jetzt 2018. Stadtviertel Kensington in Philadelphia.

Das Cover zeigt die Benjamin Franklin Bridge über den Delaware River, den Long Bright River. Dort spielt sich eine Familiengeschichte ab, mit bedrückend erschütternden Rückblicken in die Kindheit zweier Schwestern - damals: von Mickey, der 32 Jahre alten Streifenpolizistin und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Kacey und deren Entfremdung, weil Mickey Kacey mehrmals festgenommen hatte; sie sprechen seit fünf Jahren nicht mehr miteinander.

Kacey ist verschwunden. Parallel zur Geschichte die gefährliche Jagd nach einem Frauenmörder.

Zutiefst verstörendes und zugleich trauriges Schlaglicht auf den Mikrokosmos Familie und das urbane kriminelle Philadelphia, spannend, geschickt konstruiert und einfühlsam erzählt mit einer psychologischen Studie der alleinerziehenden Mickey.

Geschliffenes Deutsch durch beste Übersetzung auf einem sehr hohen literarischen Niveau. Extraklasse.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Ergreifende Familiengeschichte und packender Thriller in einem
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Keine literarische Morde in schwedischer Sommernacht

Mord in der Sonntagsstraße von Peter Englund

Historiker Peter Englund hat in seine Jugend in Stockholm verbracht, seziert einen aufsehenerregenden, weil realen Mordfall aus dem Jahr 1965, mit einer beeindruckenden Anatomie der gesellschaftliche Entwicklung Schwedens bis zur idyllischen Vorstadt mit neun unterschiedlichen Haustypen im Stil der „Volksheimatarchitektur“ und ebendort geschah der Mord.

Schweden sah sich zwar gerne als ein Land, in dem gesellschaftliche Klassen genauso tot waren wie die Ideologien was den sozialen Aufstieg einfacher machen sollte.

Die 18-Jährige Eva Marianne Granell, Spitzname Kickan, war in jenem Sommer im Bett ihres Elternhauses in der Sonntagsstraße, dem Söndagsvägen 88 im Stockholmer Vorort Hökarängen tot aufgefunden worden. Gerade war sie von einer mehrwöchigen Urlaubsreise mit ihrem Verlobten aus Spanien zurückgekehrt. Anfangs vermutete man einen Selbstmord der jungen Frau, weil Spuren von Fremdeinwirkung fehlten. Der Spurensicherer Lange erkennt im Tatortfundbericht eine kühl registrierende Prosa, die bestimmende Eigenschaft des gesamten Romans, sachlich und humorbefreit oder sollte hier etwas lustig sein.

Es wird über die Geschichte Stockholmer Vororts Hökarängen, die Verdächtigungen gegen den Svensson, den Verlobten von Kickan, den ermittelnden Kriminalkommissar GW Larsson, Kickans Nachbarin Lillian, die aufkommende Methode der Erstellung von Täterprofilen, dem sogenannten Profiling, die Bedeutung des Starts des Fernsehens, der Medien, des großen Detektivs Öffentlichkeit und nicht zuletzt über die Polizei-Dienstkleidung im Detail berichtet.

Peter Englunds höchst eigenartige persönliche Motivation: Es geht um seinen alten Traum, an einem Thema zu arbeiten, das noch in Erinnerung der Menschen ist. Rein technisch gesehen beschäftigt sich der Historiker nicht mit der Vergangenheit, sondern er studiert die Hinterlassenschaften der Vergangenheit, so Englund. Er interpretiert (im Nachhinein) Untersuchungsergebnisse mit dem verhafteten Verdächtigen auf seine eigene Weise.

Mit Prolog, sechs Kapiteln, Epilog, Nachwort und Anmerkungen, eine akribische Arbeit des Historikers Englund. Die 110 Fußnoten sind ein unwiderlegbarer Beleg dafür, dass die Geschichte dieses Verbrechens keine Fiktion ist, aber für die Verbrechensanalyse manchmal banal bis irrelevant. Es hat den Anschein, dass sich der Historiker Englund, gewohnt wissenschaftlich stichhaltig zu veröffentlichen, mit seiner Geschichte eines Verbrechens nur „austoben“ wollte. Sollte ein Programmdirektor des Fernsehens dieses Drehbuch für eine seiner „True-Crime“-Serie entdecken, wollte er frohlocken. Das Nachwort gibt Zeugnis von der unglaublichen Detailarbeit des Autors: Versuch, ein Bild von Schweden zur fraglichen Zeit zu entwerfen und er konstatiert eine abgrundtiefe Kluft in den Unterhaltungskrimis zwischen Schein und Wirklichkeit.

Das Gefühl der Bedrohung (Kalter Krieg, Berlin-Krise 1961 und Kubakrise 1962) sei oft unterdrückt worden, sublimiert, aber nach Art sublimierter Ängste tendierte es dazu, an anderer Stelle wieder an Tage zu treten, zum Beispiel in Situationen wie nach der Ermordung Kickans. Auf diese Schlussfolgerungen kann nur ein Historiker kommen. Eine fragwürdige Feststellung betrifft die Vermutung, dass Menschen selten als Mörder debütieren, sondern in der Regel zunächst mit anderen, kleineren Verbrechen angefangen haben.

Die Kombination aus True-Crime, Englunds Kindheitserinnerungen, zum Zeitpunkt des Verbrechens war er 8 Jahre alt und seinen sorgfältigen Recherchen ergeben einen sehr lesenswerten Roman.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Keine literarische Morde in schwedischer Sommernacht
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Beste dänische Thrillerliteratur

Sühne von Steffen Jacobsen

So wie Steffen Jacobsen die Schmerzen des krebskranken Pharmaunternehmers Frank Linden beschreibt, tun sie dem Leser weh. Dieser Schreibstil nimmt den Leser von Beginn an in Beschlag.

Eine Operatorin, beschönigende Bezeichnung für eine Auftragskillerin mit Ausblick aus ihrer Wohnung auf die Kopenhagener Marmorkirche und dem Kater Belphegor, bezeichnenderweise der Name eines Dämons und einem Waffenraum; Mit diesem Mädel ist nicht zu spaßen – Begegnungen könnten tödlich enden.

Die Operatorin und ein Vollstrecker mit einer goldenen Regel: „Two in the heart and one in the head, and you know, they are dead.”

Michael Sander, Freelancer, verheiratet mit Kommissarin Lene Jensen – wie Mr. & Mrs. Smith.

Die Plot-Konstellation zum Zeitpunkt des Begräbnisses von Frank Linden ist an nichtgefühlter Spannung übersättigt, könnte jederzeit explodieren und überhaupt wird eine fast unerträgliche Atmosphäre erzeugt, die einem Gänsehaut erzeugen lässt.

Bedrückend schaurig das gezeichnete Portrait der Operatorin, wie die Charaktere des Ehepaares Jensen und Sander. Beeindruckend das Verhältnis der Blutsbrüder Blythe und Sander.

Zum Plot: Von den kriminellen Machenschaften der machtbesessenen und skrupellosen Agitatoren der Pharmaindustrie möchte man als Leser lieber nichts wissen.

Rasanter Erzählstil mit knochentrockenem Humor in exzellenter Qualität. Es fällt schwer, das Buch wegzulegen, wahrlich ein hochklassiger Pageturner.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Beste dänische Thrillerliteratur
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Spannung bis zum überraschenden Finale.

Winterfest von Jørn Lier Horst

Sechs aufgebrochene Hütten im Süden Norwegens, ein Toter in einer der Ferienhütten eines bekannten Fernsehtalkmasters, Wisting wird von einem Mann niedergeschlagen, der mit seinem Auto davonfährt. Die Leiche kommt nicht in der Rechtsmedizin an: Ein Fall mit Kompliziertheit. Es wird in die Sommerhütten eingebrochen und ausgeraubt, Tote werden hinterlassen und später Leichen gefunden.

Es klappt nicht ganz nach Wunsch der Dänen und Norweger mit dem Austausch Geld gegen Kokain. Und dann fallen noch Vögel tot vom Himmel. Irgendetwas Falsches müssen sie gefressen haben; aber was? Es bleibt zunächst völlig unübersichtlich. Wir können jedoch darauf vertrauen, dass Jørn Lier Horst, lange Jahre selbst Kommissar bei der norwegischen Kripo, seinen Protagonisten William Wisting akribisch, unaufgeregt arbeiten lässt und er immer sachlich bleibend an seinem Ermittlungsziel festhält. Zweifel räumt er aus, weil er von sich überzeugt ist: Wisting kommen bei den Ermittlungen Bedenken: „Bewegt sich der Fall auf einen katastrophalen Endpunkt hin?“

Tommy und Line, Wistings Tochter, Journalistin, können nicht mehr: Was will ein versniffter Däne mit einer toughen Norwegerin?

Der angenehm Schreibstil fördert die Leselust, ruhig treibt der Plot die Spannung hoch bis zum überraschenden Finale.

Norwegens preisgekrönter Krimiautor hat noch weitere Wisting-Abenteuer für uns geschrieben, die es wert erscheinen, gelesen zu werden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst
Spannung bis zum überraschenden Finale.